Wieder einmal hat sich die OPER KÖLN einen Bock geschossen - diesmal im Visier: Lortzings WILDSCHÜTZ

  • Baculus trifft immerhin seinen eigenen Esel - die Oper Köln hingegen schießt (mal wieder mit erstaunlicher Treffsicherheit) vollkommen daneben... Die Inszenierung von Nigel Lowery ist eine Übernahme aus der Staatsoper Stuttgart von 2005 - und es stellt sich mir die Frage, warum die Oper Köln, die nun wirklich derzeit genug eigenen Mist produziert, sich ausgerechnet diese Produktion ins Haus geholt hat. Die Inszenierung ist nicht nur belanglos - sie ist schlicht und einfach schlecht. Ich habe mir von dem Briten Nigel Lowery, der für Regie und Bühnenbild verantwortlich zeichnet, doch deutlich mehr Biss und hintergründigen Witz erhofft. Das Gegenteil ist aber der Fall - alles wirkt schwerfällig, langatmig, ungenau - ohne Elan, ohne Pointen, Witz oder Verstand. "Wir sind froh" verkündet der Spruch auf dem Vorhang - nach fünf Minuten war ich mir sicher: ich bin es nicht! In einer pseudo-dadaistischen Hochhaus-Wohnblock-Szenerie ist der Graf von Eberbach Diktator und Wächter eines kommunistischen Systems, in dem es Geburtenkontrolle und Gleichschritt gibt - Schäferhunde mit fletschenden Zähnen halten die Gesellschaft wie eine Schafherde im Zaun. Der Graf selber wird von uniformierten Schulmädchen wie ein Popstar bejubelt, der Baron ist ein Motocrossfahrer, Pancratius ein schmuddeliger Koch der gern ins Essen rotzt (Schenkelklopfer!)... Der dritte Akt spielt dann in einem Rotlichtviertel, in dem der Graf "Heiterkeit und Fröhlichkeit" genießt und auch mal ein oder zwei Schulmädchen vögelt ("Nicht all auf einmal! `s wird besser sein, ich tanze mit jeder zuerst allein.") - auch hier verkündet wieder ein Werbeplakat (neben Pin-up-Girls und Erotik Shop): "We are VERY happy!". Die Dialoge werden entweder als verzerrte Video-Einspielung dargeboten oder von Pancratius in unerträglicher Blödheit zusammengefasst und erläutert. Mehr Detaills des szenischen Geschehens sind eigentlich unnötig. Nun hätte man ja einfach die Augen schließen und Lortzings pointierte und geistreiche Musik genießen können - wäre da nicht Enrico Dovico am Pult, der die Partitur in wirklich unerträglichem Maße ausdehnt und ausleihert. Auch hier keine Spur von Esprit oder Dynamik, er dirigiert die Musiknummern quasi zu Tode - alles breit, zähflüssig, schwerfällig, viel zu langsam, keine Nuancen, kein Charme - als wollte er Lortzing eine depressiv-tragische Seite abringen, die einfach in dieser Musik nicht vorhanden ist. So dauert die Aufführung trotz gestrichener und gekürzter Dialoge drei langweilige Stunden (die Pause nicht mitgerechnet). Die Sänger schlagen sich, allen Widrigkeiten von musikalischer und szenischer Leitung zum Trotz, sehr wacker und haben daher meine hohe Anerkennung - aber auch mein tiefstes Mitgefühl. Ich glaube kaum, daß das Ensemble mehr Freude an dieser Scheiße hatte, wie das Publikum... Ich jedenfalls möchte manchmal einfach nur noch :kotz:

  • Lieber Clemens,


    ich kann Deinen Mißmut nur zu gut verstehen! Just diese Inszenierung hat bei mir das Faß zum Überlaufen gebracht, weshalb ich mein Stuttgarter Opernabonnement nach 3 Jahrzehnten gekündigt habe.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Lieber Clemens,


    herzlicen Dank für Deinen Bericht.
    Ich muß daraus ersehen, dass ich wohl zu Unrecht die Werbetrommel für diese Kölner Neuinszenierung gerührt habe.
    Dein Bericht wird mich auf jeden Fall von einem Besuch in Köln abhalten!


