• Kleiner Nachtrag zur Veranstaltung (auf Anregungen eines anderen Taminos, den ich dort netterweise traf).

    Der Saal war zum Bersten voll (ca. 150 Leute), was mich sehr gewundert und gefreut hat.


    Die Stimmung war gut, feine Anekdoten wurden erzählt, die Stimme Terkals erklang in raren Aufnahmen. Auch ich selbst wurde (zu meiner großen Überraschung) auf das Podium gebeten und zum bald erscheinenden Buch über die "Österreichischen Tenöre" befragt.


    Schön, dass solche Veranstaltungen immer noch stattfinden können. Sie müssen halt mit Herzblut geplant und moderiert werden, dann gefallen sie auch den Menschen von heute. Es waren nämlich nicht ausschließlich Senioren im Publikum.


    Abschließend noch ein Hör-Tipp: Dienstag, 8.10. um 10.05 Uhr: "Anklang - Karl Terkal, vom Tischler zum Tenor". Der Gestalter der Sendung, Robert Fontane, war ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend.

  • Lieber Gregor,


    ich habe soeben die "Anklang"-Sendung im ORF1 zum 100. Geburtstag von Karl Terkal gehört. Danke für den Hinweis!


    Bewegend fand ich das einige Wochen vor seinem Tod (1996) privat aufgenommene Wienerlied "Drunt' in der Lobau, wenn ich das Platzerl nur wüsst'" von Heinrich Strecker. Eindrucksvoll, wieviel Stimme der Tenor mit 76 Jahren noch hatte.


    Und es war schön zu erfahren, dass sich offensichtlich ein Mitschnitt der "Lustigen Weiber von Windsor" von den Bregenzer Festspielen 1956 (mit Wilma Lipp, Hilde Rössel-Majdan, Hanny Steffek, Otto Edelmann, Carl Dönch, Hans Günter Nöcker und auch Karl Terkal) quasi als Pendant zur NDR-Produktion erhalten hat. (Der Dirigent in Bregenz, Fritz Zaun, war übrigens lange Jahre Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein.)


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Ja, die Gedenksendung kann man durchaus als gelungen bezeichnen.


    Es gibt einige Mitschnitte mit Karl Terkal, die nie offiziell veröffentlicht wurden. Der leider verstorbene Ö1-Moderator Gottfried Cervenka, der, nebenbei gesagt, selber ein spezielles Plattengeschäft führte und unendlich viele Aufnahmen besaß, hat immer wieder etwas ausgegraben und auch im Radio gespielt.


    Robert Fontane möchte nun, so hat er es bei der Terkal-Veranstaltung in Favoriten selbst gesagt, nun in seine Fußstapfen treten. Das wäre wünschenswert.


    Von den vielen angesprochenen Anekdoten, die von Terkal überliefert sind, hätte er aber zumindest ein oder zwei erzählen können. Das hätte Cervenka bestimmt gemacht ...

  • Und es war schön zu erfahren, dass sich offensichtlich ein Mitschnitt der "Lustigen Weiber von Windsor" von den Bregenzer Festspielen 1956 (mit Wilma Lipp, Hilde Rössel-Majdan, Hanny Steffek, Otto Edelmann, Carl Dönch, Hans Günter Nöcker und auch Karl Terkal) quasi als Pendant zur NDR-Produktion erhalten hat. (Der Dirigent in Bregenz, Fritz Zaun, war übrigens lange Jahre Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein.)

    Ja, lieber Carlo, diesen Mitschnitt gibt es. Mein Archiv verzeichnet folgende Besetzung:


    Otto Nicolai

    Die lustigen Weiber von Windsor

    Bregenzer Festspielchor

    Wiener Symphoniker

    Dirigent Fritz Zaun

    Bregenz 1956

    Sir John Falstaff

    Otto Edelmann

    Frau Fluth

    Wilma Lipp

    Frau Reich

    Hilde Rössl-Majdan

    Herr Fluth

    Karl Dönch

    Herr Reich

    Hans Günther Nöcker

    Jungfer Anna Reich

    Hanny Steffek

    Fenton

    Karl Terkal

    Junger Spärlich

    August Jaresch

    Dr. Cajus

    Robert Titze


    Ergänzend noch die NDR-Besetzung:


    Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks

    Dirigent Wilhelm Schüchter

    Oktober 1956

    Sir John Falstaff

    Arnold van Mill

    Frau Fluth

    Wilma Lipp

    Frau Reich

    Hilde Rössl-Majdan

    Herr Fluth

    Walter Berry

    Herr Reich

    Siegmund Roth

    Jungfer Anna Reich

    Rosl Schwaiger

    Fenton

    Karl Terkal

    Junker Spärlich

    Kurt Marschner

    Dr. Cajus

    Adolf Meyer-Bremen




    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Karl Terkals strahlende und höhensichere Stimme habe ich zunächst schätzen gelernt am Radio, als der WDR um 1960 Melodienfolgen aus Operetten sendete - begleitet vom Orchester Hermann Hagestedt oder dem Kölner Rundfunkorchester unter Marszalek. Partnerinnen waren u.a. Herta Talmar, Valerie Bak.


    Leider habe ich Terkal nur einmal in einer kleineren Partie live erlebt: am 30. Mai 1966 als Walter im TANNHÄUSER in der Wiener Staatsoper. Meine Notizen auf dem Besetzungszettel, den ich kürzlich beim Aufräumen wieder fand: Terkal: !!!; Hans Beirer in der Titelpartie: heldische Stimme, starkes Vibrato, nicht immer intonationsrein; Waechter: !!!, Frick ... , Rysanek ... , Sawallisch ... . (Sorry: OT).


    Gerade höre ich mir seit langem wieder einmal das "Cujus animam" aus Rossinis STABAT MATER an mit mühelosem hohen Des. Terkal bewältigt die heikle Tessitura souverän und mit rhythmischer Verve. Fulminant! (aus einer Produktion des Wiener Rundfunks unter Miltiades Caridis, 1966).


    Die Terkal-Gedenksendung vom 8.10.10 auf Ö1 habe ich aufgezeichnet und werde sie demnächst anhören.


    greghauser2002: Falls noch Bedarf am Heft 'Stimmen, die um die Welt gingen' mit Rudolf Christ besteht, könnte ich mein Exemplar unter Bedingungen leihweise zur Verfügung stellen.


    :hello:Klaus

  • greghauser2002: Falls noch Bedarf am Heft 'Stimmen, die um die Welt gingen' mit Rudolf Christ besteht, könnte ich mein Exemplar unter Bedingungen leihweise zur Verfügung stellen.


    :hello:Klaus

    Vielen Dank. Das ist wirklich nett. Aber ein anderes Mitglied hat mir schon vor einiger Zeit eine Kopie geschickt. Wunderbar, wie sich die Opernfans hier gegenseitig helfen.


    Auch wenn du Terkal nur einmal live erlebt hast, lieber Klaus, beneide ich dich darum. Immerhin. Und an dem Abend waren offenbar noch mehrere andere Legenden in der Besetzungsliste. Ich finde solche Berichte von Zeitzeugen äußerst spannend, da ich selbst zu jung bin, um vor den 90er-Jahren in die Oper gegangen zu sein.


    Die angesprochene Aufnahme von Rossinis "Stabat Mater" habe ich ebenfalls. Sie ist in der Tat beeindruckend.

  • Lieber greghauser2002,


    vielen Dank für deine Antwort.

    Aus Erfahrung mit einem ähnlichen Projekt wie dem deinen weiß ich, wie wertvoll es ist, Informationen nicht nur aus dem persönlichen Umfeld der Künstler zu erhalten, sondern auch Querverbindungen zu allen möglichen anderen Quellen zu nutzen. Das ist oft recht mühsam und erfordert Geduld, bereitet aber auch viel Freude.

    Ich wünsche dir weiterhin erfolgreiches Recherchieren bei der Arbeit an deiner geplanten Publikation!


    Herzliche Grüße

    Klaus

  • Das macht mich doch recht neugierig. Meldest du dich bei mir? Du bräuchtest an meinen nickname, mit dem du mich hier anredest, nur ein @yahoo.de hinzufügen. Würde mich freuen, von dir zu hören. LG Greg

  • Auch ich bei meinem Streifzug durch die Schallplattensammlung auf Karl Terkal und seine betörend gefärbte, leuchtende Stimme gestoßen: hier singt er in Leo Falls "Dollarprinzessin":


    R-7576844-1444401321-2176.jpeg.jpg

  • Karl Terkal begegnete ich in einer Sendung des Bayrischen Rundfunks, mitte der Achtzigerjahre. Ausgestrahlt wurde eine 1951 entstandene, deutschsprachige Eigenproduktion des Senders unter der Stabführung von Clemens Krauss. Mimi in dieser Produktion war die hinreißende Trude Eipperle.


    Am Tag nach der Radiosendung fuhr ich aus dem oberfränkischen Hof nach Baden bei Wien. Um mich von den Strapazen der langen Reise zu erholen, bummelte ich durch das hübsche Rosarium. Musikklänge lockten mich zu einem Podium, auf dem ein kleines Kurorchester einen grauhaarigen Tenor begleitete. Leider hörte ich nur noch wenige Takte, das Konzert ging seinem Ende zu. Ich frug einen Nachbarn, wer denn da sänge? "Das ist der Kammersänger Terkal aus Wien" raunte es zurück. Was für eine Überraschung! Nach dem Konzert begrüßte ich den Künstler: "Ich möchte mich noch für ihren herrlichen Rudolfo bedanken". Er darauf verwundert "Rudolfo? Ich?". Der drollige Dialog ging weiter mit "Ja, unter Clemens Krauss". Karl Terkal: "Na, mit dem Kompliment kommen's aber reichlich spät"...*g*.


    Damit nicht genug. Die Gattin wurde gebeten, aus dem Auto eine Autogrammkarte zu holen. Sie kam mit einem Tamino-Foto zurück. Karl Terkal beim unterschreiben lakonisch "Na, das Bild paßt, es hat auch schon einige Jährchen auf dem Buckel ".


    Übrigens, die "La Boheme" mit Karl Terkal, Trude Eipperle, Wilma Lipp, Alfred Poell und Hans Hermann Nissen ist bei JPC lieferbar.

  • Damit nicht genug. Die Gattin wurde gebeten, aus dem Auto eine Autogrammkarte zu holen. Sie kam mit einem Tamino-Foto zurück. Karl Terkal beim unterschreiben lakonisch "Na, das Bild paßt, es hat auch schon einige Jährchen auf dem Buckel ".

    Eine sehr nette Anekdote zu deinem Einstand, lieber udohasso. So stellt man sich Karl Terkal vor. Die erwähnte "Bohéme" ist in der Tat wunderbar. Ich habe Terkals Rudolfo auch hier in dem beliebten Spiel "Meine drei Lieblings-Rolleninterpreten" aufgenommen. Vielleicht interessiert es dich: Die von dir angesprochene Gattin Karl Terkals, mittlerweile leider schon seit beinahe 25 Jahren seine Witwe, lebt noch rüstig in der Terkal'schen Wohnung in Wien/Favoriten und erzählt auch gern solche Anekdoten.

  • Zitat von udohasso

    Übrigens, die "La Boheme" mit Karl Terkal, Trude Eipperle, Wilma Lipp, Alfred Poell und Hans Hermann Nissen ist bei JPC lieferbar.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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    Karl Terkal singt auch in dieser Studioproduktion den Ersten Gefangenen, den ich für eine wichtige Rolle halte. Sie entstand zeitgleich mit der Wiederaufnahme des "Fidelio" am 24. Januar 1978 in der Wiener Staatsoper, die auch ins Fernsehn und inzwischen auf DVD gelangte. Weiter oben wurde sie bereits mehrfach genannt. Die Besetzung ist bis auf den Don Ferrando identisch. Auf der Bühne wirkt Hans Helm, im Studio Dietrich Fischer-Dieskau.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876