Der Ring, der nie gelungen - Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

  • Zitat

    Original von tom
    Bislang hatte ich leider nicht das Vergnügen den Ring in Bayreuth live zu erleben. Ich mußte vorlieb nehmen mit Stefan Mickischs Solo-Klavier-Geprächskonzert-Zyklus, der parallel läuft. Diese Veranstaltungen erfreuen sich seit Jahren einer zunehmenden Beliebtheit. Es handelt sich hier um Transkriptionen der Ringopern, in der Bearbeitung Mickischs, für Klavier, die es im Übrigen als Livemitschnitt auf 8 CD's, gibt. Ich kann das wirklich einschränkungslos empfehlen. Natürlich handelt es sich nicht um eine ernsthafte Alternative zu Solti, Böhm, Karajan, Furtwängler und anderen. Trotzdem erleichtern sie den Zugang zu diesem Mammutwerk ganz entschieden (Loriots Ringeinführung gehört, allerdings als etwas weniger ernsthafte Variante, in eine ähnliche Kategorie). Als Ergänzungsanschaffung halte ich Mickisch daher für sehr geeignet.


    Ich kann diese CDs auch sehr empfehlen. Die Einführungen von dem äußerst sympathischen Stefan Mickisch sind ein Genuss für Kenner und Anfänger gleichermaßen, und ich habe schon zwei Bekannte, die über diese Gesprächskonzert-CDs auf den Geschmack gekommen sind.


    Es handelt sich (teilweise?) um Mickischs eigene Transkriptionen, die spannender sind als jene von Liszt und anderen. Und genial sind Mickischs besprochene Überleitungen zu anderen Komponisten, zum Beispiel (ist jetzt nicht aus dem Ring) wenn er beim Vorspielen von Teilen der Meistersinger-Ouvertüre plötzlich in Bachs Wohltemperiertes Klavier hinübergleitet, u. v. a. m.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Bei der Gelegenheit sei auch auf diese brilliante Aufnahme verwiesen:



    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Kaum zu glauben, aber wahr: EMI legt seinen "Ring" unter Haitink erneut auf. Rheingold und Walküre erscheinen in ein paar Tagen, Siegfried und Götterdämmerung folgen am Monatsende.


    Lohnt sich die Anschaffung ?

  • Zitat

    Original von ulfk179
    Kaum zu glauben, aber wahr: EMI legt seinen "Ring" unter Haitink erneut auf. Rheingold und Walküre erscheinen in ein paar Tagen, Siegfried und Götterdämmerung folgen am Monatsende.


    Lohnt sich die Anschaffung ?


    Meiner Ansicht nach nicht wirklich ; es gibt deutlich besseres, auch im Midpricebereich. Wenn man bestimmte Sänger der Aufführung schätzt, sollte man zulangen, aber die Brünnhilde ist beispielsweise SEHR gewöhnungsbedürftig... Am ehesten würde ich von den Studioaufnahmen immer noch die von Solti eimpfehlen, auch wenn sie ein gutes Stück teurer ist (dafür ist sie auch antiquarisch jederzeit problemlos zu bekommen).

  • Der Solti-Ring dürfte insgesamt sogar etwas billiger sein, wenn man ihn beim Versandhändler mit dem "Merkheft" ersteht (derzeit ca. 100 Euronen).


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

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  • Wie schon wiederholt geschehen: Ich rate von Solti wg. des unsäglich nuschelnden Hotter als Wotan ab - ohne guten Wotan kein Ring! Im unteren oder mittleren Preissegment: 1. Wahl ist Böhm. Immer eine gute Alternative: Janowski.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Zitat

    Immer eine gute Alternative: Janowski.


    Ad Hotter gebe ich Dir völlig recht. Aber Jeannine Altmeyer als Brünnhilde? Ohne Brünni kein "Ring".
    Ein Jammer, daß die Decca die Dohnanyi-Einspielung gestoppt hat. Das hätte es sein können...

    ...

  • Zitat

    Original von Misha ohne guten Wotan kein Ring! (...) Immer eine gute Alternative: Janowski.


