"Cavalleria rusticana" (Mascagni) & "Pagliacci" (Leoncavallo)

  • Montag, 17. Mai 2010 - 22:10 Uhr auf arte d


    "Der Bajazzo" von Leoncavallo
    (Schweiz, 2009, 74mn)


    Darsteller: Boiko Zvetanov (Peppe),
    Carlo Guelfi (Tonio),
    Fiorenza Cedolins (Nedda),
    Gabriel Bermudez (Silvio),
    José Cura (Canio)
    Chorleiter: Jürg Hämmerli
    Dirigent: Stefano Ranzani
    Komponist: Ruggero Leoncavallo
    Ausstattung: Luigi Perego
    Interpret: Chor der Oper Zürich
    Libretto: Ruggero Leoncavallo
    Licht: Hans-Rudolf Kunz
    Inszenierung: Grischa Asagaroff
    Orchester: Orchester der Oper Zürich
    Fernsehregie: Nele Münchmeyer


    In der Titelrolle der Inszenierung des Opernhauses Zürich vom Juni 2009 glänzt der argentinische Tenor José Cura.


    Zitat

    "Der Bajazzo" ist die einzige Oper des neapolitanischen Komponisten Ruggero Leoncavallo (1857-1919), die es zu Weltruhm brachte. In der Titelrolle der Inszenierung des Opernhauses Zürich vom Juni 2009 glänzt der argentinische Tenor José Cura.


    Ruggero Leoncavallos "I Pagliacci" ("Der Bajazzo") war seit seiner Uraufführung 1892 in Mailand ein Triumph. Die Oper schloss sich fast nahtlos an "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni an und wurde sogleich als zweite große Oper des Verismo gefeiert. Der Verismo bringt die Gefühle des einfachen Volkes auf die Bühne. Das Stück erzählt - wie sein Schwesterwerk - eine Geschichte von Liebe, Tod und Leidenschaft. Die musikalischen Mittel sind so verständlich wie dramatisch und effektvoll und begleiten die Handlung nuancenreich.
    Enrico Caruso sang auf der ersten Schallplatte der Musikgeschichte die Arie des Canio aus "I Pagliacci": "Lache, Bajazzo!» Das 1902 in einem Mailänder Hotel aufgenommene Bravourstück verhalf nicht nur dem legendären Tenor, sondern auch Leoncavallos Oper zu großer Popularität.


    Unter den Solisten der Produktion ist vor allem der argentinische Tenor José Cura hervorzuheben. 1991 kam Cura nach Europa und sang kurz darauf in der Arena di Verona. Neben zahlreichen CD-Aufnahmen und Soloalben singt er an den Opernhäusern in London, San Francisco, Wien und Paris. Die Opernwelt feiert nicht nur seine Interpretationen im italienischen und französischen Fach. Cura ist ein Spezialist des Verismo: Sein Debüt an der New Yorker Met gab er 1999 in der "Cavalleria rusticana".
    Der Opernregisseur Grischa Asagaroff ist Sohn eines russischen Schauspielers, Theater- und Filmregisseurs. Erste Stationen seiner 40-jährigen Karriere waren München und Düsseldorf. Neben Asagaroffs erfolgreichen Inszenierungen am Opernhaus Zürich führt er Regie an den Häusern in Wien und Madrid, London und Chicago sowie in Buenos Aires und an der Dresdner Semperoper. Seine Inszenierungen besitzen hohe Stiltreue in der Ausstattung und große Ausdruckskraft in der Personenführung.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo Harald,


    gehen die Züricher nur wegen Bajazzo in die Oper. In Hannover war immer Cavalleria mit dabei.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Zitat

    Original von Bernward Gerlach
    Hallo Harald,


    gehen die Züricher nur wegen Bajazzo in die Oper. In Hannover war immer Cavalleria mit dabei.


    LG, Bernward


    Lieber Bernward,


    das war in Zürich auch nicht anders. Für die zweite Hälfte der Verismo-Zwillinge müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden.


    Am 6. September 2010
    zeigt ARTE die zusammen mit "Pagliacci" im Opernhaus Zürich aufgeführte Oper
    „Cavalleria Rusticana” von Pietro Mascagni
    (Uraufführung 1890 in Rom).
    Die Aufzeichnung der zusammen an einem Abend aufgeführten Opern fand am 19. und 21. Juni 2009 statt.


    Hier schon mal vorab die Besetzung:


    Cavalleria rusticana
    Santuzza - Paoletta Marrocu
    Turiddu - José Cura
    Lucia - Irène Friedli
    Alfio - Cheyne Davidson
    Lola - Liliana Nikiteanu


    Viele Grüße


    :hello:Harald :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo,
    ich war in diesen Vorstellungen.Cura in Bestform,Sehenswert
    Beide Einakter gibt es jetzt aud DVD (Arthaus)



    Grüsse Rita

  • Danke für den Hinweis, liebe Rita!
    Dann wollen wir die DVD mal zeigen:



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Danke Harald,
    Du bist technisch versierter als ich.
    Muss das noch lernen.


    DVD habe ich selbstverständlich.



    Rita

  • Ich würde aber lieber die blu-ray-Fassung nehmen. Tolles Bild. Aber man benötigt blu-ray player.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Habe mir heute morgen die Züricher Aufführung des Bajazzo, die ich gestern auf arte aufgenommen hatte, angesehen.
    Cura kann lauter und tiefer singen als Domingo. Hohe Töne, mit Druck produziert, kann er auch länger halten.
    Wenn er die deutsche Sprache beherrschte, wäre er ein Wagner-Heldentenor, der seinesgleichen sucht. Erinnert mich an die beste Zeit von Vinay, ich glaube, der kam auch aus Argentinien oder so.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich hab mir auch die Aufnahme aus Zürich auf DVD gekauft. Nur bei mir hat diese AUfnahme leichte techneische Mängel. Und zwar ist am Anfang von Cavalleria Rusticana der Anfang vom Bajazzo und umgekehrt. Und der Schlussapplaus bei Cavalleria Rusticana fehlt auch. Ist das bei Ihnen auch so ? Ansonsten hab ich vielleicht eine Fehlpressung erwischt. Aber sängerisch und szenisch fiinde ich die Aufnahme aus Madrid noch um einiges besser.

  • @ Bernward
    Ich teile Deine Meinung,er sollte an der DOB den Parsifal singen.
    Das Projekt wurde aber (leider) zurrückgezogen.(Vom Opernhaus)
    Dafür singt er jetzt ab 30.05 in einer Neuproduktion den Otello.


    Grüsse Rita

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  • Ich habe heute morgen mal wieder die Karajan-Aufnahme von Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana" aus dem Jahr 1965 gehört. Die Handlung spielt an einem Ostermorgen um 1880 in Sizilien, das war der äußere Anlaß.

    Mir kam dabei in Erinnerung, daß es in früheren Zeiten bei Opernaufführungen üblich war, Mascagnis "Cavalleria" mit Leoncavallos "Pagliacci" zu koppeln. Beides sind relativ kurze Stücke, und so bot sich eine solche Kombination an, zumal sie auch zeitlich gut zusammen passen. Beide Werke werden dem Verismus zugeordnet.

    Warum die DGG ihre ursprüngliche LP-Koppelung beider Stücke aufgegeben und sie einzeln auf CD veröffentlicht hat (in der Reihe "The Originals"), ist wenig verständlich, zumal für jedes Werk eine CD ausreicht und die Einzelstücke in einer CD-Box vorgelegt hat, in die beide bequem gepaßt hätten.


    Die Erstveröffentlichung auf CD erfolgte allerdings in einem 3 CD-Album, das zusätzlich noch Intermezzi aus diversen Opern enthielt:

    MASCAGNI Cavalleria Rusticana LEONCAVALLO Pagliacci CARLO BERGONZI KARAJAN 3CD

    Als die obige Ausgabe erstmals erschien, löste sie zwiespältige Reaktionen aus. Die einen meinten, Karajan habe die Werke ungebührlich verfeinert und sich "im Seidenfrack unter die Bauern" gestellt. Andere Kritiker wiederum waren der Ansicht, der Dirigent habe sie "auf eine kalkuliert ästhetische Weise von schlechten Traditionen gereinigt" und lobten seine Aufnahmen als "Musterbeispiel für die Notwendigkeit künstlerischer Kontrolle gerade in solchen Kompositionen, deren wildwüchsiger Naturalismus leicht zu interpretatorischem Dilettantismus führen könne" (Ulrich Schreiber).

    Ich persönlich finde, daß die Wahrheit wohl in der Mitte liegt. So schätze ich die 1958er Aufnahme aus Florenz unter Alberto Erede (Decca, mit Renata Tebaldi, Jussi Björling und Ettore Bastianini), die in ihrer manchmal brutalen Direktheit ebenso den Kern des Werkes trifft, ebenso hoch ein wie Karajans feinsinnige, übersensible Auslegung. Ich habe in den letzten Tagen beide Versionen gehört und miteinander verglichen. Fazit: ich möchte keine davon in meiner Sammlung missen.


    Wer die Kopplung Cavalleria/Bajazzo schätzt und beide Opern in einer Box haben möchte, den sei noch folgende 2 CD-Box empfohlen, die auch historisch von hohem Wert ist:

    Mascagni: Cavalleria Rusticana / Leoncavallo: Pagliacci


    Hier sind neben der legendären Maria Callas u.a. Giuseppe di Stefano und Tito Gobbi zu hören, der Dirigent ist Tullio Serafin. Allerdings handelt es sich um Mono-Aufnahmen von 1953, die aber klanglich durchaus anhörbar sind.


    Abraten möchte ich von dieser Doppel-CD-Box:


    Leoncavallo: Il Pagliacci - Mascagni: Cavalleria Rusticana von Lamberto  Gardelli bei Amazon Music - Amazon.de


    Sie liegt deutlich mehr auf der "naturalistischen" Seite, was an sich kein Fehler ist, aber die Ausführenden passen nicht so recht zusammen, vor allem geht mir Franco Bonisolli mit seinem Dauer-Forte ziemlich auf die Nerven, da nützt auch seine an sich schöne Naturstimme nichts, und Martina Arroyo (Santuzza) hat stimmlich schon hörbar nachgelassen, während Lucia Popp (Nedda) ihre Rolle sehr gut meistert. Eine weitere Fehlbesetzung scheint mir Bernd Weikl (Alfio/Tonio) zu sein, ihm fehlt es deutlich an Italianiatà. Der Dirigent Lamberto Gardelli ist geborener Italiener und macht seine Sache gut, hat aber im Münchner Rundfunkorchester kein erstklassiges Ensemble zur Verfügung. Insgesamt keine besonders attraktive Aufnahme.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).


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    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Mir kam dabei in Erinnerung, daß es in früheren Zeiten bei Opernaufführungen üblich war, Mascagnis "Cavalleria" mit Leoncavallos "Pagliacci" zu koppeln. Beides sind relativ kurze Stücke, und so bot sich eine solche Kombination an, zumal sie auch zeitlich gut zusammen passen. Beide Werke werden dem Verismus zugeordnet.

    Warum die DGG ihre ursprüngliche LP-Koppelung beider Stücke aufgegeben und sie einzeln auf CD veröffentlicht hat (in der Reihe "The Originals"), ist wenig verständlich, zumal für jedes Werk eine CD ausreicht und die Einzelstücke in einer CD-Box vorgelegt hat, in die beide bequem gepaßt hätten.

    Die DGG hat bei ihrer letzten Veröffentlichung in 2018 wieder auf die alte Koppelung zurückgefunden und beide Opern als Doppel-CD auf den Markt gebracht. Mehr noch, die Aufnahmen wurden auf 24bit/96kHz aufpoliert (Remastered) und man hat ihr eine zusätzliche Blu-ray pure audio Disc beigelegt. Hier besteht die Möglichkeit beide Werke auf einer Scheibe (Blu-ray) abzuspielen, Voraussetzung man besitzt einen Blu-ray Player und hat diesen im besten Falle an seine HiFi-Anlage angeschlossen. Die Box ist aufwendig Gestaltet und macht einen edlen Eindruck.




    (Offiziell ausverkauft)

  • Ich habe heute morgen mal wieder die Karajan-Aufnahme von Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana" aus dem Jahr 1965 gehört. Die Handlung spielt an einem Ostermorgen um 1880 in Sizilien, das war der äußere Anlaß.

    Mir kam dabei in Erinnerung, daß es in früheren Zeiten bei Opernaufführungen üblich war, Mascagnis "Cavalleria" mit Leoncavallos "Pagliacci" zu koppeln. Beides sind relativ kurze Stücke, und so bot sich eine solche Kombination an, zumal sie auch zeitlich gut zusammen passen.

    Ich glaube, daß das heute auch noch häufig gemacht wird. An der Berliner Deutschen Oper habe ich die beiden zusammen gesehen und an der Scala vor zwei Jahren auch. In der kommenden Saison kann man Cavalleria u. Pagliacci im Januar 2027 an einem Abend an der Semperoper erleben.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Mir kam dabei in Erinnerung, daß es in früheren Zeiten bei Opernaufführungen üblich


    Ich glaube, daß das heute auch noch häufig gemacht wird. An der Berliner Deutschen Oper habe ich die beiden zusammen gesehen und an der Scala vor zwei Jahren auch. In der kommenden Saison kann man Cavalleria u. Pagliacci im Januar 2027 an einem Abend an der Semperoper erleben.

    Das ist in der Tat noch immer häufige Praxis. In der nächsten Spielzeit ist das Doppel auch wieder an der Hamburger Staatsoper zu erleben. Ich werde es mir wieder anschauen, sah die Produktion aber auch schon vor zwei Jahren.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Oper deutsch gesungen: Für die einen mega-out, für die anderen pure Nostalgie.


    In den frühen 1960er Jahren legte die DGG diverse italienische Opern in deutscher Sprache vor, meist hochrangig besetzt. So auch Querschnitte aus den beliebten Verismo-Werken CAVALLERIA RUSTICANA (Mascagni) und DER BAJAZZO (Leoncavallo). Später wurden sie auf einer CD zusammen neu veröffentlicht:

    Cavalleria R./der Bajazzo (Az) von Davy - Audio CD

    CAVALLERIA: Gloria Davy (Santuzza), Sándor Kónya (Turiddu), Walter Berry (Alfio),

    Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin, Dirigent: Janos Kulka.

    DER BAJAZZO: Anny Schlemm (Nedda), Sándor Kónya (Canio), Walter Berry (Tonio), Donald Grobe (Beppo), Helmut Winkelstein (Silvio),

    Chor der Deutschen Oper & Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Dirigent: Janos Kulka (Aufnahmen: 1962, Berlin).

    Neben dem ungarischen Tenor Sándor Kónya, der später auch in Bayreuth als Wagner-Sänger Furore machte, ist vor allem Walter Berry hervorzuheben, der allgemein mehr als Mozart-Sänger bekannt war, hier aber in zwei italienischen Paraderollen auftritt und seine Rollen sehr gut meistert. Man hört zwar, daß Berry in dieser Musik nicht so recht zu Hause ist, aber sein Singen ist glaubwürdig und klangschön. Besonders gefällt mir der "Prolog" aus dem "Bajazzo".


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Oper deutsch gesungen: Für die einen mega-out

    Aber so was von ;)

    Ich persönlich mag Opern ausschließlich in der Originalsprache hören. Da passt die Musik am besten zum Text!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich persönlich mag Opern ausschließlich in der Originalsprache hören. Da passt die Musik am besten zum Text!

    Daran gibt es keinen Zweifel, lieber Tristan.


    Trotzdem möchte ich den Übersetzungen noch einmal das Wort reden, weil es in meiner Jugend noch üblich war, fremdsprachige Opern in deutscher Sprache zu singen. Das war selbst an großen Häusern, wie in Berlin, Wien, München und Hamburg so. Meine Opernbesuche fanden meist in Köln statt, auch da wurde selbstverständlich deutsch gesungen. Natürlich waren da stilistisch einige Abstriche zu machen, aber ich gestehe ehrlich - und ich weiß, daß ich damit nicht allein bin - daß ich höchstwahrscheinlich nie zum Opernfreund geworden wäre ohne die deutschen Übersetzungen. Noch heute, wenn ich italienische Opern von CDs höre, habe ich bei den großen Szenen den deutschen Text im Kopf und kann damit der Handlung ohne Mühe folgen.


    Nicht zuletzt wurden durch die Einführung der Originalsprache die damals noch intakten Ensembles der großen Operntheater zerstört, Ensembles, in denen die Stars, die heutzutage von Land zu Land düsen, noch eine Heimat fanden. Hört man heute alte Aufnahmen aus dieser Zeit, so weiß man erst richtig zu schätzen, welche künstlerischen Potentiale an jedem größeren Stadttheater zu finden waren. Ich nenne mal wahllos Erna Berger, Erika Köth, Elisabeth Grümmer, Rita Streich, Elisabeth Lindermeier, Sieglinde Wagner, Lisa Otto, Ruth-Margret Pütz, Melitta Muszely, Anneliese Rothenberger, Hertha Töpper, Josef Traxel, Fritz Wunderlich, Walther Ludwig, Gerhard Unger, Josef Metternich, Marcel Cordes, Hermann Prey, Fischer-Dieskau, Benno Kusche, Gottlob Frick, Josef Greindl, Kurt Böhme, Karl Christian Kohn, u.v.a. Etliche wurden später weltberühmt, doch viele hielten ihren Häusern die Treue und verzichteten auf internationalen Ruhm. Auch dadurch wurden lange Karrieren möglich, während sich heute die hochgepuschten Stars meist nach wenigen Jahren durch ihre ausgedehnte Reisetätigkeit verschlissen haben. Es ist ein weites Feld, und ich will nicht behaupten, daß früher alles besser war, aber viele künstlerische Talente sind durch die Hektik unserer Zeit früh auf der Strecke geblieben.


    Ich höre heute meist Oper in der Originalsprache, aber auf die alten Aufnahmen aus den 50/60er Jahren möchte ich nicht verzichten, obwohl viele der deutschen Übersetzungen für heutige Ohren schwer erträglich sind, und doch ist es für mich eine Erholung, wenn ich mir das Sprachkauderwelsch mancher Stars anhören muß, das uns als "Originalsprache" verkauft wird.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • In den frühen 1960er Jahren legte die DGG diverse italienische Opern in deutscher Sprache vor, meist hochrangig besetzt.


    Cavalleria R./der Bajazzo (Az) von Davy - Audio CD


    Diese DGG-Reihe (1961-65) war wirklich bestens besetzt, lieber nemorino. Daher hatte ich mir vor Jahren unten gezeigte Box angeschafft. Für mich stellt die deutsche Sprache in diesem besonderen Fall überhaupt kein Problem dar, auch wenn ich, wie die meisten hier, die Originalsprache bevorzuge.


    Im Grunde besitze ich zwei Boxen mit "Oper auf Deutsch" . Das Ost-Pendant von ETERNA wurde in der Zeit von 1961-80 aufgenommen, auch nur Höhepunkte und auch auf Deutsch. Genau wie die West-Schwester sind die Einspielungen von hoher Qualität was sowohl Sänger, Chöre und Orchester betrifft. Leider sind beide Boxen offiziell nicht mehr Lieferbar, doch lohnt der Blick in andere bekannte Kanäle.



  • Lieber Apollon,


    über Deine freundliche Anwort habe ich mich sehr gefreut, ansonsten kann man sich her anstrengen wie man will, die Reaktion bleibt gleich Null.


    Ich besitze nicht die beiden von Dir gezeigten Boxen, aber fast die gesamten Inhalte als Einzel-CDs. Künstlerisch stehen die alten Aufnahmen durchweg auf hohem Niveau, aber natürlich sind sie nur für deutschsprachige Opernfreunde wirklich interessant. Es gab vor einigen Jahren auch eine 7 CD-Box mit deutschen Querschnitten der Kölner ELECTROLA, die aber nur noch gebraucht zu haben ist:


    und außerdem noch Anfang der 2000er Jahre zahlreiche ELECTROLA-Querschnitte aus den 1950er Jahren (MONO), in dieser Aufmachung:


    Große Szenen aus Nabucco, Die Macht des Schicksals, Don Carlos, Aida (in deutscher Sprache)


    Auch davon habe ich die meisten in meiner Sammlung, insgesamt ca. 20 Stück, mit Querschnitten aus Opern von Puccini, Verdi, Offenbach, Gounod u.v.a. Technisch nicht optimal, aber gut anhörbar, mit den großen deutschsprachigen Künstlern der ersten Nachkriegszeit.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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  • Zitat von nemorino

    über Deine freundliche Anwort habe ich mich sehr gefreut, ansonsten kann man sich her anstrengen wie man will, die Reaktion bleibt gleich Null.

    Hallo nemorino, eine Oper auf Deutsch gesungen kommt bei mir nicht mehr vor, ( natürlich eine Deutsche Oper ja) meine Ohren sträuben sich aufs heftigste dagegen, habe alles was ich damals noch hatte verkauft :pfeif:!

    Also erübrigt sich eine Reaktion von mir, trotz meiner großen Liebe zur Oper.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Auch wenn dies das Thema sprengt: Persönlich habe ich nichts gegen Oper in der jeweiligen Landessprache. Für den Hinweis auf die deutschsprachigen Querschnitte von "Cavalleria rusticana" und "Bajazzo" bin ich nemorino von daher dankbar. Zum Kennenlernen kann es auch heute noch hilfreich sein, die entsprechenden Werke in der eigenen Muttersprache zu hören. Beethovens Neunte habe ich auch schon auf Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Ukrainisch, ja sogar Chinesisch gehört. Das hat doch alles im jeweiligen Rahmen seine Berechtigung, wenn die Künstler in ihrem ureigenen Idiom unterwegs sind, und ist mir allemal lieber, als wenn mehr schlecht als recht in Originalsprache gesungen wird.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • eine Oper auf Deutsch gesungen kommt bei mir nicht mehr vor

    Hallo, Fiesco,


    das ist Dein gutes Recht. Du wirst aber doch zugestehen, daß die von mir in #48 aufgeführten Künstler für Deutschland ein Segen waren, denn es waren durchweg erstklassige Sänger, und aufgrund der Vernichtung der meisten Spielstätten waren sie gezwungen, ihre Kunst ins Volk zu bringen, indem sie über Land tingelten und in Kinos, Schulsälen, Sporthallen u.ä. durch ihren Gesang ihr Brot verdienten. Das Stammpublikum befand sich in den Städten, aber auf dem Land war der Hunger nach Kultur (nicht nur der leibliche) riesengroß, doch ich glaube nicht, wenn man damals Verdi, Puccini und Donizetti in der Originalsprache gesungen hätte, daß man damit die vorhandenen Räume gefüllt hätte. So war das ein doppelter Effekt: Die Künstler konnten überleben, und viele Menschen sind erstmals an Opernmusik herangeführt worden, die später dann auch, als wieder geeignete Spielstätten zur Verfügung standen, die neuen Opernhäuser füllten.

    ich gestehe ehrlich - und ich weiß, daß ich damit nicht allein bin - daß ich höchstwahrscheinlich nie zum Opernfreund geworden wäre ohne die deutschen Übersetzungen.

    Davon bin ich ziemlich überzeugt, und obwohl ich heute fast alles in Originalsprache höre und besitze, hilft mir diese Kenntnis, trotz mancher geschmacklicher Entgleisung der Texte, auch heute noch sehr. Ich brauche kein Libretto, um der Handlung zu folgen, weil die wichtigsten Passagen stets in meinem Kopf abrufbar sind. Das ist besonders hilfreich bei umfangreichen Werken wie z.B. DON CARLOS oder DIE SIZILIANISCHE VESPER, die ich im Stadttheater Koblenz mit respektabler Besetzung erstmals kennenlernte. Hätte man die damals italienisch aufgeführt, wäre das für viele eine unüberwindbare Hürde gewesen, auch für mich. Denn die damaligen deutsch singenden Künstler sangen ja nicht nur textverständlich, sondern auch textbewußt. Bei der internationalen Besetzung, die heutzutage üblich ist, kann man immer öfter eher von Esperanto als von Originalsprache reden, denn viele sind von richtiger Aussprache meilenwert entfernt. Ich nenne beispielhaft Plácido Domingo, dessen Deutsch in der Solti-Aufnahme des Lohengrin (Decca) die Gralserzählung so sang, daß man ihm aufs Wort glaubte, daß er "in fernem Land" auf die Reise gegangen war^^.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ohne die Benutzung der deutschen Sprache wären viele deutschsprachige Künstler von Weltklasse in Vergessenheit geraten. Wie es nemorino schon über sich sagte, hat auch mir die Oper den Weg in die Klassik gezeigt, seit den 50-er Jahren. Und da haben deutschsprachige Sänger nunmal in deutsch gesungen. Ihre Tondokumente sind und bleiben Dokumente deutscher Gesangeskunst. Nemorino hat etliche Namen in #48 (unvollständig) genannt.

    Ich besitze noch div. Eterna-LP aus der Reihe "Große Sänger der Vergangenheit" oder "Große Oper", die alle an die Qualität der deutschsprachigen Sänger erinnern. Dazu gehören auch die Gesamtaufnahmen des Bajazzo mit Rudolf Schock, Melitta Muszely, Josef Metternich und Marcel Cordes (mit dem gesamten abgedruckten deutschen Libretto) und der Rigoletto mit Helge Rosvaenge, Heinrich Schlusnus, Erna Berger, Josef Greindl und Margarete Klose.

    Leider ist mein Plattenspieler defekt, die Platten sind nur noch nostalgische optische Erinnerungen. Aber allein die Textbeiträge auf der Rückseite der Hülle sind von großem Interesse. Einen neuen Plattenspieler lege ich mir aus Altersgründen nicht wieder zu..

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich besitze noch div. Eterna-LP aus der Reihe "Große Sänger der Vergangenheit" oder "Große Oper", die alle an die Qualität der deutschsprachigen Sänger erinnern.

    Lieber La Roche,


    einige Querschnitte aus dieser Reihe besitze ich auch, z.B. Rigoletto, Don Carlos, Turandot, Zar und Zimmermann, natürlich auch die GA des "Bajazzo" mit Muszely, Schock und Metternich, die allerdings auf einer "West"-CD der Electrola.

    Sehr schön ist auch die von Dir genannte GA des "Rigoletto" von 1944, die leidet allerdings unter der schlechten Aufnahmetechnik. Deutlich besser ist es um die "Rigoletto"-GA von 1950 unter Fricsay bestellt, mit Rita Streich, Schock und Metternich. Sie klingt gut, und die Sänger, auch Schock, sind ausgezeichnet.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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