Konzertbesuche und Bewertung

  • Es war trotzdem ein guter Abend, der zuhause mit einem guten "Primitivo"-Wein ausklingen durfte. Wie geht es Euch bei solch gegensätzlichen Erfahrungen? Animiert das zu weiterem Prüfen oder eher bei Gewohntem zu bleiben?

    So ganz ohne Funken passiert bei mir nichts! Ich muss nicht alles verstehen, aber es muss Stellen geben, die mich reizen, tiefer einzusteigen. Das mögen seltsame Harmoniekombinationen sein, rhythmisch oder klanglich Ausgefallenes, irgendwo muss man hängenbleiben :)


    Wenn im Konzert für mich alles klar wäre, würde ich am Abend auch einen Wein trinken, aber um das Konzert zu vergessen :hello:

    1. Mir fällt es nicht schwer, Schwingungen in Live-Konzerten zu spüren – seien es Gedanken, Gefühle, Begeisterungen, Vorbehalte: Schlicht alles, was eben nicht unter das Motto Leistungsoptimierung in Sachen Musik-Technik im weitesten Sinne einzuordnen ist.


    2. Gefühlte, ganzheitliche Resonanz - diese beinhaltet viel mehr als die Wahrnehmung von Aufnahme- oder Wiedergabe-Technik, die fürs Kennenlernen zwar hilfreich ist, für den Erlebniswert aber selten etwas beiträgt.

    3. „Funken“ oder „Ausgefallenes“ als Erinnerungsmerkmal – wie merkwürdig sind doch die Hörerwartungen Mancher.

      Und das Herabwürdigen eines Konzerts mit lebenden Musikern vermittels eines Weins „um Vergessen“: Ganz unsensibel.

    Ob ich es mal versuche mit der Konzertbeschreibung aus meiner Sicht als Ausführender in zahlreichen Konzerten – versus schriftlicher Resonanz von Besuchern desselben Konzerts?

    Wer immer Gelegenheit haben durfte, ein Konzert selbst zu spielen und nach Jahren erneut live dasselbe Konzert als Zuhörer zu verfolgen – darf über Resonanz in doppelter Hinsicht sprechen oder schreiben, ohne, dass ihm darob unsachliche Kritik erwächst.


    GC

  • Mir fällt es nicht schwer, Schwingungen in Live-Konzerten zu spüren – seien es Gedanken, Gefühle, Begeisterungen,

    Ehrlich gesagt, keine Ahnung, ob mir das schwer fällt. Mich interessiert im Konzert nur, was mit der Rezeption der Musik zu tun hat. Manchmal schließe ich sogar die Augen, um mich besser konzentrieren zu können. Natürlich nehme ich eine ausgefallene Architektur auch wahr, aber als Mittel für die Rezeption (im Konzert!)


    Und das Herabwürdigen eines Konzerts mit lebenden Musikern vermittels eines Weins „um Vergessen“: Ganz unsensibel.

    Danke für den Beitrag! Ich lasse mir aber ungerne vorschreiben, wie ich mit vertanen zwei Stunden meines Lebens umzugehen habe. Wo wir hier darüber gerade so trefflich streiten: Wie verarbeitest Du denn sinnlos verbrauchte Lebenszeit?


    Ob ich es mal versuche mit der Konzertbeschreibung aus meiner Sicht als Ausführender in zahlreichen Konzerten – versus schriftlicher Resonanz von Besuchern desselben Konzerts?

    Alles, was Du selbst hier hereinbringst, außer dem Nörgeln an Forumsteilnehmern, ist sehr erwünscht. :hello:


    BTW: Hattest Du Dir gestern Mozarts Requiem im Fernsehen angeschaut? Das wäre doch ein wertvoller Beitrag, wenn Du darüber berichten würdest. Dieser Thread oder der zum Requiem wären geeignet, je nach Gewichtung Deines Berichtes. :)

    1. „Funken“ oder „Ausgefallenes“ als Erinnerungsmerkmal – wie merkwürdig sind doch die Hörerwartungen Mancher.

      Und das Herabwürdigen eines Konzerts mit lebenden Musikern vermittels eines Weins „um Vergessen“: Ganz unsensibel.

