Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik 2009)

  • Zitat

    Original von Gurnemanz


    Ist notiert, wobei "Voluminöses" bei mir durchaus ambivalente Empfindungen auslösen kann. Jongens Kammermusik immerhin - nach meinen ersten Eindrücken eher feingesponnen, nicht voluminös - macht mich neugierig auf mehr.


    Bei mir ist der Begriff "voluminös" ebenso gemischt besetzt. Ich würde auch nicht einmal sagen, dass die "Orgelsinfonie" "eher fein gesponnen" ist. Wenn man aber so etwas wie Virtuosität (an der Orgel) im besten Sinne erwartet, meine ich, dass man mit diesem Werk gut bedient ist, besser m.E. als mit Saint-Saens.


    Viel Freude - auch im besten Sinne, denn Vergnügen im engeren Sinne kann dieser Komponist nirgends offerieren - mit Pettersson im Konzertsaal!


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von Wulf
    Hat Dir Johannes auch die Toccata aus der 4. vorgestellt??


    Nein, kommt aber vielleicht noch? Allzuviel über Vainberg bzw. Weinberg scheint es, abgesehen von einzelnen interessanten Hinweisen und Erläuterungen, hier noch nicht zu geben.

  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Viel Freude - auch im besten Sinne, denn Vergnügen im engeren Sinne kann dieser Komponist nirgends offerieren - mit Pettersson im Konzertsaal!


    Danke!! Werde dann sicher berichten.

  • Zitat

    Original von Gurnemanz


    Nein, kommt aber vielleicht noch? Allzuviel über Vainberg bzw. Weinberg scheint es, abgesehen von einzelnen interessanten Hinweisen und Erläuterungen, hier noch nicht zu geben.


    Auch richtig. Allerdings nimmt die Anzahl der Einspielungen erfreulicherweise zu, neuere Forschungen belegen die zumindest teilweise wechselseitige Beeinflussung Schostakowitschs und Vainbergs.


    bei mir jetzt aber:




    Paul Hindemith: Nobilissima Visione - Konzertsuite ( 1938 )


    Chicago Symphony Orchestra
    Jean Martinon


    :hello:

  • Hallo Wulf, hallo Gurnemanz,


    naja, zu Weinberg kann ich auch einiges beitragen (ich würde in diesem Fall nachdrücklich dazu raten, seinen Namen auf diese Art und Weise zu schreiben - schließlich war er gebürtiger Pole, und schrieb sich dort Weinberg; "Vainberg" ist die englische Transkription der kyrillischen Umschrift, also quasi einmal im Kreis gedreht und dabei nicht an den Ursprung zurückgekehrt, oder so ähnlich...).


    Eigentlich müsste ich jetzt sehr viel mehr schreiben, das mache ich demnächst mal (ich kenne fast alles, was es von Weinberg mal im Handel gab, und so wenig ist das gar nicht). Ein kurzer Abriss seines Schaffens soll erst mal genügen: er begann eigentlich alles andere als traditionell, die ersten Werke sind kaum tonal zu nennen (oder vielleicht gerade so). Nach der Flucht in die Sowjetunion (Weinberg war polnischer Jude - seine Familie wurde von den Nationalsozialisten ermordet) änderte sich dies aber schlagartig, und die Werke aus den 1940ern, 1950ern und frühen 1960ern sind genau diejenigen, die Schostakowitsch wohl am nächsten stehen, und hier ist auch der von Wulf genannte lyrische Tonfall zu vernehmen (Cellokonzert ist ein Paradebeispiel).


    In den 1960ern öffnete er sich dann aber deutlich moderneren Einflüssen: man findet Experimente mit Dodekaphonie und Aleatorik, aber in einem traditionellen Rahmen. Weinberg ist mal als konservativer Modernist bezeichnet worden - wahrscheinlich bezieht sich das auf diese Werke. Das Zwölfte Streichquartett ist z. B. im Wesentlichen zwölftönig, so weit ich weiß. Die meisten Werke gehen aber letztlich nicht so weit. Hervorzuheben ist z. B. die Sinfonie Nr. 12, dem Andenken Schostakowitschs gewidmet - ein sehr ernsthaftes Werk. Sehr beeindruckend hier der Schluss, wenn die Musik auf ein vielleicht etwas lichteres, erschöpftes Ende in D-Dur hinzusteuern scheint, um letztlich mit drei regelrecht herausgehauenen tiefen C's zu enden - ein sehr düsterer, katastrophischer Schluss.


    Das von Wulf angesprochene versöhnliche Element findet man nun nicht mehr grundsätzlich; zum Beispiel ist das Streichquartett Nr. 16 (zum Andenken an seine Schwester, die wie erwähnt im 3. Reich ermordet wurde, komponiert) ein erschütterndes Werk, gerade das trostlose, unglaublich resignative und depressive Ende. Weinbergs Werke dieser Zeit haben mit Schostakowitsch längst nicht mehr so viel zu tun, die Musik ist im Vergleich zu früheren Werken auch viel schwieriger zu erfassen, längst nicht mehr so unmittelbar zugänglich - abstrakter, komplexer.


    Ich glaube, man darf seine Sinfonien Nr. 17-19 als sein Opus Summum betrachten. Sie bilden eine Trilogie "An der Schwelle des Krieges". Alle drei Sinfonien tragen Titel. Sinfonie Nr. 17 heißt "Erinnerung", ein bedrückendes Werk, das in kreischenden Dissonanzen und dumpfen Schlägen kulminiert. Die Achtzehnte, "Krieg, kein Wort ist grausamer" ist für Chor und Orchester geschrieben. Vier Sätze, davon drei mit Chor, schildern die Tragödie des Kriegs. Der erste Choreinsatz "Sie begruben ihn in der Erde" ist ausgezeichnet, eine Begräbnisszene. Der letzte Satz ist der kürzeste und für Chor a cappella komponiert: "Krieg, kein Wort ist grausamer", also der Titel der Sinfonie, ein dunkler, lichtloser Abgesang. Die Sinfonie Nr. 19 ist ganz anders geartet: sie ist mit "Der strahlende Mai" betitelt, natürlich ein Hinweis auf das Ende des 2. Weltkriegs. Für mich persönlich ist der Schluss dieser (eigentlich viel positiveren) Sinfonie eine der bewegendsten Stellen in Weinbergs Oeuvre überhaupt: die Musik hat hier ihren Frieden gefunden, leise erklingt eine Art Hirtenflöte, und mit einem E-Dur-Akkord in sehr weiter Lage verdämmert die Musik in der Stille. Dieser (wirklich sehr versöhnliche und hoffnungsvolle) Schluss hat nach den vorangegangen Schrecknissen eine unglaubliche Wirkung.


    Offenbar hat Weinberg damit gesagt, was er sagen wollte - seine nach dieser Sinfonie entstandenen Werke, unter anderem vier Kammersinfonien, sind nämlich ganz anders geraten: neoklassizistisch, ja teilweise wirklich heiter, viel unkomplizierter und völlig tonal. Vielleicht ist die Komposition jener sinfonischen Trilogie ja eine Art persönliche Befreiung für ihn gewesen.


    So viel erst mal zum Thema Weinberg.


    Viele Grüße
    Holger

  • und Schläfchen gemacht. Jetzt widme ich mich diesem für mich bisher unbekannten Komponisten :



    Mikhail Ippolitov-Ivanov, Symphonie Nr 1
    Singapore Symphony Orchestra, Choo Hoey


    @ WolfgangZ : RTÉ bedeutet Radio Telefis Éireann, es ist also ein irisches Orchester

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • Hallo Holger,


    es wäre viel zu schade, wnn Deine informativen Zeilen im Nirvana dieses thread verschwinden, den nun wirklich kaum jemand zurückblättern wird.


    Magst Du das nicht kopieren und an geeigneterer Stelle einfügen??


    :hello:
    Wulf


    P.S. Du hast Post :yes:

  • Hallo Wulf,


    naja, ich glaube, ich berichte an anderer Stelle bei Gelegenheit mal etwas ausführlicher über Weinberg, das war jetzt wirklich nur das, was mir spontan eingefallen ist (sollte eigentlich auch gar nicht so lang werden)!


    Ich habe sowieso vor, über diverse Komponisten mal ein bisschen mehr zu schreiben - Weinberg, Tischtschenko, Boris Tschaikowski usw. Mal schauen, wann ich dazu komme!


    Viele Grüße
    Holger

  • weiter geht es mit



    Franz Paul Lachner, Symphonie Nr 5
    Slovak State Philharmonic Orchestra, Paul Robinson

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    The Smiler

  • Johannes Brahms: Werke für Chor a cappella IV
    - Vierzehn Volkslieder WoO 43
    - Zwölf deutsche Vokslieder WoO 35



    Nicol Matt dirigiert den amadeus-chor.


    Liebe Grüße Peter

  • Nochmal Beethoven und Schiff :



    Ludwig van Beethoven, Klaviersonaten Nr. 22 - 26
    Andras Schiff, Klavier


    :hello:


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms


  • PHANTASTISCH !!!!!!!!!!!!!!!

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Niccolo Paganini - Capricen für Violine solo - mit dem Geiger, Tedi Papavrami, auch eine interessante Einspielung! :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:



    Mit lieben Grüßen,
    Diotima. :hello:

  • Ich höre eine Ausscheidung* von Pius:


    Verdi: Don Carlo


    Hines / Steber / Tucker / Thebom / Bastianini / Moscona / Vilma Georgiou // Met NY, 5.3.1955 // Kurt Adler


    Eine Aufnahme, díe ich auch durchaus im Laden mitgenommen hätte.
    Zudem mich die Biographie von Rudolf Bing, der damit seine Intendanz in NY eröffnete, neugierig auf diese Produktion machte.


    Danke :hello:




    Nachtrag aufgrund besorgter PN:


    *natürlich eine Ausscheidung aus Pius´ CD-Sammlung, um jedes Missverständnis zu beseitigen... :rolleyes: :hello:

  • Zitat

    Original von Holger Sambale
    So viel erst mal zum Thema Weinberg.


    Lieber Holger,


    vielen Dank für diese wirklich informative Einführung! Wulfs Anregung, das in einen gesonderten Thread überzuleiten, kann ich nur lebhaft unterstützen. Was hält Dich ab? Das was Du schreibst, wäre doch in dieser Form schon eine ganz famose Eröffnung?!


    Sollte ich meine Bekanntschaft mit Vainberg bzw. Weinberg vertiefen können, werde ich meine Hör-Erfahrungen gern da einbringen.


    Hier noch so viel: Einen Tag, nachdem Johannes (Guercoeur) mir die 6. Symphonie vorgeführt hat, ist mir noch gut der wilde klezmerartige Einsatz der Klarinette an einer Stelle in Erinnerung - da gibt es schon Einfälle, die mich angesprochen haben. Gern mehr...

  • Hallo Gurnemanz,


    ich hab's ja oben schon angedeutet:


    Ich werde mich, da offenbar Interesse besteht, in den nächsten Tagen / Wochen mal wieder etwas intensiver mit Weinberg auseinandersetzen und dann einen dementsprechenden Beitrag verfassen bzw. wohl sogar einen eignenen Weinberg-Thread eröffnen. Dazu möchte ich aber erst in diverse Werke hereingehört haben und nicht (so wie oben) alles aus dem Gedächtnis schreiben. Das, was ich oben geschrieben habe, kann ich mehr oder minder ad hoc extemporieren, es ist deswegen aber noch lange kein herausragender Beitrag, wie ich finde - dazu müsste alles schon noch etwas exakter und stringenter argumentiert sein. In dieser Hinsicht bin ich mit mir selbst in den letzten Jahren sowieso recht streng geworden. Dies auszuführen, würde meinen Beitrag hier allerdings erheblich sprengen.


    Viele Grüße
    Holger

  • Zum Tagesausklang lange nicht mehr gehörtes:


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Guten Abend


    als Nachtmusik jetzt aufgelegt:



    "Anno 1630"


    Werke um 1630 von Fontana, Frescobaldi, Rossi,
    Turini, Trabaci, Monteverdi u. Castello.
    Das klug zusammengestellte Programm wird von Lorenzo Ghielmi
    (Orgel & Cembalo), Enrico Onofri (Violine & Gesang !) und Margret Köll (Harfe),
    teils temperamentvoll, teils inniglich vorgetragen :jubel: :jubel:


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Und noch etwas Schmalziges:



    Auf der CD vertreten sind:
    Barioni, Bergonzi, Björling, Cecchele, Corelli, Cortis, Del Monaco, Filippeschi, Giacomini, Gigli, Granda, Kiepura, Labò, Lauri-Volpi, Lazaro, Lindi, Martinelli, Merli, Pertile, Rosvaenge, Salvarezza, Thill, Valente, Ziliani


    Meine Favoriten:
    ital.: Corelli, Del Monaco, Gigli, Lauri-Volpi :jubel:
    dt.: Rosvaenge :jubel:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Mahlzeit allerseits. Ich beginne meinen ersten Urlaubstag wieder mit Mozart :



    Wolfgang Amadeus Mozart, Symphonien Nr 31 & 33
    Berliner Philharmoniker, Karl Böhm

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 550



    Herbert von Karajan dirigiert das Orchestra Sinfonica della RAI di Torino (1942)


    Liebe Grüße Peter

  • weiter geht es mit



    Bohuslav Martinu, Streichquartette Nr 2 & 4
    Martinu Quartett

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • und nun :



    Daniel Sternefeld, Symphonie Nr 1
    Moscow Symphony Orchestra, Frédéric Devreese

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler