Der Ring, der nie gelungen - Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

  • by the way...
    beim Stöbern bei jpc ist mir gerade eine neue "Gesamtaufnahme" als SACD-Kollektion ins Auge gefallen. Vier einzelne Opern; preislich zwischen 26,99 und 32,99 Euro. Folgende Infos konnte ich entlocken:


    Bsp. Das Rheingold
    Albert Domen, Michaela Kaune, Doris Soffel, Anne Gjevang,
    Martin Homrich, Werner van Mechelen, Graham Clark, Geert Smits,
    Nederlands Philharmonisch Orkest, Hartmut Haenchen
    Sound:stereo & multichannel (Hybrid)


    Kennt jemand schon diese Aufnahme und ihre Qualität? Ist wohl erst seit letzter Woche auf dem Markt.
    :hello:
    lg Sven

    Tuba mirum spargens sonum....

  • Hallo Sven.


    als "Nur-CD" ist der Bayreuther Mitschnitt unter Barenboim m.E. nicht konkurrenzfähig. Barenboim versucht, im Gegensatz etwa zu Boulez oder auch zu Böhm, den traditionellen, "deutschen" Interpretationsansatz zu rekonstruieren, was ihm aber dadurch misslingt, dass er, im Gegensatz zum Vorbild Furtwängler, die dafür notwendigen großen Spannungsbögen nicht halten kann und viele Tempi daher eher willkürlich als organisch entwickelt erscheinen. Es bleiben dann viele nebeneinander stehende, schön musizierte Einzelheiten ohne übergreifenden Zusammenhang. Außerdem ist die gesangliche Besetzung eher mittelprächtig und bereitet keine akustischen Freuden. Einen Sängerdarsteller wie John Tomlinson bspw. muss man auf der Bühne sehen, weil er dort seine stimmlichen Schwierigkeiten wenigstens teilweise durch grandioses Spiel wieder auszugleichen versteht. Also wenn es Barenboim sein soll, dann nur auf DVD!


    Die mangelnde optische Ebene ist auch das Problem der farao-"Walküre". Tomlinson ist da stimmlich m.E. unter akzeptablem Niveau, sosehr er auch interpretatorisch zu glänzen vermag. Der Abschied im 3. Akt ist für mich einfch unzumutbar aufgrund der brüchigen, nicht einmal durch heftigstes Stemmen erreichten Spitzentöne. Seiffert und Meier sind beide recht gut, auch wenn Meier m.E. interpretatorisch manchmal etwas zuviel des Guten tut und überagiert. Fujimura gesanglich sehr schön, allerdngs etwas blass. Mehta dirigiert einen soliden, etwas pauschal aufgeregten Wagner. Die Anschaffung lohnt sich m.E. nur, wenn man eine gute Surround-Anlage hat (DVD-Audio).



