Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 73 D-Dur »La Chasse«

  • Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 73 D-Dur »La Chasse«


    4 Sätze:
    Adagio. Allegro (D-Dur, 3/4 Takt)
    Andante (G-Dur, 2/4 Takt)
    Menuetto (Allegretto) (D-Dur, 3/4 Takt)
    La Chasse. Presto (D-Dur, 6/8 Takt)


    Entstanden 1781.



    Der Kopfsatz beginnt mit einer ausgedehnten langsamen Einleitung, die durch eine pochende Figur charakterisiert wird, wobei Haydn es versteht die Spannung zunehmend zu intensivieren. Der Allegro-Hauptsatz hebt mit einer wie aus dem Nichts aufscheinenden, wiegenden Drei-Achtel-Auftaktfigur an, die zum Kern des Hauptthemas avanciert und das Material des gesamten Satzes bestimmen wird. Diesem spritzigen Hauptthema wird ein melancholisch eingetrübter zweiter Themengedanke zur Seite gestellt (wohl in h-moll). Die Durchführung beginnt mit dem Einsatz des Hauptthemas – nun nach Moll (wohl ebenfalls h) gewendet. Bestimmend für die Dramatik der Durchführung sind zwei große Steigerungen, wobei die zweite dieser Steigerungen unmittelbar in die Reprise überleitet. Das Seitenthema erscheint in der Durchführung erneut in Moll. Eine Coda scheint mir zu fehlen.


    Der zweite Satz ist von berückend-schöner Schlichtheit. Das achttaktige Thema das Satzes ist von der Melodie des Haydn-Liedes »Gegenliebe« abgeleitet. Es taucht im Satz (formal wohl soetwas wie eine Rondovariation) viermal auf, durchaus auch in variierter Form, zweimal wird das Thema in den »Zwischenspielen« auch ganz klar mollig eingetrübt.


    An dritter Stelle steht ein fröhliches und durchaus selbstbewußt daher kommendes Menuetto mit Trio. Menuetto wie Trio sind jeweils dreiteilig gebaut: Das Menuetto folgt einer dreiteiligen Liedform (A-B-A‘), das Trio weist eine A-B-C-Form auf. Interessant ist, daß Haydn sowohl im Menuetto wie im Trio deutlich kontrapunktisch arbeitet (besonders deutlich wird dies in den A- und A‘-Teilen des Menuettos).


    Dem mit La Chasse überschriebenen Finalsatz verdankt die Sinfonie ihren Beinamen. Der Satz beruht auf der Overtüre zu Haydns Oper La fedeltà premiata (an anderer Stelle las ich, der Satz sei identisch mit der Overtüre), mit der im Februar 1781 das Opernhauses in Esterháza aufgeführt worden war. Der dreiteilige Satz (1. und 3. Teil stehen in der Grundtonart, der 2. Teil in Moll) malt mit seinen Echowirkungen und der Imitation von Hornsignalen (Solo-Hörner) eine lustige Jagdszene. Bemerkenswert ist, daß die Sinfonie im Pianissimo ausklingt.

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Klawirr
    Der zweite Satz ist von berückend-schöner Schlichtheit. Das achttaktige Thema das Satzes ist von der Melodie des Haydn-Liedes »Gegenliebe« abgeleitet.


    Mich erinnert es auch sehr an den zweiten Satz von #94, nur eben ohne Paukenschlag.


    Zitat

    Dem mit La Chasse überschriebenen Finalsatz verdankt die Sinfonie ihren Beinamen. Der Satz beruht auf der Overtüre zu Haydns Oper La fedeltà premiata (an anderer Stelle las ich, der Satz sei identisch mit der Overtüre), mit der im Februar 1781 das Opernhauses in Esterháza aufgeführt worden war.


    Nochwoanders ist zu lesen, daß das Hauptthema einer Jagdmusik von Jean-Baptiste Morin entnommen ist. Da Haydns Oper von der Jagdgöttin Diana handelt, bleibt die Jagdassoziation ja bestehen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • ich habe diese wunderbare Sinfonie heute in 2 Aufnahmen gehört, zum einen mit der Hanover Band unter Roy Goodman , zum anderen mit dem Concentus musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt (beide gestrichen) wobei ich Goodman klar bevorzuge. Es muß dazu allerdings gesagt werden, daß ich generell kein Fan von Harnoncourt bin.

    Prinzipiell ist fast alles gesagt, was zu sagen war - aber ich freue mich, daß ich ein Detail klären konnte


    Noch woanders ist zu lesen, daß das Hauptthema einer Jagdmusik von Jean-Baptiste Morin entnommen ist.

    Das ist an sich - auf eine eigenartige Weise - richtig - und auch wieder nicht.

    Es handelt sich hier um ein allgemein bekanntes Jagdsignal, welches von EINIGEN Komponisten in ihre Werke eingebaut wurde, unter anderem von Jean-Baptiste Morin und Joseph Haydn.

    Wikipedia schreibt dazu:

    Im 1780 herausgegebenen „Manuel du Chasseur“ (Jagdhandbuch) findet sich das Signal als „l’ancienne Vue“ (das erste Sichten des Hirsches).


    Interessant auch wie im Internet oft kommentiert wird: (auszugweise übersetzt)


    "Einige der „großen“ Haydn-Gelehrten wie H.C. Robbins-Landon lehnte diese Synphonie und ihre Nachbarn ab. Sie sagen uns, dass diese Werke aus Haydns schlechter Zeit stammen. Ich wusste immer, dass das Unsinn ist. ...........Übrigens hatte Haydn nie eine schlechte Zeit."


    Tja, so gehts wenn amerikanische Musikwissenschafter sich anmaßen über Götter der Wiener Klassik zu richten :P:hahahaha::baeh01:


    Hier noch ein völlig anderes Sample:
    Austro-Hungarian Haydn Orchestra & Adam Fischer

    Ich habe gelegentlich Einwände gegen die Gesamtaufnahme vorgebracht - aber diese Sinfonie spielen sie mehr als überzeugend





    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Die Goodman CD ist heute angekommen. Wunderbare Aufnahme, durchsichtig und voller Spielfreude. Auf Hyperion verlasse ich mich immer gerne.....

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Bei Hyperion sollte man darauf achten, falls man 2nd Hand kauft, möglichst die "Helios"-Neuauflage wie in #3 abgebildet (die sind normalerweise auch noch neu lieferbar) zu kriegen. Denn leider können einige der Originalausgaben vom "bronzing" betroffen sein, aber das gilt nur für Auflagen bis ca. 1992.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Oha,


    ich hatte 3,58€ mit Versand gezahlt - ist aber ( noch? da nicht Helios ) silbrig und läuft problemlos.

  • Am vergangenen Mittwoch hat unser neues Mitglied "Leisetreter" einen Thread über den Münchner Bürgerbräukeller eröffnet.

    Auch diese Aufnahme der Sinfonien Nr. 31 und 73 ist dort entstanden:

    Haydn: Sinfonien Nr. 31 'Auf dem Anstand' und Nr. 73 'Die Jagd'

    Leopold Ludwig und das Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks (Aufnahme: 4/1966).


    Mir ist nicht bekannt, ob es eine CD-Ausgabe gibt bzw. gegeben hat.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Danke für diesen Hinweis, lieber nemorino.


    Dass Leopold Ludwig diese Haydn-Werke eingespielt hat, war mir völlig unbekannt. Eine CD-Übernahme gab es nicht. Die LP ist bereits geordert. Ich bin gespannt.


    Herzliche Grüße

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Dass Leopold Ludwig diese Haydn-Werke eingespielt hat, war mir völlig unbekannt.

    Mir auch, bis ich gestern beim Suchen nach etwas ganz anderem auf diese Aufnahme stieß.


    Leopold Ludwig hingegen ist mir als Dirigent kein Unbekannter, er wirkte nach dem Krieg vor allem als langjähriger GMD an der Hamburger Staatsoper (1951-1971). Der gebürtige Österreicher starb 1979 im Alter von 71 Jahren in Lüneburg. Er machte auch viele Plattenaufnahmen, eine davon ist besonders berühmt geworden:


    Klavierkonzerte 4 & 5


    Es hat mich gefreut, lieber Joseph II., daß ich Dir einen brauchbaren Tip geben konnte. Hoffentlich war er nicht zu teuer.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Es hat mich gefreut, lieber Joseph II., daß ich Dir einen brauchbaren Tip geben konnte. Hoffentlich war er nicht zu teuer.

    Keine Bange, lieber nemorino, die Platte ließ sich preiswert und fast neuwertig finden (10 EUR inkl. Versand), was nach meiner Erfahrung in aller Regel dann auch so zutrifft.


    Die Sinfonie Nr. 73 "La Chasse" dürfte schon früher zu den populäreren von Haydn gezählt haben. Jetzt bei der Recherche stieß ich auf eine weitere alte Nicht-HIP-Studioeinspielung mit großem Orchester: Josef Zilch nahm das Werk 1974 mit den Nürnberger Symphonikern für das auch durch seine Zusammenarbeit mit der betagten Elly Ney bekannt gewordene Nürnberger Label Colosseum auf. Anders als bei der EMI-Einspielung von Leopold Ludwig gab es später eine CD-Neuauflage. Auf dem Gebrauchtmarkt wird man noch fündig (Barcode 4005939056629).


    MzAtMjA2OC5qcGVn.jpeg MzAtNzExNi5qcGVn.jpeg

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Es werden ja nicht alle bronziert. Vermutlich auch sehr unwahrscheinlich, dass es jetzt noch passiert. Ich habe halt ein paar erwischt und sogar, obwohl ich es wusste, nochmal eine Purcell-CD gebraucht gekauft, die dann auch wieder verdächtig war. Im Zweifel sofort Sicherheitskopie, denn es ist oft eine Progression.

    So sieht das aus. Die andere Seite ist noch völlig unverfärbt silbern.



    Der Computer weigerte sich gestern abzuspielen, aber ich habe noch nicht systematisch rumprobiert. Zum Glück schon vor Jahren eine Kopie gemacht, die spielte einwandfrei. Eine gute Aufnahme (allerdings m.E wertvoller für die selten eingespielten 74 u. 75).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • So sieht meine nicht aus, die ist auch vorne noch silber - Glück gehabt. Werde sie trotzdem kopieren.


    Danke !

  • Am vergangenen Mittwoch hat unser neues Mitglied "Leisetreter" einen Thread über den Münchner Bürgerbräukeller eröffnet.

    Auch diese Aufnahme der Sinfonien Nr. 31 und 73 ist dort entstanden:

    Haydn: Sinfonien Nr. 31 'Auf dem Anstand' und Nr. 73 'Die Jagd'

    Leopold Ludwig und das Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks (Aufnahme: 4/1966).

    Um noch einmal kurz darauf zurückzukommen: Die exzellent erhaltene LP traf dieser Tage ein und wurde bereits digitalisiert und abgehört. Vom warmen, ansprechenden Klangbild kann sich sogar manche moderne Aufnahme eine Scheibe abschneiden. Wie zu erwarten, ein großorchestraler Ansatz, aber keinesfalls dickflüssig aufgetragen. Am Solohorn ganz hervorragend Kurt Richter, zwischen 1950 und 1978 Solohornist beim BR-Sinfonieorchester und auch im Münchener Bach-Orchester seines Namensvetters Karl Richter in einigen Schallplattenaufnahmen eingesetzt. Sowohl "Mit dem Hornsignal/Auf dem Anstand" (Nr. 31) als auch "Die Jagd" (Nr. 73), um die es in diesem Thread geht, stellen eine bedeutsame Erweiterung der eigenen Haydn-Diskographie dar. Der einzige Wermutstropfen ist, dass Leopold Ludwig von der "Jagd"-Sinfonie die Fassung ohne Pauken wählt (die andere Sinfonie sieht ohnehin keine vor). Das hemmt zumal im Finalsatz den Waidwerkcharakter ein wenig. Gleichwohl bereue ich den Kauf keinesfalls und danke abermals nemorino für seinen wichtigen Tipp.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Die Zeit ist leider schon vorbei, zu lange her. aber mir hat - das sei zu ihrer Ehre gesagt HYPERION alle bronzierten, und auch jene die noch nicht bronziert waren, man es ab an Hand der Seriennummer vorhersagen konnte - ausgetauscht. Sie haben die Sereinnummer erfragt und mir dann mitgeteilt ich müsse die defekten nicht retournieren, ich bekäme in einigen Wochen Ersatz (ohne Cover)

