Lehar: Friederike

  • Kann mir jemand etwas zur Operette "Friederike" von Lehar erzählen? (abgesehen vom hiesigen Operettenführer, den habe ich schon konsultiert)


    Gibt es eine empfehlenswerte Aufnahme?
    Inwieweit lehnt sich die Geschichte an "wahre Begebenheiten" an und kann man das Libretto als "seriös" bezeichnen?
    Wie ist die Musik im Vergleich zu den anderen Lehars?
    Ist da eine eher unkannte Operette oder scheint mir das nur so?


    Kann jemand etwas Genaueres zu einem "Lied vom Heidenröslein" sagen?


    Danke .


    F.Q.

  • Liebe Fairy,


    FRIEDERIKE (Uraufführung 1928 ) verdient ihren verdrängten Status, denn sie gehört m. E. zu den schwächeren, weil besonders sentimentalen Operetten Lehars aus der Zeit, als er deutliche Opernambitionen hatte und dafür besonders schwelgerischen Gefühlskitsch erzeugte. Sie entstand unmittelbar vor dem LAND DES LÄCHELNS. Die treuherzige Geschichte nach Elementen aus Goethes Biographie um das Pfarrerstöchterlein Friedrike, die sich in den jungen Studenten Goethe verliebt, schließlich aber auf ihn verzichtet und eine Liebe zu seinem Freund Lenz vortäuscht, damit er nach Weimar gehen und seiner höheren Bestimmung folgen kann, "der Welt zu gehören", ist an Edelkitsch kaum zu übertreffen.


    Dennoch gibt es wie in jedem Werk Lehars auch sehr gelungene Passagen und melodische Einfälle. Seine hochprofessionelle und durchaus anspruchsvolle Orchesterbehandlung ist in jedem Fall bemerkenswert. Ich kannte lange nur die bekannten Highlights ("O Mädchen, mein Mädchen"; "Warum hast du mich wachgeküsst" und natürlich "Sah ein Knab ein Röslein steh'n"). Sie wurde wurde aber erst am 9. März im Münchener Prinzregententheater unter Ulf Schirmer aufgeführt und von Bayern 4 Klassik ausgestrahlt. Es sangen u. a.
    Friederike - Kristiane Kaiser
    Salomea - Sylvia Schwartz
    Goethe - Klaus Florian Vogt
    Lenz - Daniel Behle


    Diese Aufnahme, die ich zufällig mitgeschnitten und kürzlich gehört habe, ist eine sehr gute und wird dem Werk m. E. sehr gut gerecht.


    Kommerziell gibt es m. W. nur diverse Aufnahmen des Hits "Oh Mädchen, mein Mädchen", der in der Operette immer wieder anklingt, sowie diesen Querschnitt mit Erika Köth und Rudolf Schock:



    Der ist zwar extrem kurz, aber sehr gut gesungen und bietet noch zwei weitere Lehar-Querschnitte zu einem günstigen Preis. Es gibt übrigens auch einen uerschnitt in französischer Sprache, nämlich diesen bei Naxos, mit dem man auch noch einige weitere Lehar-Appetithäppchen bekommt:



    Zu dessen Qualität kann ich aber nichts sagen.


    Soviel für's Erste


    :hello: Rideamus

  • Das Libretto gilt nicht als seriös, eine Gesamtaufnahme ist mir leider auch nicht bekannt.


    Vom Aufbau her folgt die Operette in etwa dem Handlungsschema, das sich auch in "Land des Lächelns" und vor allem in "Der Zarewitsch" findet: zwei junge Leute verlieben sich ineinander, die junge Frau verzichtet auf den Geliebten, um seiner Berufung nicht im Weg zu sein.


    Johann Wolfgang (von) Goethe und Friederike Brion haben tatsächlich gelebt und sie zählt (zumindest in der Literaturgeschichte) zu jenen Frauen, die sein Schaffen beeinflusst haben.


    Für die Operette wurden einigen Gedichte von Goethe verwendet (oder "verkitscht", wie es in der Kritik gewöhnlich heißt).
    _________


    PS: Ich sehe gerade, dass sich mein Beitrag, mit dem von Rideamus überschnitten hat und eigentlich überflüssig ist. =)

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

    Einmal editiert, zuletzt von Waltrada ()

  • Hallo Fairy,


    die Operette kenne ich nicht. Vielleicht ist dir aber diese Information dienlich: Ommer führt in seinem Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen neben vier Querschnitten nur eine Gesamtaufnahme, diese:



    Die bei amazon zu findende, Rideamus bestätigende Kundenrezension gibt dir weitere Antworten (klicke einfach auf das Bild).


    Lieben Gruß
    Thomas

  • Dankeschön! :angel:
    Ihr seid ja wirklich so was von schnell und zuverlässig hier, dass ich immer noch überrascht bin, obschon ich es langsam besser wissen müsste.


    Mir schien diese Geschichte schon, als ich die Inhaltsangabe las, arg verkitscht zu sein- aber das trifft ja nun auf viele Operetten zu.
    Es wird nur vielleicht etwas schwieriger für die Zuhörer, wenn es sich um berühmte Personen der Welt-Geschichte/Kulturgeschichte wie heir Goethe und Friederike Brion handelt.
    Welche Goethe-Gedichte sind denn darinnen ausser "O Mädchen wie lieb ich dich" und "Heideröslein" noch vertont?
    Das mal mit den entsprechenden Kunstlied-Vertonungen zu vergleichen, finde ich gar nciht so uninteressant, denn ich halte Lehar eigentlich für einen musikalisch sehr fähigen Komponisten.
    Hat z.B dieses Heidenröslein hier irgendwelche Anklänge an die berühmte Schubert-Vertonung?


    Fairy Queen

  • Liebe Fairy,


    Zitat

    Mir schien diese Geschichte schon, als ich die Inhaltsangabe las, arg verkitscht zu sein- aber das trifft ja nun auf viele Operetten zu.


    Das ist mir eine zu pauschale Abkanzelung von Operetten. Wir hatten das Thema Kitsch und Kunst schon einmal und kamen darin im Prinzip zu keinem vernünftigem Ende. Es kann ja sein, dass es Operetten gibt, die kitschig sind, aber die meistens sind es meiner Meinung nach nicht.


    Selbst wenn diese Operette kitschig ist, so gibt es doch die schon angesprochenen Ohrwürmer die es wert sind gehört, beachtet und auch gesungen zu werden.


    LG


    Maggie

  • Liebe Maggie, wenn ich Operetten pauschal abkanzeln würde, würde ich mich weder damit befassen, noch solche Threads hier erôffnen, noch gar Operettenarien singen.
    Was man persönlich als Kitsch betrachtet, hängt von vielen Faktoren ab. Für mcih sind etliche Operetten-so wie Rideamus eszur Friederike schreibt : "Edelkitsch", mit gut gemachter Musik, keine Frage.
    Andere wiederum(wie z.B. Offenbach oder geistreich-witzige Werke wie" Die Fledermaus") sind meilenweit davon entfernt.
    Zu denen , die allein schon beim Wort "Operette" die Nase rümpfen, gehöre ich jedenfalls nciht. :no:
    Mir fällt es auch gar nciht schwer, den sentimentalsten Kitsch zu singen. Im Gegenteil das macht sogar besonderen Spass, weil ich dann mal richtig schamlos sein Hirn und all die intellektuellen Bedenken ausschalten darf. Eine recht neue und sehr angenehme Erfahrung, die ich mit Operette gemacht habe.
    Beim Hören fällt mir das leider deutlich schwerer.
    Viele Puccini-Opern finde ich im übrigen nciht weniger kitschig als die schlimmste Operette.


    Aber und das ist ein entscheidendes Aber: wer sagt denn überhaupt, dass Kitsch keine Existenzberechtigung hat?
    Kitsch kann eine sehr gute und heilsame Sache sein und ich habe kein Problem damit zuzugeben, dass ich mir manchen Kitsch an manchen Tagen mit Vorliebe "reinziehe" . Auch zu autotherapeuthischen Zwecken . An trüben Tagen eine Riesenportion Edelkitsch macht gleich die Sonne wieder scheinen. :]


    Allerdings ändert das bei mir ncihts an der Erkenntnis, dass es sich um Kitsch handelt.


    F.Q.

  • Liebe Fairy,


    dann sind wir also einer Meinung.


    Ok, was der einzelne als Kitsch bezeichnet ist ein weites Feld, das zu beackern schwerlich möglich ist. Ich halte die wenigsten Operetten für Kitsch, aber natürlich es gibt kitschige Operetten wie Opern.


    Es freut mich, dass Du die Operette nichtsdestotrotz als Kunstform betrachtest und dich damit entsprechend beschäftigst.


    LG


    Maggie

  • Liebe Maggie,


    natürlich wird der Vorwurf des Kitsches gerne all zu pauschal und oft auch als Totschlagargument verwandt.


    Natürlich hat auch Fairy Recht, wenn sie sich und anderen zubilligt, gelegentlich auch ganz gerne in solchem Kitsch zu versinken oder sich damit aufzubauen. Des einen Kitsch ist eben des anderen Seelenbalsam, und nicht selten gilt das zu verschiedenen Zeiten für ein und dieselbe Person.


    Und schließlich: Kitsch, wie immer man den definieren mag, gibt es, weiß Gott, auch in der Oper, und nicht nur bei Puccini. Auch Richard Strauss und Bernstein, bekanntlich Komponisten, die ich in vielem schätze, haben da gelegentlich tief in die Kiste gegriffen, von Leuten wie etwa Kienzl oder Mascagni nebst vielen anderen Veristen ganz zu schweigen. Schon der Biedermeier hat nicht von ungefähr den selben Wortvorfahren wie Anbiederung, und nicht zufällig fällt eine Häufung des Kitsches auf der Opernbühne mit der Geschichte der Operette zusammen, die mit einem (noch) stärkeren Hang zur Popularität auch einen besonders starken zum Kitsch entwickelt hat, der in den frühen Operetten weit weniger ausgeprägt war. Wo da das Huhn und wo das Ei ist, sei mal dahin gestellt, denn das wird kaum zu klären sein. Schon deshalb würde ich nie so weit gehen, die Operette als Ganzes zur kitschigen Gattung zu erklären, und ich hoffe, hier nicht nur einmal deutlich gemacht zu haben, dass ich die Gattung genug schätze um sie auch mehr als ein bisschen zu kennen.


    Manchmal muss man die Operette aber auch gegen ihre Auswüchse verteidigen, denn die haben wesentlich dazu beigetragen, sie in Verruf zu bringen. Das begann zunächst einmal bei den Textbüchern, und da stehen Werke wie DAS DREIMÄDERLHAUS und eben FRIEDERIKE (eigentlich der ganze Lehar der sogenannten Silbernen Epoche der Operette) ganz weit vorne.


    Das hat mit den Ohrwürmern erst einmal nichts zu tun, denn die gibt es in grandiosen Operetten, die völlig unverdächtig des Kitsches sind, ebenso wie in den Klassikern der wehmütigen bis sentimentalen Operette (die sind es ja vor allem, die zum Kitsch nicht nur neigen) und auch der Oper. Die Ohrwürmer sind und bleiben eingängig und gefällig, und das Publikum liebt sie so sehr dafür, dass es sich den Spaß daran nicht verderben lassen will. Man lese nur mal nach, was hier alles über Konwitschniys LUSTIGE WITWE geschrieben wurde, die m. E. das Werk mit einigem Erfolg gegen diesen Strich gebürstet hat und entsprechend heftige Proteste erntete. Dabei wäre gerade ein solcher Versuch, der ja auch Lehars Qualitäten frei gelegt hat, durchaus geeignet, ihn und die Operette allgemein von der pauschalen Verachtung zu erlösen. Auch FRIEDERIKE hat sehr gelungene Passagen, die nur leider vom Textbuch so gründlich unterminiert werden, dass mir hier ein Gegen-den-Strich-Bürsten hoffnungslos erscheint, und das beileibe nicht nur, weil es hier um Goethe geht.


    Aber das führt viel weiter, als dieser Thread beabsichtig. Ich werde mich gelegentlich mal intensiver mit dem Kitsch-Thread beschäftigen. Vielleicht lohnt er ja ein Wiederaufnehmen, wenn sich die über den späten Frühling vergrätzten und deshalb, wie in anderen Threads deutlich wird, derzeit arg angriffslustigen Gemüter etwas beruhigt haben.


    Hier nur soviel: wenn ich mit solchen Vorwürfen um mich werfe, dann nicht um die Operette an sich verächtlich zu machen, sondern, ganz im Gegenteil um den Ruf der wirklich guten Operetten hörbarer zu machen, die es nämlich auch zuhauf gibt. Allerdings sind die meist eher komisch als sentimental, und sicher auch das nicht von ungefähr.


    :hello: Rideamus


    PS @ Fairy: wenn Du Thomas' obigem HInweis folgst und mal bei Amazon die Seite der Gesamtaufnahme aufschlägst, wirst Du wahrscheinlich schon eine ganze Reihe benutzter, wenn auch nicht durchweg vertonter Goethe-Gedichte wiedererkennen. Ich bin da leider nicht so firm wie Du. Da kannst Du auch kurz in das Leharsche Heideröslein hinein hören, das auf meiner Aufnahme der Münchner FRIEDERIKE leider fehlt, wie ich beim Querhören feststellen musste. Da scheint nämlich ein erklecklicher Teil des Ersten Aktes zu fehlen und gibt es leider auch zahlreiche Tonstörungen - warum, kann ich mir derzeit nicht erklären. Hat zufällig jemand die Sendung auch mitgeschnitten und besitzt eine bessere und vollständigere Aufnahme?

  • Zitat


    Original von Fairy Queen
    Welche Goethe-Gedichte sind denn darinnen ausser "O Mädchen wie lieb ich dich" und "Heideröslein" noch vertont?Welche Goethe-Gedichte sind denn darinnen ausser "O Mädchen wie lieb ich dich" und "Heideröslein" noch vertont?
    Das mal mit den entsprechenden Kunstlied-Vertonungen zu vergleichen, finde ich gar nciht so uninteressant, denn ich halte Lehar eigentlich für einen musikalisch sehr fähigen Komponisten.
    Hat z.B dieses Heidenröslein hier irgendwelche Anklänge an die berühmte Schubert-Vertonung?


    Von Goethes Mailied wurde in Friederike nur der Vers "Oh Mädchen, mein Mädchen, wie lieb ich dich" original übernommen.


    Soweit mir bekannt, sind außer dem Heideröslein keine weiteren Gedichte in Friederike vertont. Die Melodie bei Lehar - wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, ich habe keine Aufnahme - lehnt sich an die volksliedhafte Vertonung von Heinrich Werner an.


    :hello:


    Emotione

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  • Lieber Rideamus,


    vielen Dank für Dein Posting.


    Zitat

    natürlich wird der Vorwurf des Kitsches gerne all zu pauschal und oft auch als Totschlagargument verwandt.


    Genau das war meine Befürchtung. Da wir alle wie die Postings beweisen letztendlich einer Meinung sind, glaube ich das wir dieses Thema an dieser Stelle nicht weiter vertiefen müssen.


    Die Kitsch - Kunst Diskussion als solche ist natürlich interessant, aber ich fürchte auch, sie ist bodenlos. :D


    LG


    Maggie

  • Ich habe mir die Titelliste bei Amazon angesehen(allein daraus kann man schon auf erhöhten Kitsch-Alarm schliessen :untertauch:) und finde da auch keine weiteren Goethe-Zeilen. Vielleicht hatte Lehar auch schon Copy-Right -Probleme...... :D
    Leider klappt es mit dem Hörbeispiel bislang nicht. Muss man sich da vorher irgendwas runterladen? Ich habe Music-Match ,womit ich normalerweise Hörproben abspiele.


    Was Kitsch in der Operette allgemein angeht, wäre das sicher ein serh gutes Thema.
    Es ist doch kein Beinbruch zuzugeben, dass man ab und an (oder je nach Fall sogar immer ;)) Kitsch liebt.
    Viel schwiergier fände ich das Beharren darauf, es handele sich bei so rührseligen Goethe-Verzerrungen wie sie hier anscheinend vorliegen, NICHT um Kitsch. Was ist denn dann Goethe, wenn das kein Kitsch ist? ?(



    Lieber Rideamus in meinem Garten ist heute ganz rosa-violett kitschig die Glyzinie aufgegangen. Also der Frühling ist endlich da und nix mehr mit vergrätzten Aggressionen :]


    F.Q.


    Liebe Maggie, wir haben uns gekreuzt. Ich fidne das Thema trotzdem diskussionswürdig und denke nciht, dass da Alle einer Meinung sind. Es gibt genug Leute, auc hhier im Forum, die Operette schon gar nciht erst hören wollen , wegen des Kitschvorwurfs. Solche verweise ich immer an Offenbach, da werden sie Ratz-fatz eiens Besseren belehrt. :yes:

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Leider klappt es mit dem Hörbeispiel bislang nicht. Muss man sich da vorher irgendwas runterladen? Ich habe Music-Match ,womit ich normalerweise Hörproben abspiele.


    Ich fürchte, der Ausschnitt wäre ohnehin zu kurz für das Heideröslein, weil es das letzte von drei Stücken ist, die in dem Track zusammenhängen. Ich habe mir aber inzwischen eine Alternativaufnahme herunter geladen, die das Heideröslein enthält. Es ist von ähnlicher Schlichtheid wie die bekannte volksloedartige Vertonung, auf die Emotione hinwies, hat aber eine (dezidiert?) andere Melodie. Den Schubert habe ich wiederum nicht mehr im Ohr oder Regal. Ich denke aber, die Melodie stammt von Lehar. Übrigens ist es keine Sopranlied, sondern wird von Goethe (Tenor) gesungen und später als Auftakt eines (anders verlaufenden) Duetts mit Friederike zum Finale des Ersten Aktes noch einmal aufgegriffen.


    Die Münchner Aufführung, die es auch über OperaShare gibt (ich weiß, aber...), ist übrigens sehr gut. Wenn die Hauptdarsteller auch nicht ganz an Erika Köth und Rudolf Schock heranreichen, so singen und spielen sie das Ganze doch erfreulich unpathetisch - soweit Text und Musik das zulassen - und lassen so die Musik, in der Ulf Schirmer nicht ganz zu Unrecht schwelgt, als sei sie eine Kreuzung aus Strauss und Puccini, in denkbar bestem Licht erscheinen - besonders für diejenigen, die das mögen. Ich könnte mir vorstellen, dass es davon mal eine cd geben wird. Verdient hätte sie es.


    Zitat


    der Frühling ist endlich da und nix mehr mit vergrätzten Aggressionen :]


    Das freut mich. Du warst aber auch gar nicht gemeint. Ich fürchte nur, das Kitsch-Thema ist ähnlich geladen wie die anderen K-Themen Karajan oder Kleinmeister (von Musikanalyse ganz zu schweigen) und möchte das Thema nicht in dieser allgemeinen Stimmungslage aufgreifen. Zudem würde es zum Thema Kitsch in der FRIEDERIKE unvermeidlich sein, Texte und Musik zu zitieren, da kaum jemand das ganze Stück kennt, und da käme dann auch noch die aktuelle Copyright-Diskussion bzw. ihr sehr realer rechtlicher Hintergrund dazu.


    Aber mal sehen, was sich da zu gegebener Zeit machen lässt, wenn das Interesse vorhalten sollte.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Ich fürchte nur, das Kitsch-Thema ist ähnlich geladen wie Karajan oder Kleinmeister (von Musikanalyse ganz zu schweigen) und möchte das Thema nicht in dieser allgemeinen Stimmungslage aufgreifen.


    Lieber Rideamus,


    "geladen" sein kann jedes Thema, wenn man sich darum bemüht. Meist ist nicht das Thema daran schuld, sondern ein Thema wird umgedreht, um andere Rechnung aufzumachen oder zu begleichen. Wenn wir uns einig sind, dass Operette weder verächtlich, noch besser oder schlechter als Oper ist, dass es kein Zeichen mangelnden Geschmackes ist, wenn man Operette liebt - und wenn man Bachs h-moll-Messe mit der Gräfin Maritza vergleicht, eben Äpfel mit Birnen vergleicht, dann dürfte es doch gut sein.


    Was Kitsch ist, lässt sich auch nicht vorneherein sagen - und sobald jemand ein von ihm geliebtes Werk unter dem Kitsch-Vorwurf sieht, werden dann aus der Defensive heraus auch aggressive Emotionen wach. Aber da ein zentraler Begriff des Kitsches seine Unwahrheit ist, Wahrheit aber von keinem gepachtet werden kann, sollte auch dies in einem von guten Manieren gekennzeichneten Diskussionsklima überlegt werden können.


    Bekanntlicherweise kann auch das Gespräch über Bäume seine Gefahren haben ...


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Peter,


    d'accord


    Zitat

    Was Kitsch ist, lässt sich auch nicht vorneherein sagen - und sobald jemand ein von ihm geliebtes Werk unter dem Kitsch-Vorwurf sieht, werden dann aus der Defensive heraus auch aggressive Emotionen wach.


    Wie wahr!! Daher fühlte ich mich auch herausgefordert auf Fairys Posting zu reagieren. Denn ich ging davon aus, das sie die Operetten als solche für Kitsch hält. Und das konnte und wollte ich so nicht stehen lassen.


    Das Thema Kitsch oder Kunst als solches ist auf jeden Fall interessant, aber in diesem Thread geht es um die Operette Friedericke und darum wollte ich das Thema hier nicht weiterdiskutieren.


    LG


    Maggie

  • Habe die Gesamtaufnahme auf LPs


    Finde diese Operette nicht ganz gelungen, ist wahrscheinlich auf Richard Tauber zugeschnitten,


    und trotz Dallapozza und Donath,


    etwas fade.


    Vielleicht ist es nur meine Meinung.


    Außer den erwähnten "O Mädchen, mein Mädchen" und "Warum hast du mich wachgeküsst" eventuell noch "Sah ein Knab ein Röslein stehen", etwas verkrampft.


    Da gefällt mir der "Rastelbinder" bedeutend besser - bitte aber der ist ja um die Zeit der Lustigen Witwe entstanden.


    Schöne Grüße aus Wien. Peter

  • Zitat

    Original von Maggie


    Das Thema Kitsch oder Kunst als solches ist auf jeden Fall interessant, aber in diesem Thread geht es um die Operette Friedericke und darum wollte ich das Thema hier nicht weiterdiskutieren.


    Liebe Maggie,


    damit bin ich auch gern einverstanden. Deshalb verweise ich mal auf meine Post in dem angesprochenen Thread, wo wir das Thema Kitsch gerade am Thema Lehar schon mal diskutiert haben: Kitsch in der Klassik


    Vielleicht will jemand das Thema dort weiterführen. Dann gebe ich auch gerne meinen Senf dazu, aber ich habe dort schon mal das meiste von dem geschrieben, was mir auch heute noch dazu einfällt.


    Am konkreten Fall Goethe und Friederike lässt sich jedenfalls auch ohne ausführliche Zitate feststellen, dass da nicht nur die bereits angesprochene Authentizität (u. a. der Gefühle) fehlt, sondern auch eine (mindestens für mich) kaum erträgliche Verflachung des Themas festzustellen ist. Das liegt bestimmt nicht an einer Vergötzung Goethes durch mich und ist natürlich nicht allein Lehar anzulasten, wie am Beispiel "Heideröslein" deutlich wird. Dieses Gedicht ist nämlich schon in dem bereits angesprochenen Volkslied verkitscht worden - jedenfalls aus heutiger Sicht.


    Das aber bringt einen weiteren Aspekt auf, der in dem Kitsch-Thread nur leicht angerissen wurde: Talleyrands berühmter Spruch, dass Hochverrat eine Frage des Datums sei, gilt nämlich auch, wenn nicht erst recht, für die Wahrnehmung von Kitsch. Die allerdings brachten im Falle der FRIEDERIKE
    meines Wissens schon die zeitgenössischen Kritiker zum Ausdruck, ist also kein neueres Phänomen.


    Der Wiener Peter bringt da einen ganz richtigen Aspekt ein, wobei ich den Grund für seine Kritik allerdings auch darin sehe, dass die (mir nicht bekannte) Aufnahme, auf die er sich bezieht, ziemlich langweilig geraten zu sein scheint, wenn man der Kurzbesprechung eines Käufers in Amazon trauen darf, die in das gleiche Horn stößt. Bei Ulf Schirmer hingegen finde ich das Werk und die Aufführung keineswegs langweilig. Das Problem ist eher, dass die Musik und besonders die Orchestrierung im Gegensatz zu der Schlichtheit der Handlung (geschweige denn der Banalität der Texte) geradezu hypertroph ist. Um es bildhaft zu umschreiben: das arme Heideröslein wird in einem orchestralen Meer von Süßwasser ersäuft, das Goethe, Friederike & Co. gleich mitreißt. Da können die Ohrwürmer nur noch punkten, wenn sie in voller Inbrunst geschmettert werden, was aber mehr für kräftige Lungen als für kraftvolle Gefühle spricht. Deren Aufbereitung merkt man eben dauernd an, dass sie nicht nur auf Richard Tauber, sondern spätestens von dem Orgeleinsatz und den tirilierenden Flöten in der Einleitung an vor allem auf die maximale Reizung der Tränendrüsen der Zuschauer zugeschnitten sind. Und das in einer Weise, die über jede Geschmacksfrage hinaus totaler Overkill - und deshalb unwahrhaftiger Kitsch ist. Da fehlt wirklich (wenn überhaupt) nur noch so etwas wie ein "Selig sind, die Entsagung leiden".


    Trotzdem: ich empfand es als lohnend, die Operette anlässlich dieses Threads jetzt doch noch einmal durchzuhören - zumal in der Schirmer-Darbietung. Wie immer bei Lehar, gibt es nämlich auch in diesem Stück mehr, als die süßliche Oberfläche vermutet lässt, und das lohnt das Kennenlernen durchaus, wenn man so viel Zuckerwerk auf einmal ohne Verstimmung des kunstvoll sensibilisierten Magens vertragen kann. Dann doch lieber das im Buch nicht weniger schlichte, aber viel mehr differenzierende Zuckerwerk Humperdincks, der auch die schlimme Realität des Lebens zulässt, von der in FRIEDERIKE bezeichnenderweise so gut wie nirgendwo die Rede ist.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    ...
    Viele Puccini-Opern finde ich im übrigen nciht weniger kitschig als die schlimmste Operette.
    ...


    Gleich viele? Dann lass mal hören!


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Warum? Damit Du wieder einen Grund mehr hast,(verbal)" über mich herzufallen"? ?(


    Aber ich tu Dir den Gefallen als geborene Masochistin ja gerne :D :


    Ganz schrecklich finde ich: Manon Lescaut und Suor Angelica


    Etwas erträglicher aber immer noch nur in Portionen und mit sehr guten Stimmen zu hören: La Bohème und Madama Butterfly


    Gut ertragen kann ich Turandot und Tosca-einmal im Jahr.


    Die Anderen kenne ich nur auszugsweise, da mein nicht vorhandener Puccini-Bedarf mehr als gedeckt ist. Ich habe auch ausser Tosca und Bohème(nur wegen der Sänger!!!) keine einzige Puccini-Gesamtaufnahme.


    So , das reicht dir ja nun sicher. :untertauch:


    Dass das Ganze hier OT ist, ist nciht meine Schuld, lösche es also jederzeit gerne :yes:


    F.Q.

  • Liebe Fairy,


    "O Mädchen, mein Mädchen" singen leider viele Tenöre relativ kitschig, aber wie man es atemberaubend singt, habe ich nur von József Simándy gehört. Ungarisch gesungen klingt es sowieso fast besser als deutsch (" Ó lányka, ó lányka"). Das ist - so von ferne hingetippt - natürlich für Dich nur graue Theorie. Ich habe die Arie noch auf LP, Du mußt also nach Wien kommen, um sie Dir vorspielen zu lassen. Wie ich Dich inzwischen zu kennen glaube, müßte es Dir gefallen.


    LG


    Waldi
    (und es liegt nicht daran, daß ich gerade erst aus dem Ungarland heimgekehrt bin)

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  • Ich glaube, das Haupttproblem ist gar nicht so sehr der Kitsch selbst, sondern die musikalische (und auch die szenische) Umsetzung, die in diesem Fall doch sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert.


    Herzliche Grüße
    Waltrada


    PS für Fairy:


    Ich kann mit Puccini persönlich eher wenig anfangen, obwohl ich finde, dass er musikalisch schöne Momente hat. Die einzige Oper von ihm, die übrigens tatsächlich gerne höre, ist "La Fanciulla del West", die keinen unbedingt guten Ruf hat.

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?


  • Da fange ich gleich gar nicht an. Hat ja keinen Sinn. Bei dir scheint in Sachen Puccini ohnehin Hopfen und Malz verloren zu sein... ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • 1. Genau!
    2. Endlich die richtige Strategie gefunden! :]



    Zurück zu Lehar: dieser wird ja nicht selten als der Puccini der Operette bezeichnet, also dürfte die "Kitsch-Parallele" auch nciht grossartig in Erstaunen versetzen. Was nciht heisst, dass es sich nicht um zwei sehr fähige Komponisten handelte. Siehe oben: Kitsch hat m.E. durchaus eine wichtige Existenzberechtigung und ich möchte nciht darauf verzcihten müssen.
    Es ist aber für die allgemeine geistige Hygiene dennoch wünschenswert ihn als Solchen zu erkennen :D



    F.Q.

  • Du erwähntest da "Schwester Angilca" -


    ja das ist ein großer Schmarrn, da hast Du Recht,


    aber sonst mag ich Puccini gern,


    nur bei Lehár weiß ich nie, ob ich seine "Opern Ausflüge" so sehr schätzen muss.


    "Friederike" auf alle Fälle nicht, ist eine ganz arge "Mischung", da nützen auch gute Sängerinnen und Sänger nicht viel.


    Liebe Grüße, warum hast Du Dein schönes rotes Bild getauscht, das vorige war so liebenswert.


    Innige Handküsse aus der alten Donau-Stadt Wien sendet Dir Peter.

  • Lieber Peter, merci für die Komplimente zum Ex-Avatar und die Handküsse. :]
    Meine Antwort auf deine Frage wäre hier OT und steht deshalb im Internen Thread zu der Avatar-Revolution.
    Bonne nuit
    Fairy Queen

  • Guten Abend Waltrada!


    Es gibt eine Gesamtaufnahme von


    Friederike


    zumindest auf einer 2er LP,


    und zwar mit:


    Friederike - Helen Donath,
    Goethe - Adolf Dallapozza,
    Jakob Michael Reinhold Lenz - Martin Finke,
    Hortense - Helene Grabenhorst,
    Dorothée - Gudrun Greindl - Rosner,


    Chor des Bayrischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester,


    Dirigent: Heiz Wallberg.


    EMI Columbia 1C 157-30 997/98


    Habe aber diese Aufnahme erst ein- bis zweimal gehört, ist mir einfach zu fade, in musikalischer Hinsicht.


    Die Hauptschlager: O, Mädchen, meiin Mädchen und Warum hast Du mich wachgeküsst und das Heidenröslein, gibt es auch auf Querschnitten.


    Liebe Grüße Peter aus Wien.

  • es gibt ernst zu nehmende Fachleute, die behaupten, das die Vertonung des Heiderösleins von Lehar, dem Text besser entspricht, als die Schubert`s !