BIO-Musik !?

  • Kennt Ihr BIO-Musik?


    Nein? Wirklich nicht? Das ist die Musik mit diesem:



    Siegel.


    Alle Zutaten, wie das Notenpapier, auf dem sie steht, die Instrumente nebst allen Bestandteilen und deren Bespieler sind biologisch abbaubar und recylingfähig... oder habe ich das etwa falsch verstanden?


    In der aktuellen Rondo 3/08 beschreibt Herbert Rosendorfer auf Seite 21 auf köstliche Art seine Allergie gegen diese BIO-Kost [Eingabe Seite 21 erforderlich und 1x zurückblättern. Warum, weiß der Geier]. Ja, diese verwöhnten, in Watte aufgezogenen und mit Mund- und Ohrenschutz aufgewachsenen Fertigpackungfresser haben's schon drauf.


    Ich empfehle da eine HIPosensibilisierung, die üblicher Weise im RV 293 gemacht wird - diesen Komponisten übrigens erkennt Rosendorfer - warum heißt der eigentlich nicht Bösendorfer oder Rosenmüller? - durchaus noch als solchen an, neben Bach und Händel versteht sich.


    Als spezifische Immuntherapie empfiehlt sich die Interauride Immuntherapie [IAIT] - dabei werden Allege[r]ne unmittelbar ins Ohr gegeben. Hierbei liegen die Allergene zumeist in hörbarer Form vor [vor allem bei Instrumentalallergenen] und sind an einen Depotträger [CD, SACD, in seltenen Fällen DVD] gebunden. Die Dosis wird am Anfang gesteigert und die Therapie wird nach Erreichen der Erhaltungsdosis in regelmäßigen Abständen [4-6 Stunden] fortgeführt, damit sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnen und die Bildung von Antikörpern reguliert werden kann. Diese Therapieform wird bisher [2007] als "Goldstandard" bezeichnet.


    Weitere Therapieverfahren sind in der Erforschung oder haben sich in Deutschland nicht durchgesetzt [z.B. nasale oder orale Hyposensibilisierung]. Die Anwendung in der Veterinärmedizin [u. a. Katze, Hamster, Heuschrecke, Chamäleon] ist möglich und beruht auf den gleichen Therapieansätzen.


    Die HIPosensibilisierung birgt prinzipiell ein Behandlungsrisiko, da die Behandlung darin besteht, den Patienten bewusst der allergieauslösenden Substanz auszusetzen.


    Risiken


    Manchmal ist eine heftige Lokalreaktion möglich, die sich durch wenige Tage währendes [starkes] Anschwellen der Ohren und die Bildung von Wolfs-Quinten äußert. Beide Reaktionen sind jedoch weniger gefährlich und können durch Gabe entzündungshemmender Substanzen oder Antihistorisiaka abgeschwächt werden. Weitere Nebenwirkungen können in einer allergischen Reaktion auf das Allergen in ihrer jeweiligen Form bestehen, z. B. Atemnot, Niesanfälle, erhöhter Blutdruck, starker Jubelreiz.


    Selten ist der gefährliche allergische Schock, auch *Bing* genannt. Bei einer falschen Dosierung, mangelhafter Injektionstechnik oder – häufiger – ohne erkennbaren Grund besteht die Gefahr dieses allergischen Schocks. Um dieser Gefahr begegnen zu können, erfolgt die ambulante Hyposensibilisierung in der Weise, dass der Patient nach der Injektion des Allergens für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verbleibt. Im Falle eines allergischen Schocks können dann vom speziell ausgebildeten Arzt rettende Gegenmaßnahmen, beispielsweise durch die Gabe von Karajan(R) oder FORT-Wängler(R), eingeleitet werden.


    Gute Besserung, Herr Bösenmüller!


    :pfeif:


    Ulli


    [In Teilen frei nach Vicky P. Dia]

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Servus,


    Herrn Rosendorfers Frusttiraden klingen doch sehr interessant. Man müßte sich direkt mal ein paar CDs dieser furchtbaren Interpretationsrichtung kaufen, schließlich ist Negativwerbung bekanntlich die effektivste Werbung... :baeh01:



    Herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Das muss ein Brief aus der Vergangenheit sein... Dieses Lamento kommt doch (wenn überhaupt) 20 Jahre zu spät und klingt dadurch irgendwie peinlich :no:

  • Zitat

    Original von Ulli
    [Eingabe Seite 21 erforderlich und 1x zurückblättern. Warum, weiß der Geier].


    Lieber Ulli,


    da es Doppelseiten sind, können offensichtlich nur die ungeraden Seiten "angesprungen" werden, die folgende gerade wird dann mitgeladen.


    Liebe Grüße Peter

  • Das ist wahrlich das peinlichste was ich seit langem gelesen habe.


    Aber ganz im Ernst, um so einen Mist von sich zu geben, und das auch noch zu veröffentlichen, gehört wirklich verdammt viel Mut. :jubel:


    Allerdings glaube ich, dass das nur ein Versuch eines eher weniger bekannten Schriftstellers ist, etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen.


    Allerdings wenn man sich unbedingt lächerlich machen will, hätte ich gleich 50 Vorschläge wie das mit weniger Aufwand gehen würde :D

  • Lieber Joseph Martin Amadeus Ulli,


    also, ich habe eben gerade ein Lautenkonzert von Johann Kropfgans (sic) gehört.


    So sehr ich grundsätzlich jede Musik zu loben bereit bin, die bisher noch nicht als Klingelton erhältlich ist: Dass Herr Rosendorfer bei derartigen Entdeckungen soooonen Hals bekommt, kann ich dann doch verstehen. Und auch wenn ich den Autor ob seiner krassen Klangfarbenblindheit bedauere, die er mit der Pauschalverdammung aller historischen Instrumente offenbart, so würde ich dennoch jederzeit unterschreiben, dass 80 % aller Hammerklavier-Kaiser keine Kleider anhaben. Bedauerlich finde ich allerdings, dass uns Herr Rosendorfer in seinem Artikel nicht mitteilt, wie er es schafft, Vivaldi, den abgenudelsten aller Barockkomponisten, nicht langweilig zu finden. Was gäbe ich drum, dürfte ich mich statt an der mir allenthalben aufgedrängten Pizza Quattro Stagioni an Kropfgänsen gütlich tun!


    Der ich ansonsten in aller Unterthänigkeit verharre etc.


    Amateur

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.

  • um nochmal auf diesen Mist einzugehen:


    Das Problem dass sich aber durch solch eine Einstellung auftut ist doch diese, dass dadurch einfach die Behauptung in den Raum gestellt wird, das alles wertvolle an Musik bereits entdeckt ist.
    (Das ist genauso dumm, wie sich hinzusetzen und zu sagen, jetzt weiß ich alles ... da sollte man sich am besten Erschießen ...)


    Das dass eben nicht der Fall ist zeigt doch z.B. schon dieser Thread:



    Der große Unbekannte: Guillaume Bouzignac



    Wenn man wirklich so einen Mist zustimmt, dann muss man sich darüber im Klaren sein, dass es außer Bach, Händel, Mozart, Haydn und Gluck keine Musik vor 1800 gibt, bzw. bekannt wäre.


    allein Komponisten des Barock wie


    Monteverdi, Cavalli, Buxtehude, Lully, Biber, Rosenmüller, Telemann, Fux, Caldara, Albinoni, Couperin, Purcell, Keiser, Hasse, Schmelzer, Schütz, Rameau, Cesti, Charpentier, Blow, Jenkins, de Hidalgo, Mondonville, Lawes, Marais, Corelli, A. & D. Scarlatti, Steffani, Pachelbel, Arne, Jommelli, Campra, Torri, Pisendel, Traetta, Zelenka, Soler, Heinichen, Cannabich, Kraus, Kozeluc, Vanhal, Gossec, Grétry, Boccherini, Peri, Boesset, Dowland, Praetorius, Fischer, Bertali, Locke, Muffat, Byrd, Carissimi, Gabrieli etc.




    wären alle völlig unbekannt oder bestenfalls nur durch den Namen für Musikwissenschaftler ein Begriff.
    Und ich habe ausschließlich Komponisten genannt, die als die großen Meister ihrer Zeit gelten, also nix mit Kleinmeister.


    Ich will in so einer Welt nicht leben, wo solche dumme Leuten darüber bestimmen können was für Musik gehört werden darf und was nicht.
    Soetwas hatten wir ja auch schon mal....
    Ich brauche keinen Vorbeter, der mir sagt was ich gut zu finden habe und was nicht.




    Genausogut könnte ich behaupten, die Musik des 19. Jahrhunderts, also die Romantik ist per se langweilig.
    Außer Beethoven und Wagner ist eh alles andere Mist.
    Zudem ist es unaushaltbar wie moderne Orchester und Sänger diese Musik auch noch traktieren.



    Das ist genau das gleiche! völliger Schwachsinn.



    Was ich aber durchaus unterschreibe:
    Ich finde es um Längen besser, Zeit, Energie und Geld in eine Aufnahme mit völlig unbekannter Musik zu stecken.
    Als ständig die gleichen Werke aufzunehmen.
    Ich finde es sogar skandalös, dass es von manchen Werken hunderte verschiedene Aufnahmen gibt, dafür andere Meisterwerke, egal welcher Epoche achtlos übergangen werden.
    Es gibt immer noch Komponisten die musikgeschichtlich und musikalisch höchst interessant sind, aber denen bisher kaum Beachtung zuteil geworden ist.


    Zitat

    Herr Rosendorfer in seinem Artikel nicht mitteilt, wie er es schafft, Vivaldi, den abgenudelsten aller Barockkomponisten, nicht langweilig zu finden.


    das ist doch ganz einfach zu beantworten, er hört nur die eine Aufnahme mit Karajan - und soetwas findet man nicht langweilig....



    P.S.
    Aber Vivaldi ist wirklich nicht langweilig, probiere es mal mit seiner geistlichen Musik, das ist ein völlig anderer Vivaldi, bei mir ist da die Begeisterung neu entflammt.

  • ...ich fand- als bekennender HIP- Freund, jedoch nicht- Dogmatiker- diese Glosse sehr witzig. :hahahaha:


    Ich mag aber Herbert Rosendorfers Schreibe ohnehin - ist er doch ein blendender Ironiker der Neuzeit! Und er wird es doch nicht gewagt haben,hier auf das Warnschild " Achtung Satire" zu verzichten...! :pfeif:


    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Zitat

    Original von der Lullist
    allein Komponisten des Barock wie


    Monteverdi, Cavalli, Buxtehude, Lully, Biber, Rosenmüller, Telemann, Fux, Caldara, Albinoni, Couperin, Purcell, Keiser, Hasse, Schmelzer, Schütz, Rameau, Cesti, Charpentier, Blow, Jenkins, de Hidalgo, Mondonville, Lawes, Marais, Corelli, A. & D. Scarlatti, Steffani, Pachelbel, Arne, Jommelli, Campra, Torri, Pisendel, Traetta, Zelenka, Soler, Heinichen, Cannabich, Kraus, Kozeluc, Vanhal, Gossec, Grétry, Boccherini, Peri, Boesset, Dowland, Praetorius, Fischer, Bertali, Locke, Muffat, Byrd, Carissimi, Gabrieli etc.


    Na, na, lieber Matthias, jetzt übertreibst Du doch. Kirchliche Menschen z.B. kennen mehrere Namen.
    Und Boccherini war schon wegen Grützmacher ziemlich bekannt. Um von der Eurovisiekomponist ganz zu schweigen. :P


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Oolong
    ...ich fand- als bekennender HIP- Freund, jedoch nicht- Dogmatiker- diese Glosse sehr witzig. :hahahaha:


    Ja, ich auch. Auch als Dogmatiker.


    Zitat

    [...]- ist er doch ein blendender Ironiker der Neuzeit!


    So habe ich das jedenfalls verstanden - und weitergesponnen.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Oolong
    ...ich fand- als bekennender HIP- Freund, jedoch nicht- Dogmatiker- diese Glosse sehr witzig. :hahahaha:


    Ich mag aber Herbert Rosendorfers Schreibe ohnehin - ist er doch ein blendender Ironiker der Neuzeit! Und er wird es doch nicht gewagt haben,hier auf das Warnschild " Achtung Satire" zu verzichten...! :pfeif:


    Lieber Olong,


    ich muß gestehen, dass ich Rosendorfers Glosse nicht recht verstehe. Es ist ja immer ein schlechtes Zeichen für einen selbst, wenn man sich Witze, Ironie oder Satire erklären lassen muss...


    Ich sehe zZt. zwei Erklärungsmöglichkeiten:


    1. Rosendorfer meint was er schreibt: Die Zuhörer bestaunen wie des Königs neue Kleider aus den Archiven gekramte drittklassige Kleinmeister und mißtönende "Darmsaiten, Naturhörner und Böllerpauken", oder


    2. Rosendorfer meint das Gegenteil von dem was er schreibt. Mit um-die-Ecke gedachter Ironie beschreibt er eben die unter 1 genannten Vorurteile und wie sich die Leser selbst entlarven, wenn sie beim Lesen sozusagen zustimmend nicken.


    Vielleicht meint er auch irgendetwas dazwischen oder etwas ganz anderes?


    Dabei gibt es genug Erscheinungen bei der HIP-Bewegung, die man (selbst als HIP-Freund) satirisch aufspießen könnte oder sollte. Man kann sich z.B. fragen, ob und wo sich eine neue Dogmatik einschleicht, wo Hypothesen zur historischen Praxis zu bewiesenen Tatsachen avancieren, wo Argumente zur historischen Praxis als Totschlagargument zum Sieg in Diskussionen über reine Geschmacksfragen gebraucht werden.


    Beste Grüße


    Manuel García


  • Lieber Matthias,
    da gilt aber das gleiche, das du den Ignoranten der Barockmusik vorwirfst: Nicht jeder Schriftsteller, den DU nicht (so gut?) kennst, ist deshalb "weniger bekannt" oder gar minderwertig, und Aufmerksamkeit genießt Herbert Rosendorfer genügend, zumindest bei den Lesern, die diesen glänzenden Sartiriker kennen und lieben. Zu denen zähle ich mich auch, wenn ich auch gerne zugebe, dass dieser Rondo-Artikel nicht zu seinen Geniestreichen gehört.
    lg Severina :hello:


    PS: Ach ja, damit kein Missverständnis aufkommt: Ich beschäftige mich in letzter Zeit sehr viel mit Barockmusik, und gerade deine Beiträge machen mich immer wieder neugierig auf Neues. Ohne deine missionarische Tätigkeit ;) wüsste ich z.B. gar nicht, dass es Marin Marais gibt, geschweige denn, dass ich eine CD von ihm besäße :]


  • Ich verstehe das ziemlich deutlich so, daß Rosendorfer meint, was er schreibt. Freilich mit einer deutlichen ironischen Überspitzung formuliert, aber doch im Grunde, daß sowohl der Einsatz der alten Instrumente als auch das Ausgraben von zur Recht vergessenen Komponisten seiner Ansicht nach übertrieben werden.


    Wenn er das Gegenteil von dem meinen sollte, was er schreibt, verstehe ich nicht recht, wie man den Text als Plädoyer für das nur scheinbar Angegriffene verstehen soll. Das müßte schon irgendwie angedeutet werden oder die Übertreibung so extrem sein (wie bei Swifts Vorschlag zur Linderung des Hungers Säuglinge zu verzehren), daß man das merkt.


    Mich erstaunt das insofern ein wenig, daß Rosendorfer sich u.a. für den "zu Unrecht vergessenen" Rudi Stephan eingesetzt hat. Aber obwohl er mit der Erfindung Otto Jägermeiers nicht zuletzt die Sinf. Dichtungen von Strauss etwas ironisiert hat, würde mich doch andererseits gar nicht wundern, wenn sein Geschmack (gerade wie der der so oft veräppelten Münchner Schickeria) im Grunde ziemlich fest zwischen Mozart und Rosenkavalier angesiedelt wäre....


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich sehe das wie Johannes - Rosendorfer meint es ernst. Warum er sich dann so überspitzt ereifert, statt einfach die Schultern zu zucken und sich das alles nicht anzuhören, kann ich allerdings nicht nachvollziehen - da hat er wohl was nicht verstanden. Wenn er keine Naturhörner mag, dann braucht er doch nur ganz einfach die CDs nicht zu kaufen ...


    Rosendorfer wird in dreihundert Jahren, wenn die Literaturhistoriker ähnlich ungnädig sind wie er, auch nicht mehr gelesen werden ...

  • Zitat

    Original von miguel54
    Ich sehe das wie Johannes - Rosendorfer meint es ernst. Warum er sich dann so überspitzt ereifert, statt einfach die Schultern zu zucken und sich das alles nicht anzuhören, kann ich allerdings nicht nachvollziehen - da hat er wohl was nicht verstanden. Wenn er keine Naturhörner mag, dann braucht er doch nur ganz einfach die CDs nicht zu kaufen ...


    Dann wäre er aber kein Kritiker!


    Zitat

    Rosendorfer wird in dreihundert Jahren, wenn die Literaturhistoriker ähnlich ungnädig sind wie er, auch nicht mehr gelesen werden ...


    Was zu bedauern wäre.


    Wie schön lassen sich doch heute die misgünstigen Kritiken über Beethovens Eroica oder andere Werke lesen.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo zusammen,


    also ich meine, Rosendorfer hält hier gerade kein Plädoyer für oder gegen HIP. Seine satirische Feder richtet sich gegen aufkommende Dogmatik in diesem Bereich - dass z.B. jeder Künstler sich mittlerweile erklären sollte, wenn er nicht auf historischen Instrumenten spielt. Oder dass jede Ersteinspielung eines " verstaubten Vergessenen" erstmal vorab den Bonus einer potentiellen Sensation erhält, wohingegen die großen unbestreitbar genialen Werke in der Wahrnehmung nach hinten rücken...etc
    Offensichtlich stört Rosendorfer der Impetus des..." nur so ist es richtig,nur so ist es gültig, nur so ist es schön"


    Und dort, wo dieser ästhetische Rigorismus verwendet wird, sollte man sich ruhig über Rosendorfer ärgern, alle anderen mögen erheitert IHRE alte Musik weiterhören: auf orginal Zinken geblasen oder von Ludwig Güttler mit unzeitgemäßem Glanz versehen... !


    :hello:
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Zitat

    Original von Oolong
    also ich meine, Rosendorfer hält hier gerade kein Plädoyer für oder gegen HIP. Seine satirische Feder richtet sich gegen aufkommende Dogmatik in diesem Bereich - dass z.B. jeder Künstler sich mittlerweile erklären sollte, wenn er nicht auf historischen Instrumenten spielt. Oder dass jede Ersteinspielung eines " verstaubten Vergessenen" erstmal vorab den Bonus einer potentiellen Sensation erhält, wohingegen die großen unbestreitbar genialen Werke in der Wahrnehmung nach hinten rücken...etc


    Ich mag Rosendorfers Bücher schon, aber ich finde, seine Glosse wäre 1988 richtig lustig gewesen. Heute, wo Alte-Musik-Experten mit modernen Orchestern oder modernen Instrumenten spielen, wo ein Claudio Abbado mit Carmignola Mozart aufnimmt, mutet es irgendwie gallig an. Und leider, in meinen Augen, unwitzig. Ich hege den Verdacht, er hat diese Glosse beim Aufräumen unter seinem Bett gefunden...

  • Zitat

    Original von Blackadder
    Ich hege den Verdacht, er hat diese Glosse beim Aufräumen unter seinem Bett gefunden...


    Wie geht es wohl jemandem, der heute erstmals Band I "Asterix der Gallier" liest? Selbst wenn es sich tatsächlich um ein Recycling handelte, was ist so schlimm daran?


    ?(


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Ich mag Rosendorfers Bücher schon, aber ich finde, seine Glosse wäre 1988 richtig lustig gewesen. Heute, wo Alte-Musik-Experten mit modernen Orchestern oder modernen Instrumenten spielen, wo ein Claudio Abbado mit Carmignola Mozart aufnimmt, mutet es irgendwie gallig an. Und leider, in meinen Augen, unwitzig. Ich hege den Verdacht, er hat diese Glosse beim Aufräumen unter seinem Bett gefunden...




    sehe ich ähnlich.
    Wobei mir die "Satire" (für die ich sonst sehr offen bin) hier aber nicht erschließt.


    Ich glaube dass das nur für Leute lustig ist, die in den 60er Jahren hängen geblieben sind und die Vorstellung haben dass Bach die Musik erfunden hat.


    ... hat ja mal wirklich einer zu mir gemeint
    "Wie ? vor Bach gab es auch Muik ? ... ich dachte er hätte..."


    er sprach den Satz nicht zu Ende :rolleyes:


    ... dumm nur, dass er das toternst meinte .... oh Herr wirf Hirn vom Himmel....

  • Wie "aktuell" das Thema ist, hängt ja nun mal von der Aktualität des Betrachter ab.


    Ich kenne viele Gelegenheitsklassikhörer, die mir berichteten, als sie erstmals aus einem Konzert kamen, in dem historische Instrumente verwendet wurden. Der Klang sei doch ganz anders und gewöhnungsbedürftig und ob ich soetwas schonmal gehört hätte... Wenn ich dann unbetont antworte, daß geschätzte 80% meiner CD-Sammulng aus derlei Aufnahmen besteht, ist das Erstaunen riesig.


    Ich fand den Artikel jedenfalls sehr erheiternd und fühlte mich selbst aufs Korn genommen [nunja, das kann auch nicht jeder verkraften].


    :hello:


    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Ulli
    Wie "aktuell" das Thema ist, hängt ja nun mal von der Aktualität des Betrachter ab.


    Ich kenne viele Gelegenheitsklassikhörer, die mir berichteten, als sie erstmals aus einem Konzert kamen, in dem historische Instrumente verwendet wurden. Der Klang sei doch ganz anders und gewöhnungsbedürftig und ob ich soetwas schonmal gehört hätte... Wenn ich dann unbetont antworte, daß geschätzte 80% meiner CD-Sammulng aus derlei Aufnahmen besteht, ist das Erstaunen riesig.


    Das habe ich auch schon erlebt, genauso wie Jazzhörer, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Percussionisten mit mir hören, obwohl das seit etwas der gleichen Zeit selbstverständlich ist ...


    Ein Kollege hatte neulich Rosendorfer als Tourneelektüre dabei - wir haben herzlich darüber gelacht! Diese Glosse aber ist mir einen Tick zu dick aufgetragen, um nicht anzunehmen, daß er eine persönliche Kiste damit hat.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Ein Kollege hatte neulich Rosendorfer als Tourneelektüre dabei - wir haben herzlich darüber gelacht! Diese Glosse aber ist mir einen Tick zu dick aufgetragen, um nicht anzunehmen, daß er eine persönliche Kiste damit hat.


    Mag ja sein, daß es ihm persönlich zwischenzeitlich tierisch auf den Sender geht... Geschmäcker ändern sich. Mit der Zeit wird man ja auch müde, derartige Statements, wie Bösenmüller sie verfasst, zu lesen.


    ;)


    Wäre der Artikel aus unseren Reihen entsprungen, da bin ich mir sicher, wäre die Aufnahme eine ganz andere gewesen...


    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Wenn wir hier unter uns lästern, kann man das Augenzwinkern besser sehen, daß ich bei Herrn Rosendorfer nicht erkennen kann ..... ;)


  • Timing! Das ist das Schlimme... Asterix ist zeitlos, aber Rosendorfers Glosse ist es nicht. Sie erfüllt dadurch den Tatbestand, dass sie leider mehr über ihn als über das Gesprochene aussagt. Als ob ich heute noch fordern würde, Karthago müsse zerstört werden...

  • Zitat

    Original von Blackadder


    Timing! Das ist das Schlimme... Asterix ist zeitlos,


    So? Ich finde Asterix keinesfalls zeitlos - kennt man die damaligen politischen Hintergründe nicht, gehen viele Witze, die darauf Bezug nehmen, an einem vorbei.


    Und was das Timing Bösenmüllers betrifft, so mag dies für die große Menge der Involvierten vielleicht falsch gewählt sein - aber es hängt dennoch vom Kenntnisstand des Lesers ab, ganz wie bei Asterix.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von miguel54
    Ein Kollege hatte neulich Rosendorfer als Tourneelektüre dabei - wir haben herzlich darüber gelacht! Diese Glosse aber ist mir einen Tick zu dick aufgetragen, um nicht anzunehmen, daß er eine persönliche Kiste damit hat.


    Sie ist v.a. zu dick aufgetragen, um wirklich witzig zu sein!


    Oder eben nicht dick genug. Er posaunt bspw. den naiven Allgemeinplatz, daß Mozart _selbstverständlich_ mit einem modernen Flügel viel glücklicher gewesen wäre als mit seinen damaligen Instrumenten, ganz unreflektiert und unironisch hinauf. Wäre Mozart vielleicht mit einem modernen Synthesizer-Keyboard noch viel glücklicher gewesen...?
    (Wäre jedenfalls schonmal leichter zu transportieren gewesen!)


    :hello:


    JR

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    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Wäre Mozart vielleicht mit einem modernen Synthesizer-Keyboard noch viel glücklicher gewesen...?
    (Wäre jedenfalls schonmal leichter zu transportieren gewesen!)


    Genau! Der hätte die besten Samples bzw. seinen Wunschklang modifiziert und wäre endlich laut genug für die großen Wiener Säle gewesen ...

  • Zitat

    Original von miguel54


    Genau! Der hätte die besten Samples bzw. seinen Wunschklang modifiziert und wäre endlich laut genug für die großen Wiener Säle gewesen ...


    Wo wir wieder bei Dieter Bohlen wären, der in seiner weisen Voraussicht ja wußte: "Ich glaube, wenn Mozart heute noch leben würde, würde er sowas ähnliches machen wie ich"... Ich gebe zu, ich habe einen gewissen Faible für diesen Satz...

  • Zitat

    Original von miguel54
    Wer der Mozart von heute ist, werden wir sowieso erst in zweihundert Jahren wirklich wissen


    Andrew Lloyd Webber 8o