Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik 2009)

  • Hallo,


    heute erstmals gehört:


    Boris Tischtschenko (*1939)
    Sinfonie Nr.4 op.61 (1974)
    Leningrader Philharmoniker / Gennadi Roschdestwenski


    Bei dieser Aufnahme, an die ich gerade kürzlich gekommen bin, handelt es sich um einen Livemitschnitt, ich weiß aber nicht, aus welchem Jahr. Das Werk selbst ist monströs: mit 93 Minuten Spieldauer dürfte es sich um Tischtschenkos längste Sinfonie handeln. Sie ist fünfsätzig, wobei die ersten vier Sätze jeweils rund 20 Minuten Spieldauer einnehmen, das Finale dann "nur" noch neun.


    Der erste Satz ist recht zerklüftet und arbeitet mit charakteristischen Akkordfolgen in teils extremen Lagen. Was dann an zweiter Stelle folgt, ist ein völlig verrücktes Scherzo: heftige Schlagzeuggewitter, schrille Dissonanzen, Posaunenglissandi - eine Rhythmusorgie in brachialster Form. Der langsame Satz an dritter Stelle ist monologisierend, Motivfetzen werden unbegleitet in den Raum gestellt.


    Auf Onno van Rijens Seite steht, dass diese Sinfonie für Erzähler und Orchester komponiert sei - man muss allerdings bis zum vierten Satz warten, bis jener zum (kurzen) Einsatz kommt. Auf eine bewegte Orchestereinleitung folgt die Rezitation, und danach verblüffenderweise ganz traditionelle, nahezu ungetrübte Harmonik. Das Ganze wird enorm gesteigert duch Blechbläser, Glocken und schließlich eine Orgel. Das Finale bietet dann einen fast ein wenig augenzwinkernden, grundsätzlich positiven Abschluss.


    Das ist natürlich eine Monumentalsinfonie par excellence, aber - im Gegensatz zum Cholminow von heute morgen - ganz bestimmt nicht das, was man mit sowjetischer offizieller Musik assoziieren würde. Tischtschenko inkorporiert moderne Kompositionstechniken (z.B. Aleatorik, Cluster usw.), Geräusche, scheut aber auch traditionelle Harmonik nicht - so wird der Hörer zwischenzeitlich mit aggressivsten Dissonanzbildungen konfrontiert, aber die Sinfonie endet in C-Dur.


    Es ist schon ein sehr interessantes Werk, das Tischtschenkos immense Begabung sehr deutlich dokumentiert.


    Viele Grüße
    Holger

  • Zitat

    Original von petemonova
    Mittlerweile hab ich das Metier gewechselt und bin wieder in der geistlichen Musik früherer Epochen angekommen:



    Meine erste Johannes-Passion zum besseren Kennenlernen. Im März habe ich die Möglichkeit, in diesem Werk mitzusingen.
    Die ersten Eindrücke sagen mir, dass das keine Einspielung für die Ewigkeit ist und durchaus noch Luft nach oben ist, aber für den Kennenlernzweck durchaus geeignet ist.


    Lieber Peter,


    mir geht es bei Cleoburys Einspielung ähnlich, nicht, dass sie wirklich schlecht wäre, aber es gibt doch deutlich bessere Alternativen, etwa Harnoncourt, Gardiner oder Herreweghe. Ich habe die Cleobury-Einspielung als DVD (billig) in Holland gekauft und war ziemlich enttäuscht.


    Liebe Grüße Peter

  • die bach-kantate zum heutigen sonntag !


    Ach Gott, wie manches Herzeleid



    beim duett dachte ich: woher kennst du das nur ??? :no: ?( :no: ?( :no: ?(




    davor und danach jeweils eine scheibe aus dieser box:


    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Zitat

    Original von Pius
    Bei Ries scheinen die Geraden die interessanteren zu sein - nicht gerade epigonal.


    Mensch! Lass' doch mal Fünfe gerade sein...


    :D

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Endlich wieder noch etwas Zeit zum Musik-Hören. Jetzt:


    Claude Debussy: La Damoiselle Élue. Lyrisches Gedicht (nach Rossetti) für Sopran, Alt, Frauenchor und Orchester (1887/88 )


    Victoria de los Angeles :jubel: :jubel: :jubel:
    Carol Smith - auch richtig gut!
    Radcliffe Choral Society
    Boston Symphony Orchestra - Charles Munch :jubel: :jubel: :jubel:


    Von Munch als Debussy-Dirigent bin ich immer wieder begeistert - naja, eigentlich von allem, was ich von Munch bis jetzt kennengelernt habe. Auch hier ist das Schwüle des Gedichts des Prä-Raphaeliten Rossetti wunderbar umgesetzt.


    :hello: Matthias

  • Die höre ich nun schon zum dritten mal in Folge und habe immer noch nicht genug davon:



    Vor allem das Streichquartett op 105 hat es mir angetan. Wenn ich nun die Opuszahl in Beziehung zu den greifbahren Tonträgeraufnahmen setze, frage ich mich: was wird uns da an Kostbarkeiten unterschlagen?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Prometeo
    die bach-kantate zum heutigen sonntag !


    Ach Gott, wie manches Herzeleid


    Hey! Wenn das ein Kommentar zum hessischen Wahlergebnis sein soll, hast Du gegen die Forenregeln verstossen!


    :D


  • :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Außerordentlich präzise in tollem Orchesterklang!


    Dabei ein feiner, kultivierter, weniger derber, sondern geradezu introvertierter Mahler. Der letzte Satz gelingt m.E. besonders gut.


    Mahler mit dem Tschechischen Philharmonischen Orchester und Václav Neumann muß ich mir wohl mit der Zeit vervollständigen. Die drei, die ich schon habe, gehören alle in die Spitzengruppe.


    :hello: Matthias

  • Guten Morgen


    bei mir ebenfalls "Telemann mit Blockflöte":



    Georg Philipp Telemann


    Wassermusik "Hamburger Ebb & Fluth"
    Blockflötenkonzert C-Dur
    Suite a-moll für Blockflöte & Orchester


    Es spielen Maurice Steger (Altblockflöte)
    und die Akademie für Alte Musik Berlin
    diese altbekannten und schon öfters
    eingespielten Werken Werke. :jubel: :jubel:
    Schön im der a-moll Suite der Satz: ‚Air à l'Italien’ ,
    er bezeichnet eine grosse instrumentale Da-Capo-Arie,
    in der die solistische Blockflöte wie eine Operndiva tritt.
    Hier zeigt M. Steger unvergleichlich seine suptile Spielkunst.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

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  • Zitat

    Original von Bernhard
    bei mir ebenfalls "Telemann mit Blockflöte":


    Wenn man mal Telemann eine Chance gibt, kommt man von ihm nicht mehr los. Bei mir lief gerade



    Claudio Monteverdi: Lamento d'Arianna



    Bei dieser vorzüglichen Einspielung singt Veronique Gens. Wiederbegegnung mit dem Stück, das mich vor langer Zeit mit Monteverdi vertraut gemacht hat, damals noch auf einer dieser so vorzüglich edierten Archiv-LPs. Die Anregung kam übrigens über meinen Musikunterricht ...




    Lasciatemi morire!
    E chi volete voi che mi conforte
    in così dura sorte,
    in così gran martire?
    Lasciatemi morire!


    O Teseo, o Teseo mio,
    sì che mio ti vo’ dir,
    chè mio pur sei,
    benché t’involi, ahi crudo!
    a gli occhi miei.


    Volgiti, Teseo mio,
    volgiti, Teseo, o Dio!
    Volgiti indietro a rimirar colei
    che lasciato ha per te
    la patria e il regno,
    e’n queste arene ancora,
    cibo di fere dispietate e crude,
    lascierà l’ossa ignude.


    O Teseo, o Teseo mio,
    se tu sapessi, o Dio!
    Se tu sapessi, ohimè!, come s’affanna
    la povera Arianna,
    forsi forsi pentito
    rivolgeresti ancor la prora al lito.
    Ma, con l’aure serene
    tu te ne vai felice,
    et io qui piango.
    A te prepara Atene
    liete pompe superbe,
    et io rimango
    cibo di fere in solitarie arene.
    Te l’uno e l’altro tuo vecchio parente
    stringeran lieti,
    et io più non vedrovi,
    o madre, o padre mio!


    Dove, dove è la fede,
    che tanto mi giuravi?
    Così ne l’alta sede
    tu mi ripon de gli avi?
    Son queste le corone
    onde m’adorni il crine?
    Questi gli scettri sono,
    queste le gemme e gl’ori?
    Lasciarmi in abbondono
    a fera che mi strazi e mi divori?
    Ah Teseo, a Teseo mio,
    lascierai tu morire,
    in van piangendo,
    in van gridando aita,
    la misera Arianna
    che a te fidossi e ti diè gloria e vita?


    Ahi, che non pur risponde!
    Ahi, che più d’aspe è sordo a’miei lamenti!
    O nembi, o turbi, o venti,
    sommergetelo voi dentr’a quell’onde!
    Correte, orche e balene,
    e delle membra immonde
    empiete le voragini profonde!


    Che parlo, ahi! Che vaneggio?
    Misera, ohimè! Che chieggio?
    O Teseo, o Teseo mio,
    non son, non son quell’io,
    non son quell’io che i feri detti sciolse:
    Parlò l’affanno mio, parlò il dolore;
    Parlò la lingua sì, ma non già ‘l core.



    Liebe Grüße Peter

  • Ich nähere mich langsam aber sicher dem 'Ende' dieser Box:



    Aktuell: Brahms Streichquartett c-moll op.51 Nr.1


    Danach die bisher noch ungehörte CD 3 mit den Streichquintetten.



    Mein Fazit fällt mit kleinen Abstrichen durchweg positiv aus: Herrliche Kammermusik, für mich sehr ansprechende Wiedergabe (einen Vergleich beseitze ich lediglich beim Klavierquintett op.34).
    Die Abstriche muss ich bisher musikalisch bei CD4 machen, welche im Zeichen der Klarinette steht. Beide Werke (Trio op.114 und Quintett op.115) sagen mir nicht so zu - gerade das Trio ist nicht nach meinem Geschmack bzw. sind die durch die Besetzung entstehenden Klänge irgendwie keine wohltuende Musik in meinen Ohren.
    Ansonsten habe ich tolle Streichquartette und -sextette kennengelernt und freue mich JETZT auf die Quintette!




    Lieben Gruß,


    Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Bryn Terfel, ein phantastischer Bariton! :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Diese CD werde ich mir sehr bald zulegen, um zwischendurch einfach mal dem Alltag für ein paar beglückende Minuten entfliehen zu können.



    Mit lieben Grüßen,
    Diotima. :hello: :hello:

  • da wird wohl mal wieder ein neuer beethoven-symphonien-zyklus fällig ... :( ;(


    und zwar der mit norrington und dem rso stuttgart ...


    der reine WAHNSINN ..


    so muß es sein ... höre seit tagen die 1. und 2. und bin (fast) restlos begeistert ... fetzig, rasant, knallende pauken, scharfe blechbläser, herausarbeitung mir bislang so noch nicht untergekommener motive ...


    referenznah ...



    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • guten Abend allerseits. Jetzt höre ich gerade mal zwei ungerade Symphonien ... ;)



    Ferdinand Ries, Symphonien Nr 3 & 5
    Zürcher Kammerorchester, Howard Griffiths

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • nun mal wieder ein eher unbekannter Komponist :



    Benjamin Frankel, Symphonien Nr 7 & 8
    Queensland Symphony Orchestra, Werner Andreas Albert

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • Da mir der Rameau so gut gefällt (habe inzwischen das wichtigste zusammengerafft), mache ich doch in der Richtung mal weiter mit Lully - Persée - Erstkontakt!



    Hübsch das! :D (und so einen Phantasiepreis, wie beim angegebenen Link, habe ich nicht im Entferntesten bezahlt :pfeif:)


    :hello: Matthias



  • Schöne CD! :jubel: :jubel: :jubel:



    LG, Elisabeth

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  • nach vielen jahren wieder und für besser befunden als damals schon:



    edward elgar: the music makers op. 69 für mezzo, chor und orch.


    mark elder leitet das hallé orchestra (hll)

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von klingsor
    da wird wohl mal wieder ein neuer beethoven-symphonien-zyklus fällig ... :( ;(


    :yes: :D


    Zitat

    und zwar der mit norrington und dem rso stuttgart ...


    der reine WAHNSINN ..


    so muß es sein ... höre seit tagen die 1. und 2. und bin (fast) restlos begeistert ... fetzig, rasant, knallende pauken, scharfe blechbläser, herausarbeitung mir bislang so noch nicht untergekommener motive...


    Lieber Klingsor,


    Die 9. habe ich noch nicht angehört, aber der Rest bleibt so auf dem Niveau.


    :hello: Matthias

  • und nun raritäten:



    tagore-lieder von franco alfano.



    sehr, sehr, sehr interessant.


    aber leider, wie befürchtet, miese hinterzimmer-akustik und eine gröhlende sängerin. ... wieso ist das so oft so, daß nischen-repertoire, das eigentlich bester künstler bedürfte, von miesen künstlern eingespielt wird?


    trotz des repertoires werd ich die cd. wohl kaum behalten .... ;( ;( ;( ;( ;(



    tiziana scandaletti (nomen est omen? :stumm: ) müht sich ab, begleitet von riccardo piacentini.


    nuova era ist erneut für eine entwicklungsland-qualität zuständig ... wie ich diese firma hasse ... :kotz: :kotz:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von Ulli


    Mensch! Lass' doch mal Fünfe gerade sein...


    :D


    So weit bin ich noch nicht, die kommt demnächst dran.



    Ich habe nun diese leihweise vorhandene CD eingelegt:



    Das fängt bereits prima an mit dem Begräbnisgesang! :yes:


    Viele Grüße,
    Pius.


  • ich ahnte es. und freue mich dennoch. nur der geldbeutel nicht ...grrrrr :wacky: :D


    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • so, kontrast muß sein:


    telemann: festkantaten.


    lobet den herren, alle seine heerscharen. hier gibt es einen der beeindruckendsten choräle mit großartigen pauken/trompeten-ritornell: amen, das ist:es werde wahr. :jubel: :jubel: :jubel:
    wer nur den lieben gott läßt walten.
    der tod ist verschlungen in den sieg.


    collegium vocale des bach-chores siegen, hannoversche hofkapelle, trompeten-consort freidemann immer (hänssler).


    für den von mir nicht sonderlich geliebten telemann gar nicht übel; wirklich: gar nicht übel ...

    --- alles ein traum? ---


    klingsor


  • Aus diesem schönen Geschenk habe ich gerade beim Weihnachtsbaumabräumen die Cd Nummer 8 "Tino Rossi" gehört. Schnulziger gehts nicht mehr: letztes Lied "Petit Papa Noël"- aber bei "Catari, Catari "heul ich trotzdem - das hat mein Vater auch gesungen.


    Und jetzt höre ich zum Entspannen noch ein Geschenk der ganz seltenen Art und davon gibt es kein Cover:


    Reynaldo Hahn: O mon bel inconnu

    Eine Operette des Schönen viel zu Unbekannten- dirigiert von Jean Brebion.


    Mein allerliebster Dank den beiden Freudenspendern :lips:

  • Guten Abend


    Jetzt nach der Arbeit meine einzigste :untertauch: Haydn-Sinfonie-CD aufgelegt:



    Joseph Haydn


    Symphonien Nr. 31, 59 & 73


    Mich mich ganz anhörbare Einspielung
    mit dem Concentus Musicus Wien :jubel:
    Am besten gefällt mir die No. 31


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Hallo,


    ich quäle mich nach dem grandiosen Brahms mittlerweile weiter durch diese CD:



    Ich kaufe wohl keine Puccini-CD mehr.
    Mir gefällt ja kein einziges Stück auf der CD... :wacky:


    Viele Grüße,
    Pius.

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