    Es war weder meine Absicht, das Konzert herabzuwürdigen, noch mich darüber zu beklagen. Es war alleine meine Verantwortung dort hinzugehen und meine Verantwortung, welche Eindrücke und Gefühle ich dabei habe. Und dazu stehe ich. Und ich gestehe mir meine Art und Weise zu, wie ich im Nachgang damit umgehe. Wenn mir ein Essen nicht geschmeckt hat oder eine Gespräch im Magen liegt, brauche ich auch dafür geeignete Konzepte im Umgang damit.


    Zudem sind doch die Hörerfahrungen so unterschiedlich wie es Musik gibt. Selbst wenn ein Stück "bestens" (wer bestimmt das?) vorgeführt wird, muss es mir dennoch nicht gefallen, oder? Auch bemerke ich schon manchmal, dass ein wirklich nicht gut präsentiertes Stück von den anderen Zuhörern beklatscht wird, wahrscheinlich weil sie nicht auffallen wollen oder es im Grunde gar nicht würdigen können, was das Leben ihnen da gerade angetan hat.

    Mehr Musik ins Leben, mehr Leben in die Musik.

  • Abgesehen von vielen Kirchenkonzerten habe ich mit dem Besuch von Klassikkonzerten im eigentlichen Sinne, also in einer Philharmonie, erst vor etwa einem Jahr angefangen. Davor kannte ich Klassik 35 Jahre lang nur von Tonträgern.


    Ich weis ehrlich gesagt nicht genau, was mich davon abgehalten hat: Zu teuer, zu umständlich, Dresscode (?), versnobtes Publikum. Schade, denn das meiste waren Vorurteile.


    So war das erste Konzert im letzten März (Beethovens 7.) eine echte Offenbarung. Ich habe mir vorgenommen, alle Werke, die ich auf Tonträger kennen und lieben gelernt habe, wenigstens einmal im Konzert zu geniessen. In den wenigen Monaten ist da neben Beethovens 7. auch schon einiges zusammen gekommen:


    Beethoven: 3. Symphonie, Violinkonzert, 5. Klavierkonzert, 6. Symphonie (erst gestern!)


    Robert Schumann: Klavierkonzert op. 54


    Franz Schubert. Die große C-dur-Symphonie


    Tschaikovsky: 4. und 6. Symphonie


    Richard Strauss: Alpensymphonie


    Schostakowitsch: 13. Symphonie


    Bruckner: 7. Symphonie


    Dazu auch viel Neues, weil das angestrebte Stück die Konzertzeit nicht ausfüllt.


    Am Mittwoch kommt noch Tschaikowsky mit seinem 1. Klavierkonzert + 5. Symphonie dazu.


    Alle Konzerte bislang in der Kölner Philharmonie, weil in der Nähe, so dass sich manchmal sogar ein Konzertbesuch vor die Nachtschicht legen lässt (bin Lokführer).


    Schade, dass ich dazu erst 57 werden musste!


    Besonders in Erinnerung bleibt dabei allerdings ein Konzert, dessen Datum ich wohl nie vergessen werde: Sonntag, der 27. April 2025, 11:00 Uhr. Ein wunderbarer sonniger Frühlingstag. Das Gürzenichorchester spielte unter der Leitung von Tabita Berglund Tschaikowskys 6. Symphonie, die sogenannte „Pathetique“. Das Werk hat mich derart gepackt, wie wohl noch nichts in meinem Leben zuvor, weder auf musikalischer, noch auf irgendeiner anderen Ebene! Den restlichen Tag war ich nicht mehr ansprechbar, und weis nichtmal mehr so genau, wie ich den Heimweg geschafft habe. Ein unglaubliches Erlebnis!


    Platz zwei nimmt Tschaikowskys 4. Symphonie ein. Das Konzert war erst letzten Freitag! Allerdings hat es mich nur während des Konzerts regelrecht körperlich mitgerissen, ohne das „sedierende“ Gefühl nach dem Konzert.


    Vergleicht man die 4. mit der 6. Symphonie Tschaikowskys mag das auch einleuchten: endet die 4. in einem rauschenden Fest, so entlässt einen die 6. mit einem in Töne umgesetzten Sterbeprozess: tiefe Streicher als letzte Atemzüge, und im Pizzicato die letzten Herzschläge, bis die Musik einfach verlöscht. Danach noch eine Minute absolute Ruhe im ganzen Saal, in dem 2000 Menschen um Fassung ringen - na, zumindest ich jedenfalls…

  • Hallo Thomas Becker,

    freue mich sehr über die Beschreibung deines Konzerterlebnisses -

    weil das auch meine Intetention ist, dieses Forum zu nutzen für einen Austausch in Sachen Konzert, Hören, Beobachten, Empfinden, ggf. Kritik, Lob, Begeisterung. Meine Sache ist es nicht, sich außerhalb des Bezugs zum Komponisten, zum Künstler oder dem Konzertbesucher nur mit technischen Einzelheiten der Rezeption zu befassen. Die menschliche Seite hinter den o.g. Beteiligten wird fast nie einbezogen. Dabei ist sie oft maßgebend für den Erfolg oder Misserfolg - sei es beim Machen oder beim Erleben.

    Ich darf deshalb darüber sprechen oder schreiben, weil ich ein Leben lang Musik gehört u n d gemacht habe - und darüber geschrieben. Inzwischen sind mir jedoch altersgemäße und gesundheitliche Grenzen gesetzt. Zum Austausch auf diesen Ebenen - mit der Erfahrung im Hintergrund - will ich aber aber immer noch nicht "die Füße still halten".

    Vielleicht spricht das ja auch noch weitere Konzertbesucher im Sinne dieses threads an.

    (s. ggf. hierzu auch meine Berichte zu Stefan Askenase oder die Erlebnisse zu Smetana)

    Inzwischen gute Fahrt im Takt von Verspätung zu Verspätung.....


    GC

  • Black Friday im Konzertsaal

    oder: das gabs schon früher


    19.40 Uhr, der Saal füllt sich. Veranstalter und Akteure freuen sich, das Konzert ist ausverkauft..

    Wie stets ist die Spannung im Orchester nach der Anspielprobe groß. Wie bei Amateur- Instrumentalisten üblich, gibt es die Abgeklärten, die schon alles erlebt haben, die beruhigen Andere, die Neulinge, die mit den kniffligen Passagen. Dazu diejenigen, die Andere nerven, indem sie essen, trinken oder schwätzen - alle keine Bläser. - wegen der Krümel.

    Der Pianist fürs 1. Rachmaninoff-Klavierkonzert hat sich eingeschlossen, ist er überhaupt da?

    Der Saal-Beleuchter sitzt längst in seinem Kabuff und geht hoffentlich seine to-do-Liste durch. Scheinwerfer-Anweisung hat er seit der AProbe Bis zum dritten Klingeln steht er da und schaut, dass auch die letzten Konzertbesucher den Saal betreten und ihren Platz eingenommen haben.. Der Dirigent hinter dem Vorhang gibt das Zeichen zum Rausgehen, Letztes Stimmen, fertig.

    Das Konzert beginnt. Irgendeine Ouvertüre. Warming-up gelungen. Umbau bei den Streichern, der Flügel muss rein. Er steht, alles sitzt wieder. Nun noch den Spot auf die Tastatur. Licht.

    Licht!!! Kein Licht. Verflixt, LICHT!!! Tastatur im Dunkeln. Pianist blickt irritiert um. sich. Beleuchter ist wo?

    Einzig die Posaunen können, da sie höher sitzen, den schwach beleuchteten Guckkasten des Schalt-Zentrums einsehen. Langsam fängt das Gegrummel an, das Publikum inclusive. Die erste Posaune erhebt sich, übergibt der zweiten ihr Instrument und zwängt sich zwischen Rückwand-Vorhang und Bühnenaufbau - beinahe unsichtbar - hinterrücks durch den ganzen Saal bis zum Lichtpult im Guckkasten vor. Findet den einzig richtigen Schalter und - der Pianist verbeugt sich in Richtung Lichtquelle - das Publikum lacht.

    Die erste Posaune erreicht ihren Orchesterplatz mit Müh und Not. Der Beifall des gesamten Saales ist ihr sicher.

    Der Licht-Techniker ist schon im Wochenende.

    Ein Orchesterkonzert, in welchem sich Solist und Posaunist den Anfangsbeifall teilen dürfen.

    Dieser Black Friday: Für den Pianisten wars ein Schnäppchen. Er wurde später Intendant und musikalischer Leiter eines Opern- und Konzerthauses.

    Der Besitzer meiner Posaune musste dagegen einen ordentlichen Beruf erlernen.


    GC

  • War jemand in Köln bei Mahler 2 mit dem Tonhalle-Orchester unter Järvi?

    „In sanfter Extase“ - Richard Strauss (Alpensinfonie, Ziffer 135)

  • Hoffe sehr auf Resonanz im Forum!

    Traf vor Jahrzehnten den inzwischen verrenteten 1. Posaunisten des Tonhallen-Orchesters bei einer Excursion auf dem Aletsch-Gletscher, Wir kannten uns nicht, erkannten uns aber an unseren Kappen mit einschlägigen Blechbläser-Symbolen.

    Er hatte gerade die 2. Mahler hinter sich, war froh, dass die viele Arbeit vorbei war.

    Elende Zählerei, umständliche Komposition wie fast immer bei Mahler, so seine Aussage, habe ich im Gedächtnis.

    Heute höre ich sie nie, sie ist sowieso die teuerste Sinfoniebesetzung ever. Da muss der Veranstalter viel Geld ausgeben.
    Empfinde die Komposition aber anders, liegt vielleicht auch an dem Verständnis für Endzeit-Werke.

    Bin gespannt, ob ein Besucher aus dem Kölner Konzert seine Eindrücke schreibt.

    GC

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  • War jemand in Köln bei Mahler 2 mit dem Tonhalle-Orchester unter Järvi?

    Warum interssiert nur die Aufführung in Köln? Es gab bisher im November schon drei Termine in Zürich, zwei in Wien, zwei in Baden-Baden und heute in Paris.

    Wirklich beeindruckend waren die Sängerinnen Anna Lucia Richter und Mari Eriksmoen.


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    Foto: Michael Gregonowits.

    Die Aufführungen in Zürich wurden für Alpha Classics auf CD und Vinyl im Rahmen der Gesamtaufnahme der Mahler-Sinfonien durch Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich eingespielt. (Die Sinfonien 1 und 5 sind schon erschienen, die 7. und die 10. sind bereits aufgenommen).

    Ich bin dann mal weg.

  • Konzertkritik Mahler 2 - geht das überhaupt?


    Ich habe noch nie erlebt oder davon gehört, dass in einer Vernissage der Künstler seine eigenen Bilder beschreibt oder gar kommentiert.

    Gustav Mahlers 2. Sinfonie hat entgegen diesem vernünftigen Brauch in der Bildenden Kunst einen schweren Mangel: Der Komponist selber hat derart viel zu seinem Werk geschrieben und für gleichlautende Verbreitung gesorgt, dass kein Raum für eigene Beschreibung bleibt. Weder der erstmalige, noch der erfahrene Hörer, weder die Fachwelt noch die Konzertkritik wird daher um die Verwendung der Mahlerschen Begrifflichkeit herumkommen. Eine Konzertkritik im journalistischen Sinn kann aber immer nur dann entfallen, wenn es sich um reine Programm-Musik handelt. Und dieses Attribut wird man Mahler 2 nicht anhängen wollen.

    Allenfalls kann die Wirkung der Komposition im Zusammenhang mit einem bestimmten Konzertraum, der Atmosphäre dort, der Zusammensetzung der Zuhörer und/oder der geschichtlichen Zusammenhänge betrachtet werden. - und ggf. kommentiert.

    Ich mag daher solche Kompositionen nicht, deren Wirkung in meinen eigenen Räumen auf Tonträgern vom Komponisten vorherbestimmt wird, sich aber live, sprich: erlebt ganz anders darstellt.. Es ist zu befürchten, dass trotz großen Aufwands bei der Produktion von CD-Aufnahmen der Verkaufserfolg nur bei denjenigen eintritt, die “Stehrümchen” lieben.

    Die Räume Isarphilharmonie - zweimal März 2026 und darauffolgend einmal die “Elfi” in Hamburg durch das BRSO unter Rattle (letztere als Wunschziel jedes Orchestermusikers, gleichzeitig Reverenz an Mahlers Wirk-Ort) werden die nächsten Konzerte mit Mahler 2 sein - und allemal geeignet für eine Kommentierung abseits der Komposition.

