Gösta Winbergh - der dritte grosse Schwede

  • Liebe Taminos,


    heute habe ich zufällig eine Stimme gehört, die mich zuerst aufhorchen ließ, dann zumehmend verzaubert zuhören und schließlich auf einer Woge der Seligkeit segeln. Der Name zur Stimme lautet Gösta Winbergh. Dessen Besitzer soll der dritte große Schwede sein - nach Björling und Gedda, die ich beide verehre. Mensch, etwas hat das mit Schweden an sich, dass von dort zwar nicht allzuoft, dafür umso spektakulärere Stars in den Opernhimmel aufsteigen!..


    Leider habe ich im selben Augenblick erfahren, dass Winbergh leider zu früh von uns gegangen ist - 2002. Als Trost lässt sich anführen, dass es wohl einige schöne Aufnahmen von ihm gibt, sowohl auf Silberling als auch auf DVD.


    Jetzt wäre ich gespannt, von anderen Taminos zu erfahren, ob es unter Euch welche gibt, die Winbergh zu ihren Lieblingen zählen und/oder mehr über ihn, seine Karriere und seine wunderschöne Stimme zu berichten wissen.


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Guten Abend


    Gösta Winbergh sah ich 1983 bei den "Schwetzinger Festspielen" in der Mozartoper "Mitridate, Re die Ponto"; er sang die Titelrolle des Mitridate. Erinnerlich noch die übige Ausstattung des Bühnenbildes, die barocken Kostüme und die ansprechende Dramaturgie. Es spielte das "Mozartorchester des Opernhaus Zürich"; Leitung N. Harnoncourt. Inszenierung und Bühnenbild der unvergessene Jean-Pierre Ponnelle.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Lieber Bernhard,


    die Ausschnitte aus dieser Vorstellung sind auf Y..Tube zu bewundern. Könntest Du vielleicht noch ein paar Worte zur Darbietung Winberghs sagen?


    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • Gösta Winbergh war bekannt für seine Vielseitigkeit.
    Hier ein Beispiel: Das deutsche Fach.



    Der Wagner-Sänger


    Leider nicht ganz einfach zu bekommen, habe mein Exemplar bei ebay teuer ersteigern müssen, da im Handel vergriffen.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,


    vielleicht sagst Du ein paar Worte zu Winberghs Stimme? Ich habe eben gesehen, es gibt unter anderem (Mozart, Verdi) auch noch eine Aufnahme von Liebestrank Donizettis mit ihm! Ist das überhaupt möglich für eine und dieselbe Person, derart unterschiedliche Partien zu bewältigen?


    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • Guten Abend


    Zitat

    Original von Theodora
    Lieber Bernhard,


    die Ausschnitte aus dieser Vorstellung sind auf Y..Tube zu bewundern.


    Müßte sie mir mal ansehen, seit der Aufführung hier 1983 habe diese Oper nie mehr gesehen.


    Zitat

    Könntest Du vielleicht noch ein paar Worte zur Darbietung Winberghs sagen?


    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora


    Wie gesagt, schon lange her, ich erinnere mich eher mehr an das prachtvolle Bühnenbild und prächtigen barocken Kostüme der Akteure. Im Ensemble briilierten neben dem stimmgewaltigen Gösta Winbergh noch so bekannte Namen wie Ann Muray, Yvonne Kenny und Julia Hamari.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Ich habe mir erlaubt, beim Titel dieses Threads drei Fragezeichen anzuhängen. Wieso der Dritte? (Das erinnert mich an den Orson-Welles-Film: DER DRITTE MANN).


    Um über große schwedische Tenöre zu sprechen, müssen wir bei Carl Martin Öhmann beginnen (1887 - 1967). Er war nicht nur ein großer Wagner-Sänger, sondern nach seiner aktiven Sängerlaufbahn einer der besten Gesangspädagogen seines Landes. Matti Talvela war z.B. sein Schüler, aber der war Bass! Sein berühmtester Schüler ist zweifellos Nicolai Gedda, aber auch Gösta Winbergh kommt aus diesem Stall.


    Im Gegensatz zu Gedda, der nach einem Versuch mit Lohengrin die Finger stets von Wagner gelassen hat, hat Gösta Winbergh, obwohl auch eher lyrischer Tenor und kein Heldentenor, im Wagnerfach eine große Karriere gehabt.


    Ich hatte das Glück, ihn einmal auf der Bühne zu erleben; lange her, es war der "Lohengrin" in Barcelona, und die wagnerverrückten Spanier lagen ihm zu Füßen!


    Um Dir, liebe Theodore, Deine Frage nach seiner Stimme zu beantworten: Er war kein Brüllaffe wie Corelli, er konnte auch piano singen, und er zwang damit sein Publikum zur Aufmerksamkeit - und das in einem Riesenhaus wie dem Liceu! Eine tolle Leistung.


    Nun möchte ich hier noch kurz meine Lieblings-Opernaufnahme mit Gösta Winbergh vorstellen - Beethovens "Fidelio":



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Fidelio op. 72
    2 CDs
    Glashof, Titus, Winbergh, Nielsen, Moll,
    Nicolaus Esterhazy Sinfonia,
    Dirigent: Michael Halasz
    Label: Naxos , DDD, 98


    Namenlose Freude!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,


    Deine Belesen- und Behört-? :D :lips: heit ist schon wieder einfach phänomenal! Ich danke Dir sehr für Deine Ausführungen und für den CD-Tipp. Ich habe mir nämlich schon seit langem überlegt, den Fidelio zu kaufen, war mir aber sehr unsicher, welche Einspielung das werden soll. Jetzt, wo ich außer dem grossen Gösta (dann vielleicht doch der vierte Schwede? ich kenne leider die von Dir angeführte Geschichte mit dem dritten Mann nicht :rolleyes: sorry, man kann ja nicht alles wissen! hoffentlich war das nichts Schlimmes) auch noch die grosse Birgit sehe, ist mir natürlich das Licht aufgegangen!


    Öhmanns Aufnahmen habe ich nie gehört, aber natürlich aus der Biographie und Interviews Geddas den Namen häufig gesehen... Muss aber für den Jahrgang 1979 nicht unbedingt ein Begriff sein? :baeh01:


    Aber zum Wagner-Fach: Schau mal, Gedda hat es sich zwar mit den Wagners gründlich verdorben - er hat ja seinen Auftritt in Beyreuth abgesagt als sein Name bereits auf Plakaten stand und wurde nie wieder eingeladen - aber er war auch noch mit 70 topfit, während Winbergh genauso wie Björling (natürlich früher als dieser) einem Herzinfarkt erlag. War das im Falle Winberghs vielleicht unter anderem eine Folge dieses ständigen Überbeanspruchens seiner Stimme und seines ganzen Selbst im Wagnerfach?



    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • Liebe Theodora,
    ich habe ihn mehrmals an der DOB erlebt; er wusste, was und wie man es singen soll-sein Don Ottavio war phänomenal, was Interpretation und Ausdruck anging.


    Alles Liebe,
    Guido

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Lieber Guido,


    hast Du den Eindruck gehabt, er sang mühelos oder dass er eher an seine Grenzen ging, so wie etwa Villazón? Es wäre extrem interessant, das zu erfahren!
    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

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  • Liebe Theodora,
    mit dem Begriff "mühelos" ist das so eine Sache, das weiß ich aus eigener Erfahrung..jedoch hatte ich, so oft ich Winbergh hörte, besonders beim Ottavio nicht das Gefühl, dass er an seine Grenzen stiess.


    Alles Liebe,
    Dein Guido

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Lieber Guido,


    jetzt bin ich richtig gespannt! Kannst Du mehr erzählen, was Du damit meinst? Mit "Müherlos ist no ne Sache"?
    Deine interessierte


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    über die Bühnenerscheinung von Gösta Winbergh kannst Du Dir ein Bild machen auf dieser DVD:



    Richard Wagner:
    Die Meistersinger von Nürnberg

    Aufnahme: 1995, live, Berlin
    Dirigent: Rafael Frühbeck de Burgos
    Orchester der Deutschen Oper Berlin
    Chor der Deutschen Oper Berlin
    Chorleitung: Karl Kamper
    Inszenierung: Götz Friedrich


    Augustin Moser: Otto Heuer
    Balthasar Zorn: Volker Horn
    David: Uwe Peper
    Eva: Eva Johansson
    Fritz Kothner: Lenus Carlson
    Hans Foltz: Friedrich Molsberger
    Hans Sachs: Wolfgang Brendel
    Hans Schwartz: Ivan Sardi
    Hermann Ortel: Klaus Lange
    Konrad Nachtigall: Barry MacDaniel
    Kunz Vogelsang: David Griffith
    Magdalene: Ute Walther
    Nachtwächter: Peter Edelmann
    Pogner: Victor von Halem
    Sixtus Beckmesser: Eike Wilm Schulte
    Ulrich Eißlinger: Peter Maus
    Walther von Stolzing: Gösta Winbergh


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Liebe Theodora,
    mit "mühelos" ist gemeint, dass stimmliche Anforderung
    klanglich nicht hörbar sein sollte ("der strengt sich hörbar an", ist das Gegenteil).


