Georg Friedrich Händel - Die Opern

  • "Arminio "



    Max Emanuel Cencic - Arminio, Countertenor
    Layla Claire - Tusnelda, Sopran
    Petros Magoulas - Segeste, Bass
    Juan Sancho - Varo, Tenor
    Vince Yi - Sigismondo, Countertenor
    Ruxandra Donose - Ramise, Mezzosopran
    Xavier Sabata - Tullio, Countertenor

    Armonià Atenèa
    Leitung: George Petrou


    Sie sollten Countertenöre mögen. Die drei auf dieser Aufnahme widerlegen die Theorie, dass alle Countertenöre gleich klingen: Max Emanuel Cencic, der die Titelrolle singt, hat einen grandiosen, konzentrierten und prächtigen Klang; Vince Yi als Sigismondo ist mädchenhaft (noch mädchenhafter, aber weniger lieblich als Philippe Jaroussky), und Xavier Sabata ist ein dunkelstimmiger Tullio, ein römischer Tribun, ein Feind der Guten.

    Um einen Eindruck von Cencics Vielseitigkeit zu bekommen, hören Sie sich „Dura lacci“ an, eine Klage, die er in Ketten singt, mit dunkler Stimme – und dann, Augenblicke später, fast wie eine Cabaletta, das trotzige „Si cadro“, voller Akrobatik, langer Läufe und Oktavsprünge. Seine Stimme besitzt wunderbare Farben und sein Gesang ist furchtlos, ganz wie es seinem Charakter entspricht. Sein „Vado morir“ im letzten Akt ist beinahe eine Klage, die Kleopatra oder Alcina würdig wäre.

    -Classics Today-



    Max Emanuel Cencic: countertenor | Arminio Lauren Snouffer: soprano | Tusnelda Pavel Kudinov: bass | Segeste Juan Sancho: tenor | Varo Gaia Petrono: mezzo-soptano | Sigis Oweb Willetts: countetenor | Tullio Armonia Atenea Conducted by George Petrou

    Kleine Unterschiede in der Besetzung



    LG Fiesco




    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Den "Arminio" liebe ich auch. Eigentlich mit jedem Hören mehr. Tusneldas Arie "Al par della mia sorte" ist der bekannteste Ohrwurm, aber die Oper ist voller schöner Arien.

    Arminio war zudem die erste Händel-Oper die ich live erlebte. Das war 2008 oder so in Halle. Um Händelopern zu erleben war mein erster Studienort an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ziemlich gut. Später stellte ich fest, dass es ein Luxus war und viele der größeren Häuser kaum einmal Händel-Opern aufführten und wenn, dann standen andauernd "Giulio Cesare" oder "Alcina" auf dem Plan. In Halle hingegen gab es gefühlt jede Händel-Oper mal live zu erleben.


    Neben der Petrou-Aufnahme habe ich noch die Göttinger unter Cummings:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • " Ezio "

    HWV 29



    Sonia Prina (Valentiniano), Ann Hallenberg (Ezio), Anicio Zorzi Giustiniani (Massimo), Karina Gauvin (Fulvia), Marianne Andersen (Onoria), Vito Priante (Varo)


    Il Complesso Barocco, Alan Curtis


    Ezio ist – selbst heute noch – eine Rarität in der Händel-Diskografie. Trotz der Mitwirkung Senesinos war das Werk schon zu Lebzeiten des Komponisten nicht sonderlich populär; die relative Gleichgültigkeit, die ihm seither widerfahren ist, lässt sich wohl auf eine Reihe von Faktoren zurückführen: die Verwicklungen der Handlung, die selbst für damalige Verhältnisse überaus verschachtelt anmutet; den eher altertümlichen und gewissermaßen statuarischen Charakter des Werks; sowie dessen „Stand-and-deliver“-Natur – eine Abfolge von Rezitativen und Arien, die nicht durchweg ganz das hohe Niveau erreichen, das man aus Händels populäreren Opern kennt. Dies zumindest ist meine persönliche Einschätzung, nachdem ich das Werk wiederholt gehört habe.




    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Eine meiner liebsten der unbekannteren Händel-Opern ist Arianna in Creta HWV 32. Sie wird kaum mal erwähnt und ist auch hier im Thread noch kaum aufgetaucht. Die Oper steht zwischen Orlando HWV 31, Ariodante HWV 33 und Alcina HWV 34 und ist damit von Giganten im Händelschen Opernkosmos umgeben. Für mich gehört sie gut in dieses Umfeld ohne sich verstecken zu müssen. Zwar ist sie formal weniger fortschrittlich als Orlando oder danach Ariodante, dafür voller schöner Melodien in klassischer Opera seria Manier.

    Arianna ist der Abschluss des zweiten Opernunternehmens Händels. Bereits der Vorgänger, Orlando, war Händels letzte Gelegenheit für den berühmten Kastraten Senesino zu komponieren, der anschließend zur Konkurrenz wechselte. Mit dem neu zusammengestellten Ensemble und seiner Arianna hatte Händel jedoch keinen Erfolg mehr und musste zunächst die Segel streichen.

    Die Oper nimmt, nach Teseo HWV 9, wieder den Thesue/Ariadne-Mythos auf.


    Eine der tollsten Bravurarien aus Händels Feder ist Teseos "Nel pugnar col mostro"


    Und das musikalisch schönste aller Opernfinali Händels gehört für mich auch Arianna. Die musikalische Substanz dieser Musette wird bereits in der Sinfonia des 1. Aktes angedeutet. "Bella sorge la speranza" singt Teseo zunächst als Soloarie, nahtlos wird daraus dann das Schlussensemble.


    Die Oper wurde selten eingespielt, so dass die Gesamtaufnahme aus Patras wahrscheinlich diejenige ist, zu der Händel-Fans greifen.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Eine sehr schöne Aufnahme!


    Nur mal so nebenbei.......

    Mary Ellen Nesi - Archetypen



    »Wer clever konzipierte Arienprogramme zu schätzen weiß, wird keine Sekunde zögern, sich dieses Recital zu beschaffen – zumal manches Stück nie zuvor eingespielt wurde.« (BR-Klassik)


    Dem stimme ich mit Freuden zu!



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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  • Scipione



    Derek Lee Ragin (Scipione), Doris Lamprecht (Lucejo), Sandrine Piau (Berenice), Guy Fletcher (Lelio), Olivier Lallouette (Ernando), Vanda Tabery (Armira)


    Les Talens Lyriques Cond. Christophe Rousset


    Die Edition rekonstruiert aus dem nicht mehr ganz vollständigen Partiturautograph und der später veränderten Direktionspartitur die Fassung der Erstaufführung (5. März 1726). Händel hatte trotz – oder gerade wegen – Zeitmangels zu viel komponiert; vier ausgeschiedene Arien höchster Qualität und einige Frühfassungen werden in dem Band der HHA z. T. erstmalig veröffentlicht. Eine Zweitfassung der Oper im Jahre 1730 – nun mit Senesino und Anna Maria Strada als führendem Paar – stattete Händel mit nicht weniger als 14 Einlagen eigener Komposition aus, die u. a. aus seinem Anteil an der Oper Muzio Scevola (1721) stammten. Die Edition macht diese Zweitfassung vollständig aufführbar (Anhang I). Da die Titelrolle 1730 für Tenor bestimmt war, werden einige in der Direktionspartitur fehlende Rezitative für diese Stimmlage adaptiert. Obwohl ein entscheidender Monolog Scipiones in dieser Fassung gestrichen ist, kommt dessen Tenorrolle nun glaubwürdiger zur Geltung.

    Reinhard Strohm
    (aus „[t]akte“ 1/2024)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • "Flavio"



    Tim Mead (Flavio), Andrew Foster-Williams (Lotario), Rosemary Joshua (Emilia), Thomas Walker (Ugone), Iestyn Davies (Guido), Hilary Summers (Teodata), Renata Pokupić (Vitige)


    Early Opera Company, Christian Curnyn



    In einer so engagierten Aufführung wie dieser sticht „Flavio“ als eine von Händels besten Opern hervor. Sie sollte in keiner Sammlung fehlen, wenn man die ganze Bandbreite seines Opernschaffens erleben möchte. Sammler von Opernaufnahmen werden diese Box natürlich besitzen wollen, aber sie ist auch ein idealer Einstieg in die Welt dieser Werke für alle, die bisher noch nicht von ihrem Wert überzeugt waren.

    Flavio war eine der Opern, die Händel für das Ensemble der Royal Academy of Music am King’s Theatre am Haymarket komponierte. Sie besitzt einen ganz eigenen Charakter, der sich deutlich von dem des 1724 folgenden „Giulio Cesare“ unterscheidet. Obwohl die Handlung ebenfalls Macht und Sexualität thematisiert, werden diese Themen völlig anders behandelt. Manche Kritiker sehen sie beinahe als Komödie. Gewiss gibt es Momente, die dem Publikum ein Schmunzeln entlocken mögen. Dazu gehören zwei aufeinanderfolgende Rachearien für empörte Väter zu Beginn des zweiten Akts. Auch die Frage, wer das schwierige Amt des Gouverneurs von Britannien übernehmen soll, ist ein zentrales Handlungselement. Abgesehen davon dürfte die Oper für viele moderne Opernproduzenten kaum komisch wirken.

    Die Handlung ist zu komplex, um sie hier vollständig darzulegen, doch im Kern geht es um die Rivalität zweier älterer Berater des Königs der Lombardei. Sie spielt in einer legendären Zeit, als die Lombardei über Britannien herrschte. Ihre Kinder und andere Höflinge sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden, und die Handlung wird durch den umherschweifenden Blick des Königs in Gang gesetzt. Das Libretto wurde von Nicola Haym nach einem Werk des Venezianers Matteo Noris aus dem Jahr 1682 bearbeitet. Nachdem ich diese Aufnahme gehört und sehr genossen habe,



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • " Lotario "

    Dramma per musica in three acts, HWV 26 (1729)


    (gekürzte Fassung)


    Adelaide: Francesca Lombardi Mazzulli (soprano)
    Lotario: Carlo Vistoli (countertenor)
    Matilde: Anna Bonitatibus (mezzo-soprano)
    Berengario: Krystian Adam (tenor)
    Idelberto: Rafał Tomkiewicz (countertenor)
    Clodomiro: Ki-Hyun Park (bass)


    Händelfestspielorchester Halle/Attilio Cremonesi



    (Vollständig bis auf minimalste Kleinigkeiten)



    Sophie Rennert (Lotario), Marie Lys (Adelaide), Jorge Navarro-Colorado (Berengario), Ursula Hesse von den Steinen (Matilde), Jud Perry (Idelberto), Todd Boyce (Clodomiro)


    Festspiel Orchester Göttingen

    Dir.Laurence Cummings


    Lotario wird wohl niemals zu den Top 10 der Händel-Opern zählen; diese Aufnahme beweist jedoch, dass das Werk durchaus überzeugen kann. Durch die Live-Aufnahme gehen zwar in puncto Detailreichtum und gelegentlicher Präzision gewisse Abstriche einher, doch der Gewinn ist immens – denn die jungen Sänger zeigen eindrucksvoll, wie tief sie sich auf das dramatische Geschehen einlassen.



    (gekürzte Fassung)


    Sara Mingardo (Lotario), Simone Kermes (Adelaide), Steve Davislim (Berengario), Hillary Summers (Matilde), Sonia Prina (Idelberto), Vito Priante (Clodomiro)


    Il complesso barocco

    Dir.Alan Curtis (gekürzte Fassung)


    Mit seiner 2004 erschienenen Produktion setzte Alan Curtis Maßstäbe, auch wenn seine Einspielung stark gekürzt war (deutsche harmonia mundi). Laurence Cummings basierte seine Einspielung 2017 auf szenische Aufführungen in Göttingen – immer noch mit geringen Kürzungen. In Halle nun wieder starke, extreme Kürzungen, die nicht nur die ABA-Gestalt vieler Arien verstümmeln (eine Arie ist komplett gestrichen), sondern auch die Rezitative so stark verknappen, dass der Handlung kaum noch zu folgen ist. So etwas gehört nicht auf CD gebannt, gerade, wenn die Aufführung auf der Edition der Hallischen Händel-Ausgabe basiert, die ganz im Gegensatz zur Einrichtung für die Festspiele von hoher wissenschaftlicher Akkuratesse und Verständnis für das Werk ist.


    Für das im Dezember 1729 uraufgeführte Werk verwendete Händel ein Libretto einer kurz zuvor erschienenen Oper von Orlandini, die er wahrscheinlich Anfang des Jahres in Venedig gehört hatte.



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Eine weitere sehr schöne und hörenswerte unbekanntere Oper Händels ist Poro, Re dell'Indie HWV 28.

    Eine von nur drei Metastasio-Opern im Ouvre Händels war zu Lebzeiten eine seiner erfolgreichsten überhaupt. Auch war Poro Händels erste Oper für den an den Haymarket gelockten Star-Kastraten Senesino, der zum Erfolg der Oper natürlich sehr stark beitrug. Auch die exotische Indien-Thematik dieses von vielen Komponisten u.a. auch unter den Namen "Cleofide" oder "Alessandro nell'Indie" vertonten Sujets machte die Oper zur Entstehungszeit beliebt.


    Die Oper ist reicher an schönen Arien, als man glauben möchte, da sie es nicht zu größerer Bekanntheit gebracht hat. Größter Ohrwurm war 1731 Erisseneas Arie "Son confusa pastorella" mit ihrem einfach-eingängigen, Flöten-Pastoral-Ton.


    Interessant ist auch die Tenor-Rolle Alessandrio (Alexander der Große). Nach Bajazet in Tamerlano, eine der größten Tenor-Rollen bei Händel. Er erhält feierliche Arien zur Zeichnung seines noblen Charakters, bevor er im 3. Akt mit "Serbati a grandi Imprese" eine der schwierigsten Tenor-Bravurarien Händels zu absolvieren hat.

    Die feierliche "Vil trofeo d'un alma":


    Leider gehören die beiden mir vorliegenden Einspielungen nicht durchgängig zu den besten Händel-Einspielungen. Zum Beispiel kranken beide Aufnahmen mMn an schwachen Tenören, für die exponierte Rolle des Alessandro.

    Ensemble Il Groviglio (Marco Angioloni)


    Europa Galante (Fabio Biondi)

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Leider gehören die beiden mir vorliegenden Einspielungen nicht durchgängig zu den besten Händel-Einspielungen. Zum Beispiel kranken beide Aufnahmen mMn an schwachen Tenören, für die exponierte Rolle des Alessandro.

    Es gibt mindestens noch eine weitere Originalklang-Aufnahme, und zwar von den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen 2006 unter Konrad Junghänel:


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    Vielleicht kann sich jemand zur künstlerischen Qualität äußern.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

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  • Ein interessantes aber kurzes Kapitel ist die oben angedeutete Verbindung von Händel und Metastasio.

    Pietro Metastasio als erfolgreichster und meistvertonter Librettist der barocken Opera seria lieferte zu lediglich drei der 42 Händel-Opern das Libretto:

    "Ezio"

    "Siroe"

    "Poro".


    Viele von Metastasios Libretti sind speziell für virtuose Sänger und Kastraten eingerichtet, so dass seine Texte mit der barocken Opera seria steigen und fallen. Seine Werke haben - bis auf eine Ausnahme - stets drei Akte und nennen sich Dramma (per musica). Seine Figurenzeichnung ist in aller Regel eher statisch und an moralischen Grundfragen ausgerichtet.

    Definitiv sind seine Texte der Standard der Zeit. Einige seiner Libretti wurden über 50 mal vertont ("Artaserse" sogar fast 100 mal, teilweise mehrfach vom gleichen Komponisten). Darunter von Stars wie Leonardo Vinci, Baldassare Galuppi, Niccolò Jommelli, Antonio Vivaldi oder Johann Adolph Hasse.


    Winton Dean schreibt in seiner berühmten Händel-Monographie 1741 dazu:

    Zitat

    "Man könnte annehmen, dass das Herstellen einer Verbindung des größten Opernkomponisten des Zeitalters mit seinem erfolgreichsten Librettisten, einem Meister der Sprache und einem feinen Dichter, außerordentlich fruchtbare Ergebnisse haben würde. Aber während alle drei ihrer gemeinsamen Opern großartige Musik enthalten, ist doch keine Händels Meisterwerken der Jahre 1724–25 und 1734–35 (obwohl Poro dem nahekommt) vergleichbar. Die Divergenz der Temperamente beider Meister war zu groß. Metastastio schrieb, wie es sich für einen Kleriker gehört, für einen erbaulichen Zweck. Als ‚poeta Cesareo‘ am Hof des römisch-deutschen Kaisers Karl VI. für ein halbes Jahrhundert, war es seine Aufgabe, Verhaltensregeln zu beschreiben und Standards für das öffentliche und private Leben, sowie der Aufrechterhaltung des [gesellschaftlichen] Status quo zu formulieren. Bereits in seinen frühen Libretti haben moralische Fragen Vorrang vor menschlichen Werten. Er bewegt seine Figuren wie auf einem Schachbrett, […] so dass sie Gefahr laufen, abstrakt zu werden. In all diesem war sein Ansatz die Antithese zu Händel. Es ist nicht verwunderlich, dass sich Händel nach der Produktion von drei seiner Libretti von ihm abwandte, gerade als sein Ruf den Höhepunkt der Popularität erreichte, um sich den wilderen Pisten von Ariostos Welt der Magie und Romantik zuzuwenden.“



    Der Befund, dass Ezio, Siroe und Poro nicht zu Händels Gipfelwerken gehören, ist auch bald 300 Jahre später gültig geblieben. Auch Dean wertet den Poro als gelungenste der drei Zusammenarbeiten. An anderer Stelle schreibt er, dass Händel im Poro mit einer gewissen Figurenzeichnung sogar "gegen Metastasio" komponiert.

    Es mag durchaus sein, dass Metastasios Stil und seine Grundausrichtung Händel bei Händel auf wenig Resonanz stießen. Händel neigt im Vergleich zu anderen Barock-Opernkomponisten eher zu einer detaillierteren Figurenzeichnung, die durchaus innerhalb der Oper auch eine u.a. musikalische Entwicklung erfahren und braucht dafür Libretti, die weniger starr sind, als bei Metastasio. Es geht Händel weniger als den Kollegen um reine Affektverstärkung, sondern durchaus auch um Fortschritt. Auch will Händel möglicherweise nicht Libretti vertonen, die zuvor bereits zigfach auf dem europäischen Festland vertont wurden. Es fällt aber auf, dass Händel zwei Mal genau in dem Moment auf Metastasio zurückgreift, als er in einer Krise schnell verfügbare Libretti braucht (Poro und Ezio 1732). Metastasios Dogma, der die Musik dominierenden Poesie - bei Hasse wissen wir, dass er sogar Kompositionsvorgaben erhielt, ist letztlich nichts für den Dramatiker Händel. Leider gibt es keine erhaltene Äußerung Händels zu seinem Verhältnis zu Metastasio.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Relativ zu Beginn meiner Klassikleidenschaft habe ich mich durchaus auch näher mit Barockopern beschäftigt. Geradezu zwangsläufig kam dadurch Händel einmal mehr in meinen Fokus. Seine Oratorien überzeugten mich bereits davor von seinem Genius und sind bis heute persönliche Favoriten geblieben. Die Opern hatten es bei mir immer schwerer. Mir fehlten die Chöre. "Giulio Cesare" habe ich vor etwa zwei Jahrzehnten live an der Semperoper in einer m.E. problematischen Inszenierung gehört und seither nie wieder komplett; es hinterließ wenig Eindruck. Eine eigentümliche Schwäche hatte ich allerdings von Anfang an für "Alessandro" (Kuijken, danach eher Petrou) und wenig später für "Riccardo Primo" (Goodwin), was Kenner der sämtlichen Händel-Opern wohl eher überraschen dürfte.


    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Ein interessantes aber kurzes Kapitel ist die oben angedeutete Verbindung von Händel und Metastasio.

    Vielen Dank! Bemerkenswert.


    Es gibt wohl eine Parallele zu Mozart, der sich aus Metastasios La Clemenza di Tito „una vera opera“ stricken ließ.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Es gibt wohl eine Parallele zu Mozart, der sich aus Metastasios La Clemenza di Tito „una vera opera“ stricken ließ.

    Ja, die Einschnitte sind ja doch so groß, dass quasi ein anderes Werk vorliegt.


    Eine eigentümliche Schwäche hatte ich allerdings von Anfang an für "Alessandro" (Kuijken, danach eher Petrou) und wenig später für "Riccardo Primo" (Goodwin), was Kenner der sämtlichen Händel-Opern wohl eher überraschen dürfte.

    Der Alessandro mag ein wenig verwundern. Riccardo primo verwundert mich allerdings überhaupt nicht, lieber Joseph. Er gehört auch in meine Top 6 aller Händel-Opern. Einfach eine prächtige und glanzvolle, dem Anlass angemessene, Komposition. Und die Goodwin-Einspielung liebe auch, u.a. wegen Nuria Rials Costanza.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Kennt jemand die mir bis dato unbekannte Händel-Oper namens "Atalanta"?


    Ich fand auf die Schnelle nur eine einzige Aufnahme:

    Diese 20 Jahre (!) alte Anfrage nutze ich, um darauf hinzuweisen, dass es von Atalanta HWV 35, der Oper direkt nach Alcina, zwei Aufnahmen von McGegan gibt.

    Zum einen aus den 80ern mit der Capella Savaria


    Und zum anderen die damals brandneue, in meinen Augen bessere, Aufnahme mit dem Philharmonia Baroque Orchestra.


    Atalanta ist für mich eine Oper voller kleiner Schönheiten, die in ihrem mächtigen A-Umfeld (Arianna, Ariodante, Alcina, Arminio) immer ein wenig untergeht und sicher auch nicht ganz mit den genannten Werken mithalten kann. Sie ist aber dennoch hörenswert!


    Das Werk entstand 1736 in einer schwierigen Zeit für Händels Opern-Karriere. Mit Alcina hatte er einen weiteren Höhepunkt erreicht, doch nun gewann das konkurrierende Opernunternehmen Opera of the Nobility die Oberhand. Händel unterbrach seine Opernkompositionen erstmals großflächiger zu Gunsten der Auffhrung eigener Oratorien - ein Vorzeichen für den weiteren Kompositions-Weg. Doch im April erhielt Händel den Auftrag einer Hochzeitsoper für die Vermählung von Friedrich Ludwig von Hannover (Sohn King Georges III.) mit Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg. Das Ergebnis ist keine klassische Opera seria, sondern eine Serenata im Pastoral-Milieu. Die Aufführung dauert nur gute zwei Stunden. Durch die Nymphen-Szenen kommen für eine Barockoper ungewöhnlich viele Chor-Szenen vor. Ganze fünf Tage vor der Hochzeit und etwa zwei Wochen vor der geplanten Aufführung wurde die Oper fertig. Letztlich verzögerte sich die Aufführung um eine Woche und hatte dann mittelmäßigen Erfolg. Immerhin gefiel sie dem Kronprinzen so gut, dass er zwei Wiederholungen sehen wollte. Kritisiert wurd erecht früh das sparsame Bühnenpersonal und fehlende Abwechslung, so wie die Abwesenheit besonders herausragender Szenen oder Arien.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Atalanta HWV 35

    Merkwürdige Zufälle gibt es, da ich just gestern in einige Auszüge aus "Atalanta" (1736) und "Deidamia" (1741) hörte. Erstere scheint, wie von Dir angedeutet, zumindest nochmal ein Achtungserfolg für Händel gewesen zu sein. Die große Zeit seiner italienischen Opern war allerdings erkennbar überschritten. Vielleicht erklärt das gewisse Experimente in der Spätphase, wie den genannten Einsatz von Chören und das tendenziell stärker besetzte Orchester. Laienhaft gesprochen, könnte man es eine gewisse Annäherung an die deutlich erfolgreicheren Oratorien nennen. McGegan hat offenbar das Monopol auf "Atalanta". Bei "Deidamia" scheint die Einspielung von Alan Curtis erste Wahl zu bleiben.


    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Den "Arminio" liebe ich auch. Eigentlich mit jedem Hören mehr. Tusneldas Arie "Al par della mia sorte" ist der bekannteste Ohrwurm, aber die Oper ist voller schöner Arien.


    Neben der Petrou-Aufnahme habe ich noch die Göttinger unter Cummings:

    Weil ich es heute gehört habe muss man natürlich noch den anderen 'Knaller' aus Arminio nennen.

    Sigismondos "Quella fiamma", gleichzeitig Oboen-Konzert und Sopran-Bravurarie. Was für großartige Musik:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • "Rinaldo"

    ORIGINAL Version 1711





    Cecilia Bartoli (Almirena), David Daniels (Rinaldo), Bernarda Fink (Goffredo), Gerald Finley (Argante), Luba Orgonasova (Armida), Daniel Taylor (Eustazio), Bejun Mehta (A Christian Magician)

    Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood


    Für die Titelrolle, hätte man sich keine bessere Wahl als David Daniels wünschen können. Der amerikanische Countertenor besitzt ein wunderbar zartes und vieldeutiges Timbre, durchdrungen von einer berauschenden Sinnlichkeit, und sein Duett mit Bartoli im ersten Akt ist schlichtweg entzückend. Man könnte ihm zweifellos eine gewisse Weichheit vorwerfen – doch diese sanfte Nonchalance steht, meiner Meinung nach, dem tapferen Rinaldo hervorragend, der sich eher den zärtlichen Umarmungen seiner Geliebten hingibt als der Eroberung Jerusalems. Daniels mangelt es jedoch nicht an Mut in seinen Momenten der Wut oder Tapferkeit, insbesondere zeigt er ein feines Selbstvertrauen im energischen „Or la tromba“ (auch wenn er von Master Hogwoods Tempo etwas überfordert scheint) oder im virtuosen „Venti, turbini, prestate“, und im kurzen „Il Tricerbero humiliato“ ist er plötzlich mit einer finsteren Entschlossenheit bewaffnet, gegen die von Armida eingesetzten Intrigen anzukämpfen; Doch gerade in den schmerzlichen Klageliedern der wunderschönen „Cara sposa“ im ersten Akt zeigt er sich von seiner besten Seite und bietet uns eine herzzerreißende, aber bescheidene Klage voller unterdrückter Verzweiflung.



    LG Fiesco


    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Georg Friedrich Händel (1685-1759)

    Il Pastor Fido - Der treue Hirte

    (Originalversion 1712)




    Anna Dennis (Mirtillo), Lucy Crowe (Amarilli), Katherine Manley (Eurilla), Clint van der Linde (Silvio), Madeleine Shaw (Dorinda), Lisandro Abadie (Tirenio)


    La Nuova Musica; Dir. David Bates

    Für ihr Debüt bei harmonia mundi USA präsentieren La Nuova Musica und David Bates eine wahre Rarität: die Originalfassung von Händels zweiter Londoner Oper „ Il Pastor Fido“ aus dem Jahr 1712. Aufgenommen in der wunderschönen Akustik der Londoner Temple Church, besticht diese Aufnahme durch ein herausragendes junges Ensemble und erweckt eine Partitur voller Theatralik und Einfallsreichtum zu neuem Leben.

    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)