    Hmmm, nach diesem Diktum müsste dann aber auch der Janowski-Ring (so gut er in Teilen ist, z.B. 1. Akt Walküre) ausscheiden wegen des unsäglich röhrenden Adam (bei Böhm ist er gerade noch erträglich) und der als Wunschmaid stimmlich strapazierten und interpretatorisch überforderten J. Altmeyer (ohne gute Brünnhilde eben auch kein Ring!). Solti ist ein bißchen zu markig und al fresco, ein Cinemascope- und Technicolor-Ring, der für die meisten Gelegenheits-Wagnerianer und Hifi-Freunde genügen dürfte.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von Misha
    Wie schon wiederholt geschehen: Ich rate von Solti wg. des unsäglich nuschelnden Hotter als Wotan ab - ohne guten Wotan kein Ring! .


    "Nuscheln" würde ich das nicht nennen; die Stimme ist (in der Walküre) ziemlich am Ende, der Text aber doch noch gut verständlich. D.h. ich glaube, ich weiß, was Du meinst, weiß auch kein besseres Wort, aber nuscheln ist bei mir was anderes.


    Böhms Ring habe ich schon für ca. EUR 50 gesehen, vermutlich der beste Deal


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Edwin,


    mit den zwei erschienenen Teilen des Dohnanyi-Ringes bin ich nie so richtig warm geworden. Hervorragernd das fein-kammermusikalische Orchesterspiel der Clevelander, das aber auch etwas zu sehr nach Studio klingt. Die Dramatik fehlt ein wenig (harmloser, aber gut gesungener Loge, elektronisch verfremdete "Ping"-Ambosse), die Tempi eher auf der langsamen Seite. Die Sänger teilweise gut, aber oftmals nur passabel. Man hätte Hale oder Schnaut besser ein paar Jahre früher auf Silberscheiben bannen sollen. So muß man mit einigen nicht geringen stimmlichen Unzulänglichkeiten leben. Wen hätte Dohnanyi wohl als Siegfried akzeptiert? Nochmal Jerusalem, den damaligen "Siggie vom Dienst"? So gesehen, neben den miesen Verkaufszahlen, ein weiterer Grund, diesen "Ring" nicht zuende zu schmieden.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

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  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    "Nuscheln" würde ich das nicht nennen; die Stimme ist (in der Walküre) ziemlich am Ende, der Text aber doch noch gut verständlich. D.h. ich glaube, ich weiß, was Du meinst, weiß auch kein besseres Wort, aber nuscheln ist bei mir was anderes.


    Die Engländer haben dafür das Wort "wobble" (als Verb und Substantiv), was man hier gutwagnerisch mit "wabernd" übersetzen könnte. Neben dem "wobble" kommt bei Hotter in dieser Zeit noch eine sehr gaumig-nasale Tongebung hinzu, so dass sich die Wort teilweise wie in Watte gepackt anhören. Eine Folge seiner Heuschnupfenerkrankung und des daraus resultierenden Asthmas.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo Giselher!
    Dennoch finde ich die beiden existierenden Teile des Dohnanyi-"Rings" überragend, wenn es um Einspielungen im nicht historischen Sektor geht. Schnaut ist immer noch besser als viele andere, die entweder zu leicht oder zu ausgesungen (oder beides) sind, Hale ist mir persönlich wesentlich lieber als Hotter oder Morris - aber das ist eine persönliche Geschmackssache.
    Siegfried wäre wahrscheinlich Ben Heppner gewesen - IMO also gar nicht so übel. Was, wenn man die Gesamtleistung nimmt, für mich die erhältlichen "Ringe" des nicht historischen Sektors in den Schatten stellt. Zumal auch die dirigentische Leistung durch den klaren, präzisen Klang und den Mut zu großräumigen Entwicklungen mir durchaus gefällt.
    LG

    ...

