Apropos Klavier und Pianisten: Habe Ende Jänner Martha Argerich mit den Capucon-Brüdern und dem Tripelkonzert Beethovens im MV erlebt, erstaunlich, was die alte Dame (darf man wohl sagen, wird demnächst 85) auf den Tasten noch bringt, bewundernswert. Renaud dirigierte nach der Pause die 8. von Dvorak recht ordentlich, als Draufgabe eine sehr spritzige Mozart-Ouvertüre: Hochzeit des Figaro. Ein tatsächlich "beglückender" Abend, wie in einer Kritik zu lesen war.
Konzertbesuche und Bewertung
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Am vergangenen Samstag war in Dortmund Ricardo Minasi mit dem Mahler Chamber Orchestra zu Gast. Aufgestockt mit der MCO Academy und ergänzt um die Chorakademie Dortmund spielt sie Mahlers 3. Minasi kommt eigentlich von der historischen Aufführungspraxis und der Barockmusik, ist zudem Geiger Barockvioline). Das alles wusste ich am Samstag noch nicht, war allerdings positiv überrascht von dem transparenten Klang des Ganzen (erinnerte ein wenig an die HIP-Aufführung von Mahlers 9.). Naturgemäß war das Konzert schon lange ausverkauft, und es hat sich gelohnt. Das Konzert fand noch in Essen und in Köln in gleicher Besetzung resp. Zusammensetzung statt. Markus Schwering berichtet sehr positiv über die Kölner Auführung im Kölner Stadtanzeiger:
https://www.ksta.de/kultur-med…-ganzen-schrecken-1216410
Liebe Grüße vom Thomas

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Am letzten Dienstag, 10.02.2026, gab es endlich mal wieder Bruckners 8. in der Kölner Philharmonie zu hören. Das Königliche Concertgebouw Orchester spielte unter Klaus Mäkelä.
Ich liebe die Symphonie seit 35 Jahren, habe sie allerdings erst 2006 erstmals live auf schlechtem Platz in schlechter Akustik gehört (Kirche, weit hinten), 2024 dann in Transkription für Orgel, und jetzt erstmalig in einem richtigen Konzertgebäude mit guter Akustik und hervorragendem Platz.
Ich bin immer noch beeindruckt von dem Konzert. Ich bin kein Fachmann, aber die Interpretation hat mir absolut gefallen. Es war die 3. Version von Haas.
Vom Hören kenne ich die Symphonie nach all den Jahren quasi „auswendig“, und die Musik beinhaltet damit auch viele persönliche Erinnerungen.
Kennengelernt habe ich sie interessanterweise mit meinem kleinen treuen Sony-Walkman auf langen Bahnreisen. Manchmal verkehrten sich Dinge um die Bahnfahrt sogar: Ich habe nicht Musik gehört, um mich auf der „langweiligen“ Bahnfahrt zu unterhalten, sondern das Musikhören war überhaupt erst der Grund für die Bahnfahrt! Das „Adagio“ war dann nachts im Abteil bei abgeschalteter Deckenbeleuchtung tatsächlich der „Soundtrack“ für die Fahrt im IC durch das düstere Rheintal. Hach, war das immer schön!
Trotzdem war das Konzert eine neue Erfahrung für mich, von der ich immer noch zehre!
Interessanter weise habe ich letzten Dienstag etwas erleben müssen, was ich auch beim Konzert 2024 bereits erlebt habe, nämlich das jemand im Zuschauerraum kollabierte und von Rettungskräften versorgt werden musste. Die 80 bis 90 Minuten ohne Pause überfordern vielleicht doch den einen oder anderen Zuhörer? Das ist natürlich dann für alle etwas zweifelhaft. Es geschah am Dienstag zum Ende des Finalsatzes kurz von dem „Sonnenaufgangsmotiv“. Das Orchester spielte professionell weiter, aber sowohl Musiker als auch Zuschauer wurden aus der absoluten Musik herausgerissen. Ein Ersthelfer drängte sich durch den ganzen Saal, und um den Betroffenen herum entstand natürlich einige Unruhe. Ich kann nur hoffen, dass es dem Betroffenen wieder gut geht! Dass das Konzert an dieser wichtigen Stelle „gestört“ wurde, ist nachrangig, auch wenn es trotzdem irgendwie „schade“ war.
Ach ja… und mein altes Spleen-Thema Eisenbahn und Klassische Musik: Ja, in solchen Zügen habe ich das Werk kennen gelernt, auch im Oberen Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz. Der Zug mit ÖBB-Wagen war auch mit der letzte im Rheintal mit echten Abteilen und ausschaltbarem Licht, wo ich so um 2015 letztmalig Bruckners 8. geniessen konnte. Diese Bahnreise hatte auch keinen anderen Sinn, als diesen Genuss nochmal erleben zu dürfen!
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Die ÖBB-Waggons sind optisch nur 2. Wahl, schöner wären die deutschen IC-Wagen gewesen, idealerweise mit der rotlackierten 1. Klasse direkt an der Lok.
Und die 103 ist und bleibt (m)ein Traum. Was für eine tolle Lokomotive.
Schön, dass du ein tolles Konzerterlebnis mit B8, dem RCO und KM hattest.
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Und die 103 ist und bleibt (m)ein Traum. Was für eine tolle Lokomotive.
Ich habe in meinem Bildarchiv unzählige Bahnbilder. Zwei Loks sind die Krönung. Die erste die alte Dampflok 01/03, mit der ich durch meine ganze Kindheit und Jugend gefahren bin. Später natürlich die 103. Ich kenne auch niemanden, der diese Lok nicht mag. Und wenn,

würde ich die Bekanntschaft kündigen. -
Zurück aus dem nagelneu renovierten Konzerthaus am Schloss in Kiel. Die Philharmoniker spielten Dvoraks Cellokonzert und Korngolds Sinfonie Op. 40. Irgendwie war das ein merkwürdiger Abend.
