Martha Mödl - wisst ihr noch, wie es war?

Milletre · 69 Beiträge · letzte Antwort von Gregor

69 Beiträge
  • Nur fällt es mir schwer, einen Zusammenhang zwischen dem Schicksals dieses Jungen aus dem Libanon mit Leo Blech und am Ende auch mit der Mödl herzustellen.

    Lieber Rheingold,


    für mich jedenfalls ist er gegeben, denn die Kaltschnäuzigkeit mit der man Lebende wie Tote behandelt unterscheidet sich in keinem der Fälle und entspringt der gleichen Mentalität.
    Im übrigen teile ich durchaus Eure Meinung, was die Bewahrung von Grabstätten angeht.
    Schön, dass Du noch Illiusonen über Schweden hast. Viele, die hier leben, haben sie schon seit langem verloren.
    Und ein elfjähriger Junge, der im Lande geboren ist, kostet nicht mehr und nicht weniger, als jeder andere auch. Niemand braucht also Opfer zu bringen.
    Außerdem kann es keine Kostnadsfrage sein, sonst hätte man ihn schon lange abgeschoben.

  • Wisst ihr noch, wie was war? Gesprächsrunde Mödl, Varnay & Nilsson (BR 1997)

    Das folgende Video hätte ich auch im Thread zu Astrid Varnay oder Birgit Nilsson einstellen können. Allein, mir gefiel der Threadtitel zu Martha Mödl, seinerzeit gut gewählt vom leider schon verstorbenen Milletre, sehr gut: Wisst ihr noch, wie es war?


    Eine Gesprächsrunde der drei großen Ikonen, entstanden 1997 für den Bayerischen Rundfunk, als die Mödl bereits 85 war und die beiden anderen auch schon 79. Die Gesprächsleitung hatte Klaus Schultz inne, seinerzeit Intendant des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz, u. a. auch bekannt geworden durch eine ikonische Minirolle in Loriots "Ödipussi" als Herr Weber. Viel hat Schultz freilich nicht zu tun, liegt die eigentliche Gesprächsführung doch bei den Damen. Eine illustre Runde, wie sie heutzutage nicht mehr zustande kommen könnte. Nicht nur die gebürtige Nürnberger Mödl, sondern auch die Varnay und die Nilsson, beide in Schweden geboren, sprechen astreines Deutsch. Wehmütig blickt man zurück, wenn man dieser Gesprächsrunde lauscht, wo es u. a. um die großen Dirigenten geht, mit denen man zusammenarbeitete, darunter Furtwängler, Knappertsbusch, Böhm und Karajan. Alle drei sind sich übrigens einig, dass sie unter einer Dirigentin gar nicht hätten singen wollen - soviel zu dieser Diskussion von den großen Alten. Zehn Jahre späten waren sie alle in die Ewigkeit eingegangen (Martha Mödl starb 2001, Birgit Nilsson 2005 und Astrid Varnay 2006). Auch Klaus Schultz ist leider schon beinahe ein Jahrzehnt tot, viel zu früh gegangen. Wenn es stimmt, was man im Netz findet, wurde das Interview überhaupt nur 1998 im BR und 3sat und noch einmal 2006 auf BR-alpha ausgestrahlt. Von letzterer Ausstrahlung ist folglich der Upload bei YouTube.


    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Danke, lieber Joseph II., dass Du dieses wunderbare Gespräch gefundene hast. Ich kannte es, hatte es aber in meiner Sammlung nur in sehr eingeschränkter Bild- und Tonqualität. Die Bayreuther "Walküre", mit der die Sendung akustisch beginnt, war einst bei Melodram zunächst als LP, dann auf CD erschienen und ist nun auch bei YouTube verfügbar:


    "Walküre" Bayreuth 1954


    Wie erwähnt, ist es das einzige Tondokument, in dem Astrid Varnay (Brünnhilde), Martha Mödl (Sieglinde) und Birigit Nilsson (Ortlinde) gemeinsam zu hören sind.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ja sie gehörte leider zu den Sängerinnen die nicht rechtzeitig aufhören konnten.


    Aufgehört hat sie ja eigentlich nie. Denn noch im Jahr 2001 stand sie 89-jährig und wenige Monate vor ihrem Ableben noch als Amme in Boris Godunow auf der Bühne der Komischen Oper Berlin. Ob das damals ihre endgültig letzten Auftritte waren weiß ich nicht. Sie sind auf jeden Fall durch Fotos dokumentiert, die im Netz zu finden sind.


    Filmisches Material von Opernauftritten aus ihrer Glanzzeit gibt es eher nicht. Schließlich sang sie zu einer Zeit als Opernaufführungen noch nicht mitgefilmt wurden. Umso wertvoller ist der 1958 entstandene Liebestod der Isolde der für ein TV-Special an der alten Metropolitan Opera gefilmt wurde und bei dem Martha Mödl von Leonard Bernstein am Pult begleitet wird, der gegen Ende des Videos auch groß im Bild zu sehen ist. Es handelt sich hier jedoch um keine reguläre Aufführung, denn Mödl hat nie mit Bernstein eine komplette Aufführung von Tristan und Isolde an der MET gemacht. Sie sang dort zwar drei Vorstellungen, die aber alle von Fritz Stiedry geleitet wurden.

    Mödls MET-Karriere war interessanterweise nur von kurzer Dauer und umfasst gerade mal ein Dutzend Aufführungen von 1957 bis 1960. Es ist also auch ein großer Zufall, dass Mödl gerade am richtigen Ort war, um diese filmische Aufnahme von Mild und Leise überhaupt machen zu können.


    Schön, dass es das gibt.


  • Filmisches Material von Opernauftritten aus ihrer Glanzzeit gibt es eher nicht. Schließlich sang sie zu einer Zeit als Opernaufführungen noch nicht mitgefilmt wurden.

    1955 wurde die Eröffnung der Wiener Oper vom Fernsehen übertragen, aber damals gab es noch keine Möglichkeiten der Aufzeichnung.

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  • 1955 wurde die Eröffnung der Wiener Oper vom Fernsehen übertragen, aber damals gab es noch keine Möglichkeiten der Aufzeichnung.


    M-dl-2.jpg


    Anässlich der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper am 5. November 1955 mit "Fidelio" drehte die US-Fernsehanstalt NBC eine Dokumentation mit dem Titel "Call to Freedom", die große Ausschnitte aus der Premiere enthält und diese mit Momenten aus der österreichischen Geschichte wirkungsvoll verbindet. Dieser Fim wurde 2005 von 3Sat mehrfach komplett ausgestrahlt und seither - so meine Informationen - nie wieder. Das Foto ist ein Screenshot aus dem Finale mit Martha Mödl als Leonore und Anton Dermota als Florestan. In der Tat handelt es sich wohl um die einzige filmische Dokumentation, in der die Mödl zusammenhängend in einer ihrer wichtigen Rolle aus ihrer Glanzzeit zu erleben ist. Schade, dass der Film wieder in der Versenkung verschwunden ist.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hallo,

    im alten Defa-Film der "Lustigen Weiber von Windsor" singt sie die Frau Reich, zusammen mit Rita Streich. Beide Rollen werden allerdings von Schauspielerinnen dargestellt. In den 70er Jahren war sie in Operetten-Filmen wie Gasparone und Zigeunerbaron zu sehen, auch in Boris Blachers "20.000 Taler", das es auf DVD gibt. Ihre wohl letzte DVD ist die Gräfin aus Pique Dame aus der Wiener Staatsoper, eine ihrer Glanzrollen. Im Fernsehen wurde Pique Dame aus Köln auch übertragen, das hat aber wohl nie den Weg in offizielle Medien geschafft.

    Schöne Grüße

    wega

  • Soeben erschienen:



    Zitat

    Die Serie "Note One Heritage" macht bedeutende historische Aufnahmen der Musikgeschichte neu zugänglich. Die legendäre Aufführung vom 23. Juli 1952 im Festspielhaus Bayreuth gilt als eines der markanten Dokumente der frühen Nachkriegsjahre und der künstlerischen Erneuerung des Festivals in der Ära des sogenannten Neu-Bayreuth. Am Pult steht Herbert von Karajan, dessen Dirigat die dramatische Spannung der Partitur stetig verdichtet und schließlich in einem geradezu sphärischen Liebestod kulminieren lässt. Im Zentrum steht ein außergewöhnliches Sängerpaar: Martha Mödl, eine der dominierenden hochdramatischen Stimmen ihrer Zeit, und Ramon Vinay, dessen kraftvoller, leidenschaftlicher Tristan zu den großen Interpretationen dieser Rolle zählt. Ihre Begegnung vereint zwei gegensätzliche Temperamente zu einer elektrisierenden musikalischen Dramaturgie - von eruptiver Leidenschaft bis zu meditativer Innerlichkeit. Ergänzt wird die Besetzung durch herausragende Bayreuther Kräfte wie Hans Hotter als Kurwenal, Ludwig Weber als König Marke und Ira Malaniuk als Brangäne. Der Mitschnitt des Bayerischen Rundfunks - lange Zeit vergriffen und nun klanglich neu aufbereitet - offenbart die Atmosphäre einer Aufführung, deren Intensität und Unmittelbarkeit schon damals als außergewöhnlich gefeiert wurde. Als erste Veröffentlichung der Reihe Note One Heritage lädt diese Edition dazu ein, ein Schlüsselereignis der Opern- und Festspielgeschichte neu zu entdecken.

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