    Da kann ich nur wehmütig hinter der alten Düsseldorfer Inszenierung hertrauern - wunderschön im Biedermeier-Stil liebevoll in Szene gesetzt - wie oft habe ich da meine liebste Oper gesehen (seufz) :(


    LG


    Harald :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Und man beachte, daß ich der Letzte bin, der sich als "Staubi" bezeichnen würde... Einer guten "untraditionellen" Regie gegenüber wäre ich ja noch aufgeschlossen gewesen. Gerade heitere Stücke wie der Wildschütz oder z.B. auch Gianni Schicchi lassen sind szenisch sehr gut in frische, ungewohnte Gewänder kleiden... Aber man muss dabei in erster Linie vom Werk an sich ausgehen und nicht irgendein beliebiges Konzept drüberstülpen. Gerade der Wildschütz ist wunderbar bissig, hintergründig und feinsiinig im Humor - musikalisch wie auch dramaturgisch... guter britischer Witz hätte hier funktionieren können. Aber das war einfach nur Schwachsinn und dazu noch handwerklich sehr ungekonnt... sowas macht mich wirklich wütend. :motz: Ich habe mich nach der Pause bei dem Ehepaar in der Reihe vor mir dafür entschuldigt, falls mein Stöhnen stören sollte... das hätte lediglich zu bedeuten, daß ich vor lauter Langeweile nur ein wenig sterbe... Sie hatten großes Verständnis... ;) Ich hätte nicht gedacht, daß man den "Wildschütz" durch Langeweile versauen könnte - aber die Kölner Oper hat mich mal wieder eines besseren belehrt. Und wirklich nicht nur szenisch, gerade das Dirigat war unerträglich....

  • Was die Musik betrifft: Da können wir uns ja alle persönlich durch einfaches Radiohören überzeugen.
    Wie im "Wildschütz"-Thread bereits gemeldet, hat der WDR die Premiere mitgeschnitten.
    Die Ausstrahlung findet im Rahmen der Sonntags-Reihe "Bühne Radio" am 15. Februar auf WDR 3 um 20.05 Uhr statt.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hups Clemens,


    danke für deine Vorwarnung. Wir hatten vor uns den Wildschütz anzusehen und anzuhören, werden aber nach deinem Posting davon Abstand nehmen.

  • Hi,


    das sind ja die wahren Experten hier versammelt, erstaunlich nur, dass die NZ und die SZ bei der Stuttgarter Premiere zu ganz anderen Ergebnissen und Beurteilungen gekommen sind, beides nicht gerade provinzielle Schmierenblätter, deren Kritiker durchaus sachverständig sind, aber wie gesagt, die wahren Experten sitzen offenbar hier zusammen
    :hahahaha:


    Grüße aus dem Wiesengrund an die Staubis
    :baeh01:

  • @ wiesengrund:
    Weißt du, ich für meinen Teil bilde mir immer ganz gern eine eigene Meinung und vertraue meinem persönlichen Geschmack - selbst wenn dieser nicht mit dem der sachverständigen Kritiker der NZ oder SZ konform ist... Von mir aus können die auch auf der Titelseite schreiben, daß Erdbeeren mit Scheiße eine neue Delikatesse ist - ich würd´s trotzdem nicht essen...

  • Lieber Clemens,


    nach dem Oedipus Rex aus Köln wundert mich Deine Beschreibung irgendwie wenig! Lass uns lieber in die Deutsche Oper am Rhein fahren, der Maskenball dort war auf jeden Fall völlig in Ordnung! 8) Und was die Kritiker aus den großen Überregionalen anbetrifft, so stimme ich mit Dir nochmal überein - auch sie kochen nur mit Wasser! Außerdem wird die Oper immer noch für das Publikum gemacht, und nicht für die Kritik!


    Allerliebst,
    Deine


    Thea

  • Lieber Clemens,


    nachdem diese unsägliche Diskussion hier aus dem Thread entfernt wurde, sollte man wieder auf das Thema dieses Threads zurückkommen: Den Wildschütz von Lortzing!


    Zwar trauere ich - wie bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht - immer noch der Düsseldorfer Inszenierung von 1979 hinterher (Inszenierung: Günter Roth, Bühnenbild: Hermann Soherr, Kostüme: Inge Dietrich), die war zwar im biedermeierlichen Stil der Entstehungszeit gehalten, aber keinesfalls "staubig".


    Ich hatte mir von der Neuinszenierung in Köln jetzt natürlich keine Neuauflage einer alten und verstaubten Oper erwartet - ganz im Gegenteil bin ich modernen Interpretationen durchaus aufgeschlossen.


    Gerade der Wildschütz - was könnte man daraus machen.....Ein Beispiel -
    Allein die Arie "5000 Taler":


    "vor kurzem war ich noch
    ein rechter Lumpenhund ....


    und jetzt auf einmal: Kapitalist!"


    Lortzing hat diese Verse fünf Jahre geschrieben, bevor Karl Marx sein "Kapital" veröffentlicht hat - das ist doch geradezu eine Fundgrube für phantasievolle Regieeinfälle!!
    Ob halbverfallene DDR-Plattenbauten dazugehören?


    Für mich nicht.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Ich hatte mir von der Neuinszenierung in Köln jetzt natürlich keine Neuauflage einer alten und verstaubten Oper erwartet - ganz im Gegenteil bin ich modernen Interpretationen durchaus aufgeschlossen.


    Du siehst mich ernstlich überrascht - da würde mich interessieren, welche "moderne Interpretation" Dir zugesagt hat, das hätte ich so nicht vermutet, dass es da eine geben könnte.


    Ansonsten finde ich es prima, dass letztendlich für den "Wildschütz" in der Inszenierung von Nigel Lowery hier fortgesetzt wunderbar geworben wird. Also, Harald, ruhig hingehen, anschauen und unbedingt hier im Forum Unmut äussern.

  • Zitat

    Ansonsten finde ich es prima, dass letztendlich für den "Wildschütz" in der Inszenierung von Nigel Lowery hier fortgesetzt wunderbar geworben wird. Also, Harald, ruhig hingehen, anschauen und unbedingt hier im Forum Unmut äussern.


    Gerne, also hier für alle, die es interessiert, die Termine bis Ende der Spielzeit:


    Februar: 26.
    März: 1., 8., 14., 21.
    + 5 x im April


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Ganz wunderbar - wie wärs mit einem Gruppenbesuch? Jetzt weiss ich aber immer noch nicht, welche "moderne Interpretation" Dir zugesagt hat - da bin ich echt gespannt.

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Ganz im Gegenteil bin ich modernen Interpretationen durchaus aufgeschlossen.


    Da - hohe Erwartungen geweckt und wenns konkret werden soll, bleibst Du stumm. Lass es raus, erzähl uns, ob Du schon mal bei Neuenfels "Bravo" gerufen hast oder Dir heimlich Konwitschny-Videos anschaust oder gar den Besuch einer Bieito-Inszenierung erwogen hast, wir haben doch alle unsere Nachtseiten :D .

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Was die Musik betrifft: Da können wir uns ja alle persönlich durch einfaches Radiohören überzeugen.
    Wie im "Wildschütz"-Thread bereits gemeldet, hat der WDR die Premiere mitgeschnitten.
    Die Ausstrahlung findet im Rahmen der Sonntags-Reihe "Bühne Radio" am 15. Februar auf WDR 3 um 20.05 Uhr statt.


    LG


    :hello:


    Ich habe mir gerade Teile der Übertragung angehört und bin etwas erstaunt. Zur Inszenierung kann ich mich natürlich nicht äußern, denn da kenne ich nur ein paar Bilder und Clemens' Beschrebung, die in der Tat befremden. So kann ich nur nachvollziehen, dass die Lautsprecherzusammenfassung mancher Dialoge in der Tat nicht gerade glücklich ist.


    Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die herbe Kritik an der musikalischen Darbietung. Natürlich ist ihr Niveau deutlich von dem der Aufnahmen von Heger und Klee entfernt, die allerdings auch zu den besten Einspielungen deutscher Spielopern überhaupt gehören. Für die Live-Übertragung einer städtischen Oper ohne Stars finde ich die Darbietung aber mehr als respektabel, und auch die gescholtene Verschleppung des Tempos kann ich nur ansatzweise entdecken, wenn ich sie dezidiert suche. Allenfalls stört mich ein durchgehender Hang zur "komödiantischen" Überbetonung mancher Passagen, aber das ist ohne die visuelle Ebene, die sich mit sehr vielen Nebengeräuschen durchgehend in das akustische Geschehen drängt, kaum gerecht zu beurteilen.


    Ich weiß nun nicht, ob die übertragene Aufführung eine andere war als die von Clemens beschriebene, und ob sich womöglich bis zur Rundfunkaufnahme sehr viel zum Besseren geändert hat. Aber selbst wenn dem so wäre, dann spricht das Resultat für sich - und dafür, den Premiereneindruck nicht absolut zu setzen.


    Natürlich gibt es wenig Grund, die Tonspur aufzuheben, wenn man Klee und Heger hat, aber hier wurden schon bedeutend schwächere Leistungen viel engagierter gepriesen als diese solch herbe Kritik verdient. Deshalb seien hier auch einmal die verdienstvollen Kräfte, die an dieser Aufführung mitgewirkt haben, erwähnt, denen man bei Gelegenheit sehr wohl eine Chance geben sollte:


    Graf von Eberbach - Miljenko Turk
    Die Gräfin - Viola Zimmermann
    Baron Kronthal - Hauke Möller
    Baronin Freimann - Katharina Leyhe
    Baculus - Wilfried Staber
    Gretchen - Claudia Rohrbach


    Chor der Oper Köln
    Gürzenich-Orchester Köln
    Leitung: Enrico Dovico


    Ich denke, ich werde die Aufnahme noch das ein oder andere Mal anhören. Wohnte ich in Köln, würde ich sogar überlegen, mir das live anzuhören und dann auch zu sehen. Eine Reise wert ist es aber dann doch nicht. Dafür gibt es doch zu viel anderes, das ich auch nicht mitbekomme.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Zitat

    Mehr Detaills des szenischen Geschehens sind eigentlich unnötig.