  • Meine Empfehlung in Sachen Solti habe ich ja explizit auf Studio-Einspielungen beschränkt... Das Problem mit Hotter ist mir durchaus bewußt ; seine gesundheitlichen Probleme waren allgemein bekannt (er hatte in München mal während einer Meistersinger-Aufführung einen schweren Zusammenbruch, der sich auch auf die Stimme auswirkte) und er spricht sie auch offen in seiner Autobiographie an. Um seine Bedeutung wirklich kennenzulernen, muß man schon auf die Aufnahmen vor 1945 zurückgehen. Der überzeugendste Wotan, der mir im Studio begegnet ist, ist mit Sicherheit George London : seine Londoner "Walküre" unter Leinsdorf stand immer als Einzelstück etwas im Schatten, stellt aber in meinen Augen ein Highlight der Diskographie dar. Wenn ich aus dem Gesamtbereich der Aufnahmen meinen Favoriten benenne, so greife ich (auch wenn ich ausgemachter Knappertsbusch-Liebhaber bin) als erstes immer zu Rudolf Kempes Bayreuther Mitschnitt von 1960: Wotan ist mit Uhde und Hines sehr überzeugend, Birgit Nilsson auf dem ersten Höhepunkt ihrer Karriere, Hopf aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg mein Lieblings-Siegfried, Frick eine Klasse für sich. Lediglich Windgassen hat beim Siegmund einen rabenschwarzen Abend erwischt...

  • Hat jmd der geschätzten Foristi das Interview im Spiegel mit Dorst über seine Neuinszenierung gelesen und vermag darüber zu berichten?
    Der Ausschnitt aus dem Opernglas Interview ist recht nichtssagend "https://www.opernglas.de/aktheft/interview/intw_02_frame.html".

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Nee, leider nicht! Eine Recherche bei Spiegel-online ergab zu meinem Erschrecken, daß die Artikel inzwischen - vor einigen Jahren war das noch anders - kostenpflichtig sind (EUR 3,40).


    :(

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  • Hallo Leute,
    wer von euch hat von den diejährigen Bayreuther Festspielen die Übertragungen des "Rheingold und der "Walküre" gehört und schreibt seine Meinung ?


    Gruß Heldenbariton, der bis auf einiges negative in Sachen Gesang positiv überrascht war.

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Hallo Forianer,


    bis in die heutige Zeit gibt es jetzt schon sehr viele "Ring"-Gesamteinspielungen, aber durchsetzen konnten sich nur diese:


    1. Der Solti-Ring




    2. Der Böhm-Ring




    3. Der Karajan-Ring




    4. Der Janowski-Ring




    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo Forianer,


    ich kann mich den Lobpreisungen der Stereo-Veröffentlichungen der "Ring"-Einspielungen unter Keilberth nicht anschließen.


    Klangtechnisch und vokal konnten mich diese Aufnahmen nicht überzeugen:







    Herzliche Grüße
    von LT :hello:


  • Könntest Du das etwas näher ausführen?

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Hallo Misha,


    die beiden Aufnahmen klingen irgendwie pseudo-stereo: dumpf, eindimensional...


    Varnay und Vinay sind überhaupt nicht mein Fall!




    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

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  • Man soll ja nicht über Platten reden, die man nicht kennt, aber es scheint mir sehr unwahrscheinlich, daß 1955 aus Bayreuth ein Stereo-Mitschnitt gekommen sein soll. Der '58er bei Melodram unter Knappertsbusch ist jedenfalls gutes Mono (die 57er GD aus BT auch). Habe die Techniker da etwa ein rechanneled stereo raus gebastelt? Fürchterlich! :no: :motz:
    Wie sieht denn die Besetzung unter Keilberth jenseits von Varnay und Windgassen aus? Astrid Varnay ist für mich die Inkarnation der Brünnhilde, eher noch als Flagstad oder Nielson.


    Beste Grüße vom Thomas

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo,


    da es sich bei den "Testament"-Aufnahmen von 1955 ("Ring", "Holländer") nachgewiesenermaßen nicht um normale MONO-Radiomitschnitte handelt, sondern um genuine STEREO-Aufnahmen eines DECCA-Produktionsteams (siehe dazu nur die Ausführungen John Culshaws in "Ring Resounding"), sind alle Spekulationen um eine angebliche nachträgliche Stereophonisierung grundlos. Ich habe die Aufnahmen zwar (noch) nicht, da sie mir preislich überhöht erscheinen und ich auf eine preiswertere "Ring"-Box hoffe, aber bislang habe ich fast nur sehr Positives über die klanglichen Qualitäten der Aufnahmen gehört. Sicher sollte man keine Wunder erwarten, aber besser und "farbtreuer" als die normalen MONO-Mitschnitte sollten sie doch allemal sein.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo Forianer,


    ich habe nicht nur die Klangtechnik kritisiert, sondern auch die vokalen Leistungen einiger Sänger: Varnay und Vinay.


    Diese Aufnahmen eignen sich eher für Wagner-Enthusiasten, aber nicht für Aufnahmen mit Referenzcharakter, wie ich 4 weiter oben genannte Gesamteinspielungen empfohlen habe.


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Die Decca hat ab Mitte der 50er-Jahre mit Stereo experimentiert - offenbar gerade bei Wagner, weil es hier wohl das größte Klangvolumen auszubalancieren galt.
    Dabei war man möglicherweise wenig wählerisch, was die Aufführungen anlangt, wie ich es einschätze, ging es eher um das Sammeln von Erfahrungen.
    So ist auch der "Götterdämmerung"-Mitschnitt von 1955 aus Oslo zu erklären - Stereo, aber eine an Lächerlichkeit grenzende Aufführung: Kirsten Flagstad schreit sich die Seele aus dem Leib und produziert falsche Töne am laufenden Band, Egil Nordjö grölt (anders kann man's nicht nennen) den Hagen, dazu kommt zwei Orchester (weil es damals in Oslo keines gab, das für einen "Ring" groß genug gewesen wäre), die so falsch spielen, wie ich es auf keiner anderen Wagner-Aufnahme je wieder gehört habe. Und Öivin Fjeldstad dirigiert, als würde er sich nicht ansatzweise für das Stück interessieren. Lediglich Set Svanholm (obwohl nicht in Hochform) und Ingrid Bjoner (Gutrune, 3. Norn) sind Balsam für das geschundene Zwerch-, äh: Trommelfell...
    :hello:

    ...

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  • Ich bin bestimmt kein blinder (taub würde es ja besser treffen :D) Karajan-Verehrer, manches Dirigat von Ihm gehört jedoch zu den Sternstunden der Schallplattengeschichte, für meinen Geschmack zählt der Ring dazu, insbesondere die Walküre (seine Götterdämmerung kenne ich noch nicht gut genug.) Die Orchesterleistung wurde in diesem Thread ja auch schon gewürdigt. Der Auftritt von Hunding sei z.B. genannt, das ist Psychothriller pur, nix Schönklang-Karajan. Den gibt es dann während Wotans Abschied, die Streicher und das Englisch-Horn solo lassen mich flennen, wie ein Kind. Das ist wirklich großartig musiziert.


    Die Sängerauswahl ist dagegen ein bisschen wie kalt-warmes Wechselduschen. Was Ihn zu vielen Sängerbesetzungen bewogen haben mag, wird er wohl mit ins Grab genommen haben.
    Das Rheingold bereitet mir noch die geringsten Bauchschmerzen (abgesehen davon, dass ich hier am ehesten mit einem Fehlschlag leben könnte :pfeif: ), ist Talvela doch als liebeskrankes Sensibelchen mit Schuhgröße 80 eine Sternstunde der Schallplattengeschichte.
    Stolze als sängerisches Kuriosum ist nicht Loge, sondern Loge ist einfach Stolze. Fischer-Dieskau gehen sowohl Temperament, als auch Timbre wie auch stimmliche Ausstattung für den Wotan ab. Problematische Eigenarten, wie seine Neigung zum stößigen, abrupten Tonansatz , wenn plötzlich viel Stimmpower gefragt ist, treten aufs unvorteilhafteste hervor. Es spielt zwar ganz gut den überheblichen Vorgesetzten, wirkt aber halt eher wie ein Studienrat und nicht, wie ein Gott. Es kann mir doch wirklich keiner erzählen, dass es zu der Zeit (früher war doch alles besser ?) keinen halbwegs erträglichen Heldenbariton gegeben hat ?


    Die Walküre, insbesondere der erste Akt gerät dann aber sängerisch brillant. Erinnert mich die Janowitz immer eher ein wenig mehr an Elsa, wie an Sieglinde, ist das Ganze doch zwischen Figurenzeichnung und physischen Grenzen stimmig. Vickers ist einfach göttlich,
    mancher Probenanekdote nach ja eh zum Schützer der Frau vor bösen Authoritäten prädestiniert. Stimmlich eindrucksvoll, wie er den breiten karajanschen Bögen im Finale 1. Akt mühelos folgt. Und Talvela, dessen stimmliches, weiches naturell mir nicht unbedingt ideal für Bösewichte erscheint, steigert sich in einem eindrucksvollen Wutanfall in der Hundingszene.
    Und was für einen Wotan gibt Thomas Steward. Stimmlich nicht mit London und Hotter zu messen, aber was für ein einfühlsamer Sängerdarsteller (vergleiche auch den Amfortas unter Boulez!). Nun, zum Ring gehört auch der Fluch, hier aufgenommen in Gestalt von Règine Crespin. Das Timbre mag noch Geschmackssache sein, rückt für mich die Brünnhilde jedoch zu nahe ans Rentenalter heran. Nur habe ich den Eindruck, dass es durch die stimmliche Überforderung noch harscher und strähniger klingt. Ganz böse ist das Anschleifen hinauf zu den hohen Tönen, da rollts mir die Fußnägel auf.


