Konzertbesuche und Bewertung

  • Martha Argerich und Gidon Kremer spielten in der Münchner Philharmonie am Gasteig, 4.12.2006


    Die großen Namen stehen für sich. Man muss sie nicht penetrant protegieren wie die drei, vier zeitgeistig polierten Topstars der Musikindustrie. Über Jahrzehnte schon halten sie sich an der Spitze und ihr Niveau, zwischen Experimenten und Brüchen, in Solokonzerten, mit Kammermusik oder als Solisten bei großen Orchestern. Der Abend in der Philharmonie bewies einmal mehr, dass große Kunst vielfach erst dort beginnt, wo harte Probenarbeit in der Selbstverständlichkeit souveräner wie gleichwohl nie überheblicher Interpretationskunst nicht mehr spürbar erscheint. Argerich und Kremer bieten kein intellektuell messbares Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, sie machen einfach verdammt gut Musik, auf einem atemberaubend genialen Niveau, dass dem Zuhörer vor Ehrfurcht, Begeisterung und Atemlosigkeit ob des Gebotenen schwindlig wird. Das Wunder dabei offenbart sich in der Leichtigkeit der Interpretation. Robert Schumanns Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-Moll op. 121, ein impulsives Spätwerk, wirkt vielfach rhapsodisch. Argerich und Kremer erfinden die Musik im Augenblick neu, als würde ihnen jede Phrase eben erst einfallen. Dabei geschieht alles in vollkommener Übereinstimmung, gespenstisch genau geradezu. Ein magisches, ein unheimliches, dabei aber liebevoll harmonisches, herzliches, ganz dem Geist und der Seele der Musik sich ergebendes Duo. Alle melodischen Blüten werden wunderbar verinnerlicht entfaltet. Im dritten Satz offenbart sich dann ein poetisches, beseelt-dramatisches Wunder. Das immens rasche Finale lässt uns den Atem anhalten. Und doch ist es von herrlicher Leichtigkeit. Gidon Kremers Geigenton ist verführerisch, einschmeichelnd, es ist ein angenehmer, heimeliger Ton. Selbst aggressivsten musikalischen Entwicklungen gewinnt dieser Geiger noch Liebe, Zärtlichkeit, Gefühl ab. Martha Argerich ergänzt als zupackende, sehr reife Pianistin, genauso persönlichkeitsstark wie ihr musikalischer Partner. Kremers Art Geige zu spielen „hilft“ dem Hörer ungemein bei Bela Bartoks irrwitzig schwerer Sonate für Violine Solo SZ 117. Auch hier meint man, der Interpret improvisiere diese komplexe Musik, so spontan, gleichzeitig so sicher und souverän umschifft er alle Klippen. Wieder hält man den Atem an, nicht nur bei der Fuge des zweiten Satzes. Ein Zauberer, ein Magier ist das. Man findet keine Worte für dieses unfassbar gute Geigenspiel. Erneut landet man mit dem dritten Satz in einer anderen Welt. Auch und erst recht „jenseitig“ kommt dann das Finale daher, alles wieder so leicht, so ganz selbstverständlich. Robert Schumanns Kinderszenen op. 15, jedem Klavierspieler wohlbekannt, werden von Martha Argerich so richtig erzählt. Ob man nun die Titel dazu verinnerlicht oder einfach nur die von der Künstlerin fast nahtlos ineinander verflochtenen kurzen Stücke ohne außermusikalischen Bezug hört – es sind kleine Geschichten, Stimmungen, Charaktere, die Martha Argerich uns erzählt. Weise spielt sie die Stücke, gleichzeitig beherzte Mutter und welterfahrene Meisterpianistin. Einmal mehr erfüllt sich das Wunder der von einem Genie gespielten angeblich so einfachen Klaviermusik, „die doch jeder kann“. Die interpretatorische Substanz beginnt erst weit jenseits der richtig getroffenen Töne und brav eingehaltener dynamischer und Tempovorschriften. Martha Argerich ist auch weit entfernt von billiger Effekthascherei. Ihr beseeltes und impulsives Spiel lebt nur, ganz verinnerlicht, von der Musik heraus und durch sie durch. Bela Bartoks Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 SZ 75 führt uns in total ekstatische Expressivität mit vielen irisierenden Oasen darin. Eine ganz große Oase ist der zweite Satz, daraus baut sich zwischendurch eine immense Spannung auf. Man kann dann den Teufelsritt des Finalsatzes atemberaubend nennen, er wird aber niemals zum reißerischen Selbstzweck Applaus heischender Interpreten, er bleibt spannende und beherzte Musik durch und durch. Drei Zugaben runden den Abend ab, darunter „Schön Rosmarin“ und „Liebesleid“ von Fritz Kreisler. Zeitlos große Interpretationskunst in München, ein Abend, der Lust auf mehr macht von und mit den beiden!


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Hallo Florian,


    Habt ihr dort im Bilde zwei oder drei Cellisten? Das konnte ich nicht sehen (was tut sonst der Kopf zwischen den beide Cellospieler da?).
    Und wer warst Du?


