Eure liebsten LETZTEN Takte einer Oper - Best of

  • Parallel zu Wulfs populärem "Erste Takte"-Thread hier also nun das Äquivalent dazu: Welche Schlußtakte faszinieren Euch besonders? Lassen Euch noch Augenblicke später wie erstarrt auf Eurem Sitz im Opernhaus verweilen? Spuken Euch Stunden, Tage, Wochen später noch im Kopf herum?


    Einige Vorschläge meinerseits:


    "Götterdämmerung" (Wagner)
    "Die Walküre" (Wagner)
    "Salome" (Strauss)
    "Tosca" (Puccini)
    "Rigoletto" (Verdi)


    Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen!


    Best, DiO :beatnik:

  • Hallo,


    Oh ja...ich mag es durchaus laut und bombastisch! Es darf ruhig zügig gehen und gerne überraschend kommen...


    Salome, Tosca, Samson et Dalila, Elektra



    Wnderschön natürlich auch leise ausklingende Opern...wobei ich dann oft nicht so recht weiß, wann ich klatschen soll! ^^


    Aida gefällt mir ganz gut - (mal kein Ufftauffta-Verdi-Schluss)...aber auch das wunderbare Finale des Fliegenden Holländers berührt mich sehr!


    Lg
    Raphael

  • Die letzten etwa achthundert Takte der "Walküre". Ein etwas langer Schluß, ich weiß, doch kann ich das unmöglich kappen.


    Nun tun ja Abschiede gewöhnlich immer etwas weher als Beginne, obwohl es hier auch auf die Perspektive ankommt. Einige werden bei den ersten Streicher-Läufen der "Walküre" seufzen, der Kenner allerdings bevorzugt zu dieser feinsinnigen Gemütsregung den ungeheuerlichen Schluß.


    Allerspätestens ab "Leb wohl, Du kühnes, herrliches Kind" (für mich auch lange noch davor) kommt Abschiedsstimmung auf. Ich habe nie ein einziges Wagner-Werk auf einer Bühne aufführen sehen, die "Walküre" wäre jedoch mit "Tristan" das letzte, was da möglich wäre. "Walküre" geht für mich gar nicht. Denn wenn die Aufführung schlecht wär, stünde ich in Gefahr, mich künftig hinter Gittern bei Tamino einzuloggen. Und wenn sie gut wär, wollte ich um keinen Preis, daß mich jemand dabei sehen kann, das Heulen, Rumgezappel und das Mitgesinge, -brumme und -gesummse :rolleyes:.


    Den Götterdämmerungschluß habe ich auchmal hoch geschätzt, die Liebe ist nunmehr erkaltet, weil da zuviel pasticcisiert wird.


    "Tristan" entzieht sich in meiner Gefühlswelt jedem Ranking, den Eindruck dieser Musik kann man allenfalls mit dem realen Sterben eines Menschen aus Fleisch und Blut auf unsrer Erde vergleichen, kaum allerdings mit anderer Musik.


    "Salome" ist mir zu simpel. Da heißt es eher: Seht her, wie gleichzeitig mimetisch-knallig und doch zum Nachdenken anregend, zum Entsetzen einladend ich den Schluß doch schreiben konnte...


    Ich vermute, in diesem Thread werden - noch deutlicher als in Wulfs "Ersten Takten" - die Werke des im engeren Sinne klassischen oder barocken Repertoires zu kurz kommen. Die Ästhetik dieser Epochen spielt sich für viele von uns wohl meist zwischen Anfang und Ende ab, welche beide, insbesondere das letztere, als stark konventionell empfunden werden dürften.



    Schöne Grüße an die Holzfäller,


    Alex.

  • PS: Wo ich doch grade im "Beste Beginne Thread" meine Tiefland-Liebe eingeräumt habe...der schluss der Oper gefällt mir auch sehr gut!
    Wenn Pedro zu kitschigsten Klängen mit seiner Marta ins Hochland entflieht und das Hauptthema (welches wir zu beginn ja schon von der Klarinette unbegleitet und pastoral-schlicht vorgestellt bekommen) noch einmal herrlich aufblüht um dann flott, nach etwas Triangel und zwei Orchesterschlägen die Oper zu beenden! :]

  • Auch wenn diese letzten Takte gar nicht als Schluss gemeint waren (es sollte noch ein 3. Akt folgen), es eine sehr karge Musik ist und das Thema ziemlich philosophisch-abstrakt ist: Moses' "O Wort, du Wort, das mir fehlt", schließlich nur noch von unisono spielenden Streichern begleitet, aus Schönbergs Moses und Aron berührt mich besonders. Danach kann eigentlich auch gar nichts mehr kommen.


    Viele Grüße


    :hello:

  • Vier Schlüsse, die mich jedesmal wieder überwältigen:


    1) Britten - "Billy Budd": Kapitän Vere, alt geworden, gedenkt des Matrosen, den er hängen ließ, obwohl er die Ungerechtigkeit erkannt hat. Seine Gedanken kreisen immer noch um dieses Jahr 1797 "long ago now, years ago, centuries ago, when I, Edward Fairfax Vere, commanded the ,Indomitable'". Zuvor baut Britten einen gewaltigen Höhepunkt auf, läßt ihn vom Schlagzeug brutal niederschlagen, es bleibt nur ein Paukenwirbel über, dann erstirbt auch der und Vere singt die letzten Worte unbegleitet. Nie zuvor war eine Bühnenfigur einsamer und verlorener als hier.


    2) Janácek - "Das schlaue Füchslein": Der alte Förster will wieder einen Fuchs fangen, erwischt aber nur einen Frosch, der ihm in kindlichen Worten den ewigen Kreislauf der Natur klarmacht. Die Musik baut eine ungeheure Steigerung auf und endet mit den strahlendsten Takten, die jemals ein Komponist an das Ende einer Oper gesetzt hat. Dagegen verblaßt sogar Wagners "Meistersinger"-C-Dur.


    3) Mussorgskij - "Boris Godunow": Der Kampf um den Zarenthron tränkt die russische Erde mit Blut. Der Gottesnarr singt "Weine, weine, russisches Volk". Dünn begleitet von Holzbläsern, deren Pendel das Werk mit einem großen Fragezeichen enden läßt. Ein ungeheurer Moment, der Klage und Anklage ist, der die Kehle zuschnürt und die Tränen in die Augen treibt.


    4) Debussy - "Pelléas et Mélisande": Mélisande ist nach der Geburt ihres Kindes gestorben. Arkel und Golaud bleiben mit dem Säugling zurück. Die Stimmung ist völlig irreal, die Musik trauert um Mélisande und verklärt sie gleichzeitig, es liegt Bitterkeit und Schönheit in diesen Klängen, die in die Unwirklichkeit entschweben. Einer der seltsamsten und schönsten Opernschlüsse, der jemals komponiert wurde.
    :hello:

    ...

  • Meine Lieben,


    Bei mir unter anderen sehr geschätzt:


    "Rosenkavalier" - Eben zerfloß man noch in Rührung über das Terzett und weil sich das Liebespaar, begleitet von zartesten Tönen, kriegt, und dann dieses genial-ironische Schwanzerl!


    "Freischütz" - Jubeltöne ohne Bombast


    "Traviata"


    "Rigoletto"


    "Madama Butterfly" (wenn das dreimalige Butterfly richtig gebracht wird)


    Gut, daß Edwin meistens ein toleranter Mensch ist...


    LG


    Waldi

  • Für mich sind die schönsten "Opernschlüsse" einerseits die letzten Minuten der "Götterdämmerung" und natürlich das Ende des "Rosenkavaliers" - und nicht zu vergessen "Man töte dieses Weib!" :D

    Hear Me Roar!

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  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber Walter,


    Und das, obwohl meine Toleranz mitunter auf härteste Proben gestellt wird... :D
    :hello:


    Meine auch, deshalb sind meine Lieblings-Schlußtakte die von Europera 1 und 2 (John Cage), weil ich froh bin, daß diese Toleranzprobe endlich vorüber ist... 8)

  • Meine liebsten letzten Takte einer Oper sind immer die letzten Takte jedweder Oper, welche ich zu spielen habe. :stumm:


    Es gibt kaum etwas schöneres als den Anblick dieser letzten Takte, wenn man daß letzte mal umgeblättert hat.


    Allerdings habe ich einmal eine Kollegin böse vera......., als ich unten rechts auf die letzte Seite des "Freischütz" ein dickes V.S. kritzelte.


    V.S. heißt übersetzt: Schnell blättern.


    Und die Kollegin blätterte dann im Schlußakkord vom "Freischütz" brav noch mal um, obwohl da nichts mehr kam........ :pfeif:


    Feierabend...... :D


    LG,
    Michael

  • Zitat

    Original von Dreamhunter
    Für mich sind die schönsten "Opernschlüsse" einerseits die letzten Minuten der "Götterdämmerung" und natürlich das Ende des "Rosenkavaliers" - und nicht zu vergessen "Man töte dieses Weib!" :D


    Aber das muß man mit Hans Beirer gehört haben! "Man tahahöte dahüses Wahaib!" Unvergeßlich....!
    :hello:

    ...

  • Mir fällt auf Anhieb nur einer ein, den ich über alle mir bekannten stelle: der erschütternde Monolog des Kapitän Vere aus Brittens "Billy Budd". Edwins Beschreibung weiter oben kann ich nur unterstreichen.


    Und wenn ich aus diesem Epilog noch wieder zwei Lieblingsstellen heraussuchen sollte, wären es:


    ”I was lost on the infinite sea, but I’ ve sighted a sail in the storm, the far-shining sail, and I’ m content. I’ ve seen where she’ s bound for ...“
    und das fast "tonlos" gesungene " ... when I, Edward Fairfax Vere, commanded the Indomitable".


    Liebe Grüße
    Petra

  • Also für mich darf es gern auch bombastisch sein :D und mein Favorit steht völlig außer Zweifel:


    Das Rheingold.


    Nicht nur die letzten Takte, sondern die gesamte Schlußszene ab dem von Donner und Froh herbeigeführten Gewitter mit dem Einzug der Götter in Walhall ist für mich einfach majestätisch und löst einen Adrenalinstoß nach dem anderen aus.


    Der zweite Platz ist ebenso unzweifelhaft: Die Walküre und ihr vorläufiges Ende im Feuerzauber.


    Da es sich ja genau genommen bei beiden Werken nicht um Opern handelt :yes: benenne ich ersatzweise ebenfalls den hinreißend charmanten Schluß des Rosenkavaliers.


    Salve,


    Cassiodor

  • 1. Le nozze di Figaro
    2. Aida
    3. Othello
    4. Falstaff
    5. Rosenkavalier
    6. Daphne
    7. Die Walküre
    8. Rigoletto
    9. Siegfried
    10. Ariadne auf Naxos
    11. Carmen
    12. Tosca
    13. Götterdämmerung
    14. Don Giovanni
    15. Das Rheingold


    Die Reihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, noch ein paar teure vergessen zu haben...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Eindeutig La Bohème ;( wenn Rudolfo mit dem Aufschrei "Mimi" zusammenbricht hab ich ganz feuchte Augen.


    ......und für die Rosenkavalier-Freunde - das Weib ist dann schon tot :baeh01:


    LG
    Silvia

  • Dann will ich mal - auch es wenn mir viel schwerer als in meinem eigenen thread fällt - mitmischen.


    Ein mitreißendes Ende bietet für meine Ohren


    Ruslan und Lyudmila von Mikhail Glinka.


    oder


    Wenn die Ouverture wieder einsetzt und der Chor zu dem glorreichen Freudenfest "Slava velikim bogam" intoniert, einfach herrlich!! :jubel:


    :hello:
    Wulf


    P.S. Leider noch nicht live erlebt, wäre bestimmt ein Gänsehautfaktor.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Aber das muß man mit Hans Beirer gehört haben! "Man tahahöte dahüses Wahaib!" Unvergeßlich....!
    :hello:


    Hallo Edwin,


    sprichst Du von der Böhm-Salome, die es auf DVD gibt?


    Best, DiO :beatnik:

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  • Ebenso wie Cassiodor nenne ich aus dem selben Grund die Schlussszene von Wagners "Rheingold". Das ist für mich eine fantastische Negativabbildung der beiden ersten Szenen.


    Eine weitere Lieblingsschlussszene ist die von Purcells "Dido und Aeneas". Sehr ergreifend, aber am Boden bleibend.


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Hallo,


    mein Lieblingsfinale ist das der Götterdämmerung. Was mich begeistert, das Finale symbolisiert Hoffnung, Helligkeit, Wiederauferstehung.


    Viele Grüße,
    Olli

  • Zitat

    Original von Theophilus
    14. Don Giovanni


    Wiener oder Prager?


    ?(

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Unorigineller Weise (und auch mangels intimer Kenntnis allzuvieler Opern) fallen mir spontan auch Götterdämmerung und Walküre ein. Dann Tristan.
    Und natürlich, wie konnte ich das vergessen:
    Purcells Dido & Aneas - Thy hand, Belinda - when I am laid in earth - with drooping wings - :jubel: :jubel: :jubel:
    da muß sich selbst Wagner warm anziehen, um mitzuhalten.


    (bei Mozart sind seltsamerweise fast immer die besseren Finali im nichtletzten Akt)


    (Bei einigen anderen Opern stellt sich eher Freude ein, daß es endlich vorbei ist...)


    ;)


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    (bei Mozart sind seltsamerweise fast immer die besseren Finali im nichtletzten Akt)


    Das ist für die "Wiener" Klassiker aber üblich - besonders extrem bei Martín y Soler oder Giovanni Paisiello zu beobachten - das Finale ultimo ist stets extrem kurz und knackig [meist nur zwei/drei Minuten à la Mithridate - da bietet der spätere Mozart durchaus wesentlich mehr], die vorherigen Finali dafür sehr ausgebaut [Kettenfinali].


    Bei der [ergänzten] Scena ultima ultissima des Don Giovanni nerven mich die letzten Nachspieltakte eher... das ist für mich etwas zu viel des Guten [ebenso bei Titus].


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Diabolus,

    Zitat

    sprichst Du von der Böhm-Salome, die es auf DVD gibt?


    Nein, ich hatte das Mißvergnügen, ihn noch als Serien-Herodes live an der Staatsoper zu erleben.
    :hello:

    ...

  • Hallo,


    mir fällt da vorallem POULENCs Dialogues des Carmélites ein. Die Nonnen besteigen gemeinsam das Schafott, wobei sie ein Salve regina singen. Das immer wieder durch einen dumpfen Schlag durchbrochen wird, nachdem dann eine Nonne weniger mitsingt. Auch der Gesang der letzen wird durch einen dumpfen Schlag beendet- Kurze Stille.
    Dann folgen noch drei oder vier Akkorde und die Oper ist aus.


    :wacky:


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)


  • Der große Opernkenner bin ich nicht, aber das ist auch mein allerliebster Opernschluss.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Auch bei mir stehen ganz oben:
    Poulenc, Dialogues des Carmèlites (überhaupt eine großartige Oper!)
    Janácek, Das schlaue Füchslein


    Dann auch noch:
    Janácek, Vec Makropulos
    Britten, The turn of the screw
    Enescu, Oedipe
    Gluck, Armide


    :hello: Martin

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