Händel McNuggets - Schnipsel-Hype im Handel


  • Ich frage mich gerade, was es mit diesem Zeichen von Villazón auf sich hat:
    Hat es etwas mit Händel zu tun, ist es eine mexikanisches Begrüßung
    oder hat Rolando mit boxen angefangen?


    :hello:

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Zitat

    Original von Bernhard
    PS.:Frage am Rande:
    Gibt es eigentlich für ein Händel-Bass-Arien-Album genügend Repertoire aus Händels Opern/Oratorien ?
    Oder gar schon Einspielungen "Händel für Bässe" ?


    Jibbet:



    Und ich erinnere mich noch dunkel an ein Post von Joschi oder Joseph II. mit der Vorstellung einer Box Baßarien - das Cover zierte aber interessanter Weise eine Dame... ich konnte es auf die Schnelle leider nicht ausfindig machen.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    PS.:Frage am Rande:
    Gibt es eigentlich für ein Händel-Bass-Arien-Album genügend Repertoire aus Händels Opern/Oratorien ?
    Oder gar schon Einspielungen "Händel für Bässe" ?



    jepp, und zwar gab es mal eine echt schöne Box bei Harmonia Mundi France, 4 CD's nur Händel Arien, sortiert nach dem Repertoire das seine berühmtesten Sänger hatten:



    Arias for Cuzzoni, Senesino, Durastanti und Montagnana (Bass)


    und wer hätte es gedacht ( :rolleyes: ) gerade wieder veröffentlicht worden:



    Händel: Arias for ....
    Philharmonia Baroque Orchestra / McGegan



    die CD's sahen früher so aus:





    und als Box sahen die Aufnahmen so aus, besonders schön das echt dicke Booklett mit allen Texten und vielen Infos.




    :hello:
    mir aben die Aufnahmen unglaublich gut gefallen.

  • Hallo zusammen,


    dazu ist auch noch zu sagen, dass Bryn Tervel so einiges an Transkriptionen singt, also Arien, die eigentlich gar nicht für Bass geschrieben sind.
    Dagegen handelt es sich bei den Arien für Montagnana, gesungen von David Thomas, um reine Bass-Arien. Ebenso wie dem Lullisten, gefällt auch mir diese Aufnahme sehr gut!


    Viele Grüße
    Frank

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  • Zitat

    Original von Frank1970
    dazu ist auch noch zu sagen, dass Bryn Tervel so einiges an Transkriptionen singt, also Arien, die eigentlich gar nicht für Bass geschrieben sind.


    Außer dem Ombra mai fù samt Recitativ welche sonst? Und was ist dagegen einzuwenden, dass Terfel sich auch mit diesem Ohrwurm abgibt? Die Arien stehen ja eh nicht mehr in einem Kontext, was solls also?


    Gruß! MG

  • Hallo Manuel,


    für mich spricht gar nichts dagegen, dass sich Terfel auch den Ohrwurm "Ombra mai fù" vornimmt. Ich habe die Terfel-CD selbst zu hause und habe ihn Erinnerung, dass sie mir recht gut gefiel (z.B. deutlich besser, als seine Schubert-Lied CD). Ist allerdings auch schon lange her, dass ich sie das letzte mal angehört habe. Um weitere Titel zu nennen, die transkribiert sind (falls es solche gibt), müsste ich erst selbst noch recherchieren, wenn ich wieder zu hause bin. Meine Aussage war rein aus der Erinnerung heraus.


    Was ich damit sagen wollte, war nicht, dass man an einer Händel-Cd mit Transkriptionen keine Freude haben könne!
    Ich bin da kein Purist! (ich mag z.B. auch Schuberts Winterreise oder Schumanns Dichterliebe von Frauen gesungen)


    Es sollte sich nur um einen Hinweis handeln, da ich Bernhards Ausgangsfrage:


    Zitat

    Gibt es eigentlich für ein Händel-Bass-Arien-Album genügend Repertoire aus Händels Opern/Oratorien ?
    Oder gar schon Einspielungen "Händel für Bässe" ?


    ... so verstanden hatte, dass es ihm um originale Bass-Arien ging. Wenn dann auf einer CD auch Transkriptionen drauf sind, ist dies noch nicht der rechte Beweis dafür, dass Händel genug für Bässe geschrieben hat, dass sich damit eine attraktive Arien-CD füllen lässt...


    Viele Grüße
    Frank

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  • das Problem mit solch extremen Transkriptionen war (!) dass die Opernarien ja nicht nur in eine andere Stimmlage transponiert wurden - Wunderlich etc. verunstaltete ja ganze Opernpartieren durch ihre völlig unpassende Gesangstile. Das Genöle der Sänger und der Klangbrei der Orchester der 50er und 60er Jahren passen nunmal nicht zur Barockmusik und ihrer klaren Formensprache.
    Sie mögen ja anderes Repertoire mustergültig interpretiert haben, aber dieser Interpretationsstil zusammen mit Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert war in den meisten Fällen bestenfalls gruselig.


    Mittlerweile hat man sich ja generell von diesem schmierigen ausladenden leiernden Vibrato der 50er und 60er Jahre verabschiedet.
    Und wenn Alte Musik Ensembles Heute freiwillig mit den "konventionellen" Sängern zusammen arbeiten, dann denke ich, hat sich da etwas im allgemeinen Stil etwas getan.


    Ich habe mir die Villazon Platte bei amazon mal angehört - ich würde die kaufen, wirklich schön. Selbst Kastratenarien wie Scherza infida aus Ariodante klingen beeindruckend schön.
    Händel scheint ihm doch mehr zu liegen als Monteverdi.

  • Guten Tag



    Diese Arien-Box sieht ja vielversprächend aus :yes:
    Antonio Montagnana gab sein Händeldebüt 1732 in Tamerlano;
    er überzeugte damals durch seine stimmliche Virtusität
    und dem großen Ambitus seiner Stimme; über zwei Oktaven.
    Interessierten würden mich wirklich mal paar Opernarien für Bass,
    was Händel da leisten konnte bewies er ja iin etlichen Oratorien.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Tag


    eine neuen Händelschnipsel habe ich noch in meiner Sammlung:



    mit Arien und Duette aus den Opern
    Poro, Re Delle Indie; Orlando; Radamisto; Flavio,
    Re Dei Longobardi; Tamerlano, Ezio, Rinaldo,
    Alessandro, Amadigi Di Gaula; Ottone,u. Re Di Germania;


    von Sandrine Piau und Sara Mingardo, begleitet vom Concerto Italiano ,
    als Gipfeltreffen zweier Barock-Interpretinnen zum Besten gegeben.
    Mit dem Concerto Italiano haben sie ein adäquat agierendes Barockensemble an ihrer Seite.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Händel-Schnipsel, bzw. Alcina-Schnipsel (Arien & Suiten), mit Christine Schäfer (servus brighella :hello: ) und den Berliner Barock Solisten


  • Guten Abend


    neu auf dem Markt, diesmal:


    "Händel-Chor-Schnipsel"



    Georg Friedrich Händel


    Chöre aus Israel in Ägypten, Alexander's Feast, L'Allegro, il
    Penseroso ed il Moderato, Samson, Belshazzar, Athalia,
    Hercules, Joshua, Judas Maccabaeus, Solomon, Theodora u.
    Messias.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Beliebt bei der Schnipsel-Zusammenstellung sind ja die bereits genannten Duette. Während die meisten davon für Sopran und Alt bzw. für zwei Soprane geschrieben sind, gibt es auch m.W.auch vier selbstständige Duette für Sopran und Bass:
    HWV 184: Che vai pensando
    HWV 187: Giù nei Tartarei
    HWV 191: Quando in calmaride il mare
    HWV 196: Tacete ohimè.


    Ich habe aber bisher keine Aufnahmen dazu gefunden. Kann mir da jemand bei meiner "Schnipseljagt" helfen?


    Beste Grüße
    MG

  • Diese CD ist eigentlich nicht mehr erhältlich. Über Ebay konnte ich sie gaaanz billig bekommen:



    Händel: Opern-Arien
    Nathalie Stutzmann, Hanover Band, Roy Goodman


    Eine schöne und empfehlenswerte CD ist das mit einer "wirklichen" Altistin, eine sinnliche und ausdrucksstarke Stimme, "erotisch und warm" heißt es treffend in einer Besprechung. Stimmt. :yes: .
    Besonders gut gefällt mir die Arie Qui l'augel di pianta in pianta aus Händels Frühwerk Aci, Galatea, e Polifemo. Traumhaft. Ich habe mir gleich die ganze Oper bestellt (in anderer Besetzung, mit der Stutzmann gibt es die leider nicht).


    Freundliche Grüße von Andrew :hello: (Wird dieser W-mann nach dem 6. Januar wird zurücktransformiert? Bitte ja.)

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Ildebrando D'Árcangelo hatte auch seine "Schnipsel" vorgestellt.
    Das Bild kann ich nicht hochladen, aber den Inhalt zitieren:


    Agrippina, HWV 6 (original version)
    Orlando (Original Version)
    Siroe, Re di Persia HWV 24 (Siroe, Re di Persia HWV 24)
    Rodelinda, Regina de' Langobardi (Original Version)
    Ariodante HWV 33 (original version)
    Aci, Galatea e Polifemo HWV 72
    Rinaldo (Original Version) Orlando (Original Version)
    Serse (Original Version)Serse (Xerxes)
    Ezio or Aetius, 1732 (Original Version)
    Giulio Cesare in Egitto HWV 17 (Original Version)



    Produktinfo


    Rund 2000 Soloarien hat Georg Friedrich Händel komponiert. Neben den
    Arien für Kastraten hat Händel auch die Bassbariton-Regionen mit mal
    virtuos kullernden, mal herzzerreißend funkelnden Vokalperlen bedacht.
    Ildebrando d’Arcangelo hat mit Modo Antiquo jene Basswunder-Arien aus
    Opern wie »Orlando« und »Giulio Cesare« aufgenommen, die für die
    Stimmkollegen von einst maßgeschneidert wurden."


    Ich finde diese Scheibe viel eindrucksvoller als diejenige von Terfel ( die mich seinerzeit enttäuschte). Arcangelo musste teilweise in tiefste Tiefen steigen (Polifemo) und er kann es. Sicher hat das Mikro Töne verstärkt. die andernfalls nicht besonders laut wären.


    Mindestens gleichwertig:


    Arien aus Siroe, Orlando, Agrippina, Xerxes, Alcina,
    Tamerlano sowie aus den Kantaten "Dalla guerra amorosa"
    & "Apollo e Dafne"
    Lorenzo Regazzo, Gemma Bertagnolli, Concerto Italiano,
    Rinaldo Alessandrini



    Beide Scheiben sind sehr empfehlenswert. :jubel:

  • Hallo Andrew,


    Diese CD ist eigentlich nicht mehr erhältlich. Über Ebay konnte ich sie gaaanz billig bekommen:



    Händel: Opern-Arien
    Nathalie Stutzmann, Hanover Band, Roy Goodman


    Wie schon weiter oben hier im Thread zu lesen ist, teile ich deine Begeisterung für diese Aufnahme vollkommen! :)


    Noch regulär im Handel erhältlich (zumindest momentan mit einem Exemplar bei Amazon) ist diese Ausgabe hier:



    Schöner finde ich aber auch die Originalausgabe, die zudem beim Amazon-Marketplace auch noch günstiger zu haben ist.


    Kennt denn sonst hier noch jemand die wunderbare Aufnahme "My Personal Handel Collection" von Lynne Dawson, die ich hier vor etwa 2 Jahren schon genannt hatte?
    Lange Zeit lang wurde sie bei JPC für 4,99 Euro angeboten. Jetzt ist sie leider wieder etwas teurer geworden, jedoch trotzdem jeden Cent wert! :)


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
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  • Hallo,


    jetzt möchte ich mich doch auch mal in diese alte Diskussion einschalten. Meiner Meinung nach, ist es Händels Schicksal, seit 1950 zum "Steinbruch-Komponisten" geworden zu sein. SängerInnen, die gerade in sind, nehmen besonders berühmte Arien auf, egal ob sie hierfür über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, oder nicht. Die Musik Händels wurde zum Hit-Steinbruch. Noch eines: Mir steht nicht an, Lullists Meisterrang zu untergraben, aber bezüglich der Händel Aufnahmen Wunderlichs habe ich eine dezidiert andere Meinung. Wunderlichs Interpretationen in Alcina, Julius Caesar und Xerxes werden auch von Kennern als musikalisch hochkompetent beschrieben, so beispielsweise von Jürgen Kesting. Ich teile diese Meinung! Es gibt eben für Barockmusik eine Epochengrenze der Interpretation: Die Zeit vor dem Aufkommen von Orchestern mit Original-Instrumentierung und von Countertenören, Altisten und Sopranisten und die Zeit danach, unsere heutige.


    Gruß,


    Antalwin


  • jetzt möchte ich mich doch auch mal in diese alte Diskussion einschalten. Meiner Meinung nach, ist es Händels Schicksal, seit 1950 zum "Steinbruch-Komponisten" geworden zu sein. SängerInnen, die gerade in sind, nehmen besonders berühmte Arien auf, egal ob sie hierfür über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, oder nicht. Die Musik Händels wurde zum Hit-Steinbruch.


    Während vor Mitte der 1960er überhaupt nur eine kleine Anzahl von Werken und die meistens in massiven Bearbeitungen aufgeführt wurde...



    Zitat

    Noch eines: Mir steht nicht an, Lullists Meisterrang zu untergraben, aber bezüglich der Händel Aufnahmen Wunderlichs habe ich eine dezidiert andere Meinung. Wunderlichs Interpretationen in Alcina, Julius Caesar und Xerxes werden auch von Kennern als musikalisch hochkompetent beschrieben, so beispielsweise von Jürgen Kesting. Ich teile diese Meinung ! Es gibt eben für Barockmusik eine Epochengrenze der Interpretation: Die Zeit vor dem Aufkommen von Orchestern mit Original-Instrumentierung und von Countertenören, Altisten und Sopranisten und die Zeit danach, unsere heutige.


    Es ist ja nicht so, dass es ungeachtet der Händel-Festspiele so etwas wie eine langjährige Tradition und verbreitete Aufführungen Händelscher Opern vor dem Aufkommen der historisierenden Praxis gegeben hätte. Sie wurden weitestgehend ignoriert und wenn, dann stark bearbeitet aufgeführt. Vieles davon war schon "Proto-HIP" und die Konsequenz es dann mal mit den originalen Lagen und Besetzungen und mit koloraturfähigen Sängern zu probieren war naheliegend.


    Ungeachtet Stilgefühl und Tauglichkeit einer Stimme für Koloraturen, ist es doch unzweifelhaft ein großer Unterschied, ob ein Duett von Sopran/Alt oder von Tenor/Alt gesungen wird.
    Was würden die Opernfreunde sagen, wenn jemand auf die Idee käme, dass Octavian und Cherubino wohl doch schon aus dem Stimmbruch gewesen seien und die gegenüber der Marschallin bzw. Gräfin mit jugendlichen Tenören besetzten! :D
    Bei Händel soll man dagegen die Mutation von Cäsar zum Bariton oder Ruggiero zum Tenor als angemessen akzeptieren? :rolleyes:


    Der historische Rang dieser Pioniertaten wird m.E. nicht dadurch geschmälert, dass man deutlich macht, dass das ein stilistisch sehr fragwürdiges Vorgehen gewesen ist.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)