    Sicherlich. So tendenziös, wie das hier wiedergegeben ist, bedarf es nicht nur keiner weiteren Details, es ist eigentlich die ganze Zusammenfassung unnötig.
    Gibt es jemanden im Forum, der diese Aufführung so zusammenfassen kann, dass sich auch jemand der sie nicht gesehen hat, ein Urteil bilden kann? (Alviano....????)
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    So tendenziös, wie das hier wiedergegeben ist,


    Lieber Edwin,


    ich finde nicht, dass Clemens tendenziös geschrieben hat. Er hat beschrieben, was er wahrgenommen hat, und dazu meinungsstark klar Stellung bezogen - so sollte es sein. Ich finde es falsch, dass du hier mit dem Wort "tendenziös" den Rezensenten persönlich angreifst. Das kann doch nur dazu führen, dass sich andere verunsichert fühlen und gar nicht schreiben oder vorsichtshalber wischiwaschi, um keine bösen Kommentare zu ernten - wollen wir das? Dass dieser Beitrag eine grundsätzliche Diskussion über Regietheater ausgelöst hat, mag viele geärgert haben, ist aber nun wirklich nicht Clemens zur Last zu legen. Ergänzende Meinungen gibt es, solange hier niemand weiter die Produktion gesehen hat, über google news: da findest du drei Rezensionen, zwei sehr unzufriedene, eine zufriedene.


    Grüße,
    Micha

  • Zitat

    Original von Michael M.
    ich finde nicht, dass Clemens tendenziös geschrieben hat. Er hat beschrieben, was er wahrgenommen hat, und dazu meinungsstark klar Stellung bezogen - so sollte es sein. Ich finde es falsch, dass du hier mit dem Wort "tendenziös" den Rezensenten persönlich angreifst. Das kann doch nur dazu führen, dass sich andere verunsichert fühlen und gar nicht schreiben oder vorsichtshalber wischiwaschi, um keine bösen Kommentare zu ernten - wollen wir das?


    Lieber Michael M.,


    Du bringst das zum Ausdruck, was mir Bauchgrimmen verursacht, seit ich Edwins Artikel zur Kenntnis genommen habe. Wer soll denn noch in diesem Forum schreiben dürfen? Muss man da erst ein Qualitätssiegel bei der Moderation abholen, bevor man hier seine subjektiven Eindrücke eines Opernbesuches anderen mitteilen darf? Oder darf man seine subjektiven Eindrücke nur schildern, wenn sie einer bestimmten Tendenz genügen?


    Zwischen "subjektiv" und "tendenziös" ist ein deutlicher Unterschied. Über die Verwendungsgeschichte des Wortes "tendenziös" möchte ich in diesem Kreise lieber nicht nachdenken.


    Clemens ist ein liebenswürdiges Mitglied aus den rheinischen Landen, wo man das Herz auf der Zunge zu tragen pflegt. Ich kann nicht behaupten, dass wir allzu oft einer Meinung sind, was mich nicht daran hindert, mit Freude seine Beiträge zu lesen (das Kotzmännchen am Ende seines Beitrages mag ich weniger, zugegeben). Ich sage das mit Nachdruck, weil in einem anderen Thread schon zu Ausdruck gebracht wurde, dass Freude am Lesen ein wichtiges Kriterium ist. Natürlich freuen sich einige nicht, wenn eine von ihrer Vorstellung abweichende Meinung vorgebracht wird. Ich dagegen freue mich über andere Meinungen, weil ich gerne gegen andere anschreibe ...


    Was hat also Clemens getan, dass man seine Zusammenfassung als "unnötig" zurückweist und jemanden nach seinem Gusto aufruft, nun die Sache "richtig" zu stellen?


    Clemens hat mit seinem Herzblut seiner Empörung ausgedrückt. Ich kann diese Empörung nicht teilen, habe mir aber vorgenommen, mir nun selbst die Aufführung anzusehen. Meine Mitteilung von dieser Aufführung wird - das kündige ich an - nicht besser und nicht schlechter sein als die von Clemens - anders sicherlich ...


    Zitat

    Dass dieser Beitrag eine grundsätzliche Diskussion über Regietheater ausgelöst hat, mag viele geärgert haben, ist aber nun wirklich nicht Clemens zur Last zu legen.


    Im Gegenteil, das halte ich ihm zugute.


    Zitat

    Ergänzende Meinungen gibt es, solange hier niemand weiter die Produktion gesehen hat, über google news: da findest du drei Rezensionen, zwei sehr unzufriedene, eine zufriedene.


    Wenn sich Leute aus diesem Raum sich finden, auch die Vorstellung zu besuchen, können wir uns ja verabreden. Es gibt noch eine ganze Anzahl von Aufführungen, beginnend Ende Februar.


    Liebe Grüße Peter
    Moderater Auseinandersetzungs-Philosoph

  • Lieber Peter,
    lieber Michael,
    vielleicht habe ich den Ausgangspunkt nicht verstanden - kann sein. Wenn des Lallers Beitrag als Polemik gegen das Regietheater anhand eines speziellen Beispiels gedacht war, ist er natürlich in seinem Wert zu verteidigen, nämlich als Auslöser einer Diskussion.
    Ich dachte jedoch, es gehe um einen Beitrag, der eine Diskussion über eine spezifische Inszenierung, nämlich den "Wildschütz" eröffnen sollte. Und als solches ist dieser Beitrag weniger wert.
    Ist dieser Beitrag tendenziös? - Ja, natürlich, nämlich tendenziös gegen das Regietheater.


    Darf ich Beispiele bringen? - Der Einstieg lautet:

    Zitat

    Baculus trifft immerhin seinen eigenen Esel - die Oper Köln hingegen schießt (mal wieder mit erstaunlicher Treffsicherheit) vollkommen daneben...


    Hier ist der Tonfall gesetzt, in dem es dann auch weitergeht.


    Zitat

    und es stellt sich mir die Frage, warum die Oper Köln, die nun wirklich derzeit genug eigenen Mist produziert, sich ausgerechnet diese Produktion ins Haus geholt hat.


    Zitat

    alles wirkt schwerfällig, langatmig, ungenau - ohne Elan, ohne Pointen, Witz oder Verstand.


    Schriebe ich das in einer Kritik, hätte ich eine Klage am Hals und könnte vor Gericht niemals gewinnen. Einem Regisseur unterstellen, er habe keinen Verstand, ist ein starkes Stück.
    Oha, aber das Verbum ist ja wirkt... Als ob es dadurch besser würde... (Auf mich hingegen wirkt der Rezensent/Laller so, als habe er keinen Versuch gemacht, die Inszenierung verstehen zu wollen - bitte weiterlesen, ich komme noch zu einem diesbezüglichen Hauptpunkt.)


    Zitat

    Nun hätte man ja einfach die Augen schließen und Lortzings pointierte und geistreiche Musik genießen können - wäre da nicht Enrico Dovico am Pult, Auch hier keine Spur von Esprit oder der die Partitur in wirklich unerträglichem Maße ausdehnt und ausleihert.Dynamik, er dirigiert die Musiknummern quasi zu Tode - alles breit, zähflüssig, schwerfällig, viel zu langsam, keine Nuancen, kein Charme - als wollte er Lortzing eine depressiv-tragische Seite abringen, die einfach in dieser Musik nicht vorhanden ist.


    Zitat

    Ich glaube kaum, daß das Ensemble mehr Freude an dieser Scheiße hatte,


    Noch genauere Textanalysen nötig, um meinen Standpunkt zu untermauern? Ich kann sie gerne beibringen, glaube aber, ihn genug dargelegt zu haben.


    Nun zu meiner Hauptkritik: Es fehlt jegliche Überlegung, was der Regisseur hätte wollen können - und zwar etwa auch in praktischer Hinsicht. Zum Beispiel:

    Zitat

    Die Dialoge werden entweder als verzerrte Video-Einspielung dargeboten oder von Pancratius in unerträglicher Blödheit zusammengefasst und erläutert.


    Ich finde es nahezu unerträglich, wenn Sänger sprechen. Die meisten können es nicht. Sie sagen ihre Dialoge so hölzern auf mit dermaßen unnatürlichen Betonungen, daß ich mich immer wieder an unsere Schulaufführungen erinnert fühle.
    Daher halte ich es für durchaus möglich, daß ein Regisseur sich Mittel und Wege einfallen läßt, die Dialoge zu umgehen. Denn selbst wenn derjenige, der die Zusammenfassungen spricht, nicht gut sprechen kann, dann kann man das immer noch inszenieren, sozusagen sein Unvermögen auf die Rolle fixieren. Ich halte diese Überlegung - Regietheater oder nicht - für extrem willkommen und für eine gute Idee.
    Beim Laller hingegen wird alles, absolut alles als negativ gewertet. Grundeinstellung: An dieser Aufführung darf nichts Gutes dran sein. Daher auch diese Feststellung (oben bereits wegen der "Scheiße" zitiert):

    Zitat

    Ich glaube kaum, daß das Ensemble mehr Freude an dieser Scheiße hatte, wie das Publikum...


    Das Ensemble hatte Freude, das Publikum nicht?
    Das muß ein seltsames Ensemble sein. Ich kenne doch einige Sänger und Schauspieler, aber keiner von ihnen hat Freude mit etwas, mit dem das Publikum keine Freude hat.
    Ich jedenfalls verstehe angesichts dessen die Welt nicht mehr, ziehe aber das Wort "tendenziös" gerne zurück, sobald jemandem ein besseres Vokabel für das einfällt, was des Lallers Darstellung des Kölner "Wildschütz" verfolgt.


