Mauricio Kagel, tot und lebendig

Davidoff · 14 Beiträge · letzte Antwort von astewes

  • Nach Angaben seines Verlages C.F. Peters ist Mauricio Kagel am Donnerstag im Alter von 76 Jahren in Köln gestorben.


    Weiter Infos [URL=http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,579034,00.html]hier[/URL].


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Das trifft mich hart und unerwartet. Am kommenden Wochenende sollte Kagel eigentlich an einem zweitägigen Symposium zu seinen Ehren hier in Frankfurt teilnehmen. Mit ihm ist der sicherlich originellste und witzigste Kopf am heutigen Komponistenhimmel gestorben. Sehr traurig ist das.


    Loge

  • Lieber Loge,
    dem schließe ich mich an !


    Demnach muß ihn der Tod sehr plötzlich ereilt haben...
    Seine Oper "Aus Deutschland" habe ich vor einigen Jahren einmal am Staatstheater in Wiesbaden erlebt - sonst kenne ich leider sehr wenig von ihm.....

    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Für meine Ohren der kosmpolitischste aller Komponisten der Gegenwart, von seiner Abstammung und Herkunft bis zur Überschreitung der vermeintlichen Grenzen zwischen Medien und Stilen - ein originelles Genie hat uns verlassen ...

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  • Oh, das kommt unerwartet........
    Sehr schade, ich bin sehr traurig.


    Im Laufe der Jahre habe ich einiges von Ihm im Orchester gespielt, er war meistens persönlich anwesend bei den Endproben sowie bei den Konzerten.
    Unvergessen ist mir seine interessante "St.Bach Passion" , denn in den Aufführung, in denen ich mitwirkte, trat er selber als Sprecher auf, seine knarzige Stimme klingt mir heute noch in den Ohren.


    Das kommt wirklich aus heiterem Himmel............
    Loge

    Zitat

    Mit ihm ist der sicherlich originellste und witzigste Kopf am heutigen Komponistenhimmel gestorben


    Das sehe ich genau so.


    Zitat

    Sehr traurig ist das.


    Und das erst recht.............



    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Oh, das kommt unerwartet........
    Sehr schade, ich bin sehr traurig.


    ja, tatsächlich, sehr unerwartet und traurig, ich habe ihn noch vor zwei, drei Wochen gesehen.

  • Finde ich auch sehr traurig, insbesondere da ich Kagel als jemand kennenlernen konnte, der persönlich ebenso witzig und ideensprühend war, wie seine Werke es sind.


    Meine Eltern arbeiteten in Kölns großer Zeit, als sich avantgardistische Musik-, Literatur- und Kunstszene miteinander vermischten und auch politisch erste Anzeichen von Neuer Linker sich zu regen begannen, in einem der zentralen Szene-Treffs, in der Bahnhofsbuchhandlung Ludwig. Wenn man die heute sieht, kann man sich nicht mehr vorstellen, was für eine gute Buchhandlung das gewesen sein muß, so dass die zu einem Szenetreff wurde, in der auch viele mal jobten, z. B. war mal ein Kollege meiner Eltern R.D.Brinkmann. Aus der Zeit gab es auch noch einen sporadischen Kontakt zu Mauricio Kagel. Gespräche mit ihm gingen meist über Jazz, an dem er auch sehr interessiert war, wie meine Jazz-begeisterten Eltern. Ich hab dann sogar mal in Köln mit ihm gejamt.


    Aber ich werde weiter über seine Werke lachen! Es ist zu hoffen, dass wenigstens jetzt mal auch seine Filme und Hörstücke gesendet werden!


    Zum Einhören gibt es billig:



    Szenario (1981/82) Musik zu Bunuels/Dalis Un Chien Andalou;


    Duodramen für 2 Singstimmen und Orchester (1997/98 ) Kagel verwickelt hier eine griechische Furie und Oswald von Wolkenstein, Indira Gandhi und Casanova, Cosima Wagner und Henry Ford, Alma Mahler-Werfel und Dschingis-Khan, Marie Antoinette und Erich von Stroheim in amüsante, sehr dramatische Dialoge :D :hahahaha: Musikalische Anklänge an Mahler und Wagner sind nicht zu überhören.


    Liturgien (1989/90) für Soli, Doppelchor und großes Orchester. Eine polyphone Liturgie auf Hebräisch, Arabisch, Griechisch, Latein, Russisch und Deutsch gegen die Absurdität von Glaubenskämpfen


    Margaret Chalker - Sopran, Roland Hermann, Martyn Hill, Romain Bischoff - Bariton, Wout Oosterkamp - Bass, Gulbenkian Chorus Lisbon, RSO Saarbrücken, Mauricio Kagel


    :hello: Matthias

  • Eine schöne Geste:


    Das Publikum des Herkuslessaals in der Münchener Residenz erhob sich gestern zu Beginn des ARD-Wettbewerb-Preisträgerkonzertes zu einer (halben) Gedenkminute für den Verstorbenen.


    Kagel hatte eigens für frühere Wettbewerbe Werke komponiert, so das "Capriccio auf zwei Klavieren", Zeitgenossenpflichtstück für 2005.


    Wünschen wir eine gute Erholung von der Erschöpfung der Welt.



    audiamus




    .

  • diesen Thread habe ich hervorgeholt, da sich sein Todestag heute zum 4. Mal jährt:


    Mauricio Raúl Kagel (* 24. Dezember 1931 in Buenos Aires; † 18. September 2008 in Köln) war ein argentinisch-deutscher Komponist, Dirigent, Librettist und Regisseur.
    Sein Gesamtwerk umfasst neben Instrumentalmusik und Werken für das Musiktheater auch die Komposition und Produktion von Hörspielen und Filmen; er leistete einen wichtigen Beitrag zur Neuen Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.



    Mauricio Kagel (1931–2008)
    Rrrrrr...für gemischten Chor a capella

    +Anagrama für 4 Gesangssolisten, Sprechchor
    & Kammerensemble
    +Mitternachtsstück für Stimmen & Instrumente


    SWR Vokalensemble Stuttgart, Mitglieder des RSO Stuttgart, Kagel


    Aufnahmen, die zwischen 1980 und 1988 entstanden sind, als Kagel selbst das SWR Vokalensemble Stuttgart (damals: Südfunk-Chor Stuttgart) in zahlreichen Konzerten im In- und Ausland dirigierte.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • und wieder ist ein Jahr vergangen....



    heute vor 5 Jahren gestorben:


    Mauricio Kagel (* 24. Dezember 1931 in Buenos Aires; † 18. September 2008 in Köln) war ein argentinisch-deutscher Komponist, Dirigent, Librettist und Regisseur; er leistete einen wichtigen Beitrag zur Neuen Musik des 20. Jahrhunderts. Die Verwendung von Elektronik und Tonbandzuspiel, aber auch Verweise auf traditionelle Musik waren für den Kosmos von Kagels Musik selbstverständlich.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mauricio Raúl Kagel (* 24. Dezember 1931 in Buenos Aires; † 18. September 2008 in Köln) war ein argentinisch-deutscher Komponist, Dirigent, Librettist und Regisseur.
    Sein Gesamtwerk umfasst neben Instrumentalmusik und Werken für das Musiktheater auch die Komposition und Produktion von Hörspielen und Filmen; er leistete einen wichtigen Beitrag zur Neuen Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


    :hello:

    Mauricio Kagel (1931-2008) hat es ausser dem Thread zur Todesmeldung keinen eigenen Thread. Ich habe den Titel abgeändert, um ihm, dem Thread selbstverständlich, etwas Leben einzuhauchen. Wird seine Musik nicht aufgeführt und gehört verschwindet sie und ist nicht mehr im Leben der Menschen, ausführendem Musiker und Musikerinnen und der Zuhörerschaft.


    Beim Werbepartner sind die erhältlichen Ton- und Filmträger sowie das Notenmaterial in überblickbarer Anzahl (noch) erhältlich. https://www.jpc.de/s/mauricio+kagel


    In Beschäftigung mit Flötenkonzerten des 21. Jahrhunderts habe ich ein Werk von Kagels Hand gefunden. Er gab ihm den schlichten Titel "Das Konzert". Das Label Naxos hat es mit anderen Werken veröffentlicht, in denen die Flöte eine Stimme hat. Beim unvoreingenommenen Anhören kommt mir das Werk wie der Blick durch ein Prisma vor, in dem die Musikgeschichte in Facetten aufgefächert erscheint.



    Die auf der CD vertretenen Werke setzen sich mit der Musik-Tradition auseinander. Zum einen, wenn die überlieferte Form des Konzertes aufgegriffen wird, aber auch wenn die Inspiration durch die Werke verstorbener Komponisten geschah. Mozarts Zauberflöte aufersteht im Stück Pan, wenn Papagenos Pan-Pfeife vom Piccolo aufgegriffen wird oder Schumanns Phantasiestücke im Titel auftauchen.


    Kagel, dessen jüdische Familie in den 1920er Jahren aus Russland geflohen war, kam 1957 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Köln. Das war das Zentrum der Musikavantgarde. Mehr als 50 Jahre arbeitete er als Dirigent, Librettist und Regisseur in eigener Sache, wirkte als Pädagoge und begleitete während seiner langjährigen Professur für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule mehrere Generationen angehender Komponisten auf ihrem künstlerischen Weg.


    Kagel entwickelte seinen eigenen revolutionären Sinn für die musikalische Ästhetik und das instrumentale Theater.


    Er war eine bedeutende Persönlichkeit des Musiklebens im Deutschland des 20. Jahrhunderts.


  • Es gibt eine Dokumentation des Argentiniers Gaston Solnicke auf DVD, in der Mauricio Kagel zu Wort kommt und ihn bei der Probenarbeit mit jungen Musikern zeigt.



  • Ich war so frei ihn den Komponisten der Moderne zuzuordnen. Damit ich aber nicht nur Moderatives, sondern auch Motivierendes erzähle, hier eine interessante Scheibe von Alexandre Tharaud



    Diese Scheibe enthält auch die Filmmusik zu Ludwig van ... , einem Film von Kagel über .... :saint:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_van_(Film)



    Der Film findet sich im WWW