Ernst Kozub - einer der letzten, großen Heldentenöre

  • Der Soundtrack zu der Kölner Verfilmung ist jetzt auch bei Cantus Classic erhältlich.



    Giacomo Puccini (1858–1924)
    Il Tabarro
    (2 Gesamtaufnahmen in deutsch & italienisch)
    2 CDs
    Künstler:
    1) Marcel Cordes, Helga Pilarczyk, Ernst Kozub, Herold Kraus, Heiner Horn, Hildegund Walther,
    Orchester des Kölner Rundfunks,
    Dirigent: Alberto Erede
    (1961 / in deutscher Sprache);


    2) Robert Merrill, Renata Tebaldi, Mario Del Monaco, Renato Ercolani, Silvio Maionica,
    Maggio Musicale Fiorentino,
    Dir.: Lamberto Gardelli
    (1962 / in italienischer Sprache)


    Label: Line, AAD

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Heute wäre er 90 geworden:

    Ernst Kozub, Tenor, * 24.1.1924 Duisburg- Hamborn, † 27.12.1971 Bad Soden.
    Er studierte in Weimar und begann seine Laufbahn 1950 als Châteauneuf in Zar und Zimmermann an der Komischen Oper Berlin.
    Vier Jahre später wechselte er an die Frankfurter Oper und 1962 nach Hamburg.
    Trat an allen großen deutschen Bühnen auf, dazu in London, Mailand (1963 Siegmund, Siegfried), Buenos Aires, Wien (Bacchus, Florestan). Sang auch lyrische Partien wie Hoffmann, Don José, Alfredo, auch Radames.
    Ernst Kozub galt als einer der besten Heldentenöre seiner Generation, ohne dass sich seine Stimme voll entwickeln konnte.
    Nach einem Verkehrsunfall 1967 konnte er seine Karriere nur unter größter Anstrengung fortsetzen.
    1971 brach er während einer »Tannhäuser«- Aufführung an der Oper von Marseille zusammen und starb gegen Ende des Jahres im Alter von 47 Jahren.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich werde durch die vielen Aufnahmen mit diesem Sänger Ernst Kozub stets in Erinnerung behalten. Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, sein Grab im Taunus zu besuchen. Schade!

    W.S.


  • Höchst beeindruckende Stimme. Etwaige Schwächen wurden in diesem Thread ja bereits breit diskutiert. Was gäbe man heute für solche Stimmen?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das ist wirklich toll, eine derart geballte Ladung Testosteron habe ich selbst bei Max Lorenz nicht konstatiert.
    Man fragt sich, warum ihn Solti dann nicht wenigstens in der Walküre statt King berücksicht hat...

  • Liebe Kozub-Fans,


    ist das eigentlich die einzige "Walküre", in der Kozub komplett dokumentiert ist? Und gibt es irgendeinen Mitschnitt von ihm als Siegfried, ob in gleichnamiger Oper oder in der "Götterdämmerung"? An der Scala soll er den Siegfried ja durchaus gesungen haben, nur ob das mitgeschnitten wurde?


    Um Aufklärung wäre ich sehr dankbar!

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II.!


    Obwohl ich als Kozub-Fan eine Menge Aufnahmen mein Eigen nenne, kann auch ich Dir nicht helfen. Außer einzelnen Arien aus der "Walküre", in London und Innsbruck aufgenommen, kenne ich keine andere Gesamtaufnahme der "Walküre".



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Es gibt noch eine WALKÜRE mit Kozub aus London von 1967 unter Edward Downes, sonst nichts dergleichen. Sie wurde von der BBC aufgenommen, gesendet und ist bei Golden Melodram herausgekommen. Der SIEGFRIED ist Legende. Was hier und da im Netz darüber verbreitet wird, konnte nie durch noch so gründliche Recherchen bestätigt werden. Es kursiert auch die Behauptung, SIEGFRIED sei bei der RAI Milano oder Rom aufgenommen worden. Alle zugänglichen und in Italien veröffentlichten Aufnahmeverzeichnisse der RAI, also nicht nur aus Mailand und Rom, enthalten keinen SIEGFRIED mit Kozub. Es grenzte an ein Wunder, an die man immer glauben sollte, würde noch etwas auftauchen. Darin sind sich jene einig, die sich intensiv mit Kozub beschäftigt haben. Nicht nur in Deutschland. Harald war einer von ihnen. Es lohnt sich, sich seine Beiträge in diesem Thread noch einmal vorzunehmen. So gedenken wir am besten unseres toten Freundes. Es wäre ganz in seinem Sinn. Auch in Hamburg, wo Kozub bis zum Schluss lebte und begraben ist, gibt es einen entsprechenden Freundeskreis. In Hamburg lebt auch sein Sohn, der die Bemühungen, das Andenken an seinen Vater wach zu halten, immer wohlwollend unterstützt. Es existieren mehr Aufnahmen von Kozub als man gemeinhin denkt. Weiter oben wurde einiges aufgelistet. In den verschiedensten Archiven, in die ich gelegentlich Einblick hatte, befinden sich auch private Mitschnitte aus Hamburg und Köln, beispielsweise TANNHÄUSER und LOHENGRIN. MEISTERSINGER wurden tatsächlich bei der RAI eingespielt.


    Es ist nur zu begrüßen, dass jetzt im Forum wieder einmal die Rede auf Ernst Kozub kommt.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876


  • Ich darf mit dieser Aufnahme aus 1968 an Ernst Kozub erinnern.


    Heute wäre sein 91. Geburtstag gewesen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Habe gerade den ganzen Thread durchgelesen und dabei den Hamburger "Freischütz" gehört, wenn auch dabei kaum gesehen - was für eine Stimme!



    an einer unheilbaren, schweren Krankheit gestorben.

    Weiß jemand mehr?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber,


    ich habe vorhin noch mit Herbert Henn gesprochen, ich werde ihn morgen früh beim Frühstück mal fragen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • https://www.youtube.com/watch?v=BwRx5hWzRwk


    Zufällig bin ich auf diese Aufnahme gestoßen. In einer Ernst-Kozub-Diskographie habe ich sie bisher nicht gefunden. Ihr besonderer Wert besteht darin, dass Kozub nicht nur zu hören sondern auch zu sehen ist bei einer Veranstaltung am 23. August 1959 in Frankfurt, die offenbar im TV ausgestrahlt wurde. Er singt das populäre Lied "La Danza" von Rossini.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • R-5606894-1519466218-3939.jpeg.jpg


    Dieser Tage gibt es Anlass, sich mit jüdischen Gesängen zu beschäftigen. Ich habe mir diese Platte in einer privaten Überspielung wieder hervorgeholt und mit Ergriffenheit gehört. Das Programm:

    1        Ma towu (Lawandowski)

    2        Kol nidre (nach der traditionellen Melodie / Neumann)

    3        Sch'ma Kolenu (Rumschinski - Neumann)

    4        Mekimi m'ofor dol (Rosenblatt - Neumann)

    5        Ufnucho jomar (Rosenblatt - Neumann)

    6        Hodu al erez (Neumann)

    7        Chasanim oif Probe (Secunda)

    8        Das jiddische Lied (Secunda)

    9        Adam

    10    Din - Dan (Israel-Gesänge / Arrgt. Neumann)

    11    S - u scheorim (Psalm 24 / Naumbourg)


    Unter den Solisten ist neben Aladar Fuchs und Elie Taube auch Ernst Kozub.

    Chorale "Oratio de Paris"

    Renée Fleury, Piano

    Marie-Luise Girod, Orgel

    Leitung Max Neumann

    aufgenommen am 24. und 25. Februar 1958, Salle Pleyel, Paris


    Die als LP veröffentlichte Produktion der Deutsche Grammophon ist nie auf CD gelangt. Warum? Ich kann es mir nicht erklären, zumal die Stücke Aufmerksamkeit verdienen. Ich weiß auch nicht, wie Kozub zu der Mitwirkung kam. Hat jemenad weiterführende Informationen?

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rüdiger,


    diese Schallplatte habe ich zweifach, sowohl in mono wie auch in stereo. Sie ist - wie ich finde - eine Trouvaille im umfangreichen Katalog der 'DGG' und in Deutschland nie richtig bekannt geworden, vermutlich aus naheliegenden (politischen) Gründen. Der Anlass für diese Aufnahme ist ebenso spekulativ wie auch der Grund, weshalb Ernst Kozub als Tenorsolist verpflichtet wurde.


    Zur Zeit der Veröffentlichung der 'DGG'-Platte (1959) gab es bereits bei 'Telefunken' ein paar EPs mit Aufnahmen von dem aus Griechenland stammenden Kantor der Berliner Jüdischen Gemeinde, Estrongo Nachama (mit einer wirklich herrlich timbrierten Baritonstimme), der vor allem im Empfangsgebiet des RIAS durch die wöchentlich gesendeten Musikaufnahmen zum Sabbat bekannt war. (Später wurde er noch bekannter durch seinen Auftritt im Film „Cabaret“.) Vermutlich wollte die 'DGG' die mit der Neugründung jüdischer Gemeinden in den 50er Jahren verbundene Nachfrage nach Tonaufnahmen mit hebräisch-liturgischen Gesängen nutzen und gleichzeitig ihr Repertoire internationaler gestalten, zumal im europäischen Ausland durch den Import derartiger amerikanischer Schallplatten, z. B. mit den Tenören Jan Peerce und Richard Tucker, gute Verkaufserfolge erzielt wurden.


    Es war vor allem der Frankfurter Komponist und Dirigent Max Neumann, der als Leiter des von ihm in Frankreich gegründeten Chors „Chorale de Paris“ - und später auch seines „Liturgischen Chors“ in Frankfurt - sich bemühte, mittels Konzerten und Gastspielreisen die in Europa durch die Terrorherrschaft der Nazis beinahe untergegangene Kultur der (nicht folkloristischen) jüdischen Musik zu neuem Leben zu verhelfen. Max Neumann (1894 – 1960) war bis 1938 Dirigent bei der Frankfurter Iraelitischen Religionsgemeinschaft und Organisator des jüdischen Kulturbundes „Bar Kochba“; er floh über Strasbourg und Paris nach Nizza, wo er inhaftiert wurde, aber durch Bestechung eines französischen Wärters flüchten konnte. Bis zur 'Liberation' 1943 lebte er in einem Versteck in den Wäldern von Valence. Neumann blieb in Frankreich, arbeitete einige Jahre am Opernhaus von Lyon als Kapellmeister und Korrepetitor und gründete in Paris die oben genannte, heute nicht mehr existierende Chorvereinigung, bestehend ausschließlich aus Berufssängern im Gegensatz zum heutigen Laienchor „Choeur d' Oratorio de Paris“, gegründet 1989 von Jean Sourisse. (Vor dem Frankfurter Fußballstadion gibt es übrigens auch einen 'Stolperstein' für Max Neumann, der bis 1933 für „Eintracht Frankfurt“ das musikalisches Rahmenprogramm seiner Vereinsfeiern gestaltete.)


    Als es 2002 darum ging, den 1971 verstorbenen Tenor Ernst Kozub in der Publikationsreihe „Stimmen, die um die Welt gingen...“ zu würdigen, hat der 2014 verstorbene Initiator Ulrich Mittelstaedt aus Düsseldorf auch Kontakt zum Sohn des Tenors in Hamburg aufgenommen und zu dieser Aufnahme der jüdischen Gesänge befragt. Ernst-Georg Kozub konnte zwar die Aufnahmedaten zu dieser Schallplatte nennen, wusste aber auch nicht, wie es 1958 – er war da noch Schüler - zur Verpflichtung seines Vaters für diese Schallplatte gekommen war. Ich vermute, dass Max Neumann, der in den 50er Jahren wieder in Frankfurt ansässig war und dort auch 1960 mit 66 Jahren starb, den seit 1954 am Frankfurter Opernhaus (in der Ägide Georg Soltis) fest engagierten und im deutschen Sprachraum durchaus bekannten Sänger persönlich kannte und ihn für dieses Projekt interessieren und einweisen konnte.


    Weshalb man nicht Max Neumann oder den auch an der Aufnahme beteiligten Kantor Aladar Fuchs aus Antwerpen – einen Bariton, der auch auf Schallplatten mit Estrongo Nachama zu hören ist – mit dem Verfassen einer fundierten Einführung in die Welt der kantoralen Synagogenmusik beauftragte, ist eines der vielen Rätsel zu dieser Schallplatte, die schnell wieder aus den deutschen Katalogen verschwand und bis heute – trotz der hervorragenden Aufnahmetechnik - nicht auf CD wiederveröffentlicht wurde. Denn die 1959 international erschienene Platte der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' mit dem Titel „Jüdische Gesänge“ war geradezu miserabel editiert worden: ein nichtssagender anonymer Hüllentext in vier Sprachen, der weder auf die einzelnen Musikstücke noch auf die z. T. bekannten Komponisten eingeht, keine originalen Gesangstexte und/oder deren Übersetzungen - das ist einfach unmöglich. So bleibt dem Hörer nur, der für uns 'Nachgeborenen' fremdartigen und einen doch unmittelbar in Bann ziehenden Musik quasi 'unbelastet' zuzuhören.


    Ich versuche, in einem nachfolgenden Beitrag, etwas zu den einzelnen auf der Platte enthaltenen 'Nummern' zu schreiben.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Lieber Carlo, von Herzen Dank für die vielen Informationen. Nun bin ich gespannt, mehr über die einzelnen Titel zu lesen. Ich freue mich darauf.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Bei der Premiere in Frankfurt 1969, "Frau ohne Schatten", konnte Kozub nur singen nach einer vom Arzt verabreichten Spritze, aufgrund schwerer Erkältung. Er sang dennoch glanzvoll, nur das Schluss-C kam etwas "leise". Beim anschließenden Gespräch mit ihm in der Garderobe, hat er mir den Hintergrund geschildert. Eine Meldung über Indisposition war nicht erfolgt.

    Den René im Maskenball, in Düsseldorf, drei Tage später, jedoch hatte er

    schon deswegen abgesagt.


    Schöne Grüße aus Mainz

    Hans K. Preusse

  • Lieber Hans Preusse,


    willkommen bei "Tamino" und Danke für den Beitrag!


    Bezüglich der Schallplatten-Aufnahme Ernst Kozubs von jüdischen Gesängen (Beitrag Nr. 106) möchte ich nachtragen, dass ich zwar inzwischen Kontakt zum Kantor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf aufgenommen habe, aber es aus Termingründen und der 'Corona'-Pandemie noch nicht zu einem grundlegenden Informations-Austausch gekommen ist. Ich werde die Angelegenheit aber weiter verfolgen.


    Carlo

  • Den René im Maskenball, in Düsseldorf, drei Tage später, jedoch hatte er

    Lieber "Hans Preuße", auch ich sage dir Herzlich Willkommen, aber bist du ganz sicher, dass der Tenor Kozub die Bariton-Partie des René gesungen haben soll`? Ich denke, du hast da was verwechselt. :yes::hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"