    Sängerisch so richtig übel wird’s dann allerdings im Siegfried. Jess Thomas singt extrem kurzatmig, irgendwie ist der Tonansatz immer so, als wenn er erst einen Mühlstein vom Brustkorb wegstemmen müsste, bevor überhaupt etwas kommt. Als Darsteller ist er auch keine Offenbarung, vom Timbre irgendwie nölig (auch als Lohengrin unter Kempe ist er für mich eher das trockene Brot, das dem hungernden Publikum mundete, aber da ist er zumindest wesentlich besser), alles wirkt so dahingesungen. Da Steward als Wanderer und Stolze als Mime Ihn sowohl in gesanglicher wie auch in darstellerischer Sicht klar in den Schatten stellen und es gemäß dem Libretto inhaltlich genau umgekehrt ist, resultiert eher eine Komödie und weniger ein Drama. Karajans Dirigat rettet viel.


    Bin auf die Götterdämmerung gespannt, über Billroth habe ich einiges Gute gelesen.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Bin auf die Götterdämmerung gespannt, über Billroth habe ich einiges Gute gelesen.


    Helge Brilioth!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus


    Helge Brilioth!


    Paul würde da wohl gern Brilliant draus machen :D
    (und auf eine Reihe von Liedbearbeitungen eines Ungläubigen hinweisen :stumm: )


    :hello:

    Viva la libertà!

  • Hallo,
    seit geraumer Zeit kann ich endlich auch mitreden.... :yes:
    Ich hab mir ganz vorsichtig über einige DVD-Ring-Kollektionen an das Thema rangemacht (Levine, Boulez, Kupfer (Barcelona)) und bin so auf den Geschmack gekommen, auch mal etwas genauer zu vergleichen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich als Bassposaunist den Blechpassagen sehr zugetan bin.
    An Gesamteinspielungen habe ich jetzt auszugsweise vergleichen können:
    Böhm, Solti, Barenboim (von dem hab ich hier noch nicht viel gelesen) und Furtwängler.
    Man möge es mir verzeihen, aber an erster Stelle steht für mich der klangliche Gesamteindruck: Wo hört man die Sänger, wie fein ist das Orchester zu hören, Nebengeräusche...
    Man braucht daraus sicher keine Lebensaufgabe zu machen um festzustellen, dass trotz der sicherlich unbestrittenen Leistung von Furtwängler, die Ringaufnahem schlichtweg eine klangliche Katastrophe ist.
    Weiterhin muss ich mich vielen Vorschreibern anschließen und Böhm und Solti als meine bisherigen Favoriten hervorheben. Im Preis-Leistungs-Vergleich gewinnt Böhm eindeutig.
    Mich würden hier die Meinungen des Barenboim Bayreuth-Rings mal interessieren, zu dem es nun auch eine vollständige Kupfer-DVD-Kollektion gibt (noch nicht als Set; 30 Euro pro Oper bisschen teuer).


    Bei farao-classics habe ich jetzt eine neuere Einspielung der Walküre gefunden: Zubin Mehta; Live-Aufnahme von den Müchner Opernfestspielen mit dem Bayerischen Staatsorchester. Diese Aufnahme gibt es auch als audiophile DVD-Audio-Variante im Moment für 10 Euro bei jpc (ich hoffe dass es kein Druckfehler ist, denn bei farao kostet sie 42 Euro). Unb beim ersten Reinhören bei einem Bekannten war ich sehr positiv über die brilliante Klangqualität überrascht. Auch hierzu würden mich eure Meinungen interessieren.
    Grüße
    Sven

    Tuba mirum spargens sonum....

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