Carl Loewe - Meister der Ballade und des Liedes

  • Die Genialität des Balladenkomponisten Loewe ist mir jüngst auf beeindruckende Weise wieder einmal bewusst geworden, - als ich die Vertonung der Goethe-Ballade „Der Zauberlehrling“ durch den Pianisten und Liedbegleiter Michael Gees in der Interpretation durch Christoph Prégardien hörte. Ich kannte sie nicht, war höchst neugierig darauf, hörte gespannt und aufmerksam zu, - und blieb danach ratlos zurück. Der erste klare Gedanke, der sich danach einstellte, war: Im Gegensatz zu der Vertonung durch Carl Loewe ist hier der Geist der Ballade in keiner Weise getroffen.


    Sie ist ja eigentlich schwer zu vertonen: In der Kombination aus den metrisch strengen drei- und vierhebigen Trochäen der direkten Ansprache und dem fließenden Rhythmus der Beschwörungsformeln. Schwer auch wegen der mehr und mehr sich entfaltenden Hektik und Atemlosigkeit des Geschehens, das von der Musik irgendwie eingefangen werden muss. Es ist immerhin auffällig, dass diese Ballade vergleichsweise wenige Vertoner gefunden hat: Neben Loewe und eben Michael Gees konnte ich nur noch Zelter und Zumsteeg ausfindig machen. Die großen Lied- und Balladenkomponisten Schubert, Schumann und Hugo Wolf haben sie gemieden.


    Loewe gelingt es auf durchaus überzeugende Weise, das Geschehen und die sprachliche Gestalt, in der es sich artikuliert, in Musik zu fassen, wobei es gerade die Rasanz, ja die Atemlosigkeit in Melodik und begleitendem Klaviersatzes sind, die so überzeugend wirken. Er operiert mit zwei Tonarten: Dem C-Dur, das für die reale Welt, und dem Des-Dur, das für das Zaubergeschehen steht. Und was wichtig für die innere Einheit der Balle ist: Er arbeitet mit wiederkehrenden melodischen Motiven. Da ist die in raschen Schritten steigende, fallende, wieder steigende und schließlich auf den letzten beiden Versen zu einer Art konstatierenden vorläufigen Ruhe kommende melodische Linie, die auf den Hauptstrophen liegt. Und da ist die Melodik der Beschwörung, die aus permanent sich wiederholenden Fallbewegungen besteht und am Ende in ein insistierendes Deklamieren auf einer tonalen Ebene mündet. Und schließlich ist da noch der überaus markante und deutlich von der Hektik der vorangehenden Melodik abgesetzte, fast schon pastoral wirkende Ton, in dem Meister spricht.


    Gelingt es Loewe, auf gleichsam in Bann schlagende Weise den hektischen Lauf des Besens und die wachsende Angst des Zauberlehrlings musikalisch zu imaginieren – das ist eben seine große Stärke - , so ist Michael Gees mit seiner Komposition meilenweit davon entfernt geblieben. Sie wirkt im Vergleich zu der Loewes fast beschaulich, ja sogar auf wunderliche Weise monoton. Man vernimmt sie als eine Art additive Aneinanderreihung von melodischen Einzelaussagen, in denen es zwar gleichsam Binnensteigerungen der Expressivität gibt, die aber in ihrer Aufeinanderfolge gerade nicht die permanent sich aufbauende Steigerung der Hektik, der Erregung und der schließlich in Panik mündenden Angst musikalisch zu imaginieren vermögen, die der Balladentext eigentlich fordert.


    Eine eigentümliche Monotonie zeichnet die Melodik aus, der ein im Viervierteltakt rhythmisierter Klaviersatz zugrunde liegt, der auch die immer gleichen klanglichen Figuren aufweist. In der melodischen Linie wiederholen sich auf fast schon penetrant wirkende Weise immer wieder identische Sprung- und Fallbewegungen, wobei sich nur die tonale Ebene der Deklamation und die Harmonisierung verändern, nicht aber die Struktur der Bewegung selbst. Und was regelrecht nervt, das ist, dass den Sprungbewegungen häufig das gleiche Intervall, eine Quart nämlich, zugrundeliegt.


    Und dann sind da noch die theatralischen Komponenten, die der Komposition den Anflug von schierer Effekthascherei verleihen. Dort, wo es „dramatisch“ wird, greift Gees zum Mittel der Wiederholung. Da hört man schon einmal: „Will ihn fassen“ zweimal, „Helft mir, ihr hohen Mächte“ oder „hört mich rufen“ mehrfach. Und wenn der „alte Meister kommt“, fängt der Lehrling regelrecht an zu stottern. Der Meister selbst benutzt – und das ist besonders bemerkenswert – die gleichen melodischen Figuren wie der Lehrling, - nur dass er ruhiger deklamiert. Und was – im Unterschied zu Loewe – besonders auffällt, das ist das Fehlen einer Umsetzung der lyrisch-sprachlichen Aussage in Musik. Bei den Worten „Verruchter Besen“ zum Beispiel ist dieser expressive Ton des Fluches in keiner Weise zu vernehmen. Es geht immer so weiter in der permanenten Abfolge gleicher melodischer Figuren.

  • Mir scheint, ich habe hier einen Nachtrag zu machen, - meiner obigen, nicht so sehr positiven Rezension der Vertonung von Goethes „Zauberlehrling“ durch Michael Gees wegen.
    Es muss festgestellt werden: Dieser Michael Gees kann auch anders.. In der CD „Follow Goethe“ (Goethe-Vertonungen quer durch die Geschichte des Liedes, interpretiert von Christoph Prégardien und Michael Gees, cpo 1999) finden sich zwei Lieder, vertont von Michael Gees:
    „Gegenwart“ und „Gesang der Geister über den Wassern“.
    Die erste davon, eben das Lied „Gegenwart, hat mich stark beeindruckt, als ich sie zum ersten Mal hörte, - so sehr, dass ich Michal Gees eine Mail schickte (auf die er allerdings nicht reagierte).


    Gegenwart (J.W.v. Goethe)


    Alles kündet dich an!
    Erscheinet die herrliche Sonne,
    Folgst du, so hoff ich es, bald.


    Trittst du im Garten hervor
    So bist du die Rose der Rosen,
    Lilie der Lilien zugleich (…)


    Das Gedicht hat noch vier weitere Strophen. Das Lied von Gees darauf ist zwar sozusagen „konventionelle“ Liedkomposition, also in der Harmonik weitgehend diatonisch, ohne jegliche Kühnheit in den Modulationen und mit einer melodischen Linienführung, die innere Brechungen meidet. Gleichwohl – und vielleicht gerade deshalb - ist es klanglich sehr beeindruckend.


    Es setzt fast choralartig ein: Mit mächtig angeschlagenen Oktaven im Klavier und einer ebenfalls fortissimo und in großen Sprüngen sich artikulierenden Singstimme. Bei „erscheinet die herrliche Sonne“ beschreibt die melodische Linie eine markante Aufstiegsbewegung. Und bei „so hoff ich es bald“ bewegt sie sich genau so gewichtig nach unten, - immer von fortissimo angeschlagenen Akkorden begleitet.


    Und danach entfaltet sich im Klavier ein wahrer Klangzauber aus permanent fallenden und wieder steigenden Sechzehnteln (vermutlich), die nun die Substanz des Klaviersatzes bei allen folgenden Strophen bilden, - bis auf die letzte, bei der das Lied zum Klangbild der ersten Strophe zurückkehrt. Höchst beeindruckend ist, wie die die melodische Linie der Singstimme von dieser – stark triolisch geprägten – Flut von Sechzehnteln umspielt wird, die einen großen tonalen Raum durchschreitet und auch harmonische Modulationen durchläuft und dabei die melodische Linie sowohl klanglich einbettet, als auch zuweilen in einen Kontrast zu ihr tritt.


    Höhepunkt ist unüberhörbar die Strophe, die mit dem Vers „Nacht! und so wär´ es denn Nacht“ eingeleitet wird. Hier steigt die melodische Linie in strahlender Klanglichkeit in große Höhe empor, und das Klavier bewegt sich – wie im klanglichen Kontrast – mit seinen Sechzehntelfiguren dieses Mal in tieferer Lage und verbleibt dort auch.


    Ich möchte hier nicht weiter in die Details der Faktur dieser Komposition gehen, - zumal das gar nicht hierher gehört (ich bitte um Verständnis). Aber unüberhörbar ist: Der Geist und die Aussage des lyrischen Textes sind musikalisch voll erfasst.


  • Heute gedenken wir der 218. Wiederkehr des Geburtstages von Carl Loewe, der am 30. November 1796 in Löbejün/Sachsen-Anhalt geboren wurde und am 20. April 1869 in Kiel starb.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Anders ist das schon bei Carl Loewe (1796-1869) dessen Ruf zu Lebzeiten geradezu legendär war, der aber heute fast vergessen ist


    Dabei behaupten Einige, er würde mit seinen Lieder sogar Schubert übertreffen. Ich bin da etwas vorsichtiger und würde ihn eher als kongenial bezeichnen.
    Dass man ihn vergessen könnte, kam mir nie in den Sinn. Werden die Menschen immer unmusikalischer?
    Wer die Bedeutung Loewes nicht begreift, versteht vermutlich auch die übrige Musikwelt nicht.

  • Ich würde Loewe mit niemanden vergleichen, dafür ist er viel zu eigenständig. Ist er heute fast vergessen? Doch wohl nicht. Es gibt viele Versuche, seine Werke neu einzuspielen. Darunter auch Orchesterwerke. Das Label cpo hat sich gar an einer Gesamtaufnahme seiner Balladen versucht, die ich für sehr wichtig erachte. Sie ist bei mir immer griffbereit.



    Bemerkenswert daran ist eine frischer Zugang. Nicht so akademisch und besserwisserisch, wie manche älteren Aufnahmen klingen, die mir Loewe auch verhageln können. Auch Fischer-Dieskau kann ich nicht so gut hören mit Loewe. Da habe ich immer den Endruck, also wollte er uns bedeuten: So und nicht anders.


    In Loewes Geburtsstadt Löbejün in Sachsen-Anhalt, die Willi in seinem Gedenkbeitrag nennt, wird auch ein Neuzugang versucht. Es gab dort schon gute Veranstaltungen, die auch ins Radio gelangten. Es gibt dort auch ein umfängliches Archiv. Nur ist es sehr umständlich, dorthin zu kommen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Bemerkenswert daran ist eine frischer Zugang


    Was ist ein frischer Zugang?
    Kann mir jemand sagen wo es akademisch klingt, wenn Dietrich Fischer-Dieskau »Kleiner Haushalt« singt? Mir bleibt da nur Bewunderung ...


    Wenn Rheingold hier diese CD-Box zeigt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mal wieder auf einen seltenen Schatz hinzuweisen, der in dieser Box verborgen ist, nämlich Loewes Opus 60 nach Gedichten von Adelbert (nicht Adalbert, wie es im Begleitheft steht) Chamisso.
    Eine Seltenheit, aber ganz brillant von der Mezzosopranistin Iris Vermillion gesungen. Diese Loewe-Version von »Frauenliebe und Leben« gibt es sonst nur noch von Brigitte Fassbaender.
    Dieser Zyklus wurde durch die geniale Schumann-Vertonung (obwohl er uns ein Gedicht unterschlägt) beiseite gedrängt, ist aber für mich immer wieder hörenswert.

  • Was ist ein frischer Zugang?
    Kann mir jemand sagen wo es akademisch klingt, wenn Dietrich Fischer-Dieskau »Kleiner Haushalt« singt? Mir bleibt da nur Bewunderung ...


    Ein frischer Zugang für mich ist, wenn sich Sänger nicht an Vorbildern orientieren und sie nicht nachzuahmen versuchen. Derzeit höre ich mit viel Freude WINTERREISE mit Daniel Behle in der originalen Version und in einer mit Ensemble, sowie mit dem aus Israel stammenden Altus Zvi Emanuel-Marial. Manche Lieder sind in meinem Ohren fast schon kaputt interpretiert worden. Deshalb höre ich sehr gern junge Sänger mit Liedprogrammen. Es tut mir leid, dass ich mich nicht besser verständlich machen konnte. Aber ich habe mich offenbar auf Glatteis begeben. ;)


    Mit "Kleiner Haushalt" hat mich hart dahingehend "erwischt", dass dieses Lied von Fischer-Dieskau wirklich höchst virtuos gesungen wird. Daran ist überhaupt nicht zu rütteln. Ich hatte allerdings auch nicht unterstellt, dass mir dieses Lied akademisch erscheint. Nun ist der Name Fischer-Dieskau also gefallen, was ich zu vermeiden suchte. ;)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Anlässlich des Geburtstages von Carl Loewe (dessen ich mir gar nicht bewusst war), habe ich einmal einen Blick zurück in diesen Thread geworfen und erfreut festgestellt:


    Wer sich die Mühe macht, einmal nachzulesen, was hier alles schon über Carl Loewe geschrieben wurde, der wird bemerken, dass sich zu allen Fragen, wie sie durch die Threaderöffnung angeschnitten wurden und im weiteren Verlauf noch aufgetaucht sind, - hinreichende – wie ich das sehe - Antworten finden. Die spezifische Eigenart der Balladen- und Liedkomposition Loewes und ihre liedhistorische Bedeutung dürfte doch recht deutlich geworden sein. Zu einigen Balladen und Liedern finden sich ausführliche Besprechungen („Wanderers Nachtlied“, „Nähe des Geliebten“, Erlkönig“ „Nur wer die Sehnsucht kennt“ u.a.), aus denen hervorgehen dürfte, worin die Singularität des Balladenkomponisten Loewe gründet und wodurch sich seine Liedkompositionen auszeichnen.


    Was den hier gerade noch einmal angeschnittenen Aspekt des Vergleichens von Loewes Balladen- und Liedschaffen mit den Werken anderer Komponisten anbelangt, so ist auch dazu in diesem Thread eine Menge zu finden. So wurde etwa anhand von „Nähe des Geliebten“ und „Erlkönig“ ein Vergleich mit Schubert angestellt. Dies aber nicht, um die höhere Qualität des einen oder anderen herauszustellen, sondern um die jeweilige Eigenart der Liedsprache erfassen zu können, - insbesondere die Loewes. Hört man sich seine Vertonung von Goethes „Erlkönig“ an und vergleich mit der Schuberts, dann dürfte deutlich werden, dass beide zwar einen unterschiedlichen liedkompositorischen Ansatz haben: Im Unterschied zu Schubert, der sich in die zugrundliegende narrative Situation und das Denken und Fühlen der darin agierenden Personen versetzt und dies musikalisch zum Ausdruck bringt, zielt Loewes Komposition darauf ab, die Szene und das Geschehen darin aus der Distanz des Beobachters mit klanglich höchst ausdrucksstarken Mitteln zu schildern.


    Loewes Ballade steht aber der Schuberts in nichts nach. Wer auch nur den geringsten Zweifel an der Größe des Balladenkomponisten Loewe hat, der höre sich mal den Schluss des „Erlkönigs“ an. Der Sprung der sich in der melodischen Linie bei den Worten „war tot“ ereignet, von einem tiefen „D“ zu einem leiterfremden „H“, das mit einem dissonanten Nonenakkord harmonisiert ist („F-As-H-D) ist klanglich schlechterdings erschreckend. Besser kann man den Ausgang dieser Ballade gar nicht in Musik fassen. Hier zeigt sich, sozusagen an einem Punkt in exemplarischer Weise, wozu der Balladenkomponist Loewe in der Lage war, - und was ihn einzigartig macht.

  • Ich freue mich über eine Fehleinschätzungs meinerseits, als ich vor langer Zeit erklärte, Loewe sei fast vergessen. Diese Behauptung ist angesichts von 24 394 Seitenaufraufen - wenngleich binnen 9 Jahren - nicht aufrecht zu erhalten.
    Umso besser. Und umso verwunderlicher, können doch viele Leute mit der poetischen Sprache der Romantik angeblich wenig anfangen (?)


    An anderer Stelle schrieb ich, daß Loewes Balladen nicht besonder "anspruchsvoll" seien. Das war eine schlechte Beschreibung. Gemeint war, daß sie von der Melodie her üblicherweise sehr eingängig sind und selbst bei düsteren Stellen nicht wirklich unangenehm klingen.


    Bei dieser Gelegenheit: meine Lieblingsballade ist "Graf Eberstein"


    mfg aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Lieber Alfred, da ich gerade unterwegs bin und nur meinen kleinen Kindle Firefox dabei habe, schreibe ich nur kurz. Anfang des Jahres gab mein Chorleiter nach Längerem wieder ein Konzert, in dem er neben der Schumannschen Dichterliebe auch eine Reihe von Loewe-Balladen gab (ich berichtete darüber). “Graf Eberstein“ war auch dabei, wie auch meine beiden absoluten Favoriten “Prinz Eugen“ und “De Uhr“. Nicht nur die beiden Letzteren, sondern auch “ Graf Eberstein“ hat mich damals tief beeindruckt.


    Liebe Grüße


    Willi :)


    P.S.: Lieber Alfred, das in rede stehende Konzert war am 11. Mai.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zit. Alfred Schmidt: „Loewe sei fast vergessen. Diese Behauptung ist angesichts von 24 394 Seitenaufrufen - wenngleich binnen 9 Jahren - nicht aufrecht zu erhalten.“


    Noch ein anderes Indiz gibt es, das dieser Behauptung widerspricht. Es ist ein tamino-internes sozusagen. Derjenige, der täglich im Tamino-Liedforum zugange ist, hat heute, nachdem durch WilliamB.A.s Geburtstags-Notiz der Loewe-Thread wieder in den Vordergrund rückte, mit Verblüffung – oder auch wieder nicht – registriert, welcher Andrang mit einem Mal hier herrschte. Sonst liest man unten immer nur: 1 Besucher, 2 Besucher und wenn´s hoch kommt (und das ist selten) sind´s drei. Heute Morgen traf ich auf Anhieb gleich vier Taminoaner und drei „Besucher“ hier an. Und im weiteren Tagesverlauf – und bis jetzt zur Abendstunde, wie ich gerade sehe - nahm der Andrang zu diesem Thread – einschließlich Beitragsaktivitäten – in keiner Weise ab.


    Sage also keiner, Loewe sei nicht bekannt und beliebt.

  • Heute habe ich aus meinem Plattenfundus eine interessante Preiser-LP hervorgekramt. Loewe-Balladen von verschiedenen Sängern und Sängerinnen in historischen Aufnahmen gesungen. Darauf: "Tom der Reimer" mit Leo Slezak, Tenor; "Erlkönig" mit Paul Bender, Baß; "Heinrich der Vogler" mit Theodor Scheidl, Bariton; "Prinz Eugen" mit Michael Bohnen, Bariton; "Des Glockentürmers Töchterlein" mit Wilhelm Rode, Bariton; "Der heilige Franziskus" mit Sigrid Onegin, Alt; "Spirito santo" mit Josef von Manowarda, Baß; "Odins Meeresritt" mit Rudolf Bockelmann, Bariton; "Der alte Dessauer" mit Ivar Andresen, Baß; "Fridericus Rex" mit Hans Hermann Nissen, Bariton; "Archibald Douglas" mit Gerhard Hüsch, Bariton und "Die Uhr" mit Walther Ludwig, Tenor. Schade, daß es diese Aufnahme nicht mehr auf CD gibt.

  • Heute habe ich aus meinem Plattenfundus eine interessante Preiser-LP hervorgekramt. Loewe-Balladen von verschiedenen Sängern und Sängerinnen in historischen Aufnahmen gesungen. Darauf: "Tom der Reimer" mit Leo Slezak, Tenor; "Erlkönig" mit Paul Bender, Baß; "Heinrich der Vogler" mit Theodor Scheidl, Bariton; "Prinz Eugen" mit Michael Bohnen, Bariton; "Des Glockentürmers Töchterlein" mit Wilhelm Rode, Bariton; "Der heilige Franziskus" mit Sigrid Onegin, Alt; "Spirito santo" mit Josef von Manowarda, Baß; "Odins Meeresritt" mit Rudolf Bockelmann, Bariton; "Der alte Dessauer" mit Ivar Andresen, Baß; "Fridericus Rex" mit Hans Hermann Nissen, Bariton; "Archibald Douglas" mit Gerhard Hüsch, Bariton und "Die Uhr" mit Walther Ludwig, Tenor. Schade, daß es diese Aufnahme nicht mehr auf CD gibt.


    Auch wenn man gewohnt sein mag, die LOEWE-Balladen durch einen Bariton, wie DIETRICH FISCHER-DIESKAU oder HERMANN PREY zu hören, so ist die Aufnahme durch einen Tenor - und noch dazu einem so befähigten wie JOSEF TRAXEL - meines Erachtens eine interessante Alternative! Dankenswerterweise hat vor einigen Jahren das Hamburger Archiv für Gesangskunst u. a. auch diese 11 LOEWE-Balladen mit TRAXEL und seinem ausgezeichneten Klavierbegleiter ERICH APPEL neu aufgelegt, der mit seiner Interpretation WALTHER LUDWIG sicher nicht nachsteht. CLEMENS HÖSLINGER würdigte in INGO HARDEN's "Musik Report 71" denn auch diese Aufnahme, und er wies auf die hohe Musikalität und die großartige Leistung TRAXELs auch als Liedinterpret hin. Und es ist in der Tat beeindruckend, wie TRAXEL die so schwierige Ballade "Der Nöck" großartig meistert, und wie einfühlsam er die etwas rührselig angelegten Balladen "Süßes Begräbnis", "Der Wirtin Töchterlein" oder "DAS ERKENNEN" interpretiert und was er daraus macht! JOSEF TRAXEL hatte leider seine Fähigkeiten auch als Liedinterpret - siehe auch seine Aufnahme von 8 Liedern aus "DIE SCHÖNE MÜLLERIN" - erst sehr spät erkannt, aber er erkannte zum Glück den musikalischen Wert und Gehalt der LOEWE-Balladen rechtzeitig und nahm diese mit dem Pianisten ERICH APPEL Anfang der 70er Jahre bei COLOSSEUM auf. Eine wunderbare Einspielung, die ich nur empfehlen kann!



    wok

  • Zu seinem heutigen Todestag habe ich mal eine Box ausgesucht mit Klavierwerken solo:



    Heute ist Loewes 144. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

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  • Natürlich war ich mir der Tatsache nicht bewusst, dass Carl Loewe heute seinen 144. Todestag hat. Warum sollte ich auch? Auf die Frage, warum man jedes beliebigen Todes- oder Geburtstages eines Komponisten – und sei der auch noch so bedeutsam – alljährlich immer wieder aus Neue gedenken sollte, weiß ich nach wie vor keine irgendwie plausible Antwort.


    Sei´s drum! Wenn man mich schon mit der Nase draufstößt, so sollte ich nun doch, dachte ich, diesem so zweifellos großen Balladen-, nicht Klaviermusik- Schöpfer – die Ehre erweisen, indem ich eben eines von seinen großen kleinen Werken in stiller Andacht höre. Und welches ist anlässlich eines „Todestages“ besser geeignet als „Süßes Begräbnis“?


    Ich habe die Musik in mich eingesogen, - und war, wie immer, hingerissen.
    Ach, dachte ich, vernimmt man da nicht die Größe dieses wahrlich einzigartigen Balladenkomponisten? Wie kein anderer sonst vermag er sich in eine Situation einzufühlen und die sie genau treffende Musik dafür zu schaffen. Rückerts Bilder sind hochgradig expressiv, stark von Klängen durchsetzt: Da wird „gestöhnet“, „getönet“, und Schatten gehen „in Chören“.
    Und Loewe? Er kreiert eine Musik, die all das einfängt, dabei – darin Rückert folgend – an die Grenze der Süßlichkeit rührend, - sie aber gerade nicht überschreitend.
    Wie er allein bei dem Bild „Nacht ging schwarz in Trauerflören“ die melodische Linie mittels einer harmonischen Rückung in der Tiefe versinken lässt, das ist ganz einfach großartig!

  • Lieber Helmut,


    du hast in deinem letzten Posting (Nr. 101) selbst eine Antwort darauf gegeben, warum diese jährlichen Erinnerungen einen Sinn ergeben: "...registriert, welcher Andrang mit einem Mal hier herrschte"..
    Das ist einerseits die Vergesslichkeit der Menschen, die solche Komponisten wie Loewe aus dem Fokus geraten lässt, und andererseits das schlechte Gewissen, das für diese plötzliche hektische Betriebsamkeit sorgt. Manchmal vergleiche ich das mit der ebenso hektischen Betirebsamkeit an Allerheiligen auf bundesdeutschen Friedhöfen. Da trifft man dann Leute, die man sonst das ganze Jahr über dort nicht gesehen hat.
    Dieser Erinnerungsgedanke, die Großen der Musik (auch aus der zweiten Reihe) wenigstens ein bisschen vor dem Vergessen zu bewahren, ist es hauptsächlich, was mich in dieser Hinsicht umtreibt und dann nagtürlich die Dankbarkeit dafür, was sie mir mit ihrer Musik gegeben haben.
    Ein anderes hast du in deinem heutigen Posting gesagt, wozu ich eine Frage habe:

    Zitat

    Helmut Hofmann: Wie kein anderer sonst vermag er sich in eine Situation einzufühlen und die sie genau treffende Musik dafür zu schaffen.


    Kann man nicht genau das Gleiche auch über Franz Schubert sagen?


    Ich habe übrigens diesen Beitrag für eine Viertelstunde unterbrochen und bin zu Youtube gegangen, habe das Stück erst von Hermann Prey gehört, der von Karl Engel begleitet wurde und dann von Dietrich Fischer-Dieskau und Gerald Moore, FiDi singt es übrigens etwas höher. Dann habe ich es nochmal von Hermann Prey gehört, der mich fassungslos hinterlassen hat. Jetzt noch beim Schreiben zittern meine Hände. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich nachschauen, ob das Lied auf meiner Loewe-CD mit Hermann Prey enthalten ist, sonst muss ich es mir unbedingt anschaffen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

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    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Der Zufall will es, dass ich dieser Tage die von Willi eingestellte CD mit Klaviermusik von Carl Loewe höre. Sie ist brandneu. Die englische Pianisten Linda Nicholson spielt einen Flügel, der um 1850 im Londoner Haus der Klavierbauer Collard & Collard gebaut wurde. Der Klang ist etwas trocken. Sie legt Wert auf diese Form von Authentizität, was mir zusagt. Die große Zigeuner-Sonate ist nur wenige Jahre jünger als das Instrument. Loewe komponierte sie 1847 als op. 107. Sie prudelt über vor musikalischen Einfällen. Ein Gedanke jagt den nächsten. Es bleibt wenig Zeit für die Ausformung. Ich fühle mich stark erinnert an manche Balladen, die auch dieses Tempo in sich tragen. Bei Carl Loewe bin ich sehr gern und oft. Ich bin von den inzwischen historisch gewordenen Einspielungen der Balladen und Lieder geprägt. Um davon etwas Abstand zu finden, sagte mir deren Gesamtaufnahme auf 21 CDs bei cpo sehr zu, die ich als einen frischen Zugang empfinde. Hart hatte mich weiter zurück in diesem Thread gefragt, was ich denn wohl darunter verstünde. Ich fürchte, ich habe ihm das damals nicht deutlich genug machen können. Deshalb komme ich heute darauf zurück.


    Neulich vertiefte ich mich in die sehr interessanten Online-Angebote der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (Slub). Dort gibt es auch ein Archiv der Stimmen mit alten Schelllackaufnahmen von Balladen Loewes. Die Liste der Namen ist sehr lang, die technische Qualität in Teilen sehr bescheiden. Offenbar ist es um den Erhalt der Platten nicht zum besten bestellt. Ein paar Sänger will ich nennen: Josef von Manowarda, Julius von Raatz-Brockmann, Wilhelm Rode, Joan Luria, Theodor Scheidl, Hans Duhan, Arthur Henry van Eweyk, Robert Büssel, Paul Knüpfer, Hermann Gura, Franz Biehler, Carl Rittmann. Die Aufnahmen können sogar heruntergeladen werden, allerdings lediglich mit 160 kb/s. Wer sie höher aufgelöst haben will, kann sie sich kostenpflichtig bestellen. Für Höreindrücke reicht es allemal. Diese Interpretationen, nicht selten mehr als hundert Jahre alt, wirken auf mich ziemlich staatstragend und belehrend - so, und nicht anders! Ein Hauch von Mottenpulver umschwebt mich. Dennoch geht von ihnen eine starke Faszination aus. Man kann an Hand dieser Aufnahmen sehr gut die Entwicklung von Gesangsstilen und Ausdrucksformen studieren. An solche Dokumente dachte ich auch, als ich vom frischen Zugang der modernen cpo-Produktion sprach. Mir scheint, dass diese dröhnenden Aufnahmen mit ihren zum Teil dröhnenden Interpretationen lange Zeit den Zugang zu Loewe versperrt haben. Sie waren sehr gut gemeint und sind auch oft großartig gesungen. Sie haben aber auch eine Art historischen Mehltau über Loewe gelegt.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Du fragst, lieber Willi: "Kann man nicht genau das Gleiche auch über Franz Schubert sagen?"


    Ich sprach vom Balladenkomponisten, nicht vom musikalischen Lyriker, wie Schubert es in seinem tiefsten Wesen war. Auch er war - wer möchte das bezweifeln - zu eben solch hoher "Einfühlung" fähig.


    Ich wollte auf die Fähigkeit von Loewe zur Einfühlung in die epische, die sprachlich-narrativ generierte Situation verweisen - und sein Vermögen, diese mit klangmalerischen Mitteln musikalisch gleichsam neu erstehen zu lassen.

  • Da habe ich das wohl nicht richtig verstanden, lieber Helmut. Aber ich habe es ja am eigenen Leibe gespürt, was du gemeint hast.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo, Wok!


    Die Josef-Traxel-LP besitze ich auch und bin begeistert von dessen einfühlsamen Liedvortrag. Allerdings gibt es Lieder, die ich lieber von einer anderen Stimmlage gesungen höre. Es gehören z. Bsp. "Meeresleuchten" und auch "Der Nöck" dazu. Diese Aufnahmen höre ich doch lieber von einem Baß wie Josef Greindl gesungen. Aber "Gottseidank" haben nicht alle Musikhörer den gleichen Geschmack! :yes:

  • Zit: "Aber ich habe es ja am eigenen Leibe gespürt, was du gemeint hast."


    Das zu lesen, lieber Willi, freut mich über die Maßen.
    Zeigt es doch: Wir verstehen einander über Musik, - besser und tiefer reichend als über Worte!

  • Die Josef-Traxel-LP besitze ich auch und bin begeistert von dessen einfühlsamen Liedvortrag. Allerdings gibt es Lieder, die ich lieber von einer anderen Stimmlage gesungen höre. Es gehören z. Bsp. "Meeresleuchten" und auch "Der Nöck" dazu. Diese Aufnahmen höre ich doch lieber von einem Baß wie Josef Greindl gesungen. Aber "Gottseidank" haben nicht alle Musikhörer den gleichen Geschmack! :yes:


    Hallo Wolfgang,


    Das ist ja eine Überraschung! Ich dachte schon ich wäre der Einzige im Forum, der diese Aufnahme kennt! Und es freut mich natürlich, daß auch du von dem in der Tat höchst einfühlsamen Liedvortrag JOSEF TRAXELs begeistert bist! Mag schon sein, daß gerade für den "Der Nöck" eine Baß-Bariton-Stimme grundsätzlich besser paßt - ich denke da vor allem an DIETRICH FISCHER-DIESKAU - , doch handelt es sich hier um eine der gesangstechnisch wohl schwierigsten LOEWE-Balladen, und TRAXEL meistert diese mit unglaublicher Atem- und herrlicher Phrasierungskunst. In dieser Hinsicht wirklich eine Meisterleistung!


    Gruß
    wok

  • Ich werde mich nun in diesem Thread noch häufiger zu Wort melden, da ich nun auch die GA der Balladen und Lieder erhalten habe:


    Folgende Stücke aus der ersten CD habe ich vorhin gehört:


    Lieder und Balladen, Vol. 1:


    Elvershöh op. 118.2 (Johann Gottfried Herder) -- 3:41 min.;
    Die nächtliche Heerschau op. 23 (Freiherr von Zedlitz) -- 4:59 min.;
    Tom der Reimer op. 135 (Theodor Fontane) -- 7:04 min.;
    Odins Meeresritt op. 118 (Aloys Schreiber) -- 4:40 min.;
    Waffenweihe Kaiser Heinrich's IV. op. 122 (Gustav Schwab) -- 10:37 min.;


    Andreas Schmidt, Bariton
    Cord Garben, Klavier
    AD: 1994 - 2003


    Es war auch eine Reise in die Vergangenheit, denn "Tom, der Reimer" und "Odin's Meeresritt" hatten wir schon in der Schule durchgenommen, natürlich neben "Prinz Eugen", "Die Uhr" und "Heinrich, der Vogler". Ich muss es nochmals sagen, dass ich davon profitierte, dass mein damaliger langjähriger Deutsch- und Musiklehrer, der auch mein Klassenlehrer war bis zum Abitur, in der Nachkriegszeit viele Konzerte als Liedbegleiter gegeben hatte und sich von daher freute, dass es in seiner Klasse einige Schüler gab, die seine Liebe zum Liedgesang teilten. Damals habe ich die komplette Winterreise kennengelernt und Einiges daraus gesungen habe, sowie die "Schöne Müllerin", etliche Balladen von Carl Loewe und eingie Lieder von J.ohannes Brahms kennenlernte
    Aus der heutigen Hörsitzung haben mich eigentlich alle Balladen in der prächtigen Interpretation von Andreas Schmidt beeindruckt, besonders "Die nächtliche Heerschau", , "Tom der Reimer" und "Odins Meeresritt".


    "Die nächtliche Heerschau" hatte ich zuletzt live gehört im Konzert unseres Chorleiters Maximilian Kramer, begleitet von Thomas Mitschke, am 10. Mai 2014.


    Diese Gesamtaufnahme aller Loewescher Balladen und Lieder orientiert sich nicht wie diejenigen Werke aus der Michael-Raucheisen-Gesamtaufnahme an den Opuszahlen. so enthält diese erste CD Balladen zwischen op. 3.3 und op. 135.


    Liebe Grüße


    Willi :thumbsup::thumbsup::thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Wer sich für Carl Loewe in historischen Interpretationen seiner Balladen interessiert, dem möchte ich diese Sammlung ans Herz legen. Sie wurde von der Internationalen Carl Loewe Gesellschaft herausgegeben, die ihren Sitz in Löbejün (Sachsen-Anhalt) hat, wo Loewe am 30. November 1796 zur Welt kam. Sein Andenken wird dort sehr hoch gehalten mit einem eigenen Museum im ehemaligen Schulhaus, das sich genau an der Stelle befindet, wo einst das Geburtshaus - auch ein Schulgebäude - stand. Es handelt sich um direkte Übernahmen von Schelllackplatten aus der einzigartigen Sammlung des schottischen Historikers Ian Lilburn. Der hatte seinen gesamten Bestand an Tonträgern und Abspielgeräten kurz vor seinem Tod 2013 der Gesellschaft überlassen. Sie kann in Löbejün in Augen- und Ohrenschein genommen werde. Ich habe die Reise dorthin nicht gescheut und komme darauf vielleicht noch einmal zurück. In dieser Edition jedenfalls, die direkt nur in Löbejün bestellt werden kann, trifft man auf viele alte Bekannte. Der Wert besteht darin, das die Einspielungen hervorragand restauriert worden sind, ohne dass dabei die typische akustische Atmosphäre, die einer Schelllackplatte eigen ist, verloren geht.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Interessant, lieber Rüdiger, dass in dem in Löbejün angebotenen musikalischen Hörspiel über Carl Loewe "Es lockt des Nöcken Harfenschall" auch Peter Sodann mitspielt, der viele Jahre lang als Tatort-Kommissar "Bruno Ehrlicher" unterwegs war. Das mit der "Lilburn-Collection" muss ich mir noch mal überlegen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Interessant, lieber Rüdiger, dass in dem in Löbejun angebotenen musikalischen Hörspiel über Carl Loewe "Es lockt des Nöcken Harfenschall" auch Peter Sodann mitspielt, der viele Jahre lang als Tatort-Kommissar "Bruno Ehrlicher" unterwegs war.


    Er war noch viel mehr Jahre, nämlich jahrzehntelang Schauspieldirektor und Theaterintendant in Halle/Saale, nicht weit weg von Löbejün (mit "ü"), und wahrscheinlich immer noch dort wohnhaft.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Das habe ich auch in dem Wikipedia-Artikel über Peter Sodann gelesen, lieber Stimmenliebhaber, konnte aber als "Ortsfremder" die Querverbindung nicht ziehen. Schönen Dank für den Hinweis.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi, liebe Carl-Loewe-Freunde, im Thread über Michael Raucheisen war zuletzt die Quellenlage über den Komponisten angeschnitten worden. Ich möchte hier, wo es hingehört, etwas dazu sagen.


    Die Materiallage ist dürftig, wenn nicht beklagenswert. Es gibt bis heute keine Carl-Loewe-Biographie. Zumindest sind wieder diverse musikalische Annäherungen an Loewe in Form von CD-Produktionen und Aufführungen zu verzeichnen. Für begleitende Forschungen sehe ich zu geringe Anhaltspunkte. Das Händel-Haus in Halle hat in der Vergangenheit drei Bände im Rahmen ihrer Schriftenreihe veröffentlicht, die auch noch zu haben sind. Loewe hat einen Teil seiner Ausbildung in Halle bei dem damals hoch angesehenen Daniel Gottlob Türk absolviert:



    Band 10 
Carl Loewe 
Selbstbiographie / bearb. von Carl H. Bitter, hrsg. vom Händel-Haus Halle durch Konstanze Musketa. – Reprint des ersten Teils der Original-Ausgabe Berlin 1870. – Halle an der Saale : Händel-Haus, 1994 
ISBN 3–910019–08–0 € 5,10


    Band 12 
Henry Joachim Kühn 
Johann Gottfried Carl Loewe : ein Lesebuch u. eine Materialsammlung zu seiner Biographie. – Halle an der Saale : Händel-Haus, 1996 
ISBN 3–910019–10–2 € 5,10


    Band 13 
Carl Loewe - 
Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anlässl. seines 200. Geburtstages vom 26. bis 28. September 1996 im Händel-Haus Halle / hrsg. vom Händel-Haus Halle durch Konstanze Musketa unter Mitarb. von Götz Traxdorf. – Halle : Händel-Haus, 1997 – 592 S.: Notenbeisp. € 10,75


    Die Informationsfülle ist gewaltig. Bei der Redaktion wurde offenbar großer Wert darauf gelegt, die Schriften in eine gut lesbare Form zu bringen. Es gibt darin sehr viele Ansatzpunkte für eine umfängliche Biographie, die mit all den Irrtümern, die sich um Loewe ranken, aufräumt. Er, Loewe, hat ja selbst gehörig dazu beigetragen, dass gewisse Lebensumstände und biografische Details im Dunkeln blieben. In seiner "Selbstbiographie", die nicht sein ganzes Leben umfasst, die aber immer noch als eine wichtige Quelle angesehen werden muss, geht er sehr großzügig mit sich selbst um und legt falsche Spuren, was nicht sein brauchte.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Zitat von 9079wolfgang

    Hallo, Wok!


    Die Josef-Traxel-LP besitze ich auch und bin begeistert von dessen einfühlsamen Liedvortrag. Allerdings gibt es Lieder, die ich lieber von einer anderen Stimmlage gesungen höre. Es gehören z. Bsp. "Meeresleuchten" und auch "Der Nöck" dazu. Diese Aufnahmen höre ich doch lieber von einem Baß wie Josef Greindl gesungen. Aber "Gottseidank" haben nicht alle Musikhörer den gleichen Geschmack!


    Vielleicht kann ich da bei Gelegenheit behilflich sein. In meiner Michael-Raucheisen-GA habe ich beide Stücke, den Nöck gesungen von Wilhelm Strienz und das Meeresleuchten gesung von Josef von Manowarda. Beide sind Bässe.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Es würde mich sehr interessieren, ob Du mein Urteil über die kompositorisch "begrenzten" Fähigkeiten Loewes hinsichtlich des kompositorischen Umgangs mit Lyrik - im Gegensatz zu seiner Genialität im Umgang mit Balladen - zu teilen vermagst.


    Lieber Helmut, bitte sei nachsichtig mit mir, dass ich auf Deine Frage erste nach drei Jahren eingehe. Sie war mir wohl entgangen. Nun lese ich alle Beiträge dieses Themas und stoße darauf. Bei Loewe hat ja nichts Eile. Die Forschungsergebnisse überschlagen sich nicht. Ohne jede Einschränkung teile ich Deine Auffassung. Sie war für damals, 2012 gültig und ist es noch immer. Ich glaube, Loewe brauchte bei seinen Kompositionen den dramatischen erzählerischen Impuls, der in Balladen steckt. Er regte ihn an. Sind diese Vorlagen literarisch besonders gelungen, entfalteten sich die musikalische Umsetzung noch um einiges mehr. Das ist zumindest mein Eindruck. Eine Ausschließlichkeit sehe ich darin aber nicht. Ich denke an die vier Balladen op. 99, Kaiser Karl V. Die Nr. 3 ist "Der Pilgrim vor St. Just" nach Platen. Über den Text ließe sich streiten, die musikalische Umsetzung aber finde ich betörend mit dieser Müdigkeit und dem Überdruss schon in der Einleitung. Op 1, die ersten "Drei Balladen" bilden einen unglaublicher Einstieg in das Gesamtwerk: "Edward", "Der Wirthin Töchterlein", "Erlkönig" mit Texten von Goethe und Herder, der sich mit dem "Edward" bei einer schottischen Vorlage bediente. Das im Werkverzeichnis letzte Stück, das "Reiterlied" op. 145 Nr. 5, basiert auf einem Text von Oskar von Redwitz. Der taugt nicht sehr viel. Wie Loewe aber daraus diesen Ritt, dieses Vorwärtdrängen, dieses rasante und auch elegante Tempo entwickelt, lässt mich immer wieder staunen.


    Es wird aber noch etwas deutlich. Es gibt kaum Unterschiede zwischen dem jungen und dem alten Loewe. Mich wundert, dass Loewe keine Texte von Bürger vertont hat, die ja in seiner Zeit tonangebend waren für die Balladenliteratur. Sogar in seiner Selbstbiographie, die mit aller Vorsicht zu lesen ist, erinnert er sich daran, wie im Haus der Eltern Balladen von Bürger gelesen wurden. Loewe, der die Kindheitserfahrungen in seiner Geburtsstadt Löbejün nie losgeworden ist und in seinem Werk thematisch mehrfach darauf zurück kommt - zum Beispiel im Liederkreis "Der Bergmann" op. 39 - machte dann doch um diesen Dichter einen Bogen.


    Dies nur einige sehr persönliche Gedanken, die über die ursprünglich gestellte Frage hinaus gehen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."