    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Ich möchte an dieser Stell mal eine Lanze für eine Niedrigpreisaufnahme brechen, die auch in meiner Sammlung - eher zufällig hineingeraten - ein Schattendasein fristete: Den Swarowsky Ring von 1968. Immer unter 20 €, als "Schnäppchen" aber auch für 10 € oder weniger zu haben ist diese Aufnahme IMO ein echter Geheimtip.
    Zum Dirigat: Swarowsky war wohl mehr als Lehrer denn als Dirigent in Konzert oder gar Oper bekannt und hochgeschätzt. In dieser unter ungünstigen Umständen und unter Zeitdruck entstandenen Aufnahme zeigt er, daß, hätte er mehr Gelegenheit gehabt, aus ihm auch ein bedeutender Wagner Dirigent hätte werden können. Einzelheiten gelingen ihm hervorragend (zB Ende RG, Vorspiel Walküre, Feuerzauber). Was fehlt sind die großen "Spannungsbögen". Da hat man bei einer Generalpause doch manchmal das Gefühl, das jetzt Schluß, die Oper zu Ende ist. Das Orchester spielt idR gut, allerdings ist die Balance zwischen Bläsern und Streichern manchmal kurios, hört sich oft an, als ob da jmd. noch an den Reglern gedreht hat.
    Die Besetzung ist sehr gut.
    Über McKee, der Siegmund und Siegfried singt, mag man meckern. Klar, er wechselt (manchmal denkt man, ein anderer Sänger singt) zwischen Forte und Piano extrem Stimmproduktion und -farbe. Vieles ist nicht ausdrucksvoll gesungen. Am Ende I/Siegfried kann man ihn kaum von Mime (exzellent Herold Kraus) unterscheiden. Erstaunlich gut ist er aber am Ende I/3 Walküre und in der Todesverkündigung.
    Nadezda Kniplova als Brünnhilde ist eine Entdeckung. Läßt man mal Birgit N. außer acht, die in ihrer eigenen Liga spielte (und deren Stimmfarbe auch Geschmackssache ist!), kenne ich keine Brünnhilde der jüngeren Diskographie, die ihr gleich käme.
    Highlight der Aufnahme und Anlaß für diesen Beitrag aber ist Rolf Polke als Wotan/Wanderer. Polke, lt. Booklet lange eine Stütze der Oper Graz, ist IMO der beste Wotan auf Konserve seit Beginn der Studioproduktion (London, dessen Fan ich bin, will ich hier mal außen vorlassen). Er ähnelt vom Stimmtyp eher Hotter, ist diesem aber (Solti) weit!! Überlegen. Auch Adam, den ich als Interpreten schätze, der aber doch vokale Mängel hat, ist unter Böhm (geschweige Janowski) nicht annähernd so gut wie Polke von Morris oder Hale ganz zu schweigen.
    Hier verbinden sich Wohlklang (!), Gestaltung und Technik endlich mal zu einer zufriedenstellenden Synthese.
    Ganz herausragend ist die Wortverständlichkeit der Sänger. IMO braucht auch ein Ring Novize nicht ständig im Libretto mitzulesen. Was nützen mir - gerade bei Wagner - Produzenten exzellenter Spitzentöne, wenn es sich dabei um vokalen Mulch handelt?


    Letztlich: Wer kann mir einen Opernchef weltweit (Wolfgang Wagner inklusive) nennen, der nicht, sagen wir in den letzten 30 Jahren, seinem Schöpfer auf Knien gedankt hätte, hätte er seinen hauseigenen Ring homogen auf diesem Niveau besetzen können?
    Fazit:
    Sollte in keiner Sammlung fehlen und ist IMO gerade für "Einsteiger", die nicht aus snobistischen Gründen Solti oder Böhm im Regal haben wollen, erste Wahl.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Hab letztes Wochenende das Rheingold mit Böhm querhören können und bin begeistert. Auch die Tonqualität ist hervorragend und die Störgeräusche gering. Der Böhm-Ring muß her. Auch wenn schon Furtwängler (Scala), Karajan und Boulez (DVD) hier rumstehen.


  • Hallo Sven und Gruß nach Herford,


    ein Freund von mir hat sich das Rheingold in der von Dir genannten Aufnahme gekauft und war sehr enttäuscht. Die Sänger gehen wohl völlig gegenüber dem Orchester unter und der SACD-Klang, na ja.


    Eine Käufer-Meinung bei amazon sagt über den Siegfried das gleiche aus.


    Gruß
    Christian

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  • Zitat

    Original von Sven Kappler



    Bei farao-classics habe ich jetzt eine neuere Einspielung der Walküre gefunden: Zubin Mehta; Live-Aufnahme von den Müchner Opernfestspielen mit dem Bayerischen Staatsorchester. Diese Aufnahme gibt es auch als audiophile DVD-Audio-Variante im Moment für 10 Euro bei jpc (ich hoffe dass es kein Druckfehler ist, denn bei farao kostet sie 42 Euro). Unb beim ersten Reinhören bei einem Bekannten war ich sehr positiv über die brilliante Klangqualität überrascht. Auch hierzu würden mich eure Meinungen interessieren.
    Grüße
    Sven


    Die 10 Euro sind kein Druckfehler. Wie Giselher aber sagt; sicher was für die Surround-Anlage, da aber wie ich finde recht klangschön und mit so etwas wie Live-Atmosphäre (wenn es das aus der Konserve überhaupt gibt). Bin aber selber mangels Zeit noch nicht bis zum Ende durchgedrungen.