    und so war es dann auch.

    Die Schuld lag damals bei Philips-Dupont, die einen neuen (billigeren) Schutzlack ausprobiert haben.

    Soweit ich unterrichtet bin, betraf das nur den Standort Blackburn (UK)


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Ja, Hyperion war eine der kulantesten Firmen.

    Aber ich glaube, heute, nach so langer Zeit, würden sie auch nichts mehr tauschen. Leider gab es das Bronzing eben auch vereinzelt bei anderen Labels. Meine erste war eine DG Resonance mit Fricsay/Mozart. Da hat man es kaum gesehen, die Farbe hatte sich nur sehr leicht und ganz gleichmäßig geändert, die CD einfach so aussehen können, da ja nicht alle gleich hell silbern sind. Aber die letzen beiden Tracks waren kaputt und auch nicht mehr kopierbar. Ich habe noch mindestens 2 weitere verdächtige von DG/Archiv, eine stark verfärbte von ASV und noch einige Hyperion.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Einige der „großen“ Haydn-Gelehrten wie H.C. Robbins-Landon lehnte diese Synphonie und ihre Nachbarn ab. Sie sagen uns, dass diese Werke aus Haydns schlechter Zeit stammen [...]

    Bereits 1783 hieß es:

    Da in dieser so gut wie in allen seinen Symphonien Schwierigkeiten und unerwartete Gänge vorkommen, die geübte und richtige Spieler erfordern, und nicht auf gut Glück hineingeworfen sind, ohne die Vorzeichnungen genau zu beobachten, oder zu kennen; so möge sich kein Liebhaber oder ander unsichrer Spieler daran wagen, sondern kenne sie erst genau, um nicht dabei mit Schande zu bestehen. Möchte doch Heydn, diese grosse Symphonieenepoche mit mehrern solcher herrlicher Arbeiten krönen, und alle schlechte Symphonieschreiber dadurch zum Stillschweigen oder zur besseren Bearbeitung ihrer flüchtigen Aufsätze bringen


    Die Sinfonie gehört zwar nicht zu den als Œuvre XVIII zusammengefassten Sinfonien (62, 63, 70, 71, 74 und 75), die Michael Walter als Publikumstest verstanden wissen will, gleichwohl lässt sich solches doch vielleicht auch hier erkennen. Walter dichtet der Sinfonie 73 (wie auch 74 und 75) einen „mittleren Tonfall“ an; ansonsten auch hier - wie zu 71 - das große Schweigen im Walde.


    Ganz famos und cool ist der erste Satz, der vollständig ohne zweites Thema auskommt und nicht gewöhnlich in der Grundtonart, sondern auf der Subdominante beginnt. Evviva la Sonatenhauptsatzform! Hier passt auch, was Haydn 1805 angeblich zu Albert Christoph Dies gesagt haben soll: „Ein paarmal nahm ich mir die Freiheit, zwar nicht das Ohr, aber doch die gewöhnlichen Regeln der Lehrbücher zu beleidigen [...]“, was im heutigen Sinne Missachten bzw. bewusst Ignorieren bedeutet. Die Subdominantfunktion verleiht dem Thema eine besondere Frische und Leichtigkeit (wie z.b. auch in Mozarts Sonata facile, Reprise auf der SD). Das Thema ähnelt jenem der späteren #96, dort aber bodenständig auf der Tonika. Als weiteren ungewöhnlichen Fall kann man #92 benennen: dort beginnt das Thema auf dem Dominantseptakkord, was ich auch besonders mag.


    Der langsame Mittelsatz kommt mir eher langweilig vor: zu wenig Variation des ohnehin ohrwurmigen Themas. Außerdem irritiert mich die Anomalie nach der Fermate (T. 10) - es folgt die „Lösung“ des 2. Thementeils in krummen 7 Takten (11-17) und dann nochmals (18-24); da ist stets einer zu viel.


    Das Menuett ist wieder cool: Das Schunkelthema wird gleich in den Instrumenten aufgeteilt und nicht - wie üblich - bloß von einer Instrumentengruppe (abwechselnd) vorgetragen: Schlag 1 = Bläser, Schläge 2 und 3 = Violinen (grob vereinfacht). In der Wiederaufnahme des A-Teils (T. 31) wird das Seufzermotiv (Schläge 2 und 3) dann in die Bassinstrumente (Violen, Celli, Fagotte) verlegt.


    Zum letzten Satz: Das Jagdmotiv ist offenbar nicht gleich jenes, mit dem der Satz einsteigt, sondern vielmehr das nach der Fermate (T. 29, Oboen und Hörner). Das muß wohl im Original in etwa so (komisch) geklungen haben:



    Alle vergleichbaren Klangbeispiele auf YT haben diesen orientalischen Einschlag.

    Im 1780 herausgegebenen „Manuel du Chasseur“ (Jagdhandbuch) findet sich das Signal als „l’ancienne Vue“ (das erste Sichten des Hirsches).

    Ganz nachvollziehen kann ich das Signalisieren der ersten Sichtung nicht wirklich: ich würde annehmen, daß jedes Wild bei diesen Tönen gleich das Weite suchen würde ... aber ich bin ja nunmal kein Hirsch.


    Die z.T. gedruckten (und gespielten?) Trompeten und Pauken im Finalsatz gehören wohl ausschließlich zur ursprünglichen Ouvertüre.


    Ewigkeit ist ein angemessener Zeitrahmen, Perfektion zu erreichen.
    (unbekannt)

  • Diese Sinfonie war eine der ersten abseits der Londoner und Pariser die ich kennenlernte. Sie ist mit den Sinfonien Nr. 70 und Nr. 77 mein Favorit unter den 70ern.


    Schon in der Einleitung zeigt Haydn warum er ein Meister der Orchestrierung ist. Sie beginnt mit der Begleitung in der Pulsierende Bläser mit Pizzicato Akkorden unterstützt werden. Die Violine spielen nach einen Takt dann ein einfaches Dreiklangsmotiv. Seltsamerweise lässt Fischer das Motiv pizzicato spielen, während es bei Harnoncourt arco erklingt. Ich bin mir nicht sicher was hier richtig ist, ich persönlich bevorzuge aber die arco Version. Das Hauptthema, abseits der Tonika, wurde schon oben von Ulli angesprochen. Themen die nicht auf der Tonika beginnen scheinen Haydn fasziniert zu haben. Oben wurde schon die Oxford Sinfonie erwähnt, aber es gibt einige weitere Fälle, wie zum Beispiel das berühmte H-Moll Quartett aus op. 33 (etwa zeitgleich), oder auch op. 50 Nr. 6 und die Sinfonie Nr. 86.


    Der zweite Satz ist zwar etwas schlicht und kommt nicht an die langsamen Sätze von den Sinfonien 70,76,77 & 80 heran, und ist eher von einen leichten und liedhaften Typus, wie in den Sinfonien 85, 91 oder auch der Paukenschlagsinfonie. Ich finde ihn aber trotzdem ganz gut, auch weil er einen Kontrast zum dichten Kopfsatz bietet.


    Das Menuett ist auch eher schlicht und einfach, das Trio jedoch mit den wetteifernden Oboen und Fagotten ein Hochgenuss.


    Das Finale ist, meiner Meinung nach, der zweite Höhepunkt dieser Sinfonie. Ich bin mir nicht sicher, ob die Trompeten und Pauken hier authentisch sind (in der ursprünglichen Ouvertüre sind sie auf jedem Fall dabei), aber für mich gehören sie einfach dazu. Es wäre für Haydn auch gar nicht ungewöhnlich diese Instrumente für diesen Satz aufzuheben. Haydn spart sich manchmal gerne Instrumente (meist Trompeten und Pauken) für einen späteren Einsatz auf, um gewisse Abschnitte oder Sätze hervorzuheben. So zum Beispiel in der Sinfonie 88 (Trompeten und Pauken erst im 2. Satz) oder die “Sieben letzten Worte” (Trompeten und Pauken erst im il Terremoto). Auch bei den Sinfonien 92,94 & 96 kommen die Trompeten erst im Allegro Teil der jeweiligen Kopfsätze. Hier unterscheidet sich Haydn von Mozart, bei dem (soweit ich weiß) alle Sinfonien mit Trompeten und Pauken mit vollem Orchester anfangen. In dieser Sinfonie wird dadurch die Jagd hervorgehoben und zelebriert und ist vielleicht ähnlich zu sehen wie der Einsatz des vollen Orchesters im Gewitter von Beethovens Pastorale (auch dort spielt das volle Orchester nur im diesem Satz). Der leise Schluss war wahrscheinlich in der Oper als eine Art Übergang gedacht, funktioniert aber in der Sinfonie ganz gut.


    Meine zwei liebsten Aufnahmen des Werks sind (wie Ihr schon erraten habt) die von Adam Fischer und Nikolas Harnoncourt.


    LG aus Olhao.:hello:

  • Der leise Schluss war wahrscheinlich in der Oper als eine Art Übergang gedacht, funktioniert aber in der Sinfonie ganz gut.

    Ich meine die Theorie gelesen zu haben, daß Haydn den Finalsatz originär als Kopfsatz geplant hatte (was ja auch der üblichen Handhabe entspräche: man nehme eine Ouvertüre und klebe die restlichen Sätze an). Der Autor (who ever) hat sich aber selbst zu korrigieren versucht, indem er meinte, die lgs. Einleitung würde natürlich dann im Finalsatz stehen und nicht passen. Nunja: die Einleitung hätte Haydn auch von das La Chasse kleben können, das Poblem wäre dann eher, daß der dann als Finalsatz fungierende Kopfsatz „aus dem Nichts“ nicht passt.


    Seltsamerweise lässt Fischer das Motiv pizzicato spielen, während es bei Harnoncourt arco erklingt. Ich bin mir nicht sicher was hier richtig ist, ich persönlich bevorzuge aber die arco Version.

    Von Graf Auto sind offenbar bloß die Sätze 2 und 3 (in der IMSLP) erhalten; die übrigen dort abrufbaren Partiturdrucke schreiben Pizzicato lediglich in den Viola-, Cello- und Baßstimmen vor; ab T. 10 dann col'arco bzw. arco.

    Ewigkeit ist ein angemessener Zeitrahmen, Perfektion zu erreichen.
    (unbekannt)

  • Von Graf Auto sind offenbar bloß die Sätze 2 und 3 (in der IMSLP) erhalten; die übrigen dort abrufbaren Partiturdrucke schreiben Pizzicato lediglich in den Viola-, Cello- und Baßstimmen vor; ab T. 10 dann col'arco bzw. arco.

    Ja, die meisten Aufnahmen haben die arco Version, die pizzicato kenn ich nur von Fischer und irgendeine andere Aufnahme die ich inzwischen schon vergessen habe (war nicht sonderlich gut).


    LG aus Olhao.:hello:

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Interviebanner 1 Gelbe Rose