    Daher geht es mir auch nicht um eine "Korrekturkritik", sondern um eine Darstellung dieser Aufführung, der ich entnehmen kann, worauf der Regisseur hinauswollte. Denn daß er "ohne Verstand" einfach drauflos inszeniert im einzigen Bestreben, das Ensemble zu befriedigen und das Publikum zu vergraulen, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen...
    :hello:

    ...

  • Erstmal Danke für die "Rückendeckung"!


    Ich habe bislang absichtlich nicht auf Edwins Beitrag reagiert, da ich seinen Beitrag als mindestens ebenso "unnötig" und undifferenziert empfinde, wie meinen Bericht zu Beginn. Was den Begriff "tendenziös" betrifft: damit kann man mir kaum ans Bein pinkeln, daß stimmt nämlich einfach nicht - ich bin ohne jegliche Voreingenommenheit in diese Vorstellung gegangen. Desweiteren kann ich aber gut damit leben, wenn man meine Meinung zum Kölner "Wildschütz" nicht teilt oder meinen Bericht dazu nicht mag. Und das zu Äußern sei auch jedem erlaubt, wie es mir auch gestattet sei zu sagen, daß ich diese Inszenierung schlicht und einfach richtig scheiße finde... natürlich ist das eine sehr grobe und undifferenzierte Aussage, dessen bin ich mir bewußt - es war aber meiner Meinung nach auch einfach eine sehr grobe und undifferenzierte Regie. Im Übrigen ist alles (und langsam finde ich es nervig das hier ständig betonen zu müssen) aber wirklich alles was ich in diesem Forum schreibe immer nur meine ganz persönliche Wahrnehmung, meine subjektive Meinung die ich niemandem aufzwingen möchte - auch sehe ich sie nicht als das Maß aller Dinge, auch ist sie nicht unumstößlich, ich kämpfe immer mit Freuden gegen enstehende und vorhandene Dogmatismen in meinem Hirn - wer sich aber daran reiben möchte, bitte sehr! Ich bin kein FAZ-Kritiker, kein Intellektueller, kann keine Noten lese, habe auch nicht Theaterwissenschaften studiert und komme aus einem eher bildungsfernen Elternhaus - und trotzdem erlaube ich mir eine eigene Meinung.

  • Lieber Michael, lieber Peter,


    wir sind ja ein diskussionsfreudiges Forum. Grundsätzlich teile ich Edwins Auffassung. Als ich den Text von Clemens das erste Mal gelesen hatte, habe ich viel über die Befindlichkeiten des Berichtenden, aber wenig über die besprochene Aufführung erfahren. Der von Edwin zitierte Satz, dass weitere Details entbehrlich seien, ist da symptomatisch: da will jemand nicht die Inszenierung vorstellen, sondern seinem Missfallen Ausdruck geben.


    Und das tut er in genau dem Stil, den wir aus anderen Diskussionen zum Thema "Opernregie - wozu?" hinlänglich kennen. Deshalb ist es kein Wunder, dass genau jene Positionen wieder hervorgekramt werden, die wir die letzten Tage mit mehr oder weniger Freude gelesen haben.


    Ich bin auch nicht der Meinung, dass die Kritik an der Form der Besprechung dazu führt, dass dann jemand gar nichts mehr schreibt - ein Feedback, auch ein deutliches, muss ausgehalten werden.


    Mit dem "Subjektivem" habe ich kein Problem, eher schon damit, dass im angeführten Beispiel die Polemik den Inhalt ersetzt. Jeder soll auch erkennen lassen, wie seine persönliche Meinung zu dem ist, was er da im Theater gesehen hat. Aber da der oder die Berichtende sich an eine Leserschaft wendet, die das Stück eben nicht gesehen hat, ist es erstmal notwendig, genau das mitzuteilen, was zu sehen ist und sich auch ein wenig Gedanken darüber zu machen, wie die Intention des Regisseurs ausgesehen hat, unabhängig davon, ob das jetzt gefällt oder gelungen ist.


    So verstehe ich auch Edwins Anfrage an mich: es geht nicht darum, dass hier etwas "richtiggestellt" werden soll oder dass man sich eine Aussage wünscht, die dem eigenen "Gusto" entspricht, sondern dass ein Eindruck vom szenischen Ablauf vermittelt wird, der die Inszenierung erfahrbar macht. Um das gleich anzufügen: ich habe den "Wildschütz" in der Inszenierung von Nigel Lowery weder in Stuttgart, noch in Köln gesehen. Ich halte zwar den "Wildschütz" für eines der stärkeren Stücke von Lortzing - ein Plot, aus dem man was machen kann - aber das ist jetzt keine Oper, für die ich unbedingt auf Reisen gehen würde.


    So - und jetzt sollte ich mich an die Besprechung der gestrigen Premiere in Basel machen, mit der möchte ich nämlich gerne heute noch online gehen.