    Gruß
    Christian

  • Der Swarowsky-"Ring" gehört für mich zu den Aufnahmen, die ich wirklich nicht empfehlen würde - im Gegenteil: der gehört für mich in die Rubrik "Aufnahmen, die ich nie wieder hören möchte".


    Die Orchesterleistung und das Dirigat lässt sich seriöserweise nicht bewerten. Die Tschechischen Musiker vom Nationaltheater Prag befanden sich im Sommer 1968 zu den Aufnahmesitzungen in Nürnberg, als die Soldaten der Sowjetunion in die Tschechoslowakei einmarschierten. Sowie eine Chance bestand, kehrten die Musiker in ihr Heimatland zurück. Die Lücken wurde mit Einspringern aus Nürnberg geschlossen.


    Viel Glanz kommt da nicht auf, das Blech scheppert...


    Swarowsky wählt verhaltene Tempi, ich finde die Aufnahme spannungsarm, aber, wie gesagt, die Aufnahmebedingungen dürfen da nicht aus dem Auge verloren werden.


    Und die Sänger? Gerald McKee übernimmt sich mit Siegmund und beiden Siegfrieden gewaltig - grauslich, wie der die Partien herunterschlampt. Ditha Sommer (Sieglinde und Gutrune) steht ihm da wenig nach. Eine Freia, der man nie wieder begegnen möchte und ein Riese Fafner, der Töne produziert, die es gar nicht gibt, Rheintöchter und Walküren zum Fürchten...


    Nadezda Kniplova (Brünnhilde) ist zwar stimmstark - aber ihr Akzent steht ihr im Weg und sehr differenziert ist ihr Gesang auch nicht.


    Rolf Kühne (Alberich) bleibt blass und Rolf Polke (Wotan) erreicht bestenfalls solides Niveau. Unter den Sängern noch an bekannten Namen Otto von Rohr, Fritz Uhl, Ruth Hesse und Ursula Boese.


    Das ist eine Aufnahme, die ich Einsteigern auf keinen Fall empfehlen würde - und Sammler dürften ahnen, was sie erwartet.


    Nachsatz: Keilberth oder Krauss gibts mittlerweile auch für kleines Geld...


  • Habe gerade die Walküre und den Siegfried von Keilberth aus der Bücherei ausgeliehen. Ich kann obige Aussagen nicht nachvollziehen... Diese Aufnahmen sind klangtechnisch auf jeden Fall besser als die meisten Live-Aufnahmen aus den 60ern und 70ern, und ganz bestimmt nicht schlechter als beim Böhm-Ring... (dagegen klingt der Knappertsbusch tatsächlich äußerst dumpf). Varnay singt hervorragend, mir ist ihre Stimme und Interpretation lieber als die vielgerühmten von Flagstadt und Nilsson. Varnay ist sicherlich vom Timbre her gewöhnungsbedürftig, doch schon beim zweiten Hören hat man sich an seine stimmliche Potenz gewöhnt. Windgassen singt den Siegmund in der Knappertsbusch-Aufnahme gewiss "lyrischer", gegen Vinay ist er allerdings eine Memme, das "heldenhafte" in seiner Person wird niemals spürbar.
    Störend in der Keilberth-Walküre ist allerdings die Sängerin der Sieglinde. ihre Stimme vibriert mir zu stark.


    Für mich gehören die Keilberth-Aufnahmen zu den besten (und sind auch besser als der Knappertsbusch-Ring trotz fast identischer Besetzung, da unter Keilberth das Orchester viel spielfreudiger agiert, zudem gibts die weitaus bessere Klangqualität), die momentan erhältlich sind.

  • Zitat

    Original von Alviano


    ....Rolf Polke (Wotan) erreicht bestenfalls solides Niveau.......


    Mag ja sein; aber wer ist denn in den gemein hin empfohlenen Standardeinspielungen besser? Adam bei Böhm oder Hotter bei Solti?

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Ich weiß, ich krieg Hiebe: Adam. Zwar nicht in Hochform, aber gegen Hotters Genuschel eine Sensation!
    Außerdem: Wenn man schon diese beiden "Ringe" vergleichen will: Böhm ist mir wesentlich lieber als Solti, der die Musik einfach nicht fließen läßt und bei dem im Studio für meinen Geschmack zu viel getrickst wurde.
    :hello:

    ...

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  • Naja, Hotters nasales Singen und sein Tremolieren sind ja schon hinreichend gerügt worden. Dennoch bleibt er für mich einer der ausdrucksvollsten Gestalter dieser Rolle und das spürt man auch noch im Solti-Ring. (Sehr gut und auch stimmlich deutlicher fitter ist er in dem Wagner Recital zusammen mit Nilsson unter Leopold Ludwig).


    Dennoch muß man halt in der Stereo-Ära bei allen Interpreten deutliche Abstriche mache. Adam und Hotter überzeugen eher durch darstellerische Eloquenz denn durch sängerische Tugenden, Thomas Steward gleichfalls.
    George London hatte aus meiner Sicht die idealen stimmliche Voraussetzungen für die Rolle, aber leider war Ihm nicht die Zeit vergönnt, die er für eine wirklich großartige Gestaltung der Rolle gebraucht hätte. Später siehts dann noch düsterer aus. Tomlinson ist auf der Bühne durchaus überzeugend gewesen, die Platte kann man sich schenken. Und James Morris hatte in Levine immerhin den idealen Partner, wenn es darum ging, am Text vorbeizumusizieren. Terfel hatte seine Stärken immer eher als lyrischer Bariton, konnte mich auch nicht überzeugen und tut seiner Stimme mit dieser Rolle nicht wirklich einen Gefallen.


    Ich warte mit Spannung auf René Papes Wotan, befürchte aber, dass die unbequeme Tessitura der Partitur seine Reserven übersteigen wird. Wir werden sehen.


    Gruß
    Sascha

  • Hallo Wagnerianer,
    wer kennt die Aufnahme?


    CDs > Klassik Wagner, Richard
    DER RING DES NIBELUNGEN
    Gesamtaufnahme in Deutsch. Die berühmte Furtwängler-Aufnahme an der Mailänder Scala. Mit Kirsten Flagstad, Ferdinand Frantz, Ludwig Weber, Set Svanholm, Max Lorenz u.a. Orchester der Mailänder Scala/Wilhelm Furtwängler. Liveaufnahme 1950. Mit Booklet. ADD/Mono. FNM. 12 CDs 12,99 €. Nr. 600110.


    Derzeit bei 2001 im Angebot.

    Freundliche Grüße Siegfried



  • in einer schwarzen Pappbox mit einem Blitz vorne drauf?
    Gibts immer wieder mal bei 2001. Kauf sie dir. Ist super. Die Tonqualität ist auch recht gut und es gibt im Booklet sogar einen kurzen Text zu der Aufnahme.

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard



    in einer schwarzen Pappbox mit einem Blitz vorne drauf?
    Gibts immer wieder mal bei 2001. Kauf sie dir. Ist super. Die Tonqualität ist auch recht gut und es gibt im Booklet sogar einen kurzen Text zu der Aufnahme.


    um 12,99 ist natürlich nichts verhackt, und legendär ist der furtwängler-scala-ring ja sowieso. aber "recht gute" tonqualität? finde ich nicht unbedingt. ich kenne von diesem ring nur diese eine aufnahme, kann also zum vergleich mit anderen labels nichts sagen, aber hier ist die tonqualität echt nicht gut (und ich habe nichts gegen historische aufnahmen).
    vielleicht kennt jemand mehrere versionen und kann sie hier vergleichen?


    greetings, uhlmann

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  • Zitat

    Original von Blackadder
    Liebe XXL-Opernfreunde,
    was ist denn von Wapnewskis Einführung zu halten? Kennt die jemand?


    Sehr empfehlenswert; IMO der ideale Einstieg in den Ring, da üblichen Opernführern weit überlegen.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Wapnewski erklärt in seinem Buch den "Ring" an vielen Textbeispielen und zeigt Zusammenhänge auch von Oper zu Oper in der Tetralogie auf.


    Um über ein Buch herauszufinden, ob der "Ring" überhaupt was für einen ist, empfehle ich trotzdem eher das bei Reclam erschienene Bändchen von Dahlhaus "Richard Wagners` Musikdramen".

  • Hallo Blackadder,


    das Wapnewski-Buch ist großartig als Einführung in den Ring. Er klappert nach einer ausführlichen Einleitung szenenweise den Ring ab, mixt seinen eigenen Text geschickt mit dem zitierten Libretto, erläutert manches, begeistert für vieles.
    Richtig viel Spaß macht folgendes: Erst ein Kapitel = eine Szene im Wapnewski lesen, dann die entsprechende CD mit Libretto zeitnah hören.


    Zitat

    S.Kirch schrieb:
    Um über ein Buch herauszufinden, ob der "Ring" überhaupt was für einen ist, empfehle ich trotzdem eher das bei Reclam erschienene Bändchen von Dahlhaus "Richard Wagners` Musikdramen".



    Auf mich wirken die Bücher interessanterweise ganz anders. Klar, Dahlhaus ist großartig, aber um zu sehen, ob der Ring überhaupt etwas für einen ist, würde ich immer Wapnewski empfehlen, da doch systematischer und etwas weniger tiefgehend bei der Analyse. Dahlhaus ist dann die unverzichtbare Vertiefung.


    Gruß
    Sascha

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  • Hallo Schwarzer Addierer


    Gerade du darfst in Sachen Ring keinesfalls folgende Quelle auslassen:


    LORIOT erzählt Wagners "Ring des Nibelungen"


    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Ich fand Loriots Ringquerschnitt teilweise dann doch etwas gequält-witzig. Aber ich könnte ihn mal wieder aus der Bibliozthek ausleihen.


    Zu Wapnewski wäre noch zu sagen, daß er ein berühmter Germanist ("ältere deutsche Literaturwissenschaft/Medävistik") ist. Es gibt da eine handvoll Germanisten, die in den letzten Jahrzehnten interessanteres zu Wagner geschrieben haben als die versammelte Musikwissenschaft.

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Es gibt da eine handvoll Germanisten, die in den letzten Jahrzehnten interessanteres zu Wagner geschrieben haben als die versammelte Musikwissenschaft.


    Dieser Diagnose kann ich nur zum Teil beipflichten. Dass sehr viele Nicht-Musiker und Nicht-Musikwissenschaftler (neben den Literaturwissenschaftlern u.a. Historiker und Verfasser belletristischer Werke) über Wagner geschrieben haben, liegt vor allem daran, dass Wagner eben nicht nur als Musiker überaus interessant ist, sondern auch als Dichter/Schriftsteller und überhaupt als zentrale Figur im Spinnennetz der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Bei den Germanisten ist neben Peter Wapnewski vor allem Dieter Borchmeyer aus Heidelberg zu nennen, sehr aktiv in den letzten zwanzig Jahren war auch der Politikwissenschaftler Udo Bermbach.


    Vielen von ihnen sind in der Tat wichtige Erkenntnisse über Wagner zu verdanken, die allerdings eines gemeinsam haben: dass sie sich mit der MUSIK Wagners (wenn überhaupt) fast immer ziemlich deskriptiv und wenig analytisch beschäftigen.


    In Bezug auf ein vertieftes Verständnis der Musik (und der musikdramatischen Konzeption) Wagners sind vor allem die schon erwähnten Schriften des Musikwissenschaftlers Carl Dahlhaus zu nennen. Hinzu kommen zahlreiche Detailstudien (exemplarisch sei nur die sicherlich sehr komplexe Studie von Hans Joachim Bauer über "Parsifal" von 1977 genannt), die sich natürlich auch auf die nach wie vor wichtigen älteren Arbeiten der Musikwissenschaftler Guido Adler und (des nicht unproblematischen) Alfred Lorenz stützen können.


    Wenn man "der Musikwissenschaft" in diesem Bereich etwas vorwerfen kann, dann allenfalls, dass sie sich kaum um die Vermittlung ihrer Erkenntnisse an ein breiteres Publikum bemüht hat.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo nochmals,


    ist das eine Alternative zu obiger Aufnahme?


    CDs > Klassik Wagner, Richard
    DER RING DES NIBELUNGEN
    Gesamtaufnahme in Deutsch. "Eine schiere Sensation. Wir erleben reihenweise Sternstunden des Wagner-Gesangs" (Audio). "Welcher Abstand zum heutigen Kehlengemetzel!" (Kultur-Spiegel). Mit Astrid Varnay, Hans Hotter, Wolfgang Windgassen, Ludwig Suthaus u.a. Chor & Orchester der Bayreuther Festspiele/Hans Knappertsbusch. Liveaufnahme Bayreuther Festspiele 1956. Digitales MP3-Mastering. AAD/Mono. Cantus Classics. 2006. 2 MP3-CDs 14,99 €. Nr. 604880.


    Ebenfalls im 2001er Angebot.

    Freundliche Grüße Siegfried

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  • Die Knappertsbusch-Aufnahme ist eine hervorragende Alternative! Der 56er-Ring ist m.E. Knappertsbuschs ausgewogenstes Ring-Dirigat (bei diesem Dirigenten konnten die Unterschiede ja erheblich sein!). Alle Sänger waren in Top-Form, das gilt hier v.a., für Hotter, der im Ring unter Krauss ab 3. Walküre-Akt doch merklich abbaut. Hier singt er im 2. Walküre-Akt vielleicht etwas weniger ausdrucksvoll, dafür ist er bis 3. Akt Siegfried recht frisch bei Stimme.


    Die Klangqualität ist eher besser als in den übrigen Mitschnitten der 50er Jahre, wobei Orfeo ja die Origibalbänder des Bayerischen Rundfunks veröffentlicht hat.


    Ich würde Furtwängler UND Knappertsbusch nehmen, wenn's ein Bayreuth-Mitschnitt seinsoll, wäre Knappertsbusch 56 wohl die "vernünftigste" Entscheidung.


    Gruß aus Lübeck
    Dieter

  • Hallo Siegfried,


    ich habe auch gerade die Walküre aus dem Scala-Furtwängler-Ring "in Arbeit" und bin schwer begeistert, alleine dafür würde sich der Kauf lohnen. Nicht durchweg tadellose, aber teils ungemein interessante Sänger und ein großartiges Dirigat von Furtwängler. Allerdings scheint es ein kalter Frühling anno März 1950 gewesen zu sein, so wie sich das Mailänder Publikum durch die Akte hustet :D


    :hello:
    Sascha

  • Der Knappertsbusch-Ring von 1956 ist keineswegs der beste! Man höre nur mal den Keilberth-Siegfried von 1955!!
    Wenn du schon von der meines Erachtens nicht besonders tollen Leistung von Knappertsbusch schwärmst, dann wirds dich beim Hören des Orchesters unter Keilberth (1955) vom Hocker reissen!

  • Habe mir an den letzten Wochenenden aktweise die Walküre des vielgerühmten Stuttgarter Ringes zu Gemüte geführt:



    Staubis sollten mit dieser DVD nicht unnötig Ihre Nerven belasten. Regisseur Christoph Nel verlegt den Ring ins zeitgenössische Unterschichtmilieu, der Wotan hat mich dann auch irgendwie an Kurt Beck erinnert. :D
    Herauszuheben ist klar die Sieglinde von Angela Denoke, eine überragende Leistung, nicht nur innerhalb dieser Produktion. Sie singt mit voluminöser, warm timbrierter und perfekt sitzender Stimme derart facettenreich, dass es eine Freude ist. Dazu kommt ein ungemein ausdrucksstarkes Spiel und die Bewegungsbegabung einer Profitänzerin.