    LG, Paul

  • Seit ich Scholl und die "Accademia Bizantina" mit ihrem Vivaldi-Programm erleben durfte, bin ich von dieser Kombination wirklich begeistert. Wobei die Zusammenkunft getrübt war: beim ersten Versuch eines Konzertbesuches sagte Scholl die Konzerte in München und Köln krankheitsbedingt ab - und Philippe Jaroussky sprang ein. Der legte sich so ins Zeug, das der Abend trotzdem absolut gelungen war. Gleichfalls begeisternd: die "Accademia Bizantina" mit ihrem furiosen Spiel (das mich immer wieder auch an "Giardino armonico" ernnert).


    Nun also zum Einstieg Händel (Konzert in F-Dur op. 4, Nr. 4), danach Bach ("Geist und Seele wird verwirret" BWV 35, "Vergnügte Ruh" BWV 170 und Konzert für 2 Violinen d-moll, BWV 1043).


    Beim Händel konnte der Leiter des Ensembles, Ottavio Dantone an der Orgel brillieren, souverän von seinen Musiker/innen unterstützt, beim Violinkonzert stellten die beiden Solisten ihr enormes Temperament heraus, das macht auch beim Zuhören viel Freude.


    Und die Bach-Kantaten? Da ist zu allererst der Sänger: Andreas Scholl, ein Countertenor der Spitzenklasse. Manche Wendung mag ihm auf der CD etwas besser gelingen - aber live gibt es wohl kaum jemanden, der das so hinbekommt: ausgeglichen in den Lagen, gelenkig und klar bei den Verzierungen, für mich immer wieder ein Erlebnis.


    Vom Charakter her ist dieser Bach viel "ruhiger", als z. B. der Vivaldi. Mir schienen die Italiener auch etwas "neutraler" zu Werke zu gehen, wie bei anderen Komponisten. War trotzdem ein tolles Programm und ein gelungener Konzertabend.

  • Heute in der Wiener Staatsoper: Mozart-Requiem! Philis mit der ersten Garnitur vertreten (Küchl als Konzertmeister schon lange nicht mehr an der STOP gesehen), Thielemann am Pult, 4 ausgezeichnete Solisten: Michael Schade (mit Gipsbein und Stock - ob er wohl die "Arabella"-PR singen wird??), Ain Anger, Genia Kühmeier und Elina Garanca, Chor der Wr. Staatsoper - ein wunderbares Erlebnis! Ich bin nicht so konzerterfahren - meine große Liebe ist die Oper -, aber mir schien, dass Thielemann sehr flott dirigiert hat, denn meine bisherigen Begegnungen mit dem M-Requiem haben länger gedauert. Was sagen die Experten dazu?
    Schöne Grüße, Severina

  • Zitat

    Original von musicophil


    Habt ihr dort im Bilde zwei oder drei Cellisten? Das konnte ich nicht sehen (was tut sonst der Kopf zwischen den beide Cellospieler da?).
    Und wer warst Du?


    Richtig geraten, es sind drei Cellisten :D


    Meine Wenigkeit sitzt am 2ten Cellopult links.


    Und mein überaus schlauer Kollege blätterte bei diesem konzert bei Schostakowitsch 9ter Ende des 3ten satzes (es waren noch so 20 Takte zu spielen) zwei seiten zu weit :kotz:


    Habe den schluss auswendig gespielt, man hörts aber nicht auf dem mitschnitt :hahahaha:


    Diese lustige Geschichte habe ich auch schon in einem anderen Thread erzählt, weiß aber nicht mehr wie der hieß ?(


    Freue mich auf deine Antwort,


    mit ganz lieben Grüßen,


    flo

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."

  • Zitat

    1000 Dank auch an Matthias, der für uns das unvollendete Lange-Bild vollendet hat, und der dabei herausgefunden hat, warum es nie vollendet werden konnte..

    .


    Das hab ich herausgefunden BEVOR ich angefangen habe es zu vollenden :D
    (Auch mich lockte dieses Projekt, aber ich habe dann letzrtlich davon abstand genommen)


    Die Perspektive, bzw die Proportionen stimmen hinten und vorne nicht - wie man in Österreich sagen würde :baeh01:


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Salut,


    verglichen mit seinem grandiosen vollendeten Selbstportrait, das ich kürzlich in Cassel zu Gesicht bekam [bzw. vielmehr es mich: Der als Größenwahnsinnige dargestellte blickte verachtend auf mich hinab], hat Matthias sein eigenes Gesicht gemalt und dies wiederum ist jenem Mozarts aus dem Langeportrait extrem ähnlich - je nach Perspektive. Außerdem spielt der Trazom was ganz besonderes...


    :baeh01:


    Viele Grüße
    Ulli

  • Geplant war zuerst einmal ein Treffen in Karlsruhe, dort wollte ich mich mit Ulli treffen.
    Zuerst aber musste ich stressiger Weise nach Wiesbaden.
    Die Fahrt nach Karlsruhe war besonders toll, total überfüllte Züge und ich vollgepackt mit Rucksack, Schlafsack, Reisetasche und dem Gag - Gemälde für die Mozartwirte.
    Ich war mal wieder mit den Nerven am Ende als ich endlich ankam – niemals wieder werde ich eine Fahrt mit dem ICE machen ohne Sitzplatzreservierung.... :kotz:


    Der Abend bei den Mozartwirten war wirklich besonders schön. Zwar grummelte Ulli schon die ganze Zeit vor sich hin, da der Cellist ihm bis jetzt immer noch nichts sagte ob seine Komposition an diesem Tag überhaupt gespielt wurde.


    Das Essen war wie immer grandios, als ersten Gang gab es die von mir so geliebte


    „Mousse aus Tunfisch und Krebsfleisch, dazu noch Forellenkaviar und Räucherlachs“
    da könnte ich mich wirklich dran totfressen.


    Der 2. Gang war etwas ganz besonders gutes: „Cremesüppchen von Kürbis und Melone mit Sahnehäubchen“


    Wir macht Ihr das nur, dass Eure Suppen so genial schmecken.


    Darauf folgte „Zanderfilet an Hummersauce mit Blattspinat und Reis“


    Dann kam der Höhepunkt des Menüs „Hirschkotelett mit Lebkuchenkruste an Hagebuttensauce mit Maronen Kartoffelpüree“ und zum Abschluß noch der so beliebte „Marzipaneisstollen mit Amaretto Zabaione“


    Habt Ihr schonmal die Geschichte bekannt gegeben wie es zu diesen besonderen Zusammenstellungen kam ? :D Ich meine Lebkuchen oder Spekulatius Panade :D:D:D


    Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest – oh, anscheinend ist durch dieses ganze Homöopathie Gedöns dass ich seit einem halben Jahr über mich ergehen lasse, meine Laktose-Intoleranz verschwunden :jubel::jubel::jubel:
    * ich bin frei *




    Zwischen Jedem Gang gab es dann eine Konzert Einlage. Es waren Mitglieder des Münchner Rundfunksymphonie Orchesters,
    Cello, Violine, Bratsche und Oboe – also ein Oboenquartett. (noch nie vorher davon gehört...)
    Noch ulkiger, es gab sogar Kompositionen für solch eine Konstellation.
    Als ob irgendwen Transkriptionen gestört hätten.


    Es wurde Musik von Carl Friedrich Abel, Johann Christian Bach und Louis Massoneau gespielt. Letzterer war hier in Kassel angestellt als Hofmusiker.
    Da fällt mir ein ich müsste mal rausfinden ob da schon was auf CD eingespielt wurde, das war gar nicht übel, zwar nicht genial,aber doch schon ganz nett...


    Dann auf einmal wurde das Quartett zum Trio, Ulli wurde leicht bleich – jetzt wurde sein Streicher Trio angekündigt.
    Nicht nur das die Musiker mit voller Begeisterung spielten, sie gaben wirklich ihr bestes und interpretierten die Stücke sowohl der klassischen Komponisten als auch das Werk von Ulli mit Hingabe und Phantasie.
    Es war totenstill. Man kann sagen was man will, Ulli kritisieren, dass er in einem anachronistischen Stil schreibt, aber die Wirkung seiner Musik lässt jegliche Kritik in Rauch aufgehen.
    Es war eine allgemeine Bewegtheit zu spüren und es war ganz klar das Werk des Abends.
    Danach folgten noch Kompositionen von demjenigen der als einziger danach noch eine Chance hatte: Mozart.


    Ulli wurde noch kurz „interviewt“ danach hatte ich den Eindruck, dass er innerlich sehr breit grinste.


    Es war überirdisch. Trotzdem bleibt ein leicht trauriges Gefühl, denn das soll ja vielleicht das letzte Konzert gewesen sein. Der Cellist sprach noch etwas mit Ulli und bot ihm sogar an ein paar seiner Werke professionell aufzunehmen.
    Für die nächste Zeit war Ulli wieder gut gelaunt und ich mehr als erleichtert.


    Gegen Mitternacht...oder vielleicht viel Später gab es Wilfrieds Wundersuppe.
    Man wundert sich jedes Mal wieder wie scharf sie ist.


    Gegen 4 Uhr legten wir uns zur Ruhe.
    Am nächsten Morgen gab es schon zum Frühstück die legendäre Mozartkugel.
    Tja das ist schon was wenn der Tag so beginnt.... vor allem weil es dann noch eine Portion Marzipaneisstollen als Nachtisch gegeben hat.
    Es ist immer eine Qual diesen Ort verlassen zu müssen.



    Ja und das Bild, es war von mir als kleiner Gag gedacht, aber auch ich wusste wieso Lange es nicht fertig gemalt hat – allerdings ist schon das Bildmotiv von Anfang an eine Katastrophe.
    Profilportraits machen sich generell schlecht und niemand hockt so dicht vorm Klavier... außer mir vielleicht, da ich kurzsichtig bin – das heißt übrigens noch diese Woche ein Nasenfahrrad aussuchen.
    Dabei glaube ich, ist es manchmal gar nicht so verkehrt nicht alles zu sehen......