Ohne den Kielern auf den Schlips treten zu wollen - ich komme sehr gerne die 50 Autominuten hoch in die Landeshauptstadt - aber der neue Konzertsaal ist sozusagen eine Katastrophe. Von 42 Konzertsälen die ich bisher besucht habe ungefähr auf Platz 41. Einen sterileren Raum mit einer kälteren Atmosphäre habe ich noch nicht erlebt. Da auch noch alles neu ist und riecht, habe ich den Eindruck in einem großen Möbelkaufhaus zu sein. Das Orchesterpodium ist in sog. 'demokratischer Bauweise' quasi nicht vom Publikum abgegrenzt, nicht höher und nicht tiefer gelegen und mit 50cm Abstand zur ersten Reihe. Es befindet sich in der Mitte, komplett von Publikum umrundet. Man sitzt dabei direkt hinter den Instrumenten - in meinem Fall Kontrabässen - als wäre man Teil des Orchesters. Nach der Pause habe ich mich aufs Podium gesetzt, was etwas mehr Abstand garantiert. So ein Unsinn: Ich möchte keinen demokratischen Konzertbesuch - das Orchester soll sich abheben, ich will da nicht Teil von sein und ein Kontrabass-Brett vor dem Kopf haben. So eine Fehlplanung - ich hörte viel Unmut. Das sterile weiß und die Fabrikhallen-Decke sorgen zudem für Kälte. Und weil das den rauen Hafenbwohnern aus Kiel noch nicht reicht, wurde mittels einer leise und sehr hoch pfeifenden Klimaanlage (etwa 70% des Publikums dürften diese Frequenz überhaupt nicht mehr gehört haben) kalte Luft reingeleitet. 'Winterkonzert' als immersives Erlebnis. Bei 3° Außentemperatur sind gefühlte 16° Innentemperatur doch etwas herrliches. Ich bin mir sicher, dass sie im Sommer bei 30° draußen permanent heiße Luft zuleiten werden...
Apropos Hafenbewohner: Die Konzertsaison in Kiel steht unter dem Motto 'Hafenstädte'. Heute war New York dran und damit drei Werke, die - zumindest teilweise - dort entanden. Los ging es mit der Uraufführung eines zehnminütigen Openers von Teresa Chiché mit dem Titel "With melting flowers. New York". Ich habe einen alternativen Titelvorschlag: "Try out how loud percussion instruments possibly can play. New York".
Das Dvoraksche Cellokonzert gewohnt schön, wenngleich die Hörner das hübsche Seitenthema zunächst leicht versauen und Solistin Anastasia Kobekina bei Doppelgriff-Passagen nicht immer sauber klingt. Die Kobekina tritt barfuß auf, was auch etwas komisch ist. Ich vermute, dass ihr die 16° einfach zu warm sind... Anschließend wird sie für mich überraschend jubelnd und übertrieben gefeiert. Kaum steht das Orchester auf, erheben sich auch die meisten Zuschauer. Ich vermute hier einen unbewussten Einfluss der 'demokratischen Bauweise'. Wenn Leute 50 cm vor dir aufstehen, dann machst du das auch. Erst als ich bemerke, dass die Cellistin ihren Abschied nach zwei Jahren Artist in residence gibt, verstehe ich den Jubel und finde ihn dann auch direkt sympathisch.
Gekommen bin ich für Korngolds Sinfonie. Ich bin großer Korngold-Fan und das Fis-Dur-Monstrum ist nun wirklich nicht häufig zu hören. Gefällt mir insgesamt sehr gut, wie die Kieler das umsetzen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass große Teile des Publikums weniger mit Korngold anfangen können. Das ändert sich erst bei den Höhepunkten des Adagios und bleibt dann im schmissigen Finale so.
Fazit für mich: Ich komme gerne nach Kiel - in die Oper. Das Konzerthaus spare ich mir hinkünftig lieber. Ich freue mich umso mehr am Freitag wieder auf 'meine' überhitzte Elphi, in der man ABstand zum Orchester hat und überall gut sieht und sich nicht im Möbelhaus wähnt.
Wie ich mich kenne schaffe ich die Konzerthaus-Kiel-Vermeidung allerdings nur genau so lange, bis wieder ein seltenes Werk, das mich brennend interessiert, gespielt wird. Dann werde ich wieder nach Kiel fahren, meine Jacke nicht abgeben, den weitest vom Orchester entfernten Platz buchen und mich heimlich auf die Sitzheizung im Auto freuen.
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Lieber Tristan, fand ich gut Deine ehrliche Besprechung. Mal wieder ein Beispiel von dem so gefeierten Minimalismus in der Architektur, der nur eines ist: kalt - zum Einen buchstäblich zum anderen sinnlich. -
Gestern das City of Birmingham SO (Kazuki Yamada) mit Tschaikowsky KK Op. 23, gespielt von Bruce Liu und mit der 1. Sinfonie von William Walton in der Hamburger Elphi.
Das ist insgesamt ein gelungener Abend. Los geht es - wie bei vielen Konzerten des Veranstalters Pro Arte - mit einem kurzen Interview. Yamada steht direkt vor dem Konzertbeginn Rede und Antwort. Ich brauche derartiges ausdrücklich nicht. Ähnlich wie bei Sportlerinterviews kurz nach dem Wettkampf, habe ich bei diesen Musikerinterviews kurz vorher immer den Eindruck, dass ich überhaupt nichts wesentliches erfahre (Elbphilharmonie is amazing und exciting, die Werke anspruchsvoll, schwierig aber wunderschön. Schon klar.) Das Ganze ist wahrscheinlich Teil der Eventisierung klassischer Konzerte in der Hoffnung auf ein anderes bzw. neues Publikum.
Am Beginn steht mit Waltons Coronation March für Elisabeth II von 1953 ein kurzes bombastisches Werk im Stile Elgars bzw. allgemein britischer Anthems.
Tschaikowsky ist anschließend erfrischend dirigiert und an einigen Stellen deutlich anders akzentuiert als auf meinen Einspielungen (Rhythmik im 3. Satz, Tempo des hymnischen Themas im Finale, Dynamik im langsamen Satz). Bruce Liu hinterlässt bei mir einen zwiegespaltenen Eindruck. Zum einen füllt er den Raum wesentlich besser, als viele Pianisten, die ich bisher im großen Saal der Elphi erlebt habe. Das meint zum einen die schiere Lautstärke, zum anderen die Präsenz. Was für ein Unterschied z.B. zur Buniatishvilli letztes Jahr mit Rach 2. Zum anderen nimmt er einige Passagen ärgerlich schnell, was nur dann in Ordnung wäre, wenn er das Tempo bewältigen würde. Tut er aber nicht und da wird es dann unnötigerweise unsauber. Besonders der krachende Skalenlauf vor der Apotheose im Finale geht ziemlich schief. Das wundert mich ein wenig, denn Liu wurde in jüngerer Vergangenheit hier im Forum ziemlich positiv besprochen. Aber da ging es auch weniger um schnelle Läufe. In Abwandlung eines Fußball-Spruchs: Die Wahrheit ist auf dem Konzertpodium... Dennoch insgesamt eine gelungene und gefeierte Darbietung.
