Nathalie Dessay - Belcanto par excellence

  • Die französische Sopranistin Natalie Dessay plant den Rückzug von der Opernbühne. Sie will sich künftig aufs Schauspiel verlegen.


    Entsprechende Aussagen machte die Sängerin in San Francisco, wo sie zur Zeit die Violetta in «La Traviata» singt, gegenüber dem «Examiner». Sie wolle die Oper verlassen und zum Theater wechseln.


    Im September wird Dessay in Toulouse in Massenets «Manon» zu hören sein. Dies könnte ihr letzter Opernauftritt werden. Sie habe mittlerweile alle Rollen gesungen, die sie singen könne, so Dessay in dem Interview weiter.


    Koloraturen zu singen sei keine einfache Sache und bedürfe eines inneren Feuers, das in ihr zu erlöschen drohe. Sie habe immer eine sehr dünne Stimme gehabt und habe deshalb sehr viel arbeiten müssen, um ihrem Fach gerecht zu werden. Damit wolle sie nun abschliessen.

    (Quelle: cf)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Man kann die Entscheidung nur akzeptieren und respektvoll begleiten, auch wenn es sehr schade ist, dass uns hier eine großartige Sängerin verloren geht. M.E. nach war sie in Offenbachs "Les Contes d' Hoffmann" wohl die beste Olympia.
    Ich frage mich, ob es nicht noch andere Wege für sie gegeben hätte, im Bereich des Gesanges, als halsbrecherische Koloraturen oder strapaziöse Opernrollen.


    Ich frage mich:


    -Hätte sie vielleicht die leichtere Muse, Offenbach, Messager, Lecoq, Audran, Hahn etc. auf ein ganz neues Niveau heben können?


    -Wäre vielleicht der Liedgesang eine Domaine gewesen, in der sie hätte reussieren können, Debussy, Duparc, Massenet wären da beispielhaft nur ganz wenige interessante Namen?


    -Wäre vielleicht das unendlich weite Feld der geistlichen Musik, der Messen und Oratorien ein gangbarer Weg gewesen?


    Ich weiß es nicht; was denkt Ihr?


    viele Grüße

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Dessay- Tickets waren jüngst immer einem Ritt auf der Rasierklinge vergleichbar.
    Die MET-Traviata 2012 ein Fiasko.
    Die Entscheidung der Künstlerin ist begrüßenswert.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Es hat sich ja schon länger abgezeichnet, dass sie ihre Karriere bald beenden würde. Sie war ja nie ganz glücklich mit ihrem Stimmfach, dem sie entkommen wollte. Sie wollte eher eine Traviata als eine Olympia sein. Eine erstklassige Koloratursopranistin zu sein genügte ihr nicht. In dem Interview sagte sie ja, dass sie zwar kein Problem mit ihrem Stimmfach hatte, aber dass sie auch keine Vorbilder hatte, denn sie hasste das Stimmfach Koloratursopran. Sie wollte ein anderes Fach singen, doch dafür hatte sie einfach nicht die Stimme.
    Das andere Fach bereitete ihr natürlich Probleme. Mit der Traviata war sie heillos überfordert.
    Die Überbeanspruchung führte dann ja auch zu ihren berüchtigten Stimmproblemen. Sie bekam Knötchen an den Stimmbändern. Operationen waren die Folge.


    Sie betonte, dass ihre eigentliche Leidenschaft immer dem Sprechtheater gehörte:


    Zitat

    "Mein wirkliches Debüt fand in Toulouse statt, im Chor. Ich habe als Schauspielstudentin begonnen. Das war meine wahre Passion. Das ist meine wahre Passion. Es ist lediglich eine 33-jährige Umleitung, um letztendlich an mein erstes Ziel zurückzugelangen. Es bleibt mir nichts mehr zu singen. Ich habe die meisten Rollen durch, die ich singen konnte. Ich möchte nicht die Juliette spielen. In meinem Alter? Bitte! Oder Lucia oder Adina oder irgend sowas. Darum höre ich auf. Du musst dein Repertoire lieben. Eine Weile dachte ich, dass es Spaß macht, aber Nein. Auf zu etwas Neuem."


    Das ganze Interview kann man im Examiner nachlesen.


    Gregor

  • -Wäre vielleicht der Liedgesang eine Domaine gewesen, in der sie hätte reussieren können, Debussy, Duparc, Massenet wären da beispielhaft nur ganz wenige interessante Namen?


    Ich finde, Dessays Stimme war keine wirkliche Opernstimme.


    Auf dem Lied-Sektor hätte sie wirklich die französische Tradition fortsetzen können: Ninon Vallin, Claire Croiza, etc - da hätte sie wirklich gut sein können.


    Vielleicht war ihr das Konzertpodium zu fad - wie es viele ihrer Rollen waren, wie sie immer wieder zum Ausdruck gebracht hat.

  • Leider habe ich sie nie live erlebt. Aber in Erinnerung ist mir eine fabelhafte Fernsehübertragung der (und nur leicht durch die Regie entfremdete) Regimentstochter, mit J.D. Florez. Was Dessay da nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch zu bieten hatte, das war excellent. Selbst der ansonsten steife Florez wurde inspiriert - und so kam es zu einer für mich unvergeßlichen Opernaufführung. Das Komische scheint ihr besonders zu liegen.


    Als Violetta habe ich sie auch gesehen, ich glaube in Aix, und da war sie an Grenzen gestoßen, vielleicht auch krankheitsbedingt.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Sagitt meint:


    Die Dessay hat schauspielerisch alle Rollen intensiv gestaltet,keinesfalls nur oder in erster Linie die komischen. Insofern war sie richtig bei der Oper, denn im Konzert geistlich oder weltlich, bedarf es dieser Eigenschaft ja weniger. Indem sie nun endlich aufhört, kann sie wohl einen Teil des berechtigen Ruhms sichern und verschattet das nicht gänzlich durch Demonstration der Überforderung.

  • Auch wenn sie angeblich nicht mehr singt - ich erinnere mich immer wieder gerne an ihre Auftritte, und zum Glück gibt es ja viele Aufnahmen, offizielle und - wie hier diese beiden Links - inoffizielle:


    Zerbinetta (konzertant):
    https://www.youtube.com/watch?v=lSsbjjRSxKg


    Konstanze (Genfer Oper):
    https://www.youtube.com/watch?v=tzjZzRrL8cM

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • .... Natalie Dessay schätze ich zum Beispiel durchaus, kenne sie aber nur in italienischem Repertoire. Vielleicht wäre es einmal ein lohnendes Thema, herausragende Protagonist(inn)en der französischen Gesangskunst vorzustellen

    Dem kann man abhelfen mit einem direkten Vergleich


    Die "Lucie de Lammermoor" aus Lyon 2002, französich gesungen mit

    Natalie Dessay - Sebastien Na - Ludovic Tézier

    unter Evelino Pido in der Inszenierung von Courier/Leiser wäre da ein guter Einstieg

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    Alternativ gibt es die gleiche Inszenierung von "Lucie de Lammermoor" aus Lyon von zwei Italienern gesungen

    mit Patrizia Ciofi - Roberto Alagna - Ludovic Tézier, auch unter Evelino Pido


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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Natalie Dessay wird mit einer umfänglichen Edition bedacht:




    Inhalt laut JPC:

    • OPERNGESAMT-AUFNAHMEN auf CD:

      Mozart: Die Zauberflöte ( Les Arts Florissants, William Christie / 1995); Mitridate, Re di Ponto (Les Talens Lyriques, Christophe Rousset / 1998)

      +Offenbach: Les Contes d'Hoffmann (Orchestre de l'Opera National de Lyon, Kent Nagano / 1994-1996); Orphee aux Enfers (Orchestre de l'Opera National de Lyon, Marc Minkowski / 1997)

      +Delibes: Lakme (Orchestre du Capitole de Toulouse, Michel Plasson / 1997)

      +Strawinsky: Le Rossignol (Orchestre de l'Opera National de Paris, James Conlon / 1998)

      +Händel: Alcina (Les Arts Florissants, William Christie / 1999)

      +Strauss: Ariadne auf Naxos (Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli / 2000)

      +Donizetti: Lucia di Lammermoor (Orchestre de l'Opera national de Lyon / 2002 und Mariinsky Orchestra, Valery Gergiev / 2010)

      +Monteverdi: L'Orfeo (Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haim / 2003)

      +Bellini: La Sonnambula (Orchestre de l'Opera national de Lyon, Evelino Pido / 2006)



      RECITALS:

      "Airs d'Opera Francais" - Arien von Delibes, Chabrier, Ravel, Messager, Poulenc, Milhaud, Offenbach, Meyerbeer, Sauguet, Bondeville (1996)

      +"Mozart Heroines" - Arien aus Zauberflöte, Lucio Silla, Zaide, Ascanio in Alba, Entführung, Idomeneo (1999)

      +"Airs d'Operas Francais" - Arien von Massenet, Thomas, Boieldieu, Offenbach, Rossini, Donizetti, Gounod (2002)

      +"Amor - Szenen und Lieder von Strauss" - Szenen aus Ariadne auf Naxos, Arabella, Rosenkavalier; Brentano-Lieder op. 68 Nr. 2-5 (2003)

      +"Italian Opera Arias" - Donizetti: Arien aus Lucia di Lammermoor & Maria Stuarda; Verdi: Arien aus La Traviata & Rigoletto; Bellini: Arien aus I Capuleti e I Montecchi & I Puritani (2007)

      +"Arias for Cleopatra" - Händel: Arien aus Giulio Cesare (2010)

      +"6 Opera Arias" - Szenen aus Opern von Bernstein, Wagner, Massenet, Verdi, Rameau, Händel (1997-2011)



      OPERN auf DVD:

      1.DVD Strauss: Arabella (Eine Produktion der Metropolitan Opera 1994, Regie: Otto Schenk / Metropolitan Opera Orchestra, Christian Thielemann)

      +2.DVD Offenbach: Orphee aux Enfers (Eine Produktion der Opera national de Lyon 1997, Regie: Laurent Pelly / Orchestre de l'Opera National de Lyon, Marc Minkowski)

      +3.DVD Strauss: Ariadne auf Naxos (Eine Produktion der Metropolitan Opera 2003, Regie: Laurie Feldman / Metropolitan Opera Orchestra, James Levine)

      +4./5.DVD Thomas: Hamlet (Eine Produktion des Gran Teatre del Liceu Barcelona 2003, Regie: Patrice Caurier & Moshe Leiser / Gran Teatre de Liceu Symphony Orchestra, Bertrand de Billy)

      +6.DVD Strawinsky: Le Rossignol (Filmadaption als multimediale Märchenoper 2004, Regie: Christian Chaudet / Orchestre de l'Opera National de Paris, James Conlon)

      +7./8.DVD Massenet: Manon (Eine Produktion des Gran Teatre del Liceu Barcelona 2007, Regie: David McVivar / Gran Teatre de Liceu Symphony Orchestra, Victor Pablo Perez)

      +9.DVD Donizetti: La Fille du Regiment ((Eine Produktion des Royal Opera House London 2007, Regie: Laurent Pelly / Orchestra of the Royal Opera House, Bruno Campanella)

      +10./11.DVD Debussy: Pelleas et Melisande (Eine ORF-Produktion aus dem Theater an der Wien 2009, Regie: Laurent Pelly / ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Bertrand de Billy)

      +12.DVD Bellini: La Sonnambula (Eine Produktion der Metropolitan Opera 2009, Regie: Mary Zimmerman / Metropolitan Opera Orchestra, Evelino Pido)

      +13.DVD Verdi: La Traviata (Eine Produktion des Festivals Aix-en-Provence aus dem Theatre de L'Archeveche 2011, Regie: Jean-Francois Sivadier / London Symphony Orchestra, Louis Langree)

      +14./15.DVD Händel: Giulio Cesare (Eine Produktion der Opera national de Paris 2011, Regie: Laurent Pelly / Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haim)

      +16./17.DVD Offenbach: Les Contes d'Hoffmann (Eine Produktion des Gran Teatre del Liceu Barcelona, Regie: Laurent Pelly / Gran Teatre de Liceu Symphony Orchestra, Stephane Deneve)



      +18.DVD Great Moments on Stage - Szenen aus Opern von J. Strauss II, Strauss, Offenbach, Donizetti, Thomas, Ravel, Bernstein; Kommentare von Natalie Dessay zu jeder Rolle

      19.DVD Donizetti: Wahnsinnsszene aus Lucia di Lammermoor
    • Künstler: Roberto Alagna, Cecilia Bartoli, Ian Bostridge, Patrizia Ciofi, Placido Domingo, Renee Fleming, Angelika Kirchschlager, Susan Graham, Sandrine Piau, Kiri Te Kanawa, Violeta Urmana, Rolando Villazon, Anne Sofie von Otter, Simon Keenlyside, Les Arts Florissants, Les Talens Lyriques, Orchestre de l'Opera National de Lyon, Orchestre National du Capitole de Toulouse, Orchestre du Theatre National de l'Opera de Paris, Staatskapelle Dresden, Mariinsky Orchestra, Le Concert d'Astree, Metropolitan Opera Orchestra, Gran Teatre del Liceu Symphony Orchestra, Orchestra of the Royal Opera House Covent Garden, London Symphony Orchestra, William Christie, Christophe Rousset, Kent Nagano, Marc Minkowski, Michel Plasson, Giuseppe Sinopoli, Valery Gergiev, Emmanuelle Haim, Evelino Pido, Christian Thielemann, James Levine, Bertrand de Billy, James Conlon, Victor Pablo Perez, Louis Langree
    • Label: Erato, DDD, 1994-2011


    Es grüßt Rheingold1876