Fortschritt im Rückblick? – Der Komponist Manfred Trojahn

  • Eine Zeitlang (in den 1980ern) war seine Musik ziemlich angesagt, heute ist es stiller um ihn geworden. Da seine Ästhetik, wie Diskussionen anderenthreads im Forum gezeigt haben, nicht ganz unumstritten ist, sollte durchaus Diskussionsbedarf bestehen...





    Geboren wurde Manfred Trojahn am 22. Oktober 1949 in Cremlingen in der Nähe von Braunschweig. Dort nahm er 1966 ein Musikstudium auf, bevor er 1970 an die Hochschule für Musik in Hamburg wechselte, wo er bei Diether de la Motte Komposition und bei Karlheinz Zöllner Flöte studierte. Erste, ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre entstandene Kompositionen (so »Risse des Himmels« für Sopran, Flöte und Gitarre [1968-74]; »Les couleurs de la pluie« für Flöte [1972] oder das Kammerkonzert für acht Instrumentalisten [1973]) zeigen den Einfluss zeitgenössischer Avantgardisten, insbesondere György Ligetis.


    Die 1973 entstandene 1. Sinfonie »Makrame« markiert dann eine Ablösung von diesen Vorbildern und die Konstitution einer eigenen Tonsprache und eines eigenen Stils. Dieser seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend ausgeprägte Stil ist gekennzeichnet von dem recht selbstbewussten Umgang mit verschiedensten tradierten Formen und Stilmitteln, die Trojahn in seinen Kammermusik- und – durchaus Assoziationen an den symphonischen Klang der Spätromantik evozierenden – Orchesterwerken verschmilzt. Deutlich wird dies etwa an der 1978 entstandenen 2. Sinfonie, die deutliche Anklänge an die Symphonik Gustav Mahlers zeigt.


    Neben Mahler gewann als zweiter zentraler Bezugspunkt der Symphoniker Alan Pettersson Gewicht, während als weitere zentrale Orientierungspunkte Arnold Schönberg und die Zweite Wiener Schule bedeutend blieben. So sind Trojahns Werke atonal in der Anlage, ohne dabei einer strengen Reihenstruktur zu folgen oder auch tonale Elemente grundsätzlich auszuklammern. Das Material und seine Verarbeitung werden dabei von Trojahn grundsätzlich dem »Ausdruck« untergeordnet.


    Mit diesem Ansatz lässt sich Trojahn der Richtung der sogenannten »Neuen Einfachheit« zuordnen – einer Gruppe von jungen Komponisten, die in den 1970er und 1980er Jahren eine Abkehr vom Primat des Materials und eine Hinwendung zu unmittelbarer Verständlichkeit und Ausdruck verfolgten – ohne dabei allerdings als Gruppe ein geschlossenes ästhetisches Programm formuliert zu haben, das es erlauben würde, tatsächlich von einer »Künstlergruppe« zu sprechen. Insgesamt ist der Begriff der »Neuen Einfachheit« irreführend und nicht zu Unrecht häufiger kritisiert worden. Doch vielleicht trifft dieser Begriff auf Trojahns Musik sogar noch am ehesten wirklich zu, da sich bei ihm – anders als etwa bei anderen dieser »Gruppe« zugerechneten Komponisten wie Müller-Siemens, Febel, von Bose – die Rückbesinnung auf konventionellere Ausdrucksformen und eine eher traditionelle Tonsprache am deutlichsten und bis heute ungebrochensten zeigt.


    Eine prototypische Form hat Trojahns kompositorisches Konzept in den »Fünf See-Bildern« für Mezzosopran und Orchester (1979-83) sowie in der Dritten Sinfonie (1984/85) gefunden.


    Neben Orchsterwerken hat Trojahn Kammermusik, Schauspielmusiken (etwa zu Tankred Dorsts »Merlin«) und Opern (Enrico [1991], Was ihr wollt [1998], Limonen aus Sizilien [2005], La Grande Magia [Uraufführung: 10. Mai 2008, Sächsische Staatsoper Dresden]) komponiert – über all das kann hier im Thread selbstverständlich auch geplaudert werden.


    Viele Grüße,
    Medard

  • Fünf See-Bilder für Mezzosopran und Orchester (1979-1983)
    Texte von Georg Heym. Gesamtdauer ca. 65 Minuten


    Uraufführung des Gesamtzyklus: 12. Februar 1984, Hamburg, Werkstatt Manfred Trojahn.
    Mit: Irène Jarsky (Mezzo), Philharmonisches Staatsorchester, Leitung: Sylvain Cambreling



    Die zwischen 1979 und 1983 entstandenen »Fünf See-Bilder« sind mit einer Spieldauer von mehr als einer Stunde das umfangreichste Orchesterwerk Trojahns aus den 1970er und 80er Jahren. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um ein fünfsätziges Werk im engeren Sinne, sondern um einen Zyklus von 5 aufeinanderbezogenen, jedoch eigenständigen Werken (die Bilder 1 bis 3 wurden zunächst 1980/81 einzeln uraufgeführt, die Uraufführung der Bilder 4 und 5 erfolgte im Rahmen der Uraufführung des Gesamtzyklus 1984) – die in Charakter und Besetzung teilweise deutlich von einander abweichen. Während das erste See-Bild ein großangelegter Instrumentalsatz ist (ca. 17 Minuten), handelt es sich bei den Bildern 2 bis 5 um symphonische Orchesterlieder nach Gedichten des expressionistischen Lyrikers Georg Heym (1887-1912). Zusammengehalten werden die 5 Bilder allerdings nicht allein durch die vier um Verfall, Tod und die Vergänglichkeit der Liebe kreisenden Heym-Gedichte, sondern durch ein enges motivisch-thematisches und klangliches Geflecht.


    So kehrt eine gleich nach der kurzen massiven Einleitung des Ersten Bildes vom Englischhorn vorgetragene Melodie über die fünf Bilder hinweg als idée fixe immer wieder. Neben weiteren motivischen Klammern haben zudem der Tritonus und Tritonusschichtungen leitenden Charakter sowie der es-moll Dreiklang. Allerdings wirkt diese einzige konsonante Harmonie [der es-moll Dreiklang] stets wie eine aus tiefer Erinnerung in das Werk hineinragender Fremdkörper, eine fragiler Ruhepunkt im ruhelosen Treiben der expressiven Musik. Neben dem es-moll Dreiklang sind es bestimmte Klangcluster und Dissonanzen, die als Mittel stärkster Expression und sich entladender Spannungen das Werk strukturieren.


    In den Bildern 2 bis 5 wird in diesen (post)symphonischen Klangkosmos des Orchesters eine Gesangsstimme eingebettet, wobei die Deklamation der Texte von langen Zwischenspielen des Orchesters reflektiert wird. Hier hatten sicherlich Vorbilder wie die Mahlerschen Symphonien oder auch Zemlinkys Lyrische Symphonie orientierenden Charakter.
    Interessant ist, dass Trojahn sich in der Führung der Gesangsstimme oftmals weit vom jambischen Grundrhythmus der Heymschen Verse entfernt, sie in eine eher freie Rezitation überführt, die vom psalmodierenden Ton bis zum verzweifelten Aufschrei reicht. Präsent bleibt der alternierende Rhythmus der jambischen Verse aber doch, indem Trojahn sie in den Rhythmus des Schlagzeugs überführt (und so bereits das rein instrumentale erste Bild bestimmt).





    Besetzung, Uraufführung der einzelnen Bilder



    Erstes See-Bild
    für großes Orchester (1979/80)


    Besetzung: 3 Flöten (1. auch Piccolo und Baß-Flöte, 2. auch Piccolo, 3. auch Piccolo und Alt-Flöte), 2 Oboen, Englischhorn, 3 Klarinetten (1. und 2. auch Es-Klarinette), Baß-Klarinette, 3 Fagotte (3. auch Kontrafagott) – 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Tuba - Pauke, Schlagzeug (4 Spieler) - Harfe - Streicher (Kontrabässe fünfsaitig)


    Dauer: ca. 17 Minuten


    Uraufführung: 9. November 1980, Berlin.
    Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Dennis Russell Davies




    Zweites See-Bild »Schatten von Kähnen...«
    für Mezzosopran und Orchester (1980/81)


    Besetzung: Altflöte, Baßflöte, Englischhorn, 2 Klarinetten, Baßklarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott – 2 Hörner, 1 Trompete, 1 Posaune – Schlagzeug (1 Spieler) - Harfe - Streicher (stellenweise geteilt; Kontrabässe fünfsaitig)


    Dauer: ca. 11 Minuten


    Uraufführung: 10. April 1981, Stuttgart
    Carmen Mammoser (Mezzo), Radio-Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks, Leitung: Lukas Foss




    Drittes See-Bild »Gegen Norden«
    für Mezzosopran und großes Orchester (1981)


    Besetzung: 3 Flöten (auch Picc, 3. auch Alt-Flöte), 2 Oboen, Englischhorn, 3 KLarinetten (1. und 2. auch Es-Klarinette), Baß-Klarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott – 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Tuba – Pauke, Schlagzeug (2 Spieler) – Harfe – Streicher (Kontrabässe fünfsaitig)


    Dauer: ca. 9 Minuten


    Uraufführung: 10. April 1981, Stuttgart.
    Carmen Mammoser (Mezzo), Radio-Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks, Leitung: Lukas Foss




    Viertes See-Bild »Das schwarze Wasser« (1981/83)
    für Mezzosopran und kleines Orchester


    Besetzung: 2 Piccolo-Flöten, Englischhorn, 3 Klarinetten, Baß-Klarinette, Kontrafagott – 1 Horn, 1 Trompete, Schlagzeug (1 Spieler) - Harfe – Streicher (2, 2, 2, 2, 1, alle solistisch; Kontrabaß fünfsaitig)


    Dauer: ca. 7 Minuten


    Uraufführung im Rahmen der Uraufführung des Gesamtzyklus: 12. Februar 1984, Hamburg.
    Irène Jarsky (Mezzo), Philharmonisches Staatsorchester, Leitung: Sylvain Cambreling




    Fünftes See-Bild »Der Tod der Liebenden«
    für Mezzosopran und großes Orchester (1983)


    Besetzung: 3 Flöten (1. auch Piccolo und Baß-Flöte, 2. auch Piccolo, 3. auch Piccolo und Alt-Flöte), 2 Oboen, Englischhorn, 3 Klarinetten (1. auch Es-Klarinette), Baß-Klarinette, 3 Fagotte (3. auch Kontrafagott) – 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Tuba - Pauke, Schlagzeug (3 Spieler) – Harfe – Streicher (stellenweise mehrfach geteilt; Kontrabässe fünfsaitig)


    Dauer: ca. 20 Minuten


    Uraufführung im Rahmen der Uraufführung des Gesamtzyklus: 12. Februar 1984, Hamburg.
    Irène Jarsky (Mezzo), Philharmonisches Staatsorchester, Leitung: Sylvain Cambreling





    Die Texte


    Die von Trojahn vertonten Texte stammen alle aus der Feder des 1887 geborenen expressionistischen Lyrikers Georg Heym, der im Dezember 1912 beim Schlittschuhlaufen auf der Havel ertrank, als er versuchte, einem ins Eis eingebrochenen Freund zu helfen.




    Georg Heym (1887-1912)


    Die vier in den See-Bildern vertonten Gedichte stellen ursprünglich keinen Zyklus da, sie sind zunächst nicht einmal gemeinsam in einem Band veröffentlicht worden (das erste Gedicht »Schatten von Kähnen...« entstammt dem Nachlass Hemys). Ausgewählt hat Trojahn die Gedicht nach thematischen Kriterien: Sie alle Umkreisen das Thema Vergänglichkeit und Tod – wobei das Wasser als dunkle, geheimnisvolle, verschlingende Tiefe erscheint.




    Schatten von Kähnen


    Schatten von Kähnen, großes Segel streicht
    Vor trüber Dämmerung. Des Stromes Blut
    Wird schwarz und starr, da losch des Abends Glut
    Und nur Erinnern bleibt noch und verbleicht.


    Des Bootes Lampe fällt auf deine Hand.
    Ihr Schein geht deinen leisen Adern nach
    Und wandert fort auf deiner Schläfen Rand,
    Er sucht der Seele Schlaf und Traumgemach.


    Warum bist du so still? Warum so zu
    Ist deine Hand, die matt herunterfiel.
    Geliebteste. Was hörst Du. Stirbst auch du
    An dieser Wolken wildem Trauerspiel?




    Gegen Norden


    Die braunen Segel blähen an den Trossen,
    Die Kähne furchen silbergrau das Meer.
    Der Borde schwarze Netze hangen schwer
    Von Schuppenleibern und von roten Flossen.


    Sie kehren heim zum Kai, wo raucht die Stadt
    In trübem Dunst und naher Finsternis.
    Der Häuser Lichter schwimmen ungewiß
    Wie rote Flecken, breit, im dunklen Watt.


    Fern ruht des Meeres Platte wie ein Stein
    Im blauen Ost. Von Tages Stirne sinkt
    Der Kranz des roten Laubes, da er trinkt,
    Zur Flut gekniet, von ihrem weißen Schein.


    Es zittert Goldgewölke in den Weiten
    Vom Glanz der Bernsteinwaldung, die enttaucht
    Verlorner Tiefe, wenn die Dämmerung raucht,
    In die sich gelb die langen Äste breiten.


    Versunkne Schiffer hängen in den Zweigen.
    Ihr langes Haar schwimmt auf der See wie Tang.
    Die Sterne, die dem Grün der Nacht entsteigen,
    Beginnen frierend ihren Wandergang.




    Das schwarze Wasser


    Das schwarze Wasser stockt auf dem Kanal.
    Von buntem Laube ist es fast verdeckt.
    Die Ufer, die der Sommer sonst versteckt,
    Sie treten grau und steinern vor, und kahl.


    Die hohen Bäume sind schon lang gereift.
    Es läuft ein Scheuer hin auf ihrer Wand,
    Die Blätter wirbeln braun und dürr gebrannt,
    Da sie der Herbst mit dunklem Fittich streift.




    Der Tod der Liebenden


    Durch hohe Tore wird das Meer gezogen
    Und goldne Wolkensäulen, wo noch säumt
    Der späte Tag am hellen Himmelsbogen
    Und fern hinab des Meeres Weite träumt.


    "Vergiß der Traurigkeit, die sich verlor
    Ins ferne Spiel der Wasser, und der Zeit
    Versunkner Tage. Singt der Wind ins Ohr
    Dir seine Schwermut, höre nicht sein Leid.


    Laß ab von Weinen. Bei den Toten unten
    Im Schattenlande werden bald wir wohnen
    Und ewig schlafen in den Tiefen drunten,
    In den verborgenen Städten der Dämonen.


    Dort wird uns Einsamkeit die Lider schließen.
    Wir hören nichts in unserer Hallen Räumen,
    Die Fische nur, die durch die Fenster schießen,
    Und leisen Wind in den Korallenbäumen.


    Wir werden immer beieinander bleiben
    Im schattenhaften Walde auf dem Grunde.
    Die gleiche Woge wird uns dunkel treiben,
    Und gleiche Träume trinkt der Kuß vom Munde.


    Der Tod ist sanft. Und die uns niemand gab,
    Er gibt uns Heimat. Und er trägt uns weich
    In seinem Mantel in das dunkle Grab,
    Wo viele schlafen schon im stillen Reich."


    Des Meeres Seele singt am leeren Kahn.
    Er treibt davon, ein Spiel den tauben Winden
    In Meeres Einsamkeit. Der Ozean
    Türmt fern sich auf zu schwarzer Nacht, der blinden.


    In hohen Wogen schweift ein Kormoran
    Mit grünen Fittichs dunkler Träumerei.
    Darunter ziehn die Toten ihre Bahn.
    Wie blasse Blumen treiben sie vorbei.


    Sie sinken tief. Das Meer schließt seinen Mund
    Und schillert weiß. Der Horizont nur bebt
    Wie eines Adlers Flug, der von dem Sund
    Ins Abendmeer die blaue Schwinge hebt.





    Einspielung


    Bisher scheinen die »Fünf See-Bilder« nur in einer einzigen (zudem aktuell gestrichenen) Einspielung vorzuliegen:



    (für den Bildhinweis danke ich audiamus)


    Trudeliese Schmidt (Mezzosopran)
    Radio-Symphonie-Orchester Berlin
    Leitung: Manfred Trojahn
    Aufgenommen im Großen Sendesaal des SFB, November 1991
    CPO 999 188-2


    Daß diese Einspielung gestrichen ist, ist um so bedauerlicher, als es sich um eine IMO exzellente und zudem durch die Stabführung des Komponisten auch irgendwie mustergültige Interpretation dieses hochinteressanten, mitreißenden und beeindruckenden Werks handelt.


    Herzlichst,
    Medard

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Bisher scheinen die »Fünf See-Bilder« nur in einer einzigen (zudem aktuell gestrichenen) Einspielung vorzuliegen:


    Jaja, so ist das, wenn man nicht einmal die eigene Plattensammlung richtig memoriert...


    Zwar stimmt es, daß es nur eine Einspielung des Gesamtzyklus gibt, doch ist zumindest das »Zweite See-Bild« ein weiteres mal aufgenommen worden und zudem auch noch im Handel erhältlich - und zwar auf dieser Scheibe:



    Musik in Deutschland 1950-2000: Orchesterlied
    (die CD ist auch in der Box: »Musik in Deutschland: Vokalmusik« enthalten).


    Hier die genauen Angaben zur Einspielung:


    Manfred Trojahn: Zweites See-Bild »Schatten von Kähnen...«
    Carmen Mammoser (Mezzo), Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Leitung: Lukas Foss
    Es handelt sich bei dieser Aufnahme um einen Mitschnitt der Uraufführung des »Zweiten See-Bilds« am 10. April 1981.


    Übrigens empfinde ich das »Zweite See-Bild« als einen perfekten Einstieg in den Zyklus, handelt es sich doch IMO um den atmosphärisch dichtesten der fünf Teile, dessen sich an der Grenze zur Stille bewegende Musik von einer ungeheuren Spannung bestimmt ist.
    Die Einspielung unter Foss ist sehr bewegend – einziges Manko gegenüber der überwältigenden Aufnahme unter Trojahns Leitung ist vielleicht die Gesangssolistin. Carmen Mammoser singt tadellos, das möchte ich betonen, aber ihr Timbre will für meinen Geschmack nicht so recht zu dem Werk passen. Während die dunklere Stimmfarbe von Trudeliese Schmidt in der Trojahn-Einspielung die morbide Szenerie gewissermaßen von selbst zum klingen zu bringen scheint, ist Frau Mammosers Stimme in den Tiefen oftmals eher matt und in den Höhen scharf und forciert.


    Ganz herzlich,
    Medard

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Neben Orchsterwerken hat Trojahn Kammermusik, Schauspielmusiken (etwa zu Tankred Dorsts »Merlin«) und Opern (Enrico [1991], Was ihr wollt [1998], Limonen aus Sizilien [2005], La Grande Magia [Uraufführung: 10. Mai 2008, Sächsische Staatsoper Dresden]) komponiert – über all das kann hier im Thread selbstverständlich auch geplaudert werden.
    Viele Grüße,
    Medard


    Ich hatte letzten Freitag ( 16.05.2008 ) meinen ersten Kontakt mit der Musik von M. TROJAHN (zumindest im Konzert) bei der dritten Aufführung (nach der UA) der Oper" La Grande Magia " in der Semperoper in Dresden. Ein Bericht im Thread Gestern in der Oper war natürlich fest eingeplant, aber ich muss gestehen, dass ich mit einer Beurteilung dieses Werkes eher schwer tue. Alles wikrt sehr unsangbar (meine Begleiterin -die selber Sängerin ist- meinte, die Gesangslinien erinnern etwas an Schönberg)- neben diesesn, bei dem ersten Hören etwas willkürlich erscheinenden Stellen, gab es auch viele Orchesterklänge und Gesangslienien von ausgesprochener Schönheit, und damit meine ich nicht (nur) die historisch inspirierten und verfremdeten Zitate. Trotzdem weiss ich noch nicht, was und wieviel ich in nächster Zeit von diesem Komponisten hören werde/will.
    ?(


    Gruß pt_concours


    weitere Vorstellungen in Dresden:
    Sonntag, 06.07.2008, 19:00
    Donnerstag, 04.09.2008, 19:00
    Sonntag, 07.09.2008, 19:00


    Das Orchester und der Dirigent konntenmir ihren Leistungen übrigends ebenso überzeugen, wie die zum Teil herrausragenden Gesangssolisten.

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Die oben erwähnte CPO-Einspielung ...



    ... besitze ich ebenfalls (erinnere mich vage an eine durchaus stimmungsgeladene, kraftvolle Musik); was ich hier lese, entfacht meine Neugier, gelegentlich mal wieder hineinzuhören. Dann ggf. gern mehr.

  • Bei meiner Recherche über das Henschel-Quartett bin ich auf den Namen Manfred Trojahn gestossen, der nur wenige Tage ölter ist als ich. Quasi als "Geburtstagsgeschenk zum 70"er (nicht ernst gemeint, denn er braucht das nicht) wollte ich ihm einen Thread widmen, habe aber dann festgestellt, daß es bereits einen gibt.

    So stelle ich DREI Inszenierungen von verschiedenen Opernhäusern ins Netz, aus Zürich, Hannover und Wien

    Man sollte - so man sich dafür interessiert ALLE drei inszenierungen (bzw die verlinkten Clips) ansehen, beim Clip aus Hannover sprich Trohan selbst über das Werk.
    Ganz neu indes der Trailer zur Aufführung seiner Oper "Orest" an der Wiener Staatsoper hier in den Thread verlinkt

    und anschliessend eine Verlinkung zum neuen Online Merker wo man ein Interview mit dem Komponisten führt und ihn auch zur Inszenierung seiner Oper befragt. Dass er sich nicht einmischt und auch kein Gegner modernster Inszenierungen ist hängt durchaus auch mit der Art Musik zusammen, die er macht. Er hat auch das Libretto nach dem antiken Drama von Euripides selbst geschrieben. Es handelt sich also NICHT um Regietheater sondern um Theater der Gegenwart - nach einem alten Stück. Das sit legitim. Ob es einem gefällt ist eine andere Frage. Persönlich werde ich mich doch lieber Mozart und Verdi zuwenden



    https://onlinemerker.com/manfr…und-historischer-figuren/


    mfg aus Wien

    Alfred


    Ich nehme an der "progressive" Teil unserer Mitglieder und Mitleser wurde damit zufriedengestellt.


    clck2600

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  • Ich habe den Orest zuerst auf CD gekauft und dann an der Wiener Staatsoper angehört und -gesehen und bin vollauf zufrieden, empfinde die Musik als sehr reichhaltig ohne beliebig oder fleckerlteppichartig zu sein und würde Trojahn subjektiv höher schätzen als es die Lexika nahelegen. Die Inszenierung ist auch sehr wirkungsvoll, insbesondere die Kampfszene.

  • Es wird wohl kein Geheimnis sein, daß mit sein Werk nicht liegt, indes ist aus dem Intervie zu erkennen, daß es sich um eine äusserst gebildete Persönlichkeit handelt, und ausserdem wollte ich ihn nicht übergehen.

    Der Duden hat sich ja auch vor etlichen Jahren/Jahrzehnten entschlossen keine Wertungen mehr vorzunehmen, sondern den gesamten Sprachschatz aufzunehmen.

    Ich habe übrigens Trailer zu allen 3 Aufführungen hier verlinkt - und bin der Meinung, daß die Wiener Ausstattung - im Rahmen des möglichen noch einen Hauch von Ästhetik aufweist.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Ich werde versuchen mich näher mit Trojahn, seiner Musik, seiner Philosophie und Musik zu befassen. was mir als Mozartianer nicht leicht fallen wird.......

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