Waltons Sinfonie ist nach der Pause ein Erlebnis. Irgendwie merkt man, dass die Birminghamer und Yamada ein Herz für Walton haben. Im Interview vor dem Konzert wurde auf die, von Amdir hier erwähnte, jüngste Aufnahme der Sinfonie in dieser Besetzung hingewiesen. Ich habe das Werk vor Jahren ein einziges Mal bei youtube gehört (weiß nicht mehr welche Aufnahme), deshalb ist das fast Neuland für mich. Aber ein faszinierendes, mitreißendes und spannungsgeladenes. Sowohl die Gewalt des Kopfsatzes, als auch die Härte des Scherzos und besonders der lange und sich steigernde Bogen im langsamen Satz gelingen hervorragend. Ich habe ein wenig auf die von Amdir geschilderten Stellen geachtet. Wenn man das Werk nicht kennt bzw. keine Partitur dabei hat, dann fallen Manierismen natürlich nicht so schnell auf. Aber ich kann vermelden, dass die Trompeten und Pauken in der Coda des 1. Satzes voll präsent sind. Das ist insgesamt eine sehr einnehmende Darbietung, die mit so viel Applaus goutiert wird, dass die Briten als Zugabe noch Nimrod aus den Enigma Variations draufsetzen. Da schmachtet die ganze Elphi und geht zufrieden nach Hause!
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Gestern in der Laeiszhalle spielten die Sinfoniker Hamburg (Pawel Kapula) & Martha Argerich das 3. Klavierkonzert Op. 26 von Prokofjew und nach der Pause die 6. Sinfonie Op. 54 von Dmitri Schostakowitsch.
Es war in der Hinsicht ein bemerkenswerter Abend, als dass ich noch niemals zuvor einen solchen 'Star-Kult' in der Klassischen Musik erlebt habe. Das hat mich zugegeben leicht überrascht. Weder bei Blomstedt, Abbado, Haitinkd, Thielemann, noch bei den besten aktuellen Sängern und Sängerinnen, noch bei Julia Fischer, Frank Peter Zimmermann, Kathia Buniatishvili, Helene Grimaud oder anderen. Frau Argerich ist ja nun auch eine ganz große Künstlern, von daher ist es eher ein positiver Starkult. Da mir solches aber immer ziemlich fernliegt, ich bin einfach nicht der Groupie-Typ, hat mich manches ein bisschen befremdet. Wie hunderte Handys auf den Eingang gerichtet waren, um ihr Erscheinen auf der Bühne zu filmen. Wie fast der ganze zweite und der halbe erste Rang während des gesamten Klavierkonzertes standen, um Argerich auch ja in jeder Sekunde im Blick zu haben (man muss dazu sagen, dass die Seitenränge in der Schuhkarton-Laeiszhalle wirklich ab der zweiten Reihe nicht mehr sehr viel von der Bühne sehen lassen), wie aber dabei ein Umherlaufen und eine Unruhe auf den Rängen war, als wäre es ein Popkonzert im Stadion. Wie nach dem Konzert einige fanatische Besucher umbedingt meinten die Aufmerksamkeit Argerichs auf sich lenken zu müssen. Am unangenehmsten fiel ein relativ junger Mann auf, der seine Blumen nicht sofort loswerdne konnte, da sie ihn nicht gesehen hatte, und der danach erst versuchte auf die Bühne zu laufen, dann in den Künstlerraum, danach wie ein Rumpelstilzchen vor der Bühne hin und her lief und als Argerich seine Blumen endlich entgegen nahm, verwickelte er sie unangemessen lange in ein Gespräch und sie hatte Mühe, sich loszueisen. Und nicht zuletzt: Wie viele Leute nach der Pause für den Schostakowitsch nicht zurückkehrten.
Argerich scheint im Klassischen Bereich Taylor Swift Beliebtheit erreicht zu haben - ausgerechnet die große alte Dame des Klavierspiels. Natürlich ist bei dem ganzen Applaus und der ganzen Herzlichkeit der wohl kleinere Teil Applaus für den gestrigen Prokofjew und der größere für das Lebenswerk.
Und die Musik: Es war insgesamt ein tolle Darbietung der 84jährigen. Dieses Klavierkonzert hat sie über die Jahrzehnte sehr oft gespielt, es liegt ihr immer noch technisch auf höchstem Niveau in der Hand. Einige unsaubere schnelle Läufe fallen da überhaupt nicht ins Gewicht. Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Kraft und Präzision sie noch immer spielt. Wie mühelos sie den Raum füllt und wie sie sich sogar dem jungen Einspringer-Dirigenten Kapula anpasst. Danach ist ihr Auftreten voller Bescheidenheit. Martha Argerich kommt, gebückt aber sicher gehend, mehrmals hinaus um den Applaus (und die Blumen) lächelnd entgegenzunehmen. Immer ein Erlebnis, diese altersweisen großen Künstler zu erleben.
Der Schostakowitsch kam nach der Pause auch ziemlich gut. Tolle Flöten im langen Kopfsatz, wo die Sinfoniker es schaffen, spannungsreiche Bögen entstehen zu lassen. Das Finale gerät etwas zu schnell und deshalb an der einen oder anderen Stelle leicht unsauber. Diese Übersteigerung schadet aber dem sarkastischen Satz auch nicht wirklich.
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Argerich scheint im Klassischen Bereich Taylor Swift Beliebtheit erreicht zu haben - ausgerechnet die große alte Dame des Klavierspiels. Natürlich ist bei dem ganzen Applaus und der ganzen Herzlichkeit der wohl kleinere Teil Applaus für den gestrigen Prokofjew und der größere für das Lebenswerk.
Argerich ist eine große Künstlerin, aber dieses Fan-Gehampel finde ich würdelos. Ich vermute, dass Frau Argerich solche Aufläufe auch nicht genießt. Sie war ja lange Jahre wenig solistisch tätig und hat ihre Kammermusikfestivals durchgeführt.
Ich würde sie gerne in kleinerem ernsthaften Kreise erleben. Das wird aber bei einer solchen Berühmtheit kaum möglich sein.

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Argerich ist eine große Künstlerin, aber dieses Fan-Gehampel finde ich würdelos. Ich vermute, dass Frau Argerich solche Aufläufe auch nicht genießt. Sie war ja lange Jahre wenig solistisch tätig und hat ihre Kammermusikfestivals durchgeführt.
Ich würde sie gerne in kleinerem ernsthaften Kreise erleben. Das wird aber bei einer solchen Berühmtheit kaum möglich sein.

Das geht mir wie gesagt auch so. Ich empfinde dann Fremdscham.
Im Juni kommt sie wieder nach Hamburg zum Argerich Festival. Dann werden u.a. alle zehn Violinsonaten Beethovens gespielt. Sehr reizvoll! Aber auch da dürfte es nicht allzu intim werden, wenngleich der Kreis mit Sicherheit kleiner und ernsthafter sein wird.
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Das geht mir wie gesagt auch so. Ich empfinde dann Fremdscham.
Im Juni kommt sie wieder nach Hamburg zum Argerich Festival. Dann werden u.a. alle zehn Violinsonaten Beethovens gespielt. Sehr reizvoll! Aber auch da dürfte es nicht allzu intim werden, wenngleich der Kreis mit Sicherheit kleiner und ernsthafter sein wird.
Lieber Tristan,
ich hatte Argerich und Maisky in Essen erlebt - da gab es einen solchen Auflauf zum Glück nicht. Martha Argerich ist ja sehr kommunikativ anders als Svjatoslav Richter es war und sicher sehr publikumsfreundlich und also duldungsfähig.
Damals nach dem Richter-Konzert im Düsseldorfer Schumann-Saal drängten sich alle um das Podium wegen eines Autogramms. Richter verschwand sehr schnell, weil ihm das alles offenbar unangenehm war und ein "Beamter" auf dem Podium sammelte die Programmhefte, welche die Hände ihm entgegenstreckten, fleißig ein. Dann verschwand der "Beamte" und kam mit einem Teil von ihnen mit Autogramm zurück, worum sich dann das Publikum riss. Eins davon konnte ich ergattern. Das habe ich noch heute.

Schöne Grüße
Holger
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Wir haben hier im Ruhrgebiet zwei Sorten von Konzerten. Einmal richtig gute Musik, meist Orchester oder Chöre, was mich deshalb freut, weil ich in den letzten Jahren alle berühmten Chöre und Vokalensembles Europas live erlebt habe, mit immer größerem Zulauf und begeisterten Zuhörern. 6 Konzerte für 108 Euro, Einzelpreis mit freier Platzwahl 35 Euro. Das ist der Preis, bei dem die Einzelkarte von Jonas Kaufmann gerade erst anfängt. Diese preiswerten Konzerte werden von der Essener Philharmonie angeboten, die teuren Stars von Konzertveranstaltern. So sang Placido Domingo mit 85 Jahren (jetzt Bariton) im Dortmunder ausverkauftem Konzerthaus; dabei ein Pianist und eine Sopranistin, nicht mal ein Orchester. Kosten 125-225 €; 6 Zugaben gab es wohl auch (ich war natürlich nicht da).
Der nächste Schlager ist Ende April Anna Netrebko in Essen. Da gab es jetzt ein Sonderheft mit Werbung in Din-A-4; eine Seite A.N. groß im Bild im golden-silbernen Dress, schöner als die Mutter Gottes. Sie gibt 2 Konzerte, eines davon wird nach draußen in den Park der Philharmonie übertragen, wo ich bestimmt auch nicht sein werde. Mein nächstes Konzert wird am Karfreitags die Johannespassion mit "Il Pomo d´Oro" sein.
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as ist der Preis, bei dem die Einzelkarte von Jonas Kaufmann gerade erst anfängt. Diese preiswerten Konzerte werden von der Essener Philharmonie angeboten, die teuren Stars von Konzertveranstaltern
Das Bemerkenswerte ist, dass Argerich bei solchen Spielchen (ich erinnere an den "Orfeo" mit der Bartoli für bis zu 290€ in der Elphi) nie mitgemacht hat. Ihre Gagenforderungen scheinen sich im absoluten Normalmaß zu bewegen. Starkult ist ihr ohnehin fremd - sie vermarktet sich nicht wie ein Kaufmann, Netrebko oder eben Bartoli. Auch die Tickets für das Argerich-Festival im Frühsommer in Hamburg sind völlig normal. Das macht sie mir sehr sympathisch. Denn diese ganz großen 'Star-Konzerte' (Kaufmann und Co) versuche ich auch zu vermeiden...
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am Karfreitags die Johannespassion mit "Il Pomo d´Oro" sein.
Wow toll - da freue ich mich für Dich. Da wäre ich gerne dabei. Bei uns in Dubai werden - trotz des Krieges - in der Dubai Opera Konzerte gegeben. Am 10. Mai wird vom Baldaquin Ensemble (?) ein Programm dass mich zum Teil sehr interessiert:
Haydn - String Quartet in E-flat major, Op. 20 No.1
· Mozart – Serenade No. 13 in G major, K. 525 Eine kleine Nachtmusik
· Mozart - Divertimento in D major, K. 136
· Beethoven - String Quartet in C minor, Op. 18 No. 4· Beethoven - Grosse Fuge in B-flat major, Op. 133
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Das Bemerkenswerte ist, dass Argerich bei solchen Spielchen (ich erinnere an den "Orfeo" mit der Bartoli für bis zu 290€ in der Elphi) nie mitgemacht hat. Ihre Gagenforderungen scheinen sich im absoluten Normalmaß zu bewegen. Starkult ist ihr ohnehin fremd - sie vermarktet sich nicht wie ein Kaufmann, Netrebko oder eben Bartoli.
Lieber Tristan,
das war aber so bei allen "Großen" der Vergangenheit, die ich gehört habe. Als Schüler oder Student bekam ich Karten (ganz reguläre Preise, nicht etwa ermäßigt!) in Düsseldorf für 30 DM für Arrau, Michelangeli, Richter, Gilels, Ashkenazy, Pollini, Berman usw. usw. In Bielefeld kam einmal Anne-Sofie Mutter mit Lambert Orkis. Da sollte man 125 Euro Minimum für eine Karte zahlen. Das habe ich nicht mitgemacht und bin deshalb nicht hingegangen. Das habe ich nämlich nicht eingesehen, für Mutter das Dreifache oder Fünffache wie für Michelangeli oder Gilels zu bezahlen.

Schöne Grüße
Holger
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Ich bin immer froh, wenn in der Kölner Philharmonie die Hausorchester (WDR-Symphonieorchester, Gürzenichorchester) spielen. Vor einer Woche konnte ich da sehr kurzfristig noch einen guten Platz für sage und schreibe (ermässigte) 9,-€ (!) ergattern, womit die Anreisekosten von nur 30 Kilometer bereits die Kosten für das Ticket überstiegen. Es gab u.A. eine tolle Interpretation von Beethovens 7. Symphonie. Spielt irgendwer von den Stars, wie demnächst A.S.Mutter, dann schiessen die Preise auch hier ins dreistellige, und oft fallen auch Ermässigungen für Schwerbehinderte, Schüler ect. weg. Es kommt zwar hin und wieder vor, dass ich da mitgehe, aber dann eher auch nur, weil ich das aufgeführte Stück unbedingt einmal in Köln, bzw. überhaupt einmal erleben möchte.
Den oben erwähnten Frank-Peter Zimmermann habe ich, in Unkenntniss, dass er mit seiner Stradivari eigentlich auch in die „Star-Kategorie“ gehört (Asche auf mein Haupt!), in Köln mit Beethovens Violinkonzert erlebt. Die Preise waren allerdings normal, und Zimmermann wirkte absolut menschlich, und sogar ein lautes Handygeklingel in den vordersten Reihen - ausgerechnet in einer sehr leisen Passage - nahm er mit einem verschmitzten, fast herausfordernden Grinsen entgegen.

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Den oben erwähnten Frank-Peter Zimmermann habe ich, in Unkenntniss, dass er mit seiner Stradivari eigentlich auch in die „Star-Kategorie“ gehört (Asche auf mein Haupt!), in Köln mit Beethovens Violinkonzert erlebt. Die Preise waren allerdings normal, und Zimmermann wirkte absolut menschlich, und sogar ein lautes Handygeklingel in den vordersten Reihen - ausgerechnet in einer sehr leisen Passage - nahm er mit einem verschmitzten, fast herausfordernden Grinsen entgegen.

Wenn Du oben in der Kölner Philharmonie Zimmermann gehört hast, war das wahrscheinlich schon ein schönes Erlebnis.
Frank-Peter Zimmermann gehört in oberste Liga der Geigenvirtuosen, vermarktet sich aber völlig anders. Es findet sich eher an der Musik interessiertes Publikum (von der ersten Reihe vielleicht abgesehen
) was dann aufgrund der geringeren Menge für moderatere Preise sorgt.Ob der Künstler selbst auf die Preise in der Philharmonie Einfluss nehmen kann weiß ich nicht.
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Ich selber habe in der 6. Reihe gesessen. Noch weiter vorne sitzt man eigentlich zu tief - bei einem Klavierkonzert saß ich in der ersten Reihe fast unterm Flügel, was auch akustisch gar nicht gut kam.
Die Preise werden sicherlich von Nachfrage und Angebot gesteuert. Zusätzlich könnte ich mir denken, dass die Hausorchester preiswertere Konzerte anbieten können, weil größere Anreisekosten wegfallen, und vielleicht die Fördermittel für solche Konzerte eher fliessen als für irgendwelche Starkonzerte.
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Spielt irgendwer von den Stars, wie demnächst A.S.Mutter, dann schiessen die Preise auch hier ins dreistellige, und oft fallen auch Ermässigungen für Schwerbehinderte, Schüler ect. weg.
Das liegt daran, daß diese Stars über Agenturen vermarktet werden. Dieses krasse Mißverhältnis ist in Dortmund auch zu beobachten (wenngleich die Preise in Dortmund geringfügig günstiger sind für die gleiche Veranstaltung, als in Köln; verstehe das wer will).
Gestern gastierten in Dortmund Jonathan Cohen und das Ensemble Arcangelo mit Bachs Matthäuspassion im ausverkauften Konzerthaus. Eine sehr bewegende und beeindruckende Aufführung. Das Doppel-Orchester und der doppelte Chor ermöglichten eine bemerkenswerte Dynamik, die Rufe "Lasse ihn kreuzigen" gingen regelrecht unter die Haut, ebenso die piano-Passagen. Unter den Stimmen fand ich Nick Prichard als Evangelisten herausragend, ebenso Alex Rosen als Jesus mit einer wunderbaren und klaren Bass-Stimme. Ebenfalls bemerkenswert: Countertenor Hugh Cutting. Kleiner Solo-Partien wurden aus den Chören heraus besetzt, Judas und Petrus und die beiden falschen Zeugen, die Solistenriege wurde vervollständigt mit der Sopranistin Anna Dennis, dem Bass Thomas E. Bauer und dem Tenor Hugo Hymans. Die zwei letztgenannten in meinen Ohren nicht ganz so stark wie die drei Erstgenannten, Anna Dennis gefiel mir mit ihrem klaren, stimmschönen Vortrag sehr gut. Jonathan Cohen hat das Ensemble in ruhigem Tempos spielen lassen, was mich sehr für ihn und das Ensemble eingenommen hat.
Liebe Grüße vom Thomas

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Ich war am Freitag in der Johannespassion, dargeboten von "Il Pomo d´Oro" und Chor plus Solisten, in der ausverkauften Essener Philharmonie. Es war in meinem Abo "Alte Musik bei Kerzenschein", das mir schon seit Jahren die tollsten europäischen Ensembles für wenig Geld beschert. Es ist toll, in einem Publikum zu sitzen, das voll konzentriert ist, keine Geräusche macht und die Ensembles mit großem Beifall verabschiedet.
Gerade eben habe ich kurz in die Johannespassion aus der Thomaskirche in Leipzig hineingehört, aber schnell nach dem Einleitungschor wieder hinausgehört. Ich werde darüber (Pomo d´Oro, nicht Thomaner) noch berichten.
Was Alfred in seinem Neujahrsbrief anmerkt, die Leidenschaft für geistliche Musik, besonders die großen Passionen, gilt für Essen uneingeschränkt.
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. Ebenfalls bemerkenswert: Countertenor Hugh Cutting.
In meinem Schreibtisch, Abteilung "Sagittarius", findest du unter #18 Hugh Cutting in der Motette "Auf dem Gebirge..."
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Ich war am Freitag in der Johannespassion, dargeboten von "Il Pomo d´Oro" und Chor plus Solisten, in der ausverkauften Essener Philharmonie. Es war in meinem Abo "Alte Musik bei Kerzenschein", das mir schon seit Jahren die tollsten europäischen Ensembles für wenig Geld beschert. Es ist toll, in einem Publikum zu sitzen, das voll konzentriert ist, keine Geräusche macht und die Ensembles mit großem Beifall verabschiedet.
Einen Wermutstropfen gab es doch: die Solisten waren nicht von der Klasse, die ich sonst gewöhnt bin. Die Altistin war gut (zum Glück kein Counter), die Sopranistin sang sehr gut, aber die Stimme war mir zu "soubrettenhaft". Der Bariton (Christus) blieb unauffällig, der Evangelist sang wie ein Evangelist früherer Zeiten, seine Partie als Opernpartie. Der Bass, der die "Soliloquenten" sang, war ein Totalausfall, er konnte seine Sachen, aber sein Bass war ungehobelt und rauh. Ich muss lange zurückdenken, um bei den Ensembles einen solchen Missklang festzustellen.
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Am vergangenen Sonntag durfte ich um relativ kleines Geld bei freier Platzwahl im großen Saal der Linzer Anton Bruckner Privatuniversität ein wunderschönes Konzert des Uniorchesters der Johann Kepler Universität erleben. Bei ausverkauftem Haus gab es unter Dirigent Christian Radner eine energiegeladene Ouverture aus "Orpheus in der Unterwelt" von Offenbach, ein herzergreifendes Violinkonzert Nr. 3 von Saint-Saëns mit der sehr bemerkenswerten Solistin Johanna Bohnen (besonders der 2. Satz hat es mir angetan!) und eine exzellente Darbietung Beethovens 7. Sinfonie zu hören, die für mich genau das richtige Tempo und Spannung hatte. Es war für mich das erste Konzert eines Uniorchesters, qualitätsmäßig war für mich kein Unterschied zu einem etablierten Orchester zu hören, es war eine echte Freude! Es folgte ein tosender Applaus zum Abschluss eines Konzertabends, der noch lange sehr positiv im Gedächtnis bleiben wird!

Hörempfehlung für den 2. Satz aus dem Violinkonzert Nr. 3 von Saint-Saëns [Track 2]:
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Vorgestern, am Sonntag, 19.04.2026, habe ich mir in der Kölner Philharmonie, nach der heftigen Erfahrung im April vor einem Jahr, nochmals Tschaikowskys 6. Symphonie „Pathetique“ angehört. Diesmal spielte das Orchestre Philharmonique Royal de Liège unter der Leitung von Lionel Bringuier.
Während die erste Liveerfahrung mit dem Werk mir damals fast „existenziell“ unter die Haut ging, und ich für den Rest des Tages wie betäubt war, konnte ich die Musik nun etwas unbefangener erleben - und irgendwie sogar besser geniessen - nun ja: es kann ja auch im Konzertsaal hinderlich sein, wenn man ständig damit beschäftigt ist, seine Fassung nicht vollends zu verlieren…
Trotzdem war es vorgestern wiederum eine wundervolle Erfahrung, fast ein wenig vergleichbar mit einem warmen angenehmen Bad in vertrauter Umgebung. Die wunderbaren, teils sehr melodiehaften Harmonien erschienen mir wie die verständnisvolle Ansprache eines lieben Menschen, der auch die tragische Schlechtigkeit der Welt nicht wegzureden versucht, sondern mit dem man sie gemeinsam annehmen, und dann vielleicht auch ein wenig bewältigen kann.
Der eher verzweifelt-ruhige Beginn des ersten Satzes, der in eine wunderschöne fliessende Melodie übergeht - schliesslich unterbrochen von einem schmerzhaften und lautstarken Aufbäumen aus purer Verzweiflung und Dramatik.
Der fast elegant-tänzerische zweite Satz sorgt für etwas Entspannung: „So schlecht ist das Leben ja doch nicht!“, könnte man meinen, auch wenn immer wieder ein sehnsuchtsvoller Blick zurück in die Vergangenheit geht, und die „Fröhlichkeit“ zuweilen etwas (gewollt) aufgesetzt erscheint.
Dann der überschäumende 3. Satz, der sich immer weiter steigert, und sich zu einem trotzigen betäubenden Feiern entwickelt - zuletzt in einen ausufernd lautstarken begeisternden Milliärmarsch, der alle schlechte Gedanken niedertrampeln möchte.Am Schluss des Satzes dann wieder der wohl unvermeidliche Zwischenapplaus, den Bringuier dieses mal gewähren lies…
…um im vierten Satz dann eine nahezu bipolare-schizophrene Wendung zurück in die grausame Realität zu vollziehen. Dieser Übergang ist wohl einer der bemerkenswertesten seiner Art! Und dieses Finale endet ja nicht in einem furiosen lauten Schlussakkord, sondern verklingt ganz leise, zum Schluss fast unhörbar wie die letzten Atemzüge und Herzschläge eines Sterbenden, der unwiderruflich am Ende seines irdischen Daseins angekommen ist. Die Schweigeminute nach dem letzten Ton hat das Publikum wunderbar in absoluter Stille gehalten. Es ist vielleicht der eindrucksvollste Moment der Symphonie…
Mir kam es vor wie das in Musik gefasste Ende einer langen Ära des Friedens in Europa, wie das Begraben aller Hoffnungen, die so viele Menschen 1989/1990 hatten - nach dem Ende des Kalten Kriegs und der furchtbaren Teilung Deutschlands, Europas und der Welt, sowie dem ständigen Damoklesschwert der jederzeit möglichen vollständigen nuklearen Zerstörung unserer Welt. Nun stellt sich heraus, dass die Menschen diesen Frieden verspielt haben, ihn wohl auch nicht verdienen. Und die neue Spaltung zieht sich nicht nur durch die Welt, sondern zuweilen bis in das kleinteiligste soziale Zusammenleben unserer gesamten Gesellschaft - während die größten Narren an den Schalthebeln der Macht die Welt nunmehr fast mit Vorsatz zugrunde richten.
Und nun ausgerechnet in der Musik eines russischen und homosexuellen Komponisten diese Gedanken zu finden, macht vielleicht nochmals nachdenklicher...
Und doch habe ich Tschaikowskys 6. nun als sehr tröstlich empfunden. Das bittere Schicksal der Menschheit kann man als Einzelner nur hinnehmen.
Bezeichnender Weise konnte ich eine aus Russland stammende liebe Bekannte und ehemalige Arbeitskollegin für das Konzert begeistern, die auch noch familiäre Verbindungen nach Russland hat. Die Politik haben wir trotzdem mal sein gelassen…
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Gestern habe ich im Kammermusiksaal der Elbphilharmonie ein reines Mozart-Programm besucht: Das Klarinettenquintett KV 581 und die Gran Partita KV 361 wurden zu Gehör gebracht. Es war ein dem Artist in Residence gewidmetes Programm: Der Klarinettist Martin Fröst, den ich früher in dieser Spielzeit schon mit Nielsens Klarinettenkonzert im großen Saal gehört hatte.
Es war ein schöner und entspannter Abend mit zweien meiner liebsten Mozart-Werke. Das Klarinettenquintett war von vorne bis hinten wunderbar markant und auf Zack musiziert. Für die Bläserserenade nach der Pause wechselte Fröst von der Klarinette ans Dirigierpult - ich hätte vorher gedacht, dass er spielend leiten wird. 13 Musiker - so viele Instrumente habe ich vorher noch nie gleichzeitig im Kammermusiksaal gehört. Aber natürlich kein Problem für die Akustik dort (nur in den Anfangsminuten für irgendein Hörgerät im Auditorium). Insgesamt auch hier wunderbar musiziert, wenngleich mir das berühmte Adagio z.b. ein wenig zu schnell, zu wenig adagio war. Im Verhältnis stimmte das aber alles, denn das Finale war fast schon wahnsinnig schnell und damit ein wenig verhuscht. Insgesamt aber ein wirklich lohnendes Konzert, wie eigentlich immer in den Kammermusiksälen der Stadt.
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Gestern habe ich das 6. Sinfoniekonzert des Sinfonieorchesters SH im Theater Rendsburg besucht. Unter Chefdirigent Harish Shankar und mit Pianist Arsh Rokni. Gespielt wurde Beethovens 3. Klavierkonzert Op. 37, die zeitgenössische Malayin Adeline Wong mit "Radiance" und Beethovens 2. Sinfonie Op. 36.
Wieder ein lohnenswertes Konzert vom Landestheater mit seinem Sinfonieorchester, von dem ich in diesem Jahr schon u.a. Sibelius 2. Sinfonie in Itzehoe hörte. Ich finde es ungemein gewinnbringend neben den ganzen Elphi und Staatsopern-Konzerten immer mal wieder diese kleineren Häuser zu besuchen. Das Theater Rendsburg gefällt mir sehr gut, das historistische Gebäude ist auch innen ansprechend gestaltet und im Rang sitzt man auch an der Seite sehr gut. Hinterher in die gepflegte aber um 22:00 Uhr verlassene Innenstadt der Mittelstadt zu treten hat etwas gemütliches.
Und das Konzert: Wie in Itzehoe beim letzten Mal ein sehr ordentliches, wenn auch nicht herausragendes Niveau. Das 3. Klavierkonzert Beethovens - in den letzten Jahren das in den Konzerten meiner Reichweite mit Abstand am häufigsten gespielte KK Beethovens, gelingt gut und macht bis auf eine Ausnahme viel Freude. Die Ausnahme ist der exzessive Pedalgebrauch von Arsh Rokni im Mittelsatz. Da lässt er alles verschwimmen und spielt sehr romantisiert.
"Radiance" von Wong macht recht viel Spaß und hebt sich damit für mich von vielen der zeitgenössischen Stücke ab, die regelmäßig in die Sinfoniekonzerte unserer Zeit eingestreut werden. Besonders die Glockenspiel-Stellen machen Eindruck. Der Applaus bleibt dennoch im Vergleich zu den Beethoven-Werken unglaublich sparsam.
Beethovens 2. Sinfonie habe ich lange nicht mehr live gehört, sie gehört zu meinen Lieblingen. Shankar nimmt sie - im Gegensatz zum Klavierkonzert - relativ schnell. Außergewöhnlich ist die Darbietung nicht, aber ziemlich solide eben schon. Hin und wieder klingen ausgerechnet die ersten Geigen ein wenig auseinander bzw. leicht unsauber. Das ist schade, aber insgesamt ein absolut zufriedenes Konzert in der Stadt der Schnittstelle zwischen Schleswig und Holstein.
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Das European Union Baroque Orchestra (EUBO) hat gestern in Darmstadt in der Pauluskirche wieder einmal eine ausgezeichnete Arbeit abgeliefert. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Philharmonie Merck stand ein rein französisches Programm auf der Tagesordnung, unter Leitung des Rameau-Experten Christophe Rousset.
Jean-Phillippe Rameau (1683-1764): Suite aus „Castor et Pollux"
Als 1737 die groß angelegte Tragédie lyrique „Castor et Pollux" auf die Bühne kam, war der Richtungsstreit um die Zukunft des französischen Musiktheaters noch in vollem Gange. Das Drama um die beiden mythologıschen Zwillingsbruder Castor und Pollux - der eine sterblich, der andere unsterblich - ist die dritte der rund 25 Opern Rameaus, sein Stern war noch nicht endgültig fest etabliert am Firmament.
Aufführung: Es war herrlich mal wieder in reine französische Musik einzutauchen, insbesondere im Gegensatz zu der in Darmstadt heimische Musik von Christoph Graupner. Beiden ist eine besondere Fähigkeit gemein, in Instrumentation und Motivwahl eine etwas andere Hörreizung von Barockkompositionen zu präsentieren. Rousset führte die jungen Musiker souverän, denen war die Spielfreude anzuhören und anzusehen.
Jean-Phillippe Rameau (1683-1764): „Pygmalion"
So weit kann es kommen, wenn Künstler sich in ihrer Kunstwelt verlieren. Pygmalion, ein Bildhauer der antiken Mythologie, schafft aus Elfenbein eine Frauenfigur, die ihm derart schön gelingt, dass er sich in sie verliebt. Er ruft die Liebesgöttin an mit der Bitte, sie zum Leben zu erwecken - denn nur diese Frauengestalt kann den Ansprüchen des Bildhauers genügen. 1748 feierte der einaktige Ballett-Acte „Pygmalion” an der Pariser Opéra seine Premiere. Ein echtes Meisterwerk, das mit seiner dramatischen Prägnanz und Erfindungskraft besticht. Der Komponist nahm sich bei der Vertonung von Ovids Erzählung zwar einige künstlerische Freiheiten, konzentrierte sich aber auf das, was sich auf der Bühne besonders eindrucksvoll und farbenfroh präsentieren lässt: das Erwachen der Statue als mitreißendes Tanz- und Gesangsereignis. Amor ruft seine Grazien herbei, und die Oper endet mit einem herzlichen Lobpreis auf den Liebesgott – eine barocke Verherrlichung der Liebe, die formaler Strenge und lebendiger Theatralik die perfekte Balance verleiht.