  • Sprechen über Aufführungen, die man nicht gesehen hat, ist wie Turmspringen in ein Becken ohne Wasser, ich weiß. Dennoch erlaube ich mir hier eine kurze Anmerkung: Clemens bedient sich zwar einer deftigen Sprache (aber meine Güte, da habe ich hier am Brette auch schon Anderes gelesen, von anderen Klassik-Forne ganz zu schweigen); das darf er aber auch, da er hier ja keine Zeitungsrezension verfasst.


    Über den "Wildschüz" hat indes Markus Schwering im "Kölner Stadtanzeiger" geschrieben (leider nur noch kostenpflichtig nachzulesen). Der stellte sich auch die Frage, warum man gerade diese Aufführung einkaufen müsse, nachdem schon genug Unfug (die genaue Formulierung habe ich nicht im Kopf) auf die Kölner Bühnen bugsiert worden wäre. Der "Wildschütz" ist bei Schwering komplett durchgefallen: weder an der Inszenierung, noch am Orchester, noch am Dirigenten, noch an den meisten Sängern blieb ein gutes Haar. Das Publikum muß es wohl ähnlich gesehen haben und die Aufführung während der Pause vielfach verlassen haben.


    Ich schreibe dies aus der Erinnerung nieder (der Beitrag stammte aus Januar); vielleicht stellt ein liebenswürdiger Tamino den Beitrag von Herrn Schwering hier ein. Man wird dann feststellen: Vergleichbare Wahrnehmung, mit unterschiedlichen Worten ausgedrückt.


    Und schon bin ich wieder weg...


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Zitat Laller
    daß ich diese Inszenierung schlicht und einfach richtig scheiße finde...


    Und ich gestatte mir, alle Beiträge "scheiße" zu finden, die kein anderes Vokabular für die Arbeit von Künstlern finden als das Wort "scheiße".
    :hello:

    ...

  • Lieber Edwin,


    Zitat

    Daher geht es mir auch nicht um eine "Korrekturkritik", sondern um eine Darstellung dieser Aufführung, der ich entnehmen kann, worauf der Regisseur hinauswollte. Denn daß er "ohne Verstand" einfach drauflos inszeniert im einzigen Bestreben, das Ensemble zu befriedigen und das Publikum zu vergraulen, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen...


    Eine solche Darstellung kann ich leider wirklich nicht bieten, denn worauf der Regisseur hinauswollte, ist mir persönlich vollkommen unklar geblieben. Ob er mit oder ohne Verstand inszeniert hat, kann ich auch nicht beurteilen - ich kann nur sagen, wie und was bei mir angekommen ist...


    Zitat

    Einem Regisseur unterstellen, er habe keinen Verstand, ist ein starkes Stück.


    Habe ich auch nicht gemacht - ich sprach davon, wie seine Arbeit auf mich gewirkt hat.


    Zitat

    Nun zu meiner Hauptkritik: Es fehlt jegliche Überlegung, was der Regisseur hätte wollen können


    Ich bin ganz sicherlich jemand, der sich im Theater gerne zum Nach- und Mitdenken anregen lässt, der neuen und anderen Sicht- und Darstellungsweisen gegenüber aufgeschlossen ist. Fehlt mir aber hierzu von Seiten der Regie jegliche Stimulanz, dann hat das bei mir ganz schnell ein Ende. Es kann nicht sein, daß ich erstmal daß regiekonzept lesen muss, um auch nur im Ansatz begreifen zu können, was er "hätte wollen können"...


    Zitat


    Ich finde es nahezu unerträglich, wenn Sänger sprechen. Die meisten können es nicht. Sie sagen ihre Dialoge so hölzern auf mit dermaßen unnatürlichen Betonungen, daß ich mich immer wieder an unsere Schulaufführungen erinnert fühle.
    Daher halte ich es für durchaus möglich, daß ein Regisseur sich Mittel und Wege einfallen läßt, die Dialoge zu umgehen.


    Neue Wege und Mittel begrüße ich auch - mit verzerrten Videoeinspielungen in beabsichtigt schlechter Ton- und Bildqualität ist es hier aber einfach nicht gelungen, im Gegenteil. Und da darf ich als Zuschauer doch einfach sagen: finde ich schlecht, hat mich gestört - ohne das ich dazu eine (mögliche) Motivation des Regisseurs mitliefern muss.


    Zitat

    Beim Laller hingegen wird alles, absolut alles als negativ gewertet. Grundeinstellung: An dieser Aufführung darf nichts Gutes dran sein.


    Ja, ich habe (abgesehen von den Sängern, auf die ich wirklich zu unrecht nicht näher eingegangen bin) alles schlecht bewertet und zwar, weil ich es als schlecht empfunden habe - und nicht, weil da "nichts Gutes dran sein darf" - das ist vollkommener Quatsch. Ich finde, es war eine schlechte, langweilige, witzlose Aufführung - wer das anders sieht - ist doch gut!


