Literarische Empfehlungen - was lese ich gerade

  • Gilbert Keith Chesterton, „Orthodoxie“, in einer sehr schönen Ausgabe der Anderen Bibliothek, antiquarisch bezogen.


    Chesterton entfaltet darin in persönlichem, humorvollem, bisweilen ironisch zugespitztem Ton, wie er in seinem Leben, ohne dies zu beabsichtigen, zu einer Reihe von Überzeugungen gefunden hat, die er dann im christlichen Glauben widergespiegelt findet. In seinen Betrachtungen streift er Wahnsinn, Märchen, Rationalismus, Selbstmord, Optimismus/Pessimismus, rechnet mit Nietzsche und Schopenhauer ab und erläutert, warum für ihn in Märchen mehr Realismus steckt als in modernen Romanen.


    Ein wunderbares Buch, auch wenn man sich zu vielen Punkten gern mit ihm streiten möchte.


    Parallel dazu höre ich gerade den Podcast „A Pint with Chesterton“, in dem zwei junge Amerikanerinnen Kapitel für Kapitel des Buchs diskutieren - ebenfalls sehr unterhaltsam.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Gestern lief auf ZDF die Verfilmung von Siegfried Lenz' Roman Deutschstunde aus dem Jahr 2019.


    Grandios die Leistung der Schauspieler. Ulrich Noethen als der Dorfpolizist, Tobias Moretti als der Maler. Der Kinder-Schauspieler des kleinen Sigi, Levi Eichenblätter, ist besonders eindrücklich.


    Das Drehbuch nimmt sich einige Freiheiten.


    Gelegenheit das Buch wieder einmal zu lesen und sich Gedanken über die Freuden der Pflicht zu machen.


    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

    Es sind nicht die, bei denen Logen applaudieren

    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • Liebe Musik- und Literaturfreunde,


    ich hoffe, es ist in Ordnung hier Schleichwerbung für meinen Gedichtband zu machen, der dieser Tage im Treibgut-Verlag in Berlin erschienen ist; falls nicht, bitte das Posting löschen.


    Wie es natürlich naheliegt, spielt bei den Gedichten auch Musik eine große Rolle.


    https://www.treibgut-verlag.de/Lyrik


    Das Buch gibt es in jeder Buchhandlung, bei manchen Online-Plattformen sowie bei mir (Adresse bzw email über Alfred), falls eine Signatur gewünscht wird.

  • Jetzt lese ich ein verdammt schönes Buch von einem Lieblingsautor......



    Zitat

    Klappentext

    Das erste Mal, 1964, in Gesellschaft einer jungen Frau. Dann, 1982, mit dem Orientexpress. Erst beim zehnten Mal das Wagnis: eine Gondelfahrt. Und schließlich, 2018, kappt ein heftiger Sturm die einzige Landverbindung zwischen der Stadt und dem Rest der Welt und sorgt dafür, dass der Gast länger bleibt als geplant. Cees Nootebooms Liebe zu Venedig dauert nun schon über 50 Jahre an. Viele Male hat er die Stadt besucht, wohnt in prachtvollen Hotels und düsteren Apartments, huldigt den Malern und Schriftstellern, die hier lebten und arbeiteten, beobachtet den drohenden Ausverkauf Venedigs ebenso wie das Verhalten der Bewohner und Besucher: klug und selbstironisch, fast zärtlich.

    Der große niederländische Autor und Reisende Cees Nooteboom stellt sich die Frage: »Weshalb liebe ich diesen Ort mehr als andere Orte?« In seinen Texten aus drei Jahrzehnten gibt er die Antwort - und setzt Venedig, La Serenissima, ein Denkmal von ungeheurer Strahlkraft

    .....für mich ist es immer wieder interessant was andere Menschen mit Venedig verbinden und verbindet.

    Auch meine pers. Faszination hat nie nachgelassen und ich habe mir das Vergnügen gemacht und was schon zu allen vier Jahreszeiten in dieser faszinierenden Lagunenstadt! :hail:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Der Zufall will es: Am 1. November habe ich Cees Nootebooms Roman Allerseelen begonnen. Der niederländische Autor brachte ihn 1998 heraus.


    Ein grosser Teil der Handlung spielt in Berlin, aber nicht nur, Kioto und Madrid kommen auch vor. Auch der Tod. Auch die Liebe. Beim Lesen versuche ich die Stränge und vielen Personen, die vorkommen in einen Zusammenhang zu bringen. Ein Chor wie aus der griechischen Antike wird vom Autor auch als Stilmittel verwendet. Es mag ein Merkmal des Textes sein, dass der Haupthandlungsträger ein Dokumentarfilmer ist und seine Sicht auf die Welt einen filmischen, beobachtenden Charakter hat.


    .

    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

    Es sind nicht die, bei denen Logen applaudieren

    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • :):thumbup::hail::jubel:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich reihe mich ein in die Verehrer von Cees Noteboom, der einer meiner Lieblingsautoren ist. "Allerseelen" habe ich damals beim Erscheinen der deutschen Übersetzung mit großem Gewinn gelesen. Das Venedig-Buch kenne ich noch nicht, werde es mir aber umgehend beschaffen.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Wohl dem, der C.N. schon früh kennengelernt hat.


    Wir im SW- Deutschen waren damals ahnungslos. Die öffentlich rechtlichen Sender haben uns den Mann nähergebracht. Wir hörten zu- teils aufmerksam...

  • Marie NDiaye


    Die Rache ist mein



    Spannung pur, Innen- und Aussensicht der Figuren in diesem Gerichtsthriller sind sprachlich auf höchstem Niveau dargestellt. Zu Recht in Frankreich gefeiert.

    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

    Es sind nicht die, bei denen Logen applaudieren

    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • Mich haben schon seit längerer Zeit die Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy in den Bann gezogen. Ich war verrückt genug, mir die Gesamtausgabe beizuschaffen, an der ich mich wohl noch etwas länger abarbeiten kann. Davor habe ich mit großer Begeisterung "Eine Reise durch Deutschland, Italien und die Schweiz: Briefe, Tagebuchblätter, Skizzen" von ihm gelesen, herausgegeben von Peter Sutermeister. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es enthält nicht nur wunderbare Reisebeschreibungen (inklusive Zwischenstopp bei Goethe), sondern auch viel Humor, Gedanken zur Musik und wertvolle Einblicke ins Leben der Familie Mendelssohn. Ich bin bei der Lektüre seiner Briefe oft so verblüfft, wie klug und vielseitig begabt er war - und das bereits so früh. Ein wirklich außergewöhnlicher Mensch.

  • Liebe ninasophie


    Es wird dieses Buch sein, von dem du begeistert bist. Beim Werbepartner ist es nicht mehr erhältlich.



    Was mich beim Lesen dieser Briefe und die anderer Zeitgenossen immer wieder begeistert, ist der Umgang mit der Zeit. Das Leben hatte ein anderes Tempo. Und wenn man weiss, dass Felix Mendelssohn zu Fuss unterwegs war, wird verständlich, worin die Qualität seiner Briefe sich gründet. Er machte während seiner ausgedehnten Reisen auch eine Vielzahl von detailreichen Aquarellen. Da muss man sich hinsetzen und genau beobachten. (Der Buchumschlag zeigt die Sicht den Ausfluss der Reuss aus dem Vierwaldstättersee in Luzern mit Blick auf die Hofkirche Richtung Rigi.)


    Wer das Buch antiquarisch erwerben kann, wird es nicht bereuen.


    LG moderato

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    Ansicht_von_Luzern_-_Aquarell_Mendelsohn_1847FXD.jpg

    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

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    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • Lieber moderato,


    vielen Dank, dass du das Buch verlinkt hast - genau das ist es!


    Und ich stimme dir zu. Das betrifft letztlich nicht nur die Reisebeschreibungen, sondern auch den Alltag und vor allem auch Beziehungen. Ich bin oft fasziniert davon, wie wohlüberlegt und feinfühlig seine Briefe an Freunde und Familienmitglieder sind. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass man mit 18 Jahren schon so kluge Einsichten hat. Für mich sind seine Briefe jedenfalls immer auch eine Ermunterung, sich unentwegt weiterzubilden. Er konnte durch seine Erziehung auf so viel inneren Reichtum zurückgreifen, war so vielseitig interessiert und zugleich so besonnen. Mir kommt vor, gerade diese Besonnenheit hört man auch in seiner Musik (und noch viel mehr).


    Liebe Grüße

    ninasophie

  • Die Neusprechkenntnisse am besten auch gleich mit aufbessern, in diesem Zeiten.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Liebe Musik- und Bücherfreunde,

    mittlerweile ist mein Gedichtband auch bei JPC erhältlich; wer also noch auf der Suche nach einem schönen Nikolaus- oder Weihnachtsgeschenk ist, oder sich selbst mit etwas schöngeistiger Literatur verwöhnen will, kann also das Buch auch über den Werbepartner beziehen und damit gleichzeitig auch das Tamino-Forum unterstützen:



    Holger war so freundlich und hat das Buch bereits ganz wunderbar rezensiert:


    Aktive Pianisten unserer Tage - Olga Scheps - "Kraft und Seele"

  • Durch die Beschäftigung mit Weber kam ich neuerlich auf Rübezahl, den Berggeist des Riesengebirges. Weber hat ein entsprechendes Opernfragment hinterlassen, bestehend aus einer Ouvertüre, die später unter dem Titel "Beherrscher der Geister" ein eigenes Dasein führte, und wenigen Szenen. Der Stoff ist insofern faszinierend, weil er den uralten Topos von der Sehnsucht nach Verwandlung und Menschwerdung aufgreift. In den Legenden von Johann Karl August Musäus (1735-1787) ist das besonders tiefsinnig dargestellt. An einigen Stellen finden sich auch Ereignisse, aus denen der Schluss gezogen werden könnte, der Weimarer Gelehrte und Märchensammler der Aufklärung habe vor fast zweihundertfünfzig Jahren antisemitische Klischees bemüht. Herder, der an seinem Grab die Rede gehalten hatte, war neuerdings ebenfalls in diesen Versacht geraten.


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • An einigen Stellen finden sich auch Ereignisse, aus denen der Schluss gezogen werden könnte, der Weimarer Gelehrte und Märchensammler der Aufklärung habe vor fast zweihundertfünfzig Jahren antisemitische Klischees bemüht.

    Was ja für die Zeit durchaus nicht ungewöhnlich wäre. - Dankbar bin ich trotzdem für diesen Literatur-Tipp, und dies umso mehr, als dass ich das Werk für umsonst auf meinem neu erworbenen Kindle lesen kann.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • An einigen Stellen finden sich auch Ereignisse, aus denen der Schluss gezogen werden könnte, der Weimarer Gelehrte und Märchensammler der Aufklärung habe vor fast zweihundertfünfzig Jahren antisemitische Klischees bemüht. Herder, der an seinem Grab die Rede gehalten hatte, war neuerdings ebenfalls in diesen Versacht geraten.

    Zumindest hat Herder das damals wohl nicht ungewöhnliche Stereotyp des "Jüdischen Parasiten" in seinen berühmten "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" durchaus bedient.


    https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Parasit


    Insofern ist eine differenzierte Betrachtung sicher interessant.

  • Der zitierte Wikipedia-Artikel ist erfreulich differenziert:

    Zitat


    Der polnische Germanist Emil Adler dagegen hält es – auch angesichts der positiven Äußerungen zum Judentum wenige Seiten vorher oder nachher – für möglich, dass Herder damit nur ein „apologetisches Gegengewicht“ setzen wollte: Auch an anderen Stellen der Ideen habe er kritisch-aufklärerische Formulierungen mit konservativ-orthodoxen Gedanken kontrastiert und sie somit abgeschwächt, um seine Stellung als Generalsuperintendent der lutherischen Kirche in Weimar nicht zu gefährden.[9] Der Germanist Arndt Kremer weist darauf hin, dass dergleichen Sprachbilder im 18. Jahrhundert „noch nicht per se für antisemitische Zwecke instrumentalisiert“ waren. Er stellt ihnen Herders Argumentation gegenüber, wonach sich die angeblichen Verfehlungen des Judentums mit der von ihm als „barbarisch“ bezeichneten antijüdischen Gesetzgebung seiner Gegenwart erklären ließen: „Kein völkischer Antisemit späterer Zeit würde so argumentieren“.[10]

    Ich halte Herder für einen wichtigen deutschen Denker und Schriftsteller, sein Hauptwerk, die "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit", wurde nicht nur von Goethe hochgeschätzt, sondern ist auch ein weiterhin lesenswertes Stück deutscher Geistesgeschichte.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Ich halte Herder für einen wichtigen deutschen Denker und Schriftsteller, sein Hauptwerk, die "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit", wurde nicht nur von Goethe hochgeschätzt, sondern ist auch ein weiterhin lesenswertes Stück deutscher Geistesgeschichte.

    Wir haben dieses Werk ausschnittsweise in der Schule gelesen und ich würde Dir hier unumstritten zustimmen. Wenn man den Abschnitt vollständig liest, ist die Interpretion Adlers zumindest nicht die einzige Deutungsweise. Allerdings ist Herder sicherlich nicht der Prototyp des Antisemiten. An vielen Stellen äußert er sich positiv zum Fleiß des jüdischen Volkes. Was man hier sehen kann, ist, dass ein Stereotyp auch von einem solchen Denker wie Herder nicht immer hinterfragt wird. Man steht also vor einem Zeitdokument.


    Selbstverständlich ist es die dümmste aller Reaktionen, die Geschichte zu ignorieren und diese Dokumente nach heutigen Kriterien zu zensieren. Irgendeiner der geschäftigen Kollegen der "Political Correctness" sprach in diesem Zusammenhang von Kontextualisierung oder weniger "wissenschaftlich", man muss bei solchen Äußerungen eben den historischen Bezug herstellen.


    Das bringt zwei Vorteile.


    1. Man kann die Äußerungen Herders besser bewerten

    2. Man lernt etwas von (und eventuell auch aus) seiner Geschichte

  • Der Stoff wurde auch in der Oper "Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße" von Hans Sommer als phantastisch-romantische Oper in 4 Aufzügen komponiert, sie hatte am 15.04.1904 am Hoftheater Brauschweig Uraufführung.

    2016 nahm sich das Geraer Theater der vergessenen Oper an. Davon gibt es eine CD, div Ausschnitte sind bei youtube zu erleben.


    La Roche


    Sommer: Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Anne Frank: Tagebuch


    Lange schon steht dieser Klassiker in meinem Regal, lange fand ich nicht den Impuls, das Buch zu beginnen. Ich hatte ein bisschen Angst, oder wenigstens Respekt vor dem Inhalt, von dem ich nicht wusste, wie explizit das Grauen sein würde, das ich beim Lesen zu erwarten hatte.

    Nun habe ich gestern die ersten 100 Seiten gelesen und bin beeindruckt. Der unbegreifliche Horror ist präsent, auf eine Weise, die vielleicht gerade wegen der Indirektheit, wegen der (bislang) fehlenden konkreten Darstellungen der Gräuel, erschütternd ist; aus der Feder einer Dreizehnjährigen, eines sehr offenen, recht freizügig schreibenden Mädchens in dieser sonderbaren Lage. Einerseits versteckt, eingeschränkt, im Leisen und Unauffälligen gefangen, andererseits zu Beobachtungen fähig, mit denen sie ihre Lage als vergleichsweise gut erscheinen lässt, wenn Anne andere Kinder auf der Straße beobachtet, verdreckt, verarmt, verwahrlost.

    Es ist ein Kinderbuch, aber was für eines - vom Kind geschrieben, von Kindern zu lesen, und gleichermaßen für Erwachsene. Von der Drangsal mal abgesehen weiß ich nicht, ob ich in dem Alter zu solch einer Schreibweise fähig gewesen wäre.

    Ich bin jedenfalls froh, dass ich gestern meinem Impuls gefolgt bin und spontan zu diesem Buch gegriffen habe. Das Tagebuch ist ein verstörendes, gruseliges, schönes Wunder.

    "Das Thema, welches die Pauke zuletzt hat, findet gewiß keiner heraus!" (Gustav Mahler)