    Alle Liebe,
    Dein Guido

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Liebe Taminos,


    @Harald
    Danke für den Tipp, lieber Harald! So langsam wird meine Wihnachtswunschliste zu einer Geburtstagswunschliste... :D :yes:


    @Guido
    ...habe ich erfasst! Danke!


    Eure


    Theodora

  • 2000 hab ich Winbergh in Wien in einer wunderbaren Tristan-Aufführung gehört. Bychkov hat dirigiert, die an diesem Tag wirklich hinreißende Waltraud Maier war Isolde, als Marke wurden wir mit Marti Salminen verwöhnt.
    Winbergh sang einen sehr schönen eher lyrischen Tristan. Ich muß allerdings sagen, dass sogar für mich seine Stimme im Saal zum Teil eher zu leise klang. Ich sag absichtlich "sogar für mich", die ich keine Freundin der typisch wagnerschen "Brülltüten" bin. Lobenswert schön der letzte Akt - wo ja viele Tristans schon mehr keuchen und hecheln als was anderes. Winbergh hat immer "gesungen".
    Wurde damals im Radio übertragen und ich hab dann irgendwie die Aufnahme auf MP3 bekommen. Ist technisch nicht sehr gut, aber sehr interessant. Hab mir - inspiriert durch diesen Thread - gerade ein Stück angehört: "Wohin nun Tristan scheidet..." - schön find ich auch sein baritonales Timbre in der Mittellage. Im Radio kommt seine Stimme besser rüber als im Saal damals.
    Insgesamt war's jedenfalls einer der "unvergeßlichen" Abende.

    Eine echte Gänsehaut-Stelle ist das letzte "Isolde".
    Das Foto war hat jemand dann mit der Kritik aus der Zeitung gescannt... ist nicht sehr gut aber stimmungsvoll.

  • Liebe Brangäne,


    vielen Dank für diese spannende Ausführung! Es ist einfach sehr interessant, Eindrücke der Zuhörer zu lesen, die Winbergh live erlebt haben.
    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • In dieser Woche jährt sich zum 7. Mal der Tag, an dem Gösta Winbergh verstarb. Kaum zu glauben wie die Zeit vergeht, es kommt mir vor, es sei erst gestern gewesen, als ich die Todesnachricht las.


    Gut zu wissen, dass es zumindest seine Platten noch gibt, z.B.:



    Das hilt uns, ihn vor dem Vergessenwerden zu bewahren! :jubel:


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Gösta Winbergh ist mir natürlich ein Begriff und ich kann mich auch noch an meine Betroffenheit durch seinen frühen Tod erinnern.


    Aus dem TV kenne ich ihn ihn auch als Walther von Stolzing. In meinem Besitz befindet sich auch der hier schon erwähnte Don Pasquale und eine CD mit Opern Arien,aus dem Jahr 1995, deren Cover ich aber nicht gefunden habe.


    Er singt darauf Arien von Puccini, Donizetti, Verdi, Massenet usw. und er gefällt mir damit sehr gut.


    :hello:
    Jolanthe

  • Gösta Winbergh gehört seit langem zu den von mir favorisierten Tenören. Bekannt wurde er mir durch seinen Mithridate in Schwetzingen (ca. Mitte/Ende der 1980er Jahre: 'Vado incontro, al fato estremo'). Es war eine dunkelgrüne LP-Edition des damaligen SWF (bedauerlicher Weise m. W. mit NH). Es handelt sich dabei nicht um die käuflich am Markt befindliche Einspielung, man kann sie aber für gutes Geld beim SWR erhalten.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Nur Richard Croft kann da (Salzburger Festspiele 2006) sehr gut mithalten. Für mich ist Winbergh neben Croft der Mozarttenor - und ich werde sicher noch einige Aufnahmen besorgen müssen...


    Leider besitze ich z. Zt. nur eine einzige Aufnahme seiner kraftvollen und zugleich lyrischen Stimme:



    Als Ferrando in Mozart's Cosí fan tutte (leider ist die Oper einzeln in den traumhaften L'Oiseau-Lyre-Boxen kaum mehr zu erhalten - aber ich hab' sie).


    Im Gegensatz zu Harald kommt mir Winberghs Nichtmehrexistenz bereits wie eine Ewigkeit vor. :( Wie gerne hätte ich ihn einmal live erlebt...


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

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  • Eigentlich habe ich den Thread-Titel nie so ganz begriffen, bis ich diese CD sah:



    Hier singen die "3 schwedischen Tenöre" die schönsten Lieder ihrer Heimat.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Er wäre heute 70 geworden:



    Winbergh, Gösta, schwedischer Tenor, * 30.12.1943 Stockholm, † 18. März 2002 in Wien.
    Der in seiner Heimatstadt ausgebildete Sänger begann 1971 in Göteborg als Rodolfo und wurde 2 Jahre später Mitglied der Königlichen Oper Stockholm (bis 1980). Ab 1980 Mitglied des Zürcher Opernhauses. Seit Ende der 70er-Jahre ist er ein gesuchter Mozart-Tenor an den internationalen Bühnen. 1981 sang er Lenskij in Rom, Don Ottavio in San Francisco, in London folgte 1982 Titus, in Wien Tamino, in Chicago Ferrando.
    Unter Harnoncourt sang er 1983 in Schwetzingen Mitridate; als Tamino stellte er sich 1984 in Salzburg (dort auch 1987 Don Ottavio unter Karajan), desgleichen 1985 an der Mailänder Scala vor, 1994 sang Winbergh in Zürich (Kaiser). Zu seinem Repertoire gehören auch Lohengrin (1991 Zürich, 2001 Stockholm), Idomeneo (1990 Mailänder Scala, 1991 Wien), Walther von Stolzing (1993 am Londoner Covent Garden, 2000 Amsterdam). 1995 Parsifal in Stockholm sowie 1998 in Berlin an der Deutschen Oper und Hüon in Zürich unter Gardiner.
    Hier gab er 1999 auch sein Tristan-Debüt. 2000 sang er hier erstmals Hermann (sowie 2001 Siegmund).
    1988 wurde Winbergh zum schwedischen Hofsänger ernannt. Für Juni 2002 war seine Ernennung zum Österreichischen Kammersänger vorgesehen gewesen.
    Winbergh starb am 18. März 2002, vermutlich an Herzversagen. Am Tag vor seinem Tod, am 17. März 2002, war er zuletzt an der Wiener Staatsoper aufgetreten.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Das mit dem "mühelos" kann ich nach meinen drei Live-Erlebnissen in der Deutschen Oper Berlin so leider nicht bestätigen, wobei das riesige Haus den Sängern natürlich besonders viel abverlangt, viel mehr als etwa in Bayreuth, und beim Stolzing hinzukam, dass es der dritte Stolzing innerhalb einer Woche war (ich glaube, es war sogar eine der Vorstellungen für die Fernsehaufzeichnung). Es war im Feburar 1995 und der Dirigent war noch der nicht besonders feinfühlig oder sängerfreundlich begleitende Rafael Frühbeck de Burgos. 1998 in der Premierenserie des "Parsifal" war es immerhin Thielemann, der (aus mir schwer verständlichen Gründen) auch Buh's bekam, aber Winbergh bekam als einziger Solist auch einige Buhs.
    Vielleicht ist er doch zu früh ins Wagner-Fach gewechselt?
    In jedem Fall ist sein früher Tod mit nicht mal 60 Jahren, herausgerissen aus einer gut laufenden Karriere, tragisch und nicht nur menschlich, sondern auch künstlerisch ein großer Verlust gewesen. Wie schön, dass es zumindest zahlreiche Audiodokumente aus den unterschiedlichen Stadien seiner Karriere gibt, also sowohl vom Mozart-Sänger, als auch vom Wagner-Sänger Gösta Winbergh.


    Diesen Ottavio zum Beispiel:



    Und auch diesen Ernesto:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ende 1986 wirkte Gösta Winbergh bei einer weiteren Donizetti-Produktion mit:



    Diese Aufnahme wurde von der Deutschen Grammophon recht stiefmütterlich behandelt, zum Beispiel ist nicht zu erkennen, daß Rolando Panerei den Dulcamara singt, Bernd Weikl als Belcore auftritt und Antonella Bandelli die Rolle der Giannetta besetzt.