    Es war auch nicht sehr angenehm Langes Malstil nachzuempfinden, dass man immer irgendwie sein eigenes Gesicht malt ist ein verbreitetes Phänomen, das passiert nicht nur mir.
    Aber ich habe ja jetzt eh andere Projekte in Sachen Kunst am laufen und die Malerei erstmal aufgegeben.



    Jedenfalls ein gaaaaanz Dickes Dankeschön an die Moziwis für deiesen wundervollen Abend und auch an Ulli für seine großartige Komposition, natürlich an die Musiker die wirklich den Abend zu etwas ganz besonderem gemacht haben.


    :lips:
    :hello:

  • Hallo Ihr Lieben,


    *Zwar grummelte Ulli schon die ganze Zeit vor sich hin, da der Cellist ihm bis jetzt immer noch nichts sagte ob seine Komposition an diesem Tag überhaupt gespielt wurde.
    *


    :D


    Das war unsere Absicht - denn eigentlich sollte dieses Streichtrio eine Überraschung für UNS werden. Wir haben den Spieß aber umgedreht und Ulli erst mal zappeln lassen - hat richtig Spaß gemacht. :hahahaha:


    Blöd nur, dass wir Ihn dadurch nicht im Programm erwähnen konnten.


    @Alfred - so sagt man das in Bayern auch... ;)


    Liebe Grüße


    Bettina und Wilfried


    PS: Kann hier nicht jemand diesen Thread kleiner machen? Es dauert eine Ewigkeit, bis der geöffnet ist... :rolleyes:

  • Und warum warst Du dann so nervös, häääää? Matthias ist dies auch nicht entgangen... ;):yes:
    Aber eigentlich können wir das Silvester "ausdiskutieren" :D nach scharfer Nachmitternachtssuppe... ;)


    :hello:

  • Salut,


    Zitat

    Original von Bettina und Wilfried
    Und warum warst Du dann so nervös, häääää? Matthias ist dies auch nicht entgangen... ;):yes:


    Vor Uraufführungen bin ich eigentlich immer nervös... :O :D
    Ich kann ja vorher nicht wissen, ob mein "neuer Geschmack" den Widmungsträgern und dem Pblikum auch gefällt. Zudem fiel ja das Trio [wie eigentlich immer bei mir :rolleyes: ] längenmässig völlig aus dem Rahmen...


    Zitat

    Aber eigentlich können wir das Silvester "ausdiskutieren" :D nach scharfer Nachmitternachtssuppe... ;)


    :hello:


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Vor Uraufführungen bin ich eigentlich immer nervös... :O :D
    Ich kann ja vorher nicht wissen, ob mein "neuer Geschmack" den Widmungsträgern und dem Pblikum auch gefällt. Zudem fiel ja das Trio [wie eigentlich immer bei mir :rolleyes: ] längenmässig völlig aus dem Rahmen...


    Ein wenig angemerkt hat man Dir die Anspannung schon ja - aber sicher, dass es tatsächlich aufgeführt würde, hast Du nicht gerade gewirkt :pfeif:
    Also, wenn Dein "neuer Geschmack" den Leuten nicht gefällt, dann frag ich mich, was denen dann überhaupt noch gefallen soll :rolleyes:
    Die Länge hat man kaum gemerkt, da das Trio einfach so fesselnd war (je länger, desto mehr Hörspaß :] ) - bei einem langweiligen oder 08/15-Werk hättest Dir das nicht erlauben können :D

    Viva la libertà!

  • Zitat

    Original von Barezzi
    Ein wenig angemerkt hat man Dir die Anspannung schon ja - aber sicher, dass es tatsächlich aufgeführt würde, hast Du nicht gerade gewirkt :pfeif:


    ...ich mußte ja so tun, um den Moziwis die Tour nicht zu verderben... :D Quasi eine klassische Goldoni-Komödie mit drei Po-Enten, in der jeder etwas, aber keiner alles wusste - und der Gewinner steht auch nicht fest [bei konstruiertem Goldoni wäre es Goldoni selbst gewesen...].


    Ich hab's jedenfalls vorher schriftlich bestätigt bekommen. Es gab sogar ein kleines "eMail-Gefecht" á la Don Giovanni... 8o Da war plötzlich von Kürzungen die Rede... ?( ich mußte erstmal im Lexikon die Bedeutung nachschlagen... 8) dann antwortete ich, dass die Wiederholungen und ggfs. das Menuett flachfallen können - sonst nichts. Offenbar schwer beeindruckt spielten sie dann ohne Wiederholungen [andernfalls säßen wir womöglich heute noch da :hahahaha: ] aber mit Menuett. Das fand ich dann wirklich sehr, sehr entgegenkommend - denn das Menuett gefällt mir selbst aus speziellem Grund auch sehr gut und es passt einfach nahtlos darein. Was ich definitiv vorher nicht wusste, war der Umfang der Aufführung - ich hätte mit einem Satz oder so gerechnet...