    Man darf gespannt sein auf die Kommentare. Überhaupt ist es wohl der Klimaveränderung geschuldet, dass jetzt die Mahler-2-Aufführungen plötzlich aus dem Boden schießen: Erst dreimal Tonhallen-Orchester, dann zweimal Köln plus Paris, dann München plus Hamburg….da wird doch niemand vom anderen abgeschrieben haben? Die Reihenfolge Freitag, Samstag, dann Sonntag auswärts ist unerlässlich bei diesem Riesenaufwand an Beteiligten/Beteiligt-innen und deren Kosten und Transportkosten.

    Mein Trost: Ich mag die Mahler-Orchesterlieder sehr, alle! Und natürlich Adagietto cis-moll aus der 5…….


    GC

  • Gestern in der Elphi gab es Prokofjews 2. Klavierkonzert & 1. Sinfonie Ernst von Dohnanyis mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester (Alexander Gadjiev) + Gergely Madaras (Klavier).

    Ich bin dieses Jahr recht angetan von der Programmplanung. Endlich gibt es, wie ich mir schon lange wünsche (natürlich hat man auf mich gehört!) viel Sinfonik der zweiten Reihe zu hören. Wir hatten schon Honeggers 3. Sinfonie, gestern Dohnanyi und nächste Woche Franz Schmidts 2. Sinfonie und später in der Saison noch sein "Buch mit sieben Siegeln". Ich habe - im Sinne der Pädagogik der positiven Verstärkung ;) - meine Freude darüber schon per Kontaktformular des Orchesters kund getan.


    Der Prokofjew rauschte virtuos vorrüber und obwohl Prokofjew nicht zu meinen Lieblingskomponisten gehört, höre ich ihn gerne immer mal wieder im Konzert, um Neues zu entdecken und vielleicht doch noch größere Zuneigung zu entwickeln. Mit solchen Erlebnissen kann das sogar funktionieren. Meine Herren, was für eine Kadenz im Kopfsatz! Als Zugaben gab es noch einen ruhigen und einen virtuos-wilden Prokofjew mit viel Jubel des fast ausverkauften Hauses.

    Die 1. Sinfonie von Dohnanyi mag ich sehr. Selbiger wird gerne in den Brahms-Horizont gestellt, natürlich völlig zurecht. Doch gestern, beim konzentrierten Zuhören, habe ich mindestens eben so viel Bruckner in dem Werk gehört. Manches ist etwas zu dick aufgetragen und leicht pathetisch, aber dennoch ist dieses Werk absolut hörenswert und verdient die Aufführung. Ich glaube es hat bei den Leuten (die allermeisten dürften es nicht gekannt haben) durchaus Eindruck gemacht.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Hallo


    2. Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchester in der Staatsoper München am Dienstag, den 09.12.2025


    J Brahms

    Klavierkonzert Nr.1 d-moll Op.15


    Pause


    Tschaikowski

    Sinfonie Nr.4 f-moll Op.36


    Kyrill Petrenko, cond

    Daniil Trifonov, p

    Bayerisches Staatsorchester München


    In jeder Hinsicht denkwürdig und intensiv ! Trifonov spielte eine Zugabe. Das Brahms-Konzert kam mit sehr transparenter und risikobereiter Art. Der Tschaikowski war die pure Verausgabung aller.

    Das Publikum war total ‚aus dem Häuschen‘ !


    LG und gute Nacht


    Siamak

  • Gestern gab in der Elphi das nächste spannende Programm des NDR Elbphilharmonieorchesters unter Simone Young und mit Gautier Capucon als Cellist. Gespielt wurden:

    D. Schostakowtisch - 2. Cellokonzert Op. 126
    F. Schmidt - 2. Sinfonie

    Die Programmplanung habe ich schon gelobt. Der Schostakowitsch ist schon recht sperrig. Da ich gestern direkt in den Perkussionisten saß, gab es allerdings einiges zu sehen. Die könnte man ja fast im Solopart gemeinsam mit dem Cello nennen.

    Und dann Franz Schmidt, dessen Musik mir wirklich sehr zusagt. Ich freue mich, dass ich endlich mal Musik von ihm live gehört habe. Die 2. Sinfonie glänzt natürlich durch ihren Variationssatz und die Schlussfuge. Die Philharmoniker klingen hier unter Young (die in HH ja nun keine Unbekannte ist) sehr süffig und opulent, wie das bei Schmidt sein soll. Da kann man aus der wie immer zu hochgeheizten Elphi zufrieden in die kalte Nachtluft am Hafen treten. Gerne nehme ich dann eine U-Bahn-Station weiter hinten um noch einen kleinen Abendspaziergang an den Landungsbrücken anzuschließen.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Hier wird im neuen Jahr Händel's Tamerlano in einer modernen Inszenierung aufgeführt. Kenne ich kaum - da bin ich mal gespannt - muss ich mich zuerst reinhören.

  • Hier wird im neuen Jahr Händel's Tamerlano in einer modernen Inszenierung aufgeführt. Kenne ich kaum - da bin ich mal gespannt - muss ich mich zuerst reinhören.

    Dann sagt mir doch bitte, wo "hier" ist :D

    Mehr Musik ins Leben, mehr Leben in die Musik.

  • Ein Schlachtroß, aber immer noch in Form - Händels Messias


    Dass etwas Großes bevorstand, bemerkte man schon an der Garderobe. Im Saal waren alle Sitze besetzt, einschließlich der Galerien. Ich schätze mal 2000 Zuhörer. Ich war glücklich, dieses Jahrhundertkonzert in meinem Abo zu haben (was 20€ Einzelpreis entsprach). Vier Solisten, ein Kammerorchester (Basel) in überschaubarer Besetzung und Tenebrae mit 20 Musikern. Ich denke, der Zuschauerandrang war natürlich dem Messias gewidmet, aber auch dem Chor, wie sich beim Schlussbeifall herausstellte.

    Es war der komplette Messias, darunter 2 Arien, die ich nicht kannte; ansonsten jede Note! Ich habe den Messias dreimal gesungen, jedesmal in verschiedenen Chören. Beim letzten Mal bin ich später eingestiegen, konnte aber die Noten nach 2 Proben.

    Die Solisten waren der schwächere Teil des Abends, wobei Alt und Sopran "Er weidet seine Herde..." so schön sangen, wie ich es noch nie gehört habe. Der Bass war sehr gut. Der Tenor vereinte ein unschönes Timbre mit zu geringer Lautstärke. Er hatte nur das erste Rezitativ und die erste Arie, dann fing der Messias an. Am Schluss hatte wohl Händel auch bemerkt, dass der Tenor unterversorgt war, aber da hat man einfach weggehört. Bei solch großartigen Konzerten sind diese Sachen unerheblich.

    Im ersten Teil hörte ich einen ganz neuen Ansatz in diesem Oratorium, gewählt vom tollen Dirigenten Nigel Short , Gründungsmitglied der ersten "King´s Singers" und Gründer von "Tenebrae". Mein letzter Beitrag in "Alle sprechen über dasselbe Musikwerk" war ja "Tenebrae" gewidmet. Er betonte die lyrischen Stellen des Werks, wobei das "Baseler Kammerorchester" dies vollkommen umsetzte.

    Nach der Pause wurden 2 Trompeten und eine Pauke aufgeboten.

    Ich kann mich erinnern, wie einer meiner Dirigenten meinte, das "Hallelujah" und "Würdig ist das Lamm + Amen" verhaltener und tänzerischer zu spielen. Nigel Short hielt da nichts von und es krachte, wie es nicht schöner sein kann und vielleicht noch Händel im Himmel entzückt hat. Natürlich gab es nach dem "Hallelujah" Beifall, so muss das sein. In England steht man ja auch oder singt gleich mit.

    Nach dem Amen brach ein Beifallssturm aus, wie ich den in Essen noch nicht erlebt habe, und wir sind auch bei Alter Musik sehr beifallsfreudig. Auffallend war, dass jedesmal der Chor besonders lauten Beifall bekam, sodass man annehmen kann, dass das volle Haus doch auch dem Chor zugerechnet werden musste


    Nachtrag:

    Eine Sache ist immer sehr gut in Essen: im Programm ist kein Text abgedruckt, man könnte den bei abgedunkeltem Saal auch gar nicht lesen. Stattdessen wird vorne über der Orgel der Text bzw. die Übersetzung eingeblendet. Und noch ein Wunder: diese Text sind ohne Fehler und auch rechtzeitig da, wenn sie dran sind.

    Körre araaf (asiatischer Karnevalsspruch)

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  • Dann sagt mir doch bitte, wo "hier" ist :D

    Hallo KPD - ich habe beschlossen in Tamerlano zu gehen. Es mag experimentell sein und ja irgendwie habe ich das Gefühl es ist nicht wirklich was für mich. Aber der Regisseur Stefano Poda spricht für sich. Ich mag im Grunde moderne Inszenierungen - wenn sie nicht zuuuuu modern sind ^^^^^^. Bis dahin dauert es noch aber ich werde berichten

  • Alle Ankündigungen von Konzertbesuchen passen übrigens besser hier. :hello:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • SILVESTER À LA CARTE

    Josef Špaček ist ein tschechischer Soloviolinist und war bis zur Saison 2019/20 Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie.


    Er spielt auf der Violine »LeBrun; Bouthillard« (ca. 1732) von Guarneri del Gesù, einer großzügigen Leihgabe von Ingles & Hayday.



    Der Klang dieser Geige war ein Erlebnis der besonderen Art!

  • Ein kleiner Hinweis: In diesem Thread geht es um Konzertberichte. Ich verschiebe deshalb den Tamerlano und die folgenden Beiträge in den Thread Kurzberichte von Opernbesuchen. Dort kann über Opernbesuche berichtet und geschrieben werden.

    Tristan als Mod

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Gestern Abend erlebte ich in der Elphi das 5. Sinfoniekonzert des Philharmonischesn Staatsorchesters, dirigiert dieses Mal von einem prominenten Gast: Mikhail Pletnev. Zu hören gab es ein rein russisches Programm: Rachmaninow - Der Fels Op. 7, Pletnev - Rachmaniana & Tschaikowsky - Manfred-Sinfonie Op. 58.


    Da diese erste Spielzeit unter Meir Wellber unter dem Motto "Zeitspiel" steht (siehe oben), gibt es in jedem Konzert entweder Satz-Überschreibungen (was ich unmöglich finde) oder Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten mit Bezug zum Repertoire des Abends. So wurde dieses Mal Pletnev gebeten seinen Rachmaninow-Zugang in Töne zu setzen. Er tat dies mit einer achtsätzigen etwa halbstündigen Suite, die sicherlich beim Hören gelegentlich Spaß machte, aber eigentlich auch überflüssig ist. Die Musik ist spätromantisch, epigonal, teilweise fast nah am Zitat. Man könnte provokativ fragen: Warum sollte in Zukunft irgendein anderes Orchester dieses Werk einstudieren?

    Naja, ich kam vor allem für die zweite Hälfte: Tschaikowskys Manfred-Sinfonie Op. 58, bei mir die zweitgeliebteste dieses Komponisten. Ein tolles Werk, das ich gestern von dem Dirigenten hören konnte, von dem meine liebste Einspielung stammt. Pletnevs Zugang zu diesem Werk ist großartig und so war auch die Darbietung. Und sie hielt noch etwas besonderes parat: Im Finale hörte ich nach acht Jahren erstmals die Orgel der Elphi im Konzert. Ich kannte das Instrument zwar von einer speziellen Orgel-Elphi-Führung die wir mal gemacht hatten schon. Es ist ja sozusagen atemberaubend unauffälig in die Seitenwände des Konzertraumes integriert - quasi das Gegenteil zur Laeiszhalle. Aber in concert ist das natürlich etwas anderes. Der Spieltausch tauchte unten auf dem Orchesterpodium auf. Und plötzlich zum hymnischen Finale klang und vibrierte die gesamte Elphi - ein gewaltiger Eindruck!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Danke für deinen Bericht, dein Eindruck von der Pletnev-Komposition deckt sich mit meinen bisherigen Einschätzungen seines kompositorischen Schaffens (erst letztes Jahr ist ja eine Aufnahme seines Trompetenkonzertes und der 14 Mémoires musicales erschienen).

    Ein tolles Werk, das ich gestern von dem Dirigenten hören konnte, von dem meine liebste Einspielung stammt. Pletnevs Zugang zu diesem Werk ist großartig und so war auch die Darbietung.

    Sprichst du von seiner DG-Aufnahme oder der Pentatone-/Brilliant-Aufnahme?


    Liebe Grüße

    Amdir

  • Danke dir, die habe ich sogar, enthalten in der DG-Tchaikovsky-Masterworks-Edition, eine meiner ersten CD-Boxen. Die Aufnahme habe ich bestimmt über 10 Jahre nicht mehr gehört, da muss ich wohl mal wieder ran :)

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