Das knifflige Coverbildratespiel - Unterhaltung für Kunstkenner

  • Lieber Malatesta


    Deine Antwort Heinrich Leutemann (1824-1905) ist korrekt.


    Er hat 1877 die Illustration "Der Gorilla in Wuth" für den Artikel von Hugo von Koppenfels "Meine Jagden auf Gorillas" in der Zeitschrift Die Gartenlaube geliefert. https://de.wikisource.org/wiki/Meine_Jagden_auf_Gorillas

    Aus eben diesem Werke ein Textauszug zur „Wuth“


    Sofern er unbehelligt bleibt, greift der Gorilla den Menschen nicht an, meidet vielmehr dessen Begegnung. Wird er jedoch überrascht, so richtet er sich auf, stößt aus tiefer Brust ein nicht wiederzugebendes, kurz abgebrochenes, bald rollendes, bald grunzendes Gebrüll aus und bearbeitet mit seinen Riesenfäusten die gigantische Brust, wobei unter Zähnefletschen und einem unsäglich boshaften Ausdrucke des Gesichtes, sowie der kleinen Augen, welche tief in ihren Höhlen liegen und einen grünlich-rothen Glanz haben, sich seine Haare auf Kopf und Nacken vibrirend sträuben. Ein wüthender alter Gorilla bietet einen Furcht erweckenden Anblick. Reizt man ihn nicht und zieht sich bei guter Zeit allmählich zurück, noch bevor seine Wuth ihren Höhepunkt erreicht, so glaube ich, daß er nicht zum Angriffe schreiten würde. Sollte man aber das Unglück haben, ihn nur leicht zu verwunden, dann freilich bin ich, ohne es selbst erlebt zu haben, fest überzeugt, daß er den Schützen annimmt, und wehe demselben, wenn ihm nicht sofort eine zweite Kugel zu Gebote steht! Ein Fliehen ihm gegenüber ist unmöglich, eine Vertheidigung mit andern als Schußwaffen ein Unding. Vermöge seiner langen überaus muskulösen Arme würde er die Geschicklichkeit auch des besten Fechters zu Schanden machen.


    Als musikalische Untermalung der „Wuth“ empfehle ich:



    Entschuldigung für das Affen-Off-Topic!


    “We need not destroy the past. It is gone.” - JC


    PS: „Music is everywhere“

    PPS: „There is no silence“



  • .... Als musikalische Untermalung der „Wuth“ empfehle ich:

    https://youtu.be/1iRpme6Kzb8?si=m8RP5X9fMFGwC7Ag

    Das Stück hat aber weder mit Affen noch mit Wut(h) zu tun.

    Der Komponist bezieht sich mit dem Untertitel „Von den Affenbergen“ nicht auf Afrika sondern auf eine Region in der Böhmisch-Mährischen Höhe (tschechisch: Opičí hory) nordwestlich von Brünn und verweist „auf das Einfangen einiger starker Eindrücke, die ein sorgloser Sommeraufenthalt auf dem Lande hervorrief“. Das Stück von Pavel Haas ist eher eine beschwingte Landpartie, mit zart-romantischen Tönen bis hin zu dramatischem Gewitterdonner

  • Danke für die profunde Ver-Klärung. Es kann ebenso als Begegnung mit einem Berg-Gorilla in „Wuth“ ge-hört werden. Das nennt man: Freiheit der Interpretation


    Danke für das Verständnis.


    ✌🏼🤡✌🏼

    “We need not destroy the past. It is gone.” - JC


    PS: „Music is everywhere“

    PPS: „There is no silence“



  • Das Cover zeigt nur einen kleinen Ausschnitt des Gemäldes.

    Die CD ist übrigens sehr zu empfehlen (bei JPC nicht gelistet).


    MC00MjkyLmpwZWc.jpeg

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • querstand : Ich hatte es oben schon mal geschrieben, hast du wahrscheinlich gar nicht gesehen. Dieser Thread läuft so ab: Wer ein Rätsel gelöst hat, stellt anschließend das neue Rätsel ein. In diesem Fall ist Malatesta dran, weil er den Gorilla gelöst hat.

    Tristan als Mod

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Tristan2511 Entschuldige, das ist mir entgangen. Dann meinen Betrag (und anschließend diesen) gerne löschen.

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    (Igor Levit)

  • Lieber querstand


    Leider bist du nicht an der Reihe, wie tristan 2511 dir mitteilt. Malatesta ist mit dem nächsten Rätsel beauftragt. Die Rätselfreunde warten gespannt auf seine nächste knifflige Aufgabe.


    Ein sehr schönes Rätsel hast du trotzdem gestellt, weil es zur herrschenden Jahreszeit Frühling passt und das Gemälde eine malerische Qualität besitzt. Lösen konnte ich es, weil es auf der Rückseite eines Cover des Labels cpo der Name und der Titel erscheinen.



    Der Maler Hans Thoma hat das Sujet, soweit es mir bekannt ist, in zwei Fassungen gemalt. Sie unterscheiden sich im zeitlichen Abstand von mehreren Jahren.


    Es zeigt Die Oed, den Blick auf den Holzhausenpark in Frankfurt.


    Das Laub der Bäume ist noch nicht ausgetrieben, was auf den Beginn des Frühlings hindeutet. Der Künstler zeigt Liebe fürs Detail. Man erkennt im Vordergrund zwei Pfauen.


    Die-Oed-Holzhausenpark.jpg


    In der zweiten Fassung hat die Bepflanzung der Sträuchergruppe am Strassenrand sich deutlich entwickelt. Das Lila der blühenden Fliederbäume weist auf den Frühsommer hin. Es ist durch den Einbezug des Fensters klar, wo die Staffelei stand.


    Das Städelmuseum in Frankfurt schreibt zum Gemälde:

    Ein geöffnetes Fenster gibt den Blick auf die Parklandschaft der „Öd“ rund um das Frankfurter Holzhausenschlösschen frei. Auf der Fensterbank liegt eine aufgeschlagene, von Blumen gerahmte Bibel, die aus dem häuslichen Bereich in die üppige Natur hinausweist. Durch die Bibel und die Spiegelung im Fenster verbindet sich die von Gott geschaffene, irdische Außenwelt mit der inneren Welt als Ort des Rückzugs und der familiären Geborgenheit.


    Die-Oed-Blick-auf-den-Holzhausenpark-in-Frankfurt.jpg


  • Der Maler Hans Thoma hat das Sujet, soweit es mir bekannt ist, in zwei Fassungen gemalt.

    Lieber moderato,

    echt knifflig, denn das Cover könnte auch auf einer Kopie der Vorlage mit leichten Änderungen des Originals basieren.

    Von Hans Happ existiert eine Kopie dieses Gemäldes. Diese Version wird unter anderem von der Frankfurter Bürgerstiftung als Postkartenmotiv verwendet.

    https://www.frankfurter-buerge…-stiftung/haus/geschichte

    Die Bilder weisen in der Vergrösserung minimale Unterschiede auf, die aber wirklich nur auf hochauflösenden Darstellungen zu erkennen sind. Das Cover selbst hat eine zu geringe Anzahl von Pixeln um es für einen Vergleich zu vergrössern.

  • Lieber Orfeo


    In der Tat: verblüffend ähnlich. Es könnte @querstands Cover von Hans Happ Kopie des Originalen Gemäldes von Hans Thoma sein.

    Wie die Äste der Bäume gemalt sind, weist für mich auf Hans Thoma hin.


    Hans Happ nach Hans Thoma: Die Holzhausensche Oed in Frankfurt am Main, 1880, Öl auf Leinwand,50,8x71,5 cm


    66_hans-happ-nach-hans-thoma.jpg


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  • Keine Ahnung, wer der Urheber sein könnte.


    Meine Vermutung, etwas aus den Ende 60er, Anfang 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, die Ästhetik dieser Epoche fällt mir dazu ein.


    Sieht mir nach der Arbeit eines Malers oder Grafikers aus, der für das Label Nonesuch das Cover entworfen hat, denn er hat deutlich Bezug auf die musikalischen Werke des spanischen Komponisten Manuel De Falla genommen.


    Tombeau = Grab, deshalb ein Totenschädel

    spanische Musik, deshalb eine spanisch anmutende Frau im Profil mit stilisierten Folklore Elementen auf ihrem Kleid.

    Sonnenblume, Sonne


  • Mich erinnert das Cover an ein Album aus alten Zeiten, als ich solche Musik gut fand. Der Designer war, glaube ich, auch häufig auf Buchumschlägen zu finden. Aber der Name? Vergessen.

  • Lieber Malatesta


    Das Label Nonesuch war der entscheidende Faktor. Es gibt verschiedene Grafiker und Grafikerinnen, die Cover für es gestaltet haben. Sieht man ihre Namen und ihre Arbeiten durch, passt der Stil nicht.

    Die Assemblagen von verschiedenen Elementen passen in meiner Einschätzung zu Bob Pepper (1938-2019).

    Orfeo hatte Buchumschläge erwähnt.


    Die scheinen im Stil zu passen. Bei einem Schädel haben die Zähne die gleiche Form.


    https://biblioklept.org/tag/bob-pepper/


    Und manchmal hatte er seinen Namen Pepper hinzugesetzt.


    https://flashbak.com/bob-pepper-art-470118/


    NC0yMjYyLmpwZWc.jpeg


    Ein Cover zur Musik von Franz Schubert. "Ein Kind ihrer Zeit" schreibt Joseph II. Karl Ristenpart


    Mir fällt der Film Yellow Submarine zur Musik der Beatles ein. Da war Bob Pepper allerdings nicht beteiligt.


    8dd71ce0d10ee1a910692434f464b01c.jpg


  • Lieber moderato,


    es ist in der Tat Bob Pepper. Hier ist das bewusste LP-Cover (die 1963 für das Label Valois entstandene Aufnahme

    der Fantasía bética von Jean-Charles Richard ist übrigens ausgezeichnet) als Teil seines Œuvres explizit aufgeführt.


    Nun denn, ich bin gespannt, was es als nächstes zu enträtseln gilt!

  • Das Rätsel habe ich gestellt, nachdem ich eine Meldung im Radio gehört hatte, dass gemäss einer wissenschaftlichen Studie das Betrachten von Kunstwerken die Gesundheit fördert.

    Was diese Meldung mit dem Rätselbild zu tun hat, werde ich nach der Lösung kund tun.


  • Guten Morgen Moderato - ich finde es ein sehr spannendes Rätsel. Ich versuche mich heranzutasten. Zuerst - es ist offensichtlich ein Ausschnitt einer Kreuzigungsszene. Angesichts des Komponisten und des Malstils würde ich an Barock denken. Allerdings steht der beeindruckende Ausdruck der Finger in Kontrast zur wenig detaillierten Darstellung der Hand und des Armes bzw. des Kreuzes. Im Barock sollte das bei einem bedeutenden Künstler detaillierter gemalt sein. Es sei denn ich schaue nach Spanien. Da wäre dieser Stil in der Renaissance sogar Barock möglich gewesen....ich muss nachdenken....

  • Lieber Jakobus


    Es ist weder im Barock noch in der Renaissance entstanden. Auch stammt es nicht aus Spanien oder einem anderen südlichen Land.


    Die Vorlage, woraus dieses Detail stammt, ist äusserst detailliert gemalt. Man sieht jeden Dorn, der in der Haut steckt.


  • Lieber Jakobus


    Es ist weder im Barock noch in der Renaissance entstanden. Auch stammt es nicht aus Spanien oder einem anderen südlichen Land.


    Die Vorlage, woraus dieses Detail stammt, ist äusserst detailliert gemalt. Man sieht jeden Dorn, der in der Haut steckt.

    Lieber Moderato - eben deswegen meine Einschränkung, auch wenn es wegen Buxtehude nach Barock aussieht, ist es das möglicherweise nicht. Das mag ja sein, dass man das sieht, aber der Arm bzw. die Hand und das Holz finde ich nicht besonders detailliert gemalt. Aber vielleicht liegt es auch an der schlechten Reproduktion des Covers.

  • Mir geht’s diesmal wie Orfeo und »seinem« venezianischen Bellini: Ich habe das fragliche Kunstwerk

    zum ersten Mal anlässlich eines Grundschulausflugs gesehen. Und seitdem viele, viele Male mehr …


    Ich überlasse das Enträtseln also interessierten Dritten.

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  • Dieses Cover verwendet dasselbe Kunstwerk, richtig?

    Dann ist das Bildnis tatsächlich aus der Renaissance.

    Ich habe leider Zugriff auf das Booklet und kann daher nicht mehr mitraten.


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    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Da hast du recht, querstand. Wenn man die Renaissance mit dem Zeitraum 1400 bis 1600 setzt. Mein Fehler.


    Es gibt Kunsthistoriker, die den Maler der Spätgotik zuordnen. Ich ordne ihn dieser Epoche zu.


  • Dann will ich mich erbarmen: Wir sehen einen Ausschnitt der Kreuzigung aus dem ersten Wandelbild des 'Isenheimer Altars' von Matthias Grünewald (Nithart). Zu sehen im Musée d'Unterlinden in Colmar. Issenheim liegt etwa 20km südlich von Colmar.

    U.a. weil er Stile aus Gotik und Frührenaissance vermischt und weil er seine Werke kaum signiert, als Künstler also hinter das Kunstwerk zurück tritt, wird er manchmal "der letzte Gotiker" genannt, von daher ist beides richtig.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Lieber Tristan2511


    Deine Lösung ist richtig. https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Grünewald


    Wer den Isenheimer Altar in all seinen Teilen jemals gesehen hat, wird ihn nicht vergessen. Ein Besuch im elsässischen Colmar lohnt sich.


    3840px-Isenheimer_Altar_-_erstes_Wandelbild.jpg


    Die Wikipedia-Seite gibt ausführliche Informationen. https://de.wikipedia.org/wiki/Isenheimer_Altar


    In seiner kurzen Lebensspanne von ca. 1480 bis 1524 hat der Maler Bedeutendes geschaffen. Manches ist verbrannt oder im Meer versunken.


    Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen haben Kunstwerke einen positiven heilenden Einfluss auf die Psyche des Menschen. Das war den Menschen zur Zeit Matthias Grünewalds (Nitharts) bekannt.


    Das Antoniterkloster in Isenheim lag an der alten Römerstraße Mainz – Basel, die häufig auch von Pilgern auf ihrer Wallfahrt nach Rom, nach Santiago de Compostela oder nach Einsiedeln genutzt wurde. Der Isenheimer Altar war für die Kirche des Spitals bestimmt. Die neu aufgenommenen Kranken wurden zu Beginn ihrer medizinischen Behandlung vor den Altar geführt oder auch vor dem Altar auf Bahren gelagert, da man hoffte, der hl. Antonius wirke ein Wunder oder der Kranke könne wenigstens geistlichen Trost aus der Betrachtung der Altarbilder gewinnen. Nach mittelalterlicher Auffassung waren Meditationsbilder, zu denen auch der Isenheimer Altar gehörte, quasi medicina: Vom Bild sollten Linderung der Schmerzen und Gesundung ausgehen, wenn der Betrachter sich mit den auf den Bildern dargestellten Figuren identifizierte und dabei eine geistige Kräftigung erfuhr, die ihn die körperlichen Schmerzen vergessen ließ.


  • Lieber Jakobus


    Es ist weder im Barock noch in der Renaissance entstanden. Auch stammt es nicht aus Spanien oder einem anderen südlichen Land.


    Die Vorlage, woraus dieses Detail stammt, ist äusserst detailliert gemalt. Man sieht jeden Dorn, der in der Haut steckt.

    Lieber Moderato - ich hatte mich rausgehalten, obwohl es eigentlich eines meiner Themen ist und es ein spannendes Rätsel war. Ich gebe Dir Recht, es ist wunderbar gemalt. Aber ich finde, das sah man auf dem Auszug des Covers nicht wirklich.

  • Weil ich diese CD grade höre und sie im Thread noch nicht vorkam nehme ich sie und empfehle sowohl das Anhören der beiden Klavierquartette von Fauré und das Anschauen des Bildes. Von wem stammt es und mit welchem berühmten Bild des Malers steht es in Zusammenhang?


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Kein Zweifel, das ist Georges Pierre Seurat


    Gemälde der "Île de la Jatte" - das ist eine etwa zwei Kilometer lange Seine-Insel im Westen von Paris - von Seurat gibt es mehrere. Der Turm im Hintergrund lag ihm anscheinend sehr am Herzen.


    Un dimarche à la Île de la Grande Jatte

    Ein-Sonntagnachmittag-auf-der-Insel-La-Grande-Jatte_2.jpg


    La Seine à La Grande Jatte

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    La Seine à la Grande Jatte, Printemps

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    Studie

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