Aufführung: In Pygmalion, mit den Gesangseinlagen, ward der kleine Vorraum vor dem Orchester zu einer Art „kleine Bühne“ umfunktioniert: ein kleiner Holzschreibtisch mit einen, dem Stück wichtigen Requisiten wie Bild, Noten, Metronom, usw. bildete den optischen Fokus, an dem Pygmalion saß und agierte. Die Regie der Beteiligten hat Lena Sophie Meyer in ihrer Kargheit sorgfältigst ausgesucht. Die Sänger und Sängerinnen agierten in den unauffälligen modernen Kostümen souverän, liebevolle und total engagiert. Der im Zentrum als Pygmalion singende Abel Zamorabrillierte in der Rolle. Die ganzen 45 Minuten waren belebend und das Gegenteil von langweilig. Alle Sänger und Sängerinnen lieferten eine dermaßen gute Arbeit ab, dass oft für mich das Orchester in den Hintergrund blieb, nur in kurzen Soloeinlagen wieder deutlich hörbar. Die Musik unterstützte demnach das Geschehen in der kurzen Oper optimal.
Der Applaus war dann auch 15 Minuten lang, die letzte Arie mit allen Beteiligten wurde dann auch wiederholt. Ein sehr gelungener Abend.
- Abel Zamora: Pygmalion
- Neima Fischer: L'Amour
- Michèle Bréant: La Statue
- Léontine Maridat-Zimmerlin: Céphise
- Chœur de la suite de l'Amour, Chœur du Peuple: Neima Fischer, Michèle Bréant, Léontine Maridat-Zimmerlin, Nikolas Groth, Maximilian Viellehner
- Lena Sophie Meyer: Regie
- European Union Baroque Orchestra
- Christophe Rousset: Musikalische Leitung
Mir lag die Einspielung von Gustav Leonhardt mit der Le Petit bande aus dem Jahr 1981 vor. Rousset hat auch eine Einspielung beim Partner vorgelegt:
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Berg - Violinkonzert
Mahler - Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Vilde Frang (Violine), Utopia, Teodor Currentzis (Dirigent)
Elbphilharmonie Hamburg, 12.5.2026
Ich hatte Currentzis zuvor noch nie live erlebt. Der Kult um ihn war mir stets etwas suspekt, und die Frage der Putin-Nähe wärmen wir besser nicht wieder auf. Insgesamt erschien er mir als weitgehend harmloser Spinner - auch in diesem Konzert sah er wieder aus, als hätte man Blixa Bargeld in die ollen Klamotten von Mick Fleetwood gesteckt.
Dementsprechend habe ich dieses Konzert mit großem Interesse, aber ohne positive Prädisposition besucht.Kurzfassung: Das war das beste klassische Konzert meines Lebens, und Currentzis ist für mich (auf Basis dieses Erlebnisses) eines der größten Genies am Dirigentenpult der letzten Jahrzehnte!
Der Reihe nach... Bergs großartiges, tief berührendes Konzert gelang wunderbar mit hervorragenden Kontrasten und guter Durchhörbarkeit, wobei der Star hier ganz klar Vilde Frang war. Sie spielte das Stück emotional, aber doch stets gut durchdacht. Es gab zu Recht begeisterten Applaus.
Das war aber nur der Vorgeschmack auf das, was nach der Pause kam. Vilde Frang war für Mahlers Erste als Konzertmeisterin dabei, und ich verstand bald, wieso sie dies getan hat. Diese Erste war ein Jahrhundert-Ereignis! Ich habe das Stück x-mal auf Tonträger gehört, aber nichts kommt im entferntesten an das heran, was Currentzis und sein Orchester hier ablieferten! Das Stück platzte geradezu vor innerer Spannung und großartig ausmusizierten Bögen, ohne dass diese große Linie jemals auf Kosten der Details gegangen wäre. Jede Artikulation, jede Phrase saß perfekt, das Orchester klang unglaublich gut, doch dann war da diese Energie... Bereits nach den Sätzen eins und zwei gab es spontanen Zwischenapplaus, im zweiten Satz sogar kurz mittendrin (nach dem A-Teil) inklusive eines gerufenen "wow". Ich habe mich brav zurückgehalten (und folgte den etablierten Konzert-Benimmregeln), aber nach dem irrsinnigen Finale und dem Schlusston brüllte ich das lauteste "Bravo", das ich jemals in einem Konzerthaus gerufen habe.
Fazit: Wenn Ihr in Eurer Nähe ein Konzert mit Mahler auf dem Programm und Utopia unter der Leitung von Currentzis seht, dann kauft Euch eine Karte - und wenn Ihr dafür einen Kredit aufnehmen oder Euer Haus verpfänden müsstet!
Übrigens spielte das Orchester Mahlers Erste vollständig im Stehen (außer natürlich Celli und Bässe sowie die Perkussionisten). Bereits im Berg-Konzert wurde teilweise kurz im Stehen gespielt, nämlich an der Stelle gegen Ende, wenn die Solovioline Teil des Tutti wird. Vilde Frang ging an dieser Stelle auch zu den ersten Violinen rüber. Die Orchestermusiker setzten sich dann aber wieder, und die Solistin kehre auf ihren zentralen Platz zurück.
LG

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Kurzfassung: Das war das beste klassische Konzert meines Lebens, und Currentzis ist für mich (auf Basis dieses Erlebnisses) eines der größten Genies am Dirigentenpult der letzten Jahrzehnte!
Ich bin ein klitzekleines bisschen neidisch
Ich kenne bislang nur seine Einspielung der 6. Mahler, und die klingt schon völlig anders als alles Bekannte, eine ungeheure Energie (beim einleitenden alla marcia zucken einem schon die Beine), Betonungen wie man sie nie gehört hat, alles in allem hofft man er spielt die restlichen auch noch ein. Einzig im Andante moderato, dem 3. Satz wird er mir persönlich ein wenig zu langsam, verliert dabei aber nicht den Faden. Und das bei einer Studioaufnahme...Tschaikowsky liegt ihm allerdings nicht, die 6. ist viel zu schnell, das Violinkonzert klingt zu sehr nach Wiener Kaffeehaus, anderes kenn ich bislang auch nicht von ihm.