    Zitat

    Wenn des Lallers Beitrag als Polemik gegen das Regietheater anhand eines speziellen Beispiels gedacht war, ist er natürlich in seinem Wert zu verteidigen, nämlich als Auslöser einer Diskussion.


    Darum ging es mir überhaupt nicht - ich entscheide immer wieder neu ob mir eine Aufführung, eine Inszenierung gefällt. Mit dem Pro-und-Contra-Regietheater-Werkgetreu-Gedöns hat es rein gar nichts zu tun - und das lasse ich mir auch hier nicht unterstellen.

  • Edgar Franzmann
    "Wildschütz" zu frech für Kölner Operngänger? ...
    Nigel Lowery gelingt es in seiner Inszenierung, den Kern des Stückes zu visualisieren.


    WDR
    Diese Aufführung ist zwar musikalisch recht überzeugend, doch sie hat ein viel zu schwaches und wirres Regie-Konzept,
    (Fettung wegen des Widerspruchs zur Kritik des Lallers, Anm.)


    Opera Point
    Regisseur Lowery hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das bürgertumskritische Potential der Oper herauszuarbeiten. Lowery wurde allerdings am Opernschluß heftig ausgebuht. Einige Zuschauer hatten die Aufführung vorzeitig verlassen. Dieser Reaktion lag wahrscheinlich einerseits die Verlagerung der Handlung in die heutige Zeit zugrunde, andererseits fiel die von Ideen überladene Inszenierung aber auch ins Klischeehafte mit slapstickhafter Komik, so daß man den Eindruck hatte, der Regisseur schieße über das Ziel hinaus.


    NZZ, Marianne Zelger-Vogt
    vollbringt jetzt Nigel Lowery einen virtuosen Balanceakt zwischen den Ebenen schierer Spiellust und politischen Hintersinns.
    Umso speditiver löst Lowery dann das Verwirr- und Verwechslungsspiel auf, indem er den Diener Pankratius (Jörn W. Wilsing), ein groteskes Phantom mit Buckel und Handprothese, zum Erzähler macht.


    Welt, Manuel Brug
    Der englische Regisseur Nigel Lowery wagt in Stuttgart den Blick von außen - comedy-geschult, slapstick-gestählt - und wird seinem Gegenstand nicht gerecht. Weil das Leichte eben schwer ist und - offenbar nicht nur eine deutsche Krankheit - problematisiert werden muß. Lachen allein langt nicht. Es muß kritisch sein. Und uns im Halse stecken bleiben. Deshalb hat es der wunderbare Komödienschreiber Lortzing bei unseren Intendanten so schwer.


    Ich kann Kritik an der Aufführung erkennen (weiß mittlerweile auch dank des Googelns etwas mehr über die Aufführung), entdecke aber keine "Scheiße".
    Wer da wohl recht hat...? :pfeif:


    :hello:

    ...


  • Hier ein Link zum Beitrag von Herrn Schwering.


    Ja, mag sein, ich bediene mich einer heftigeren Sprache - aber was und wie ich es geschrieben habe, trifft nun mal am besten meine Eindrücke = nämlich einfach schlecht, unzumutbar, scheiße, langweilig, öde! Was soll ich da hübsch durch die Blume reden - wäre in meinen Augen einfach unehrlich.

  • Hallo Clemens,


    vielleicht kannst Du einfach etwas genauer spezifizieren, was Du "scheiße" gefunden hast?? Du wirst die Aufführung doch sicher noch in Erinnerung haben, vielleicht magst Du ein paar von Dir gesehene Szenen beschreiben (und in Relation zu einer von dir präferierten Realisierung setzen?) Was genau hat dich da zum Abschalten bewegt? Was waren das für Bilder, die dich so enerviert haben?


    Das ist jetzt nicht auf Dich spezeill bezogen, aber bei manchem erschleicht sich auch bei mir als eher operunkundigen Menschen der Verdacht, daß sobald die Inszenierung bzw. Rahmenhandlung nicht ins Konzept passt (Pizzabote, Marzahn etc.) auf stur und bockig geschaltet wird und böse gekeift wird: so hat sich das XY bestimmt nicht gedacht. Menno. Wobei ich mich immer frage, ob wir Dokumente über Mozart, Verdi und Co. haben, die der Nachwelt verbieten die Inszenierung in die ihrige Welt zu übersetzen bzw. bestimmte Perspektiven weniger auf Pomp and Cicrumstance aber um somehr auf Freilegung werk- und textimmanenter Dramatik zu richten.


    Aber hier solls ja um den wilden Schützen geben, wie gesagt: vielleicht kannst Du ein wenig näher spezifizieren?


    :hello:
    Wulf