Ist "klassische Musik" elitär ?

  • Wenn ein anspruchsvoller Musikkonsument (wo befindet sich das Eigenschaftswort?) gerne klassische Musik hört, weil im Pop usw. nicht zusagt, dann ist die Frage ob sich damit die Eigenschaft "anspruchsvoll" des Musikkonsumenten auf die von ihm bevorzugte klassische Musik überträgt?


    Das ist doch irgendwie hintenherum gedacht.
    Lieber so:


    Ein anspruchsvolles Musikstück ist eines, das Ansprüche an den Rezipienten stellt.
    Ein anspruchsvoller Musikhörer ist einer, der Ansprüche an die gehörte Musik stellt.
    :thumbup:

  • Dürfen die, die auf dem bisher gezeigten Niveau miteinander diskutierten, auch nur ansatzweise für sich in Anspruch nehmen, etwas Sinnvolles darüber zu sagen zu können, ob einem Gegenstand das Prädikat "elitär" angemessenerweise zukommen mag oder nicht? Ich meine, hier reden Blinde über Farben.


    Welche Qualifkation benötigt man denn genau, um zu beurteilen, ob einem Gegenstand das Prädikat "elitär" angemessen zugeschrieben wird? Sprachphilosoph? Linguist? Soziologe? Adliger? ;)


    Es ist ein durchaus alltägliche Begriff. Daher bin ich der Ansicht, dass ein normaler Sprachverwender das Prädikat schon verwenden kann, ohne Experte (zumal nicht klar ist, was für einer) zu sein. "(Un)gerecht" dürfen ja auch nicht nur Juristen und Philosophen verwenden.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Was mir bei meinen Opernbesuchen aufgefallen ist, ist das sich die Besucher von populären Opern wie La Boheme, Rigoletto oder Traviata viel undisziplinierter verhalten , soll heißen sie unterhalten sich mehr während der Vorstellung, das Handy klingelt und es wird auch mehr gehustet. Ob man zu einer Elite gehört hängt auch von der eigenen Einstellung ab. Nur auch wenn ich nur einmal im Jahr in eine Oper gehe, sollte ich mich auch so verhalten, das sich meine anderen Mitmenschen nicht gestört fühlen. Aber ohne dieses Publikum könnte ein Opernhaus nicht überleben. Im Grunde ist es ja auch nicht verkehrt, das Junge Leute in die Oper gehen aber dann sollte man ihnen auch beibringen wie man sich richtig zu verhalten hat. Und da fängt das elitäre wieder an.

  • Zitat von »zweiterbass« Wenn ein anspruchsvoller Musikkonsument (wo befindet sich das Eigenschaftswort?) gerne klassische Musik hört, weil im Pop usw. nicht zusagt, dann ist die Frage ob sich damit die Eigenschaft "anspruchsvoll" des Musikkonsumenten auf die von ihm bevorzugte klassische Musik überträgt?


    Das ist doch irgendwie hintenherum gedacht.
    Lieber so:


    Ein anspruchsvolles Musikstück ist eines, das Ansprüche an den Rezipienten stellt.
    Ein anspruchsvoller Musikhörer ist einer, der Ansprüche an die gehörte Musik stellt.


    Hallo KTM,


    höfliche Frage: Wäre es fair, so zu zitieren, dass der ursprüngliche/eigentliche Sinn erkennbar wird?


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Zitat

    dass Du versuchst, Deine im Prinzip nicht haltbare Meinung "Musik ist elitär" irgendwie hinzubringen - "die Kurve kriegen" - ist ja nachvollziehbar, ist ja o K. - und wir wollen ja hier keine "Prinzipienreiter" sein.


    Unter "Kurve kriegen war gedacht, vom Thema "elitärer Eisbär" wieder zur "Elitären Musik" zurückzufinden.


    Daß mein Denkansatz, die klassische Musik als "elitär" einzustufen, das halte ich eher für Wunschdenken - wobei man natürlich darüber diskutieren könnte (wofür aber in einem Klassikforum nicht der geeignete Platz ist) was man persönlich als "elitär" betrachtet. Leute mit ausgeprägt linksliberalem Weltbild, lehnen die Existenz von "Eliten" ja a priori ab. Aus dieser Sicht ist es natürlich einfach, klassischer Musik ihren elitären Anspruch abzuerkennen.
    Persönlich bin ich davon überzeugt, daß "klassische Musik" als solche zumindest im Kern elitär ist.
    Aber es ist für mich nicht von Bedeutung. daß und ob dies wirklich der Fall ist.
    Wir können nämlich lediglich ein ungefähres Bild darüber gewinnen ob dies der Fall ist - oder nicht
    Ändern können wir es nicht - und die meisten wollen dies auch nicht.
    "Einfaches Volk in die Konzertsäle" scheitert in der Regel an ZWEI Hindernissen


    a) die "Betroffenen "wollen" das gar nicht
    b) jene, die in der Szene Einfluß und Macht haben - noch viel weniger


    Als Klassikfreak (welch Unwort) solten wir uns dieses "Instruments" der "Elite" jedoch bedienen - wie viel mittelmäßige Produkte werden allein deshalb gekauft weil sie exorbitant teuer sind - und dem Konsumeten real oder virtuell den Hauch des "Elitären" verleihen.


    Die Werbeindustrie ist sich des elitären Charakters von klassischer Musik durchaus bewusst - und setzt sie vorzugsweis für edles Parfüm und andere Luxusgüter ein.


    Zitat

    Drum läuft die Diskussion ja auch so gut


    Genau


    Als Forenbetreiber trage ich (fast) allen Ansprüchen Rechnung.
    Die wirklich elitären Threads dieses Forums sind in der Regel verwaist oder nur schwach besucht - solche über "allgemeine Themen" jedoch zumeist ein Hit. Wir brauchen übrigens BEIDE !!!
    Ob hier- wie behauptet wurde - Blinde über Farbe sprechen (ist diese Floskel nicht schon am Index der politisch inkorrekten Phrasen ??? :P ) oder nicht - das kann und will ich nicht wirklich beurteilen. Eher erscheint es mir, als spräche man über eine abstrakten Begriff wie "Ehre" oder (noch boshafter) "Musikalität". Jeder meint zu wissen worum es geht - und desto genauer man definieren will, desto mehr zerfliesst der Begriff.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Es handelt sich dabei nicht um einen ganzen Beitrag.
    Doch, denn ich habe geschrieben, dass ich die aufgeworfene Frage nicht beantworten will/kann -und aus Deinem Zitat wird das nicht ersichtlich, es entsteht ein falscher Eindruck.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Dein "Glaubensbekenntnis" kann ich gern glauben, ich glaub' es nämlch auch, in Deinem Sinn.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Zitat KSM
    Ein anspruchsvolles Musikstück ist eines, das Ansprüche an den Rezipienten stellt.
    Ein anspruchsvoller Musikhörer ist einer, der Ansprüche an die gehörte Musik stellt.



    Schönes Beispiel für eine gelungene Definition von "Tautologie".


    Und den nicht ganz eindeutigen Begriff "Elite" mit dem noch weniger klaren Begriff "Anspruch" zu erklären, ist auch nicht so erhellend.

  • Die wirklich elitären Threads dieses Forums sind in der Regel verwaist oder nur schwach besucht - solche über "allgemeine Themen" jedoch zumeist ein Hit.


    Wie wahr. Wie dermaßen wahr. Ich befasse mich derzeit u.a. mit Ralph Vaughan Williams Sinfonien - das letzte Posting im einschlägigen Tamino-Thread datiert vom 19. Januar 2009. Im Thread über die 7 Sinfonien von Jean Sibelius war ich am 15. April 2010 der letzte, der etwas zur Diskussion beigetragen hat. Und warte seitdem vergeblich auf Antwort. Noch schlimmer sieht es im Thread über Mozarts Klavierkonzert Nr. 18 B-Dur KV 456 aus: dort äußerte sich zuletzt jemand am 18. Mai 2008. Oder im Thread über einen überaus wichtigen Pianisten wie William Kapell: letztes Posting am 31. Oktober 2008. Oder im Thread über herausragende Kammermusikwerke wie die Sonaten für Violoncello und Klavier von Bohuslav Martinú: Funkstille seit dem 18. September 2008. Alles nur Beispiele unter vielen, vielen anderen.

  • Die wirklich elitären Threads dieses Forums sind in der Regel verwaist oder nur schwach besucht - solche über "allgemeine Themen" jedoch zumeist ein Hit.

    Wie wahr. Wie dermaßen wahr.

    Auf die Frage, ob klassische Musik elitär ist, gibt es mit dieser 464 Antworten. Von der überwiegenden Mehrheit wird diese Frage verneint, aber elitäre Threads in diesem Forum scheint es zu geben. Merkwürdig, Merkwürdig. Haben die etwa nichts mit klassischer Musik zu tun?


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Auf die Frage, ob klassische Musik elitär ist, gibt es mit dieser 464 Antworten. Von der überwiegenden Mehrheit wird diese Frage verneint, aber elitäre Threads in diesem Forum scheint es zu geben. Merkwürdig, Merkwürdig. Haben die etwa nichts mit klassischer Musik zu tun?


    Diese "elitär"-Diskussion hier interessiert mich nicht die Bohne, ich habe sie noch nicht einmal überflogen. Mir ging es um das von Alfred aufgezeigte Verhältnis der forumsinternen Beliebtheit von "speziellen" Threads, welche konkreten musikalischen Themen gewidmet sind, und "allgemeinen" Themen wie diesem hier. Und mit Alfred bin ich der Meinung, dass die "speziellen" Threads bei Tamino zuweilen doch recht stiefmütterlich behandelt werden. Ich sehe mich mit Dir, lieber Bernward, in dieser Frage überhaupt nicht in einem Gegensatz. Beteiligst Du Dich schließlich ebenfalls rege und anregend an "speziellen" Threads.

  • Zitat KSM
    Ein anspruchsvolles Musikstück ist eines, das Ansprüche an den Rezipienten stellt.
    Ein anspruchsvoller Musikhörer ist einer, der Ansprüche an die gehörte Musik stellt.


    Schönes Beispiel für eine gelungene Definition von "Tautologie".


    Es wären höchstens Beispiele für Tautologien, aber keineswegs Definitionen. Wenn man schon genau sein will, dann richtig.
    (Vermutlich meintest Du Beispiele für tautologische Definitionen ;))


    Es snd jedoch keineswegs bloß Tautologien, vielmehr drücken sie, wenn auch zu knapp und erläuterungsbedürftig, zwei durchaus unterschiedlichen Perspektiven aus. Nämlich eine werkzentrierte und eine hörerzentrierte Betrachtungsweise. Was mit Anspruch gemeint ist und ob es überhaupt je nach "Richtung" dasselbe ist, müsste allerdings noch erklärt werden.


    Vgl.:
    1: "Gold ist so wertvoll, weil es so aufwendig geschürft, verarbeitet usw. werden muss."
    2: "Gold ist so wertvoll, weil es knapp ist und Käufer mehr Gold haben wollen, als angeboten wird."


    1 und 2 sind inhaltlich unterschiedliche, informative Aussagen darüber, was es bedeutet wertvoll zu sein.


    3: "Die Goldbergvariationen sind 'anspruchsvoll", weil sie aufgrund ihrer Länge, Struktur, Komplexität usw. Ansprüche an den Hörer stellen."
    4:"Die GBV sind 'anspruchsvoll', weil sie von vielen anspruchsvollen Hörern geschätzt werden."


    3 erläutert wenigstens ansatzweise, was mit Ansprüche stellen gemeint sein könnte.
    4 ist noch ziemlich tautologisch, weil nicht gesagt wird, was mit anspruchsvoller Hörer gemeint ist. Aber es ist klar eine andere Aussage als 3.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    (Bob Dylan)

  • Zitat JR


    Es wären höchstens Beispiele für Tautologien, aber keineswegs Definitionen. Wenn man schon genau sein will, dann richtig.
    (Vermutlich meintest Du Beispiele für tautologische Definitionen ;))


    Es snd jedoch keineswegs bloß Tautologien, vielmehr drücken sie, wenn auch zu knapp und erläuterungsbedürftig, zwei durchaus unterschiedlichen Perspektiven aus. Nämlich eine werkzentrierte und eine hörerzentrierte Betrachtungsweise. Was mit Anspruch gemeint ist und ob es überhaupt je nach "Richtung" dasselbe ist, müsste allerdings noch erklärt werden.


    Vgl.:
    1: "Gold ist so wertvoll, weil es so aufwendig geschürft, verarbeitet usw. werden muss."
    2: "Gold ist so wertvoll, weil es knapp ist und Käufer mehr Gold haben wollen, als angeboten wird."


    1 und 2 sind inhaltlich unterschiedliche, informative Aussagen darüber, was es bedeutet wertvoll zu sein.


    3: "Die Goldbergvariationen sind 'anspruchsvoll", weil sie aufgrund ihrer Länge, Struktur, Komplexität usw. Ansprüche an den Hörer stellen."
    4:"Die GBV sind 'anspruchsvoll', weil sie von vielen anspruchsvollen Hörern geschätzt werden."


    3 erläutert wenigstens ansatzweise, was mit Ansprüche stellen gemeint sein könnte.
    4 ist noch ziemlich tautologisch, weil nicht gesagt wird, was mit anspruchsvoller Hörer gemeint ist. Aber es ist klar eine andere Aussage als 3.




    Hauptsache, die Rabulistik funktioniert.


    Aber mal Schpass beiseite: ich werde doch mit einem Philosophen nicht über tautologische Definitionen, definitorische Tautologien oder tautodefinitorische Definitionstautologien streiten.


    :thumbsup:

  • Ich misch mich auch einfach mal ein:


    Mein Standpunkt: Dass Klassik in der öffentlichen Wahrnehmung als irgendwie elitär (im negativen Sinne, konnotiert mit Arroganz) gilt, liegt weniger an der Musik selbst. Zu eng ist die Verbindung von grossbürgerlichem Habitus mit dem Bild ihrer Freunde und Produzente. Anzug, Sektempfänge, Tradition, etc. Das hat eben historische Gründe. Früher brauchte man immer Musiker, man brauchte Sääle, etc. pp. Sie ist Teil der typischen Bildung der (Macht-)Elite - das prägt ihr Bild in der Öffentlichkeit.


    Ich finde übrigens, dass das was Alfred Schmidt schrieb durchaus ein Dilemma ist: Einers will "man" die breite Masse garnicht im Konzertsaal, andererseits wird der Wegfall von Fördergeldern beklagt, die aber zu einem guten Teil aus den Taschen der Leute stammen, die eben die breite Masse ausmacht.


    Ausserdem ist mMn hier in der Diskussion das Problem des Elitebegriffs folgendes: Fast jeder definiert sich den Begriff anders und jeder benutzt das Wort "Elite". Ich empfehle das Lesen verschiedener Elitedefinitionen auf die man dann Bezug nehmen kann (Elite nach dem Brockhause, nach Bourdieu, nach Mills, etc.). Jeder kann den Begriff definieren, solange er seine Definition klar macht.
    Wer in Anspruch nimmt, Elite so zu benutzen, wie der Begriff in der Bevölkerung wahrgenommen wird, der möge bitte die entsprechenden Studien konsultieren.
    Ist natürlich wunschdenken, aber das hier ist ja auch zum Glück ein Musikforum und kein Soziologenform (sonst wäre ich nämlich nicht hier :) )

  • "Jein", Klassik ist elitär. Das ist einfach ein Grüppchen, das sich im Rahmen des Interesses eine Menge Hintergrundwissen angehäuft hat, was am Ende in einer Diskussion münden kann, die von Gott bis zur Welt reicht.
    ABER "Nein", man ist deswegen noch lange nicht intelligenter und erlesener, weil man sich in seiner Freizeit auf ein bestimmtes Interessengebiet spezialisiert hat.


    Es gibt eine Menge Grüppchen, die man als elitär beschreiben könnte. Star Trek Fans, im übergeordneten Sinne Sci-Fi-Fans, Whisk(e)y-Trinker, Briefmarkensammler, Terry Pratchett-Fans, Gläubige, Nichtgläubige. Die Liste ließe sich fortsetzen.


    Es geht um Menschen und ihre Interessen. Es macht keinen Sinn, sich hinter seinen Interessen, seinem Wissen, seinem Verständnis und Vorlieben auf einem bestimmten Gebiet zu verschanzen und sich darauf etwas einzubilden. Das macht einem vielleicht zu einem "Fachmann" auf seinem Gebiet, grenzt aber gleichzeitig aus gegenüber anderen wundervollen Menschen, die andere Interessen haben, aber darum nicht minder "erlesene" Zeitgenossen sind, weil sie beispielsweise einfach nett und angenehm sind.


    Auch wenn Musik so ziemlich das wichtigste in meinem Leben ist, oder gerade weil dies so ist, würde ich mich hüten, einen anderen ob seines Musikgeschmacks zu beurteilen und einzuordnen. Ich kenne Bohlen-Fans, die mir menschlich weit voraus sind.


    Ich sehe keinen Sinn darin, Klassik als elitär zu bezeichnen bzw. die Tatsache zu betonen und hervorzuheben, dass die Musik, mit der ich mich beschäftige, speziell ist. Musik kann EIN gemeinsamer Nenner sein im täglichen Zusammenleben. Musik zu hören, die andere nicht hören, sagt aber gar nix aus. Erst Recht nicht gegenüber den anderen, vermeintlich nicht Elitären.


    Heutzutage könnte man schon die regelmäßige Anwendung des Genitivs als elitär bezeichnen. Aber wozu? Selbst der Duden macht da heute Zugeständnisse. Was solls also und was bringts? Elitär ist immer ein Absondern. Ich denke nicht, dass man das um jeden Preis machen muss. Ich bin mehr ein Freund des aufeinander Zugehens, des Augenzwinkerns und auch des darüber Hinwegsehens.


    Darüber hinaus bin ich fest davon überzeugt, dass es auch noch andere Musik gibt, die genau so einzigartig ist.


    :hello:

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • Ich war nie ein Bohlen-Fan, werde nie einer werden und habe in meinen nicht gerade kleinen Freundeskreis auch niemand (Gott sei Dank!!!) der Fan von diesem Menschen ist. Dass es Bohlen-Fans gibt, die mir menschlich weit voraus wären, halte ich für etwas übertrieben. Da steht mir Loriot schon erheblich näher.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich war nie ein Bohlen-Fan, werde nie einer werden und habe in meinen nicht gerade kleinen Freundeskreis auch niemand (Gott sei Dank!!!) der Fan von diesem Menschen ist. Dass es Bohlen-Fans gibt, die mir menschlich weit voraus wären, halte ich für weit übertrieben.


    LH, Bernward


    Das eine hat eben mit dem anderen nix zu tun. Warum sollte man einen Menschen über seinen Musikgeschmack definieren? Und wer ist dieser "Loriho"? ;)

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • "Jein", Klassik ist elitär. Das ist einfach ein Grüppchen, das sich im Rahmen des Interesses eine Menge Hintergrundwissen angehäuft hat, was am Ende in einer Diskussion münden kann, die von Gott bis zur Welt reicht.
    ABER "Nein", man ist deswegen noch lange nicht intelligenter und erlesener, weil man sich in seiner Freizeit auf ein bestimmtes Interessengebiet spezialisiert hat.


    Hallo Masetto,


    kein Einwand, nur ein kleiner Hinweis:


    Das Thema des Threads heißt: Ist "klassische Musik" elitär?
    Das Thema des Threads heißt nicht: Sind Hörer klassischer Musik elitär oder fühlen sich so.


    Das ist für mich ein riesengroßer Unterschied - in vielen meiner Beiträge (wenn Du Dir die Mühe machen willst, dann sieh' sie Dir bitte an) zu diesem Thema habe ich diese Meinung vertreten und argumentativ untermauert:
    Musik - auch klassische - ist ihrem Wesen nach nie elitär - Musik steht über solchen Eigenschaften - sie ist mit solchen und ähnlichen Eigenschaften nicht zu definieren.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo, Ihr Lieben!


    Etwas Neues aus meiner Sicht bekommt ihr jetzt nicht zu hören - aber natürlich gehört es nicht zur Allgemeinbildung, mich, meine Meinungen und meine Beiträge dahier parat zu haben. ;)


    Soeben habe ich Meister Masetto gelesen und stimme ihm in fast ieder Hinsicht zu. Ich sympathisiere auch gern mit dem zweiten Bass und liebe Bohlen sogar noch mehr als Meister Gerlach, denn verglichen mit ihm ist Stefan Raab eine Geistesgröße Einstein'schen Ausmaßes. ^^ Aber zu was anderem:


    Schon seit langer Zeit missfällt mir der Begriff "Klassische Musik" per se. Es leuchtet mir ein, dass wir aus organisatorischen Gründen einige Schubladen brauchen, sei es für ein solches Forum, sei es beim Plattenhandel, sei es für die journalistische Rubrik, vielleicht aber schon nicht mehr im Hinblick auf die Logistik eines Bibliotheksbestandes. Ich will auch gar nicht leugnen, dass es einiger weltanschaulicher Kriterien bedarf, um eine Musikdiskussion zu führen, und dass von daher Etiketten bisweilen der Vereinfachung bezüglich einer Verständigung oder schlichtweg der Vereinfachung schlechthin dienen mögen.


    Meinerseits bin ich ein Musikliebhaber, von mir aus - wenn es denn sein muss - ein Liebhaber der "Kunstmusik", ein begeisterter noch dazu. Ich will aber nicht so gern hören, dass ich ein Hörer klassischer Musik bin, nicht nur deswegen, weil ich neben Barock, Klassik, Romantik, vor allem dem 20. Jahrhundert und so vielen Besetzungssparten wie möglich, weil ich also daneben auch immer wieder Jazz-Phasen habe oder solche des Musikkabaretts oder bisweilen des Chansons oder der mittelalterlichen Musik oder- leider viel zu selten - der vokalen Renaissance (War das zuletzt jetzt "Klassik"??) - oder aber umgekehrt, obwohl ich viel zu wenige Opern komplett höre, da mir die Zeit dazu fehlt. Ich könnte sie mir doch nehmen? Am Interesse liegt es nicht, aber ich will auch mal wieder ein Buch lesen; das tue ich zu selten oder nur von Berufs wegen.


    Der springende Punkt meines Erachtens: Mit unserem steten kreisenden Tanz um ein goldenes Kalb "klassisch" liefern wir doch nur denjenigen Munition, die so stolz darauf sind, "House" zu hören, aber gewiss nicht "Death Metal", oder denjenigen, die das Konzert einer höchst fähigen, höchst begabten Ziguenerband (wahrscheinlich muss man jetzt sagen: Sintiformation) mit den Worten ankündigen (so gelesen): ein wenig Flamenco, ein wenig Jazz, ein wenig Salsa, ein wenig Klassik. Blödsinn. Und eine zumindest quantitative Ungezogenheit dem Jazz gegenüber und der so genannten "Klassik" gleich zehnmal.


    Lasst uns nicht immer unser "elitäres" Bewusstsein :P - also ganz einfach unsere Begeisterung, unsere Freude - auch dadurch entwerten - neben einer falschen Denkungsart, also einem unfruchtbaren, würdelosen Dünkel - dass wir Schablonenrabulistik betreiben. (Danke an den Vorredner Mueller für die Wieder-Bewusstmachung des zuletzt genannten schönen Wortes.)


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo!


    Ich denke, dass klassische Musik nicht elitär ist. Jeder, der den Wunsch hat, kann klassische Musik hören. Sei es nun eine CD oder ein Stehplatz in einem Konzert. Sie war es früher einmal, da nicht jeder Zugang zu den Aufführungen klassischer Musik hatte und dies der einzige Weg war, klassische Musik im weitesten Sinn des Wortes zu hören. Erst in den letzten Jahren ist es für wirklich jedem möglich, klassische Musik zu hören. Die Abspielgeräte sind preiswert bis billig, die CDs kosten ebenfalls nicht mehr die Welt.


    Wenn man die Hörer klassischer Musik analysierte, könnte ein Ergebnis sein, dass der Anteil jener, die aus wissenschaftlicher Sicht zur Elite eines Landes gehören, überproportional vertreten sind. In diesem Sinne könnte man davon sprechen, dass klassische Musik elitär ist. Wenn ich die Zwei Elitenbegriffe, die Micheal Hartmann in seinem Buch "Der Mythos der Leistungseliten" zu Grunde legt, verwende, so kann klassiche Musik nicht elitär sein, wenn ich den engeren Begriff nehme. Im engeren Elitenbegriff sind für Deutschland nur 4000 Personen enthalten. In der erweiterten Definition sind es 1% der Bevölkerung, die zur Elite gezählt werden. Wenn ich das 1% annehme, so glaube ich, dass ein Großteil der Hörer klassischer Musik dieser Elite angehört. Bei dieser Betrachtungsweise, wäre klassische Musik elitär.


    In dem oben genannten Buch, wird von einem Chef eines großen Industrieunternehmens erzählt, welcher sich mit den Bewerbern um höchste Postitionen nur über klassische Musik unterhielt. Für eine bestimmte Schicht, war es offenbar früher gar kein Thema, dass ein Angehöriger diese Schicht sich mit klassischer Musik auseinander setzte. Im Sinne dieser Selbstverständlichkeit, dass ein Gegenüber über klassische Musik sprechen kann, ist/war sie auch elitär.


    Für mich ist es nicht von Bedeutung, ob klassische Musik nun elitär ist oder nicht. Darum mache ich auch immer wieder Werbung für die Musik, die mir so sehr gefällt.
    lg,
    Franz

    Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

  • In dieser Diskussion erkenne ich alte Denkmuster, in denen die klassische Musik als ein Privileg der Adligen, des gehobenen Bürgertums, der sogenannten Gebildeten, der Eliten, der exclusiven Herrenclubs, usw. angesehen wurde oder noch heute angesehen wird. .
    Wenn das so wäre hätten wir im Tamino-Klassik-Forum die Pflicht, uns zu vereinigen und dafür zu sorgen, dass klassische Musik breit in die Bevölkerung hineingetragen und wertvolles Allgemeingut wird.
    Wofür - als für diese Ziele - arbeiten verdienstvoll die Musikschulen, die Volkshochschulen, die zahlreichen Laienorchester und Chöre?
    Warum haben wir in der BRD diesen musikalischen Reichtum und diese Dichte in der Orchesterlandschaft?
    Doch nur weil es der klassischen Musik auch dank Sendern wie Arte, 3sat und Klassik-Radio gelingt, das aus arrogantem Dünkel heraus geschaffene gesellschaftliche "Gefängnis" zu sprengen und eltäre Hürden zu überspringen.
    Alle Bestrebungen, die mithelfen, Klassische Musik als einen der hohen Werte unserer Kultur zu popularisieren und zu verbreiten sollten unterstützt werden. Hier können wir Taminos einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten und wir sollten uns dieser Verantwortung stellen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • In dieser Diskussion erkenne ich alte Denkmuster, in denen die klassische Musik als ein Privileg der Adligen, des gehobenen Bürgertums, der sogenannten Gebildeten, der Eliten, der exclusiven Herrenclubs, usw. angesehen wurde oder noch heute angesehen wird.


    Hallo operus,


    nachdem ich vermute, dass Du meine vielen - auch zurückliegenden - Beiträge zu diesem Thema vielleicht kennst


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


    Ich bin sonst kein Feund dieser smilies - aber so wird's schnell sichtbar, wie ich mich über Deinen Beitrag freue!


    Herzliche Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Ich hoffe, dass auch mein obiger Beitrag trotz etwas anderer Zielsetzung genau im Sinne von operus verstanden wird.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Uns Liebhabern Klassischer Musik stehen Möglichkeiten zur Verfügung, von denen man vor wenigen Jahren nur träumen konnte. Das Internet hat einen beachtlichen Teil zur Verbreitung beigetragen und dafür bin ich dankbar. Ich staune über die medialen Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen:

    • Originalhandschriften und gedruckten Partituren sind jedermann per Download zugänglich.
    • Auf YouTube kann man manche Schätze der Interpretationsgeschichte hören und sehen.
    • Innert Sekundenbruchteilen findet man Angaben und Werkanalysen zu gesuchten Musiktiteln.
    • Man hat die Qual der Wahl des riesigen Tonträger-Angebotes, wenn man ein bestimmtes Werk auf Tonträger erwerben möchte.
    • Live oder ab medialer Konserve kann man Konzerten in den eigenen vier Wänden beiwohnen.
    • In einem Forum wie diesem kann jedermann seine Meinungen und Ansichten verbreiten oder sich informieren.


    und, und, und....


    Es ist für uns Zeitgenossen durch das Medium Internet noch nie so einfach gemacht worden, elitär zu sein. Diesen leicht gemachten Zugang zu den Werken klassischer Musik schätze ich.

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe