Wolfgang Amadeus Mozart: Eine kleine Nachtmusik - Ohrwurm oder Nervensäge ?

  • alle Menschen, auch geniale Komponisten, haben ihre menschlichen Mängel, Schwächen, sei es im Umgang mit der Mitwelt, bei der Arbeit, etcetc. Das ändert nichts an ihren (meist) genialen "Produkten". Das gilt auch für Bach, Mozart Beethoven.

    Hallo Bachianer,


    das ist natürlich richtig - aber auch sehr allgemein. Man kann selbstverständlich nicht einfach mit der Behauptung der "Genialität" - die wiederum sehr unspezifisch allgemein ist - kompositorische Schwächen im Besonderen entschuldigen. Ästhetische Kritik ist immer erlaubt. Es gilt aber auch für das Umgekehrte: Wenn man "Schwächen" kritisiert, muss man sie ebenfalls im Besonderen in einer sorgfältigen Werkanalyse nachweisen - sonst bleibt diese Behauptung genauso unverbindlich allgemein und unbegründet wie die gegenteilige: "Ein Genie hat keine Schwächen!"

    Der Albertibass ist, über einige Takte eingesetzt, ein durchaus legitimes, harmonisches Bassfundament um z.B. ein gesangliches Thema vorzustellen, aber bitte nicht über zig Takte /mehrere Seiten. Muster-Negativbeispiel: die "Sonata facile", KV 545, 2. Satz: Andante. Dort wird der Spieler/Hörer 105 Takte fast ununterbrochen mit diesen Bässen beschäftigt, aus meiner Sicht eine Zumutung, also eine menschliche, kompositorische Schwäche/Mangel. Man könnte das als Arbeitsunlust/faulheit bezeichnen.

    Da bin ich durchaus nicht Deiner Meinung! Und ich versuche auch einmal zu erklären, warum!


    Anders als bei Beethoven höre ich nicht alle Mozart-Klaviersonaten öfters - sondern nur ganz bestimmte, obwohl ich eine ganze Rehe von Gesamtaufnahmen der Mozart-Sonaten haben. Es gibt etliche Sonaten von Mozart, die mich nicht unbedingt so sehr berühren, dass ich etwas vermisse, wenn ich sie längere Zeit nicht höre. Die Sonate KV 545 gehört allerdings zu den Sonaten, die ich sehr gerne höre, obwohl sie eine "einfache" Sonate ist. Sicher gibt es andere Sonaten, die bei mir "noch höher im Kurs" stehen, aber das tut dem keinen Abbruch, dass ich diese Sonate wirklich wunderschön finde. Das gilt offenbar auch für die Interpreten. Sie wird von den großen Pianisten immer wieder gerne auch im Konzert gespielt. Ein Svjatoslav Richter z.B. hat zwar sehr viel gespielt, aber wenn er ein Stück partou nicht mochte - und es war ihm egal, ob das von den "Genies" Mozart oder Beethoven stammte - hat er es einfach nicht gespielt. Also muss diese Musik doch etwas haben, was sie so anziehend macht auch für so ungemein ernsthafte und gewissenhafte Musiker wie Richter, Arrau und Co.


    Mozart hat diese Sonate "Sonata facile" genannt - was ja doch ein Hinweis darauf ist, dass hier die Ansprüche ganz bewusst zurückgeschraubt werden. Ich gehe davon aus, dass er ganz gezielt hier die Alberti-Bässe eingesetzt hat, weil er für einen Kreis von Klavierspielern schreibt, die aus ihrer Spielpraxis mit Alberti-Bässen vertraut sind. Da besteht dann keine Gefahr, dass er sie mit allzu viel Ambitioniertheit als Komponist überfordert. In allen drei Sätzen werden nun Alberti-Bässe verwendet. Ungewöhnlich ist in der Tat, dass er den langsamen Satz komplett mit Alberti-Bässen unterlegt. Nun ist das wohl aber so ziemlich das einzige Beispiel, wo Mozart das tut in seinen Klavierkompositionen (mir fällt jetzt spontan jedenfalls kein zweites ein), so dass allein aus diesem Grund für mich die Annahme nicht besonders plausibel ist, dass Mozart dies aus Verlegenheit oder Nachlässigkeit getan hat. Nein, er wollte dieses "Experiment" wohl ganz bewusst machen. Vielleicht ist gerade das ambitioniert: "Ich, Mozart, zeige Euch, dass ich überall und soviel ich will Alberti-Bässe verwenden kann, ohne dass der Eindruck von ordinärem Alberti-Gedudel entsteht!" :D


    Mich stören diese Alberti-Bässe in dieser Sonate an keiner Stelle - auch nicht im Andante-Satz! Da habe ich mich gefragt natürlich, warum, und habe mir den Notentext dazu angeschaut. Schon im Kopfsatz fällt auf, wie kunstvoll Mozart die Alberti-Bässe einsetzt. Da werden die musikalischen Mittel sehr geschickt abgewechselt, so dass zu keinem Moment Langeweile und der Eindruck von "Gedudel" auftaucht. Und wie ist es im langsamen Satz? Wenn man genau hinschaut, sieht man auch hier Mozarts Kunstfertigkeit: Die Alberti-Bässe sind als Sechzehntel notiert. Er löst in der Folge die Melodie sehr schnell auch in Sechzehntelbewegungen auf, die zudem auch noch Akkordbrechungen enthalten. Damit verschwindet der Eindruck einer Hierarchie von Melodiestimme und (monotoner) Alberti-Bass-Begleitung, indem ein homogener Tonsatz entsteht mit ausgefüllten Stimmen. Es ist ja bezeichnend, dass Mozart auch im Finalsatz nur da Alberti-Bässe einsetzt, wo auch die rechte Hand genau parallel ebenfalls Sechzehntelbewegungen spielt. Das spricht dafür, dass Mozart als Komponist das alles sehr bewusst tut und genau weiß, was er will. Damit verschwindet schlicht der Eindruck von zur Melodiestimme nur beiherspielendem "Gedudel", sondern statt dessen entsteht ein (Gesamt-)Eindruck von Lebendigkeit und Bewegtheit der Musik, eine Art "Allstimmigkeit", um einen Ausdruck von Ernst Kurth zu benutzen. Besonders gefällt mir die Interpretation von Claudio Arrau - er spielt den Andante-Satz sehr langsam, kann deshalb aber sehr schön herausarbeiten, dass die Begleitung nicht nur nebenbei untergründig dudelt, sondern die harmonischen Stütztöne für die Melodiebewegung enthält, von der sie sich gleichsam immer wieder abstößt. Besonders offensichtlich ist das im harmonisch kühnen Mittelteil, der sich von der Schlichtheit des Hauptteils sehr deutlich abhebt, wo die Basslinie sehr originell ist. Ein Claudio Arrau arbeitet das wirklich aufregend heraus.


    Ich glaube, dass diese Sonate, obwohl sie von Mozart als "Sonata facile" überschrieben ist, doch zu den bedeutenden gehört und nicht zufällig auch bei den Interpreten so beliebt ist. Die Einfachheit kommt dem klassischen Gestaltungsprinzip, der Bemühung um klare und einfach-fassliche Formen, entgegen. Insofern ist diese Sonate für mich auch als ein Versuch zu werten, ein Klassizitätsideal zu verwirklichen - gerade in der vermeintlichen Simplizität. Das steigert letztlich auch die Empfindsamkeit, wenn die schlichte Melodik nicht von einem überkomplexen Tonsatz überwuchert wird.


    Vielleicht kannst Du Alberti-Bässe einfach nicht leiden und bist so auf sie fixiert, dass Du all das, was ich beschrieben habe, nicht wahrnimmst? :D

    Kennst du die "Sonaten mit veränderten Reprisen" von CPEB? Dort zeigt CPEB exemplarisch, wie Wiederholungen verändert werden können, ohne ihren Grundcharakter zu schädigen. Er hat das so exemplarisch vorgeführt wissend, dass Spieler von sich aus Wiederholungen spielerisch verändern und dabei auch musikalischer "Mist" rauskommen kann.

    CPEB ist bei mir leider so ein "blinder Fleck". Ich würde ihn aber einfach nicht mit Mozart hier vergleichen wollen. (Vielleicht kannst Du mir mal eine Aufnahme empfehlen? Ich habe schon seit längerem vor, mich endlich intensiver mit CPEB zu beschäftigen! :) )

    Mozart war, ist und bleibt ein genialer Komponist.

    In der Tat! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Die oben rechts abgebildete EMI-CD enthält übrigens noch die Ouvertüren zu "Il re pastore", "La finta semplice", "Lucio Silla" und "Der Schauspieldirektor", sowie eine ganz hinreißende "Schlittenfahrt" (KV 605 Nr. 3),

    während die DECCA-CD außer der "Serenata notturna" noch mit den drei Divertimenti KV 136-138 aufwartet, die ich ebenfalls ganz reizend finde und immer wieder gerne höre.

    Lieber Nemorino,


    herzlichen Dank für die Hinweise! Dann werde ich mich mal umschauen.... :) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Anders als bei Beethoven höre ich nicht alle Mozart-Klaviersonaten öfters - sondern nur ganz bestimmte, obwohl ich eine ganze Rehe von Gesamtaufnahmen der Mozart-Sonaten haben. Es gibt etliche Sonaten von Mozart, die mich nicht unbedingt so sehr berühren, dass ich etwas vermisse, wenn ich sie längere Zeit nicht höre.

    Hallo Holger,

    vermutlich liegt hier die Basis unserer unterschiedlichen Beurteilungen. Trotz meines hohen Alters (82) bin ich immer noch ein leidenschaftlicher Tasteninstrument (laien)spieler. In dem Musikzimmer stehen 3 Tasteninstrumente, 1 2-manualiges Cembalo (Hasskopie), 1 Silbermann Fortepiano (auch eine Kopie) und 1 Broadwood Tafelklavier, Baujahr 1815 (original). Der Notenschrank ist genauso voll wie der CD-Schrank. Nur, ich sitze nicht so oft im Sessel, um mir dort Klaviermusik anzuhören, sondern setze mich lieber vor ein Instrument und versuche zu spielen, so meine technischen Fähigkeiten und der erforderliche Übeaufwand das einigermaßen zulassen. Will damit sagen, dass meine Hörerfahrungen wesentlich durch das Üben/Spielen erfolgen, und damit auch die Beurteilungen.

    Das Jahrzehnte lange Klavierspielen liefert auch Erfahrungen, die automatisch mit in eine Beurteilung einfließen. Eine davon: jeder Komponist (ausnahmslos) setzt häufig (Ausnahmen bestätigen die Regel) seine persönlichen kompositorischen "Spiel-Harmonie-Aufbautricks" ein um ein Werk zu schreiben. Beispiel: vor einigen Jahren kam ein junger, angehender Klavierberufsspieler auf mich zu..."ich muss jetzt eine Scarlattisonate spielen, oh, da muss man ja richtig viel üben". Meine Antwort: "spiel 20 Sonaten, und du weisst mit Blick auf die Noten was auf dich zukommt".

    Hinzu kommen noch die frühe Musikerziehung in den Jugendjahren. Meine Großmutter (wurde 99 Jahre alt), eine sehr gute Klavierspielerin (hatte einige Stunden bei Brahms), hat natürlich viel dazu beigetragen. Im Zentrum stand Bach, dann Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Brahms (den ich leider nie technisch beherrschen konnte). Chopin? Spießige Boudoirmusik! Liszt? Eitles Virtuosengeklimper!

    Nun zurück zu dem Albertibass und Mozart: aus meiner Sicht, er setzt ihn viel zu oft ein, mal mehr (z.B. Variationswerke), mal weniger. Er gehört folglich zu seinen (übernommenen) Kompositionsmaschen, der zwar seiner Genialität keinen Abbruch tut, aber trotzdem ein Mangel ist.


    CPEB ist bei mir leider so ein "blinder Fleck". Ich würde ihn aber einfach nicht mit Mozart hier vergleichen wollen. (Vielleicht kannst Du mir mal eine Aufnahme empfehlen? Ich habe schon seit längerem vor, mich endlich intensiver mit CPEB zu beschäftigen! :) )

    Ich vergleiche sehr ungern Komponisten, bringt nichts. Diesen "blinden Fleck" zu überwinden kostet einige Mühen. CPEB schreibt anders als die Süddeutschen. Zum Einstieg:

    Carl Philipp Emanuel Bach: Cembalosonaten Wq.62 Nr.12;Wq.65 Nr.5 & 20, CD Carole Cerasi: Six keyboard sonatas; Metronome, alt, 2000; bei jpc erhältlich. Spielt auf Cembalo und Hammerklavier.


    Viele Grüße

    Bachianer

  • Ich möchte kurz einwerfen, dass ich dieses Zwiegespräch zwischen Holger und Bachianer sehr spannend finde, mich dafür bedanke, auch, dass trotz der ein- oder anderen Schärfe keine unschöne verbale Streitigkeit aufgekommen ist, wie so manches Mal hier im Forum, sondern dass immer wieder höchst kenntnisreich und interessant diskutiert worden ist. Chapeau, meine Herren! CPE Bach hat in Bachianer einen grandiosen Fürsprecher, danke auch für den CD-Hinweis, dem ich gerne nachgehen werde.


    Aber genug des Zwischenrufes, mir steht es auch gar nicht zu, hier in irgendeiner Form zu werten, aber dennoch wollte ich zumindest Rückmeldung geben, dass ihr in Eurem Dialog nicht alleine seid, sondern ich sehr interessiert mitlese.

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Die Wiederbelebung dieses Threads hat mich dazu gebracht, mich nach längerer Pause wieder einmal intensiv mit Mozarts "Kleiner Nachtmusik" (viel gelobt und viel gescholten) zu beschäftigen.

    Zur Auswahl standen: Furtwängler, Klemperer (2x), Karajan (3x), Böhm (2x), Bruno Walter, Szell, Marriner (2x), Keilberth, Colin Davis und Ferenc Fricsay.

    Von letztgenannten hatte ich das Stück bereits auf einer 17 cm-EP, und zwar die Monofassung (die aber mit der Stereofassung identisch ist), in dieser schönen Original-Ausgabe der DGG:

    Eine Kleine Nachtmusik G Dur KV 525 [Vinyl Single 7'']


    Nun habe ich inzwischen die meisten (einige nur teilweise) durchgespielt und bin bei meiner "alten Liebe", der Fricsay-Version, hängen geblieben. Wie ich schon weiter oben bemerkte, klingt sie "irgendwie anders", und das ist es auch, was ihren besonderen Reiz ausmacht.

    Obwohl Fricsay mit einer relativ großen Besetzung spielt (es sind die Berliner Philharmoniker), klingt keine mir bekannte Aufnahme so kammermusikalisch, so elegant, so intim. Der langsame Satz "Romanze" ist ein wahres Kabinettstück, Fricsay kostet jede Nuance mit einer Liebe und Hingabe aus, daß selbst Hörer, die dieser Musik einigermaßen überdrüssig sind, aufhorchen würden. Im Kopfsatz wird die Wiederholung der Exposition gespielt, was dem Satz erst die richtigen Proportionen gibt, und das Finale ist ein wahres Feuerwerk! Fricsay legt ein beachtliches Tempo vor, und doch entgeht ihm nicht die kleinste Note. Eine wunderbare Aufführung, die den Hörer staunen macht und fast glauben macht, das Werk zum ersten Mal zu hören! Und das will bei einem solch "mißbrauchten" Stück nun wirklich etwas heißen.


    Der Ordnung halber zeige ich hier noch einmal zwei CD-Ausgaben, die recht preisgünstig zu haben sind:

    Mozart Eine kleine Nachtmusik-Haffner Serenade Berliner Philharmoniker-Bavarian Radio Symphony Orchestra Fricsay-Kubelik (1995-05-03)  W.A. Mozart - Ferenc Fricsay – Symphonies (2005, CD) - Discogs


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • vermutlich liegt hier die Basis unserer unterschiedlichen Beurteilungen. Trotz meines hohen Alters (82) bin ich immer noch ein leidenschaftlicher Tasteninstrument (laien)spieler. In dem Musikzimmer stehen 3 Tasteninstrumente, 1 2-manualiges Cembalo (Hasskopie), 1 Silbermann Fortepiano (auch eine Kopie) und 1 Broadwood Tafelklavier, Baujahr 1815 (original). Der Notenschrank ist genauso voll wie der CD-Schrank. Nur, ich sitze nicht so oft im Sessel, um mir dort Klaviermusik anzuhören, sondern setze mich lieber vor ein Instrument und versuche zu spielen, so meine technischen Fähigkeiten und der erforderliche Übeaufwand das einigermaßen zulassen. Will damit sagen, dass meine Hörerfahrungen wesentlich durch das Üben/Spielen erfolgen, und damit auch die Beurteilungen.

    Hallo Bachianer,


    da beneide ich Dich wirklich! :) (Ich bin auch schon im "Opa-Alter" angekommen, aber bis die 80iger-Marke überschritten wird, habe ich noch etwas Zeit! ^^ ) Als ich intensiv geübt habe, waren das zuletzt 4 Stunden am Tag - davon eine halbe Stunde Chopin-Etüden zum "Training". ^^ Dann war irgendwann das alte Schimmel-Klavier nicht mehr spielbar. Während der Studienzeit in Wuppertal bin ich dann rauf zu den Musikwissenschaftlern gegangen und habe da geübt. Auch bei einem netten Dozenten (der inzwischen leider schon verstorben ist), mit dem wir einen philosophischen Lesekreis hatten, habe ich bei ihm zuhause dann gespielt. Irgendwann wurden meine Übe- und Spielmöglichkeiten immer weniger, bis sie dann ganz aufhörten. Leider, leider! In meiner jetzigen Wohnung habe ich einfach keinen Platz, ein Klavier zu stellen. Leider ist es so, dass nach Jahren die Finger steif werden. Der Kopf will und kann, aber das "Fleisch" nicht mehr. Die Fehltrefferquote nimmt erheblich zu. Es ist wie beim Sport. Ohne tägliches Training ans Hochreck, das geht nicht! ^^ Aber ich sehe das genauso. Wenn man selber Spieler ist, hört man anders. Weil man beim Spielen fast immer ein "Problem" zu lösen hat, wenn man so einen Notentext umsetzt. Dann versteht man auch viel besser, warum der eine Interpret den Weg geht, der andere einen anderen. Obwohl ich schon längere Zeit nicht mehr spielen kann (ich hoffe, das ändert sich in näherer Zukunft), bin ich doch dem Klavierspielen verbunden geblieben. Regelmäßig bin ich bei meinem ehemaligen Lehrer bei Konzerten und blättere die Seiten um (in der Corona-Zeit ist das natürlich ausgefallen).

    Das Jahrzehnte lange Klavierspielen liefert auch Erfahrungen, die automatisch mit in eine Beurteilung einfließen. Eine davon: jeder Komponist (ausnahmslos) setzt häufig (Ausnahmen bestätigen die Regel) seine persönlichen kompositorischen "Spiel-Harmonie-Aufbautricks" ein um ein Werk zu schreiben. Beispiel: vor einigen Jahren kam ein junger, angehender Klavierberufsspieler auf mich zu..."ich muss jetzt eine Scarlattisonate spielen, oh, da muss man ja richtig viel üben". Meine Antwort: "spiel 20 Sonaten, und du weisst mit Blick auf die Noten was auf dich zukommt".

    Das kann ich auch gut nachvollziehen. Ich wollte in meiner aktiven Zeit mir mal ein Rachmaninow-Prelude erarbeiten. Für ein klavierspielendes Kind in Russland ist das sicher nicht schwer. Aber der Klaviersatz ist eben so anders selbst als Chopin oder Liszt, dass mir dann die Mühe zuviel war, diese ganz andere Satztechnik in die Finger zu kriegen. ^^

    Hinzu kommen noch die frühe Musikerziehung in den Jugendjahren. Meine Großmutter (wurde 99 Jahre alt), eine sehr gute Klavierspielerin (hatte einige Stunden bei Brahms), hat natürlich viel dazu beigetragen. Im Zentrum stand Bach, dann Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Brahms (den ich leider nie technisch beherrschen konnte).

    Spannend! :) Meine Eltern wohnten eine Zeit lang in Düsseldorf, bevor ich geboren wurde, bei einem bekannten Pianisten, Spezialist für Neue Musik, unterm Dach zur Miete. Damals, Ende der 50iger Jahre, gab es natürlich noch keine elektronische Stummschaltung zum Üben! Sie hörten also täglich Stunden "schräge Klänge", wenn er übte. ;( Mein Vater hatte bei ihm auch Klavierunterricht und im Unterricht dann natürlich u.a. Schönberg, Hauer usw. zum Üben bekommen.... ^^

    Chopin? Spießige Boudoirmusik! Liszt? Eitles Virtuosengeklimper!

    :D Ich habe täglich Chopin-Etüden geübt und dann zuletzt Liszt für mich entdeckt durch Lazar Bermans Aufnahme der "Annees de Pelerinage", wo ich dann unbedingt einige Stücke spielen wollte. Als Sohn eines Architekten und Malers (ich selber beschäftige mich bis heute mit Malerei) war und ist für mich diese typisch romantische Synthese aus Musik, Literatur und bildender Kunst besonders attraktiv. Ansonsten habe ich immer sehr gerne auch die modernen Franzosen gespielt - Debussy und Ravel.

    Ich vergleiche sehr ungern Komponisten, bringt nichts. Diesen "blinden Fleck" zu überwinden kostet einige Mühen. CPEB schreibt anders als die Süddeutschen. Zum Einstieg:

    Das ist wirklich eine tolle Cembalistin! Drei von ihren CDs werde ich mir wohl besorgen! Das Problem von CPEB ist, dass er quasi für die "Spezialisten" reserviert ist. Wenn man wie ich fast nur Klaviermusik gespielt auf einem modernen Konzertflügel hört, wird man mit seiner Musik einfach nicht konfrontiert. Bei Scarlatti ist es anders zum Glück. Meine Meinung: Wenn CPEB auf dem modernen Konzertflügel gespielt würde, wäre das auch für die Cembalisten von Vorteil. Eigentlich kaum verständlich bei dieser eindrucksvollen Musik, dass er fast nie in den "normalen" Konzertprogrammen von Klavierabenden auftaucht! Aber ich kenne einen sehr netten Cembalisten, Spezialist für französische Cembalomusik, der es partout ablehnt, dass Scarlatti auf einem modernen Flügel gespielt wird. Das sind immer sehr interessante Diskussionen mit ihm!


    Den hoch interessanten und wirklich sehr lesenswerten Nägeli lese ich gerade. Ich will aber erst sein theoretisches Kapitel über "Kritik", dass er der historischen Betrachtung voranstellt, mir anschauen, bevor ich dann etwas zu seinem Mozart-Bild sage! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Irgendwann wurden meine Übe- und Spielmöglichkeiten immer weniger, bis sie dann ganz aufhörten. Leider, leider! In meiner jetzigen Wohnung habe ich einfach keinen Platz, ein Klavier zu stellen. Leider ist es so, dass nach Jahren die Finger steif werden. Der Kopf will und kann, aber das "Fleisch" nicht mehr. Die Fehltrefferquote nimmt erheblich zu. Es ist wie beim Sport. Ohne tägliches Training ans Hochreck, das geht nicht! ^^

    Hallo Holger,

    da gibts nix zu beneiden. Meine Finger arbeiten noch flott, die Augen hingegen nicht mehr. Notenlesen wird mühsam. Auch der Kopp arbeitet nicht mehr so schnell wie früher (Auswendigspielen!)

    Spannend! :) Meine Eltern wohnten eine Zeit lang in Düsseldorf, bevor ich geboren wurde, bei einem bekannten Pianisten, Spezialist für Neue Musik, unterm Dach zur Miete.

    Ich hingegen bin im finstersten Niedersachsen groß geworden: 350 Seelendorf (selbstredend "streng lutherisch" und anti-preussisch), von Kindesbeinen an Hoch- und Plattdeutsch sprechend, die nächste Großstadt (Braunschweig, total zerbombt) 75 KM entfernt, das Gymnasium 15 KM entfernt, ab mit dem Rad, aber trotzdem schön. Als Pensionär bin ich wieder aufs Land gezogen.

    Klavierstunden hatte ich bei einem Musiklehrer (ex-Thomaner), der erstaunlicherweise im Nachbardorf wohnte und natürlich bei Großmama (von der die herrlichen Spottworte über Chopin und Liszt stammen), also ein sehr norddeutsches Musikambiente, färbt ab.


    Wenn man wie ich fast nur Klaviermusik gespielt auf einem modernen Konzertflügel hört, wird man mit seiner Musik einfach nicht konfrontiert.

    Zuhause stand bei uns ein großer Broadwoodflügel (1852) auf dem ich üben durfte. Deswegen habe ich immer noch Anschlagsprobleme auf modernen Klavieren, der Broadwood ist wesentlich leichter. Großmama hatte das Tafelklavier in ihren "Gemächern", was ich geerbt habe.

    Dass man mit CPEB so wenig konfrontiert wird hat mehrere Gründe:

    - das "Affentheater" der HIPster um Originalinstrumente und Klänge. Alles sehr schön, aber ungeeignet für den heutigen Konzertbetrieb. Man kann die "Alte Musik", also auch CPEB getrost auf modernen Instrumenten spielen, eben nur anders als Liszt.

    - die Eitelkeit der Interpreten. Das Hören der Virtuosität findet bei CPEB nicht statt. Seine Musik ist für durchschnittliche Konzertbesucher nicht fassbar. Sie verlangt wache Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Hineindenken.....zuviel verlangt.

    -

  • Die von Dir in Beitrag 89 genannte Böhm-Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern habe ich auch, in der gezeigten "Galleria"-Ausgabe. Sie ist klanglich natürlich viel opulenter als die alte Mono-Fassung mit den Berliner Philharmonikern, mit der ich das Werk vor vielen Jahren erstmals gehört habe.

    Was mich wirklich wundert, lieber nemorino, dass Otto Klemperer mit keinem einzigen Wort in diesem Thread bisher erwähnt wurde. Unter seinem Dirigat gibt es offenbar sogar zwei Einspielungen für EMI, 1956 mit dem Philharmonia Orchestra und 1964 mit dem gerade gegründeten New Philharmonia Orchestra. Wer die "Kleine Nachtmusik" zelebriert hören will, bekommt hier eine feine Alternative zum genannten Böhm.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Dass man mit CPEB so wenig konfrontiert wird hat mehrere Gründe:

    - das "Affentheater" der HIPster um Originalinstrumente und Klänge. Alles sehr schön, aber ungeeignet für den heutigen Konzertbetrieb. Man kann die "Alte Musik", also auch CPEB getrost auf modernen Instrumenten spielen, eben nur anders als Liszt.

    - die Eitelkeit der Interpreten. Das Hören der Virtuosität findet bei CPEB nicht statt. Seine Musik ist für durchschnittliche Konzertbesucher nicht fassbar. Sie verlangt wache Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Hineindenken.....zuviel verlangt.

    Heute ist HIP doch sehr weit verbreitet, sehr erfolgreich. Allerdings stimmt es schon, dass irgendwelche Mit-schunkel-Passacaglien immer besonders ankommen und CPE Bach vergleichsweise sperrig ist.

  • Zitat von Bachianer

    Alles sehr schön, aber ungeeignet für den heutigen Konzertbetrieb.

    Häh.....:S!?

    Es gibt doch heutzutage wahrlich genug Ensembles die HiP und OPI spielen!

    Zitat von Bachianer

    Seine Musik ist für durchschnittliche Konzertbesucher nicht fassbar. Sie verlangt wache Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Hineindenken.....zuviel verlangt.

    Bietest du Kurse an für den richtigen Gebrauch?


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Meine Finger arbeiten noch flott, die Augen hingegen nicht mehr. Notenlesen wird mühsam. Auch der Kopp arbeitet nicht mehr so schnell wie früher (Auswendigspielen!)

    Hallo Bachianer,


    ich hoffe, meine Augen bleiben wie sie sind. Ich brauche auch schon seit längerem eine Lesebrille. Fahrpläne lesen ohne Brille aufsetzen geht schon nicht mehr...

    Zuhause stand bei uns ein großer Broadwoodflügel (1852) auf dem ich üben durfte. Deswegen habe ich immer noch Anschlagsprobleme auf modernen Klavieren, der Broadwood ist wesentlich leichter. Großmama hatte das Tafelklavier in ihren "Gemächern", was ich geerbt habe.

    Man sagt das ja - so kenne ich es aus meiner "aktiven Zeit" in der Jugend - dass das Orgelspielen den Anschlag am Klavier verderben soll. Wahrscheinlich ist es so, dass sich die Muskulatur dann instrumentenspezifisch entwickelt, wenn man sehr viel auf einem ganz bestimmten Instrument übt.


    Ich bin in der Großstadt Düsseldorf aufgewachsen - meine Eltern sind allerdings Kriegs-Vertriebene, stammen beide aus Danzig. Nach dem Krieg haben sie erst längere Zeit auch in Norddeutschland, in Kiel, gewohnt. In Düsseldorf sind sehr viele Ost-Flüchtlingsfamilien gelandet - etliche meiner Freunde und Schulkameraden hatten auch diesen familiären Hintergrund. Rheinländer sind halt sehr offene und unkomplizierte Menschen. :)

    Dass man mit CPEB so wenig konfrontiert wird hat mehrere Gründe:

    - das "Affentheater" der HIPster um Originalinstrumente und Klänge. Alles sehr schön, aber ungeeignet für den heutigen Konzertbetrieb. Man kann die "Alte Musik", also auch CPEB getrost auf modernen Instrumenten spielen, eben nur anders als Liszt.

    Da denke ich ganz genauso! :)

    - die Eitelkeit der Interpreten. Das Hören der Virtuosität findet bei CPEB nicht statt. Seine Musik ist für durchschnittliche Konzertbesucher nicht fassbar. Sie verlangt wache Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Hineindenken.....zuviel verlangt.

    Einen Großteil Schuld werden denke ich auch die Konzertveranstalter tragen. Selbst Michelangeli musste die bittere Erfahrung machen, als er mal ein unbekanntes Debussy-Stück aufs Programm setzen wollte, dass ein Veranstalter das ablehnte. Ich habe entdeckt, dass Emil Gilels eine Sonate von CPEB gespielt hat, wo ein Mitschnitt aus dem Saal des Moskauer Konservatoriums existiert. Als Klavierprofessor, der er auch war, kann ich mir vorstellen, wird er eine ganze Reihe von CPEB-Werken gekannt haben. Nur werden die Veranstalter, besonders im Westen, von ihm eher Mozart und Beethoven erwartet und verlangt haben. Das Geld regiert leider die Welt. Ich muss mal schauen, ob ich diesen Mitschnitt in meiner Gilels-Sammlung finde:



    Schöne Grüße

    Holger

  • Was mich wirklich wundert, lieber nemorino, dass Otto Klemperer mit keinem einzigen Wort in diesem Thread bisher erwähnt wurde. Unter seinem Dirigat gibt es offenbar sogar zwei Einspielungen für EMI

    So ganz stimmt das nicht, lieber Joseph II.:):

    Zur Auswahl standen: Furtwängler, Klemperer (2x), Karajan (3x), Böhm (2x), Bruno Walter, Szell, Marriner (2x), Keilberth, Colin Davis und Ferenc Fricsay.

    .... schrieb ich im Beitrag Nr. 126. Er wurde erwähnt, aber nicht näher gewürdigt. Das will ich jetzt gerne nachholen.


    Ich besitze beide Klemperer-Versionen, die von 1956 und die von 1964. Vorausschicken möchte ich, daß Otto Klemperer einer meiner Lieblingsdirigenten ist, dessen Aufnahmen (zumindest die Nachkriegsproduktionen von Columbia/EMI) fast ausnahmslos bei mir vorhanden sind. Ich schätze Klemperer auch als Mozart-Dirigent sehr, vor allem die Sinfonien und einige Opern (Don Giovanni, Zauberflöte, Così). Auch die schöne Version der "Gran Partita" KV 361 (aufgenommen 1963) zähle ich zu den besten mir bekannten.

    Doch bei der "Kleinen Nachtmusik" habe ich ein paar Vorbehalte. Mir ist seine Lesart zu dramatisch, zu sinfonisch, es fehlt die Leichtigkeit, wie sie z.B. Fricsay (trotz relativ großer Besetzung) an den Tag legt. Ich will seine Auffassung (die für beide Versionen gilt) mal verkürzt so auf den Punkt bringen: Mehr Klemperer als Mozart. Das soll keineswegs eine Abqualifizierung sein, aber diesem Werk bekommt m.E. ein "leichtes Händchen" besser.

    Ähnliches würde ich von Furtwängler sagen, dessen Wiener Aufnahme von 1949 (EMI) auch gelegentlich mehr an Beethoven als an Mozart denken läßt. Im Unterschied zu ihm bringt Klemperer aber im Kopfsatz sowohl 1956 als auch 1963 die Wiederholung der Exposition, was ich für sehr wichtig halte. Klemperers Tempi sind moderat, 1964 ist er noch langsamer als 1956. Zum Vergleich: 1956 17.40 Min., 1964 19.10 Min.), und das gilt für alle Sätze.

    Hier die Zeiten im einzelnen, zuerst 1956, dann 1964: 1. Satz: 5.48/6.20, 2. 6.08/6.36, 3. 2.02/2.16, 4. 3.40/3.56 Min.

    Und nun noch zum Vergleich Fricsay: 1. Satz: 5.45 / 2. 6.38 / 3. 2.10 / 4. 3.25 Minuten.

    Es liegt demnach offensichtlich nicht am Tempo, daß Fricsay so leichtfüßig, so kammermusikalisch und charmant daherkommt. Vor allem die Romanze (2. Satz) wird von Fricsay liebevoll auszelebriert, mit einer unvergleichlichen Delikatesse. Da ist sein langsames Tempo genau richtig!


    Zum Schluß noch ein Wort zu Böhm: Er musiziert nicht so bedeutungsschwer wie sein Kollege Klemperer, und doch scheint mir sowohl Fricsay als auch Marriner den Ton des Stücks besser zu treffen.


    LG Nemorino:hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich habe entdeckt, dass Emil Gilels eine Sonate von CPEB gespielt hat, wo ein Mitschnitt aus dem Saal des Moskauer Konservatoriums existiert. Als Klavierprofessor, der er auch war, kann ich mir vorstellen, wird er eine ganze Reihe von CPEB-Werken gekannt haben.

    Guten Morgen Holger,

    interessante frühe Aufnahme von Gilels, mir bis dato völlig unbekannt. Diese Sonate A-Dur, Wq55,4 (1. Band von "Kenner und Liebhaber") hat sich schon immer einer größeren Beliebtheit erfreut, da zwar für "Kenner", aber nicht so kompliziert. Nun zu der Interpretation:

    - klanglich miese Aufnahme oder Flügel

    - Der 1. Satz (Allegro assai) wird aus meiner Sicht zu langsam gespielt

    - Generell: Gilels verändert viel, wenn man mit dem Urtext vergleicht, vornehmlich in der Basslage, indem er Akkorde hinzufügt und Stimmen erweitert. Das kann durchaus im Sinne CPEB´s sein (Veränderungen), nur müssen sie überzeugen. Das tun sie leider nicht immer, so dass der Verdacht aufkommt, dass er aus der 1. Druckausgabe dieser Sonate spielt, eingerichtet im 19. Jhdt von "von Bülow", der CPEB "Verbeethovend" hat. Diese Ausgabe wurde schon schnell vom Erscheinen an verissen, an der Spitze von Brahms.....wen wunderts?


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    https://www.youtube.com/result…carl+philipp+emanuel+bach


    Hier nun aus "you tube" eine weitere Aufnahme, auch auf modernem Flügel, gespielt von Hamelin, mit beigefügtem Originaltext,für mich sehr überzeugend.

    Beste Grüße

    Bachianer

  • Da Lob ich mir doch diese Aufnahme, auch wenn Bachianer das natürlich ablehnt. Seine Gründe habe ich noch nicht vernommen, ist mir auch egal, da er ja mir eh nicht antwortet!


    Alexei Lubimov




    Zitat

    In dieser bemerkenswerten Deutung der Musik von C. P. E. Bach begegnet Lubimov dem Einfallsreichtum von Bachs Fantasien, Sonaten und Rondos, indem er die Klangmöglichkeiten des Tangentenklaviers voll ausschöpft.

    Das war für mich ausschlaggebend, da ich ja ein absoluter HIP und OPI Fan bin!

    Übrigens ich bin ein großer Fan von Alexei Borissowitsch Ljubimow!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Doch bei der "Kleinen Nachtmusik" habe ich ein paar Vorbehalte. Mir ist seine Lesart zu dramatisch, zu sinfonisch, es fehlt die Leichtigkeit, wie sie z.B. Fricsay (trotz relativ großer Besetzung) an den Tag legt. Ich will seine Auffassung (die für beide Versionen gilt) mal verkürzt so auf den Punkt bringen: Mehr Klemperer als Mozart. Das soll keineswegs eine Abqualifizierung sein, aber diesem Werk bekommt m.E. ein "leichtes Händchen" besser.

    Lieber Nemorino,


    Leichtigkeit ist wohl nicht Klemperers Sache. Mir ist z.B. auch seine 4. Mahler für eine Humoreske, die sie nach Mahler sein soll, einfach zu streng. Gibt es die Mono-Aufnahme von Friscay auch auf CD oder nur auf LP? :hello:

    interessante frühe Aufnahme von Gilels, mir bis dato völlig unbekannt. Diese Sonate A-Dur, Wq55,4 (1. Band von "Kenner und Liebhaber") hat sich schon immer einer größeren Beliebtheit erfreut, da zwar für "Kenner", aber nicht so kompliziert. Nun zu der Interpretation:

    - klanglich miese Aufnahme oder Flügel

    - Der 1. Satz (Allegro assai) wird aus meiner Sicht zu langsam gespielt

    - Generell: Gilels verändert viel, wenn man mit dem Urtext vergleicht, vornehmlich in der Basslage, indem er Akkorde hinzufügt und Stimmen erweitert. Das kann durchaus im Sinne CPEB´s sein (Veränderungen), nur müssen sie überzeugen. Das tun sie leider nicht immer, so dass der Verdacht aufkommt, dass er aus der 1. Druckausgabe dieser Sonate spielt, eingerichtet im 19. Jhdt von "von Bülow", der CPEB "Verbeethovend" hat. Diese Ausgabe wurde schon schnell vom Erscheinen an verissen, an der Spitze von Brahms.....wen wunderts?

    Lieber Bachianer,


    mir war dieser Mitschnitt auch völlig unbekannt, bis ich einfach mal Gilels und CPEB bei Youtube eingegeben habe! Dieser Melodya-Mitschnitte aus der ehemaligen Sowjetunion klingen oft so metallisch und hart. Zudem sind sie sehr unterschiedlich je nach Qualität des Remasterings. Gerade bei Gilels habe ich da Beispiele sehr schwankender Qualität bei derselben Aufnahme. Ich habe mir die Aufnahme noch gar nicht komplett angehört! Es kann gut sein, dass Gilels damals im Moskauer Konservatorium gestöbert hat und die vielleicht von Anton Rubinstein dort archivierte Von-Bülow-Ausgabe fand... ^^ Eigentlich sollten wir einen gesonderten CPEB-Thread aufmachen... ;)

    Hier nun aus "you tube" eine weitere Aufnahme, auch auf modernem Flügel, gespielt von Hamelin, mit beigefügtem Originaltext,für mich sehr überzeugend.

    Der Link funktioniert offenbar nicht mehr und ich habe leider auch nicht gefunden, auf welcher CD Hamelin das spielt.

    Das war für mich ausschlaggebend, da ich ja ein absoluter HIP und OPI Fan bin!

    Übrigens ich bin ein großer Fan von Alexei Borissowitsch Ljubimow!

    Lieber Fiesco,


    der Klang des historischen Instruments ist aber schon etwas eher für ganz hartgesottene HIP-Fans. Schade! Einen Klangästheten wie mich schreckt das leider ab! ;( Die wirklich faszinierende Fantasie spielt auch Carole Cerasi ganz hervorragend - vielleicht noch authentischer, was die Phrasierung angeht nach meinem Eindruck:



    Eingespielt hat sie das Stück auf dieser CD hier:



    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

  • Gibt es die Mono-Aufnahme von Friscay auch auf CD oder nur auf LP?

    Lieber Holger,


    die von mir in Beitrag 126 gezeigte Mono-Fassung von Fricsay ist identisch mit der Stereo-Ausgabe. Sie wurde am 29./30.4.1958 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem aufgenommen.

    In den ersten Jahren nach Einführung von Stereo war es üblich, alle Neuaufnahmen sowohl in Mono als auch in Stereo zu veröffentlichen, weil die alten Mono-Abspielgeräte angeblich die Stereoplatten beschädigen würden. Erst ab ca. 1963/64 gab es nur noch eine Ausgabe, auf der es üblicherweise hieß: "Stereo, auch Mono abspielbar".


    Nochmals schönen Sonntag nach Münster!


    Nemorino:hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Joseph II.,


    über eine kurze Antwort von Dir auf meinen langen Beitrag 133 hätte ich mich gefreut. Hast Du ihn vielleicht gar nicht mitbekommen?


    Schönen Sonntag und

    Liebe Grüße, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber nemorino,


    ich wollte noch darauf erwidern. Die beiden Klemperer-Aufnahmen liegen bereit, ich werde mich äußern, sobald ich sie abgehört habe. Zum Glück ist die "Kleine Nachtmusik" nicht überlang, so dass man problemlos mehrere hintereinander hören kann. ;)


    Danke nochmal und beste Grüße auch an Dich!

    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Eigentlich sollten wir einen gesonderten CPEB-Thread aufmachen...

    Hallo Holger,


    "eigentlich" ist ein herrliches, vielseitiges Wort....

    Einen CPEB Thread hatte ich doch schon mit seinen Klavierkonzerten gestartet. Leider ist die Reaktion darauf sehr sehr überschaubar.

    Das Forum ist derzeit für Komponisten des 18. Jhdts. ziemlich ungeeignet, zumindest was die schreibenden TN betrifft. Opern, Romantik, SängerInnen und viele Covers. Dazu kann ich keine Beiträge liefern.

  • Klemperer (1956 und 1964)

    1956 und 1964

    1956

    1964


    Nun also einige Worte meinerseits zu Klemperers beiden Einspielungen, jener mit dem Philharmonia Orchestra (Aufnahme: No. 1 Studio, Abbey Road, London, 25. März 1956) und jener mit dem New Philharmonia Orchestra (Aufnahme: Kingsway Hall, London, Oktober & November 1964; letztere muss eine der ersten mit diesem neuformierten Klangkörper sein).


    Tatsächlich wertet Klemperer "Eine kleine Nachtmusik" beinahe zur Symphonik auf. Das kann man kritisch hinterfragen, da es wahrlich leichtgewichtigere Interpretationen gibt. Lässt man sich allerdings darauf ein, so erhält man doch sehr hörenswerte Lesarten, wie sie heutzutage unmöglich erscheinen. Altmodisch im besten Sinne. Und doch galt Klemperer seinerzeit ja nicht unbedingt als Konservativer. Schnörkellos und ohne übertriebene Gefühlsduselei kommt sein Mozart daher, so auch bei dieser Serenade. Ob es nun die definitiven Interpretationen sind, das will ich nicht beurteilen. Mir gefällt dieser Ansatz jedenfalls.


    Christopher Howell zur 1956er Aufnahme bei MusicWeb International (in Übersetzung):


    "Die 'Kleine Nachtmusik' ist robust und fest im Schritt bei einer Tempowahl, die damals wohl nicht sonderlich langsam klang, aber eine gute Portion Anmut mit sich bringt. Auf Phrasierung und Dynamik wird viel Wert gelegt. Es muss hinzugefügt werden, dass das Ensemble nicht immer wasserdicht ist, und dies scheint bei Mozart mehr zu stören als bei Beethoven und den Romantikern."


    Howell scheint jedenfalls der späteren Einspielung den Vorzug zu geben:


    "Womöglich hat sich die Kunde verbreitet, dass Klemperers Remakes tendenziell weniger begehrenswert seien als seine Darbietungen aus dem vorhergehenden Jahrzehnt. Es gibt Ausnahmen. Die 'Kleine Nachtmusik' hat jedem der Sätze ein paar Sekunden hinzugefügt, aber wenn man so etwas mag, wird einem das vielleicht besser gefallen. Es passt alles perfekt zusammen."


    Die Unterschiede beider Aufnahmen halten sich für mein Dafürhalten insgesamt in Grenzen und sind nicht so extrem wie bei manch anderen Beispielen. Das ist eigentlich erstaunlich, stammt die 1956er Einspielung ja noch aus der Zeit vor dem schweren Brandunfall des Dirigenten (1958). Sie ist bereits in sehr brauchbarer früher Stereophonie, doch fehlt ihr die Räumlichkeit der Neuauflage, die geradezu mustergültig erklingt und den vom Dirigenten wohl bewusst angestrebten symphonischen Ansatz noch besser unterstreicht. Ich würde mich also Howell anschließen und die 1964er Aufnahme zum Sieger küren, wo Klemperer fast achtzig war. Die Tempi sind pro Satz jeweils circa zehn Prozent langsamer genommen, doch konnte ich persönlich nirgends ein Verschleppen feststellen. Der Kopfsatz hat eine Majestät, so dass man fast ehrfürchtig lauscht. Der langsame Satz ist m. E. geradezu mustergültig gelungen und trifft die Satzbezeichnung Romanze. Das Menuett ist trotz des größeren Gestus immer noch lebhaft genug. Das abschließende Rondo lässt abermals an das Finale einer Symphonie denken. Zum Orchester: Ja, 1964 klingt es noch besser, was den Mythos Lügen straft, das Philharmonia Orchestra habe an Qualität verloren, seit das "New" vorangestellt war. Scheinbar hatte man auch mehr Zeit als 1956, wo an einem einzigen Tag eingespielt wurde.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • "eigentlich" ist ein herrliches, vielseitiges Wort....

    Einen CPEB Thread hatte ich doch schon mit seinen Klavierkonzerten gestartet. Leider ist die Reaktion darauf sehr sehr überschaubar.

    Das Forum ist derzeit für Komponisten des 18. Jhdts. ziemlich ungeeignet, zumindest was die schreibenden TN betrifft. Opern, Romantik, SängerInnen und viele Covers. Dazu kann ich keine Beiträge liefern.

    Hallo Bachianer,


    da solltest Du nicht zu schnell aufgeben! ;) CPEB hatte leider nicht das Glück von Domenico Scarlatti. Horowitz wechselte damals die Plattenfirma, weil er es leid war, nur als Virtuose wahrgenommen zu werden und produzierte seine berühmte Scarlatti-Platte - wobei er sich von Ralph Kirkpatrick, mit dem er befreundet war, beraten ließ. Er ging die Sache also sehr ernsthaft an! Die Wirkung dieser Aufnahme war immens - alle Pianisten der Welt wollen seitdem unbedingt Scarlatti spielen! Das Komische dabei: Verkaufstechnisch war Horowitz´ Scarlatti-Platte zunächst einmal ein totaler Flop. Niemand kannte Scarlatti und wollte eine LP nur mit Scarlatti-Sonaten kaufen - auch von Horowitz nicht. Danach musste Horowitz erst einmal eine Chopin-Platte machen, damit die Plattenfirma (CBS) auf ihre Kosten kam! :D Es gibt glaube ich genügend Musik aus dem 18. Jhd., über die wir reden können, auch unbekanntere wie Soler z.B. Ich bin ein großer Liebhaber spanischer Klaviermusik... Bei CPEB müsste Tamino die Pioniertat vollbringen, seine wichtigsten Werke vorzustellen und ihn aus der Unbekanntheits-Ecke rauszuholen. Ich finde das mehr als verwunderlich - ein Komponist von der großen musikgeschichtlichen Bedeutung, der auch noch wirklich schön anhörbare Sachen komponiert hat, wieso spielt und hört ihn nur ein Spezialistenkreis? Es gibt ja noch die Horowitz-Geschichte, dass Ehefrau Wanda, die Toscanini-Tochter, in einem Notenladen in Italien stöberte und sämtliche Werke von Muzio Clementi in den Koffer packte. Ihr Ehemann kannte Clementi bis dahin gar nicht, nahm dann aber eine Platte auf. Es ist nur zu hoffen, dass irgendeiner der jüngeren Pianisten mal CPEB auf ähnliche Weise entdeckt... :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Guten Morgen, Holger


    Es ist nur zu hoffen, dass irgendeiner der jüngeren Pianisten mal CPEB auf ähnliche Weise entdeckt...

    Da gibt es für (jüngere) Pianisten nichts mehr zu entdecken, nicht wie vor ca 80 Jahren! Sämtliche Klavierwerke CPEB´s liegen schon seit längerem in hervorragender Urtextfassung vor (Packard Humanities), 20 Bände, sind von zwei PianistInnen (Spanyi (historische Instrumente); Markovina (moderner Flügel)) sehr gut auf CD eingespielt, abgesehen von vielen Einzel-CD ebenso bekannter Interpreten. Gleiches gilt für seine weiteren Werke, Kammermusik, Konzerte, Sinfonien, Lieder, geistl. Werke. Fast alles ist auf CD erhältlich, man gebe nur CPEB bei jpc ein. Wer das alles kaufen will wird arm ;).

    Nein! In dem augenblicklichen Zustand des Forums wird es in dieser Richtung keine "Pioniertaten" vollbringen können. Wo die X-te Interpretation der "kleinen Nachtmusik", der Beethoven-Schubert-Bruckner-Sinfonien, der "lyrische Heldentenor aus Hinterbulgarien" eine Hauptrolle spielen, ist für die Musik CPEB´s kein Platz.

    Apropos Entdeckungen (ohne Taminos Hilfe): mit meiner Mithilfe wird es ab Herbst 2021 eine neue, kleine CD-Serie geben..."auf den Spuren JSB´s in Niedersachsen". Gut, da ist natürlich ein bißchen Lokalpatriotismus mit im Spiel, aber immerhin! Da werden auf Tastenistrumenten Werke von Komponisten präsentiert, die kaum jemand kennt: Schwanenberger, Fleischer, Hachmeister, Ritter, Beckmann. Erstklassige Interpreten werden die einspielen.

    Soler z.B. Ich bin ein großer Liebhaber spanischer Klaviermusik.

    Ich übrigens auch, habe auf Note alle Sonaten von Seixas (Portugiese) und von Soler. Von Scarlatti natürlich auch.


    Herzliche Grüße

    Bachianer

  • Nein! In dem augenblicklichen Zustand des Forums wird es in dieser Richtung keine "Pioniertaten" vollbringen können. Wo die X-te Interpretation der "kleinen Nachtmusik", der Beethoven-Schubert-Bruckner-Sinfonien, der "lyrische Heldentenor aus Hinterbulgarien" eine Hauptrolle spielen, ist für die Musik CPEB´s kein Platz.

    Für den "Zustand" des Forums sind _alle_ Forenmitglieder verantwortlich. Also: worüber diskutiert wird und wie kann doch jeder Teilnehmer selbst mitbestimmen. Ich finde es müßig, sich darüber zu beschweren, dass andere nicht denselben Geschmack haben, wie man selbst ....


    BTW Ich habe Deine Beiträge zu CPEB mit Freude gelesen. Es hat zumindest dazu beigetragen, dass ich noch einmal ein paar seiner Konzerte gehört habe. Mir fehlt hier vollständig das Wissen, hier kompetent beitragen zu können. Du müsstest schon das interessierte Lesen akzeptieren.


    Warum nun dieser Bach so wenig gehört wird (mich eingeschlossen) ist mir allerdings auch ein Rätsel. Immer, wenn ich ihn höre, bin ich begeistert, aber dann kommt wieder anderes dazwischen ..:(

  • Für den "Zustand" des Forums sind _alle_ Forenmitglieder verantwortlich. Also: worüber diskutiert wird und wie kann doch jeder Teilnehmer selbst mitbestimmen. Ich finde es müßig, sich darüber zu beschweren, dass andere nicht denselben Geschmack haben, wie man selbst ....

    Richtig. Nur, ich beschwere mich nicht, sondern stelle nur fest, dass das Forum derzeit zu "Pioniertaten" in Richtung CPEB nicht in der Lage ist. Da ist die "Neugierde" doch zu gering.

  • Da gibt es für (jüngere) Pianisten nichts mehr zu entdecken, nicht wie vor ca 80 Jahren! Sämtliche Klavierwerke CPEB´s liegen schon seit längerem in hervorragender Urtextfassung vor (Packard Humanities), 20 Bände, sind von zwei PianistInnen (Spanyi (historische Instrumente); Markovina (moderner Flügel)) sehr gut auf CD eingespielt, abgesehen von vielen Einzel-CD ebenso bekannter Interpreten. Gleiches gilt für seine weiteren Werke, Kammermusik, Konzerte, Sinfonien, Lieder, geistl. Werke. Fast alles ist auf CD erhältlich, man gebe nur CPEB bei jpc ein. Wer das alles kaufen will wird arm ;).

    Nein! In dem augenblicklichen Zustand des Forums wird es in dieser Richtung keine "Pioniertaten" vollbringen können. Wo die X-te Interpretation der "kleinen Nachtmusik", der Beethoven-Schubert-Bruckner-Sinfonien, der "lyrische Heldentenor aus Hinterbulgarien" eine Hauptrolle spielen, ist für die Musik CPEB´s kein Platz.

    Hallo Bachianer,


    stell Dir vor, von Beethovens Klaviersonaten gäbe es nur zwei Aufnahmen, die erwähnt werden könnten! Da liegt doch der Hund begraben! ^^ Ein Komponist ist nur wirklich im Gespräch, wenn es nicht nur eine halbe Hand voll Spezialisten gibt, die ihn spielen. Das Werk wächst durchaus mit der Zahl der Interpreten und wirklich bedeutenden Interpretationen.

    Apropos Entdeckungen (ohne Taminos Hilfe): mit meiner Mithilfe wird es ab Herbst 2021 eine neue, kleine CD-Serie geben..."auf den Spuren JSB´s in Niedersachsen". Gut, da ist natürlich ein bißchen Lokalpatriotismus mit im Spiel, aber immerhin! Da werden auf Tastenistrumenten Werke von Komponisten präsentiert, die kaum jemand kennt: Schwanenberger, Fleischer, Hachmeister, Ritter, Beckmann. Erstklassige Interpreten werden die einspielen.

    Das finde ich wirklich toll! Ich hoffe, Du berichtest darüber!

    Ich übrigens auch, habe auf Note alle Sonaten von Seixas (Portugiese) und von Soler. Von Scarlatti natürlich auch.

    :) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • stell Dir vor, von Beethovens Klaviersonaten gäbe es nur zwei Aufnahmen, die erwähnt werden könnten! Da liegt doch der Hund begraben! ^^ Ein Komponist ist nur wirklich im Gespräch, wenn es nicht nur eine halbe Hand voll Spezialisten gibt, die ihn spielen. Das Werk wächst durchaus mit der Zahl der Interpreten und wirklich bedeutenden Interpretationen.

    Einverstanden. Es stellt sich nun die Frage, warum so wenige "Spezialisten" die CPEB-Werke einspielen? Wird deren Virtuosität da nicht hörbar? Oder wollen die CD-Firmen nicht, da zu wenig Käufer? Nähme man sich das Interesse daran der "Taminos" zum Beispiel, könnten die Firmen Recht haben.

    Das finde ich wirklich toll! Ich hoffe, Du berichtest darüber!

    Wird gemacht. Als "Präludium" folgender Hinweis:

    http://www.bachschueler.de

    Unter dem Kapitel "Bachianer" findet man einige Hinweise über die angegebenen Komponisten.


    Schöne Grüße

    Bachianer

  • Klemperer (1956 & 1964)

    Lieber Joseph II.,


    zunächst bitte ich um Nachsicht, daß ich erst jetzt Deinen Beitrag 142, für den ich mich ganz herzlich bedanke, vom Montag beantworten kann.


    Daß ich ein eingefleischter Klemperer-Verehrer bin, habe ich schon mehrfach, u.a. auch in diesem Thread, betont. Seine Auslegungen der Beethoven-, Brahms- und Bruckner-Sinfonien sind Dokumente, deren Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Auch seine späten Mozart-Sinfonien (incl. der Nr. 25!) stehen bei mir ganz hoch im Kurs. Doch bei Klemperers Interpretationen der "Kleinen Nachtmusik" melde ich Bedenken an, ohne den Wert seiner Lesart im Prinzip anzuzweifeln. Ganz richtig stellst Du fest:

    Tatsächlich wertet Klemperer "Eine kleine Nachtmusik" beinahe zur Symphonik auf.

    Und genau da liegt für mich der Ansatzpunkt zur Kritik. "Die kleine Nachtmusik" ist eine Serenade, d.h. auf gut Deutsch ein Ständchen, das auch noch ausdrücklich als "Nachtmusik" bezeichnet wird. Doch in Klemperers Sicht (Furtwängler wählt den gleichen Ansatz) wird aus dieser an sich harmlosen, wenn auch wertvollen Musik quasi eine kleine Sinfonie geformt, was nach meinem Empfinden nicht in der Absicht des Schöpfers gelegen hat. Daß damit "eine gute Portion Anmut", wie Christopher Howell schreibt, einhergeht, unterliegt keinem Zweifel, und trotzdem bleibt der Gesamteindruck einer gewissen Schwergewichtigkeit, der diesem anmutigen Stück nicht recht ansteht, bestehen. Wohl bemerkt: Auch ich möchte auf beide Klemperer-Versionen in meiner Sammlung nicht verzichten, doch der Eindruck einer "Fehlinterpretation" auf hohem Niveau bleibt (bei mir) hängen, und das gilt gleichermaßen für 1956 und 1964, wobei letztere zwar deutlich besser klingt, aber durch die noch moderateren Tempi (in allen Sätzen) noch weniger an eine Serenade denken läßt. Von Verschleppen kann allerdings keine Rede sein, das ist ohnehin nicht Klemperers Sache, und mit der Feststellung:

    Der Kopfsatz hat eine Majestät, so dass man fast ehrfürchtig lauscht.

    triffst Du den Nagel auf den Kopf! Ich denke, wir treffen uns mit dem Fazit, daß es sich in beiden Fällen um echte, unverwechselbare Klemperer-Dokumente handelt, die für jeden Verehrer dieses außergewöhnlichen Dirigenten, dessen ganzes Leben von Schicksalsschlägen geprägt war, ganz unverzichtbar und unentbehrlich sind. Was explizit die "Kleine Nachtmusik" betrifft, so ziehe ich leichtere, beschwingtere Lesarten vor, die dem Titel des Werks m.E. mehr entsprechen. Das ist aber ein ganz persönliches Geschmacks- und keinesfalls ein Werturteil, wie aus meinen Ausführungen wohl klar hervorgeht.


    Zum guten Schluß noch ein Wort

    Zum Orchester: Ja, 1964 klingt es noch besser, was den Mythos Lügen straft, das Philharmonia Orchestra habe an Qualität verloren, seit das "New" vorangestellt war.

    Da bin ich völlig mit Dir einverstanden. Das Orchester hat zwar durch den plötzlichen, mehr aus persönlichem Frust erfolgten Rückzug seines Gründers und Mentors Walter Legge eine schwierige Zeit erleben müssen, doch nach einigen Querelen und der Entscheidung Otto Klemperers, weiterhin als Chefdirigent tätig sein zu wollen, erlebte das "New Philharmonia Orchestra" praktisch eine zweite Blütezeit, die erst nach dem altersbedingten Ausscheiden Klemperers zu Ende ging. Immerhin hat das Orchester bis heute überlebt, wenn es auch längst nicht mehr die Bedeutung hat, die es in seinen Glanzzeiten unter Herbert von Karajan und Otto Klemperer genoß. Die Aufnahmen aus dieser Ära gelten nach wie vor als Meilensteine in der Geschichte der Tonaufzeichnung.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).


  • Jordi Savall hat mit Le concert des Nations die Serenade Nr. 13 KV 525 putzmunter mit flotten Tempi auf dieser SACD eingespielt. Eine beschwingte Abendgesellschaft taucht als Bild vor mir auf.

    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Wird gemacht. Als "Präludium" folgender Hinweis:

    http://www.bachschueler.de

    Unter dem Kapitel "Bachianer" findet man einige Hinweise über die angegebenen Komponisten.

    Lieber Bachianer,


    sehr schön, Deine Seite! Ich hatte einen Studienfreund, ein wirklich sehr feiner Mensch, der lebte im 18. Jhd. Sein Zimmer war ganz im Stil des 18. Jhd. Er las Literatur aus dem 18. Jhd., hörte Musik aus dem 18. Jhd., seine Magisterarbeit in Philosophie war über die französischen Moralisten des 18. Jhd. (den Text habe ich noch). Er verstarb leider überraschend und bestürzend für uns ganz plötzlich. Er wäre genau der richtige Gesprächspartner für Dich! :hello:

    Und genau da liegt für mich der Ansatzpunkt zur Kritik. "Die kleine Nachtmusik" ist eine Serenade, d.h. auf gut Deutsch ein Ständchen, das auch noch ausdrücklich als "Nachtmusik" bezeichnet wird.

    Lieber Nemorino,


    was Du schreibst finde ich wirklich sehr einleuchtend und vorbildlich. Dafür ist man in so einem Forum! :hello:


    Liebe Grüße

    Holger