    :jubel:


    Die braucht sie auch, denn im ersten Akt rückt Nel in seiner Personenregie einiges an animalischen Trieben in den Vordergrund. Mit Robert Gambill hat sie einen darstellerisch hinreichend starken Partner, der von seiner Physis wie die Faust aufs Auge in diese Inszenierung passt. Vokal kann er der Rolle deutlich weniger gerecht werden, da sein schallkräftiges, aber merkwürdig blechernes Organ im Laufe der Partie doch klanglich sehr abstumpft. Seiner reichlichen Mimik merkt man auch durchaus an, das und wann er gerne subtil singen will, aber leider hört man das nicht. Dennoch, zusammen mit dem ordentlichen Hunding von Attila Jun ist der erste Akt für mich klar das Highlight der Produktion. Die Hunding-Szene ist spannender, als jeder Samstag-Abend-Krimi, und Sieglinde im transparenten Nachthemd mit dem projizierten Schwert auf dem Körper ist sicher eines der eindrucksvollsten Bilder der Aufführung, lebt vor allem auch vom fantastisch gesungenen "Der Männer Sippe saß hier im Saal".
    Alles passt da für mich stimmig zusammen. Wie Siegmund Notung entdeckt, als er "zufällig" im passenden Moment in den Projektorstrahl kommt, ist ein nettes Detail. Die "Winterstürme" mit den wehenden weißen Vorhängen in den aufspringenden Türen ein schönes Beispiel, wie man auch mit puristischen Effekten eindrucksvolle Bilder schaffen kann. Die "Armdrückszene" zwischen Hunding und Siegmund hat mich anfangs etwas befremdet, wirkte irgendwie platt, illustriert andererseits trefflich die Schwäche Siegmunds, als er seinen Namen nennen soll. Mittlerweile hab ich mich mit der Szene angefreundet, ist sie doch in der Übertragung nur konsequent.


    Der zweite Akt fällt dagegen aus meiner Sicht doch ab. Vokal repräsentiert das unterste Ende der Scala Renate Behle als Brünnhilde, die ist stimmlich einfach hoffnungslos überfordert. Zunehmend schrill und ungenau im Ton, kann sie hohe Töne bestenfalls von unten her anschleifen, wenn Sie diese denn überhaupt erreicht. Das Hojothoho garantiert einem, abends bei offenem Fenster genossen , den Besuch diverser streunender Haustiere. Weiterhin hat sie die Eigenart, bei gesanglicher Anstrengung (also eigentlich immer) das Gesicht zu einer grotesken Grimasse zu verziehen, was Ihr ohnehin arg hölzernes Spiel zusätzlich beeinträchtigt. Die Zeichnung der Lieblingstochter, die wohl eine eher distanziert selbstbewusste sein soll, gewinnt so eigentlich nie richtig an Schärfe. Jan-Hendrick Rootering macht da seine Sache ungleich besser, wirkt natürlich allein schon durch seine außergewöhnliche Physis, gibt aber glaubhaft den selbstgefälligen Gott auf dem Weg ins Walhalla-abseits. Ich kenne Ihn ja eher als Titurell, also tiefen Bass, insofern hat er in der Höhe doch einige Mühen und seine Stimme wirkt immer etwas wenig konzentriert. dazu passt, dass er teils mit guter Resonanz, teils etwas blass wirkt, abhängig von den aktuellen Reserven.
    Der zweite Akt wirkt von der Regie wie gesagt etwas einfallslos, kann zumindest nicht mit dem tollen ersten Akt mithalten.


    Der dritte Akt gefällt mir dann wieder etwas besser. Die räumliche Trennung von Vater und Tochter ist bühnenwirksam umgesetzt und Rootering spielt wirklich gut und singt zumindest ordentlich. Aber die Intensität des ersten Aktes erreicht die Inszenierung nicht. Die Scheinwerferszene zum Schluss ist sicher ein starkes Bild, wirkt live sicherlich noch eindrucksvoller.
    Zagrosek macht mit dem Orchester seine Sache gut, auch klanglich bestens eingefangen.


    Fazit: Die Gesangsleistung von Denoke, die durchweg ausgefeilte Personenregie und die sehr gute Umsetzung zusammen mit der Inszenierung des ersten Aktes eine klare Empfehlung, sondern jemand sich für so etwas begeistern kann. Mindestens eine bittere Pille muss man aber, wie beschrieben, schlucken.


    Gruß
    Sascha

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