Gerhard Oppitz - der stille Star

  • Lieber Damiro,
    nach Telefonat alles in Ordnung und meine Frau und ich freuen uns, Dich am 29. April beim Oppitz-Konzert als lieben Gast begrüßen zu dürfen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo Hans,


    morgen treffe ich Lutz. Anschließend gebe ich Dir Bescheid.
    Vielen Dank für die Einladung.


    Gruß Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Wolfgang,
    rufe mich bitte an und gebe mir Bescheid. Wir dürfen unsere halb private Kommunikation nicht übertreiben, sonst bekomme ich die gelbe oder rote Karte. Also Bitte nach Wien nochmal großzügig sein. Ich werde mich bessern :hail: Liebe Grüße an Lutz. Ingrid und ich freuen sich, wenn Ihr kommt. Dann ist es ein kleines Taminotreffen und das bringt auch wieder Bindung ans Forum. :angel: :hello:
    Herzlichst
    Operus

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  • Ich habe nach den durchaus positiven Erlebnissen rund um das Gerhard-Oppitz-Konzert in Heilbronn am 29. April beschlossen, meine Oppitz-Sammlung zu ergänzen und die ersten Ergänzungen sind jetzt bei mir eingetroffen. Ich habe weiterhin beschlossen, meine Höreindrücke hier zu schildern. Das kann natürlich nicht so ausführlich geschehen wie in meinen Sonaten-Threads, weil ich ja auch keine Partituren davon habe, aber einen kleinen Eindruck kann ich schon vermitteln. Als erstes habe ich eben gehört:


    Ludwig van Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1 C-dur op. 15
    Gerhard Oppitz, Klavier
    Gewandhausorchester Leipzig
    Dirigent: Marek Janowski
    Aufnahmeort: Gewandhaus Leipzig
    AD: 26. 1. - 4. 2. 1995
    Spielzeiten: (brutto) 15:37-12:08-8:40 --- 36:25 min.;


    Vorausschicken möchte ich, dass diese Aufnahme im Dolby surround. encoding system aufgenommen wurde und von daher einen vorzüglichen Klang besitzt, der durch meine Hörkette: KH-Verstärker Burson Audio Soloist- CD-Player Marantz CD 6006-KH Sennheiser HD 650 adäquate Wiedergabequellen hat.
    Die Aufnahmezeit, Mitte der Neunziger Jahre könnte so ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich Gerhard Oppitz das erste Mal im Konzert erlebte, an meinem damaligen Wohnort Coesfeld-Lette (ich berichtete auch in diesem Thread darüber).
    Von Anfang an erlebte ich ein transparentes Klangbild eines vorzüglichen Orchesters unter einem ebenso vorzüglichen Dirigenten, Marek Janowski, den ich etliche Jahre später zum ersten Male live in der Kölner Philharmonie erlebte, als er in einem grandiosen Konzert Bruckners achte Sinfonie c-moll aufführte.
    Hier nun war es Beethovens 1. KK, in Wirklichkeit seine zweites, welches nur als Erstes veröffentlicht wurde.
    Gerhard Oppitz fügte sich nach der ausführlichen Orchestereinleitung nahtlos in das Geschehen ein und offenbarte auch einen transparenten, dennoch warmen Klang und spielte seinen Part ganz natürlich, ohne sich in den Vordergrund spielen zu wollen. Orchester, Solist und Dirigent zeigten, dass sie bestens aufeinander abgestimmt und eingestellt waren, und sich nach dem Wahlspruch richteten, der an der Orgel über dem Podium thront: "Res severa verum gaudium" (Wahre Freude ist eine ernste Sache). Und so machte diese Aufnahme mir auch wahre Freude. Im Tempo ist diese Aufnahme, wie ich in aller Eile feststellte, in etwa vergleichbar mit der Aufnahme von Peter Rösel, dem Berliner Sinfonie-Orchester und Claus-Peter Flor oder Robert Levin mit dem Orchestre Rev. e. Rom. und Sir John Eliot Gardiner, den ich am Samstag mit seinem Schütz Choir und den English Baroque Soloists und Bach in Köln erleben werde.
    Gerhard Oppitz spielt auch die ausführliche und hochvirtuose Kadenz, die Beethoven selbst zu diesem Konzert komponiert hatte und die schon eindrucksvoll zeigte, wes Geistes Kind Beethoven schon Mitte der Neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts war. Etwas Vergleichbares hatte es bis dahin nicht gegeben. Wiederum muss ich aber sagen, dass Oppitz seine natürliche Tongebung auch in dieser Kadenz beibehielt. Unbedingt glänzen zu wollen, war offenbar schon damals seine Sache nicht- wie wohltuend!
    Das Largo ist eines der Schönsten bei Beethoven überhaupt und auch im Vergleich zu sonstigen klassischen Klavierkonzerten. Hier zeigte Gerhard Oppitz, welch ein großer Meister er auch bei der Interpretation lyrischer Sätze ist, und er wurde von Dirigent und Orchester bestens dabei unterstützt und spielte im Wechsel mit diesen einen vollendeten langsamen Satz, den auch in der Ausdehnung längsten in Beethovens fünf Konzerten.
    Auch das abschließende Rondo: Allegro spielten alle Beteiligten auf dem gleich hohen Niveau, wobei sie den temporalen Kontrast zum langsamen Largo mit dem richtigen Augenmaß spielten und kein Kehraus-Tempo anschlugen. So behielt der Finalsatz jederzeit das ihm gebührende Gewicht, ohne jemals schwer zu klingen.
    Dies war ein vollendeter Einstieg in eine hoffentlich so weiter empfundene Gesamtaufnahme, denn die anderen vier Konzerte werde ich in der nächsten Zeit hier auch noch kurz vorstellen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich hatte Gerhard Oppitz, wie im vergangenen Jahr zu seinem 65. Geburtstag, auch in diesem Jahr persönlich, natürlich auch im Namen des Forums, am Diesntag zu seinem 66. gratulieren wollen, ihn aber nicht erreicht (wie ich inzwischen weiß, übt er natürlich auch an seinem Geburtstag), und ihm stattdessen in einer SMS gratuliert, auch im Namen des Forums, und auch Bezug genommen auf unsere Begegnung im vergangenen Jahr.

    Heute nun erhielt ich am Nachmittag eine Antwort-SMS von ihm, die ich hier wiedergeben möchte:

    "Danke, lieber Willi..., für die Grüße und Wünsche zum 5. Februar. Gerne denke ich zurück an die vergnüglichen Stunden in Heilbronn. Mit Hans habe ich mich vor ein paar Tagen via Telefon unterhalten.


    Bis zu einem Wiedersehen

    herzliche Grüße


    Gerhard Oppitz"


    Auf dieses Wiederdsehen freue ich mich jetzt schon, denn wie ich weiß, war das Konzert im April letzten Jahres (über das ich hier im Forum auch berichtete", nicht das letzte einer Konzertreihe, sondern das Nächste soll nach meienr Erinnerung im nächsten Jahr stattfinden. Da wir alle wissen, was 2020 für ein Jahr ist, habe ich schon so eine Ahnung, was auf dem Programm stehen könnte, Jedenfalls wüsste ich, was ich auf das Programm setzen würde, und die von mir für einen solchen Abend favorisierte Tonart wäre "Es-dur" (vielleicht mit einer Ouvertüre in C-dur).


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Finde ich ja toll, lieber Willi und Hans,

    dass Ihr persönlichen Kontakt zu Gerhard Oppitz pflegt.


    Ich habe Oppitz irgendwann nach 2000 im Sommer bei einem abbonierten Solokonzert in der Bonner Rheinaue (in einer aufgebauten Halle) auch LIVE erleben können. Soweit ich mich erinnere war Beethoven und Ravel dabei. :thumbup:Klasse !

  • "Geh zu Gerhard Oppitz nach München!", waren die ersten und klaren Worte meiner langjährigen Klavierprofessorin, als ich seinerzeit überlegte, noch ein Aufbaustudium 'Künstlerische Ausbildung' zu machen.

    Das, was sie mir damals über ihn sagte, passt ziemlich genau auf vieles, was hier schon über Oppitz geäußert wurde. Ein äußerst interessanter Mann. Das, was er ausstrahlt und auch was ich von ihm künstlerisch kenne, ist überaus positiv. Wäre bestimmt richtig toll und bereichernd gewesen, wenn das mit dem Studium geklappt hätte.

    Ich habe ihm allerdings nie vorgespielt, weil ich plötzlich doch lieber heiraten wollte.

  • Ich habe ihm allerdings nie vorgespielt, weil ich plötzlich doch lieber heiraten wollte.

    Es wäre sicher auch beides gegangen, wenn auch vielleicht nicht am gleichen Tag! ^^

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Lieber Leiermann,

    vielleicht können wir das mit dem vorspielen doch noch arrangieren. Spaß beiseite: Ich bin Gerhard Oppitz eng verbunden weil ich als 1. Vorsitzender des Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO) für den damals Elfjährigen das erste große Konzert mit voll besetztem Sinfonieorchester vor 2.000 Besuchern in der Heilbronner Harmonie ermöglichte. Daraus ist eine bis heute dauernde Freundschaft entstanden. Oppitz ist der am häufigsten beim HSO verpflichtete Pianist. Er ist Ehrenmitglied des Orchester. Der ihm gewidmete Oppitz-Zyklus "Welt des Klaviers", bei dem er die Stücke selbst auswählt, ist unbegrenzt, das heißt Oppitz spielt bei uns was er will und wann er will. Zur Zeit etwa in 3 jährigen Abständen. In der Saison 21/22 wird es wieder so weit sein. Behalte es im Kopf, denn ich werde Dich dann gerne als Ehrengast zum Oppitz-Konzert einladen. Zumindest könntest Du dann mit ihm sprechen und ihm Deine Geschichte erzählen. Übrigens ist er auch privat eine großartige, hochgebildete Persönlichkkeit.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    der sich freut, dass Du Tamino-Mitglied geworden bist.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Leiermann,

    vielleicht können wir das mit dem vorspielen doch noch arrangieren. Spaß beiseite: Ich bin Gerhard Oppitz eng verbunden weil ich als 1. Vorsitzender des Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO) für den damals Elfjährigen das erste große Konzert mit voll besetztem Sinfonieorchester vor 2.000 Besuchern in der Heilbronner Harmonie ermöglichte. Daraus ist eine bis heute dauernde Freundschaft entstanden. Oppitz ist der am häufigsten beim HSO verpflichtete Pianist. Er ist Ehrenmitglied des Orchester. Der ihm gewidmete Oppitz-Zyklus "Welt des Klaviers", bei dem er die Stücke selbst auswählt, ist unbegrenzt, das heißt Oppitz spielt bei uns was er will und wann er will. Zur Zeit etwa in 3 jährigen Abständen. In der Saison 21/22 wird es wieder so weit sein. Behalte es im Kopf, denn ich werde Dich dann gerne als Ehrengast zum Oppitz-Konzert einladen. Zumindest könntest Du dann mit ihm sprechen und ihm Deine Geschichte erzählen. Übrigens ist er auch privat eine großartige, hochgebildete Persönlichkkeit.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    der sich freut, dass Du Tamino-Mitglied geworden bist.

    Das hört sich alles nach einer sehr schönen, gewachsenen Verbundenheit an. Und da ich in Heilbronn etwas entfernte Verwandtschaft habe... - na, ich weiß ja, wie das mit den Plänen so ist. Aber ich werde es als neues Mitglied weiter verfolgen und bei einer sich öffnenden Gelegenheit sicher auch gerne zugreifen. Ihn zu hören, wohlgemerkt. Weder meine verhältnismäßig ungeübten Finger noch meine für ihn unbedeutende "Geschichte" könnten ihn interessieren: An Letzterer höchstens, dass er von meiner Professorin über die weite Entfernung hinweg wirklich außerordentlich geschätzt wurde. Denn sie kam SOFORT auf ihn, als ich meine Pläne äußerte. Inwieweit sie ihn persönlich kennt, weiß ich gar nicht, denn obwohl ich mich dann noch an mehreren Hochschulen für den Studiengang schriftlich beworben hatte, änderte sich plötzlich alles, als mir klar wurde, dass ich einen anderen Schatz gefunden hatte, den ich nicht für einen weiteren studentischen Egotrip zurücklassen wollte. Und so habe ich auch mit meiner Professorin nie mehr ganz konkret über ihn gesprochen. Ich weiß noch, dass sie mir irgendwie eine Art pianistisches UND auch klavierpädagogisches Selbstverständnis, das sie in Oppitz zu sehen meinte, ins Bewusstsein rückte. Und das gefiel mir und kam mir auch sehr glaubwürdig vor.


    Deine Geschichte mit Oppitz ist aber auf jeden Fall wirklich klasse, z.B. dass du ihn als hochbegabten Jungen in seiner Solistenrolle mit Orchester erlebt und gefördert hast. Das müssen überaus schätzenswerte Erinnerungen für dich sein. Er hat ja offenbar schon wirklich früh gezeigt, was in ihm angelegt war. "Jugend musiziert" gewinnt man im Fach Klavier auch nicht mal eben so.


    Als "Ehrengast" wäre ich selbstverständlich eine Fehlbesetzung, aber falls er mal außergewöhnlicherweise in der Saison 21/22 nach Noten spielte (man beachte den Irrealis), böte ich mich gerne als Umblätterer an... das wäre mir dann eine echte Ehre...


    Bis auf Weiteres, lieber Hans!

  • Gerhard Oppitz darf als der renommierte deutsche Pianist gelten, der bei höchster Musikalität und internationalen Erfolgen wahrscheinlich am bescheidensten auftritt. Dem stillen Meister ist die künstlerische Aussage wichtiger als jeglicher Show-Effekt. Mit intellektueller Durchdringung arbeitet Oppitz akribisch die wesentlichen Merkmale der Komposition mit bestechender Klarheit und transparentem Klavierklang heraus. Perfekt empfinde ich auch die Balance zwischen Struktur des Werkes einerseits und der schöpferischen Fantasie im Umgang mit dem Komponierten andererseits. Opptiz ist ein Musiker der erzählen kann, mit einer Natürlichkeit, der die jahrzehntelange Vertrautheit mit den Werken anzuhören ist. Am besten zu erleben in seinen umfangreichen Gesamteinspielungen von Brahms, Beethoven, Grieg und Schubert.


    Herzlichst

    Operus (Hans)


    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!