Nackter Verdi

  • Hallo zusammen


    Lese und sehe grade die ersten Bilder von der geplanten Johann Kresnik Aufführung "Ein Maskenball (Verdi)" in Erfurt ab kommenden Samstag.


    Fettbäuchige, behaarte, nackte Männer mit Micky Mouse Masken hüpfen über die Bühne.


    Ich glaube, ich muß mich übergeben und frage mich, wer gibt diesem Menschen das Recht, ein Meisterwerk so darzustellen? Was hat das mit Verdi zu tun? Die Geschichte hat er wohl komplett verändert, die Musik nicht.


    Mag ja sein, daß es Menschen gibt, die der Meinung sind, daß dies Kunst ist - für mich jedenfalls ist es eine Beleidigung und absolut abstoßend. Ich brauche diese extreme Kunstform nicht.


    Was sagt Ihr dazu?


    Grüße Mimi

    che gelida manina....

  • Zitat

    Original von mimi


    Fettbäuchige, behaarte, nackte Männer mit Micky Mouse Masken hüpfen über die Bühne.



    Hier wurde der Titel der Oper offensichtlich einfach nur wörtlich genommen. Wer kann das einem Regisseur verdenken?



    audiamus

  • Hallo Audiamus


    Ich finde keine Verbindung vom Titel "Ein Maskenball" zu nackten Menschen. Offensichtlich sind meine Ansichten doch nicht mehr so aktuell und ich muß lernen umzudenken.


    Ich habe wirklich nicht gewußt, daß man einen Maskenball ohne Kleider betritt :no:



    Grüße Mimi

    che gelida manina....

  • Zitat

    Original von mimi


    Fettbäuchige, behaarte, nackte Männer mit Micky Mouse Masken hüpfen über die Bühne


    .... Was sagt Ihr dazu?


    Der am besten passende Kommentar stammt wohl schon vom Librettisten Antonio Somma:


    È scherzo od è follia
    Siffata profezia
    Ma come fa da ridere
    La lor credulitá


    Im übrigen finde ich es schon fast erholsam, dass einmal nicht nackte Frauen der Keim des Anstoßes sind.


    Im Ernst: das klingt in der Tat nicht sehr vielversprechend, aber man sollte eine Inzenierung nie vor der Aufführung verdammen, wenn man nicht dazu verurteilt ist, darin mitzuwirken.


    :hello: Rideamus

  • Hallo Audiamus


    Ich finde keine Verbindung vom Titel "Ein Maskenball" zu nackten Menschen. Offensichtlich sind meine Ansichten doch nicht mehr so aktuell und ich muß lernen umzudenken.


    Ich habe wirklich nicht gewußt, daß man an einem Maskenball ohne Kleider teilnehmen muß :no: .



    Grüße Mimi

    che gelida manina....


  • Naja, noch seltsamer wäre es, einen Maskenball ohne Masken zu betreten - und die scheinen ja (wie audiamus schon angemerkt hat) in Form der Micky-Mäuse vorhanden zu sein.


    Habe gerade mal ganz kurz ein paar Szenenfotos ergooglet. Schön anzusehen ist das tatsächlich nicht - aber muß es das überhaupt sein? Vielleicht schauen wir erstmal, was die Szene im Gesamtregiekonzept für eine Funktion hat - und dann weitersehen...


    Herzliche Grüße,
    Medard

  • ?( ?( :untertauch:


    Icg fange an, den alten Wunschtraum, die Partie auf der Opernbühne zu singen, nun sehr gründlich zu überdenken.....



    Ulrica :untertauch:


  • Keine Sorge, so wie ich das verstanden habe, sind nur einige Statisten dazu verpflichtet, die Micky-Mouse-Masken aufzusetzen. - Oder gab es da ein anderes Problem... ;)


    Viele Grüße,
    Medard

  • Hallo zusammen


    Zitat

    aber man sollte eine Inzenierung nie vor der Aufführung verdammen, wenn man nicht dazu verurteilt ist, darin mitzuwirken


    Das mit dem Mitwirken kann man gerne haben, die suchen noch Statisten für die Nacktszene.


    Ich stimme zu: Es ist richtig, daß man niemals eine Inzenierung vor der Aufführung verdammen soll und ich stimme zu, daß man eine Szene immer verbunden mit dem Gesamtkonzept sehen sollte. Aber in diesem Fall wird es bei mir nicht dazu kommen. Mir ist das wirklich zu abstoßend, zu an-den-Haaren-herbeigezogen und einfach nur pervers. Schade um die wunderschöne Musik.