    Umso zufriedener bin ich nun.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Ulli


  • [maulen ein]Gibt es denn da nun eine vernünftige Aufnahme von ? Ich komme immer noch nicht mit dem blöden Codecs Midi zu Wirklichkeit zurecht. [maulen aus] ?( ?(

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Ja, ich war heute Abend im Weihnachtsoratorium 1- 3 in der Zürcher Tonhalle mit dem Tonhallenorchester unter McCreesh.


    Um es kurz zu sagen es war eine weichgespülte HIP-Interpration auf modernen Instrumenten. Ich weiss, dass sich das wiederspricht.


    Die 4 Solisten waren grossartig :no: : Die Sopranistin kiekste nur rum, der Tenor brüllte und war mit den Koleraturen völlig überfordert. Der Bass sang so angestrengt, dass man bei jeden Ton dachte, er bricht gleich zusammen. Nur der Countertenor konnte halbwegs überzeugen, er hatte nur Mängel im Piano.


    Das Doppelquartett von Chor hatte wohl die erste Probe in der Aufführung. Sie haben schon gut gesungen die 8 zusätzlichen Solisten, aber unter einer Chor verstehe ich etwas anderes.


    Ein virbratoloses Geigenspiel auf Metallseiten finde ich einfach nur furchtbar. Das Duett Geige-Alt im dritten Teil war eher wegen des Countertenors als wegen der statischen Konzertmeisterin ganz gut.


    McCreesh tänzelte ohne Tacktstock vor den Musikern. Das Ganze musste bei ihm weich fliessen und hatte keine Ecken und Kanten.


    Leider gab es keine Pause, in der meine Frau und ich gehen konnten.


    Für die, die Morgen in die Aufführung gehen, kann ich nur sagen, es kann nur besser werden, da es ja heute Abend eine öffentliche Probe gab, für die ich 83 CHF pro Person bezahlt habe. Und das waren nicht die teuersten Karten.


    Als alter Hamburger, kann ich nur sagen, das jedes Weihnachtsoratorium in einer der Hauptkirchen in HH insgesamt besser war.


    Wir waren total enttäuscht.


    P.S.: Die Holzbläser und der Trompeter waren super geil. Wirklich :jubel:

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Zitat

    Original von Radagast


    [maulen ein]Gibt es denn da nun eine vernünftige Aufnahme von ? Ich komme immer noch nicht mit dem blöden Codecs Midi zu Wirklichkeit zurecht. [maulen aus] ?( ?(


    Steht denn schon die Midi-Datei des Trios?
    Midi hört sich halt wenig berauschend an :rolleyes: Und speichern kann ich die Dinger auch nicht auf den PC, um sie hören zu können, wann immer ich will :motz:
    Leider durfte Ulli diesmal keine Aufnahme machen. :( Wäre der Erste, der ihn nerven würde, mir da was zuzuschicken :D :pfeif:


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Hallo,


    mein erlebtes Konzert in der St. Martini-Kirche in Braunschweig mit dem Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter der Leitung von J.E. Gardiner am 15.12.2006 kann in diesem Thread
    hier nachgelesen werden!



    Grüsse
    Volker

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo zusammen,


    gestern Abend konnte ich zum Jahresausklang ein richtiges highlight genießen: "Elias" op.70 Oratorium nach den Worten des Alten Testaments von Felix Mendelssohn-Bartholdy.


    Aufgeführt wurde das Werk von der Klassischen Philharmonie und dem Kammerchor Stuttgart unter der Leitung von Frieder Bernius.
    Als Solisten wirkten mit:
    Letizia Scherrer, Sopran
    Renée Morloc, Alt
    Werner Güra, Tenor
    Michael Volle, Bariton als Elias
    sowie Jonathan Schilling als Knabensopran.


    Alle Mitwirkenden haben auf sehr hohem Niveau zum Gelingen dieses großen Werks beigetragen: Sehr homogen der Chor mit beachtenswerten Soloeinsätzen. Präzise das Orchester ohne jegliche Schwachstellen, stark und stimmschön die Solisten, wobei dem Sänger des Elias die Krone gebührte. Mit bewundernswert tragfähiger Stimme hat er seinen schweren Part gemeistert, wandlungsstark und textverständlich bei jeder Silbe. Besser kann man es nicht machen.
    Da empfiehlt sich ein Sänger der Extraklasse für weitere Aufgaben in Bayreuth und anderswo. :jubel: :jubel: :jubel:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Kleiner Rückblick auf die Woche vor Weihnachten, nämlich den 15. und 16.12.2006: zwei Spitzenensembles aus dem Bereich "Alte Musik" waren unterwegs, Gardiner mit den "English Baroque Soloists" mit Adenventskantaten von JSB und Konrad Junghänel mit seinem "Cantus Cölln" mit der "Marienvesper" von Claudio Monteverdi.


    Räumlich näher wäre für mich zwar Gardiner in Frankfurt und Junghänel in Düsseldorf gewesen, ich habe aber beide Konzerte in Braunschweig, respektive Salzgitter gehört.


    Nach den Live-Erfahrungen mit "Johannes-" und "Matthäus-Passion" (Alte Oper Frankfurt) war die Erwartung an die Bach-Kantaten sehr hoch angesiedelt.


    Leider machte der Raum der Martini-Kirche in Braunschweig da erstmal einen Strich durch die Rechnung: ein sehr enger Altarraum bei weit offenen Seitenschiffen führte dazu, dass von namentlich der ersten Kantate "Nun komm, der Heiden Heíland" - hier in der Version BWV 61 - vom Orchester sehr wenig "rüber" kam und der Chor klanglich verschwommen blieb.


    Da Gardiner die Solisten vor das Orchester positionierte, waren die dann überproportional kräftiger zu vernehmen, was der Balance abträglich war.


    Erst mit der dritten und vierten Kantate wurde das entschieden besser, so, als habe das Ensemble die Besonderheiten des Raumes jetzt aufgenommen.


    Mit "Herz und Mund und That und Leben" und erst recht mit der kräftig intonierten Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" war wieder der hervorragende Ruf der Engländer bestätigbar.


    Gardiners Chor ist überschaubar besetzt - und das Ergebnis gibt ihm recht: die Dynamik, die Durchhörbarkeit, das technische Können der knapp 20 Sängerinnen und Sänger ist beachtlich.


    Da Gardiner auch die Solisten aus dem Chor heraus besetzt, ist hier eine Kontinuität im Klang gewährleistet, allerdings mit Abstrichen bei bsplsw. der Vituosität der einzelnen Stimmen, herausragend hier der Altist William Towers.


    Tadellos das Orchester und vor allem die Instrumentalsolisten.


    Was mich gewundert hat: eine Rezension der Frankfurter Aufführung, einen Tag nach Braunschweig, berichtete von den selben Problemen, die ich schon aus Braunschweig kannte. Fehlt da möglicherweise tourbedingt Probenzeit? Oder unterschätzen die ausführenden Künstler den Unterschied zwischen leerem und mit Zuschauern gefülltem Aufführungsort?


    Mehr als gelungen dann einen Abend später "Marienvesper" mit "Cantus Cölln" und "Concerto Palatino" in der Stiftskirche Steterburg.


    Die Stiftskirche Steterburg ist eine kleine Kirche - und ich habe eine so intime Aufführung der "Marienvesper" noch nie erlebt. Wer die CD-Einspielung von "Vespro" der Junghänel-Truppe kennt, weiss, was dieses solistisch besetzte Ensemble zu leisten vermag. Und die Stiftskirche Steterburg ist für diese kleine Besetzung geradezu ideal. Alles ist Klang und Konzentration - eine Aufführung, die ich nicht vergessen werde. Selbst kleine Schwächen fallen wegen des Gesamteindrucks nicht ins Gewicht.


    Leider gibt es wohl in Deutschland z. Z. keine weitere Aufführung der "Vespro" mit "Cantus Cölln". Für den 01.05.2007 ist aber eine Aufführung im niederländischen s´Hertogenbosch angekündigt. Wer kann - anhören. Ich selbst werde da wohl aus terminlichen Gründen verhindert sein.


    Mein Weg hat mich dann weiter nach Berlin geführt (nein, ich war nicht in der WA von Ms "I." an der DOB in der R. von HN - da hätte ich schon 2003 hingekonnt, aber M ist halt nicht so meins und es soll grauenhaft gesungen worden sein). Dort habe ich mal wieder das Marthal besucht, wo man immer wieder quasi alte Bekannte trifft. Es war vielleicht keiner seiner wirklich grossen Abende, aber schön war die Inszenierung von "Geschichten aus dem Wienerwald" von Ödön von Horváth in einem Bühnenbild der Viebrock schon...

  • PHILHARMONIE MÜNCHEN


    Anton Bruckner


    8.Sinfonie


    Müncher Philharmoniker


    Christian Thielemann



    Ich freu mich drauf.


    :pfeif::pfeif::pfeif:

    mucaxel

  • Christian Thielemann gestern Abend in der
    Philharmonie München mit den
    Münchner Philharmoniker eine absolute
    STERNSTUNDE.


    Bruckner 8.Sinfonie


    :] :] :] :]

    mucaxel

  • Hallo Mucaxel,


    ich werde Thielemann im März beim Gastspiel mit den Wienern hier in Berlin in der Philharmonie mit der 8. von Bruckner erleben können.


    Könntest Du etwas ausführlicher über Dein Konzerterlebnis berichten - um meine Vorfreude zu steigern?


    :hello:


    Gruß, l.

