Romantische Orchesterwerke abseits des "Mainstreams" - wer sammelt mit?

  • Moin zusammen,


    ich habe eine Weile überlegen müssen, wie ich dieses Thema eröffnen soll. Hintergrund ist folgender: Der Schwerpunkt meines Musikhörens liegt im Bereich der romantischen Orchesterwerke - Sinfonie, Orchesterkonzert und alles "Kleinformatige" wie Rhapsodie, Sinfonische Dichtung, Suite etc., sofern es in die genannte Stilrichtung paßt.


    In letzter Zeit zeichne ich sehr viel Musik aus dem Internet auf. Leider bzw. glücklicherweise sind die Sender, die Streams in hoher Qualität liefern, allesamt nicht in Deutschland beheimatet, sondern z. B. in den Niederlanden, Ungarn, Tschechien. Offensichtlich meint man es hierzulande nicht so gut mit den "Privataufzeichnern" =)


    Beim Aufzeichen stoße ich immer wieder mal auf Komponisten und deren Werke, von denen ich im deutschen Rundfunk bisher selten oder nie etwas gehört habe und bei denen ich mir sage: Schade, daß ich denen nicht früher begegnet bin.


    Ich bin nun wirklich nicht belesen genug, um hier mit "Werkanalysen" dienen zu können. Aber ich möchte zumindest den einen oder anderen Tip mit Euch teilen, indem ich ein paar Stücke benenne, die ich auf dem genannten Weg kennengelernt habe und die mir einfach gut gefallen haben. Gemäß meiner Vorliebe beschränke ich mich auf Orchesterstücke romantischer Tonsprache; es würde sonst wohl auch zu unübersichtlich.


    Vielleicht mögt Ihr meine Aufzählung ja noch um das eine oder andere Stück ergänzen. Wie gesagt, es geht mir weniger um die bekannten "Gassenhauer" aus der Feder eines Brahms, Tschaikowsky, Dvorak, sondern um die Stücke, denen man vielleicht nur durch Zufall begegnet und sich dann fragt, warum sie einem nicht schon längst über den Weg gelaufen sind.


    Ich lege einfach mal los mit ein paar Werken, die ich in den letzten Tagen kennengelernt habe:


    Josef Bohuslav Foerster Sinfonie Nr. 4 c-Moll "Osternacht"
    Franz Schmidt Sinfonie Nr. 4 C-Dur
    Vitezslav Novak 'Slowakische Suite' op. 32
    Zdenek Fibich Sinfonie Nr. 1 F-Dur op. 17
    Mieczyslaw Karlowicz 'Ewige Lieder' op. 10
    Eduard Nápravník Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 27
    Pantscho Wladigerov Bulgarische Rhapsodie 'Vardar'
    Vincent d'Indy 'Sinfonie über ein französisches Lied aus den Bergen' für Klavier und Orchester op. 25
    Krassimir Kyurkchiiski 'Variationen über ein Thema von Händel' (Barockmusik für ein Riesenorchester "in romantischem Stil aufgebohrt").


    Ich hoffe, es ist diesem Forum nicht unangemessen, wenn ich einfach nur Werkbezeichnungen hier "abkippe". Bei Bedarf kann ich die Liste bestimmt hin und wieder mit weiteren "Entdeckungen" ergänzen.


    Gruß aus dem Norden, Ralf

  • Hallo,


    Meine "Karriere" als Musiksammler hat auch mit dem "Rippen" von Radio-Streams begonnen. Irgendwann gingen mir die vielen Artefakte und Unterbrechungen auf den Senkel - so begann ich CDs zu kaufen. :D


    Dennoch habe ich durch das Aufzeichnen eine Menge interessanter Sachen kennengelernt!
    So z.B. die Symphonien von Joachim Raff und eine Menge von Rheinberger!


    LG
    Raphael

  • Moin Ralf,


    tolle Idee. In ähnlicher Ausführung gibt es sie schon für unbekannte Klavierkonzerte des 19. Jhd. z.B.


    Zu Deiner Liste:


    Foerster ist ein hierzulande und sicher auch andernorts viel zu wenig beachteter tschechicher Meister, dessen Bekanntheit wohl deutlich hinter der Qualität seiner Werke steht - v.a. Kammermusik - aber wohl auch eine bühnenwirksame Oper.


    Schmidt ist beileibe kein Unbekannter, hat hier im Forum glühende Verehrer und ist auch diskographisch ganz gut repräsentiert. Da Mainstreram ein dehnbarer Begriff ist, kann man natürlich auch Schmidt außerhalb desselbigen sehen.


    Auch Novak - ein tschechischer Meister im Fahrwasser von Dvorak & Co lohnt der Entdeckung. Guercoeur ist da der richtige Ansprechpartner!


    Genauso Fibich, der früher wie selbstverständlich in einem Atemzug mit Dvorak und Smetana genannt wurde und nur mit einer reizvollen Klavierminiatur der Nachwelt in dauerhafter Erinnerung geblieben ist. Hier kann ich Dir auch die übrigen Symphonien, v.a. 2 & 3 empfehlen - starke, spätromantische Werke, die wohl zu Fibichs bester Musik gehören (Achtung: nicht die Aufnahme mit N. Järvi --> Klang"brei"!)


    Bei dem polnischen Meister Karlowicz wirds wirklich etwas off-mainstreamig, aber nicht derart, daß selbst eingefleischte Musikliebhaber nicht zumindest den namen schon mal gelesen hätten (mir ist auch nur der Name bekannt...)


    Napravnik ist ein gleich gelagerter Fall, allerdings wohl allg. noch etwas unbekannter als Karlowicz. Ebenso Wladigerow, dem das cpo-Label eine CD gewidmet hat.


    Der Franzose d'Indy ist einer der sonderbaren Fälle, deren Namen eigtl. recht gut kennt, aber man kein Werk explizit benennen könnte, das man schon mal gehört hätte.
    Das von Dir angegebenw wird auch als eines seiner inspiriertesten und Besten bezeichnet, der Rest seines Schaffens ist von seinen berühmten Schülern in Frankreich meist nicht mit großem Wohlwollen aufgenommen worden.


    Krassimir Kyurkchiiski Ist das jetzt ein echt krasser Scherz - oder gibt es den wirklich? Oder ist das ein Pseudonym?? Also, ich habe den Namen noch nie gehört.....


    :hello:
    Wulf

  • Hallo, Wulf,


    ganz lieben Dank, daß Du die von mir erwähnten Komponisten durch deine Beschreibungen etwas "mit Leben erfüllst".


    Von der Liste mit den Klavierkonzerten hatte ich mal gehört. Ich meine, mich da an Namen wie Reinecke, Stenhammar und Scharwenka zu erinnern.


    Nein, der Kyurkchiiski (oder Kyurkchiyski) ist kein Witz, den gibt es wirklich (1936 geboren). Man findet kaum Informationen im Netz über ihn, Wikipedia hat keinen diesbezüglichen Eintrag.


    Gruß aus dem Norden, Ralf


    Edit: Das Thema, das Kyurkchiiski variiert, ist übrigens aus der Feuerwerks- oder der Wassermusik (bin mir nicht sicher) und sehr populär. Beim ersten Hören hatte ich den Eindruck, daß sich Kyurkchiiski die Haydn-Variationen op. 56a von Brahms zum Vorbild genommen hat.

    Einmal editiert, zuletzt von Ralf_Hamburg ()

  • Lebenslauf von Krassimir Kjurktschijski


    Am Staatlichen Bulgarischen Konservatorium von Sofia studierte Krassimir Kyurkchiyski Komposition unter Professor Pancho Vladigerow (1899-1978 ) und erhielt dort auch seinen akademischen Titel. Mit seinen ersten Kompositionen Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre erwarb er sich, ausgestattet mit der Gabe der Erfindung einer reichhaltiger Melodik verbunden mit starkem Formgefühl, den Namen eines originellen talentierten Komponisten.


    Am bekanntesten unter den Jugendwerken ist das Streichquartett (1959), welches dem Autoren im Jahre 1966 den Grand Prix des Pariser Internationalen Komponisten-Wettbewerbs einbrachte. Das Quartett zeigt illustrativ Kyurkchiyskis Verbindung zur bulgarischen Schule jener Komponisten, welche die Fähigkeit hatten, Ideen und Eindrücke zu skizzieren, die sie der bulgarischen Folklore entlehnten. Unter diesem künstlerischen und ideologischen Aspekt entwickelte er gleich einer Offenbarung in den 1960er und 1970er Jahren seine weiteren Werke. Abweichend von einigen dieser Collagen blieb er seiner Idee treu und ohne Blick auf moderne Extreme oder avantgardistische Systeme zu werfen organisierte er sein musikalischen Materials.


    Das Interesse des Komponisten richtete sich auf vokale und symphonische Musik. Er schrieb aber auch einige Stücke für das Musiktheater. Als exzellenter Kenner der Folklore war er ein Meister des Folk Songs Arrangements und bearbeitete Lieder und Tänze. Aber auch monumental angelegte expressive und bedeutungsvolle symphonische Werke kennzeichnen seine kompositorische Laufbahn. Seine erste Oper "Yula" produzierte er für Stara Zagora und die Sofia National Oper, sowie ein Ballett für das Novosibirsk Opern Theater. Einige seiner bemerkenswerten Arbeiten tragen den Charakter einer Sinfonia Concertante. Er schuf ein Konzert für Violoncello und Orchester und ein Konzert für Klavier und Orchester, welches Pancho Vladigerow gewidmet ist. Auch der Komposition von Filmmusik war Krassimir Kyurkchiyski nicht abgeneigt.


    (Quelle: Klassika.info)

  • Hallo, andythr,


    auch Dir vielen Dank für die Informationen. Ist schon ein Kreuz mit den Schreibweisen dieser Herrschaften und gar nicht so einfach, wenn man Streams ausländischer Sender aufzeichnet - ich sitze dann oft genug vor dem Rechner und schlage erst mal im Onlinewörterbuch nach, was z. B. "Liszt Ferenc - 1. Zongoraverszenyi" (aus dem Gedächtnis zitiert) eigentlich zu bedeuten hat ;)


    Gruß aus dem Norden, Ralf

  • hallo, ralf, ja, da gibt es ganze legionen, die ich benennen könnte. aber, da es so unglaublich viel ist, schrecke ich ein wenig zurück, dies hier auszuführen. beziehst du das eher auf romantisch oder hochromantisch oder spätromantisch? und auf länder begrenzt?


    lg erstmal an einen 'hör-genossen'


    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hallo, Klingsor,


    ich weiß wohl, daß ich gerade mal an der Oberfläche dessen kratze, was es da noch zu entdecken gibt. Die Möglichkeit, durch hochwertige Internetstreams so viel Neues auszuprobieren, ohne mich über technische Unzulänglichkeiten und/oder einen Fehlkauf zu ärgern, habe ich erst seit ein paar Wochen und bin schier erschlagen von der Menge dessen, was sich abseits des Mainstreams auftut und bisher fast völlig an mir vorbeigegangen ist.


    Wenn ich würde einschränken wollen: Eher Spät- als Hochromantik, regional vielleicht mit Schwerpunkt auf Ost- und Ostmitteleuropa sowie Skandinavien. Nicht daß ich die Hochromantik und die Musik anderer Regionen nicht schätzen würde, aber ich glaube, daß ich beim Genannten am meisten "Nachholbedarf" habe.


    Gruß aus dem Norden, Ralf

  • Jetzt habe ich wieder Zugriff auf die Platte mit meiner MP3-Sammlung und lege noch mal ein paar Tips nach. Bitte zeitlich nicht streng an der Epoche "Romantik" festmachen, es geht mir um die romantische/der Romantik nahestehende Tonsprache.


    Folgende Werke würde ich Euch ans Herz legen:


    Alphons Diepenbrock Sinfonische Suite 'Elektra'
    Bernd Scholz 'Japanisches Konzert' für Gitarre und Orchester
    Charles Koechlin Sinfonische Dichtung 'Le Docteur Fabricius' op. 202
    Charles Tomlinson Griffes 'The white peacock'
    Charles Villiers Stanford Sinfonie Es-Dur op. 94
    Douglas Lilburn Sinfonie Nr. 1
    Edward MacDowell 'Indian Suite' op. 48
    Felix Draeseke Trauermarsch e-moll op. 79


    So, die reichen erst einmal. Demnächst geht's weiter im Alphabet ;)


    Gruß aus dem Norden, Ralf

  • Hallo,


    zum Thema Kjurktschijski:


    Zitat

    Original von andythr
    ein Konzert für Klavier und Orchester, welches Pancho Vladigerow gewidmet ist.


    Davon habe ich sogar eine Aufnahme, gar nicht so schlecht. Mit Barockmusik hat dieses Konzert aber nicht so viel zu tun, es ist eher nationalromantisch geprägt. Kjurktschijski hat es anlässlich des Todes seines Lehrers Wladigerow in den Jahren 1979/80 komponiert. Mittlerweile (2001) ist noch ein zweites Klavierkonzert gefolgt, wie man der MGG entnehmen kann. Die genannten Variationen (die ich leider nicht kenne) entstanden übrigens 1984.


    Ich könnte zu diesem Thema auch einiges beitragen, habe aber derzeit nicht genügend Zeit, Ende nächster Woche vielleicht wieder...


    Viele Grüße
    Holger

  • Zitat

    Original von Ralf_Hamburg
    Eher Spät- als Hochromantik


    Hochromantik habe ich bis jetzt auch noch gar nicht bemerkt. Da Du sie nicht ausschließt:


    Johann Hoven: "Die Heimkehr" (Liederzyklus nach Heine)
    Norbert Burgmüller: Symphonie (von der Aufnahme ist aber abzuraten)
    Stephen Heller: Klavierstücke
    Robert Franz: Lieder
    Robert Volkmann: Streichquartette
    Clara Schumann: Klaviertrio
    Friedrich Kiel: Klaviertrios
    Theodor Kirchner: Klavierwerke (Impromptus)


    etwas weniger kenne und schätze ich Franz Lachner, Thalberg, Henselt, Reinecke, Cornelius


    außerhalb der deutschen Hochromantik:


    Niels Wilhelm Gade: Symphonien
    William Sterndale Bennett: Klavierwerke
    George Macfarren: Symphonien


    Außer Hoven und Macfarren sind das alles aber sehr bekannte Namen, freilich kein Mainstream (mehr).
    Zur Spätromantik kann ich wesentlich mehr anführen. Ein 1936 geborener Komponist kommt mir hier aber deplatziert vor.
    :hello:


    PS: Hoppala, ich habe übersehen, dass nur Orchesterwerke gewünscht sind.
    :hahahaha: :untertauch:

  • Hier einige sisnfonische Beispiele ad libitum:
    - Hans Rott mit seiner einzigen Sinfonie E-Dur, von der es heißt, sie habe Mahler inspiriert (sehr empfehlenswert)
    - Rober Fuchs: Sinfonie Nr. 1 & 2 / Thorofon Classics
    - Friedrich Gernsheim: Sinfonie Nr. 1 - 4 (brahmsnah) /Arte Nova
    - Hermann Goetz: Sinfonie F-Dur - Violinkonzert op. 22 /CPO
    - Reinhold Glière: Sinfonie Nr. 1 / Naxos
    - Reinhold Glière: Sinfonie Nr. 2 / Naxos
    - Reinhold Glière: Sinfonie Nr. 3 / Chandos
    - Arthur Sullivan: Irish Symphony / CPO
    - Albéric Magnard: Sinfonien Nr. 1- 4 / EMI
    - Hubert Parry: Sinfonien Nr. 1 - 5 / Chandos


    Sinfonien von Dohnanyi, Sinding, Draeseke etc. etc.


    Die "Romantischen Klavierkonzerte" bei Hyperion dürften - von Arensky bis Weber - jetzt an die 50 CD umfassen. Inzwischen hat Hyperion auch die Reihe "Romantische Violinkonzerte" aufgelegt. Detaillierte Angaben lassen sich auf der Webseite von Hyperion nachlesen. Man staunt über das umfangreiche Repertoire, das Sammler geradezu herausfordert.


    Florian

  • Hallo Wulf,


    Zitat

    Bei dem polnischen Meister Karlowicz wirds wirklich etwas off-mainstreamig, aber nicht derart, daß selbst eingefleischte Musikliebhaber nicht zumindest den namen schon mal gelesen hätten (mir ist auch nur der Name bekannt...)


    da ist Dir aber etwas tolles bisher entgangen.



    @Ralf,
    ich sammle fast ausschließlich Nebengleisrepertoire und sehr viele hier machen es ähnlich.
    Da genügt schon ein Blick in den "Was hört Ihr gerade jetzt" thread, um sich Anregungen zu holen.


    Bei Musik aus dem hohen Norden abseits des Mainstreams hier einige wenige Vorschläge von mir:


    Atterberg:3.Sinfonie
    Bo Linde: 2.Sinfonie
    Rangström: 3. Sinfonie
    Tubin: Concertino für Klavier und Orchester
    Nyström: Sinfonia del mare


    Ach, es gibt so viel.........


    LG,
    Michael

  • Hallo Musikfreunde,


    abseits des Mainstreams Werke zu finden, die mich wirklich umhauen, da tue ich mich manchmal etwas schwer.
    ;) Denn die Frage bleibt:
    Warum sind diese Komponisten denn abseits des Mainmstreams geblieben ???


    Trotzdem ist die Liste der wirklich lohnenden Werke abseits des Mainstreams unendlich lang und da habe ich eine Menge entdeckt- auch Dank des Tamino-Forums.
    Zitat Michael: Ach, es gibt so viel.........


    Gerade die nordischen Komponisten haben da einiges zu bieten:
    neben dem genannten Atterberg und Linde;
    Tubin: Sinfonien (hier gibt es eine Menge positives und lohnendes zu entdecken);
    Rangström: Sinfonien (nicht nur Nr.3, auch die Nr.4 ist der Wahnsinn);
    Alfven: Sinfonien (ganz nette Sachen dabei);
    Langgaard: Sinfonien (auch wenn es teils keine Sinfonien sind - Nr.4-6 nach wie vor an der Spitze);
    Den von Florian genannten Sinding finde ich nicht so doll.



    Die Russen bieten auch einige Komponisten, die zeitlich nicht zur Romantik gehören, aber so schreiben:
    Fikrat Ämirow: Symphonic Dances, Azerbaidschainische Mugam 1-3, Die arabischen Nächte-Ballett u.a. (wer umwerfende schlagzeugbehaftete Musik sucht, kommt hier voll auf die Kosten);
    Boris Tschaikowsky: Sinfonien Nr.1 und Sebastopol Sinfonie, Klavierkonzert u.a.



    Die Amerikaner haben auch einiges zu bieten:
    Ich nenne nur die Komponisten und Copland- und Barber-Nachfolger und Mitstreiter David Diamond, Virgil Thomson, Howard Hanson, Ned Rorem, Edward MacDowel, William Schumann.
    Die Liste ließe sich bis heute Abend noch fortsetzen ................. wann soll man das alles hören ???



    :yes: Deshalb vernachlässige ich auch die mir Lieb gewordenen Mainstreamer nicht, die man bei aller Entdeckerlust nicht aus den Augen verlieren sollte.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Abseits des Mainstreams - wer findet was zum sammeln; könnte man sagen.


    Sobald man sich ein wenig von den ausgetretenen Pfaden entfernt, nimmt leider auch das Spektrum an verfügbaren Einspielungen drastisch ab.
    Eine eben durchgeführte Suche bei der deutschen Dependance des Tamino-Partner-Online-Händlers ergab neben einem fast durchgängigen 'derzeit nicht auf Lager' eine ansehnliche Anzahl von Treffern mit wenig bis gar keinen Informationen zur jeweiligen Aufnahme - Bezugsquelle ausschließlich Marketplace.
    Einzig Naxos ist in solchen Fällen stets verlässlich, doch sind die Aufnahmen von ihrer interpretatorischen Qualität dann leider manchmal nur zum kennenlernen geeignet denn als Dauerlösung.
    Und auch Tamino stößt in solchen Fällen dann schon mal an seine Grenzen, was eine Vorabrecherche bezüglich Aufnahmeempfehlungen angeht.




    Nun, langer Rede kurzer Sinn, mein Interesse richtet sich auf das Klavierkonzert Nr.2 in d-Moll, Opus 23 von Edward Macdowell.
    Vor Kurzem im Radio gehört (leider ohne festzustellen, in welcher Einspielung) hat es mich begeistert, schon allein das Raten, von wem es denn stammen könnte, war hochinteressant
    Ich hätte es in die Zeit nach Rachmaninov eingeordnet, aufgrund der partiellen Ähnlichkeit zu dessen Tonsprache und des, wie mir schien, im Vergleich zu dessen Konzerten freieren Aufbaus - freilich, kann es NACH Rachmaninov überhaupt noch etwas Romantisches geben?



    Das Ergebnis meiner Recherchen nun hier, unkommentiert, als Anregung zu Diskussion und Empfehlungen, in der vagen Hoffnung, dass vielleicht doch jemand dieses Werk besitzt:




    Van Cliburn
    CSO
    Walter Hendl



    Bei Van Cliburn kann man ja eigentlichl kaum etwas falsch machen.





    Donna Amato
    LPO
    Paul Freeman



    Die Ausführenden sind mir unbekannt, allerdings steht das London Philharmonic für eine zumindest im Orchesterpart zu erwartende gute Interpretation.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Hallo novecento,


    ich empfinde Edward MacDowell (1860 - 1908 ) gar nicht so direkt abseits des Mainstreams, wie Du.
    Gewiss, Mac Dowell war kein Vielkomponierer und ist deshalb nicht so verbreitet, aber ich zähle alleine bei amazon mindestens 10 verschiedene Einspielungen seiner KK, die zu seinen bekannten Hauptwerken gehören.


    Ich habe die abgebildete Naxos - Aufnahme mit Prutsman/Fagen, die ich sehr gut finde. Eine andere CD der beiden KK mit Freemann (Olympia) habe ich verkauft, weil diese nicht so gut war wie die Naxos-Aufnahme.



    Naxos, 1999, DDD


    Aber das er ein Romaniker Pur war, darin gebe ich Dir recht - schöne und hörenswerte Konzerte. Deine VanClburn/Reiner-Aufnahme ist sicher auch etwas ganz exquisites !
    Rachmaninoff kam erst nach MacDowel, aber seine beiden Klavierkonzerte sind quasi die "Ouvertüren der Rachmaninoff-KK".

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich weiß zwar nicht, ob man den unbedingt kennen muß, aber hörenswert ist er sicher:



    Jenö Hubay (1858 - 1937):


    Violinkonzerte Nr. 1 & 2
    u.a.


    Chloe Hanslip, Vln
    Bournemouth SO
    Andrew Mogrelia


    Rec.: Poole, 6/2008
    Naxos



    A g o n

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Die späten Sinfonien Mozarts sind sicher eher "romantische Orchesterwerke" als die Sinfonien Tubins oder der apalachische Frühling Coplands.
    :beatnik:


    Hallo, Kurzstückmeister!


    Echt? Tubin kenne ich noch nicht, aber "Appalachian Spring" von Copland ist doch in seiner das Sentimentale weit ausreizenden Melodik gewiss unverwechselbar, aber gewiss auch "romantisch"? Oder würdest Du den eher klassizistisch-transparenten Orchestersatz dagegensetzen?


    Wahrscheinlich weiß ich oder meine ich aber zu wissen, was Du an den späten Sinfonien Mozarts als "romantisch" empfindest.


    Ein schwieriger Begriff, der der "Romantik", mehr noch in der Diskrepanz zwischen seiner alltagssprachlichen und seiner literarischen Bedeutung.


    Besten Gruß, Wolfgng

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Appalachian Spring ist Neo-klassiko-romantiko-nostalgiko-pseudo-folk-Kitsch. Jedenfalls nichts, woran man irgendeinen Stil demonstrieren kann :D


    Etwas ernster: Wenn überhaupt erinnert es mich tatsächlich an Werke wie "Holbergs Suite" oder Tschaikowskys "Mozartiana", also andere stark kitschgefährdete Stückchen, die man auch nicht gut als Beispiel für eine Stilrichtung nehmen kann.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Hallo, Johannes!


    Ich würde Dir keineswegs widersprechen, aber Coplands Personalstil halte ich schon für typisch ... ist sicher schwer zu beschreiben, eher zu hören: bestimmte "amerikanische" Intervallfolgen in Melodik und Harmonik, der Folklore nachempfundene Rhythmen und eben das, was wir (auf einer wahrscheinlich wenig authentischen Ebene) als Cowboy-Romantik empfinden. Nicht grundlos hat er ja auch diesbezügliche Filmschinken aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit seiner Musik unterlegt.


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Appalachian Spring ist Neo-klassiko-romantiko-nostalgiko-pseudo-folk-Kitsch.


    Nanu, für mich ist das reinster Neoklassizismus (der ja in den 20er Jahren eigentlich neo-barock ist und in den 40ern hauptsächlich romantische Vorbilder hat, ganz unabhängig ob in Amerika oder sonstwo).


    Ich habe es aber schon länger nicht gehört, da ich seine Violinsonate favorisiere.


    Unter "romantische Orchestermusik" geht das mE nicht. Sonst schlage ich Prokofieffs 5. Sinfonie vor. Und Schostakowitschs 5.


  • Ich habe gerade eben zufällig (in einer Sendung des SWR) die "Short Symphony" von Copland gehört. Gut, das ist weit näher bei Strawinsky als bei jeglicher "Romantik": herbe Transparenz, instrumentale Feindifferenzierung, Ostinati bei komplizierten Rhythmuswechseln - in der Tat "reinster Neoklassizismus".


    Aber bei den "Appalachian Springs" drängt sich für mich das programmatische Sentiment so sehr in den Vordergrund, dass mich die Charakterisierung als "neobarock" zunächst befremdet hat. Wenn man freilich entsprechend hinhört, erscheint auch dies plausibel ...


    :) Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Aber bei den "Appalachian Springs" drängt sich für mich das programmatische Sentiment so sehr in den Vordergrund, dass mich die Charakterisierung als "neobarock" zunächst befremdet hat. Wenn man freilich entsprechend hinhört, erscheint auch dies plausibel ...


    Appalachian Springs ist doch aus den 40er-Jahren, also der Zeit, als an Stelle des Neobarock ein an romantischen Vorbildern orientierter Neoklassizismus getreten ist. Siehe z.B. auch Honegger. Die "falsche" Harmonik läßt für mich jedenfalls eine Einstufung des Copland-Werkes unter "romantische Orchestermusik" nicht zu. Die ist zwar nicht mehr frech-falsch wie in Strawinskys oder Hindemiths Neobarock sondern irgendwie delikat-versöhnlich (und für mein Empfinden nicht kitschig) aber immer noch "neoklassizistisch".
    :hello:

  • Ich finde es schade und unangemessen, dass von JR Coplands bekanntestes Werk als "romantischer Kitsch" abgekanzelt wird.


    Appalachian Spring - Ballett (1944) ist eine Neoklassisches Werk des 20.Jahrhunderts, das mit Amerikanischer Volksmusik (hier eben bekannt aus Westernfilmen) durchsetzt ist. Diese Westernsounds ergeben sich aus der Handlung des Balletts, die den Frühling der amerikanischen Pioniere in den Appalachen um 1800 zum Inhalt hat. Es werden Shakerthemen, Square-dance, Country-Fiddler und ein damaliges Kirchenlied in diesem neoklassichen Werk verwendet und in Variationen verarbeitet. Nicht ohne Grund gehört es zu Coplands beliebtesten Werken; ich schätze es ebenfalls überaus. Kitsch kann ich an keiner Stelle feststellen.


    Ganz nebenbei ist das ein Werk das so gar nicht abseits des Mainstreams liegt - also hier gar nicht hinein gehört.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Na gut, es ist hier aber das meiste etwas abseits des Themas.


    Dann mal etwas wirklich Abseitiges aus der romantischen Epoche:

    Friedrich Schneider (1786 - 1853): 17. Sinfonie


    für nähere Informationen müßte ich es nochmal anhören ...
    :untertauch:

  • Ein Jugendfreund von Richard Strauss. Nachdem sie sich dann im Erwachsenenalter zerstritten hatten, versöhnten sie sich erst sehr spät...
    Die Musik ist zeitlich irgendwo zwischen den beiden frühen Strauss-Symphonien angesiedelt, soweit ich weiss, bewerten mag sie im Vergleich jede(r) selbst...



    Mit Bohuslav Foerster möchte ich mich auch befassen. Daher meine jüngeren Neuerwerbungen (siehe hier)



  • Hallo Johannes,


    eine etwas provokante, aber durchaus ernst gemeinte Frage:


    Wie definierst Du "Kitsch" ?

    Gruß,


    Michael

  • Parallel zum Non-Mainstream-Sinfonien-Thread…
    Meine Entdeckungen der letzten Wochen und derzeitigen Ohrwürmer:



    Ottorino Respighi
    Ballettsuite „La Pentola magica“
    Ein zauberhafter 26minüter eher ruhiger Musik in herrlich plastisch-süffiger Klangqualität. Ein echtes Schmankerl.




    Frederic Delius
    Florida Suite
    Wunderschöne, nicht allzu anspruchsvolle Sonntag-Nachmittag-Musik




    Emil Nikolaus von Reznicek
    Schlemihl – Symphonsiches Lebensbild
    Ein fast schon grotesk anheimelndes Stück Musik eines immer wieder überraschenden Komponisten.




    Georges Ensescu
    Rumänische Rhapsodie no 2
    Die 2. steht ja immer bisserl im Schatten der 1., ist aber für mich das weit spannendere Stück. Weniger folkloristisch und symphonisch-epischer angelegt. Dorati at ist best….




    Andreas Hallén (1846-1925)
    Gustav Wasas Saga
    Launiger Bilderbogen aus dem Norden mit tollem Klang.




    Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901)
    Wallenstein – Symphonsiches Tongemälde
    Auch so ein Schmachtfetzen im Stile Dvoraks oder Smetanas. Tolle Musik.