Wurde Mozart vergiftet?

  • Salut,


    es soll in diesem Thread ausnahmsweise einmal nicht um die Wahrheit (wär sie auch Verbrechen) gehen, sondern um Eure Glaubensbekenntnisse zur Vergiftungstheorie des Wolfgang Amadeus Mozart.


    Diese Theorie splittet sich in zwei Teile


    a) Mozart wurde (von wem auch immer) bewusst vergiftet
    b) Mozart hat sich selbst (versehentlich) vergiftet.


    Das Thema ist bereits in der Fachliteratur totgeschrieben worden, doch ein wirklicher Beweis konnte niemals erbracht werden, welche Theorie auch immer vertreten wurde.


    Wie sieht es mit den Taminos aus? Was glaubt Ihr und warum?


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ernste Antwort und Meinung:


    Nein, ich glaube nicht, dass Mozart gewaltsam zu Tode kam.
    Vor langer Zeit gab es mal im Internet einen Bericht des Arztes, der Mozart vor der Beisetzung im Massengrab "begutachtet" hatte. War höchst interessant, leider nicht gespeichert und nicht mehr gut im Gedächtnis - aber es wurde ein Giftot ausgeschlossen (wobei dies natürlich ohne Obduktion nicht mit Bestimmtheit gesagt werden konnte).
    Vielmehr glaube ich, dass er einfach, wie man so schön sagt, stressbedingt verstarb.


    Nicht so ernste Begründung mit den Worten Alfred Brendels:


    Mozart
    aus "Kleine Teufel"


    Als Mozart ermordet worden war
    ahnte niemand
    nicht einmal Haydn
    daß kein Geringerer als Beethoven
    die ruchlose Tat begannen hatte
    Während einer Landpartie
    da Mozart
    vom Bockspringen ermüdet
    im Grase ruhte
    näherte sich Beethoven
    als Salieri verkleidet
    mit der Geräuschlosigkeit einer Katze
    und träufelte dem Schöpfer der Kleinen Nachtmusik
    Gift ins Ohr


    An dieser Stelle wäre einzuflechten
    daß es im Leben Beethovens
    ein gut gehütetes Geheimnis gab
    Beethoven WAR EIN NEGER
    und Mozart HATTE ES BEMERKT
    Nach einem von Beethovens berühmten Fortepiano-Vorträgen
    hörte man Mozart halblaut zu Süßmayr sagen
    Für an Nega spülta netamoi schlecht
    Nun lag er da
    und das Gift gluckste in ihm


    Grimmig in sich hineinlachend
    schlich der junge Übeltäter davon
    im festen Besitz der Tonart c-moll
    die ihm
    von dieser Stunde an
    keiner mehr streitig machen würde


    Alfred Brendel, Kleine Teufel
    © 1999 Carl Hanser Verlag, München - Wien
    Mit freundlicher Genehmigung
    Quellen-Angabe

    Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen. [frei nach George Orwell]

  • Tatsächlich ist es bis heute so, daß, wenn Prominente vor der Zeit sterben, dies zu einer Art Legendenbildung führt.


    Im Falle Mozarts haben sich in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Ärzte für die These einer Vergiftung stark gemacht, aus welchen Motiven auch immer.


    Diese Behauptungen, es war immer von einer Quecksilbervergiftung die Rede, weil aufgrund der überlieferten Symptome nur dieses Gift in frage kam, so ist der heutige Wisensstand, sind jedoch unhaltbar.


    Man mag akzeptieren, daß die Ärzte des späten 18. Jahrhunderts etluche Krankheiten nicht heilen, einige nicht diagnostizieren konnten, bzw sie anhand der symptome sehr wohl diagnoszieren konnten ohne aber die Ursache der Krankheit zu kennen (für einige Krankheiten gilt das unverändert noch heute !!)


    Spezialisiert jedoch waren diese Ärzte auf das Feststellen von Vergiftungen und hier speziell auf jene durch Qúecksilber, weil Quecksilbervergiftungen als Folge der damals üblichen Quecksilbertherapie der Syphillis leider recht häufig waren.


    Keiner der beiden behandelnden Ärzte Dr. Closset und Dr. Salaba (einer der der beiden war mit Mozart persönlich befreundet) äußerte auch nur den Verdacht einer Vergiftung.


    So kann man auch diese Behauptung im Order "Mozartlegenden" ablegen - und deren gibt es ja zahlreiche.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Salut,


    solange nichts bewiesen ist, wird hier auch nichts „abgelegt“. Ich will vorausschicken, dass ich auch kein Verfechter der so genannten Vergiftungstheorie bin, weil ich nur das Glaube, was definitiv bewiesen werden kann.


    So will ich nun einen kurzen Umriss dessen verfassen, was zu der Legendenbildung, wenn man es so nennen will, führt:


    Der „Anführer“ dieser Campagne ist sicherlich Franz Xaver Niemetschek: Leben des K.K. Kapellmeisters Wolfgang Gottlieb Mozart


    Dort erfahren wir erfahren wir folgendes nach Berichten der Wittwe:



    […] Bey seiner [Mozarts] Rückkunft nach Wien nahm er sogleich seine Seelenmesse vor, und arbeitete mit viel Anstrengung und einem lebhaften Interesse daran: aber seine Unpässlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Seine Gattin nahm es mit Betrübniß wahr. Als sie eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsamm saßen, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, dass er das Requiem für sich setzte. Thränen standen dem empfindsamen Manne in den Augen: „Ich fühle mich zu sehr“, sagte er weiter, „mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht loswinden.“ […]


    Wenn man nun Niemetscheks Wortwahl wie z.B. „Seelenmesse“, „mit viel Anstrengung“, „düstern Schwermuth“, „Betrübniß“ usf. auf die Goldwaage legt, erkennt man unschwer die Absichten dieser Formulierung.


    Dennoch: von der Wahrhaftigkeit Mozarts „Schwermuth“ schreibt dieser selbst in seinem Brief an Constanze aus Frankfurt am 30. September 1790:


    […] – wenn die Leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. – es ist alles kalt für mich- eiskalt – […]


    Und am 7. Juli 1791:


    […] – ich kann Dir meine Empfindung nicht erklären, es ist eine gewisse Leere – die mir halt wehe thut, - ein gewisses Sehnen, welches nie befriedigt wird, folglich nie aufhört, - immer fortdauert, ja von Tag zu Tag wächst; - wenn ich denke wie lustig und kindisch wir in Baaden beysammen waren – und welch traurige, langweilige Stunden ich hier verlebe – es erfreuet mich auch meine Arbeit nicht, weil, gewohnt bisweilen auszusetzen und mit Dir ein paar Worte zu sprechen, dieses Vergnügen nun leider eine Unmöglichkeit ist – gehe ich ans Klavier und singe etwas aus der Oper [vermutl. Zauberflöte], so muß ich gleich aufhören – es macht mir zu viel Empfindung – Basta! – wenn diese Stunde meine Sache zu Ende ist, so bin ich schon die andere Stunde nicht mehr hier. […]


    Nicht zu verkennen, schreibt hier nicht nur der von seiner in Baden weilenden Frau träumende Ehemann, sondern ein hochdepressiver Mozart, wie wir ihn uns nicht vorstellen können.


    Georg Nikolaus Nissens Versuch einer Entkräftung der Vergiftungstheorie in seiner Biographie W. A. Mozarts


    […]Wenn man erst einmal so weit zur Schwermuth herabgestimmt ist, bedarf es gewiss nur noch eines kleinen Hebels. Die Krankheits-Geschichte Mozart’s beweis’t Nichts für eine Vergiftung. Sollte er durch Gift geopfert werden, so musste dies auf zwey Wegen geschehen: schnell oder langsam. Schnell ist es nicht geschehen; und langsam vergiftet, hätte er ganz andere Zufälle haben müssen. […]


    Eigentlich war die Vergiftungstheorie bereits durch Betreiben Constanzes (u. a. durch die oben erwähnte Biografie Nissens) aus der Welt geschafft, stirbt 1825 Antonio Salieri. Falsch ist, dass Salieri Mozarts Tod in die Schuhe geschoben wurde, denn Salieri halt definitiv behauptet, er habe Mozart vergiftet. Man gibt an, dass Salieri dies in geistiger Umnachtung getan habe. Ich glaube allerdings schon, dass Salieri sehr gezielt und bewusst diese Lüge in die Welt gesetzt hat. Wer die Werke Salieris kennt (und es sind wunderschöne und beneidenswerte dabei), kann schon glauben, dass Salieri gewollt hat, der Mörder Mozarts zu sein.


    Der zweite Teil der Theorie sagt aus, Mozart habe sich versehentlich selbst mit einer Sublimatmischung (Quecksilber) vergiftet. Sublimat wurde im 18. Jahrhundert vielfach „medizinisch“ eingesetzt. Bei Mozart war dies in Form von Salben der Fall. Dass diese Theorie nicht ganz von der Hand zu weisen ist, beweist Dr. Ludwig Köppen in seinem Buch [I] Mozarts Tod. Ein Rätsel wird gelöst.[I] Ich möchte keine Werbung machen, dieses Buch aber dennoch wärmstens all jenen empfehlen, die neues Licht in dieser Angelegenheit benötigen. Köppen hat keine Mühen gescheut, alle vorhandenen Quellen auszuzapfen und neu zu beleuchten. Für mich ist zwar das Rätsel noch immer nicht gelöst, da auch Dr. Köppen dies – für mich in der Chemie und Medizin Unwissenden und Unbelehrbaren – nicht beweisen konnte, aber allen der Fundus dieses Buches ist überwältigend!


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut,


    nur noch ein kleines Beispiel dazu, wie auch heute noch immer die Vergiftungstheorie ausgeblendet wird:


    In dem von mir vielgerühmten Buch Dr. Ludwig Köppens Mozarts Tod • Ein Rätsel wird gelöst (Ludwig Köppen Verlag, Köln 2004) stellt der Autor auf den Seiten 10 bis 29 eine Abhandlung über Die tödliche Erkrankung dar, in der auch von der Vergiftungstheorie die Rede ist. Er zitiert Arztberichte und dergleichen, die diese Theorie aushebeln. In der Zusammenfassung auf Seite 30 wird das Gift mit keinem Worte mehr erwähnt.


    Allerdings zitiert er auf Seite 29 unten eine in Italienisch abgefasste Stellungnahme, die vermutlich von Carl Thomas Mozart aus dem Jahre 1858 stammt wie folgt:


    Zitat


    Besonders erwähnenswert sind meiner Ansicht nach die Umstände, nämlich, daß ein paar Tage vor dem Tod eine derart große, allgemeine Schwellung auftrat (una gonfiezza grande), welche den Kranken an jeder kleinsten Bewegung hinderte, ferner der Gestank, der eine innerlich Auflösung ankündigte und gleich nach dem Tode immer stärker wurde, so daß er eine Leichen-Sektion unmöglich machte.


    Abgesehen von ein paar üblichen Abweichungen in der Übersetzung lautet die vollständige Rezitation des Briefes auf Deutsch:


    Zitat


    Sehr beachtenswert sind meiner Meinung nach die Umstände, daß ein paar Tage vor seinem Tode eine allgemeine Schwellung auftrat, die so enorm war, dass sie den Kranken außer Stande setzte, auch nur die kleinste Bewegung zu machen. Der Gestank als Vorbote einer inneren Auflösung nahm unmittelbar nach dem Tode in einem solchen Maße zu, daß eine Obduktion der Leiche nicht durchgeführt werden konnte. Ein anderer bezeichnender Umstand ist eben der, daß der Leichnam nicht fest und starr wurde, sondern weich und in allen Teilen flexibel blieb, ähnlich, wie man es beim Papst Ganganelli und allen, die an pflanzlichem Gift gestorben sind, beobachtet hat.


    Und weiter heißt es:


    Zitat


    Sei nun Maestro Salieri, wie ich es wünsche und glaube, am Tode Mozarts unschuldig, so ist dadurch noch nicht bewiesen, daß Mozart gestorben sei, weil er seine Lebensbahn bis zum Ende durchgeschnitten hatte und sein Tod nicht durch Gewalt verursacht worden ist, während es im Gegenteil starke Indizien gibt, dies zu vermuten […]


    Mir ist nun nicht klar, ob es medizinische Gründe für das Eliminieren dieser – insbesondere der von mir unterstrichenen - Textpassagen gibt und ob das Auslassen dieser Passage(n) andere Gründe hat.


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo,


    heute kam der neue stretta-Newsletter heraus.
    Dort wird die Theorie vom Mord Salieris an Mozart bewiesen.



    Allerdings habe ich auch hier die starke Vermutung, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder hat jemand ähnliches gehört?



    Gruß, Peter.

  • Es war natürlich ein Aprischerz.
    Einen österreichischen Musikwissenschafter namens Dr. Berthold Scheuert gibt es natürlich nicht, es verbirgt sich hier wohl das Synonym zu "Be-scheuert" , ein Wortspiel des Verfassers.


    Dennoch halt ich diesen Scherz nicht für sehr geglückt, wärmt er doch das auf, was Dummköpfe schon seit mehr als 2 Jahrhunderten behaupten uind zieht zu allem Überfluß auch noch den unschuldigen Beethoven als "Mittäter" hinzu.


    Solche Scherze haben Nachwirkungen, die man gar nicht kritisch genug hinterfragen kann:


    Dem Vernehmen nach sind seit meinem gestrigen Aprischerz die Wiener Tierhandlungen mit Affen aller Rassen so gut wie ausverkauft, es herrscht ein Engpass. Exotische Restaurants haben sie von der Speiskartee gestrichen und 7 ! Personen haben ihren Primatenschütling zum Vorspiel bei der Wiener Musikakademie angemeldet.


    Alles in allem ein eher harmloser Vorgang.


    Ulli, wird sich damit abfinden müssen, daß seine Identität immer ein wenig ungewiss bleibt.


    Aber was ist das alles schon gegen das verleumderische Vorgehen gegen Salierei, dem ich übrigens wahrscheinlich noch heute einen Thread widmen werde.



    Freundliche Grüße


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Salut,


    ich dachte sogleich, mich will jetzt jemand auf den Arm nehmen... der Schreibstil entspricht nicht dem der offiziellen Forschung! Außerdem hätte "man" eine solche Offenbarung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht vor dem 27. Januar 2006 veröffentlicht, oder?


    Zitat

    was Dummköpfe schon seit mehr als 2 Jahrhunderten behaupten


    Nanana, noch ist nichts bewiesen!


    Zitat

    Aber was ist das alles schon gegen das verleumderische Vorgehen gegen Salierei, dem ich übrigens wahrscheinlich noch heute einen Thread widmen werde.


    Wozu? Salieri hat sich schließlich - das ist wahr - selbst des Mordes bezichtigt. Also tun wir ihm nicht übel, dies zunächst einmal so hinzunehmen [von Glauben ist hier nicht die Rede!]. Ich hatte - glaube ich - bereits darauf angesprochen, daß neue Funde von Zeitungsartikeln aus dem 1824er Paris dies untermauern (kein Aprilscherz). Wenn ich Zeit habe, werde ich einige davon ins Forum stellen.


    Dieser Thread ist doch bestens für eine solche Diskussion geeignet, oder nicht?



    Cordialement,
    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut,


    hier wie versprochen, einiges aus den Funden:


    Am Dienstag, den 13. April 1824 fand in der Pariser Académie Royale de Musique das erste Concert spirituel der Saison statt. Neben der Aufführung einiger Teile des Mozart-Requiems trat auch Franz Liszt auf. Einen Tag später berichtet Le Courrier Français als erste ausführlich über das Gerücht, Mozart sei eines gewaltsamen Todes gestorben [den französischen Originaltext spare ich an dieser Stelle ein]:

    Teile des berühmten Requiems von Mozart beendeten das Konzert und riefen einen tiefen Eindruck hervor, zu dem vielleicht der folgende Umstand beigetragen hatte Vor einigen Wochen hatte Cherubini aus Deutschland Briefe erhalten, in denen man behauptete, Salieri hätte sich beschuldigt, Mozart vergiftet zu haben. Weil sich das Gerücht verbreitete, daß Salieris Vernunft durch das Alter zerrüttet worden sei, maß man dieser außergewöhnlichen Neuigkeit keine Bedeutung bei; aber gestern versicherte man, daß diesbezüglich ausführliche Einzelheiten aus Wien eingetroffen seien und Salieri im Sterben, von Gewissensbissen gepeinigt, sein Verbrechen gebeichtet hätte. So hätte man eine Erklärung für den vorzeitigen Tod Mozarts gefunden, dessen Ursache niemals ganz bekannt geworden ist; dieses so wertvolle Leben sollte erloschen sein, bevor es das Ende erreicht hätte, das die Natur ihm vorherbestimmt hatte; ein feiges Verbrechen, das, indem es der Welt das größte musikalische Genie in der Blüte des Alters und des Talents weggenommen hat, die Nachwelt der Meisterwerke beraubt hätte, die seine Reifezeit versprach Es liegt etwas Erschütterndes in diesem Gedanken; und die Einbildungskraft weigert sich, die vage Enthüllung zu akzeptieren, die sie in uns hervorgerufen hat.


    Nun, das klingt nicht besonders nennenswert, ist dennoch interessant genug. Aber weiter: Die Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung vom 19. August 1824 berichtet über eine öffentliche Veranstaltung der Pariser Société Académique des Enfants d’Apollon, die am 27. Mai 1824 stattfand:

    Societé académique des enfans d’Apollon. Oeffentliche Sitzung vom 27sten May 1 1824, 83stes Jahr ihrer Stiftung. Diese Societät besteht aus den grössten Künstlern beyderley Geschlechts, aus allen Künsten und Ländern. Jede Kunst hat alle Monate ihre besondere geschlossene Sitzungen und nur am Auffahrttage jedes Jahres wird eine allgemeine und öffentliche Zusammenkunft gehalten. Diese besteht immer in einem concert und einer Rede; das Ganze wird mit einem Gastmahl beschlossen. Diese Concerte können durchgehends unter die glänzendsten gezählt werden, sowohl in Hinsicht der ausübenden Künstler als der ausgewählten Versammlung. [...]


    In der Rede, die Hr. Belle zwischen den beyden Abtheilungen hielt, wurde der Zweck der Societät, Beförderung der Künste, im Allgemeinen besprochen. Eine Uebersicht der vorzüg¬lichsten Werke, die mehrere Mitglieder während dem verflossenen Jahre erscheinen liessen. Sodann die Anzeige der neu eingetretenen Künstler, worunter der junge Liszt, und endlich der Verlust der mit Tode abgegangenen Mitglieder, unter welchen Viotti und Salieri eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet ward. Mit grösster Wärme widerlegte der Redner ein Gerücht von Salieri's Hasse gegen Mozart, das sich vor Kurzem hier verbreitet hatte.


    Hinweis von mir: Hier wird lediglich der Hass Salieris gegen Mozart dementiert. Von Vergiftung ist nicht die Rede. Wichtiger ist jedoch, dass Salieri am 27. Mai 1824 für tot erklärt wird!


    Das musikalische Tagebuch vom Monat März berichtet am 29. April 1824 im Abschnitt Wien:


    Salieri befindet sich noch immer im Zustande physischer Abspannung der Kräfte; da mit Grund keine Herstellung zu erwarten ist, so wird er in den Pensionsstand versetzt werden […].


    Hinweis von mir: Salieri starb am 7. Mai 1825 und in obigem Bericht befindet sich Salieri etwa ein Jahr vor seinem Tode lediglich im Zustande physischer Abspannung. Nichts von geistiger Verwirrung. Im ersten hier von mir publizierten Artikel wird sogar von einem Gerücht, daß Salieris Vernunft durch das Alter zerrüttet worden sei, gesprochen.


    Man sieht also, dass die Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert – so dankbar wir auch sein können, dass wir sie haben – aufs äußerste diszipliniert auf ihren möglichen Wahrheitsgehalt untersucht werden müssen.


    Ich schließe vorerst mit den Worten Carl Thomas Mozarts [man nimmt C. Th. Mozart als Autor an]:

    Sei nun Maestro Salieri, wie ich es wünsche und glaube, am Tode Mozarts unschuldig, so ist dadurch noch nicht bewiesen, dass Mozart gestorben sei, weil er seine Lebensbahn bis zum Ende durchschritten hatte und sein Tod nicht durch Gewalt verursacht worden ist […]
    .


    Ich weise noch kurz darauf hin, dass ich die Zeitungstexte ausnahmsweise wegen heutiger Gartenarbeiten nicht abgeschrieben, sondern via OCR-Scan eingefügt habe. Von den üblichen Schreibgewohnheiten der damaligen Zeit abgesehen, bitte ich etwaige Übertragungsfehler zu entschuldigen (So stand z.B. „Sahen“ anstelle von „Salieri", f/t-Verwechslung).


    Cordialement,
    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • petemonova:


    Ich erinnere mich nun genau: Der von Dir zitierte Artikel war schon einmal vor ~15 Jahren in der nmz (Neue Zeitschrift für Musik). Vermutlich am 01. April 1991 - -


    Ciao,
    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo zusammen,


    ich möchte mich verpätet in die Diskussion einmischen. Ich habe bzgl. Mozart zwar (noch) keine Ahnung, aber mir ist in einem von Alfreds Beiträgen etwas aufgefallen.


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Spezialisiert jedoch waren diese Ärzte auf das Feststellen von Vergiftungen und hier speziell auf jene durch Qúecksilber, weil Quecksilbervergiftungen als Folge der damals üblichen Quecksilbertherapie der Syphillis leider recht häufig waren.


    Keiner der beiden behandelnden Ärzte Dr. Closset und Dr. Salaba (einer der der beiden war mit Mozart persönlich befreundet) äußerte auch nur den Verdacht einer Vergiftung.


    So kann man auch diese Behauptung im Order "Mozartlegenden" ablegen - und deren gibt es ja zahlreiche.


    Ich möchte nicht Klugscheißen, aber wurde je Untersucht, ob nicht die beiden Ärztze bei einer evtl. vorhandenen, aber nie publik gemachten Syphillis eines Wolfgan Amadeus Mozart einen Kunstfehler begangen haben könnten. Will sagen, hätte Mozart die Syphillis gehabt und wäre beispielsweise an einer Überdosis Quecksilber, verabreicht durch die beiden behandelnden Ärzte, gestorben, hätten dies die Ärzte je zugegeben. Wäre es da nicht einfacher irgendein Fieber in den Totenschein zu schreiben?


    Ist nur so ein Gedanke!
    Euer Gallo

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Salut,


    es gibt ein Buch von Ludwig Köppen "Mozarts Tod", der eine ähnliche Therorie zu beweisen versucht: Er unterstellt, dass die Ärzte von einer Syphilliserkrankung wussten. Eine Heilung war aber nicht möglich, da diese das öffentliche Interesse geweckt hätte, was denkbar ungünstig für die "Karierre" gewesen wäre. So wurde angeblich alles unter den Tisch gekehrt und nach Mozarts Tod in dein "hitziges Frieselfieber" umgetauft. Ende.


    Zu dieser in diesem Buch vertretenen Theorie gehört, dass Baron van Swieten mit dem geerbten "Aqua Swietensis" [oder ähnlich] Mozart versehentlich eine Überdosis verpasste - sich deshalb der Beerdigung [ = unauffälligen und schnellen Beseitigung des Leichnams] annahm, damit er nicht Ärger bekommt.


    Das Buch ist sehr interessant. Allerdings gibt es Parallelbeispiele, die diese Theorie zunichte machen.


    LG
    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Für mich wurde Mozart nicht vergiftet, von wem auch? Man bedenke mal, dass er in den damaligen für uns heute wohl unvorstellbar primitiven Kutschen von Wien nach Neapel, Paris und London gereist ist, und sich wohl viele Krankheiten zugezogen hat, und er klagt ja auch in einem Brief über das irre miese Quartier in Paris, in dem er samt Mutter untergebracht war, die ja dort auch verstarb. In „Cosi fan tutte“ nimmt er ja auch die damalige Ärzteschaft arg auf die Schippe.



    Micha

  • Natürlich könnte er vergiftet sein. Denn wenn seine Leber und/oder Nieren nicht mehr funktionierten, könnten die Abfallstoffe im Blut, die nicht mehr weggesäubert wurden, ihm vergiftigen.


    LG, Paul

  • Salut


    Zitat

    ..., weil ich nur das Glaube, was definitiv bewiesen werden kann.


    Das brauchst du dann aber nicht mehr zu glauben, weil du es ohnehin schon weißt!



    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von GalloNero
    Ich möchte nicht Klugscheißen, aber wurde je Untersucht, ob nicht die beiden Ärztze bei einer evtl. vorhandenen, aber nie publik gemachten Syphillis eines Wolfgan Amadeus Mozart einen Kunstfehler begangen haben könnten. Will sagen, hätte Mozart die Syphillis gehabt und wäre beispielsweise an einer Überdosis Quecksilber, verabreicht durch die beiden behandelnden Ärzte, gestorben, hätten dies die Ärzte je zugegeben. Wäre es da nicht einfacher irgendein Fieber in den Totenschein zu schreiben?


    Dann muszt Du Köppen lesen.


    Zitat

    Das brauchst du dann aber nicht mehr zu glauben, weil du es ohnehin schon weißt!


    Was ich weiß, macht mich nicht heiß... :P Zudem, ja: Du hast in der Tat Recht! Mozart wurde vergiftet... jüngst mehrfach von einem gewissen Nikolaus Harnoncourt...


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von musicophil
    Natürlich könnte er vergiftet sein.


    Wie zu früherem Zeitpunkt von mir schriftlich zur Kenntnis gegeben, glaube ich gar, dass Mozart die Behauptung, man habe ihn "vergiftet", tatsächlich gegenüber seiner Frau geäußert hat. Nur glaube ich weniger, dass dieser Vorgang in Form von diversen netten Zugaben in die Nahrungsaufnahme vonstatten ging, sondern dass Widersachertorten ihn verbal durch Intrigen "vergiftet" haben.


    :hello:


    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Alle Vergiftungstheorien sind gescheitert. Die Ärzte waren damals ohne weiteres in der Lage, einen Vergiftungstod zu diagnostizieren. Es gibt keinen schlüssigen Beweis für eine Vergiftungstod! :no: :no: :no:
    Padre

  • Zitat

    Original von jpsa
    Ernste Antwort und Meinung:


    Nein, ich glaube nicht, dass Mozart gewaltsam zu Tode kam.


    Nicht so ernste Begründung mit den Worten Alfred Brendels:


    zu 1. dass Mozart in Stephansdom eine Sterbemesse im Beisein von Constanze gewidment wurde, scheint mir bekannt zu sein. Allerdings war es ja unter Joseph II. so, dass Massengräber aus hygienischen Gründen vorordent wurden, und man alles mit Kalk gelöscht hat in Abwesenheit der Verwandten, wie man ja auch diesem Bild von Mozarts Beerdigung mit "Hund" sehen kann. Nur: dass ihn ein Arzt obduziert oder untersucht hat, scheint mir in Zeiten des Aderlasses und Behandlungen mit Quecksilber eher unwahrscheinlich, man starb halt, und das war's wohl.


    zu 2. na ja Alfred Brendel ist ja bekannt für seine Vorträge. Handelt sich wohl eher im Kabarett auf hohen Niveau, aber wissenschlafltich fundiert erkärt er selbst dies auch nicht, eher als lusitge Ironie.


    LG Micha:hello:

  • Lieber Michael,
    jeder darf hier im Forum seine Meinung äußern und auch vertreten. Wie Ulli bereits zutreffend geschrieben hat, hat die Literatur dieses Thema bereits totgeschrieben.
    Auch ich habe in meinem Buch" Soll die Empfindung Liebe sein" keine neuen Fakten finden könne, obwohl ich sehr lange recherciert habe. Nach dem Stand 2006, haben sich bisher 98 Autoren mit den Todesursachen von Mozart beschäftigt, und sind zu folgenden Ergebnis gekommen:
    - Niereninsuffizenz 31
    - Herversagen 14
    - Ärztl. Behandlungsfehler 12
    - akute oder chronische
    Infektion 12
    - Rheumatisches Fieber 9
    - Intoxikation 8
    ( Mord oder versehentliche
    Selbstintoxikation)
    - Arthritis 6
    -Angeborene Missbildung 4
    - Morbus Basedow 1
    Ich habe nun eine neue Theorie entwickelt, die genau so falsch sein kann wie die 98 davor. Das schlimme ist ( oder vielleicht auch gute), wir haben von Mozart kein DNA-Material und in soweit ist alles reine Spekulation.Viele Grüße
    Padre

  • Zitat

    Original von Ulli
    Salut,


    es gibt ein Buch von Ludwig Köppen "Mozarts Tod", der eine ähnliche Therorie zu beweisen versucht: Er unterstellt, dass die Ärzte von einer Syphilliserkrankung wussten.
    i


    Ich finde diese Vermutungen schlicht als abstrus, da ja von Mozart kein einziger Knochen erhalten ist, und die, die man dafür hält, sind es erwiesenermaßen nicht. Wie auch, aus einem Massengrab?
    LG Micha:hello:

  • Ich will hier nicht weiter einsteigen, aber Gottfried van Swieten, Sohn von Gerard van Swieten, dem Erfinder von "liquor Swietini"( ein Quecksilber (II)- Chlorid), dass zur Heilung der Syphilis eingesetzt wurde, wendete G. van Swieten auch bei Mozart an. Da G. van Swieten über keine medz.Kenntnisse verfügte, fürchtete er , er hätte Mozart vergiftet oder doch seinen Tod geschleunigt.( Quecksilber- Salben)
    Wenn dem so war, werden unter Beachtung der geltenden Begräbnisordnung ( 48 Stunden- Karenz, keine aufwendige Begräbnisse, schlicht und einfach), einige Zusammenhänge klar.
    Hätte van Swieten nicht beim Kaiser für Mozart eine Ausnahmegenehmigung von der Beerdigung 3. Klasse bewirken können? Warum tat er es nicht oder konnte er nichts mehr tun?
    Alle diese Fragen sind in meinem Buch beantwortet.
    Viele Grüße
    Padre

  • Zitat

    Original von Michael


    Mir scheint, dass wir unbedingt einen Mörder brauchen, weil’s eben der „Wolferl“ ist, und wir nicht nur keinen blassen Schimmer mehr von der Lebenserwartung in der damaligen Zeit haben, nur: zu wissen glauben wir heute ja alles, und Mord macht sich halt gut, und daher galt wohl Salieri bis vor wenigen Jahrzehnten als „der Mörder“ vom „Wolferl“, unbestrittenerweise sozusagen, zumindest bei Musikliebhabern und beim Volk.


    Dazu vielleicht nur noch etwas, was weit hergegriffen zu sein scheint:
    die wohl bekannteste Giftmischerin aller Zeiten „Lucrezia Borgia“, galt ja auch bis vor kurzem als solche schlechthin, während die Wissenschaft heute eindeutig weiß, dass sie keine Giftmischerin war. Nur verblassen solche irrigen Gemeinplätze halt irre schwerlich. Was soll man dagegen machen????????


    LG Micha:hello:

  • Zitat

    Original von Michael
    und Mord macht sich halt gut, und daher galt wohl Salieri bis vor wenigen Jahrzehnten als „der Mörder“ vom „Wolferl“, unbestrittenerweise sozusagen, zumindest bei Musikliebhabern und beim Volk


    ...er hats ja selbst zugegeben [nicht nur im Film...].


    Zitat

    Nur verblassen solche irrigen Gemeinplätze halt irre schwerlich. Was soll man dagegen machen????????


    Abwarten, bis der letzte Funke Wahrheit nicht mehr nachweisbar ist - dann wird die [alte] Wahrheit durch eine andere ersetzt und es passt.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Wenn man die Vergiftungstheorie weiter spinnen möchte ,ergeben sich folgendeVerdächtige:


    Antonio Salieri Motiv: Neid Missgunst
    Baron Gottfried v.
    Swieten : er kurierte eine Syphilis mit quecksilberhaltigen Salben aus den Beständen seines Vaters und glaubte er hätte damit Mozart getötet.
    Franz Hofdemel : Mozart soll mit Ehefrau Madalena, ein Verhältnis gehabt haben. Madalenas Sohn soll von Mozart stammen.
    Dr. Closset, Hausarzt : Vertuschung von Behandlungsfehlern
    und Dr Sallaba
    Franz Xaxer Süßmayr : pontenzieller Liebhaber von Constanze und Vater des letzem Sohn.
    Constanze : Wolfgang steht der Beziehung zu Süßmayr im Wege.
    Michael Puchberg :Wut über ausstehende Schulden.
    Graf Franz v. Walsegg-
    Stuppach :wollte das Requiem, als sein eigenes ausgegeben und verhindern, dass die Wahrheit herauskam.
    Anton Leitgelb : Im Auftrag von Graf W-S
    Freimauer : Fememord, da Mozart geheime Rituale ( Zauberflöte)verraten haben soll.
    Ist das glaubhaft und gibt es einen Hauptverdächtigen ?
    Einen schnen Sonntag wünscht
    Padre