  • Pierre Boulez dirigierte Gustav Mahlers Symphonie Nr. 6 a-Moll in der Münchner Philharmonie am Gasteig, 14.1.2007


    Man ist nachher erschüttert, nicht nur der brutalen Hammerschläge wegen niedergeschmettert. Kaum ein symphonisches Werk hinterlässt den Zuhörer derart aufgelöst wie Mahlers Sechste. Der Komponist macht die Katastrophe wahr und erlöst uns nicht mit einem Schlussjubel. Nach dem großen Kampf des halbstündigen Finalsatzes fällt ein letzter Aufschrei des Orchesters den Helden. Boulez und die Staatskapelle Berlin halten durchgehend eine vielschichtig differenzierte Klang- und Ausdrucksbalance bei einem Höchstmaß an Präzision. Es gibt „herzlichere“ Aufführungen dieses Werks, aber wohl selten unerbittlichere, direktere, auch im „Alma-Thema“ (erster Satz) und im langsamen Satz (diesfalls entgegen neuester Mahler-Forschungserkenntnis doch wieder an dritter Stelle gereiht, eine für den Hörer psychologisch weniger „unangenehme“ Lösung – das große Atemholen bzw. Innehalten vor dem monumentalen Finalsatz). Boulez hebt keine Sentimentalität heraus, er muss auch nicht die hämische Ironie im Scherzo überakzentuieren. Er lässt die Musik für sich selbst sprechen, sich auf ein großartig disponiertes Orchester verlassen könnend. Man verlässt den Saal völlig niedergeschmettert.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Hallo Alviano,
    Zitat:
    Leider machte der Raum der Martini-Kirche in Braunschweig da erstmal einen Strich durch die Rechnung: ein sehr enger Altarraum bei weit offenen Seitenschiffen führte dazu, dass von namentlich der ersten Kantate "Nun komm, der Heiden Heíland" - hier in der Version BWV 61 - vom Orchester sehr wenig "rüber" kam und der Chor klanglich verschwommen blieb.


    ----------------------------


    Hierauf wäre erst einmal zu klären, in welcher Reihe Du deinen Platz hattest. Ich saß in der 9. Reihe im
    Mittelschiff und hatte ein wunderbares Hörerlebnis. In Deiner Kritik könnte ich das evtl. bestätigen, wenn man sehr weit hinten gesessen hat.
    Vorne sitzend nah am Aufführungsgeschehen kann ich die Aufführung nur lobend erwähnen, da stimmlich und konzertant alles bestens ankam.


    Nervend fand ich den Einlass in die Kirche, eine Türe nur geöffnet und Schlangen davor, die nicht enden wollten. Darum auch der verspätete Beginn des Konzertes aufgrund dieser organisatorischer Mängel.



    Grüsse
    Volker

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • ich gehe nur mehr aus bestimmten anlässen ins konzert und dann versuche ich immer, mir extreme plätze auszusuchen. also entweder welche um 75€ oder billigere ganz nahe beim orchester -geht im goldenen saal sehr gut. bei manchen podiumssitzen ist man quasi teil des orchesters. das gibt eine ganz interessante klangbalance. die musiker hören ihr leben lang auch nicht anders. außer sie gehen ins konzert. was ich mir kaum vorstellen kann.
    zum gestrigen menue:
    als vorspeise gab es bruchs g-moll violinkonzert op26, das ich bislang nur aus der konserve gekannt hatte.
    da ich ca 2m hinter den hörnern saß, hab ich vom rest recht wenig gehört, da die wackeren bläser ihre schalltrichter brav nach hinten hielten. den klang der 250jährigen guadagnini mit ihrer 23jährigen fischer konnte ich nur genießen, wenn die hörner in der nase bohrten. von julia konnte ich zwar ihre linke nackte schulter sehen (bleich), ihr (hinter)kopf blieb meist vom linken ohr des 4.horns verdeckt.
    aber wahrscheinlich gut gespielt, dem vollen saal (das konzert wird noch 3x wiederholt!) gefiel's, dem orchester gefiel's auch, es applaudierte genauso lang. frau fischer schien dies so zu gefallen, dass sie sich gefiel, uns den gefallen einer zugabe zu tun: des allegros aus bwv1005, der sonate nr3 c-dur (ich hab es zuhause wiedererkannt). das dessert als zwischengang sozusagen.
    erstaunlicherweise sah ich sie nach der pause (einsam) in der direktionsloge sitzen und den hauptgang zu sich nehmen, welcher mein konzertbesuchstandardanlassfall war:
    d944
    da waren die hörner dann nicht mehr so laut. 2 zusätzliche kontrabässe hatten nämlich 1 m vor mir aufstellung genommen.
    ich hatte meine taschenpartitur dabei und sah und hörte noten, die mir sonst nie aufgefallen waren. die stellen, auf welche ich bei der symphonie besonders achte, wurden recht gut gegeben. ich konnte dem dirigenten immer ins gesicht blicken. yakov kreizberg mag zwar vom gestus her etwas exaltiert wirken, hat aber eine sympathische ausstrahlung. ich kann mich erinnern, wie vor ca 2 jahren d944 innerhalb von 2 wochen 3mal gegeben wurde (harding, haitink, kreizberg) und da war mir seine interpretation die liebste.



