BERNSTEIN, Leonard: A QUIET PLACE

  • BERNSTEIN, Leonard


    A QUIET PLACE


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    Opera in three Acts incorporating TROUBLE IN TAHITI


    Libretto A QUIET PLACE von Stephen Wadsworth
    Libretto TROUBLE IN TAHITI von Leonard Bernstein


    Uraufführung TROUBLE IN TAHITI:
    Brandeis University Waltham/Massachusetts 12.6.1952


    Uraufführung A QUIET PLACE Erstfassung
    (TROUBLE IN TAHITI vor A QUIET PLACE)
    Jones Hall Houston 17.6.1983


    Uraufführung A QUIET PLACE
    Opera in three Acts incorporating TROUBLE IN TAHITI
    La Scala Milano 19.6.1984


    Ort der Handlung: Eine Vorstadt in den USA, Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, TROUBLE IN TAHITI ebd. Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts


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    Rollen


    Old Sam, Bariton
    Dede, Sopran
    Junior, Bariton
    François, Tenor
    Susie, Mezzosopran
    Bill, Bariton
    Mrs. Doc, Mezzosopran
    Doc, Baß
    Funeral Director, Tenor
    Analyst, Tenor
    Dinah, Mezzosopran
    Young Sam, Bariton
    Jazztrio, Sopran (oder Mezzo), Hoher Tenor, Hoher Bariton
    Vocal Ensemble



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    Inhalt:


    Erster Akt:


    Dialogfetzen und Ausrufe führen über einen Unfallort in ein Beerdigungsinstitut in eine amerikanische Vorstadt der 80er Jahre des 20.Jahrhunderts. Dinah, sie war offenbar nicht ganz nüchtern, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Der Witwer Sam steht abwesend in einer Ecke, während sich die Trauergäste (der Bruder der Verstorbenen, Dinahs beste Freundin, ihr Psychiater sowie ihr Hausarzt und dessen Frau) die Zeit mit Smalltalk über Dinah und ihre Familie vertreiben. Tochter Dede ist in Quebec mit dem Frankokanadier François verheiratet, der vor dieser Beziehung ein Verhältnis mit Dedes älterem Bruder, dem psychisch labilen Junior gehabt hat. Dede und Junior hatten lange Jahre keinen Kontakt zu Sam. Beim offiziellen Teil des Gedenkens mit Lesungen und Erinnerungsworten ist Junior noch nicht zugegen. Als er eintrifft, verlassen die Gäste das Institut, nur die Familie bleibt zurück. Sams Kummer entlädt sich in einem Ausbruch, der sich vor allem gegen Junior richtet. Dede, Junior und François gedenken harmonischerer Zeiten mit der Elterngeneration. Jetzt bricht es aus Junior heraus – er redet in Reimen und exaltiert sich mit einem Striptease im Blues-Rhythmus. Als Sam und Junior aufeinander losgehen, kracht der Sargdeckel zu. Allein zurück geblieben, wird Junior deutlich, wie daneben er sich benommen hat.


    Zweiter Akt:


    1. Szene:


    Am Abend liest Sam in Tagebüchern Dinahs und erinnert sich an die Zeit der jungen Ehe, vor dreißig Jahren.


    2. Szene (Trouble in Tahiti, Anfang):


    Ein Jazztrio führt in die angeblich so heile Welt von „Suburbia“, in ein Einfamilienhaus der amerikanischen Vorstädte der 50er Jahre. Die morgendliche Kommunikation des Ehepaars Dinah und Sam erschöpft sich nach zehn Jahren Ehe im Aneinander-Vorbeireden. Im Büro versucht Sam, souverän zu wirken. Währenddessen erzählt Dinah ihrem Psychiater den Traum von einem absterbenden Garten, aus dem eine Stimme ihr ein besseres Leben in einem stillen Land ("A Quiet Place") verheißt. Hat Sam mit der Sekretärin ein Verhältnis gehabt? Zu Mittag trifft das Ehepaar auf der Straße aufeinander, aber sie lügen sich an, um sich aus dem Weg gehen zu können. Die Beziehung ist an einem toten Punkt.


    3. Szene:


    Zurück in den 80ern. Dede gesellt sich zu Sam. Die gemeinsame Erinnerung an Dinah bringt die beiden etwas näher. Junior muss sich währenddessen in seinem Zimmer von François anhören, dass sein Benehmen nicht gesellschaftsfähig ist. Junior wird klar, dass er seinen Vater liebt. Wird er ihm das aber auch irgendwie klarmachen können? Dede und François treffen im Flur aufeinander und trösten sich gegenseitig. Sam betritt leise Juniors Zimmer, als dieser schon schläft. Doch auch er weiß nicht, wie er sich dem Sohn annähern kann. Ein Pokal im Regal ruft erneut Erinnerungen in ihm wach.


    4. Szene (Trouble in Tahiti, Ende):


    Wieder besingt das Jazztrio die Vorzüge des Lebens im „Suburbia“ der 50er Jahre. Statt eine Schüleraufführung von Junior besucht zu haben, hat Sam bei einem Turnier einen Handballpokal gewonnen. Und Dinah war auch nicht in der Aufführung. Sie hat stattdessen den Film „Trouble in Tahiti“ gesehen und schildert dieses Technicolor-Musical mit seinem „Inselzauber“ anfangs angewidert, dann immer enthusiastischer. Die abendliche Aussprache von Sam und Dinah bleibt fruchtlos. Sie stimmt zu, mit ihm ins Kino zu gehen – in „Trouble in Tahiti“…


    Dritter Akt:


    Am nächsten Morgen jätet Dede in Dinahs verwildertem Garten. Mit Junior zusammen wird eine einstige kindliche Vertrautheit wieder lebendig. Als François dazu kommt und sie Fangen spielen, ist schließlich auch Sam zur Stelle, der François somit in der Familie offiziell willkommen heißt. Sam liest aus Dinahs Tagebüchern. Die Trauer weicht befreitem Gelächter, doch sofort wieder streitet die Familie. Am Höhepunkt des Konflikts wirft Junior Dinahs Tagebuch in die Luft, und alle Blätter verteilen sich über den Garten. Der Schock lässt die vier wieder zur Besinnung kommen. Sie beginnen erneut, sich einander anzunähern.


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    Kurze Anmerkungen zum Werk:


    Den Einakter „Trouble in Tahiti“ grenzte Leonard Bernstein bewusst von Broadway-Gewohntem ab, indem er auf Tanzszenen verzichtete und die Partitur bewusst opernhafter als seine Musicals anlegte. „A Quiet Place“ bedeutete dann den ehrgeizigen Versuch einer amerikanischen Nationaloper am Beispiel der Psychologie einer ganz normalen Familie, mit dem kompositorischen Hauptaugenmerk auf dem Tonfall der amerikanischen Alltagssprache. Nach der Uraufführung in Houston, die vor der Pause das Geschehen in den 50er Jahren („Trouble in Tahiti“) brachte und danach in einem Stück die Neukomposition aus den 80ern, bot sich die Umarbeitung zur auch auf CD (mitgeschnitten im April 1986 im Rahmen einer Aufführungsreihe unter Leitung des Komponisten in der Wiener Staatsoper) vorliegenden Fassung an, die „Trouble in Tahiti“ in den zweiten Akt eingliedert. Erwähnenswert sind auch die großsymphonischen Instrumentalstücke der neuen Fassung, das Nachspiel zum ersten und das Vorspiel zum dritten Akt.


    ©Alexander Kinsky für Tamino-Klassik.at

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • A Quiet Place
    (Ruh und Frieden),
    Oper in 4 Bildern
    Musik von Leonard Bernstein,
    Text von Stephen Wadsworth,
    Uraufführung: 17.6.1983 Houston/Texas
    mit Sheri Greenawald • Timothy Nolen • Chester Ludgin • Peter Kazaras • Theodor Uppman • Johan Brandstetter • Dana Krueger,
    Dirig. De Main.



    Die Handlung spielt 30 Jahre nach Trouble in Tahiti. Dinah ist bei einem (selbstmörderischen?) Autounfall ums Leben gekommen. Am Grab seiner Frau sieht Sam (Bariton) erstmals nach sehr langer Zeit wieder alle Familienmitglieder, dazu Dinahs Psychiater (Bariton) und Sams Bruder Bill (Bariton). Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Junior (Bariton) gesteht ein früheres Verhältnis mit François (Tenor), dem Mann seiner Schwester Dede (Sopran). Als Familie vereint bewältigen sie aber alle Probleme und blicken am nächsten Morgen voll Hoffnung in die Zukunft.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)