27.01.2008: Sonderfahrt zu Schoonderwoerd


  • Sonderfahrt zu Schoonderwoerd



    Ein betextetes Reisebilderbuch


    Am 25. Januar AD MMVIII machte sich ein fanatisches Grüppchen Schoonderwoerdverehrer, zugleich versteckte op.-58-Fanatiker [daß "Fanatiker" hier nur ein Ersatzwort für Unbeschreibliches ist, ist an dieser Stelle nachlesbar - ich bin sicher, daß wäre bei Wahl der Schoonderwoerdaufnahme nicht so glimpflich ausgegangen...], auf die beschwerliche Reise von Scheibenhard im nordöstlichen Frankreich nach dem allseits bekannten Innsbruck, um alldort die unlängst auf einer Silberscheibe verteilewigten Klavierkonzerte Nos. 4 und 5 des Meisters Luigi van Beethoven lebendig zelebriert erleben zu können. Die Reisenden waren der wohlgeborne Chevalier de Scheibenhard nebst seiner ihm zufällig anheimgestellten Contrabaaß, die sich im folgenden Berichte farblich abheben wird, während der Autor dieser Zeilen bereits abgehoben ist.


    Bereits im Sommer 2007 erhielt der Chevalier, vermutlich durch einen Observator genannten Beobachter in Wien höchstdaselbst, die Nachricht, daß Arthur Schoonderwoerd und das ihm gehorchende Ensemble Cristofori am 27. Jänner zu Hall in Tirol bei Innsbruck konzertieren. Die Gelegenheit schien dem temporär befristeten Wahlfranzosen willkommen und er entschloß sich, eine Wallfahrt anzutreten. Die Reisebegleitung war schnell ausgemacht und für den am Ort des mutmaßlichen Geschehens verwurzelten war keine besondere Überzeugungsarbeit zu leisten.


    Mal ehrlich - wer würde denn da "nein" sagen!?


    So begab es sich, daß der Chevalier mit seinem Bäßle über Ulm [25.01.2008] und Füssen [26.01.2008 - nicht ohne beim Mozartwirt zu Mittag gespeiset zu haben!]* nach 423 km Kutschfahrt Innsbruck erreichten, wo alldort bereits der auf dem Luftweg angereiste Herr Observator als fehlender Dritter im Bunde sich die Füße in den Hals wa[r]tete. Man traf sich an der Universität am Innrain und gelangte alsbald in die herrliche Herberge, welche von den Organisatoren des Konzertes extra für uns ausgesucht wurde: wenn auch deren musikalischer Geschmack zweifelhaft erscheinen mag, die Übernachtungsgelegenheit war vorzüglich und vor allem großzügig gewählt! Nachdem wir uns in unseren Suiten wohnlich eingerichtet hatten, begaben wir uns gleich zum Haller Kurhaus, wo man bereits hinsichtlich unseres Besuchs vorgewarnt war. Durch die Hintertür drangen wir in den vorübergehend als Konzertsal fungierenden Faschingsraum des Kurhauses zu Hall ein - die Türe stand etwas offen und es war dem Chevalier unbeschreiblich zumute: Die drei Weisen aus dem Gesternland betraten den Raum unter Klängen des ersten Satzes des vierten Konzertes und dem Chevalier ward es zumute, wie es ihm immer zumute wird, wenn er beispielsweise den "Salong" des Schloßtheaters zu Drottningholm betritt oder die Filmszene aus "Amadeus" anschaut, während jener Mozart am Billardtisch an seinem Figaro komponiert. Das Herz bleibt für eine sekundenlange Ewigkeit auf der Stelle stehen... *was sich natürlich unserer Gewohnheit gemäß über mehrere Gänge hinzog. Gerne hätten wir noch mehr Zeit mit den Moziwis verbracht, doch unser Reiseplan duldete keine größeren Verzögerungen. Dennoch nahmen wir uns die Zeit, in einem kurzen Ruinen-Rundgang uns einen Überblick über das Ausmaß der Brandkatastrophe zu verschaffen. Auch wenn der Mozartwirt von außen betrachtet kaum Schaden genommen zu haben scheint (zumindest so lange man das Gebäude nur von vorne betrachtet) und in der Gaststube alles beim alten zu sein scheint, ist das Obergeschoss doch nur mehr ein entkernter Rohbau, nachdem sämtliche verrußten Innereien von den Bauarbeitern herausgerissen wurden.


    ~ * ~ * ~ * ~


    Schon die als "Proben" bezeichnete Darbietung übertraf alle Erwartungen - was für ein Klang! Was für Instrumente! Eine unbekannte Kadenz [die frei improvisiert war, wie sich später herausstellen sollte. Wie übrigens alle erklungenen und auf CDs festgehaltenen Kadenzen]! Unmittelbar nach den Proben waren wir unversehens in Gespräche mit Arthur Schoonderwoerd verwickelt - als ob sich alte Bekannte unterhielten. (Warum nur musste ich unentwegt an Paul denken...?) Der Maestro war sichtlich hocherfreut über unser Erscheinen...


    "...die Klavierkonzerte 1 bis 3, die Chorfantasie, alle Sinfonien,
    Ouvertüren und besonders op. 61 in der Klavierfassung...
    haben Sie alles? Liefertermin: z.z."

    [s][s][s][/s][/s][/s]


    "Wenn ich Ihnen mal eben die weltbeste Einspielung zeigen dürfte..."

    "Tausche Klassikforum gegen Ihren Fritz...
    Jetzt schaun Sie nicht so, das ist ein fairer Deal..."


    Schoonderwoerd signierte recht schön brav alles, was man ihm vorlegte und plauderte dabei ohne Unterlass. Ein sehr sympathischer Mensch, den der Chevalier sogleich in sein Herz geschlossen hatte. Natürlich wurde das Fortepiano von Johann Fritz gleich genauer untersucht:


    Marmor, Stein und Eisen bricht...

    [s][s][s][/s][/s][/s]



    Mann, wo sind jetzt bloß die
    Noten von meiner freien Fantasie hin...?

    [s][s][s][/s][/s][/s]



    ...und seitens des Chevaliers für das anstehende Konzert gutgeheißen.



    Fritzchen ist in der Tat ein ganz außergewöhnliches Instrument. Er riecht ein bisschen nach Omas Mottenkiste (...und Mäusepipi, ergänzte Herr Schoonderwoerd meinen entsprechenden Kommentar). Man wird schon ein wenig ehrführchtig ob der Anwesenheit eines Zeitgenossen Beethovens. Automatisch senkt man die Stimme und meidet tunlichst jede Berührung aus Angst, das gute Stück könnte zu Staub zerfallen. Dabei handelt sich keineswegs um ein Spitzenmodell seiner Zeit. Johann Fritz war selbst ein Schüler Anton Walters, so dass man bereits bei dem nagelneuen Instrument von einem Nachbau der Instrumente des Meisters reden konnte. Dem genauen Beobachter (=uns :D ) fiel auf, dass die Verzierungen über der Tastatur lediglich aufgemalt und nicht eingelegt waren. Doch gerade das macht das Instrument sehr sympathisch. Es war nie ein Ziermöbel in adeligem Hause sondern diente nur einem einzigen Zweck: wundervolle Töne zu erzeugen - eine Bestimmung, der es selbst nach fast 200 Lebensjahren noch immer geflissentlich nachkommt, wenn auch es zwischenzeitlich einige Jahrzehnte als Mäusebehausung diente. Von einer Erörterung der Frage, ob durch das Eindringen von Mäuseexkrementen die Authentizität des historischen Klanges in Frage gestellt wird, will ich an dieser Stelle absehen.


    Der Klang des Instrumentes jedenfalls spricht für sich. Auch wenn mir Aufnahmen mit hippen Fortepianos des ausgehenden 18. Jahrhunderts gelegentlich die Schuhe ausziehen (Schepperkisten...) würde ich dieses Instrument jederzeit einem modernen Flügel vorziehen.

    Das kleine Städtchen Hall mit seinem mittelalterlichen Ortskern diente uns hervorragend als Kulisse für einen Abendspaziergang ohne die Illusion einer Zeitreise zu durchbrechen. Doch den heimeligen Lichtern aus den zahlreichen kleinen Restaurants der Innenstadt gelang es nicht, uns zu locken. Wir zogen die Privatsphäre unseres Hotels und die Schlichtheit unserer im Supermarkt erworbenen österreichischen Spezialitäten (Stiegel-Bier und Mannerschnitten) vor. An jenem Abend sermonierten wir noch einen langen, virtuellen Tritsch-Tratsch-Thread voll, bevor wir uns zu Bette legten.


    Die Generalprobe wurde für den kommenden [Sonn-] Tag, 10.00 h anberaumt. Und die Pilger waren sicher, daß sie anwesend sein würden.

    ~ * ~ * ~ * ~


    Das 20 personenstarke Ensemble Cristofori
    während der Proben zum 5. Klavierkonzert op. 73
    in antiphonischer Streicheraufstellung:


    Luigi de Filippi Violine I
    Conrad Lepore Violine 2
    Anfisa Kalinina Bratsche 1
    Michel Renard Bratsche 2
    François Michel Violoncello 1
    Kaspar Singer Violoncello 2
    Chereji Szilàrd Kontrabaß
    Linde Brunmayr Flöte 1
    Christine Brandauer Flöte 2 [nur op. 73]
    Carin van Heerden Oboe 1
    Wolfgang Dey Oboe 2
    Markus Springer Clarinette 1
    Ernst Schlader Clarinette 2
    Jane Gower Fagott 1
    Rogiero Goncalvez Fagott 2
    Christian Binde Horn 1
    Gabor Dalecker Horn 2
    Mark Geelen Trompete 1
    Femke Lunter Trompete 2
    Martin Homann Pauken


    ARTHUR SCHOONDERWOERD Fortepiano



    ~ * ~ * ~ * ~


    Fortsetzung folgt...

  • ~ * ~ * ~ * ~



    Den dritten Tag unserer Reise begannen wir mit einem ausgiebigen Frühstück in unserer Residenz.
    Nachdem wir uns in der Generalprobe nochmal für den Abend warmhören konnten, beschlossen wir, uns den Nachmittag bis zum Konzert mit den Sehenswürdigkeiten Innsbrucks zu verteiben. Obwohl das Wetter bei weitem nicht so freundlich gestimmt war wie am Vortag



    Zitat

    WIEN/GRAZ. Abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, gekappte Stromleitungen, verwüstete Straßenzüge: Der Sturm, der Sonntag über Österreich blies, hinterließ von Tirol bis ins Burgenland eine Spur der Verwüstung. Wetterstationen meldeten Spitzengeschwindigkeiten von 80 bis 130 km/h, auf den Bergen gab es sogar Orkanböen von bis zu 165 km/h
    [Quelle:http://diepresse.com/home/pano…k=/home/panorama/index.do]



    statteten wir den Winden trotzend dem Innsbrucker Schloss Ambras einen Besuch ab.





    Die dortige Wunderkammer, deren Schätze von Erzherzog Ferdinand II. (1529 - 1595) zusammengetragen wurden, waren für uns Taminos, denen das Krankheitsbild der wahnhaften Sammelleidenschaft nicht fremd ist, von besonderem Interesse.


    Die dort ausgestellten Kuriositäten bestehen überwiegend aus virtuosen Meisterwerken verschiedener Kunsthandwerker meist gefertigt aus exotischen Materialien wie Korallen oder Elfenbein. Auch einige außergewöhnliche Instrumente waren zu finden, ebenso Portraits von Menschen mit spektakulären Missbildungen.



    Zu den Sehenswürdigkeiten gehörten auch Portraits, die sogenannte "Haarmenschen" zeigten, welche durch einen Gendefekt [?] an den ungewöhnlichsten Stellen Körperbehaarung aufwiesen und so zu "Attraktionen" der damaligen Zeit gehörten, quasi lebendige Fabelwesen, Mischungen aus Mensch und Tier. So wundert es auch nicht, daß eine Dame mit starker Gesichtsbehaarung von einem Hundliebhaber geehelicht und reproduziert wurde.


    ...und als besondere Überraschung - ein echter Mozart:


    Ein Werk des Augsburger Kunsthandwerkers Anton Mozart (1573-1625) geriet in die Griffel des sammelwütigen Erzherzogs. [Ein Bild seiner filigran bemalten Marmorplatte ist im Netz leider nicht zu finden]




    Nachdem die beschwerliche Suche nach einem echten Retaurant, das obendrein am späteren Nachmittag noch einen Herd befeuert, schliesslich glückte, nahmen wir einen Imbiss zu uns und zogen uns anschliessend zu Aufbrezelungsmaßnahmen ins Hotel zurück.




    Konform aller Bekleidungsvorschriften, betraten wir am Abend die für uns reservierte Presseloge.



    ~ * ~ * ~ * ~


    Sonntag, 27. Jänner 2008

    Unter dem programmatischen Titel


    BEETHOVEN


    SO NOCH NIE GEHÖRT



    was für Taminos natürlich unzutreffend ist, präsentierten das Enseble Cristofori [wir berichteten] und Arthur Schoonderwoerd am Abend des Geburtstages von W. A. Mozart und Juan Crisóstomo de Arriaga, zugleich 277. Todestag des Namensgebers des konzertierenden Ensembles, Bartolomeo di Francesco Cristofori [* 4. Mai 1655 in Padua; † 27. Januar 1731 in Florenz] mit den Klavierkonzerten Nos. IV und V von Ludwig van Beethoven [1770-1827] in einer Art, welche durch die bereits vielfach gerühmte bei alpha erschienene Einspielung bekannt sein sollte:



    Das Konzert fand im Kurhaus Hall [Tirol] statt und begann pünktlich um 20.15 h. Veranstaltet wurde dieser Abend von http://www.musikplus.at - einer hinreißenden und detailverliebten Veranstalterfamilie aus des Observators Bekanntenkreis. Für unsere bevorzugte Behandlung möchte ich an dieser Stelle nochmals meinen allerherzlichsten Dank aussprechen - es war ein unvergessliches Erlebnis.



    :jubel:


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    Der Konzertsaal wurde mit Bedacht auserwählt - zwar entsprach er optisch nicht so ganz dem heiligen Vorhaben der Veranstalter und der Konzertisten, aber die "Größe" entspricht in etwa einer solchen, in der sich das Ensemble am wirkungsvollsten darstellen und entfalten konnte: Die kleine Besetzung von 20 bzw. 21 Personen kann natürlich nicht in einem riesigen Konzertsaal auftreten, sondern fordert nach einer eher privaten Sphäre. Und diese war im Kurhaus absolut gegeben. Der Raum hatte sehr unterschiedliche Qualitäten, was die Akustik betrifft. Während der Proben konnte ich dies durch einiges Ausprobieren erfahren, letztlich wurde uns der akustisch beste Platz, Balkon rechts ganz vorne, zugestanden: Und hier klang es tatsächlich nochmals ganz anders. Auch die Dämpfung des Raumes durch das eingezogene Konzertpublikum machte natürlich nochmals einen merkbaren Unterschied aus.


    Vor dem Konzert wurde Schoonderwoerd einige Minuten von Gerhard Crepaz interviewt. Die Fragen zur Besetzungsgröße des Ensembles beantwortete Schoonderwoerd kurz und knapp, einleuchtend mit [sinngemäß]: "Die Partitur verlangt Violino I und Violino II, hingegen Viole", zudem gehe die [in op. 58 einzige] Flöte oftmals parallel oktaviert zur ersten Violinstimme, was nur bei minimaler Violinbesetzung hörbar wird und im Falle einer größeren Besetzung der Streicher völlig unterginge. "Rechtfertigungen" dieser Art sind an sich nicht noitwendig, wenn man das Ergebnis erlebt. Das Erlebnis wurde durch Hr. Crepaz sen. noch dadurch verschönert, indem er einige Klangbeispiele von "normalen" Aufnahmen des 5ten Konzertes ausschnittweise vorspielte [Interpretennamen werde ich aus Gründes des Anstandes nun nicht nennen...].


    Wie soll man nun ein Konzert beschreiben? Ich denke, ich überlasse dies dem Profi, der ab Montag 9.00 Uhr wieder observieren wird. Vielleicht ein paar Eckdaten: Der während der Proben stets bei mir auftretende Husten während des Mittelsatzes von op. 58 konnte im Konzert mittels köstlicher Bonbons unseres Hotels vollständig vermieden werden. Leider reichte der bescheidene Vorrat nur bis kurz vor die letzten Takte des Finalsatzes von op. 73, so daß ich die Schlussakkorde im Takt mithustete. Schoonderwoerd improvisierte jedesmal bei den Proben - wie auch im Konzert - neue Cadenzen, welche durch ihre Knappheit bestachen. Es zeigte sich natürlich, was kein Wunder ist, daß so ein Vorhaben, diese beiden höchst anspruchsvollen Konzerte hintereinander weg zu spielen, ein kritischer Hochseilakt ist: Zum Schluss des 5ten Konzertes drohte es manchmal, ein wenig auseinanderzudriften, was aber die Stimmung keinesfalls beeinträchtigte. Für den ungetrübten Genuss steht ja außerdem die CD zur Verfügung - eine Unterscheidung zwischen live und Konserve, den ich mittlerweile hinsichtlich beider Alternativen sehr zu schätzen gelernt habe.


    In der Konzertpause nahm Arthur Schoonderwoerd sein "Baby" etwas unter die Lupe - bei einem solch sensiblen Instrument muß man etwas spontan sein und auch stets einen Werkzeugkoffer mit sich führen.




    Interessant war, daß das Ensemble Cristofori einem ständigen Besetzungswechsel unterliegt und daher neben dem Solisten nur die erste Bratsche, gespielt von Anfisa Kalinina, identisch mit der Besetzung der CD-Einspielung war. Besonders engagiert kam mir der Kontrabassist Chereji Szilàrd vor. Summa summarum: Ein extrem lohnenswertes Spektakel!



    Am Abend speisten wir zusammen mit den Veranstaltern des Konzertes und den Künstlern in der Geisterburg. Dort erfuhren wir so manche Anekdote über Triumphe und Pannen aus mehreren Jahrzehnten Erfahrung mit Konzertveranstaltungen.


    ~ * ~ * ~ * ~



    Fortsetzung folgt...

  • Dritter und letzter Teil:


    ~ * ~ * ~ * ~



    Der letzte Tag unserer Reise galt der Stadt Innsbruck, deren charmanter mittelalterlicher Ortskern von mehreren Kilometern planlos zersiedelter Vorstädte umringt ist, die häufig kaum von den Industriegebieten abgegrenz sind. Ist man jedoch erst einmal von den hohen Mauern im Ortskern umringt stört eigentlich nur noch der Lärm der startenden und landenden Flugzeuge.



    Wir besuchten auch den "Musikladen am Dom" in der Absicht, anhängerweise CDs zu entführen. Doch bei den Preisen und der "Auswahl" ließen wir die Dinge wo und wie sie waren und können nur hoffen, daß der Inhaber wenigstens eine CD pro Tag absetzt... mir ist schleierhaft, wie ein solcher Laden mehr als 3 Tage überleben kann...


    In der Hofkirche bestaunten wir die 28 unglaublich detailreichen, überlebensgroßen (200 bis 250cm) Bronzestatuen von Ahnen, Verwandten und Leitbildern, die das Grab des Kaisers Maximilian I. (1459-1519) umringen.




    Die Renaissanceorgel von Jörg Ebert aus Ravensburg zählt zu den fünf berühmtesten Orgeln der Welt und ist die größte, fast unversehrt erhaltene, Renaissance-Orgel Österreichs. Die Orgelflügel bemalte der Mailänder Domenico Pozzo.


    Anschließend stärkten wir uns mit Tiroler Spezialitäten (Kaspressknödel und Schlutzkrapfen) für den Abschied. Es wäre ein trauriger solcher geworden, stünde nicht bereits eine Fortsetzung in Aussicht.


    Mir persönlich wurde auf der Rückreise bei schönstem Wetter noch eine Organstrafverfügung gemäß § 50 VStG von der Bezirkshauptmannschaft Imst, Block-Nr. 8838 Fortl. ZL: 34 [...] eingehoben. Die Verfügung richtete sich wohl gegen meinen rechten Fuß, ein anderes Organ kann nicht gemeint gewesen sein... Und das, obwohl ich schön brav ein Pickerl erwarb [was ich mir hätte sparen können] und nur durch das blenden der Sonne ein einziges Mal ein blödes Geschwindigkeitsbegrenzungsschild offenbar nicht gesehen habe... ja, so macht man sich wirklich Freunde in Österreich. Aber wartet nur: Die Autobahngebühr für ausländische PKWler wird auch in Deutschland bald eingeführt... ich werde mich extra dafür einsetzen!


    :baeh01:


    Und wir werden Euch abzocken!


    Die Tage waren trotz dieser organischen Verfehlung sehr erholsam und bereichernd.


    :jubel: :jubel: :jubel:



    Der geneigte Rätsler vermag zu erraten, um welchen Satz welchen Konzertes es sich hierbei handelt.


    Noch ein paar abschließende Eindrücke vom Konzert:





    Fine


    ~ * ~ * ~ * ~

  • Liebe Violoncellchen, lieber Ulli,



    herzliche Dank für diesen (nicht nur) im wahrsten Sinn des Wortes farbigen Bericht!


    Macht so weiter, und Eure Reisegruppe wird sich deutlich vergrößern :D


    :jubel: :jubel: :jubel:


    LG, Elisabeth

  • :jubel::jubel::jubel:


    Echt klasse! Wie haben wir Euch beneidet - neeee beneidet ist das falsche Wort. Aber mitgefahren wären wir schon seeeeehr gern. Und Ihr oder Du, Ulli durftet echt auf dem Fritz spielen??? Das muß ein tolles Gefühl gewesen sein. Von dem Photo von Schloss Ambars sind wir jetzt ein wenig enttäuscht - das sieht auf deren Heimseite viiiiiieeeeel schöner und spektakulärer aus. Habt Ihr auch das goldene Dach gesehen? Als wir in Innsbruck mussten wir seltsamerweise immer an den Lullisten denken...


    Der Bericht ist wirklich toll geworden - wir freuen uns schon auf den nächsten :yes:


    Liebe Grüße


    Bettina und Wilfried

  • Goldenes Dach? Ich war so von Schoonderwoerd geblendet... :rolleyes:


    Ja, für den Lullisten haben wir auch was mitgebracht:



    Befand sich an diesem Gotteshaus:



    Und selbstredend haben wir auch das Gasthaus aufgesucht, in dem Mozart 1769 speiste und logierte. Aber wir haben es bei einem rein äußerlichen und optischen Kontakt belassen... nicht überall wo "Mozart" draufsteht ist auch "Mozart" drin. ;)


    Ulli

  • Ich kann nur eins sagen: lieber Ulli, wieso hab ich keine Schondervoord-Cd als Adventstürchen-Preis bekommen????????? ?( ;(;)
    Jedenfalls erfüllt dieser sehr lebendige Bericht schon allein deshalb seinen Zweck, weil er Ignoranten wie mir grosse Lust macht, sich mal eine Interpretation dieses Maestros zuzulegen! :yes:
    F.Q.

  • Liebe VCchen und Ulli,


    herzlichen Dank für die ausführliche, illustrative und in den Zeitgeist versetzende Schilderung.
    Meine Schüler verblüffe ich gerne mit der Tatsache, dass es auch noch andere schöpferische Mozarts gegeben hat als den, den sie in der Schule und den Süßigkeitenläden - Mozartkugeln sind im österreichischen Skikurs sehr beliebtes Mitbringsel für die Unsportlichen daheim - durchnehmen.


    Als kleine Ergänzung gibt's von mir vom "evangelischen" Mozart was zweidimensionales.





    Grüße,



    audiamus



    .

  • Das war ein toller Bericht, so bekam ich auch einen optischen Eindruck. Ganz lieben Dank. Habt Ihr denn bei all dem Gerede auch über eventuelle andere Konzerte demnächst oder überhaupt etwas gehört, auch, ob das Projekt weiter geht. So Leute wie ich sind da ja unersättlich .
    Und wer der Observator ist ???


    Lieben Gruß und Alaaaf aus Bonn . babysittenend fern vom Karneval :hello: :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Hallo,


    Zitat

    Original von Stabia
    Habt Ihr denn bei all dem Gerede auch über eventuelle andere Konzerte demnächst oder überhaupt etwas gehört, auch, ob das Projekt weiter geht.


    die Klavierkonzerte Nr. 3 und op. 61a [Klavierfassung des Violinkonzertes] sind bereits eingespielt und werden angeblich etwa Mitte März bei alpha veröffentlicht. Darauf freue ich mich bereits sehr.



    Zitat

    Und wer der Observator ist ???


    Keine Ahnung... :beatnik:


    Ulli

  • die zahl der bläser größer als die zahl der streicher in den beethoven-konzerten 8o8o8o?(?(?(
    dass kannte ich bisher eher von monteverdi....
    die interpretation des herrn schoonderwoerd muss ich mir mal anhören !

    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Liebes Violoncellchen, mon très cher Ulli,


    Eure Berichte haben die "Leidenschaft" in mir erweckt, wieder einmal Hall und Innsbruck zu sehen.
    Schoonderwoerd und sein Ensemble hingegen muß ich nach geduldvoll ertragenen Hörproben beim obsi nicht mehr hören.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Mon très cher Ulli,


    Nachdem ich die Gnade der frühen Geburt genieße, genügen mir für die Interpretation der Beethoven’schen Klavierkonzert Live-Erlebnisse mit Brendel, Buchbinder, Pollini…
    Die Sammlung umfasst einige Interpreten mehr.


    Meine Erlebniswelt und die Sammlung möchte ich mit Interpretationen von Schoonderwoerd and his Beethoven-Combo daher nicht bereichern.


    Agréez, cher Ulli, mes salutations très porciales


    Wann sieht man Dich wieder, auf daß wir “alte und neue Interpretationen” kräftig runterspülen können?

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")