    Es mag Aufnahmen geben, die prominenter besetzt sind, aber aus dem sehr guten Ensemble ragen Barbara Bonnes und Gösta Winbergh hervor. Winbergh glänzte mit einer jugendlich frischen Stimme und einer nie gekünstelt wirkenden, "natürlich-naiven" Interpretation seiner Rolle.


    Auch im nicht-Opernbereich hinterließ Winbergh Spuren. Der kurzen Tenorpartie der "Faust Sinfonie" von Franz Liszt verlieh er den nötigen Glanz und die nötige Würde und trug seinen Teil dazu bei, daß die Aufnahme mit Riccardo Muti eine meiner liebsten des Werkes wurde (nebenbei lernte ich mit dieser Interpretation die viel zu selten zu hörende Sinfonie kennen).


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Gösta Winbergh, der am 30. Dezember 1943 geboren wurde, verstarb am 18. März 2002 allzu früh im Alter von 58 Jahren. Als Erinnerung habe ich diese prachtvolle Aufnahem der Entführung:



    mitgebracht.


    Heute ist sein 13. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    hab vielen Dank, dass Du unermüdlich als Chronist tätig bist.
    Die von Dir genannte Entführung war eine erste Aufnahme dieser Oper und ist daher für mich immer noch prägend.
    Windbergh ist als Belmonte vielleicht nicht ganz so elegant wie Wunderlich, aber dafür äußerst heroisch.


    Herzliche Grüße
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Ich habe sie Gott sei Dank beide, lieber Jörn, Wunderlich unter Jochum mit Böhme als Osmin, sowie Winbergh unter Solti mit Talvela als Osmin, als drittes noch Simoneau unter Beecham mit Gottlob Frick als Osmin, dazu noch zweimal Böhm einmal auf CD, 1973 aus Dresden mit Schreier und Kurt Moll als Osmin, dann auf DVD 1980 aus München mit Araiza und abermals Marti Talvela als Osmin, dazu noch zwei weitere, eine DVD-Produktion aus Köln 1991 mit Blochwitz uund Kurt Rydl als Osmin unter Gelmetti und letztlich eine englische Produktion aus 1999 mit Paul Groves als Belmonte und Peter Rose als Osmin unter Mackerras.
    Ich habe also die Qual der Wahl.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • In dieser Live-Produktion aus der Scala singt Winbergh wunderbar den Pylades. Allerdings, so meine ich jedenfalls, ist diese Einspielung, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Die Nebengeräusche aus dem Publikum nerven; irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Tontechniker unentwegt an den Schiebereglern herumwerken. Leises wird plötzlich lauter, Lauteres wird zurückgedreht. Anders vermag ich als technischer Laie den Höreindruck nicht zu beschreiben.


    :hello: :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Mensch, etwas hat das mit Schweden an sich, dass von dort zwar nicht allzuoft, dafür umso spektakulärere Stars in den Opernhimmel aufsteigen!..


    Theodora hat diesen Thread wirklich mit einem Irrtum eröffnet, auf den ja auch schon vor mir mit anderen Worten verwiesen wurde. Von wegen Winbergh als der dritte große Schwede! Schweden ist unglaublich reich an Sängern, und das seit der Erfindung der Schallplatte. Da darf man nicht nur bis drei zählen. ;) Es gibt schließlich auch noch Set Svanholm, Torsten Ralf oder Einar Beyron, den Vater von Catarina Ligendza. Das sind nur weitere Tenöre. Ich könnte noch mehr nennen. Hinzu kommen auch bedeutende Vertreter bzw. Vertreterinnen der anderen Stimmlagen. Was allein Wagner betrifft, hat Schweden eine große Tradition. Diese Box mit vier CDs ist eine wunderbare Fundgrube, um unseren Blick zu erweitern.



    Doch zurück zu Winbergh. Ich möchte unbedingt auf seinen Bacchus verwiesen haben in dieser Einspielung:



    Es handelt sich - bzw. es soll sich handeln - um die Urfassung der ARIADNE AUF NAXOS von Strauss. Leider wurde im einleitenden "Bürger als Edelmann" textlich und inhaltlich so herumgewirtschaftet, dass von der Idee nicht sehr viel übrig blieb. Von Urfassung kann also nur in Bezug auf die Oper die Rede sein. Das schälert aber nicht die Leistung von Winbergh.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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