    Dienstag, 30.01.2007
    Wiener Musikverein
    Großer Saal
    Beginn: 19:30
    Ende ca.: 21:30


    Wiener Symphoniker
    Yakov Kreizberg, Dirigent
    Julia Fischer, Violine

    Programm:
    • Max Bruch
    Konzert für Violine und Orchester g - Moll, op. 26
    -------- Pause --------
    • Franz Schubert
    Symphonie Nr. 8 C - Dur, D 944 ("Große C - Dur Symphonie")

  • Daniel Barenboim brachte eine CD mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 7 e-Moll nach München und dirigierte sie in der Philharmonie im Gasteig, 30.1.2007


    Hochspannung in der Philharmonie. Die Staatskapelle Berlin hat Platz genommen, der Konzertmeister hat das Podium betreten, man begrüßt den groß besetzten Klangkörper herzlich. Volle Konzentration. Daniel Barenboim schreitet zum Podium. Demonstrativ freundlicher Applaus. Stille. Satter, aber dunkler Streicherklang, aus dem sich eine klagende Weise emanzipiert: Man ist sofort mittendrin in einer ganz eigenen Welt, in Gustav Mahlers Klangwelt. Es ist (noch) keine helle Welt, aber sie ist hier von erhabener, kompakter Größe. Barenboim serviert Mahlers Siebente brillant und gleichzeitig verinnerlicht. Zauberisch schön nimmt er die lyrischen Passagen zurück, weiß das Schwelgerische auszukosten und den Wiener Charme hervorzukehren. Besonderen Wert legt er auf die Stimmbalance der Orchestergruppen und Solopartien. Selten hört man auch Nebenstimmen und Gegenstimmen so klar durch. Mahlers vielschichtige Partitur gewinnt damit akustisch einige spannende, reizvolle neue Facetten. Die grotesken Kontraste kommen bei alldem auch nicht zu kurz. Wunderbare, sonderbare, geheimnisvolle Zwischenwelten tun sich in den Binnensätzen auf, vor allem im zweiten (der ersten Nachtmusik) und im dritten (dem schattenhaften Scherzo). Unglaublich spannend erlebt der Zuhörer diese Musik, voller Überraschungen. Man taucht ein in immer neue, immer andere Welten, man fällt von einer in die nächste. Man vergisst Raum und Zeit, ergibt sich ganz der Musik. Das Publikum zeigt sich extrem konzentriert. Keiner wagt, die Musik zu zerhusten. Barenboim ist ein Vollblutmusikant. Jeder neue Abschnitt wird mit Leben gefüllt, die Interpretation erscheint gleichzeitig klug und emotional gelebt. Der laute Jubel des nach dem großen, aber dunkel dominierten Beginn umso helleren Finalsatzes forciert natürlich den ohnehin zu erwartenden großen Publikumserfolg dieser diesmal gar nicht so sperrig gewirkt habenden Musik.
    Nachklang: Man ist total „erfüllt“ nach dieser konzertanten Sternstunde. Der Schreiber kauft die CD zum Konzert (und hört sie gleich zu Hause an, was er sonst nie tut). Hinter dem Merchandisestand im Foyer protzt eine WarnerClassics-Wand mit vielen lachenden Barenboimgesichtern auf abgebildeten CD-Covers. Der Maestro schreitet heran, ernst, Distanz schaffend. Die Autogrammstunde atmet offiziellen Pflichtcharakter. Eine ältere Dame möchte des Maestros Hand streichen, man spürt, sie hätte gerne mehr, aber der Maestro legt Wert auf diese Distanz. Gelebt wurde im Saal. Im Foyer regiert das Business.
    Die CD mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 7 e-Moll mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin (mit Barenboim-Kopfcover, vorne und hinten, wo bleibt Mahler optisch?), aufgenommen in der Berliner Philharmonie am 26. und 27.2.2005 (WarnerClassics 2564 62963-2) bringt eine Interpretation voll leidenschaftlicher Intensität und Präzision (nicht ganz so unmittelbar wie in der Philharmonie am Konzertabend, aber fast)! Großartig, wie Barenboim aus der Partitur zusammen mit dem Orchester packende Musik macht, Musik als Abenteuer, als schillerndes Schauspiel, als bunten Weltenzauber – sehr unmittelbar, ohne Distanz. Das Staunen des Zuhörers wird zum Prinzip. Man ist total gespannt, wie es jeweils weiter geht. Wo marschiert Mahler jetzt wieder hin? Unglaublich – und das alle paar Minuten! Sehr schön kommen die „Neujahrskonzert-Einwürfe“ zum Vorschein. Dazu sticht die Klangdifferenzierung ins Ohr: Barenboim legt großen Wert auf Neben- und Gegenstimmen. Sein Dirigat lebt davon, mit jeder neuen Phrase sofort „drin“ zu sein in der Musik. Sie wirkt organisch, trotz der vielen kleinen Blöcke, die sonst vielfach fremd bleiben untereinander. Hier erwecken sie Neugier und Staunen. Nichts wird nur rein äußerlich dargestellt, alles ist sofort Musik. Diese Aufnahme bedeutet für den Schreiber eine echte Bereicherung der Mahler-Interpretationsgeschichte.


    Der letzte Abschnitt wird (weil er eher dorthin gehört) von mir auch im Mahler 7-Thread bei den Klassischen Instrumentalaufnahmen eingesetzt.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander