Lieber Wulf,
Das mit Loge hat mich etwas irritiert. Aber jetzt zu Deinen beitrag.
Was meinst Du damit genau - nachvollziehbar??
In der Hoffnung mich deutlicher auszudrücken, das ich beim Hören den ständig Eindruck habe, diese Musik ist für mich nicht stumm. Aber ich fürchte das sagt dir nichts. Also, dass ich beim Hören dann jede Sekunde den Eindruck habe , ja so ist es gesagt. Damit habe ich aber die Musik nicht noch „verstanden“. Darauf lege ich wert. Also ich bin beim dann Hören ständig , instinktiv am Ball. Vielleicht wird dir jetzt es etwas deutlicher ? Oder wieder nicht ? Bei schlechten Wiedergaben habe ich keinen Zugang zum Werk
Du scheinst mir in Musik hauptsächlich die intelektuelle Herausforderung zu suchen , so lese ich zumindest Deine Beiträge.
Erst einmal eine emotionale Herausforderung (auch eine intellektuelle) Ich sehe zwischen Emotion + Intellekt keinen Gegensatz. Das Intellektuelle bereichert das Emotionale. Die Entdeckung der Werke vollzieht sich sicher in Schichten eineseits , aber es gibt auch diese Überraschungsmomente, wo einen was plötzlich aufgeht. So eben richtig fetzt.
Musik, die zunächst einfach eingängig ist und auf "semantischer" Ebene vielleicht nicht allzuviele Rätsel parat hält, interessiert Dich zunächst weniger - nehmen wir mal etwas wie das "Espana" von Chabrier. Ist eben ein fröhliches Kabinettstück, man könnt meinen, viel ist aber nicht hinter. Es unterhält. Aber wie!! Und wie kongenial orchestriert. Derart gut, daß Mahler mal sagte, so stelle er sich künftige Orchestermusik vor Hatte auch einmal eine Phase, in der Musik, die mich auf dialetkische, tiefenschürfende Ebene nur wenig ansprach, die ich mir nicht erst erkämpfen musste, eher ablehnte. Will Dich gar nicht davon abnbringen, aber ich kann sagen, es entgeht einem etwas.
Möglicherweise liegst Du in diesem Punkt nicht falsch. Aber mir liegt emotional mehr das, was du als tiefschürfend bezeichnest.
Was Du aber nicht machen solltest - vielleicht verstehe ich Dich auch falsch - dieses Kriterium des "Erobernwollens" als obere Maxime zu objektivieren una andere Werke und auch die Hörer daran zu messen.
Na ja das was – du als tiefschürfend bezeichnest – bildet doch letzlich die basis der Avantgarde. Klingt jetzt etwas banal, zugegeben, kann das auf die schnelle aber nicht besser als so „quasi-objektiv“ sagen. Mit dem wörtchen „quasi-objektiv“ ist mir ein Ohrwurm ins hirn gelegt worden
John Adams, von Schönberg gefördert! - schrieb nach dem 2. Weltkrieg, in dem die Frage aufschwelte, wie Musik überhaupt nach so einem Grauen auszusehen habe,
das bringt mich jetzt auf den gedanken, dass insgesamt die Musik gegenüber der Realität sehr harmlos ist. Vielleicht wäre leichte unverbindliche musik , die ihre harmloskeit einbekennnt auch eine angemessene Reaktionsform auf Realität. Aber da sehe ich immer die gefahr dass solche Werke zum Komplizen der welt, selbst zur Ideologie werden kann. Ich weiß es aber auch nicht besser, wie aus diesem Dilemma rauszukommen ist.
Außerdem bitte ich Dich zu überdenken - zumal Du zugegeben hast, nicht über die analytischen Fähigkeiten zu besitzen - ob flaxe Formulierungen wie "ist daran gescheitert", "himmelweite Unterschiede" , "blieb hinter seinen Mögichkeiten zurück" so gewinnbringend sind. Dies klingt manchmal schon ein wenig lektürebasiert
Das sind sicherlich mal so ein paar misglückte leseblüten aus programmheftchen. Ich will versuchen mich zu bessern. Bin alles andere als perfekt meine „objektiv vermittelten (darauf bestehe ich !!!!) gleichzeitig subjektiven“ Höreindrücke „quasi-zu-objektivieren“ (ich meine natürlich ohne quasi !) Dann: Musik hat keine Verbal-Sprache und damit auch keine „quasi-objektivierbaren" Begriffe. Das macht es auch nicht leichter.
denn manches lässt sich durch Hören nur schwer entdecken.
Ich habe sowieso immer den Eindruck beim Hören (egal ob „traditionell“ oder „modern“), dass ich nur die Spitze des Eisberges ankratze. Selbst wenn ich Sonatenhauptsatzform (z.B. bei Schönberg SQ4 erster Satz) und instinktiv nachvollziehe, bin ich dadurch nur ein Mini-Stück-Weg näher gekommen. Mir scheint auch so was wie Sonate nicht das Wesentliche zu sein. Auch die Etiketierungen wie klassisch, serielle führen nach meiner Erfahrung nur sehr bedingt ins Werk hinein. Sind vielleicht Hilfsmittel, die aber dann abgelegt werden....
also üfter mal den alten Lästerer von der Weid
Was ist denn das ?
oder die anderen Avantgarde-Kampfpamphlete zur Seite legen und einfach neugierig bleiben
Was für Kampfpampflete ? Neugierig will ich bleiben. Ich werde mir demnächst – angeregt durch edwin – die Antigone reinziehen, wie gesagt ohne Vorbehalte.
Du sprachst noch von Erobern wollen.
Das Wort passt gut nach meiner Erfahrung für „Neues zu entdecken“, seis z.B. durch Hören, Lesen etc das sind alles – wie auch Lernen - aggressive Momente.
So jetzt muss ich erst mal – für heute jedenfalls - Schluss machen. Werde aber am ball bleiben Ich finde diese Diskussion sehr anregend (jedenfalls für mich ), mir wird vieles klar. bin aber jetzt etwas angestrengt davon Ich habe jetzt noch anderes zu tun... Montag geht die Woche wieder los, ob wirs wollen oder nicht.
![]()