Eröffnung der Scala-Saison mit Verdis "Don Carlo"

  • Hallo Forianer,


    mein erster Eindruck ist mehr als zwiespältig: Da ist zunächst ein sehr zurückhaltend musizierendes Orchester, das völlig blutleer klingt. Wen wunderts auch: am Pult steht der sehr steif wirkende Gatti.


    Die Szenerie wirkt mit einigen interessanten Einfällen. An einigen Stellen bemerkt man noch, dass es eben die Premiere ist.


    Die bisherigen männlichen Gesangssolisten krächzen sich so einigermaßen durchs Programm.


    Sehr wohlklingend dagegen die Frauen-Szene.


    Mal sehen wie es weiter geht...



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • hm ja ... ich hab grad überlegt, ob ich abdreh. Seh's im Arte und der erste Akt war recht mickrig. Dass die in der Scala für die Eröffnung keine besseren Sänger finden. Da gäb's schon welche - also auch heute!
    Die Eboli hat grad recht recht nett gesungen, jetzt ist der etwas stimmschwache Posa wieder da...

  • Für alle, die die Einzelheiten nicht kennen:


    heute, Sonntag, 7. Dezember 2008 ab 19.00 Uhr


    Don Carlo - Live aus der Mailänder Scala


    Regie: Patrizia Carmine
    Kostüme: Thibauld van Craenenbroeck
    Dirigent: Daniele Gatti
    Komponist: Giuseppe Verdi
    Inszenierung: Stéphane Braunschweig
    Moderation: Gustav Hofer


    Live aus Mailand: Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr ist ARTE auch in diesem Jahr wieder zu Gast bei der festlichen Eröffnung der Stagione des Teatro alla Scala. Die neue Spielzeit, die traditionell mit einer Opernpremiere am 7. Dezember - dem Namenstag des Mailänder Stadtpatrons St. Ambrosius - eröffnet wird, beginnt in diesem Jahr mit Giuseppe Verdis "Don Carlo" in einer Neuinszenierung von Stéphane Braunschweig unter der musikalischen Leitung von Daniele Gatti.


    Zitat

    Verdis 1867 in Paris uraufgeführte Oper "Don Carlo" ist sein viertletztes musikdramatisches Werk - unmittelbar gefolgt von "Aida"- und zählt zu den großen populären Schöpfungen des Meisters. Textgrundlage ist das gleichnamige Drama von Friedrich Schiller, wobei Verdi und seine Librettisten Joseph Méry und Camille du Locle das dramatische Geschehen in der Oper mehr auf die seelischen, als auf die politischen Konflikte konzentrierten. Dieser Mailänder Neuinszenierung liegt die von Verdi auf vier Akte gekürzte Zweitfassung des Werks zugrunde.
    Zum Inhalt: 16. Jahrhundert, am spanischen Hof: Don Carlo, der Sohn des Königs Philipp II. und Elisabeth von Valois waren einander versprochen. Doch aus Gründen der Staatsraison heiratete der Vater überraschend die Braut des Sohnes, um die lange verfeindeten Länder Frankreich und Spanien miteinander zu verbünden.
    Carlo jedoch kann sich von seinen Empfindungen für Elisabeth nicht freimachen und bittet seinen Jugendfreund Rodrigo, Marquis von Posa, ihn in seinen Bestrebungen, Elisabeth zur Flucht zu verleiten, zu unterstützen. Posa seinerseits hat sich die Befreiung Flanderns von der spanischen Unterdrückung zum Ziel gesetzt und bittet Carlo ihn hierin zu unterstützen.
    Der stürzt sich vehement in die neue Aufgabe und fordert seinen Vater heraus. Philipp sieht seine Herrschaft und die Zukunft des Landes gefährdet und übergibt den Sohn der Inquisition. Am Ende opfert sich Posa für seinen Freund, doch der Großinquisitor zwingt den König, auch den Sohn preiszugeben. Im letzten Augenblick wird dieser vor dem Tod gerettet: Ein Mönch nimmt ihn in ein Kloster auf. Die Hoffnung auf eine höhere Gerechtigkeit bleibt bestehen.
    Die Größe von Verdis Musik beruht auf seiner unnachahmlichen Kunst, für jede dramatische Situation den zwingenden musikalischen Ausdruck zu finden: sei es im leidenschaftlichen Liebesduett, sei es in der heroischen Musik der Freundestreue, in den beklemmenden Volksszenen oder in der Charakterisierung des greisen Königs und seines resignativen Liebesverzichts - in der vielleicht berühmtesten Arie des Werks "Ella giammai m'amò" - "Sie hat mich nie geliebt".


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ehrlich gesagt bin ich momentan auch eher im Zweifel, ob ich mir das noch den ganzen Abend lang antun werde. Die Inszenierung bewegt sich, wie bei Herrn Braunschweig allerdings auch nicht anders zu erwarten, im Bereich gepflegter Langeweile, Personenregie bislang weitgehend Fehlanzeige (dazu noch dieser doofe Einfall der Verdopplung des Gesungenen auf dem hinteren Teil der Bühne), dafür wieder viel Rumgestehe an der Rampe. Sängerisch sind die Damen den Herren bislang ziemlich überlegen, am besten bisher Frau Zajick. Der adipöse Tenor, der den Carlo gibt, ist im Piano ganz achtbar, quält sich ansonsten aber hörbar durch die Partie. Herr Jenis sieht zwar fesch aus, ist aber stimmlich der Rolle ebenfalls nicht recht gewachsen, da zu "lyrisch" und ohne nötiges Metall in der Stimme (und in der Tiefe hapert´s auch). Auch wenn man in Rechnung stellt, dass die Produktion durch diverse Umbesetzungen gebeutelt ist, kommt das Ganze bislang nicht über solides Stadttheaterniveau hinaus.

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Dann poste ich ergänzend die Sänger:


    Philip II - Ferruccio Furlanetto


    Don Carlo - Giuseppe Filianoti


    Rodrigo - Dalibor Jenis


    The Grand Inquisitor - Matti Salminen


    Elisabeth de Valois - Fiorenza Cedolins


    Princess Eboli - Dolora Zajick


    Mir gfallt's überhaupt nicht - bin gespannt, was bis morgen hier noch gepostet wird. Ich glaub ich beschäftig mich anders und schau oder hör wieder hin, wenn der Salminen kommt (= letzte Hoffnung).

  • Hallo Brangäne,


    dann kannst Du gleich abschalten, Salminen ist krank.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)


  • Oh danke - das hab ich irgendwie nicht mitgekriegt.
    Hab aber inzwischen eh schon abgedreht. Mitten in der Posa-Philipp-Szene die Flucht ergriffen. Das tut mir nicht gut, eine der besten Szenen der Opernliteratur so zu hören. :faint:


    Schade - so einigermaßen für Qualität sollte der Spielort "Scala" ja doch stehen.


  • Nicht Filianoti, sondern Stuart Neil singt den Don Carlo. Ein erboster Filianoti gab einer Italienischen Tageszeitung ein Interview in dem er erklärt, es wurde ihm am Vortag 'nahe gelegt, sich krank zu melden'.



    Gregor

  • Jetzt sind die Spezialisten für die verschiedenen Fassungen des Don Carlo(s) gefragt:


    gehört die "Lacrimosa"- Szene wirklich noch in die 1884er Fassung? Mir war sie bislang nur aus der Urfassung bekannt.....



    Beeindruckend ist sie aber in jedem Fall (Vargas in Wien hat sie aber besser gesungen)!



    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von Brangäne
    ...
    Mitten in der Posa-Philipp-Szene die Flucht ergriffen. Das tut mir nicht gut, eine der besten Szenen der Opernliteratur so zu hören.
    ...


    Das war eine der besten? Wow, was für eine Oper! Denn mit König/König-Großinquisitor, König-Königin/Königin-Eboli/Eboli und Posa-Don Carlos kommen fast noch bessere nach...
    ;)


    Schade, dass die Aufführung nur in Momenten einigermaßen den Anspruch einer Scala-Saison-Eröffnung erfüllen kann. Besonders überrascht mich dabei das eher zurückhaltende Dirigat von Daniele Gatti. Bei Covent Garden würde man das vielleicht anstandslos akzeptieren, aber von der Scala erwartet man doch etwas mehr italienisches Feuer. Er brauchte sehr lange, um etwas Fahrt aufzunehmen..


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Der erste Eindruck hat nicht getäuscht, es war bis zum Schluss eine sehr mittelmäßige Veranstaltung. Zajick am besten (auch wenn das Brustregister manchmal hohl und recht ordinär klang), dann Cedolins mit sehr solider, wenngleich ausstrahlungsarmer Leistung. Furlanetto sang mir zu offen und dröhnend (wenn auch im Monolog hörbar um dynamische Nuancen bemüht), dabei war er mir ein bisserl zu weinerlich. Neil und Jenis haben sich nicht mehr gesteigert (s.o.) und Kotcherga war eine ziemliche Enttäuschung, ohne notwendige Timbreschwärze. dazu sehr wenig bedrohlich wirkend. Zur "Regie" Braunschweigs sagt man wohl besser nichts, seine Unfähigkeit, mit Chören sinnvoll gestaltend umzugehen, zeigte sich im Autodafé besonders deutlich. Dazu noch das Allzweck-Bühnenbild mit diesen albernen Wunsch- bzw. Vergangenheitsprojektionen und den Kinderdoubles... :no: Gattis Dirigat anfangs ebenso langweilig, danach hat er sich ein klein wenig gesteigert, aber saisoneröffnungswürdig war dieses Dirigat eigentlich nicht, daher sehr zu Recht die Buhrufe zwischendurch und am Ende. Ein persönliches Buh von mir auch für die Fernsehregie mit diesen unmotivierten Überblendungen zwischen Nahaufnahmen und Totalen!

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Interessanterweise habe ich die Vorstellung anders empfunden. Sie wurde nach schwachem Beginn musikalisch kontinuierlich besser. Hätte das gesamte Stück das Niveau des letzten Drittels gehabt, wäre es immer noch nicht berauschend aber doch einigermaßen zufriedenstellend gewesen. Gerade Neil hat sich im Schlussbild noch überraschend gesteigert.


    Die Inszenierung war sehr statisch, aber ich könnte mir vorstellen, dass das auf geometrische Formen und Wirkung der Farben ausgelegte Bühnenbild im Theater einen recht guten Eindruck macht. Die Kostüme waren phantastisch. Man kann sich also doch noch hin und wieder an derartigem Aufwand erfreuen. Man muss allerdings den historischen Anspruch etwas relativieren, so bunt ist es damals am spanischen Hof nicht zugegangen (allerdings stimmte König Philips dunkles Gewand fast völlig mit jenem von einem historischen Gemälde überein).


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus


    Das war eine der besten? Wow, was für eine Oper! Denn mit König/König-Großinquisitor, König-Königin/Königin-Eboli/Eboli und Posa-Don Carlos kommen fast noch bessere nach...
    ;)


    :hello:


    Nun keine Angst - Don Carlos ist meine Lieblingsoper, ich kenne die Szenen alle und stimme dir 100-prozentig zu: Wow, was für eine Oper! :jubel: Irgendwie steh ich persönlich halt besonders in dieser Oper wie auch bei Schiller auf die "Geben Sie Gedankenfreiheit"-Szene.


    Bin aber etwas erleichtert, dass nicht nur ich enttäuscht von dieser Aufführung war. Hab schon wieder geglaubt ich bin beeinflußt von Erlebnissen, die schon viele Jahre zurückliegen und vom persönlichen Suchtfaktor der "Karajan, Freni, Carreras, Cappuccilli, Ghiaurov-Aufnahme".


    Doch durften wir ja auch in jüngerer Vergangenheit durchaus schöne Aufführungen dieses wunderbaren Werkes erleben.


    Besonders enttäuscht hat mich übrigens Furlanetto, den ich in viel besserer Erinnerung hatte, auch in dieser Rolle.
    Die andern hab ich nicht gekannt und - vor allem die Herren - mag ich auch gar nicht kennenlernen. Provinztheater.
    Ja - und der fade Gesamteindruck. Sowohl vom Orchester als auch von der Regie. Wirklich schade.

  • Liebe Brangäne,


    Natürlich war Furlanetto vor 22 Jahren in Salzburg stimmlich besser


    als jetzt mit 59 Jahren; aber in der gestrigen Aufführung war, er meiner


    Meinung nach, immer noch der beste Interpret,


    was allerdings nicht schwer war.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ich bin erst um 21.30 Uhr nach Hause gekommen und habe mir dann noch die letzten beiden Akte zu Gemüte geführt. Kann mich nicht erinnern, in den letzten 20 Jahren - egal ob live, von der DVD oder im Fernsehen - eine solch unsägliche "Inszenierung" gesehen zu haben. Hilflosestes Rampenstehtheater, vollständige Abwesenheit jeglicher schauspielerischer Bemühung bei den Sängern, die oft gänzlich teilnahmslos wirkten und allenfalls gelegentlich durch unfreiwillige Komik unterhielten. Stéphane Braunschweig war - wie ja schon Giselher sagte - schon immer eher als talentierter Bühnendesigner und weniger als Regisseur bekannt, aber einen solchen Offenbarungseid hätte ich nicht für möglich gehalten, auch wenn man an der Scala offenbar den Kotau vor der Konvention von ihm erwartet hat.


    Ganz so schlimm fand ich das musikalische Niveau nicht. Aber es ist schon richtig, dass keine wirklich exzeptionelle sängerische Leistung zu hören war, dafür viel Durchschnittliches und einiges Unterdurchschnittliche (mein Urteil bezieht sich, wie gesagt, nur auf die beiden letzten Akte).


    Gatti kann man m.E. keine technisch schlechte Leistung vorwerfen. Er produzierte meistens so richtig fetten Schönklang, gab seinem Hang zu schleppenden Tempi nach (man denke auch an den diesjährigen Bayreuther Parsifal) und bemühte sich erfolgreich, die Musik von ihrer theatralischen Dimension zu befreien. Eigentlich hatte ich mich auf seine bevorstehende Münchner Aida gefreut, jetzt blicke ich ihr eher skeptisch entgegen. Seinen Wiener Simone Boccanegra fand ich noch wesentlich erfreulicher. Warum Gatti an mindestens drei großen Häusern im Vorder- oder Hintergrund als künftiger musikalischer Chef gehandelt wird/wurde, erschließt sich mir immer weniger.


    Was den Rauswurf von Filianoti betrifft, für den Gatti ja angeblich der Hauptverantwortliche sein soll: allmählich drängt sich der Eindruck auf, dass die Scala ab und zu absichtlich solche Skandale produzieren muss, um Aufsehen zu erregen.



    Viele Grüße


    Bernd



    PS Elisabeth: Die Lacrimosa-Szene gehört in der Tat eigentlich nicht in die vieraktige 1884er-Fassung (auch nicht in die fünfaktige von 1886) - man hat sie halt wegen ihrer unbestreitbaren Wirkung hier implantiert.

  • Liebe Taminos und Taminas,


    Ich hatte in den letzten zwei Tagen den unmittelbaren Vergleich : einen Don Carlo am Samstag in der Wiener Staatsoper live und gestern den Don Carlo der Scala via TV. Der Wiener Carlo am Samstag war eindeutig (trotz einiger Mängel) in Summe spannender. Ich bin ein grosser Furlanetto-Fan, aber ein Philipp allein macht noch keinen ganzen Abend. Die Scala Inszenierung (war es überhaupt eine?) ist nicht vorhanden - kann also angenehmerweise auch nicht stören. Die Kostüme waren prächtig, das Bühnenbild vor allem am Schluss stark an Konwitschny orientert (die vielen kleinen Türen seitlich, die große schmale Türe über die volle Bühnenhöhe zum Auftritt des Mönchs...). Sonst herrschte - zumindest via TV - vor allem gepflegte Langeweile. Sängerisch war es nicht so berauschend, Zajick als Eboli immer noch ganz gut, Dalibor Jenis ein stimmlich und optisch ansprechender Posa (hier war in Wien am Samstag George Petean eindeutig wesentlich besser und ausdrucksstärker). Warum man statt Filianoti Stuart Neill gebraucht hat weiss wahrscheinlich auch Herr Gatti nicht so ganz genau, auch hier Samstag in Wien viel besser mit einem umwerfenden Johan Botha).
    Frau Cedolins scheint in Mailand eine gewisse Fangemeinde zu besitzen, mir hat sie nicht wirklich gefallen (in Wien am Samstag Norma Fantini etwas besser und mit weniger Schärfen bewaffnet). Wien hätte mit Salminen als Philipp aufwarten sollen, der hat dann vorgezogen den Großinquisitor in Mailand zu übernehmen den er dann aber auch nicht gesungen hat (ich fand Kotscherga nicht so schlecht, warum er die vielen Buhs bekommen hat versteh ich nicht ganz). Damit kam Wien zum Rollendebut von Stefan Kocan - ein gewöhnungsbedürftiges Timbre aber eine gewaltige Stimme sowie eine in Anbetracht seiner Jugend schon sehr gute Rollengestaltung. Dass Furlanetto aber immer noch ungeschlagener König ist, bleibt unbezweifelt.


    Die Scala hat einen Don Carlo geliefert der nicht stört, durch die schönen Kostüme wenigstens das Auge befriedigt und durchaus gutes musikalisches Niveau bot. Auf einen gesamt stimmigen Don Carlo werden wir wohl alle noch weiter warten müssen.


    Liebe Grüße
    Isis


    P.S. Der Einschub der "Lacrimosa Szene" ist zwar zweifelhaft, aber schön ist sie schon :]

  • Ganz abgesehen von den "Leistungen" der Sänger,


    kam ich mich im Bühnenbild und den Kostümen in zwei verschiedenen Werken wieder.


    Die Kostüme waren richtig, nur der Escorial war falsch wiedergegeben. :no:


    Man kann zwar, nach Schiller "Gedankenfreiheit" geben, aber keine Falsche. :no:


    Liebe Brangäne!


    Diese Inszenierung ist mit der Karajan Inszenierung, mit Corelli etzc. aber schon gar nicht zu vergleichen - da hat Beides nämlich gestimmt! :jubel: :jubel:


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Ich sehe die Aufführung nicht so negativ, wie hier von den meisten geäußert. Auch wenn ich vielleicht wegen der nicht ganz so edlen Tonübertragung meines kleinen Fernsehers Abstriche machen muss, so hatte ich keineswegs den Eindruck, dass es Stimmen gab, die den Rollen nicht gewachsen sein sollen oder dass die Herren schlechter waren als die Damen.


    Hier wurde halt gesungen und nicht auf Teufel komm raus herumgeturnt. Sicher, einige Szenen aus der ja eigentlich bewegten Geschichte, kann man auch mit mehr "Action" gestalten, aber es wäre schade, wenn darunter der Gesang leiden würde, was wir ja oft genug unangenehm erleben. Kein Verständnis habe ich für das Ausbuhen des "Inquisitors", das fand ich weder gerechtfertigt noch fair. Ich hatte auch die Idee, dass dies eine Glanzrolle für Salminen ist und lese hier erstaunt, dass er sie eigentlich hätte singen sollen, aber trotzdem war das in keiner Weise in den Sand gesetzt. Kotcherga füllt m. E. die Rolle voll aus.


    Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum der Posa zu schwach gewesen sein soll.


    Respekt, wie gut Dolora Zajic noch drauf ist. Nachdem ich sie bereits 1990 in Verona mit dem Requiem als gestandene Verdi - Sängerin (mit Pavarotti und Sharon Sweet) erlebt habe, dürfte sie nicht mehr zu den Allerjüngsten gehören. Fiorenza Cedolins, Neill und Furlanetto finde ich sängerisch klasse. Speziell der Philipe - Monolog berührte.


    Zugegeben, Vergleiche mit Wiener Aufführungen u. ä habe ich nicht. vielleicht käme dann ein anderes Ergebnis heraus, aber das musikalisch - sängerische Niveau könnte ich keinesfalls als unzureichend sehen. Ich frage mich wirklich, welche Art von Sängern man hier sonst besetzen soll, A.N, Garanca und Florez vielleicht? (nichts gegen sie, aber zur Verdeutlichung des Begriffs "fachfremd" beispielsweise hier genannt)


    Weiß jemand, was der Hintergrund von Filianotis Rauswurf ist? Das wurde ja angedeutet, aber nicht erklärt (geht wohl auch nicht), aber seltsam war das schon.


    Zu Regie und Inszenierung bekam ich ein etwas ambivalentes Verhältnis. Das Bühnenbild war eigenartig mit der Diskrepanz zwischen Kostümierung und Kulissen, aber dieser Reibungsaspekt baute eine durchgehende Spannung auf, die einen m. E. irgendwie "mitgenommen" hat in diesen Ablauf. Den Bühnenaufbau des Autodafés fand ich sogar gelungen, wenn auch leider, was schon festgestellt wurde, die Personenregie irgendwie planlos war. Das hätte man, glaube ich, spannender machen können. Die Kinder dazwischen habe ich auch nicht kapiert. Sowas gab es beim Figaro in Salzburg auch und es war genauso strange.


    LG
    :hello:
    Ulrica

  • Liebe Ulrica,
    warum diese seltsame Aufführung beschönigen?
    Ich habe so oft Don Carlo gesehen, auch an kleinen Opernbühnen und alle Vorstellungen, die ich erlebt habe, waren sängerisch besser bis viel besser als die Gestrige. Ich habe in Milano in den 60er Jahren Don Carlo gesehen,mit Simionato, Stella, Bergonzi, Bastianini und Siepi. Der Eintritt war sicherlich um ein vielfaches billiger als in der gestrigen Vorstellung; aber die sängerische Leitung war um ein vielfaches höher.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Liebe Ulrica,
    warum diese seltsame Aufführung beschönigen?
    Ich habe so oft Don Carlo gesehen, auch an kleinen Opernbühnen und alle Vorstellungen, die ich erlebt habe, waren sängerisch besser bis viel besser als die Gestrige. Ich habe in Milano in den 60er Jahren Don Carlo gesehen,mit Simionato, Stella, Bergonzi, Bastianini und Siepi. Der Eintritt war sicherlich um ein vielfaches billiger als in der gestrigen Vorstellung; aber die sängerische Leitung war um ein vielfaches höher.


    :hello:Herbert.


    Lieber Herbert!


    Dein Besetzung war ja, in etwa, die Besetzung der Wiener Staatsoper, in der alten und schönen Inszenierung, wo der Escorial noch der Escorial war,


    wo noch eine Christel Goltz (auf Deutsch), Freni, Jurinac, Leonie Rysanek die Elisabetta sangen und eine Verett, Bumbry die Eboli.


    Bergonzi und Bastianini den Carlos und Posa, auch Waechter und den großartigen Großinqisitor von Hans Hotter, ein Siepi, Ghiaurov den Philipp das waren noch Zeiten.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Zitat

    Original von Ulrica
    Hier wurde halt gesungen und nicht auf Teufel komm raus herumgeturnt. Sicher, einige Szenen aus der ja eigentlich bewegten Geschichte, kann man auch mit mehr "Action" gestalten, aber es wäre schade, wenn darunter der Gesang leiden würde, was wir ja oft genug unangenehm erleben.


    Einigen der Sänger hätte ich auch ungerne beim Turnen zugeschaut. Bei Stuart Neil hatte man ja schon den Eindruck, er betreibe Hochleistungssport, wenn er sich vom Stuhl erhob... :D


    Zwischen "Herumturnen" und der Scala-Inszenierung gibt es unzweifelhaft sehr viele Zwischenstufen. Und man muss das ganze gar nicht zur Grundsatzdiskussion traditionell vs. Regietheater aufblasen: Von mir aus traditionell in Bühnenbild und Kostümen, mit ungebrochenem Befolgen der Regieanweisungen usw. (obwohl das bestimmt nicht meine Präferenz ist). Aber dann bitte mit etwas Engagement. Erschreckend war, wie lieblos in Bewegung, Gestik und Mimik von den Sängern teilweise agiert wurde - als erledigten sie eine lästige Pflicht.



    Zitat

    Zugegeben, Vergleiche mit Wiener Aufführungen u. ä habe ich nicht. vielleicht käme dann ein anderes Ergebnis heraus, aber das musikalisch - sängerische Niveau könnte ich keinesfalls als unzureichend sehen. Ich frage mich wirklich, welche Art von Sängern man hier sonst besetzen soll, A.N, Garanca und Florez vielleicht? (nichts gegen sie, aber zur Verdeutlichung des Begriffs "fachfremd" beispielsweise hier genannt)


    Ich fand das sängerische Niveau auch insgesamt halbwegs akzeptabel - mit Abstrichen. Aber es geht ja nicht um die Repertoireaufführung irgendeines mittleren Hauses, sondern um die prestigeträchtige Saisoneröffnung eines der prominentesten Opernhäuser der Welt - von dem man zu diesem Anlass durchaus erwarten könnte, auf seinem ureigenen Gebiet (Verdi) eine Spitzenbesetzung anzubieten.


    Und dazu muss man ja nicht mal - wie Herbert und Peter - auf die notorisch goldenen Zeiten von früher verweisen. Zumindest für Posa gibt's mit Sicherheit auch heute bessere Besetzungen (Lucic, Keenlyside, C. Alvarez, der genannte Petean), für Philipp könnte man mindestens auf Pape verweisen, für Carlos fällt mir gleich eine ganze Reihe bekannter Verdi-Tenöre ein, die zumindest nicht schlechter gewesen wären als Stuart Neil (Giordano, Vargas, F. Armiliato, von mir aus auch Kaufmann oder Villazon). Als Elisabetta wäre an Frittoli, Dessi, Harteros etc. zu denken, bei Eboli an d'Intino, Ganassi. Das soll jetzt keine name-dropping sein, sondern einfach eine Auflistung von Sängerinnen und Sängern, die diese Rollen heutzutage an größeren (teilweise sogar mittleren) Bühnen singen und die ich aufgrund eigener Höreindrücke (teils in anderen Rollen) für mindestens so gut, überwiegend sogar besser einschätze als die Mailänder Sängerriege.



    Zitat

    Weiß jemand, was der Hintergrund von Filianotis Rauswurf ist? Das wurde ja angedeutet, aber nicht erklärt (geht wohl auch nicht), aber seltsam war das schon.


    Angeblich hat Gatti relativ kurz vor der Premiere Filianoti für ungeeignet erklärt, was dieser postwendend als Dolchstoß bezeichnete (wenn's heutzutage keine anderen Dolchstoßlegenden mehr gibt, sollte man zufrieden sein... :D). Was wirklich dahintersteckt, tja... Sowas beschädigt einen Sänger natürlich erheblich.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Meine Lieben,


    Dank Euch habe ich kein schlechtes Gewissen. Zweimal habe ich in diesen "Don Carlo" hineingeschaut und -gehört und beide Male nach kurzer Zeit mich wieder empfohlen. Verdi à la Schlafwagen, nein danke (trotz Furlanetto).


    LG


    Waldi

  • Mir hat das Ganze auch keinen spannenden Fernsehabend bereitet, die Sendung lief neben Kochen und Aufräumen....


    Zitat

    Original von Zwielicht
    Ich fand das sängerische Niveau auch insgesamt halbwegs akzeptabel - mit Abstrichen. Aber es geht ja nicht um die Repertoireaufführung irgendeines mittleren Hauses, sondern um die prestigeträchtige Saisoneröffnung eines der prominentesten Opernhäuser der Welt - von dem man zu diesem Anlass durchaus erwarten könnte, auf seinem ureigenen Gebiet (Verdi) eine Spitzenbesetzung anzubieten.


    Das trifft es genau. Keiner der Sänger war schlecht oder konnte die Rolle nicht bewältigen. Aber man erwartet doch bei einem solchen Ereignis etwas "mehr".....Überzeugt hat mich nur die Sängerin der Eboli und Furlanetto - allerdings mit Abstrichen für die eine oder andere "gebrüllte" Passage.


    Das Bühnenbild und die Idee mit den Kindern fand ich gut, schließlich findet sich bei Schiller auch die Beschreibung der Jugendfreundschaft von Posa und Carlos, die das spätere Verhältnis prägt. Und wie alt war Elisabeth, als sie verheiratet wurde...?
    Was mich maßlos gestört hat, war die nicht vorhandene Interaktion der handelnden Personen - erinnerte mich fatal an die Inszenierung, die ich Ende Juni in Wien gesehen habe (nein, nicht die von Konwitschny!), nur da waren zu allem Unglück auch noch einige der Sänger überfordert mit ihrer Partie.....


    LG
    Rosenkavalier

  • Oper im Fernsehen schaue ich mir faktisch nie an. Der Zufall wollte es, dass ich gestern Abend im Hotel an einer Oper hängenblieb. "Was ist das?", dachte ich so bei mir und hörte zu. Die Musik kam mir nicht bekannt vor. Nach einer halben Minute glaubte ich dann doch die Musik zu kennen - allerdings deutlich schneller gespielt. Das war ein Zeitlupen-"Don Carlo" in einer grauenerregenden Inszenierung mit Menschen, die sich überhaupt nicht bewegten. Weils schon fast das Ende der Aufführung war, blieb ich dran. "Mailänder Scala" hätte ich tatsächlich nicht vermutet...

  • Der Beginn dieser Aufführung war tatsächlich sehr lahm, doch mit Fortdauer des Abends schien mehr Bewegung aufzukommen. Damit sind allerdings nicht die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten gemeint, denn die agierten eher gar nicht.


    Die beste Gesangsleistung kam für mich von Dolora Zajick, die nach etwas unsicherem Beginn wirklich souverän war - das ist eine wirkliche Verdi Sängerin! Auch Ferruccio Furlanetto brauchte etwas Zeit, um in Gang zu kommen, doch ab seinem Monolog war er sehr gut. Fiorenza Cedolins sang zwar mit etwas Schärfe, war aber eine recht gefällige Elisabetta. Stuart Neil blieb als Titelheld recht blaß, auch wenn er phasenweise ganz gut sang. Das Timbre des Dalibor Jenis ist etwas fahl und scheint mir für die Rolle nicht adäquat. Zudem fehlt ihm jegliche Italianità.
    Das Buhkonzert für Gatti war ja enorm, zumindest nach dem ersten Akt. Der Mann soll auch verantwortlich dafür sein, daß Filianoti die Titelrolle abgeben mußte. Allerdings weiß man, daß Filianoti seit längerer Zeit mit stimmlichen Problemen zu kämpfen hat. In Wien sang er bereits 2007 einen sehr problematischen Nemorino. Da muß man sich dann fragen, wie will er dann einen Don Carlo schaffen? :no:


    Die eher blaße Besetzung in Mailand wird zurecht Thema einer öffentlichen Kritik. Gerade für den Don Carlo habe ich in Wien schon bessere Besetzungen in Repertoire-Vorstellungen gesehen. Als Carlo bieten sich Botha oder Giordani an, beim Rodrigo haben wir Lucic, Keenlyside und Petean, neben Zajick als Eboli gibt es da auch noch die großartige D'Intino.


    Ich war doch recht überrascht, wie unspektakulär eine Saison-Eröffnung an der Scala sein kann. Da hätte ich mir doch mehr erwartet.


    Gregor

  • Lieber Rosenkavalier!


    Laut Geschichte war Elisabeth von Valois zur Zeit ihrer Trauung per procurationem in Paris etwa 15 Jahre alt. Ein Jahr später, war die eigentliche Trauung, dann in Spanien mit König Philipp II.


    Sie starb 1568 bei der Geburt ihres dritten Kindes, mit 23 Jahren.


    Philipp war, zur Zeit der Eheschließung, etwa 33 Jahre alt, also 18 Jahre älter, was, für die damalige Zeit, schon ein höheres Alter war.


    So kann es weder von Schiller noch von Verdi natürlich gebracht werden, so wird Philipp als älterer Mann, bei beiden, beschrieben.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Ich fand das sängerische Niveau auch insgesamt halbwegs akzeptabel - mit Abstrichen. Aber es geht ja nicht um die Repertoireaufführung irgendeines mittleren Hauses, sondern um die prestigeträchtige Saisoneröffnung eines der prominentesten Opernhäuser der Welt - von dem man zu diesem Anlass durchaus erwarten könnte, auf seinem ureigenen Gebiet (Verdi) eine Spitzenbesetzung anzubieten.


    So ist es! Nehmen wir Rücksicht darauf, dass durch Umbesetzungen in letzter Minute und der zusätzlichen Spannung der Saisonpremiere der Anfang zu verhalten ablief und wir wohlwollend das Niveau des 2. Teil als repräsentativ werten, dann war es eine solide und gute, wenn auch entschieden zu brave Aufführung ohne gesangliche Höhepunkte.


    In der Pause gab der Scala-Chef ein Interview: "... Wir sind das erste Haus in Italien und damit das bekannteste in der Welt". Na ja, dann sollten sie in der wichtigsten Aufführung des Jahres schon ein wenig mehr bieten können. Mit dieser Leistung kann der Anspruch nicht entfernt gerechtfertigt werden.



    Zur Zeit läuft auf Ö1 die Premiere der Götterdämmerung unter Franz Welser-Möst aus der Wiener Staatsoper. Es ist ein wenig erheiternd aber auch bedenklich, um wie viel besser diese Vorstellung gegenüber der gestrigen aus Mailand ist. Da liegen Welten dazwischen!


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Auch ich habe diese Vorstellung verfolgt.
    Es stimmt,die Sängerbesetzung liess viele Wünsche offen.
    Der Tenor sang ja ganz passabel,war aber nie ein Carlo.
    Nie sollte man solchen Sänger als Carlo besetzen,es wirkte ja beinahe wie eine
    Parodie.
    Furlanetto war für mich der beste Sänger,die Damen eher Mittelklasse!


    Das Bühnenbild fand ich gut.
    Es war keine Werksverfälschung,alles Original.
    Wie es im Libretto steht.


    G. Rita

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier
    Was mich maßlos gestört hat, war die nicht vorhandene Interaktion der handelnden Personen - erinnerte mich fatal an die Inszenierung, die ich Ende Juni in Wien gesehen habe (nein, nicht die von Konwitschny!), nur da waren zu allem Unglück auch noch einige der Sänger überfordert mit ihrer Partie.....


    Stimmt, Farina und Hampson. Nun, nicht ganz, letzterer sang eher schlampig und lustlos, was wohl noch weniger akzeptabel ist. :no:


    Aber dieses Schimpfen auf Wien ist wieder typisch. :boese2: Mir fällt immer mehr auf, daß wir uns vor den Konkurrenzbühnen wahrlich nicht verstecken müssen, denn das, was die Scala zur diesjährigen Saison-Eröffnung aufgefahren hat, kann man an normalen Repertoire-Abenden in Wien auch haben. :yes: Sehr gut erkennbar in Isis' Posting.


    Gregor