    Wenn sie wenigstens die Masken vorne drauf (ihr wißt schon) geklebt hätten. Dann wäre es vielleicht noch originell gewesen. Aber ich möchte das Rumgewackel (Entschuldigung) nicht sehen.


    Viele Grüße Mimi

    che gelida manina....

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Habe gerade mal ganz kurz ein paar Szenenfotos ergooglet. Schön anzusehen ist das tatsächlich nicht - aber muß es das überhaupt sein? Vielleicht schauen wir erstmal, was die Szene im Gesamtregiekonzept für eine Funktion hat - und dann weitersehen...


    Mir ist klar, dass da am Samstag in Erfurt die Erregungskurve hoch sein wird - aber vielleicht sollte man die Premiere erstmal abwarten und nicht bereits im Vorfeld über eine Aufführung urteilen, die hier noch niemand gesehen hat.


    Mir fehlt, ehrlich gesagt, jetzt mal wieder die Lust, am Sonntag die Zeit zu investieren, um einen Premierenbericht zu verfassen. Die Meinungen, wie die Aufführung denn ist, stehen ja offensichtlich schon fest.

  • Wie gesagt: es erscheint als ein Witz oder eine Verrücktheit. Aber wissen wir das wirklich?


    Im übrigen hat der Einfall schon seine Pflicht erfüllt. Hingerichtet ist schon jetzt nicht nur die Inszenierung, sondern sind primär aller Augen auf die Premiere in Erfurt.


    Lieber Alviano,
    bitte lasse Dich durch solche Vorausechos nicht beirren. Ich hoffe und setze sehr darauf, das von Dir in der richtigen Perspektive geschildert zu bekommen.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Alviano


    Mir ist klar, dass da am Samstag in Erfurt die Erregungskurve hoch sein wird - aber vielleicht sollte man die Premiere erstmal abwarten und nicht bereits im Vorfeld über eine Aufführung urteilen, die hier noch niemand gesehen hat.


    Ganz meine Meinung - wie gesagt: erst mal Abwarten und sehen, was dieser Regieeinfall im Gesamtkonzept für eine Funktion hat. Erst dann kann man sich ein Urteil bilden.


    Zitat

    Mir fehlt, ehrlich gesagt, jetzt mal wieder die Lust, am Sonntag die Zeit zu investieren, um einen Premierenbericht zu verfassen. Die Meinungen, wie die Aufführung denn ist, stehen ja offensichtlich schon fest.


    Naja, meine Meinung steht keineswegs fest - so gesehen hättest Du mindestens einen gespannten und vorurteilsfreien Leser.


    Daß Du aber zwischenzeitlich keine Lust hast, kann ich bei Deinem Pensum von Premierenberichten gut verstehen.


    Viele Grüße,
    Medard

  • Hallo Alviano


    Es gibt keinen Grund verletzt zu sein oder aufgrund meiner Aussage die Lust zu am Verfassen eines Berichtes zu verlieren.


    Wenn ich richtig gelesen habe, bin ich die Einzige, die "vor"geurteilt hat - alle anderen sind eher belustigt bzw. trotzdem interessiert. Allerdings - was ich geschrieben habe, ist meine Meinung (wessen sonst...) und dabei bleib ich auch.


    Aber gerne hänge ich mich an die Reihe derer an, die da schreiben "ich freue mich auf Deinen Bericht" (wenn es dann einen geben sollte).


    Beste Grüße
    Mimi

    che gelida manina....

  • Die Aufführung war bereits für die vergangene Spielzeit angesetzt, wurde dann aber kurzfristig gegen eine wesentlich gemässigtere "Traviata" ausgetauscht.


    Der Intendant hielt an der Verpflichtung von Johann Kresnik fest - und das Projekt ist nun tatsächlich zur Premierenreife gediehen.


    Mir sind viele Theaterarbeiten von Kresnik bekannt, deshalb kann ich in etwa einschätzen, mit welcher Art von Bildern das Publikum konfrontiert werden wird. Ob sie wirklich Aufreger sind, werde ich am späten Samstagabend wissen, aufgrund der Fotos kann ich das erstmal nicht beurteilen.


