ANTON DERMOTA - unser "Toni"!

  • Anton Dermota wurde am 4.6.1910 in Kropa, Slowenien geboren, studierte zuerst Komposition und Orgel in Ljubljana und erhielt dann ein Gesangsstipendium in Wiien.
    1934 debütierte er in Cluj (Klausenburg). 1936 hörte ihn der große Dirigent Bruno Walter und engagierte in an die Wiener Staatsoper, wo er als 1. Geharnischter in Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" debütierte.
    Schon bald erhielt er erste Hauptrollen (zuerst Alfredo in "La Traviata" 1937) und entwickelte sich zu einem Wiener Liebling, der einmal durch mehr als vier Jahrzehnte unser führender Mozarttenor werden sollte.


    In dieser Zeit erlebt er auch die größte Katasthrophe der Staatsoper mit, als diese am 13.3.1945 bei einem aliierten Luftangriff in Flammen aufging, und half noch mit, Noten und Einrichtungsgegenstände aus den Flammen zu retten.


    Ich gehe nun ins Theater an der Wien, dem Ersatzquartier der Wiener Staatsoper, nach 1945, denn dort lernte ich ihn ja, musikalisch, kennen und schätzen.


    Anton Dermota, das bedeutet für mindestens zwei Generationen von Opernbesuchern vollendeten lyrischen Gesang - verbunden mit schier unglaublicher Phrasierungskunst und unnachahmlichen Stilgefühl ein lyrischer Tenor der immer im Rahmen seines Faches blieb und dabei nie sein Talent und seine große Liebe zum klassischem Lied verleugnete.
    Natürlich war hier seine Gattin, Hilde, die ja bekanntlich seine Klavierbegleiterin wurde, maßgeblich für die künstlerische Vollendung verantwortlich, und so konnte er den einmaligen Bogen von Beethovens Zyklus "An die ferne Geliebte", über Schubert und Schumann, bis hin zu Richard Strauss und Joseph Marx spannen. Für sein Stilgefühl, ja für seine ganz persönliche Einstellung zur Liedinterpretation formulierte er einen Satz, der wohl sicherlich allen, die mit Musik verbunden sind, einen Denkanstoß geben müsste:
    "So wie eine kammermusikalisches Streichquartett zu einem großen Orchesterwerk, genauso verhält sich die Liedinterpretation zum Operngesang!"
    Und diese instrumentale Führung der Stimme, die fast wie eine Cellosaite angestimmt wird, ist wohl der unverkennbare Zauber der Stimme Anton Dermotas. Und wer diese Künstlerschaft voll und ganz ermessen will, dem würde ich empfehlen, sich die Aufnahme seiner "Winterreise" anzuhören - der Abgesang eines (damals70jährigen) großen abgeklärten Sängers, dem es gelingt, diese biedermeierliche verklärte Resignation voll in die Herzen der Zuhörer zu bringen...


    Doch kehren wir zurück, zur eigentlichen Opernkarriere. Es wäre völlig falsch, Anton Dermota nur als Mozartsänger abzutun, darf man doch nicht vergessen, dass er speziell im Theater an der Wien eien Fülle von anderen Partien auch in anderen Fächern sang::
    denken wir dabei an den Alma-viva Grafen im "Barbier von Sevilla", Alfred ("La Traviata"), Herzog ("Rigoletto"), Rudolf ("La Bohéme"), Hoffmann ("Hoffmanns Erzählungen"), Des Grieux ("Manon"), Lenski ("Eugen Onegin"), Vladimir ("Fürst Igor") - zuletzt noch Palestrina und Evangelimann - bis zur Operette "Die Fledermaus" (Alfred).


    Es ist eigentlich jammerschade, dass es von diesen Rollen keine verfügbaren Aufnahmen gibt (außer Alfred "Fledermaus" und eine Arienplatte mit Lenski, Rudolf) - wären sie doch Zeugnis von einem anderen, leider fast vergessenen Dermota.


    Aber allein, was tut's uns Wienern wird unser "Toni" (wie er vom Stehplatzpublikum liebevoll genannt wurde) ewig als der bis heute unereichte Mozartstilist in Erinnerung, ja in unserem Herzen bleiben. Dass das wohl die höchste Wertschätzung für einen Künstler sein muss, kann man erst ermessen, wenn man bedenkt, dass es in seinem Fach immerhin einen Tauber, Wunderlich, Gedda und Schreier gegeben hat.
    Sein Belmonte und Ferrando haben Musikgeschichte gemacht, und es war naheliegend, ihn zu seiner Einstellung zur Mozartpfege der großen Dirigenten zu befragen.


    Hier schien es mir, als würde ich ein Schatzkästchen der Musikgeschichte öffnen: neben den Antipoden Krips und Böhm erinnert man sich auch an Otto Klemperer, Sir Thomas Beecham, den beiden extravaganten Sir Georg Solti und Herbert v. Karajan, bis zum Giganten der damaligen Zeit: Wilhelm Furtwängler.
    Hier kommt man nicht umhin, den einmaligen Salzburger Aufführungen der "Zauberflöte" und "Don Giovanni" zu gedenken, die es ja gottlob auf CDs/LPs noch zu kaufen gibt.


    Vorn zweiterer gibt es eine köstliche Anekdote:
    Schon bei den Proben fiel Dermota auf, dass Furtwängler in seinem Sendungsbewusstsein zum Klassizismus gerne die Tempi etwas verbreiterte - dabei wohl das Unvergängliche an diesem Werk wirkungsvoll unterstrich, für die Tenorpartie jedoch in der Phrasierung unlösbare Probleme aufwarf. Die Bitte, doch bei den beiden großen Arien auf den Sängeratem Rücksicht zu nehmen, wurde zunächst ungnädig aufgenommen, bei derGeneralprobe aber schon in etwa entsprochen, und nach dem überwältigenden Premierenerfolg erschien ein strahlender Furtwängler in Dermotas Garderobe und empfing dessen Gattin mit den Worten: "Na, war ich heute rasch genug?"


    Und so erging es mir an diesem Spätsommernachmittag wie beim Betrachten eines Bilderbuches: da erblickt man den ewigen Grantler Böhm, den nervös präzisen Karajan, aber auch die beiden liebsten Kollegen, den stets philosophiernden Paul Schöffler, sowie den ewigen Spaßmacher Erich Kunz, von dem es in den Dermotamemoiren heißt: "Er kam auf die Welt, um Papageno zu sein."


    Die letzten großen Erfolge Dermotas waren der Evangelimann, Palestrina und in seiner letzten Partie die liebevoll gestaltete Minipartie des Monsieur Triquet in "Eugen Onegin" - sein Abschiedsabend in der Wiener Staatsoper als Tamino am 24.1.1981.


    Hier schließt sich nun der Reigen in dieser großen Weltkarriere.


    Anton Dermota starb am 22.6.1989 in Wien.


    Seine Grabstelle ist am Hietzinger Friedhof.

  • Danke für die Erinnerung an diesen großen lyrischen Tenor!



    Kennengelernt habe ich ihn wohl mit seinem Matteo - eine bis heute unerreichte Interpretation:



    Richard Strauss (1864-1949)
    Arabella


    Casa, Güden, London, Dermota, Kmentt, Edelmann,
    Wien PO, Solti
    Label: Decca , ADD, 1957




    Und erst kürzlich hörte ich den Wagnersänger(!) Dermota:


    Richard Wagner (1813-1883 )
    Das Liebesverbot


    Walter, Zadek, Dermota, Friedrich, Steffek,
    Großes Wiener Rundfunkorchester, Heger
    Label: Documents , ADD, 1963




    Viele weitere Aufnahmen finde sich in meiner Sammlung, denn Anton Dermota höre ich immer wieder gerne....



    LG, Elisabeth

  • Lieber Peter,
    ich glaube, Du tuts unserer Plattenindustrie unrecht, wenn Du sagst, es gibt zu wenig von Anton Dermota auf CD. Ich schätze, alle Rollen, die Du aufgezählt hast, sind auch als Tonträger zu bekommen.


    Ich fange mal mit einer Recital-Platte an, die ich oft höre:




    Titelliste:
    1 Hier soll ich dich denn sehen (Die Entführung aus dem Serail)

    2 Konstanze! dich wiederzusehen (Die Entführung aus dem Serail)

    3 Wenn der Freude Tränen fließen (Die Entführung aus dem Serail)

    4 Der Odem der Liebe (Cosi fan tutte)

    5 Wie stark ist nicht dein Zauberton (Die Zauberflöte)

    6 Per pietà non ricercate (Konzertarie KV 420)

    7 Gott! Welch Dunkel hier (Fidelio)

    8 Nein, länger trag ich nicht die Qualen (Der Freischütz)

    9 Una furtiva lagrima (L´Elisir d´amore)

    10 Wohin seid ihr entschwunden (Eugen Onegin)

    11 Recondita armonia (Tosca)

    12 E lucevan le stelle (Tosca)


    Soviel zunächst zum Kennenlernen!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Liebert Harald!


    Da hast Du Recht - aber ich habe diese Aufnahme auf LPs, und ich weiß nicht was davon, auf CDs gebrannt wurde.


    Aber herzlichen Dank für die Information.


    Liebe Grüße aus dem sehr warmen Wien, vorige Woche haben wir wegen der Kühle gschimpft, echt Wienerisch, Peter. :hello: :hello: :yes:

  • Lieber Peter,


    wenn Du bei einem unserer Werbepartner suchst, wirst Du eine sehr lange Liste von CD-Aufnahmen finden.


    Daneben ist auch Dermotas Autobiographie "Tausendundein Abend. Mein Sängerleben" noch antiquarisch erhältlich.


    Außer den bereits genannten finden sich bei mir noch folgende Aufnahmen mit Dermota als


    Ferrando




    Don Ottavio




    Tamino





    in Mozarts Requiem:




    Sänger im Rosenkavalier



    Lenski






    LG, Elisabeth

  • Vielleicht interessiert Dich auch das:


    Katalog der Sammlung Anton Dermota: Musikhandschriften und Musikerbriefe
    (Gebundene Ausgabe)
    von Thomas Leibnitz (Bearbeitung), Agnes Ziffer (Bearbeitung)


    gibt es schon für 150 €


    LG


    :hello:


    PS: Ich glaube, Waldi weiß da mehr!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Liebe Elisabeth - Lieber Harald!


    Dermotas Autobiographie "Tausendundein Abend. Mein Sängerleben", habe ich schon seit Jahren,


    das andere Buch um € 150,-- kann ich mir nicht leisten, würde mich aber interessieren, werde schaun, ob es die UNI - Bibliothek hat.


    Besten Dank und recht liebe Grüße, aus dem eher heißen Wien, sendet Euch Peter. :angel: :angel: :hello: :hello:

  • Ich mag sein elegisches Timbre; es passt auch sehr gut zu seinen Rollen im "Fidelio":


    1950 als Jaquino unter Furtwängler




    und 5 Jahre später als Florestan unter Böhm (Patzak und Dermota sind meine Lieblings-Sänger in dieser Rolle)





    Und er ist einer meiner liebsten Taminos in der "Zauberflöte" ...



    :hello: Petra

  • Lieber Harald!


    Diese LP habe ich, die Du da zeigst und außer dem Eugen Onegin nicht in dieser Besetzung, die Elisabeth zeigt, ich habe als Tatjana Sena Jurinac, alle anderen Gesamtaufnahmen, aber eben auf LPs.


    Auch den Fidelio mit Anton Dermota als Florestan habe ich, das war als er, mit Martha Mödl als Leonore, in der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper, am 5.11.1955, den Florestan sang, auch die 3er LP habe ich.


    Wobei es Auszüge der Generalprobe gab, wo Martha Mödl besser war, als in der Eröffnungspremiere, aber das war ein Film den eine USA Fernsehgesellschaft gemacht hatte.


    Dieser Film lag jahrelang in einem Depot in den USA und wurde erst im Vorjahr gefunden.


    Liebe Grüße sendet Euch, nochmals Peter, aus Wien. :hello: :hello:

  • Manon


    Den Des Grieux hat er zwar in Wien sehr oft gesungen, in Hamburg wurde eine Radioaufnahme davon gemacht:



    Sena Jurinac, Anton Dermota, Joseph Olah, Gustav Neidlinger,
    NWDR SO,
    Dirigent: Wilhelm Schüchter


    Das Bild zeigt den Querschnitt, es gibt davon auch eine Gesamtaufnahme.
    Ich hätte das Bild auch in Deinen Sena-Jurinac-Thread stellen können!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald!


    Was Du nicht alles hast, da kann ich nur Waldi fast bestätigen.


    Danke fürs Reinstellen.


    Liebe Grüße Peter, aus Wien. :hello: :hello:

  • Die Liste der Opernaufnahmen von unserem Anton Dermota ließe sich hier noch endlos fortsetzen, wenn ich allein meine CDs alle aufzählen würde....


    Aber ich möchte hier auch mal auf den Liedsänger hinweisen, der mit seiner Ehefrau, der Pianistin Hilde Berger-Weyerwald, eine erstklassige Begleiterin hatte:




    Eine absolute Empfehlung!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Eine erstklassige Einspielung, auch vom Dirigenten natürlich vollendete


    Mahler-Interpretation.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Anton Dermota ist ein herausragender lyrischer Tenor. Seine Stimmkultur und Phrasierungskunst sind vorbildlich. Er hatte ein sehr persönliche, unverkennbare Stimme und Singweise. Es schwingt immer etwas geheimnisvoll "Verhangenes" in seinem Vortrag mit. Für mich ist er in erster Linie der perfekte Mozart-Sänger. Von keinem anderen Tenor hörte ich z. B. die Arie des Ferrando "Der Odem der Liebe" mit so viel Gefühl und Inbrunst gesungen, wie von Anton Dermota.
    Etwas Probleme habe ich mit seinem Florestan, obwohl auch diese Partie wunderschön - vielleicht zu lyrisch schön - gesungen ist. In dieser Rolle bevorzuge ich kernigere Stimmen, wie Jon Vickers, Hans Hopf, Wolfgang Windgassen und neuerdings seit ich ihn in München hörte, Johan Botha.
    Aber allein als Mozart-Sänger hat Anton Dermota seinen bleibenden Platz im Sänger-Olymp verdient.
    Herzlich
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Operus!


    Du hast mit Deiner Meinung über Anton Dermota als Florestan völlig Recht, beim Hören der LPs vom 5.11.1955 mit Martha Mödl als Leonore, da muss ich immer denken ist jetzt Jqaquino, irrtümlich, in den Kerker gekommen.


    Er war meiner Meinung nach von Karl Böhm aus eine Fehlbesetzung, so wie es auch Martha Mödl war, deren Stimme aber Karl Böhm so liebte. Ich denke sie hat, irgendwie gezwungenermaßen, diese Sopranpartien gesungen, obwohl sie eher ein hoher Mezzosopran war.


    Bei Anton Dermota muss ich sagen seine Don Ottavio war der männlichste Sänger dieser Rolle, da sagt man sich warum Donna Anna ihn liebt, bei allen anderen würde man denken, dass sie sich gerne von Don Giovanni verführen lassen würde, speziell von Cesare Siepi oder George London.



    Liebe Grüße Peter aus Wien :hello: :hello:

  • Bei Preiser ist jetzt eine weitere Recital-Platte erschienen mit Arien und Szenen, die es bisher noch nicht auf CD gab:



    Anton Dermota - Szenen & Arien


    Erscheinungstermin: 11.9.2008

    Arien & Szenen von Weber, Beethoven, Wagner, Borodin,
    Smetana, Offenbach, Massenet


    Anton Dermota,
    Ljubljana SO, Großes Wiener RO, Südfunk SO, Bayr. RSO,
    Hubad, Kassowitz, Müller-Kray, Striegler
    Label: Preiser , AAD, m


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald!


    Diese CD kenen ich nicht - ich habe ja die, von Dir, erstgenannte


    noch auf LP.


    Danke, werde sie mir vormerken.


    Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :hello: :hello:


  • Ergänzend hierzu hier noch die Titel der neuen Recital-CD:


    ANTON DERMOTA
    Arien und Szenen


    CARL MARIA VON WEBER
    Der Freischütz: Nein, länger trag ich nicht die Qualen
    LUDWIG VAN BEETHOVEN
    Fidelio: Gott, welch Dunkel hier
    RICHARD WAGNER
    Lohegrin: Das süße Lied verhallt; wir sind allein
    Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte u.a.
    Der fliegende Holländer: Willst jenes Tag‘s du nicht dich mehr
    entsinnen
    Die Walküre: Winterstrürme wichen dem Wonnemond u.a.


    Die Plattenfirma schreibt dazu:



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich habe da noch 2 Wagner Opern entdeckt, mit Anton Dermota:


    +


    und eine meiner Lieblingsopern:


    Sehr empfehlenswert :jubel:


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist bei "gala" auch ein neues Dermota-Recital auf 2 CDs erschienen, auf dem etliche Arien zu hören sind, die es bisher noch nicht auf CD gab.




    Anton Dermota - A Portrait


    2 CDs
    Erscheinungstermin: 8.12.2008

    Arien & Lieder von Bononcini, Mozart, Weber, Meyerbeer,
    Schumann, Flotow, Verdi, Maillart, Offenbach, Smetana, Cornelius,
    Borodin, Janacek, Kienzl, Leoncavallo, Puccini, Wolf, Mascagni,
    Strauss, Korngold


    Label: Gala , ADD/m, 1941-1955


    Hörproben gibt es bei jpc.


    Wer noch kein Geschen für die Oma hat.....


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Seltsamerweise ist Dermotas meiner Meinung nach beste Rolle noch nicht erwähnt worden, nämlich die Titelgestalt in Hans Pfitzners Oper "Palestrina". Niemand, absolut niemand, auch nicht Patzak und Wunderlich, hat diese schwierige Rolle mit so viel Menschlichkeit und Schlichtheit ausgestattet wie Dermota.
    Ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt, aber mir ist es so im Gedächtnis: Am Ende des Ersten Aktes von Pfitzners herrlicher Oper steht auf "Frieden" ein etwas lästiges Hohes C. Dermota sagte, wenn er dieses C einmal nicht mehr singen könne, dann trete er von der Opernbühne ab.
    Eines Tages, ich war in der Aufführung, schmiß er dieses C. Das heißt, er sang es nicht mit dem verklärten, reinen Ausdruck, den man von ihm gewohnt war, es klang halt etwas angekratzt und mühevoll. Die nächste Aufführung sagte Dermota ab. Ich glaube, er ist nachher in der Oper wirklich nicht mehr aufgetreten.
    Dafür erinnere ich mich an eine "Winterreise", die zum Berührendsten gehört, was ich je erlebt habe. Stimmlich war vielleicht nicht mehr alles da, was da sein sollte. Aber diese Aura des Abschiednehmens, dieser perfekte Umgang mit dem Wort - das ist unvergeßlich und setzt für mich einen Maßstab.
    :hello:

    ...

  • Ich sehe Dermota als Palestrina in der Nachfolge von Karl Erb und Julius Patzak. Gedda unnd noch mehr Wunderlich fallen für mich in dieser Rolle aus, weil hier kein Belcantosänger gefragt ist, sondern ein Ausdruckssänger, der den alten, abgeklärten Palestrina auch timbremäßig glaubhaft interpretieren kann. Da käme für mich außer Dermota nur noch Ernst Häfliger und eventuell Waldemar Kmentt in Frage, jedenfalls alles Tenöre, die auch, außer Erb in Mahlers "Lied von der Erde", in dem die Tenortexte ja auch einem abgeklärter chinesischer Philosoph in den Mund gelegt sind, ideale Interpreten waren.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Sollte mir da was entgangen sein?


    Lieber Herbert, falls Du eine Palestrina-Aufnahme mit Dermota hast, hätte ich gerne eine Kopie!


    Die gesamte Dermota-Discographie kenne ich nicht, aber die Anzahl der Platten-Einspielungen der Oper "Palestrina" von Pfizner ist - wie alles von diesem Komponisten - recht übersichtlich, außer Patzak und Wunderlich habe ich noch Lorenz und - allerdings viele Jahre später - dann noch Thomas Moser. Schreier liegt mir nicht und Richard Holm war eher ein Playboy als ein Palestrina....


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Sollte mir da was entgangen sein?


    Lieber Herbert, falls Du eine Palestrina-Aufnahme mit Dermota hast, hätte ich gerne eine Kopie!


    kann ich mich nur anschließen ; das dürfte in der Tat eine interessante Angelegenheit sein... Der späte Patzak ist mir in der Rolle denn doch etwas zu mager, bei allem Ausdruck.

  • Lieber Harald,
    eine Aufnahme mit Dermota als Palestrina habe ich nicht. Ich kenne nur die Kölner Runfunkaufnahme mit Patzak. Aus dieser Kenntnis schließe ich darauf, daß Dermota auch das Timbre für diese Partie hatte. In seiner Selbstbiographie schreibt ja auch am Schluß über diese Rolle, die er am 26.10.1977 an der Wiener Staatsoper zu seinem 40jährigen Jubiläum an diesem Haus sang. Vieleicht weiß ja der Edwin, ob es einen Mitschnitt von dieser Vorstellung gibt. Er hat Dermota ja, wie er schreibt, als Palestrina gehört.


    (Es gibt noch eine Studioaufnahme von 1973 mit Nicolai Gedda, Dirigent ist R. Kubelik)


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.


  • Lieber Harald!


    Im Shop der WSO gibt es nur die Aufnahme mit Fritz Wunderlich aus dem Jahr 1966,


    ich kann mich aber morgen erkundigen, ob die etwas wissen wegen Dermota - Palestrina.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:


  • Ich habe mal in den Ommer und in die Listen zweier befreundeter Sammler geschaut, da stand nichts. Einen Bekannten mit einem sehr umfangreichen Bestand könnte ich noch fragen.

  • Es gibt keine Aufnahme mit Dermota als Palestrina. Im ORF liegt (angeblich) nichts - und wenn, dürfte es wohl aus rechtlichen Gründen nicht überspielt werden.
    "Palestrina" wurde früher stets zwei bis drei Mal in der Osterzeit gespielt, und zwar in einer sehr konservativen, insgesamt aber gar nicht schlechten Inszenierung, Dirigent war zumeist Horst Stein, auf den Palestrina war Dermota abonniert. Und es gab auch niemanden, der ihm das streitig gemacht hätte.
    Das Faszinierende war, daß Dermota einerseits die belcantistischen Phrasen singen konnte (nur eben mit der Brechung durch das Alter, das ja der Rolle perfekt ansteht), aber auch den Evangelisten-Tonfall draufhatte. Man verstand absolut jedes Wort, und er sang so frei von Manier, so natürlich und schlicht, wie ich es auf CD und in natura nie wieder erlebt habe.
    :hello:

    ...

  • Lieber Edwin!


    Es werden in der Wiener Staatsoper wohl Aufnahmen jeder Aufführung gemacht, so auch von Anton Dermota als Palestrina,


    aber das sind Bandaufnahmen die vielleicht, einmal, auf CD gebrannt werden.


    man ist sich da aber im Archiv nicht sicher, so die Auskunft beim Archivar der Wiener Staatsoper, aber es könnte möglich sein, dass im Mozarteum in Salzburg eine Überspielung im Archiv liegt und auch im Konservatorium der Stadt Wien, als der Universität für Musik und darstellende Kunst.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Lieber Peter,
    und an die ist nicht heranzukommen, weil sie alle nicht genug Personal haben, um Überspielungen zu machen.
    Es könnte sogar sein, daß es im ORF eine gab, aber die ist sicher längst gelöscht, da gab es ja einmal eine Verantwortliche, deren höchster Ehrgeiz es war, spätromantische Musik löschen zu lassen... :faint:
    :hello:

    ...