Paris. Opera Bastille. Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

maticus · 3 Beiträge · letzte Antwort von Isis

  • Ich war jetzt in Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk in der Bastille.


    "http://www.operadeparis.fr/cns11/live/onp/site/saison/operas/operas_details.php?event_id=61&CNSACTION=SELECT_EVENT"


    Ein paar Eindrücke von mir: Ich war zum ersten mal in diesem Opernhaus. Allein der Besuch dieses Hauses ist schon sehr beeindruckend.


    Diese zuerst 2006 von Martin Kusej an der Niederländischen Oper in Amsterdam durchgeführte Inszenierung der Oper gibt es auf einer DVD, die sicherlich als perfekt zu gelten hat. In Paris wurde diese Inszenierung übernommen. Außer bei Sergej ist die Besetzung der Hauptrollen die gleiche wie in Amsterdam, ebenso das Bühnenbild. Mir persönlich gefällt diese Inszenierung sehr, weil sie einerseits sehr schlicht ist und andererseits (wie die Musik) sehr drastisch ist und nichts beschönigt. Viele Bilder empfand ich auch aus der 25. Reihe als eine Wohltat für die Augen.


    Eva-Maria Westbroek scheint die perfekte Besetzung für die Katerina zu sein. Starke Bühnenpräsenz, glaubhafte Identifikation mit ihrer Rolle, perfekte Stimme. Auch Vladimir Vaneev als Boris verdient allerhöchstes Lob. Mit seinem Grimassenspiel verkörpert er den Schweinehund par excellence. Viele weitere Personen verdienen ein dickes Lob, stellvertretend möchte ich hier nur Carole Wilson in der schwierigen Rolle der Aksinja nennen. Inszenierung und Stimmen haben für mich die hohen Erwartungen durch die DVD voll erfüllt.


    Schließlich komme ich zum Orchester. Dies spielt in Schostakowitschs Oper ja eine entscheidende Rolle. Während in Amsterdam und auf der DVD das Concertgebouw Orchester unter Mariss Jansons spielte (und eine m. E. traumhafte Leistung vorlegte), ist dies in Paris das Orchester (und der Chor) der Opéra National de Paris, unter Hartmut Haenchen. Nun ist es vielleicht nicht ganz leicht, eine DVD-Aufnahme mit einer Live-Aufführung in einem riesigen Opernhaus zu vergleichen. In der Amsterdamer Vorstellung war ich damals leider nicht. Aber ich habe die "Lady" auch schon vorher live gehört (Duisburg), und deshalb denke ich, mir ein Urteil erlauben zu dürfen. Und ich muss sagen, dass dies der einzige Part bei dieser Aufführung war, von dem ich mehr erwartet habe. Ich empfand viele Stellen (besonders die lauten, brutalen) als zu leise, zu zahm, zu zurückhaltend. Jetzt mag es sein, dass die Akustik (25. Reihe Parkett) da ein wenig mitverantwortlich sein könnte. Aber ich denke, das allein kann es nicht sein. Es gab nur ganz wenige Stellen, wo ich das Gefühl hatte, das Orchester kommt voll aus sich heraus (etwa bei der wunderbaren Passacaglia), und dies auch nur mit der Unterstützung der seitlich der Bühne postierten zusätzlichen Blechbläser. Hier wäre m. E. mehr drin gewesen.


    Alles in allem aber eine sehens- und hörenswerte Vorstellung, die sich gelohnt hat.


    maticus

  • Zitat

    Original von maticus
    Nun ist es vielleicht nicht ganz leicht, eine DVD-Aufnahme mit einer Live-Aufführung in einem riesigen Opernhaus zu vergleichen. In der Amsterdamer Vorstellung war ich damals leider nicht. Aber ich habe die "Lady" auch schon vorher live gehört (Duisburg), und deshalb denke ich, mir ein Urteil erlauben zu dürfen. Und ich muss sagen, dass dies der einzige Part bei dieser Aufführung war, von dem ich mehr erwartet habe. Ich empfand viele Stellen (besonders die lauten, brutalen) als zu leise, zu zahm, zu zurückhaltend. Jetzt mag es sein, dass die Akustik (25. Reihe Parkett) da ein wenig mitverantwortlich sein könnte. Aber ich denke, das allein kann es nicht sein. Es gab nur ganz wenige Stellen, wo ich das Gefühl hatte, das Orchester kommt voll aus sich heraus (etwa bei der wunderbaren Passacaglia), und dies auch nur mit der Unterstützung der seitlich der Bühne postierten zusätzlichen Blechbläser. Hier wäre m. E. mehr drin gewesen.


    Lieber maticus,


    ich kann's natürlich auch nur vermuten, glaube aber, dass die Akustik des Hauses zu einem großen Teil für Deinen Höreindruck verantwortlich ist. Ich habe es, wie in einem anderen Thread geschrieben, auch schon erlitten, wie in den hinteren Reihen des Parketts der Bastille-Oper der Klang sehr matt und diffus wirkt, Fortissimo-Stellen nicht zu ihrem Recht kommen.


    Während in einem kleinen Haus wie Duisburg (ca. dreimal so klein wie die Bastille-Oper!) einem die Klangentladungen Schostakowitschs fast schon schmerzhaft um die Ohren fliegen, das habe ich dort bei einer Aufführung vor langer Zeit erlebt. Der Einfluss der Akustik eines Opernhauses oder Konzertsaales und natürlich auch des gewählten Platzes auf den Höreindruck ist ungeheuer groß.


    Wobei ich nicht ausschließen will (was aber wirklich reine Spekulation ist), dass ein Dirigent wie Haenchen die dynamischen Spitzen absichtlich etwas zurückgenommen hat.


    War jedenfalls bestimmt eine tolle Aufführung - ich kenne die DVD.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Danke maticus für den Bericht aus Paris. Ich kenne leider nur die DVD und bin von der Produktion auch sehr beeindruckt. Ein ganz starkes Werk, Gänsehaut :jubel:


    LG
    Isis