Meine Begegnung mit... - Selbsterlebte große Künstler

  • Hallo!


    Viele von uns haben unzählige Künstler und Künstlerinnen auf den Bühnen oder dem Konzertpodium gesehen, etliche von uns haben sicher mit dem einen oder der anderen ein kurzes Wort gewechselt, wenige haben vielleicht näher mit bestimmten mit Künstlern zu tun gehabt oder sind sogar mit ihnen bekannt.


    Wenn ich nun einen Thread über selbsterlebte Begegnungen mit Komponisten und Musikern, Schriftstellern und Schauspielern, Bildenden Künstlern und genialen Fußgängerzonenperformern aufmache, möchte ich doch von vornherein eine Perspektive auf – egal ob bereits von uns gegangene oder noch unter uns weilende – Menschen ausschließen: Die Perspektive des Voyeurismus.


    Ich denke ausschließlich an angenehme, vielleicht spritzige oder für den jeweiligen Künstler typische Erlebnisse, die hier mit aller gebotenen Dezenz, ein wenig nett verpackt, wiedererzählt werden können. Keinen Platz mögen Erlebnisse erhalten, die die Persönlichkeit eines Künstlers oder einer Künstlerin unschön beleuchten. Neben solchem ansatzweisen Paparazzotum soll auch etwaiger „investigativer Journalismus“ außenvor bleiben. Nichts soll bitte „aufgedeckt“ oder „richtiggestellt“ werden. Das ist nicht unsere Aufgabe.


    Ansonsten können – so wenigstens denke ich es mir – zwischen erzkomischer und tieftrauriger Begegnung alle Zwischentöne vorkommen, die die Tonleiter menschlichen Erlebnisgehaltes aufzuweisen hat. Auch gegen eine persönlich gefärbte Sicht auf die jeweilige Person ist wohl nichts einzuwenden, solange jene Distanz gewahrt bleibt, die einen unverstellten Blick auf die Person verbürgt, von der die Rede ist.


    So, nach diesem – wie ich finde notwendigen – kleinen Präludium möchte ich selbst starten, obgleich ich es ansonsten für eine gute Sitte halte, daß der Threadstarter nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und erstmal die andern machen läßt. Meine Begegnungen, von denen sich zu reden lohnte, sind denkbar dünn gesät, genaugenommen komme ich auf anderthalb. Da werden andere sicher weit mehr zu berichten haben, und ich bin schon gespannt darauf.


    Gioachino z.B. ist ja in seinem Avatar mit Fischer-Dieskau abgebildet, ich meine mich zu erinnern, daß irgendjemand von uns den „Fi-Di“ interviewt hat (Sagitt?), und eben mit demselben Herrn will ich im nächsten Posting auch beginnen.



    Liebe Grüße,


    Alex.

  • Ich bin ein großer Bewunderer von Dietrich Fischer-Dieskau. Die Dokumentation, die Bruno Monsaignon zu des Sängers 70. Geburtstag angefertigt hat, habe ich 1995 aus dem Fernsehen aufgenommen und in den folgenden zwei Jahren sicher dreißig-, vierzigmal gesehen.


    Das auslösende Erlebnis jedoch trug sich schon zwei Jahre vorher zu, ich war in Leipzig in der Zivildienstschule, hatte bis dahin außer zu Kindheitszeiten nur Blues und Rockmusik gehört und auch gemacht. Da ich ein beinahe reiner Schallplattenhörer bin, besuchte ich mit vielem guten Sinn den Plattenladen in der Nähe der Nikolaikirche, der viele schwarze Scheiben anbot. Man aber führte keine Rock-LPs, stattdessen sah ich mich mit „Klassik“ konfrontiert.


    Ich überlegte, daß einem Neunzehnjährigen, der bereits fleißig gute Bücher las, langsam auch ordentliche Musik nicht schlecht zu Gesichte stehen würde, verdrängte den erlittenen Klavierunterricht für einen Augenblick und warf mich tapfer ins Getümmel unbekannter Namen, Titel, Werke.


    Wie ich so dastand und alles, was ich fand, mit irgendeinem dunklen Eindruck aus der Kindheit zu verknüpfen suchte, hörte ich irgendwann, daß in einer Ecke des Ladens ein Gespräch stattfand, über einen Sänger offenbar, dessen Namen ich noch nie gehört hatte, der aber hundertmal genannt wurde: Fischer-Dieskau!


    Ich empfand es als verfehlt, die Leute noch genauer zu belauschen, ich hätte wohl auch nichts davon verstanden, und redete mir lieber ein, daß der, über den so angelegentlich gesprochen wird, ja doch wohl etwas auf dem Kasten haben müsse. So wählte ich denn zu meinen ersten selbstgekauften Klassikplatten neben dem Mozart-Requiem mit Solti, der „Entführung“ mit Jochum und den Tageszeitensymphonien von Haydn auch einen Opernquerschnitt aus, bei dem der mir nun in den Ohren klingelnde „Fischer-Dieskau“ mittat: „Figaros Hochzeit“, deutsch gesungen, mit Ferdinand Leitner am Pult.


    Ich habe nie bereut, in dieser merkwürdigen Weise auf den Mann aufmerksam geworden zu sein, der wie kein zweiter meine Vorstellungen von dem, was sich gesanglich mit der Sprache machen läßt, geprägt hat.


    Nun aber zu meiner wirklichen „Begegnung mit… Dietrich Fischer-Dieskau“.


    Am Zweiten Februar 1997 gaben Walter Jens und Fischer-Dieskau Auszüge aus dem Briefwechsel Wagner-Liszt in der Kölner Philharmonie zu Gehör. Es war noch nicht, wie im darauffolgenden Jahr bei Hofmannsthal-Strauss, nötig, sich mit dem äußerst überschaubar angereisten Auditorium gemeinsam auf dem Podium zu versammeln, und Fischer-Dieskau, der in diesem Jahr die Aufführung aller Schubertlieder in der Kölner Philharmonie organisierte, war auch gut in Form, sang uns die Elsa von Brabant, die Leute hörten dankbar zu, und als der letzte Brief verlesen war gab es noch Autogrammstunde.


    Ich hatte meiner guten Freundin Nadine zuvor die eben neuerschienene Bearbeitung von Fi-Dis Schubert-Buch geschenkt, das hatten wir dabei, darein sollte er kritzeln. Vor Dieskaus Tisch war großer Andrang, denn zu Walter Jens hatten sich nur zwei Damen verirrt, eine, die sich vertan hatte und eigentlich genau wie allen anderen zu Dieskau wollte, und eine, die sich Herrn Jensens Promotionsschrift, welche aus der Antike herrührt und auch in ihrer Hand genauso aussah, gern signieren lassen wollte.


    Die Reihe vor Herrn Dieskau kam an mich. Ich bin, wenn ich mich gerade halte, nur 1 Meter 76 groß, und Dieskau sah im Sitzen noch so aus, als käme er aufs Doppelte. Da stand ich nun vor dem verehrten Meister und mir fiel ein, daß ich mir nicht gut überlegt hatte, was zu sagen sei. Ich wollte gern ein Autogramm, na schön, das kann man auf die eine oder andre Weise formulieren. Und ich war doch nicht auf den Mund gefallen, da mußte jetzt ganz rasch was furchtbar Tiefsinniges her, Anspielungsreiches, mit Esprit, was einen gewaltigen Kenntnisstand verriet.


    Ich nahm mich zusammen, konzentrierte alle meine Fähigkeiten und fragte also: „Können Sie bitte schreiben: Für Nadine?“. Das saß! Damit konnte er unmöglich gerechnet haben. „Für Elise“, geschenkt, aber „Für Nadine“!?


    Er hatte auch gar nicht gerechnet. Er hatte nicht einmal verstanden. Er drückte nur das Kreuz durch (war jetzt gefühlt dreimal so groß wie ich), und polterte mit seiner mir so lieben, wohlvertrauten, schönen Stimme: „Sie müssen deutlicher sprechen, junger Mann, die Zähne auseinander. Nicht so´n Genuschel….“


    Ich wiederholte ängstlich, aber deutlich - ganz wie in der Schule: „Für Nadine“, er nickte ärgerlich und trug den Namen ein. Ich, der ich noch wenige Jahre zuvor überlegt hatte, Schauspieler zu werden, der ich seit meinem dritten Lebensjahr auf irgendwelchen Bühnen gestanden hatte – zum Teil vor Tausenden von Leuten – der seinen Kleinen Hey und seinen Siebs vorwärts und rückwärts konnte, ich hatte versagt. Vor Dieskau hatte ich versagt. Er würde es nicht mehr vergessen. Ich war entehrt, verstoßen, war dahin. Und das bis heute...


    Ja, so war das mit mir und Fischer-Dieskau. Wenn dieser Thread Mitmacher finden sollte und sich fortführt, erzähle ich vielleicht das nächste Mal, wie Jessye Norman zwei Riesensäcke Ri***a Schweizer Kräuterzucker aus der Philharmonie entwand und wie wir ihr durch die halbe Stadt hinterhergefahren sind, um dabeizusein, wenn sie sie aufißt (echt wahr)…



    Liebe Grüße,


    Alex.

  • Mein hoher Herr,


    eine wunderschöne Idee und ein köstlicher erster Beitrag, ich freue mich schon jetzt auf Jessye Norman.


    LG


    Emotione


  • Hallo Alex,


    hmmm.... das ist jetzt gemein. Die Story würde mich jetzt wirklich interessieren....


    Ich kann aber zu persönlichen Begegnungen mit großen Künstlern eigentlich nichts beitragen. Meine einzige direkte Begegnung bisher war mit Christoph Prégardien und Andreas Staier nach einem Liederabend in Paris, bei dem sie die "Schöne Müllerin" aufgeführt haben. Da das Konzert ziemlich gut war, ich bereits schon einige großartige Konzerte und Platten mit den beiden gehört hatte, habe ich mich das erste Mal in meinem Leben aufgemacht bei der Autogramm-Stunde nach dem Konzert ein Autogramm zu ergattern. Als ich dann vor denn beiden stand, ist mir vor allem aufgefallen, wie müde und kaputt sie aussahen. Da habe ich mir gedacht, so ein Liederabend (und auch andere Konzerte) ist kein Zuckerschlecken, sondern sicher körperlich, emotional und von der Konzentration her "Schwerstarbeit".


    Ich habe mein Autogramm bekommen, aber eigentlich hatte ich ein ziemlich schlechtes Gewissen. Ich habe mir da vorgenommen, nie wieder nach einem Konzert ein Autogramm zu erbitten - das habe ich bis heute auch so gehalten.


    Viele Grüße,


    Melanie

  • Liebe Melanie,


    von wegen "nichts beitragen"! Das ist doch aber eine schöne, stille "Begegnung" gewesen mit einer recht tiefsinnigen "Pointe", wenn ich so sagen darf, nämlich Deiner Einsicht, aus Rücksichtnahme künftig lieber von Autogrammwünschen nach der Vorstellung abzusehen.


    Ich bin gespannt auf weiteres...


    Euer Alex. :hello:

  • Da Du, lieber Alex, diesen Thread unter »Literatur und Theater« eingestellt hast, wage ich dann doch mal, auch von einer ungewöhnlichen Begegnung mit einen »großen« Künstler zu berichten (was genau konstituiert eigentlich einen »großen« Künstler? :D ).


    Es begab sich zu der Zeit, als Helmut Kohl in den zentralen Wehen seiner Kanzlerschaft lag, daß ich – seinerzeit hoffnungsvoller Student der Neueren deutschen Literatur und einiger anderer brotloser Künste – gemeinsam mit einer mir inzwischen fremden Frau im schönen Bochum-Langendreer meinen Wohnsitz genommen hatte. Zu jener Zeit, in der Frank-Patrick Steckel als Intendant für das Programm und auch sonst alles am Bochumer Schauspielhaus verantwortlich zeichnete, sah man mich daselbst häufig als Gast in jenem Etablissement, in dem seinerzeit unter anderem Peter Roggisch, Wolfgang Michael, Hedi Kriegeskotte, Armin Rohde und viele andere große Schauspieler ihren Dienst versahen. Naja – aber neben dem Schauspiel gab es halt das normale Leben und das besteht bekanntlich aus Alltag. Und wo kauft man ein, wenn man in einem Kaff wie Bochum-Langendreer lebt? – Genau, eben da. Und da stehe ich doch mit meiner damaligen Freundin in der Schlange an der Kasse – wir reden (als echte angehende Bildungsbürger) naklar gerade über die jüngste Inszenierung von Becketts »Endspiel« –, ich schaffe es mal, den Blick von meiner intelligenten (und durchaus ansehnlichen) Freundin loszureißen, die sich gerade ganz gelehrt über die Stärken und Schwächen von Roggisch als Hamm ausläßt, schaffe es also, meinen Blick über die vielen anderen, die in den vielen Kassenschlangen anstehen, schweifen zu lassen und (Achtung! - jetzt Heideggerts oder Bohrerts) plötzlich, ganz plötzlich steht die Zeit still!!! – Entdecke ich doch in der Nebenschlange den Clov! Steht einfach da in der Schlange. Im Strickpulli, mit einer dieser komischen Strickmützen, die von fern an eine Kippa erinnern, mit Wollsocken in Sandalen. Schiebt einen Einkaufswagen vor sich her und quasselt mit einem unscheinbaren etwas, das wohl seine Freundin ist oder so. Ich schaue nochmals hin, stoße meine Freundin an (plötzlich, für Augenblicke, auch ein unscheinbares etwas) und, ja, das ist er: Clov, alias Armin Rohde und zwar lange vor »Kleine Haie«, »Lola rennt«, »Rossini« etc.. Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, ihn anzusprechen oder um ein Autogramm zu bitten oder sowas. Mich hat eigentlich nur interessiert, was dieser Mann wohl essen würde. Und siehe da: Toastbrot, Nutella, irgendeine Billigmarmelade, abgepackte Wurst... Clov verdient nicht gut bei einem städtischen Theater, dachte ich. Schade eigentlich.


    Was habe ich aus der Begegnung mitgenommen? Die Sicherheit, daß meine damalige Freundin besser aussah als seine. Andererseits hat er dann Bierchen gespielt und so...


    Inzwischen wohnt er ja nicht mehr in Bochum. Ich aber auch nicht.


    So verschieden ist es im menschlichen Leben halt doch nicht.


    Viele Grüße,
    Medard

  • :hahahaha:


    Ja, der Wahnsinn! Wunderbar, Medard! Und völlig richtig beobachtet, hier kommt noch jeder Künstler rein, ob klein, ob groß, ob blond, ob braun... wenn Deine Ex nicht schlecht daneben ausschaut, darf es doch jeder oder jede sein...


    Zitat

    denn wie schrieb ich erst neulich
    ...selbsterlebte Begegnungen mit Komponisten und Musikern, Schriftstellern und Schauspielern, Bildenden Künstlern und genialen Fußgängerzonenperformern...


    Ins Literatur- und Theaterforum bin ich damit gegangen, weil es ja doch meist großes "Theater" ist auf der Bühne des Lebens, wenn so ein Künstler mal vor einem auftaucht...



    Alex.

  • Lieber Alex,


    aufgrund der in Hamburg allgemein recht hohen Dichte von Personen des öffentlichen Lebens kommt man, wenn man lange genug hier lebt, gar nicht darum herum, hin und wieder auf selbige im Alltag zu stoßen. Sei es, dass man sie im Vorbeigehen wahrnimmt (z.B. die wirklich sehr kleingewachsene "Mutter der Nation" Inge Meysel beim Betreten eines Silberwarengeschäftes am Jungfernstieg), mit ihnen im selben Laden einkauft (z.B. Schauspieler Balduin Baas (der Dirigent aus Fellinis "Orchesterprobe") beim Erwerb bayerischer Spezialitäten bei "Schlemmermayer"), ihnen plötzlich im Türrahmen eines Restaurants gegenübersteht (der wahrhaftig raumfüllende Ulrich Wildgruber (schwitzend, mit wirrem Haar und rollenden Augen)) oder mit ihnen am Geldautomaten ansteht (Thomas Fritsch und Judy Winter). Andere Schaupieler wie etwa Gustav-Peter Wöhler oder Siegfried Kernen sehe ich häufiger in meiner Nachbarschaft bzw. regelmäßig beim Busfahren.


    Am relevantesten für diesen Thread aber dürfte eine zufällige Begegnung mit Michael Gielen ca. 1991 bei "Hanse Viertel Schallplatten" sein. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte ich, der ich mit dem Rücken zur Tür vor dem Opernregal stand, wie sich zwei Verkäufer um einen Kunden scharten, dessen Aussehen (sehr hochgewachsen, Brille, markanter Bart) mich veranlasste, bei Herrn Mühlbach, dem damaligen Leiter der Klassikabteilung, nachzufragen, ob es sich bei dem Kunden tatsächlich um Gielen handele, was dieser mit einem gewichtigen "Er ist es!" bestätigte. Gielen schien sich gerade auf einer Art Großeinkauf zu befinden, die CDs stapelten sich bereits auf einem der Tische und zielstrebig steuerte er auf den Bereich der Wagneraufnahmen zu. Er hatte es zu meinem Leidwesen auf eine Box abgesehen, die auch ich bereits ins Auge gefasst hatte, nämlich den Salzburger Live-Mitschnitt des Karajan-"Ringes", eine wirkliche Rarität auf einem der Graulabels. Angesichts der doch gänzlich anderen musikalischen Ästhetik Gielens war ich ob dieser Wahl sehr erstaunt und es gelang mir irgendwie, ihn darauf anzusprechen. Gielen erwies sich als durchaus zugänglich, erzählte mir von seinen Erfahrungen als junger Kapellmeister mit Karajan (die ich dann in seiner Autobiographie teilweise wiedergefunden habe) und verhehlte seine Wertschätzung trotz fundamentaler musikalischer Differenzen nicht (wobei er den Livedirigenten K. dem Studiodirigenten K. doch vorzog).


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Lieber Medard :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:
    So kennen und lieben wir dich!!!!!


    Ich treffe nur immer Malgoire und Casadesus auf der Strasse, Letzteren öfter mal mit einer rothaarigen Dame im Kino, die aber eindeutig besser aussieht als ich :wacky:

  • Am Rande hatte ich auch mit diversen Prominenten zu tun ; besonders angenehm in Erinnerung ist mir ein Pizzaessen mit Waltraud Meier. Jeweils zum Semesterschluß gibt es bei Professor Fischer eine Feier mit Gästen, und bei zwei dieser Gelegenheiten war auch die "Isolde vom Dienst" zu Gast. Thomas Hampson hatte leider bislang nie Gelegenheit teilzunehmen, aber seine Bekanntschaft machte ich nach einer Vorlesung an der Universität. Und eine meiner besten Freundinnen, eine recht bekannte Schriftstellerin, lernte ich in diesem Rahmen auch kennen.

  • Ich bin laut Pass 1,73m.
    Auch in Garmisch-Partenkirchen 1989, beim allerersten Richard-Strauss-Festival.
    Hier wird mangels Konzertsaals noch zünftig in der Eishalle musiziert.
    Ashkenazy würde dem sportbegeisterten Publikum den Zarathustra machen, und als erregte ein drahtiger Athlet allein nicht genug Aufhören, soll Argerich als Sparringpartner für die Burleske mit antreten.


    Es ist noch eine Stunde hin bis zum Wettkampf, also unter die lebhaft-laute Après-Skate-Gesellschaft, unaufdringlich durchsetzt von wenigen Anzügen und Abendkleidern – das neugeborene Festival hat sich noch nicht so richtig bis zur Hautevolaute durchgequengelt – gemischt und zur Bar durchgekämpft.


    An der Stelle, wo ich meinen Kaffee bestelle, ist merkwürdig viel Luft. Links neben mir steht ein gefülltes, aber herrenloses Glas Tee.
    Als der Barkeeper meine Tasse daneben stellt, ist es plötzlich leer.
    Ich verlange von ihm zur Vermeidung von Zeitverlust in Hinblick auf zu erwartende Handgreiflichkeiten mit Hooligans um meinen späteren Sitzplatz gleich die Rechnung, doch er sieht irritiert über das leere Teeglas hinweg. Neben mir ist aber nichts.
    Dann schaue ich runter.


    Dort kramt ein verschwitzter Ashkenazy hektisch in einer abgewetzten Geldbörse, deren Abteilungen offenbar, ich kann das von oben gut einsehen, lediglich mit einer Ansammlung von Zetteln gefüllt sind.
    Ich sehe mir das eine Weile lang an, irgendwann scheint aber der Sportsfreund meinen Blick zu spüren, wohl so, wie man unwillkürlich wahrnimmt, wenn der Himmel sich bewölkt.
    Das passiert auch mit seiner Stirn, während er den Kopf hebt.


    Unsere Blicke treffen sich, einen Moment scheinen Zeit und Eishaserl still zu stehen.


    Dann reißt er die Arme nach oben, in den Modell-Händen das weit aufgefächerte Portemonnaie, eine Bewegung, die unter anderen Umständen dazu führt, dass man es unter die Nase gehalten bekommt.
    Während ich mich noch frage, ob ich vielleicht etwas entnehmen soll und dies seine Art ist, Autogramme unter das Volk zu bringen, dringt seine Stimme zu mir herauf, dumpf, aber bestimmt in ihrer Verzweiflung, die Eisblöcke zum Schmelzen bringt:


    „I’m a poor man!“


    Ich bedeute dem Barmann, der sich aus seiner Erstarrung gelöst hat und dessen verwirrter Gesichtsausdruck einer unkalkulierten Facialisparese Platz macht, mit einer kreisenden Bewegung, dass diese Runde auf mich geht.


    Ashkenazy strahlt dankbar und will mir auf die Schulter klopfen.
    Das geht aber schief.



    audiamus



    .

  • Ich habe gezögert, mich an diesem Thread zu beteiligen, weil ich um Gottes Willen nicht überheblich erscheinen will.
    Bei den jährlichen Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft haben wir immer so um die 100 Gäste aus dem künstlerischen Bereich, überwiegend Sängerlegenden. Ausserdem war ich 45 Jahre lang Erster Vorsitzender des Heilbronner Sinfonie Orchesters und bin heute als Ehrenvorsitzender noch einer der Programm-Macher. Durch diese Tätigkeiten kenne ich ungeheuer viele Künstlerinnen und Künstler, zu vielen bestehen freundschaftliche Beziehungen. In dem von mir gestarteten Thema "Heiterkeit und Fröhlichkeit - Anekdoten von Sängerinnen und Sängern" im Thread "Feuilleton und Satire" habe ich viele lustige Begebenheiten bereits geschildert. Natürlich hauptsächlich von Gottlob Frick mit dem ich rund 40 Jahre befreundet war und dessen 1. Biographie ich schrieb. Ich bitte zu überlegen, ob man diese beiden Threads nicht vereinen könnte. Ich würde dies gut finden, kann aber wegen computertechnischer Defizite dies nicht machen.
    Eine Einmaligkeit auf der ganzen Welt ist unsere Händeabdruck-Galerie in der Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte in Ölbronn-Dürrn. Dieses originelle Gästebuch ist ein "Who is Who" der Opernnachkriegsgeschichte und reicht von Theo Adam bis zu Barbara Wunderlich.
    Um möglichst vielen Taminos Gelegenheit zu geben, all dies persönlich kennen zu lernen, will unser Tamino-Freund Siegfried ein Tamino Treffen im Schwabenland organisieren. Ich habe dazu bereits einen ersten Programmvorschlag gemacht. Unter dem Tiel "Tamino Treffen im Schwabenland" nachzulesen im Thread "Tritsch-Tratsch".
    Bitte teilt mir mit, wie Ihr über die zwei Fragen, die ich aufgeworfen habe denkt. Für alle Tipps wie wir in dieser Sache weiterkommen bin ich dankbar.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!