    Natürlich steht es Dir, liebe Mimi, frei, schon aufgrund der Bilder die Feststellung zu treffen, dass das nix für Dich ist - aber alle anderen Wertungen finde ich unangebracht.


    Nun, lieber Rideamus, ob ich die "richtige" Perspektive zu Papier bringe, wer weiss das schon, aber selbstverständlich habe ich an mich den Anspruch, das an den Leser und die Leserin rüberzubringen, was man wirklich auf der Bühne sieht. Und das kostet, wem sage ich das, Zeit und macht Arbeit.


    Und nur so, lieber Medard, ist meine Anmerkung zu verstehen: ich habe eine leise Vorstellung davon, welche Kommentierungen zu dieser Produktion hier im Forum zu lesen sein könnten - kleinen Vorgeschmack hat Mimi geliefert - und da denke ich mir dann, ob sich der Schreibaufwand lohnt, wenn manche/r doch nur diie Gelegenheit nutzt, seinen Vorurteilen Ausdruck zu verleihen.

  • Zitat

    Original von Alviano
    wenn manche/r doch nur diie Gelegenheit nutzt, seinen Vorurteilen Ausdruck zu verleihen.


    Ähm, mit Vorurteilen hat das aber wenig zu tun, wenn man anhand von Probenfotos erkennen kann, dass man das als widerlich und unangebracht ansieht.


    ("Man" ist in diesem Fall mimi, bei der ich kein Vorurteil erkennen kann.)
    :angel:


  • Nicht so einfach, aber Eckstein: Maske zu Maske, und Fett zu Ball, ne?



    Ich fordere ein Lob ein!


    LG,


    Christian


    PS: Hört sich nach geradezu neolithischem (bzw. neuenfelsischem) Schwachsinn an! Jede Verdi-Produktion an der DOB wird ja mittlerweile mit Hummelhintern oder Froschkostümen bestritten, da ist immer ein lustiges Faschingsfest!


    Ich zitiere Ulrica mit ehrfurchtgebietendem Alt: Silenzio!

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Schön anzusehen ist das tatsächlich nicht - aber muß es das überhaupt sein?


    Schönheit ist natürlich kein Wert an sich, aber bei Verdi würde ich ihre Bedeutung schon recht hoch ansiedeln.

    Zitat

    „Es wird ein anderer, ein provokanter 'Maskenball' auf den Trümmern des World Trade Center“, sagte der 69-jährige Regisseur der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Bis auf die Musik ist nichts mehr Verdi.“


    Das ist doch lächerlich. Soll er zusammen mit Jonathan Meese eine moderne Oper inszenieren, die von neurotischen New Yorkern handelt, die sich in den Trümmern des WTC treffen um sich dort nackt und nur mit Mäusemasken verkleidet von Dominas in Nazi-Uniformen peitschen lassen, aber soetwas dann Komponisten wie Verdi zu überstülpen ist nicht provokativ sondern langweilig, auch wenn der Rest der Inszenierung aus Rokkoko-Kostümen bestehen würde. (Obwohl ... dann ...)


    Aber trotzdem ärgern mich diese Pseudo-Provokationen nach dem Motto: Möglichst viel Nacktheit und möglichst viel Scheiße. Sollen die Leute mal den "Mahomet" von Voltaire auf die Bühne bringen, wenn sie provozieren wollen, das hätte dann wenigstens noch eine Berechtigung, auf der die Provokation aufbauen könnte...

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Zitat

    Original von Marc
    Möglichst viel Nacktheit und möglichst viel Scheiße.


    Kurz und duftig, dabei prägnant und von Herzen. Zudem eine auf einiges anzuwendende synoptische Formel!


    LG,


    Christian

  • Zitat

    Original von mimiLese und sehe grade die ersten Bilder von der geplanten Johann Kresnik Aufführung "Ein Maskenball (Verdi)" in Erfurt ab kommenden Samstag.


    Ich glaube, ich muß mich übergeben und frage mich, wer gibt diesem Menschen das Recht, ein Meisterwerk so darzustellen? Was hat das mit Verdi zu tun? Die Geschichte hat er wohl komplett verändert, die Musik nicht.


    Mag ja sein, daß es Menschen gibt, die der Meinung sind, daß dies Kunst ist - für mich jedenfalls ist es eine Beleidigung und absolut abstoßend. Ich brauche diese extreme Kunstform nicht.


    Ich denke, man sollte sich nicht an den nackten Menschen stoßen, sondern zuerst die Inszenierung und das dahinterstehende Konzept in seiner Gesamtheit betrachten. Erst dann vermag man, diese (wenigen) Szenen der naktheit einzuordnen.


    Ein Regisseur als Künstler hat natürlich jederzeit das Recht, aus einem Stück zu machen, was er für richtig hält. Begrenzende Faktoren sind lediglich die herrschenden Sitten und das Interesse des Publikums. Und ganz ehrlich: Der Schockeffekt beim Anblick nackter Menschen ist in der heutigen Zeit wohl so ziemlich verpufft. Ich zumindest breche äußerst selten, wenn ich in der Sauna oder Badestrand nackten Menschen jeden Alters begegne. Nicht nur deswegen glaube ich nicht, dass Johann Kresnik die Nacktheit vordergründig als Schockmittel einsetzt.


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:


    P.S.:

    Zitat

    Fettbäuchige, behaarte, nackte Männer mit Micky Mouse Masken hüpfen über die Bühne.


    Darf ich diesem Satz entnehmen, dass Dich nicht die Nacktheit, sondern das Alter der nackten Menschen stört?


    P.S.: Aus erster Hand sei es übrigens erwähnt: Die Solisten sind allesamt wirklich hervorragend! :hello:

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    Ein Regisseur als Künstler hat natürlich jederzeit das Recht, aus einem Stück zu machen, was er für richtig hält. Begrenzende Faktoren sind lediglich die herrschenden Sitten und das Interesse des Publikums.


    Und jeder hat das Recht, das anhand von persönlichen Kriterien zu beurteilen.
    :hello:
    (Die Sitten sind letztlich nur bedingt einschränkend, da in der Kunst mehr erlaubt ist als sonstwo.)

  • Ein Probenfoto kann, das habe ich bereits eingeräumt, die Entscheidung, sich die Aufführung anzuschauen, beeinflussen. Eine Aussage über eine 2 1/2 stündige Aufführung kann so aber nicht getroffen werden.


    Ansonsten bestätigt sich doch hier aufs schönste, was meine Einschätzung bzgl. von Vorverurteilungen und ähnlichen Einlassungen betrifft, genaus so habe ich mir das vorgestellt.

  • Zitat

    Original von Alviano
    Ein Probenfoto kann, das habe ich bereits eingeräumt, die Entscheidung, sich die Aufführung anzuschauen, beeinflussen. Eine Aussage über eine 2 1/2 stündige Aufführung kann so aber nicht getroffen werden.


    Wenn es ein Probenfoto aus einer Probe für diese 2 1/2 stündige Aufführung ist, kann man anhand des Fotos schon eine Aussage über die Aufführung treffen.
    :D


    Zitat

    Ansonsten bestätigt sich doch hier aufs schönste, was meine Einschätzung bzgl. von Vorverurteilungen und ähnlichen Einlassungen betrifft, genau so habe ich mir das vorgestellt.


    Na, dann erfreue Dich an Deinem Vermögen, das vorherzusehen (ist nicht so schwer). "Vorverurteilung" stimmt insofern, als die Inszenierung vor der Premiere verurteilt wurde. Ist was anderes als "Vorurteil".
    8)

  • Und wieder ein Austausch, in dem sich "Die große Gereiztheit" Bahn bricht.


    Wie heilig ist Kresniks Kunst, daß man sie nicht im Vorfeld veralbern oder aufgrund der Kombination von Disney-Gymnastik und World Trade Center-Provokation (hui, hui, mal wieder) wahlweise als Kokolores oder als Verdi-Schmähung bezeichnen dürfte?
    Es ist doch jedem unbenommen, solche Proben der Interpretationskunst rundheraus abzulehnen und diese seine Ansicht zu äußern.


    Ein anderer erbaut sich halt, dem Dritten ist es schnuppe!


    Solch ein ignorantes Haifischbecken ist es doch nicht, in das Du Deine Anmerkungen zur Premiere werfen wirst, Alviano!


    LG,


    Christian

  • Lieber Chorknabe


    Zitat

    Darf ich diesem Satz entnehmen, dass Dich nicht die Nacktheit, sondern das Alter der nackten Menschen stört?


    Entschuldige - aber Das ist zu viel Interpretation Deinerseits. Wo habe ich was von "alten" Menschen geschrieben.


    Ich möchte einfach in diesem Zusammenhang keine Nackedeis, egal ob 20 oder 80 Jahre alt.


    Nur am Rande:
    Wer ist alt? Für einen 10jährigen der 20jährige und für einen 60jährigen der 90jährige... usw.


    Beste Grüße Mimi

    che gelida manina....

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Im übrigen hat der Einfall schon seine Pflicht erfüllt. Hingerichtet ist schon jetzt nicht nur die Inszenierung, sondern sind primär aller Augen auf die Premiere in Erfurt.


    Um nichts anderes geht es ja auch. Hauptsache, alle glotzen hin. Mit welchen Mitteln auch immer. Theater im Todeskampf, anders kann man das nicht beschreiben. Außer natürlich, man hat eine neonrosa Künstlerrespektbrille auf.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Lieber Christian


    Zitat

    Es ist doch jedem unbenommen, solche Proben der Interpretationskunst rundheraus abzulehnen und diese seine Ansicht zu äußern. Ein anderer erbaut sich halt, dem Dritten ist es schnuppe!


    Danke! Der Meinung war ich auch und werde es auch bleiben. Jedem seine Meinung - ich höre sie mir an, ich versuche zu verstehen oder argumentiere gegen. Sie als Vorurteil darzustellen, weil sie meiner Meinung nicht entspricht, ist seltsam und führt zu nichts.


    Ich esse ja auch keine Maden - nur weil ich irgendwo lese, sie seien schmackhaft und ich werde sie immer eklig finden, auch wenn ich sie nie probiert habe.


    In diesem Sinne fröhliches Weiterdiskutieren!
    Mimi :hello:

    che gelida manina....

  • :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    Ich lach mich schief und scheckig!!! Ich kann mir nicht helfen, aber DAS (s. Bild) finde ich tierisch lustig, auch wenn ich vielleicht in Folge in irgendeiner Form hier den nötigen, sittlichen Ernst absprechen lassen muss.


    Es hat sicher beim Proben lang gedauert, bis die Sänger sich so weit wieder eingekriegt haben, um ihre Arbeit wieder aufzunehmen, da traue ich mir fast wetten.


    Jedoch: Was will uns dieses sagen? Machen wir doch ein heiteres Interpretationsrätsel und vergleichen nach der Premiere - worüber ich doch ganz von Herzen bitte, ich komme da ja nicht selber hin - wer dem Sinn am nächsten liegt. So kommt wenigstens keiner in den Ruch eines Vorurteils, sondern man beschäftigt sich eben...


    Also, so ganz erkennbar ist ja nicht, in welcher Szene die sexy Kerlchen sich produzieren müssen :D: Es gibt zwei Möglichchkeiten, in denen so viele Leute auf der Bühne herumstehen:


    1. Ulrica - Szene:


    Weniger wahrscheinlich, da komplett sinnlos und außerdem schmeißt Ulrica schon im Vorfeld alle raus, die sich nicht benehmen können. :D :boese2:
    Ferner ginge die Beschwörung völlig den Bach ab, die eh schon gefährliche Arie ist bei diesem Anblick unsingbar. Allenfalls das SILENZIO am Ende hätte eine gewisse Erfolgsaussicht, denn weibliche Tiefenröhrer vertreiben fehlgeleitete ältere Herren gelegentlich :D :hahahaha:



    2. Der Ball eben:


    Wahrscheinlich, da eben die Masken auf sind. Vielleicht will uns der Regisseur in aller Deutlichkeit darauf lenken, dass die Maske nicht davor bewahrt, dass üble Dinge doch ans Tageslicht kommen....


    Wem fällt noch was dazu ein?


    LG :hello:


    Ulrica


  • Naja, vieles ist denkbar. Folgendes drängt sich, so denke ich, auf:


    Graf Anckarström ist nach dem Knatsch mit seiner Gattin verrückt geworden, hat bei paralleler Lektüre diverser Lustiger Taschenbücher Guldas Opus Anders im Fernsehen aufgeschnappt und fand auf die Schnelle weder Flügel noch Krummhorn. Als einziger Ausweg blieb, sich solidarisch mit den zu Zauberlehrlingsillustrationen genötigten Nagern aus Nibelhausen zu erklären und sich an der Spitze einer "Volksfront von Stockholm" auf den Weg zum alten Swinger Gustaf zu machen. Aller Kleidung und Würde bereits am Palasteingang beraubt, sieht sich die Gruppe zum Dem-umnachteten-Holzfäller-hinterherlaufen genötigt. Da ein solches stets in der Aporie endet, dürfte es bei dieser Gemengelage zum Massenexitus kommen, ob auf der Bühne oder im Plenum.


    LG,


    Christian

  • .

    „Bis auf die Musik ist nichts mehr Verdi.“


    Ich gehe aber davon aus, dass die Vorstellung noch immer "Un ballo in maschera" heißt, oder? Da erhebt sich jetzt aber die grundsätzliche Frage, wie weit darf eine Oper bearbeitet (Alfred hätte "zerstört" geschrieben) und dennoch als "Original" verkauft werden.


    Ich bin mir nicht sicher, dass Chorknabes Meinung wirklich haltbar ist ("Ein Regisseur als Künstler hat natürlich jederzeit das Recht, aus einem Stück zu machen, was er für richtig hält."). Hat ein "Künstler"-Regisseur wirklich keinerlei Verantwortung gegenüber dem Werk? Ist nicht spätestens mit obiger Aussage eine imaginäre Grenze überschritten, wo eine Mogelpackung verkauft wird?


    Das Problem dabei ist, dass sich die Regisseure ziemlich ungestraft austoben können, das Publikum hat kaum eine Handhabe dagegen. Wenn man wenigstens offiziell ankünden würde "nach der Oper von Verdi" oder so ähnlich (wie es in Frankreich einmal mit einem verballhornten Hoffmann geschah). Aber nein, da wird eine "Bearbeitung" als Original verhökert. Marcel Prawys Vorschlag ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, wenngleich wohl Utopie. Ich würde mich ja diebisch darüber freuen, wenn ein Premierenpublikum einmal in der Pause geschlossen zur Kasse marschierte und das Geld zurückforderte, weil nicht das angekündigte Stück gebracht wurde. Er war der Meinung (und er war ja Jurist), dass man als Publikum einen derartigen Rechtsstreit gewinnen könne, und wenn es EINMAL einen Präzedenzfall gäbe, dass ein Theater das Eintrittsgeld zurückerstatten müsste, wenn die Inszenierung nicht mehr ausreichend mit der Ankündigung übereinstimmt, dann würde sofort ein Umdenken einsetzen. Denn wenn die Regisseure um ihre Einnahmen fürchten müssten, würde sich ihr Einfallsreichtum entweder mehr an den Vorlagen orientieren oder sie müssten von vornherein so ehrlich sein und offen deklarieren, dass es sich um Bearbeitungen handelt.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Wie in einem Interview mit Dem Regisseur zu lesen war, gibt es in seiner Inszenierung wohl drei verschiedene gesellschaftliche Ebenen:


    Die Oberschicht, welche ihren Reichtum ungezügelt genießt und sich mit Machtspielen bei Laune hält.


    Die Mittelschicht, welche an dem Luxus und den Freuden der Oberschicht teilhaben will.


    Die Unterschicht, die aus der Gesellschaft herausgefallen sind, aund zu deren Lasten Ober- und Mittelschicht sich vergnügen.


    Zitat

    Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/767349/
    In Verdis "Maskenball" geht es ja um Macht und um Politik und um Liebe. Und das zu inszenieren, die ja Verdi nach Boston verlagert hat, hat mich interessiert, auf den Trümmern Amerikas diese Situation zeigen, dieses Stück zu zeigen, wo es um Liebe geht und Machtpositionen. Bei mir endet das Stück auch etwas brutaler als normal. Und ich habe dazu eine dritte Ebene gefunden. Nicht nur die Politiker und diejenigen, die an die Macht wollen, und die Mittelschicht, das ist eigentlich der Chor und so. Wir haben eine andere Geschichte dazu erfunden, das sind 35 alte Leute, nackte Menschen auf der Bühne, die nichts mehr haben. Das betrifft die Kürzungen der Renten, Ein-Euro-Jobs und, und, und. Die Armut, die immer mehr zunimmt, und die Reichen, die immer reicher werden, die haben wir versucht, in den "Maskenball" einzubauen. Was in Amerika ja ganz klar ist, da gibt es keine sozialen Strukturen. Wenn man keine Zähne hat, hat man auch keine, und wenn man kein Geld hat, kann man sie nicht kaufen. Diese Struktur ist bei uns neu in Verdi.


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello: