Mozart: Klarinettenquintett A-dur KV 581

  • Hallo,


    Zitat

    Ulli schreibt: Übrigens beginnen sowohl KV 581 als auch KV 622 sowie auch KV 488 [ebenfalls A-Dur!] mit der kleinen Terz e-cis im ersten Satz - ein interessanter Aspekt.

    ...und interessant finde ich hinsichtlich der beiden Klarinettenwerke auch, dass nur wenige Töne nach dieser Terz die unterschiedlichen Charaktere der beiden Werke bereits sichtbar werden: Beim Quintett geht es nach der absteigenden Terz rhytmisch gleichmäßig weiter hinunter (Wirkung: etwas melancholisch, unbeweglich), beim Konzert elegant und verspielt nach oben (Wirkung: eher tänzerisch, beweglich).


    Das heißt, dass das Wesen des Gesamten, fast im goetheschen Sinne, bereits im Kleinen und Einzelnen steckt. Wie ich meine, gilt dies nicht nur für dieses Anfangsbeispiel, sondern ist generell ein wesentliches Merkmal der Meisterschaft Mozarts.


    Ein Wort noch zur Interpretation:


    Ich finde, dass es viele gute Einspielungen des Quintetts gibt. Ganz besonders gerne mag ich aber sowohl beim Quintett als auch beim Konzert Karl Leister an der Klarinette. Irgendwie ist dieser Ton und Spielweise für mich der Inbegriff des Mozartklarinettenklangs.


    Schöne Grüße,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl im Thread Heute erst gekauft (Klassik 2008 )

    ...
    Im Klarinettenquintett vibriert mir der Solist zu stark. Mag sein, daß das böhmische Tradition ist. No me gusta. :no:
    ...
    JR


    So begeistert ich von der Gesamteinspielung der sechs Streichquintette Mozarts durch das Talich-Quartett mit Karel Rehak bin, so wenig erfreut mich die zugleich vorgelegte Einspielung des Klarinettenquintetts. Die Calliope-Aufnahme stammt aus 1990. Das Quartett spielt in seiner Gründungsbesetzung mit Petr Messiereur, Jan Kvapil, Jan Talich sen. und Evzen Rattay. Die Leistung der unHIP aufspielenden Streicher ist nicht zu beanstanden. Sie erreichen - selbstverständlich - nicht die Frische und Überzeugungskraft von z. B. L'Archibudelli, arbeiten aber sehr schön, überzeugend und sauber die Sätze aus. Letztlich eine hervorragende herkömmliche Mozart-Präsentation, die hinter einer entsprechenden des Leipziger Streichquartetts oder der Berliner Solisten um keinen Deut zurückstehen müsste.


    Womit ich mich gar nicht anfreunden kann, ist das Spiel des Klarinettisten Bohuslav Zahradnik. Gerade im direkten Vergleich etwa zu dem von Uwe (und mir) so geschätzten Karl Leister (etwa mit den Berliner Solisten) fällt Zahradniks Spiel ab. Ich empfinde den Ton als wenig vornehm, es klingt für mich, als müsste er jeden Ton, der nicht im legato liegt, gesondert mühselig anblasen, sein Spiel durchzieht für mein Ohr ein ständiges Stocken. Die Inspiriertheit eines Leister, der Einfallsreichtum eines Jon Manasse, die Frische eines Neidich ohnehin gehen diesem Spiel ab. Aber am meisten stört mich eben dieses merkwürdige Stocken. Trotz der von mir so geschätzten Talichs werde ich zu dieser Aufnahme also wohl nicht sehr oft greifen.


    Liebe Grüße, Ulrich

  • Ich habe drei verschiedene Interpretationen von Mozarts Klarinettenquintett KV 581 im Vergleich gehört:



    1. Vertavo Quartett, Martin Fröst


    2. Emerson-Quartett und David Shifrin


    3. Isabelle van Keulen und Ulrike-Anima Mathé (Violinen), Volker Jacobsen (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello), Sharon Kam (Bassklarinette)

    Um das Ergebnis vorwegzunehmen - last not least, Sharon Kam mit ihrem Ensemble entpuppen sich als Favoriten: Klangschön, lebendig, differenziert und homogen zugleich - macht vom ersten Ton an Freude.


    Fröst enttäuschte mich wegen eigenartiger Phrasierung (z.B. der Verlangsamung im Seitenthema) und unschönem Streicherklang des ihn begleitenden Ensembles.


    Bei den Emersons und Shifrin fehlt es mir an Lebendigkeit, insgesamt klingt die Aufnahme uninspiriert und verwaschen.


    Fazit: Das Klarinettenquintett ist ein Werk für die Ewigkeit, und Frau Kam und Team deuten es zeitlos schön...

  • Ich spiele den Klarinetten-Part dieses Quintetts in meiner Kammer (als Amateur) mit besonderem Vergnügen. Leider fehlen mir die Mitmusiker...


    Eine Aufnahme sei noch erwähnt: Dieter Klöcker hatte das Klarinettenquintett KV 581 mit dem Leopolder-Quartett beim Label MDG eingespielt. Dazu finden sich weitere Werke mit Klarinette und Streichern:


    Satz für Klarinette und Streichquartett B-Dur KV 516c
    Satz für Klarinette und Streichquartett A-Dur KV 581a
    Satz für Klarinette, Bassethorn und Streichtrio F-Dur 580b


    In Beitrag 1 dieses Threads lese ich: Zitat "Nun kanns losgehen mit „Alle Taminos hören Mozarts Klarinettenquintett“, ich hoffe, dadurch kommt mal etwas mehr Leben ins Kammermusikforum." Das finde ich auch...
    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Ich höre die Einspielung von Brilliant Classics, CD 53, in der Karl Leister die Klarinette spielt und mit dem Brandis Quartett musiziert. Die Aufnahme gefällt mir hervorragend, die Musiker flechten ihre Stimmen äußerst feinsinnig und kunstvoll umeinander, auch klanglich ist das Ganze höchst erfreulich. In diesem lesenswerten Thread wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, ob hier auch so etwas wie Melancholie zu hören sei - für mich eindeutig ja, vor allem im zweiten Satz - hier könnte man von "schmerzlich schön" sprechen; hier ist ein Hauch von Weltschmerz und Wehmut zu hören, allerdings immer sehr fein, unaufdringlich und subtil. Immer wieder wird dieser Hauch einer Melancholie durch Heiterkeit und Harmonie wieder weggewischt, kaum dass er aufscheint. Eine weitere Empfundung bei mir ist daher auch, dass diese Musik etwas immens Tröstliches hat. Eine große Herrlichkeit, die auch im Jahre 2015 gehört werden und ihren sprachlichen Niederschlag in diesem Thread finden sollte...


    Auch hier gibt es übrigens wieder einen lesenswerten Beitrag im Kammermusikführer:


    http://www.kammermusikfuehrer.de/werke/1297

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Sehr, sehr lange Zeit war Ruhe in diesem Thread. Aktivierung tut not.


    Ich bin auf eine neuere Einspielung des KV 581 gestossen. Es ist eine Bearbeitung für Bassettklarinette und Hammerklavier aus dem Jahr 1809, die in der British Library aufbewahrt wird. Das originale Manuskript der mozartschen Fassung für Klarinette und Streichquartett ist verloren gegangen. Zur Quellenlage der ursprünglichen Fassung lese man in Beitrag 4 die Ausführungen des Taminomitgliedes Ulli.


    Im informativen Booklet-Text wird sehr genau beschrieben, was die Abweichungen von der bisher bekannten Fassung mit Klarinette und Streichern darstellt und weshalb die Anpassungen für Bassettklarinette in dieser Aufnahme den ursprünglichen Intentionen Mozarts eher entsprechen. Die Bassettklarinette besitzt einen um vier Töne nach unten grösseren Tonumfang.


    Die Einspielung verwendet die temperierte Stimmung nach Prelleur und folgt der historisch informierten Aufführungspraxis. Es sind ausgewiesene Spezialistinnen der HIP, die auf dieser bemerkenswerten CD zu hören sind. Ich kann allen Liebhabern des KV 581 diese Einspielung ans Herz legen. Man erhält neben der Bearbeitung des Klarinettenquintetts KV 581 das Klarinettentrio KV 498 "Kegelstatt" sowie die Fantasie KV 475 für Hammerklavier.


    Nicole van Bruggen (Bassettklarinette & Klarinette), Jane Rogers (Viola), Anneke Veenhoff (Hammerklavier)




    PS: In der in Beitrag 33 erwähnten Einspielung mit Sharon Kam spielt sie KV 581 in einer Fassung für Bassettklarinette und Streichquartett. Diese CD kann ich ebenfalls empfehlen.


    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • So schließst sich der Kreis. Durch meine Beschäftigung mit dem Tamino Klassikforum verlor ich allmählich die "schönen" und "unproblematischen" Kompositionen aus den Augen und wandte mich Werken zu, über die sich zwar wunderbar diskutieren ließ - die mir indes oft zu sperrig und wenig eingängi gerschienen.

    Und nun dürfte eine neue Welle bei Tamino entstanden sein - ich komme gar nicht mit dem Hören von Werken nach, die mir besonders gefallen. Das trifft auch auf Mozarts Klarinettenquintett KV 581 zu, welches ich in einer wurnrbaren Aufnahme mit dem Talich-Quertett und dem Solisten Bohuslav ZAHRADNIK soben wieder gehört habe.

    Ich habe - fürs erste - gar nicht nach einer Alternativaufnahme gesucht, weil ich mit die entspannte Stimmung, die diese Aufnahme bei mir hervorrief, nicht zerstören wolte. Laut Harenberg Kammermusikführer ist dieses Quintett Mozarts beliebtestes Kammermusikwerk überhaupt - und das sowohl bei Hörern als auch bei Interpreten.

    Mozart hat darauf verzichtet das Werk über Gebühr virtuos auszurichten - obwohl "sein" Klarinettist Stadler damals zu den Besten seines Fachs zählte , sondern er strebte eine ausgewogene Balance an.

    Ich konnte keine Melancholie entdecken, der zweite Satz wird von mir als "versonnen" empfunden im dritten assoziere ich mit ländlichen tänzerischen Elementen, Sehr eingängig und von Ohrwürmen geradezu triefend - "beinahe kitschig schön" darf man bei Mozart vermutlich gar nicht sagen (?)

    Die Aufnahme mit dem Talich Quartett entstand etwa um 1980 - ist also noch analog, hat aber einen betörend schönen Klang und wurde mit dem DIAPASON ausgezeichet und als DIE Referenz bezeichnet..

    Ich habe zu amazon verlinkt, wo die CD noch neu oder antiquarisch erhältlich ist.

    Die Serie der Aufnahmen mit dem Talich Quartett wurden von CALLIOPE an das Label La Dolce Volta verkauft, die einiges erneut auflegten, aber ausgerechnet diese CD nicht.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Guten Abend,


    eigentlich bin ich was KV 622 und 581 sehr gut bestückt - und beide sind so wunderbar, dass ich sie eher selten höre um sie nicht "abzunudeln" . Aber die Sharon Kam Aufnahme hört sich interessant an , also bestellt. Bin schon gespannt ob sie meine Favouriten toppen kann.


    Kalli

  • Ist kostenlos runterladen (utube)eigentlich verpönt?

    Ist ja auch umweltfreundlicher .

    Ich stelle mir so die Favoriten auf Speichersticks zusammen

    und fertig. Macht ja arm, ein Werk für 34€.