Der Jahrhundertbariton - ETTORE BASTIANINI

  • Wenn der Name Ettore Bastianini genannt wird, geraten Opernfreunde noch heute ins Schwärmen. Er galt als der Sänger mit der schönsten Baritonstimme, er hatte eine beachtliche Tiefe und gleichzeitig auch eine Bombenhöhe. Jemand beschrieb seine Stimme als rohen Diamant ohne scharfe Kanten. Er war von beeindruckender attraktiver Erscheinung, hatte Charisma und Bühnenpräsenz und für viele (weibliche) Fans galt er als der schönste Bariton der Welt.
    Vor allem als Verdi-Bariton gilt Bastianini als unerreicht und gehört in diesem Fach zu den beliebtesten Interpreten.



    Ettore Bastianini wurde am 24. September 1922 in Siena, Italien geboren und erhielt schon als Kind Musikunterricht. Er wurde Mitglied im „Coro della Metropolitana“ und sang bei einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen wie dem jährlichen Palio in Siena. 1944 trat er der Italienischen Air Force bei und blieb dort bis zum Ende des Krieges.


    Am 28. Januar 1945 gab Ettore sein Debüt als Solist in einem Konzert im Teatro Rex in Siena. Interessanterweise begann er seine Karriere als Bassist und somit sang er die Bass-Arien Vecchia zimarra senti aus La Boheme und La Colunnia aus dem Barbier von Sevilla.


    Ende 1945 sang er in Ravenna und Forli den Colline und im März 1946 gab er zwei Konzerte im Teatro Communale in Florenz, die ihm großartige Kritiken einbrachten.
    In der Folge gab er bald Debüts an zahlreichen italienischen Häusern und sang diverse Basspartien wie Sparafucile, Don Basilio, Ferrando in Il Trovatore, Alvise in La Gioconda oder Brander in Berlioz’ Faust’s Verdammnis.
    Am 24. April 1948 debütierte er an der Mailänder Scala als Tiresia in Stravinsky’s Oedipus Rex.
    Mehrere Gastspiele führten in nach Kairo wo es zu Aufführungen von Il barbiere di Siviglia und Rigoletto mit Tito Gobbi und La Sonnambula kam. Ebenfalls in Ägypten sang er in Lucia di Lammermoor mit Benjamino Gigli.


    Zu dieser Zeit spielte Bastianini schon seit längerem mit dem Gedanken ins Bariton-Fach zu wechseln, da er sich eigentlich als Bariton sah und er sich stimmlich in diesem Fach wohler fühlte.
    Im April 1951 sang er seine letzten Vorstellungen als Bass. Am Teatro Alfieri in Turin gab er noch einmal den Colline, und danach verließ er für sieben Monate die Opernbühne, um an seiner Technik und am neuen Repertoire zu arbeiten.


    Am 17. Januar 1952 gab Ettore sein Debüt als Bariton, in der Rolle des Giorgio Germont in La Traviata in Siena. Jedoch war dies kein Erfolg und so zog sich der Sänger erneut zurück, um an seiner Höhe zu arbeiten.
    Bei seiner Rückkehr im Juli 1952 sang er – nach dem Rigoletto und dem Amonasro - erneut den Germont an der Seite von Virginia Zeani in Bologna und Ettore hatte einen unglaublichen Erfolg. Jetzt stand seine wunderbare Höhe im Mittelpunkt des Pressejubels.


    Sofort kam es zu einem Engagement in Florenz in Tschaikowsky’s Pique Dame an der Seite von Sena Jurinac. 1953 sang er in Puccini’s Il Tabarro in Hamburg, Lucia di Lammermoor mit Maria Callas und Giacomo Lauri-Volpi in Florenz. Er sang zum erstenmal den Rossini-Figaro und gab den Olivier in Strauss’ Capriccio, und den Andrej in Prokofjew’s Krieg und Frieden mit Rosanna Carteri und Franco Corelli als Partner. Mit dem Auftritt in dieser Oper avancierte er endgültig zum Star in Italien. Alle Sänger wurden in der Kritik hochgelobt, doch war es Ettore Bastianini der besonders von der Presse gefeiert wurde.


    Nach den Perlfischern in Triest führte es den Sänger an die Metropolitan Opera in New York. Am 5. Dezember 1953 gab er dort seinen Einstand als Germont an der Seite von Licia Albanese und Richard Tucker. Kurz darauf sang er am selben Haus in Il Trovatore mit Zinka Milanov, und Lucia di Lammermoor mit Lily Pons und Jan Peerce. Sofort wurde er zum Liebling der New Yorker und bis zum Ende seiner Karriere hat er an 87 Abenden für die MET gesungen.


    In den folgenden Jahren sang er an allen bedeutenden Häusern der Welt mit den namhaftesten Partnern. Alle diese Stationen aufzuzählen würde den Rahmen hier sprengen, doch um einige Daten kommt man nicht herum.


    Mit Maria Callas trat er im Februar 1954 in Venedig in Lucia di Lammermoor auf und am 10. Mai trat er zum ersten mal als Bariton an der Scala auf. Die Oper war Eugen Onegin und seine Partner waren Renata Tebaldi, Giuseppe di Stefano und Raffaele Arié. Er sang in Tschaikowsky’s Mazeppa in Florenz mit Magda Olivero und Boris Christoff, und Rigoletto in Rom mit Gianna D’Angelo und Giuseppe Di Stefano.


    Am 28. Mai 1955 hatte Lucchino Visconti’s legendäre Produktion von La Traviata unter dem Dirigat von Carlo Maria Giulini Premiere an der Mailänder Scala. Maria Callas, Giuseppe Di Stefano und Ettore Bastianini präsentierten sich in Bestform und der Live-Mitschnitt gilt als Meilenstein in der Dokumentationsgeschichte.


    An der Met sang er unter anderem den Escamillo mit Rise Stevens als Carmen, für die RAI stand Bastianini für Il Trovatore mit Leyla Gencer, Fedora Barbieri und Mario del Monaco vor der Kamera, und im Juni 1957 kam es zu dem legendären Ernani in Florenz mit Anita Cerquetti, Mario Del Monaco und Boris Christoff als Partner, der auch auf CD erhältlich ist.
    Ende 1957 wurde die neue Saison der Scala mit Un ballo in maschera eröffnet. Seine Partner waren Maria Callas, Giuseppe di Stefano und Giulietta Simionato. Bis heute spricht man von dieser traumhaften Aufführung und obwohl der Abend von stimmlichen Glanzleistungen geprägt war, gilt Ettore’s Leistung als das Highlight und seine Darbietung von Eri tu erhielt Ovationen von ungeheurem Ausmaß.


    Mit Maria Callas und Franco Corelli kam es 1958 an der Scala zu Aufführungen von Il Pirata, mit Renata Scotto und Giuseppe di Stefano sang er in Donizetti’s Liebestrank, und er debütierte als Nabucco an der Seite von Anita Cerquetti, Niccola Zaccaria, Gianni Poggi und Giulietta Simionato.
    In Brüssel begeisterte er zum ersten mal als Scarpia mit Renata Tebaldi als Tosca und Giuseppe di Stefano. Die Ovationen für Bastianini waren enorm und er erhielt stürmischen Beifall.


    Sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gab Ettore am 26. Juli 1958 als er unter Herbert von Karajan den Rodrigo in Verdi’s Don Carlo sang. Mit ihm auf der Bühne standen Eugenio Fernandi, Sena Jurinac, Giulietta Simionato und Cesare Siepi. Ein CD-Mitschnitt dieser großartigen Aufführung liegt vor.


    Ettore gab am 15. September 1958 sein Debüt an der Wiener Staatsoper – als Rigoletto mit Hilde Güden und Giuseppe di Stefano. Bastianini war eine Sensation und wurde rasch zum Liebling der Wiener. Bis zu seinem frühen Karriere-Ende sollte er Wien sehr eng verbunden bleiben und er avancierte in relativ kurzer Zeit zum führenden Bariton der Wiener Oper.
    Mit Elisabeth Schwarzkopf, Fedora Barbieri und Franco Corelli stand er für Händel’s Herkules auf der Bühne der Mailänder Scala.


    Im Februar 1959 debütierte er am Sao Carlo in Lissabon als Luna mit einer beeindruckenden Regine Crespin als Partnerin und am 28. November 1959 kam es in Neapel zu einer Wiederaufführung von Adriana Lecouvreur. Die Leistungen von Magda Olivero, Giulietta Simionato, Franco Corelli und Ettore Bastianini in dieser Oper gelten noch heute als einzigartig, was für jedermann auf CD anzuhören ist.


    Am 5. März 1960 kam es zu einer Andrea Chenier Aufführung an der MET mit Carlo Bergonzi, Zinka Milanov und Ettore Bastianini, bei der die drei Sänger sich in glänzender stimmlicher Verfassung zeigten. Doch war es Ettore’s Interpretation von Nemico della Patria das Besuchern bis heute in unauslöschlicher Erinnerung geblieben ist. Nach dem Ende seiner Arie wurde Ettore mit Stürmen der Begeisterung gefeiert und das Publikum spendete minutenlangen Applaus. Noch heute schwärmen Kritiker von seiner Darbietung dieser Arie und erklären, daß sie jedes Mal zum Showstopper wurde.


    Zu jenem Zeitpunkt galt Ettore Bastianini als der führende Bariton seiner Zeit. Es gab keinen anderen Bariton der ihm nahe, geschweige denn gleich kam. Publikum und Presse lobten die Schönheit der Stimme, die mit Bronze und Samt verglichen wurde, da sie mächtig und gefühlvoll gleichermaßen war.


    Andrea Chenier Aufführungen an der Wiener Staatsoper von 1960 mit Renata Tebaldi und Franco Corelli sind auf CD erschienen und präsentieren alle Sänger in Topform. Im gleichen Jahr entstand ein weiterer Mitschnitt an der Wiener Oper – La Forza del Destino mit Antonietta Stella und Giuseppe di Stefano als Partner.


    Am 7. Dezember 1960 war Ettore Partner von Maria Callas und Franco Corelli in Donizetti’s Poliuto an der Mailänder Scala. Der Mitschnitt gilt heute als einer der bedeutendsten der Operngeschichte.
    1961 sang er am gleichen Haus in I Puritani mit Renata Scotto, Lucia di Lammermoor mit Joan Sutherland und Gianni Raimondi, Don Carlo mit Antonietta Stella, Boris Christoff, Flaviano Labó und Fiorenza Cossotto sowie in Verdi’s La Battaglia di Legnano mit Antonietta Stella und Franco Corelli.


    Im Februar 1962 gab Ettore sein Debüt am Covent Garden in London mit Un ballo in maschera. Ein Mitschnitt ist auf CD erschienen und ist auch deshalb interessant, da diese Verdi Oper das einzige Werk darstellt, welches Bastianini am Royal Opera House gesungen hat. Seine Partner waren Jon Vickers, Amy Schuard, Regina Resnik und Joan Carlyle.


    Am 31. Juli 1962 kam es zu einem weiteren Karriere-Höhepunkt. In Salzburg kam es zu Aufführungen von Verdi’s Il Trovatore unter dem Dirigat von Herbert von Karajan. Mit Leontyne Price, Giulietta Simionato und Franco Corelli als Partner gilt die auf CD festgehaltene Aufführung bis heute als eine der besten Gesamtaufnahmen dieser Oper überhaupt.


    Anfang 1963 trat Ettore Bastianini einige male in Wien auf und verschwand dann für zwei Monate von der Bühne. Ettore war an Kehlkopfkrebs erkrankt, doch dies wußte nur seine Familie. Die meisten Kollegen und Opernfans erfuhren erst nach seinem frühen Tod von seiner Krankheit. Er unterzog sich in Bern einer Behandlung. Opernbesucher glaubten er genehmige sich nur einen Urlaub.
    Von diesem Zeitpunkt an bis zu seinem Karriere-Ende wurde Wien sein Karriere-Mittelpunkt und er trat nur gelegentlich an anderen Häusern auf. Allein in Wien hat er in 142 Vorstellungen gesungen.


    Nach einigen Konzerten in Tokio, Rodrigo an der Scala, Rigoletto in Zürich und Nabucco in Straßburg im Januar 1964 nahm er erneut eine Auszeit von vier Monaten. Er unterzog sich erneut Krebsbehandlungen und danach trat er in diesem Jahr fast nur in Wien auf. Erst mit Jahresende kehrte er nach Neapel zurück - für Faust’s Verdammnis mit Giulietta Simionato.


    1965 – sein letztes Jahr als professioneller Sänger – begann er mit Bajazzo und Aida Vorstellungen in Wien. Es kam unter anderem noch zu Tosca mit Magda Olivero in Florenz, und an der MET zu Tosca und Lucia di Lammermoor mit Anna Moffo.
    Bastianini war noch immer zu großartigen Gesangsleistungen fähig, wie Reaktionen auf die Lucia mit Anna Moffo beweisen, doch der Krebs in der Stimme machte ihm das Singen immer schwerer.


    Seine Karriere endete in den USA. In San Francisco sang er in Andrea Chenier mit Renata Tebaldi und Richard Tucker, in Chicago Aida mit Leontyne Price, und seinen letzten Auftritt hatte er am 11. Dezember 1965 an der MET als Rodrigo in Don Carlo an der Seite von Martina Arroyo, Biserka Cvejic, Bruno Prevedi und Jerome Hines.


    Ettore zog sich nach Siena zurück, wo er, zurückgezogen mit seinem Schäferhund Zabo, lebte. Besuche erhielt er von Familie und engen Freunden. Dazu gehörten auch Franco Corelli und dessen Ehefrau, die sich als Stützen für Bastianini in seinem letzten qualvollen Lebensjahr erwiesen.


    Ettore Bastianini starb rund dreizehn Monate nach seinem letzten Auftritt, am 25. Januar 1967 im Alter von nur 44 Jahren in Sirmione am Gardasee. Er wurde in seinem geliebten Siena beerdigt. Erst als die Nachricht von seinem Tode um die Welt ging, erfuhren die Menschen auch, daß er bereits seit einigen Jahren an Kehlkopfkrebs gelitten hat.


    Ettore Bastianini ist bis heute nicht vergessen. In Siena und auch andernorts gibt es auch heute noch Erinnerungsveranstaltungen ihm zu Ehren, es gibt in Siena auch eine Straße die nach ihm benannt ist – die Via Ettore Bastianini.
    Auf seinem Grabstein steht „Er kannte den Ruhm, er verstand den Schmerz, er konnte jeden dazu bringen, ihn zu lieben…..Du hast mehr als ein Leben gelebt“.


    Gregor

  • Sagitt meint:


    Diese Bemerkung verstehe ich nicht ganz. Der Mitschnitt dieser Aufführung, von der EMI seit eh und je im Hochpreissegment verkauft, ist technisch höchst fragwürdig. Man hört deutlichst, ich habe wohl mal etwas bösartig geschrieben, wenn der Tenor singt, den Souffleur.


    Ich fand es immer unverschämt, einen Mitschnitt,den man sonst auf dem grauen Markt für wenig Geld kauft, von der EMI zum Hochpreis angeboten zu bekommen.


    Was also ist der "Meilenstein" ?

  • Zitat

    Original von sagitt
    Was also ist der " Meilenstein" ?


    Lieber sagitt,


    mit Superlativen ist das ja so eine Sache - "Jahrhundertbariton", "Meilenstein"?


    Der Scala-Mitschnitt der "Traviata" ist tontechnisch tatsächlich grauenhaft. Trotzdem ist das eine der besten "Traviata"-Aufnahmen, die ich kenne. Das liegt zuallererst am Dirigat von Carlo-Maria Giulini, dann an Maria Callas, die hier eine ihrer besten "Traviata"-Aufführungen singt, auch di Stefano ist erstaunlich präsent und Bastianini steuert seinen immerhin schönen Bariton bei, bleibt aber in der Gestaltung - wie so oft - eher eindimensional und routiniert.

  • Bastianini war einer von den vielleicht 50 sehr guten Baritonen des 20. Jahrhunderts. Den Meilenstein kann ich nicht erkennen.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Bastianini war einer von den vielleicht 50 sehr guten Baritonen des 20. Jahrhunderts.


    Also diese Aussage ist ja lachhaft und beruht wohl eher auf persönlichem Geschmack denn auf Fachwissen.
    Ich habe Bastianini lange nur dem Namen nach gekannt und nachdem mich viele Leute immer wieder auf ihn hingewiesen haben, habe ich mir etwas von ihm angehört.
    Durch Recherchen habe ich dann herausgefunden wie populär dieser Sänger auch heute noch ist. Leute die ihn noch live erlebt haben "trauern" ihm heute noch nach und meinen, einen Klang wie den seinen nicht wieder gehört zu haben. Das Internet bietet eine mehr als umfangreiche Informationsquelle, und Beschreibungen dieses Künstlers legen dar welch enormen Stellenwert dieser Sänger bis heute genießt. Bis zum heutigen Tag gibt es sogar noch Fan-Treffen mit Leuten die ihn noch live erlebt haben als auch neuen jungen Fans.
    In einer Internet-Umfrage wurde vor kurzem nach den zehn beliebtesten Baritonen des 20. Jahrhunderts gefragt - Bastianini war einer von Ihnen. Interessanterweise fehlten andere Namen wie Cappuccilli, Milnes oder Warren.


    All das hat mich dazu gebracht, mich mit diesem Sänger etwas auseinanderzusetzen - und auch ich muß bekennen, von dieser Stimme sofort begeistert gewesen zu sein. Diese Stimme berührt mich einfach und so geht es heute auch noch vielen anderen.
    Vor allem wird immer wieder gerne auf seinen Rodrigo, Luna und Renato hingewiesen, die zu seinen Paraderollen gehörten. Alleine den Renato hat er in Wien 23 mal gesungen. Auch Carlo Gerard und Don Carlo di Vargas werden in diesem Zusammenhang immer wieder gerne genannt.


    Eine Bekannte sagte einmal, 'wenn ich doch nur noch den Stimmglanz eines Bastianini wieder live hören könnte'. Sie hat ihn wenigstens live gesehen. Ich kann mich nur mehr auf CDs beziehen.
    Ich freue mich jedenfalls, noch mehr von diesem Sänger hören zu können. Egal ob er nun interpretatorisch viel in seine Figuren hineingelegt hat oder nicht, alleine der Klang und die vokale Darbietung mit all seinen Feinheiten ist schon eine große Freude, und ich kann die Faszination, die von diesem Sänger ausgeht und die viele heute noch verspüren, absolut verstehen.


    Gregor

  • Zitat

    Original von Gregor


    Also diese Aussage ist ja lachhaft und beruht wohl eher auf persönlichem Geschmack denn auf Fachwissen.


    Lieber Gregor,


    warum denn gleich so unfreundlich? Auch Du äusserst Dich vor dem Hintergrund persönlichen Geschmacks, das sollte man jemand anderem dann nicht vorwerfen.


    Tatsächlich hat Herbert eine für mich nachvollziehbare Bewertung vorgenommen, Bastianini ist eine gewichtige Bariton-Stimme des vergangenen Jahrhunderts, aber da gab es noch andere, deren Qualitäten nicht zu überhören sind.


    Bastianini verfügte über einen hohen Wiedererkennungswert beim Hören, interessant seine dunkle Grundierung, die noch von seinen Zeiten als Bass herrührte, gepaart mit einer wohlklingenden Höhe. In meinen frühen Tagen war er für mich vor allem als Posa und Renato mein absoluter Favorit - deswegen kann ich Deine Begeisterung für diese Stimme auch gut nachvollziehen.


    Später lernte ich andere Stimmen kennen, Stimmen, die über ein breiteres Farbenspektrum, als Bastianini verfügten, die musikalischer, interpretatorisch beeindruckender waren.


    Bastiani hat verdient, das man hier an ihn erinnert, aber man sollte schon in der Lage sein, differenziertere Meinungen zu akzeptieren und nicht gleich den Mitdiskutanten das Fachwissen absprechen.


    :hello:

  • Lieber Gregor,


    ich schätze Ettore Bastianini sehr. Im 20. Jahrhundert haben aber noch etliche andere hervorragende Baritone vor und neben Bastianini gesungen. Ich nenne nur mal einige Namen:

    Mattia Battistini, Riccardo Stracciari, Tita Ruffo, Pasquale Amato, Antonio Scotti, Lawrence Tibbett, Gino Bechi, Giuseppe de Luca, Leonard Warren, Giuseppe Taddei, Tito Gobbi, Robert Merrill, Nicolai Herlea u.v.a. Ettore Bastianini lässt sich durchaus hier einordnen. Ich habe nur andeuten wollen, daß er objektiv gesehen nicht der Einzige und nicht der Meilenstein gewesen ist.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Hallo Gregor,


    dein Beitrag, aus dem wirklich die Begeisterung spricht, hat mich heute angeregt, einen „Bastianini-Tag“ einzulegen, denn dieser Sänger war der erste Bariton, mit dem ich mich näher befasst habe, als ich die historischen Aufnahmen für mich entdeckt habe (vor etwa 10 Jahren). Ausgehend von Jussi Björling waren zunächst einmal die Tenöre an der Reihe :angel:. Aber zufällig lief damals im Radio noch einmal der „Trovatore“ aus Salzburg mit Corelli, Bastianini, Price und Simionato. Ich war von der Stimme ebenso fasziniert wie du und habe danach immer mal wieder nach Aufnahmen mit ihm ausgeschaut.


    Dass er dennoch nicht zu meinen absoluten Lieblings-Baritonen gehört, liegt einerseits wohl an meiner persönlichen Vorliebe, was Stimmen angeht – letzten Endes sind es meist doch nicht die großen, runden, sonoren Prachtstimmen, die mich am meisten fesseln, sondern eher die etwas kleineren oder die etwas spröderen. Das ist ein ganz subjektives Faible meinerseits und hindert mich auch nicht daran, Bastiannini unter die großen Baritone des 20. Jh.s einzuordnen, denn da gehört er sicherlich hin.


    Andererseits teile ich aber auch die Auffassung, dass die Interpretation der Rolle bei Bastianini oft etwas hinter der Stimme zurücksteht. Ich sehe nicht so leicht Figuren auf der Klangbühne wie bei Warren oder Gobbi. Vielleicht kann man ihn in dieser Hinsicht mit Placido Domingo vergleichen, dessen Rollenportraits meiner Meinung nach auch oft etwas hinter der prächtigen Stimme zurückstehen?


    Das zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Wirkung einer Stimme und des dazugehörigen Singens aufgefasst werden kann: Wo der eine sagt: Wunderbare Stimme, aber das Bewegende fehlt mir, wird der andere mitgerissen und hört es völlig anders. Und das ist etwas, das man letzten Endes nicht logisch erklären, sondern nur empfinden kann.


    :hello: Petra


    P.S. Und ich habe gerade vor einigen Tagen wieder gesehen, wie unterschiedlich die Beurteilung ausfallen kann, wenn man einen Sänger nur gehört, aber nie live gesehen hat. Ich habe die Begeisterung vieler für Mario del Monaco nie verstehen können - nach einigen Ausschnitten, die ich mit ihm gehört und gesehen habe, teilt sich da schon etwas von der Faszination mit, die er in seinen Aufführungen ausgeübt hat ...

  • Auch ich bin schon seit meiner Jugend ein Freund der Stimme von Ettore Bastianini gewesen, ich habe einen ganzen Stapel von Opernaufnahmen mit ihm. Persönlich schätze ich daraus am höchsten den Grafen Luna aus dem "Trovatore".


    Kürzlich habe ich mir (wahrscheinlich, weill so billig), bei jpc eine Recital-CD bestellt:



    Ettore Bastianini - Recital


    Arien von Verdi, Rossini, Tschaikowsky, Ponchielli, Puccini


    Ettore Bastianini, Anita Cerquetti, Mario Del Monaco, Plinio Clabassi,
    La Scala Orchestra,
    Maggio Musicale Fiorentino Orchestra,
    Dimitri Mitropoulos, Fernando Previtali, Carlo Maria Giulini u. a.
    Label: Andromeda , ADD/m, 1954-57


    Das Album enthält ausschließlich alte Live-Aufnahmen aus den 50er Jahren in nicht gerade begeisternder Tonqualität!


    Hörproben gibt es bei jpc!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Persönlich schätze ich daraus am höchsten den Grafen Luna aus dem "Trovatore".


    Der Luna war auch meine erste (akustische) Begegnung mit diesem wunderbaren Sänger, als ich als damals 13jährige mein Taschengeld investierte. Heute gibt es von dieser Aufnahme sogar eine DVD:


    Giuseppe Verdi (1813-1901)
    Il Trovatore


    Monaco, Gencer, Bastianini, Barbieri,
    RAI Orchestra & Chor, Previtali
    Label: Hardy , ADD/m, 57





    Es folgten Posa in der inzwischen leider vergriffenen Don Carlos- Aufnahme der DG unter Santini und der Michonnet in dieser schon von Gregor erwähnten Aufnahme:




    Francesco Cilea (1866-1950)
    Adriana Lecouvreur


    Corelli, Olivero, Simionato, Bastianini,
    Teatro San Carlo Orchestra, Rossi
    Label: OPD , ADD/m, 1959





    In der Reihe großer und berühmter Baritonstimmen ist Bastianini für mich noch immer etwas ganz besonderes!



    LG, Elisabeth

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Meine erste Gesamtaufnahme des "Trovatore" war die Scala-Einspielung von 1962, die bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht wurde (in der Serie "Verdi at La Scala"), die es inzwischen als Midprice-CD gibt:



    Aufnahme: 1962
    Dirigent: Tullio Serafin
    Orchestra del Teatro alla Scala Milano
    Coro del Teatro alla Scala Milano
    Chorleitung: Norberto Mola


    Azucena: Fiorenza Cossotto
    Ferrando: Ivo Vinco
    Il Conte di Luna: Ettore Bastianini
    Ines: Armanda Bonato
    Leonora: Antonietta Stella
    Manrico: Carlo Bergonzi
    Ruiz: Franco Ricciardi
    Un messagiero: Angelo Mercuriali
    Un vecchio zingaro: Giuseppe Morresi


    Werde diesen Thread zum Anlass nehmen, mir diese Aufnahme nach langer Zeit mal wieder anzuhören!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Herbert, es tut mir leid, wenn ich deine Äußerung offensichtlich mißverstanden habe. Ich denke genau wie du, daß es noch eine Vielzahl von tollen Baritonen gibt, von denen ich auch noch eine Menge entdecken muß. Ich wollte Bastianini sicher nicht auf den Thron stellen und alle anderen unterordnen. Aufgrund meiner intensiven Recherche über ihn, habe ich einfach festgestellt, daß er einen ganz besonderen Stellenwert genießt. Das hat sicher nicht nur mit seinem Talent zu tun, sondern wohl auch mit seinem frühen Ende. Talentierte Menschen, die jung sterben, ziehen sowieso den Stempel "Legende" oder "Ikone" nach sich.


    Danke auch an Alviano für deine Stellungnahme. Mir ist klar, daß verschiedene Sänger auch verschiedene Qualitäten mit sich bringen. Bastianini's Stärken liegen sehr wohl in der Qualität seines Vortrags und seines traumhaften Timbres. Daß andere Baritone interpretatorisch mehr aus der einen oder anderen Rolle herausholten, habe ich zuvor schon gehört. Dann gibt es halt wieder Sänger, deren Stärken in der Interpretation liegen und das Gesangliche wieder hinten ansteht.


    Petra, Bastianini-Tag klingt gut ;)Meine erste bewußte Erfahrung mit Bastianini ist wohl die Arie des Rodrigo aus Don Carlo. Das war so herrlich, daß ich mir dachte, von diesem Sänger muß ich einfach mehr hören.


    Inzwischen habe ich so einiges an Informationen über ihn zusammengetragen und was mich an ihm auch fasziniert ist der Charakter dieses Menschen überhaupt. Manche Aussagen und Taten von ihm berühren einfach. Jemand hat ihn mal gefragt, warum er so viel singt und sich diesen Streß antut. Seine Antwort darauf war, er wisse daß er nicht mehr lange singen wird (er wußte zu diesem Zeitpunkt, daß er schon sehr krank war) und deshalb wolle er seine Familie finanziell sicher gestellt wissen. Als er von seiner schweren Krankheit erfuhr, hat er sich von seiner Lebensgefährtin getrennt, ohne ihr den wahren Grund zu nennen, denn er wollte mit seiner Krankheit nicht zur Belastung für sie werden. Deshalb hat ja fast niemand von seiner Krankheit gewußt. Er war ja auch so gut wie allein, als er starb. Aber das war halt seine Entscheidung. Wenn ich ihn jetzt singen höre, ist es so als würde ich die Selbstlosigkeit auch in seiner Stimme hören, die offensichtlich Teil seines Charakters war. Für mich ist das was er bei mir auslöst, schwer zu beschreiben, aber so geht es wohl vielen auf Lieblingsstimmen angesprochen.



    Jedenfalls kann es gut sein, daß ich euch Experten noch so die eine oder andere Frage zu Bastianini stellen werde. Denn es gibt noch so viele Aufnahmen zu entdecken.


    Gregor

  • Am Wochenende habe ich ein bisschen in meinen Bastianini-Aufnahmen gestöbert und dabei gehört:


    Giuseppe Verdi (1813-1901)
    La Traviata



    Aufnahme: 1962, Studio
    Dirigent: Antonio Votto
    Orchestra del Teatro alla Scala Milano
    Coro del Teatro alla Scala Milano
    Chorleitung: Norberto Mola


    Alfredo Germont: Gianni Raimondi
    Annina: Armanda Bonato
    Barone Douphol: Giuseppe Morresi
    Dottore Grenvil: Silvio Maionica
    Flora Bervoix: Giulia Tavolaccini
    Giorgio Germont: Ettore Bastianini
    Marchese d'Obigny: Virgilio Carbonari
    Violetta Valery: Renata Scotto


    Perfektes Klangbild, die junge Renata Scotto in Höchsform, der oft unterschätzte Gianni Raimondi als Alfredo und Bastianini als sein Vater - einfach Spitze!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wenn ich in meine Regale schaue, entdecke ich vieles von Bastianini, was mir gut gefällt: Mir wäre wohl auch als erstes sein düsterer Luna eingefallen, vor allem in der Aufnahme mit Bergonzi und Stella, aber auch der Renato in verschiedenen Live-Aufnahmen, auch den Germont höre ich gerne – eigentlich mag ich fast alles, was ich von ihm kenne.


    Die Stimme ist ja auch toll, fast unmöglich, die nicht zu mögen, sonor und rund wie kaum eine italienische Baritonstimme nach 1950. Von der Farbe beschreibt es wohl "schwarz" ganz gut, was gewöhnlich den Bässen vorbehalten ist. Trotzdem ist Bastianini keiner der Sänger, dessen Aufnahmen ich gezielt gesammelt hätte. Die Stimme und Tonproduktion ist sehr kraftvoll, damit setzt Bastianini für mich die Reihe von Titta Ruffo und Gino Bechi fort, vielleicht etwas weniger aggressiv als der letztere, aber trotzdem manchmal ebenso wie Bechi ein wenig zu gleichmäßig im Ausdruck.


    Gerade vor ein paar Tagen habe ich Gavazzenis Gioconda-Aufnahme gehört. Allein von den Namen und dem versammelten Stimmmaterial her eine sensationelle Aufnahme: Anita Cerquetti in ihrer einzigen Studioaufnahme als Gioconda, Mario Del Monaco, Giulietta Simionato, Cesare Siepi und dann noch Bastianini als Barnaba. Trotzdem bleibt das Ganze seltsam roh, unverarbeitet, schlicht von der Interpretation her, so dass andere Aufnahmen letztlich für mich interessanter sind. Bastianini macht da keine Ausnahme. Er ist vor allem laut, zu laut. Sein Fischerlied am Anfang des zweiten Akts wirkt sogar richtiggehend grob.


    Aber selbst wenn er "nur" zu den 50 besten Baritonen des 20. Jahrhunderts gehören sollte, ist das, denke ich, ein schönes Kompliment für diese schöne Stimme.

  • Zitat

    Original von Zauberton
    (...) damit setzt Bastianini für mich die Reihe von Titta Ruffo und Gino Bechi fort, vielleicht etwas weniger aggressiv als der letztere, aber trotzdem manchmal ebenso wie Bechi ein wenig zu gleichmäßig im Ausdruck.


    Ein nicht ganz hinreichender Vergleich macht den Unterschied vielleicht deutlich: man höre sich das Duett Abigaille-Nabucco aus Verdis gleichnamiger Oper mit Callas und Becchi aus dem Jahr 1949 an (die Tonqualität ist allerdings miserabel). Callas singt völlig entfesselt und Becchi steht ihr in nichts nach, obwohl zu hören ist, dass seine Stimme nicht mehr ganz ungefährdet ist, beide befeuern sich bis zu den eingelegten Spitzenönen am Schluss intensiv.


    Im Vergleich dazu höre man sich das Duett Violetta-Giorgio Germont aus dem zweiten Akt der "Traviata" unter Giulini an: Callas ist in jeder Phase eine überragende Violetta, Bastianini bleibt distanziert und beschränkt sich auf das produzieren schöner Töne.


    Gänzlich schwach ist Bastianini als Rigoletto - allerdings machen da Scotto und Alfredo Kraus auch keine gute Figur. Dass Bastianini an Warrens Rigoletto nicht heranreicht, nun gut, aber auch Merrill und Gobbi waren in dieser Rolle klar stärker.


    Die "Gioconda" leidet auch unter Gavazzenis Dirigat, ich habe sie mir wegen Cerquetti gekauft, eben weil es von ihr so wenig Tondokumente gab (das ist heute durch die veröffentlichten Live-Mitschnitte etwas besser geworden) - und sie macht das - im Schatten der grossen Griechin - sehr anständig. Der Eindruck, dass Bastianini hier phasenwesie zu laut ist, wird von mir geteilt, aber es fehlt auch Geschmeidigkeit und einmal mehr die Differenzierung.

  • Lieber Alviano,


    mit deiner Abgrenzung von Bastianini und Bechi bin ich einverstanden. Bastianini klingt gerade in einigen Liveaufnahmen schön, aber distanziert. Bechi macht dagegen manchmal einen etwas übermotivierten Eindruck mit seinen lang gehaltenen hohen Tönen, sogar im Studio-Ballo mit Gigli und Caniglia. Bei Verdi (Nabucco, Renato, Amonasro) ist das auf gewisse Weise faszinierend, aber zum Beispiel Bechis Barbier von Sevilla in der Aufnahme von Serafin läuft komplett neben der Spur. Bechi war 1952 sicher stimmlich schon auf dem absteigenden Ast, aber auch vom Rollenverständnis kann man bei Rossini eigentlich kaum stärker daneben liegen. Schon die Auftrittsarie ist einfach rüde, laut, schwerfällig und unsensibel. Auch sonst gestaltet Bechi fast nur im Rezitativ, meist gibt es von ihm ziemlich ermüdendes Powerplay – Alfio statt Figaro. Insoweit sehe ich die Parallele zu Bastianini eher in dem vergleichbar beeindruckenden Material, aber auch der mangelnden dynamischen Gestaltung und dem nicht nach außen dokumentierten Interesse an den wechselnden Anforderungen verschiedener Rollen.


    Nochmal kurz zur Gioconda: Gavazzeni hätte ich jedenfalls ein besseres Orchester gewünscht. Da wird teilweise einfach schlampig gespielt. Insgesamt macht die Aufnahme trotz allseits guter Stimmqualität auf mich einen ziemlich hastig, wenig sorgfältig aufgenommenen Eindruck.

  • ETTORE BASTIANINI
    gehört für mich zu den ganz Großen!
    Hatte das große Glück ihn LIVE 1962 bei den
    Salzburger Festspielen zu hören in "Il Trovatore".
    Am Pult war Karajan.
    Mit L.Price, Simonato, Corelli.
    Eine Sternstunde!!!!


    :jubel::jubel::jubel:

    mucaxel

  • Danke, Elisabeth und Harald, für eure CD-Empfehlungen.



    Das war sicher ein tolles Erlebnis, was für eine Besetzung! :jubel:
    Der Live-Mitschnitt dieser Aufführung gilt ja auch als ein wertvolles Dokument.


    Gregor

  • Ja dieser Troubadour im Großen Festspielhaus gehört zu meinen schönsten Live Erlebnissen.
    Das war Gänsehaut pur und ich nach der Vorstellung stockheiser vom "BRAVO" Rufen.
    Karajan war ein Magier am Pult mit den Sängern alle auf dem
    Höhepunkt ihrer Karriere. Es war unglaublich!
    L.Price, Simonato, Corelli und Bastianini.
    Am Schluß Ovationen.
    Die Autogrammjäger für Bastianini und Corelli vorm
    Festspielhaus bildeten eine Traube von Menschen rannten den
    Beiden hinterher zum "Goldenen Hirschen". Es war
    eine Verfolgungsjagd.


    :jubel::yes::D


    :hello:

    mucaxel


  • Das waren anscheinend noch Zeiten! Die beiden Herren müssen ja wirklich absolute Magneten gewesen sein. Nehme an, daß da viele Damen bei den Jägern dabei waren ;)


    Photos zu diesen Trovatore-Aufführungen gibt es auch:
    Auf dem ersten Bild sieht man Bastianini mit Corelli im Hintergrund, auf dem zweiten und dritten Bild den curtain-call mit (von links) Corelli, Simionato, L. Price und Bastianini.




    Freut mich, daß du so eine schöne Erinnerung hast!


    Gregor

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  • Lieber Gregor,
    sie nannten Ettore Bastianini den "Ruhm Italiens" und den "König der Baritone". Seine Stimme zeichnete sich durch Klangfülle und Schönheit, seine Gesangskunst durch sensibel, differenziertes ausdrucksgewaltiges Singen aus. Sein künstlerischer Rang wird durch den gestischen Ausdruck seines Vortrags noch unterstrichen.
    Angeregt durch die Diskussion hier im Forum hörte ich mir seinen Rigoletto mit Alfredo Kraus, Renata Scotto, Ivo Vinco und Fiorenza Cossotto unter Gavazzeni mit dem Maggio Musicale Florentino an. Bastiani zeichnet ein ergreifendes Porträt des Rigoletto und Alfredo Kraus ist ein hinreissender Duca.
    Deine Einschätzung, dass er zu den größten Baritonen zählt ist auch durch Fachurteile vielfach bestätigt. Nur akzeptiere bitte, dass alle Superlative und Alleinstellungen zwangsläufig Widerspruch hervorrufen. Zusammen mit Bastianini müßten sicherlich Tito Gobbi, Leonard Warren, Robert Merill, Renato Bruson, Leo Nucci und auch Thomas Hampson usw. genannt werden. Freue Dich über Deinen Favoriten Bastianini, freuen wir uns alle über die vielen herrlichen Baritone, die es gab und gibt.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • :pfeif:
    Danke für die Photos die hatte ich auch, sind aber bei einem der zahlreichen Umzüge verschwunden.
    Diese Photos gab es bei Photo Ellinger in der Schwarzstrasse zu kaufen als Postkarten oder im Festspielhaus, dort gab es einen Stand von Ellinger.
    Natürlich lasse ich die anderen Baritone gelten und die gehören selbstverständlich auch gewürdigt.
    Nur Bastianini war eben was Besonderes...
    Und dieser Troubadour halt legendär.
    :yes::D:jubel:

    mucaxel

  • Hallo,


    Herbert hat natürlich vollkommen recht, es gibt im letzten Jh. ca. 50 sehr gute Baritone.


    Aber das heißt auch, dass B. ein sehr guter Bariton war und Dank der Konserve auch bleibt. In einem Jh. unter den 50 sehr guten Baritonen zu sein, heißt schon etwas.


    B. in der "Trovatore-Aufnahme" unter Serafin ist für mich allerdings ein Maßstab - Glänzend!


    Besonders schätze ich die Verbindung von "Stimmtiefe...Bassbariton" und "Stimmhöhe...in Verbindung mit Durchschlagskraft" (diese m. E. ähnlich Metternichs).


    Ggfs. ist er leider zu früh verstorben (dieses sowieso; hier: stimmtechnisch betrachtet), um seinen Bass-Bariton und seine Rolleninterpretationen in den Zenit zu entwickeln, jedenfalls zu früh für das Stimmfach: Bariton.


    Wenn ich mich nicht irre, habe ich B. bei meinen "Lieblingssängern" regelmäßig dabei.


    "Il Trovatore" unter Serafin!.........


    Bis dann.


  • Hallo Operus,
    danke für deine Einschätzung Bastianini's Stimme betreffend. Ich finde auch, von dem was ich bisher gehört habe, daß sein Vortrag stets sehr sensibel ist und er sehr expressiv singt.
    Danke für den Hinweis auf seinen Rigoletto. Dieser ist mir schon von anderer Seite sehr empfohlen worden.
    Wie bereits erwähnt, weiß ich auch viele andere Baritone zu schätzen. Rolando Panerai etwa, um jemanden zu nennen, den du nicht genannt hast. Auch heute gibt es einige Baritone die mir gut gefallen. Mein absoluter Favorit ist Simon Keenlyside, der auch in die von dir erwähnte Liste aufgenommen werden muß.


    Gregor

  • Dem Salzburger "Trovatore" stehe ich etwas ambivalent gegenüber, das liegt vor allem an Franco Corelli, den ich schrecklich finde: einmal mehr zeigt er eine sehr eigenwillige Umsetzung des Notentextes und brüllt gnadenlos alles nieder, befeuert von einem "höher, schneller, weiter"-Publikum. Besser gefallen mir schon die Sängerinnen Leontyne Price und Giulietta Simonato und selbst Karajans Dirigat vermag mich durchaus zu interessieren. Bastianini ist hörenswert, keine Frage, einen wirklichen Charakter formt er mit der Stimme nicht.


    Beim Rigoletto wird das zum Problem: er singt das schön, aber durchaus etwas langweilig und wird in dieser Partie von den Fachkollegen auf die Plätze verwiesen. Gerade die Behauptung, er sei ein "sensibler" und "differenzierend" gestaltender Sänger gewesen, wird durch seine Aufnahmen nicht unbedingt gestützt. Beim "Rigoletto" kommt dazu, dass man Renata Scotto bei Kubelik stärker hören kann und Kraus über eine gediegene Leistung nicht hinauskommt. Gavazzenis Dirigat vermag mich auch hier, wie bei der "Gioconda", nicht zu überzeugen.


    Gino Bechi als Figaro kann ich mir nicht vorstellen, da dürfte Bastianini die Nase vorne haben (die Bechi-Aufnahme kenne ich nicht). Klar, der direkte Vergleich Bechi-Bastianini birgt "Fallen", aber trotz der Unarten Bechis wird da schon deutlich, wo die Schwäche von Bastianini liegt.


  • Lieber Alviano,
    es gibt außer Bechi noch zwei andere Baritone, die man als "Brunnenvergifter- Stimmen" bezeichnen kann, Tita Ruffo und Tito Gobbi. Alle haben den Figaro mit großem Erfolg gesungen, warum? Weil der Figaro ein Macho, ein Angeber und Selbstdarsteller ist. Die Rolle ist einfach so. Figaro bezeichnet sich selber als Alleskönner, als Faktotum der Stadt und er regelt ja auch die Liebesgeschichte von Rosina und Almaviva, also, ein auftrumpfender Interpret ist hier garnicht so falsch.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Danke Gregor für den Themenstart, vor allem auch für die informative Biographie. Ich kenne Bastianini leider ausschliesslich von Platten (ich habe derer Gott sei Dank viele). Ohne ihn jetzt "gegen" andere Sänger zu werten (ihr habt natürlich recht, es sind so viele, jeder mit seiner eigenen Qualität) - für mich hat er das wahrscheinlich schönste Timbre von allen Sängern die ich kenne, seine Bühnenwirkung konnte ich leider nie in eigener Anschauung bewerten. Ich liebe diese Stimme und freue mich über seinen Platz in der Unsterblichkeit.


    LG
    Isis

  • Zitat

    Original von Isis
    Danke Gregor für den Themenstart, vor allem auch für die informative Biographie. Ich kenne Bastianini leider ausschliesslich von Platten (ich habe derer Gott sei Dank viele). Ohne ihn jetzt "gegen" andere Sänger zu werten (ihr habt natürlich recht, es sind so viele, jeder mit seiner eigenen Qualität) - für mich hat er das wahrscheinlich schönste Timbre von allen Sängern die ich kenne, seine Bühnenwirkung konnte ich leider nie in eigener Anschauung bewerten. Ich liebe diese Stimme und freue mich über seinen Platz in der Unsterblichkeit.


    Genauso wie du kenne ich Bastianini nur von CDs. Bin ja erst einige Jahre nach seinem Ableben geboren. Ich weiß von Leuten, die ihn LIVE gesehen haben und immer von seiner Präsenz, seinem Charisma und seiner Attraktivität sprechen. Er muß sehr beeindruckend auf der Bühne gewirkt haben.
    Sein Timbre ist einzigartig, da stimme ich dir zu.
    Mucaxel hatte ja das Glück ihn LIVE zu erleben. Ich frage mich, ob es noch andere Forumsteilnehmer gibt die ihn auch noch auf der Bühne gesehen haben.


    Gregor

  • Ein paar Aufnahmen mit Bastianini wurden hier schon erwähnt. Auswahl an Studio- als auch Live-Aufnahmen gibt es ja genug. Welche werden denn besonders gerne gehört? (im Folgenden eine kleine Auswahl)


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    Gregor

  • 26. Juli 1958 - 26. Juli 2008 - somit genau 50 Jahre alt ist der Mitschnitt von Don Carlo aus der Felsenreitschule bei den Salzburger Festspielen, der ja auch auf CD erschienen ist.



    Eine ideale Gelegenheit wieder in diese Aufnahme hineinzuhören!


    Gregor

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