Placido Domingo - Plus Ultra

  • Deepl übersetzt die Überschrift mit "sexueller Belästigung", nicht mit "sexuellem Missbrauch" - meines Erachtens ist das ein deutlicher Unterschied! Was ich dann in den Folgeabsätzen lese, sind Beschreibungen erwachsener Frauen, wie er seine Hand nicht im Zaum halten könne. Er selbst weist daran darauf hin, dass die Standards damals noch andere gewesen seien als heute, womit er sicher nicht ganz Unrecht hat. Das entschuldigt nicht mögliche sexuelle Belästigungen - dein Vergleich zu Levine, wo es um den sexuellen Missbrauch Minderjähriger ging, ist dennoch hanebüchen! Man kann doch nicht immer alles in einen Topf werfen! :cursing:


    Mir ging es beim Vergleich mit Levine um die Bekanntheit entsprechender Gerüchte in der Branche.

    Und das reicht eben als Begründung der Ziehung dieses Vergleichs meines Erachtens nicht aus, er ist und bleibt geschmacklos!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Und das reicht eben als Begründung der Ziehung dieses Vergleichs meines Erachtens nicht aus, er ist und bleibt geschmacklos!

    Das steht dir gerne frei, das so zu sehen, ich sehe es anders.

    Im Übrigen ist in dem langen und offensichtlich sehr sorgfältig recherchierten Artikel aus der "LA Times" nicht nur zu lesen, dass Domingo seine Hand nicht im Zaum halten konnte.

  • Ein Vergleich zu Herrn Kuhn wäre gewiss weit treffender gewesen als ein Vergleich mit Levine!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Was ich dann in den Folgeabsätzen lese, sind Beschreibungen erwachsener Frauen, wie er seine Hand nicht im Zaum halten könne.

    Was ich darüber hinaus gelesen habe, sind wiederholte und recht massive Versuche, Frauen dazu zu bringen, mit ihm ins Bett zu gehen, und zwar unter eindeutige Ausnutzung seiner Machtpositionen. Natürlich ist das etwas anderes als der sexuelle Missbrauch Minderjähriger, aber es ist schlimm genug.

    Und das reicht eben als Begründung der Ziehung dieses Vergleichs meines Erachtens nicht aus, er ist und bleibt geschmacklos!

    Was ich dagegen geschmacklos finde, ist der Hinweis, dass Domingo jahrelang nur mit dem Finger habe schnippen müssen, um Frauen ins Bett zu bekommen. Als ob das sein Fehlverhalten in irgendeiner Weise relativieren oder gar entschuldigen würde.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Natürlich ist das etwas anderes als der sexuelle Missbrauch Minderjähriger, aber es ist schlimm genug.

    Niemand wird bestreiten, dass es etwas anderes ist. Mein Vergleich bezog sich, das kann man einfach nachlesen, lediglich auf die Bekanntheit und Hartnäckigkeit entsprechender Gerüchte in der Branche.

  • Was ich dagegen geschmacklos finde, ist der Hinweis, dass Domingo jahrelang nur mit dem Finger habe schnippen müssen, um Frauen ins Bett zu bekommen. Als ob das sein Fehlverhalten in irgendeiner Weise relativieren oder gar entschuldigen würde.

    Ich kannte um die Jahrtausendwende persönlich eine junge Dame aus dem Dresdner Raum, Anfang 20, die ein großes Domingo-Groopie war, die ihm nachreiste und versuchte, in seine Nähe zu kommen. Und da sie sehr gut aussah, ließ er das auch zu, und die beiden schliefen miteinander und sie fühlte sich dadurch geschmeichelt, obwohl er Jahrzehnte älter war als sie. So etwas ist im Fall Domingo eben auch vorgekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein 10- oder 12-Järhiger Junge von sich aus gerne sexuellen Kontakt mit dem alten, dicken Levine haben wollte. Daher bleibt dies ein geschmackloser Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen! :thumbdown:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Ich kannte um die Jahrtausendwende persönlich eine junge Dame aus dem Dresdner Raum, Anfang 20, die ein großes Domingo-Groopie war, die ihm nachreiste und versuchte, in seine Nähe zu kommen. Und da sie sehr gut aussah, ließ er das auch zu, und die beiden schliefen miteinander und sie fühlte sich dadurch geschmeichelt, obwohl er Jahrzehnte älter war als sie.

    Und genau um diese Frau geht es dem von mir verlinkten Artikel nicht. Ich denke, jeder Leser kann sich sehr einfach ein Bild davon machen, wer in dieser Diskussion Äpfel mit Birnen vergleicht.

  • Nein, um die geht es nicht, aber sie und viele andere, die höchst freiwillig mit Herrn Domingo schliefen, gab es eben auch, das gehört zur Wahrheit dazu.

    Ich weiß nicht, warum es dir so schwer fällt zuzugeben, dass der von dir gezogene Vergleich zwischen Domingo und Levine mehr als hinkt? Du hast die Gründe genannt, warum du ihn gezogen hast. Ich habe gute Gründe genannt, warum ich ihn für völlig unzulässig halte. Außerdem habe ich einen besseren Vergleich vorgeschlagen, nämlich den zwischen Domingo und Kuhn. (In beiden Fällen geht es nämlich um volljährige Frauen und auch um deren Karriere in Abhängigkeit zum Mann mit der Leitungsmacht.)

    Warum es nicht möglich ist, sich darauf zu verständigen, ist mir unbegreiflich! :(

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Ich wiederhole mich gerne noch einmal, allerdings betone ich, dass es das letzte Mal ist: Ich habe keinen Vergleich zwischen den erhobenen Vorwürfen gegen Levine und Domingo gezogen, sondern zwischen der Dauer und Hartnäckigkeit entsprechender Gerüchte innerhalb der Branche. Aus diesem Grund ist ein Vergleich der Hartnäckigkeit der Gerüchte im Fall von Domingo und Levine aus meiner Sicht wesentlich treffender, da es in beiden Fällen um sehr einflussreiche Chefs von Opernhäusern in den USA handelt, bei Kuhn hingegen um einen für die globale Klassikwelt relativ unbedeutenden Chef eines Provinzfestivals. Dass die Vorwürfe gegen Domingo vom Gegenstand her eher mit denen von Kuhn zu vergleichen sind, gestehe ich gerne zu. Nur war das nicht Inhalt meines Vergleiches, bei dem es mir um die Dauer und Hartnäckigkeit entsprechender Gerüchte in der Branche ging.

  • Ganz genau hast du folgendes geschrieben:


    Ähnlich wie bei James Levine gab es Gerüchte über ein diesbezügliches Verhalten Domingos in der Branche seit vielen Jahren.

    Und mit der Formulierung "diesbezügliches Verhalten" hast du natürlich eben dieses in deinen Vergleich miteinbezogen - und genau das finde ich völlig daneben, da wir es mit zwei völlig unterschiedlichen Fällen (sexulle Velästigung erwachsener Frauen versus sexueller Missbrauch minderjähriger Jungen, bei denen ihr Einverständnis völlig ausgeschlossen ist) zu tun haben. Der Fall Kuhn hat mit dem, was Domingo jetzt vorgeworden wird, weit eher zu tun.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • in dem langen und offensichtlich sehr sorgfältig recherchierten Artikel aus der "LA Times"

    findet sich übrigens (und das aus gutem Grund) kein einziges Mal ein Vergleich zum Fall Levine, das war deine "Zugabe"...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Es spräche ja auch gegen die von dir gerühmte journalistische Qualität dieses Artikels, wenn dieser Vergleich dort gezogen worden wäre. Ist er aber nicht, der kam erst hier von dir.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Jetzt stellt sich auch die Frage, wie es mit Domingo's Karriere weitergehen wird. Was denkt ihr? Haben im Grunde doch alle Künstlerkarrieren, die in Verbindung mit solchen Anschuldigungen stehen, ein jähes Ende gefunden. Kann ein Superstar wie Domingo auch so einen Sturm überstehen?


    Ein Levine hat das nicht geschafft. Und ein David Daniels auch nicht. Die Sache mit Daniels war ja auch eine besonders üble Geschichte, die hier im Forum allerdings erstaunlicherweise totgeschwiegen wurde. Oder lag es einfach nur daran, dass man sich für Countertenöre nicht besonders interessiert?

    Die Daniels-Affäre hat ja auch optische Spuren bei dem Sänger hinterlassen. Auf den neuesten Fotos ist der Countertenor ja kaum noch zu erkennen. Ich bin fast erschrocken ...


    Gregor

  • Die Sache mit Daniels war ja auch eine besonders üble Geschichte, die hier im Forum allerdings erstaunlicherweise totgeschwiegen wurde.

    Davon habe ich gar nichts mitbekommen :untertauch:. Aber natürlich hat Daniels nicht die Bekanntheit von Domingo oder Levine. Über die Sache Domingo berichtet inzwischen auch schon die Tagesschau.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Jetzt stellt sich auch die Frage, wie es mit Domingo's Karriere weitergehen wird. Was denkt ihr?

    Ich denke, es ist eine absolute Katastrophe.


    Weil, egal was wirklich war, in der Öffentlichkeit immer irgendetwas hängen bleibt. Leider. Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel. Einer der wichtigsten und beliebtesten Sänger der letzten Jahrzehnte und dann sowas.


    Selbst wenn es nicht stimmen sollte, bleibt ihm rein vom Alter für eine vollständige Rehabilitierung nicht mehr genügend Lebenszeit.


    Ein Jörg Kachelmann hat dafür noch genügend Zeit. Hier waren die Vorwürfe allerdings noch schwerwiegender ( Vergewaltigung).


    Sollten die Vorwürfe stimmen, dürfen die Opfer nicht vergessen werden, das passiert bei solchen Promiskandalen leider immer viel zu oft.

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Ein Jörg Kachelmann hat dafür noch genügend Zeit. Hier waren die Vorwürfe allerdings noch schwerwiegender ( Vergewaltigung).

    Bei Kachelmann waren die Vorwürfe nach allem, was man weiß, unbegründet. Bei Domingo glaube ich angesichts der Vielzahl der Frauen, die sich dazu geäußert haben, nicht an seine Unschuld.

    Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel. Einer der wichtigsten und beliebtesten Sänger der letzten Jahrzehnte und dann sowas.

    Wenn die Vorwürfe stimmen, hat niemand anderer als er selbst sein Lebenswerk aufs Spiel gesetzt. Mitleid verdiente er dafür nicht.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Bei Domingo glaube ich angesichts der Vielzahl der Frauen, die sich dazu geäußert haben, nicht an seine Unschuld.

    Tja, das mit der Unschuldsvermutung gilt natürlich nicht für alle...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Einer der wichtigsten und beliebtesten Sänger der letzten Jahrzehnte und dann sowas.

    Er wird trotzdem einer meiner Lieblingssänger bleiben.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Tja, das mit der Unschuldsvermutung gilt natürlich nicht für alle...

    Die Unschuldsvermutung ist ein Rechtsgrundsatz, der in Strafverfahren zur Anwendung kommt und für Placido Domingo ebenso gilt wie für James Levine oder Harvey Weinstein. Dass alle genannten Personen (noch) nicht verurteilt sind und es vielleicht auch niemals werden, hindert mich aber nicht daran, eine Meinung zu ihrer moralischen Schuld zu haben, die allerdings bei Domingo noch keineswegs so festgefügt ist wie bei den anderen genannten Personen. Dazu ist der Fall noch zu neu, und die Glaubwürdigkeit der mit einer Ausnahme anonymen Quellen muss sicher noch hinterfragt werden.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Die Unschuldsvermutung ist ein Rechtsgrundsatz

    der auch für die "öffentliche Meinung" gelten sollte, also Vorverurteilungen verhindern sollte.

    hindert mich aber nicht daran, eine Meinung zu ihrer moralischen Schuld zu haben

    Großartig! Empfehle diesbezüglich die Oper "Peter Grimes" von Benjamin Britten!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • "Nach dem Orchester in Philadelphia und der Los Angeles Opera zieht auch die Oper von San Francisco Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen Opernlegende Plácido Domingo. Sie strich ein für Oktober geplantes Konzert mit Domingo, nachdem neun Frauen ihm sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten vorwarfen. Acht Sängerinnen und eine Tänzerin hatten der Nachrichtenagentur AP berichtet, der Opernsänger und Dirigent habe sich ihnen unerwünscht sexuell genähert - dieses Verhalten sei lange ein offenes Geheimnis in der Opernwelt gewesen.

    Die Frauen sagten, Domingo habe sie in sexuelle Beziehungen zwingen wollen, indem er ihnen Jobs angeboten habe. In einigen Fällen habe er die Frauen bestraft, wenn sie seine Annäherungen verweigerten. Sechs Frauen erklärten, sie hätten sich durch anzügliche Annäherungsversuche seitens Domingo unwohl gefühlt. Beinahe drei Dutzend weitere Personen aus Opernkreisen sagten, sie hätten unangemessenes, sexuell-gefärbtes Verhalten von Domingo beobachtet. [...]

    Philadelphias Oper gab nach dem Bericht bekannt, Domingo sei nicht länger eingeladen, bei einem Eröffnungskonzert Mitte September zu erscheinen. Das Haus fühle sich verpflichtet, dass es dort ein "sicheres, unterstützendes, respektvolles und angemessenes Umfeld" gebe. Es war die erste Reaktion nach der Veröffentlichung der Vorwürfe. Die Oper in Los Angeles, wo Domingo seit 2003 Direktor ist, teilte mit, sie werde mithilfe von auswärtigen Beratern die Anschuldigungen untersuchen. Aus San Francisco hieß es, obwohl das unangemessene Verhalten in San Francisco stattgefunden haben soll, sei die Oper ihren "strengen Regeln gegen sexuelle Belästigung verpflichtet und verlangt von allen Mitglieder, die höchsten Standards professionellen Verhaltens einzuhalten."Der Opernsänger nannte die Anschuldigungen "zutiefst beunruhigend und wie dargelegt, unzutreffend". Er müsse aber auch anerkennen, dass die heutigen Anstandsregeln sich deutlich von denen früherer Jahre unterschieden." (SZ)




  • Nun warte ich dringend darauf, daß irgendeine Dame den Präsidenten der USA auf ihrem Strafzettel hat!


    La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Hallo La Roche!


    Viele seiner Anhänger fänden das sicher toll!


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Bei Domingo glaube ich angesichts der Vielzahl der Frauen, die sich dazu geäußert haben, nicht an seine Unschuld.

    Das finde ich immer interessant, wenn solche Anschuldigungen auftauchen. Es gibt oft immer gleich eine ganze Reihe von Opfern die sich melden. Egal ob Levine, Weinstein, Cosby ... Aber ist es tatsächlich so? Je mehr Leute sich melden, umso "wahrer" ist die Geschichte? Da wäre ich vorsichtig. Haben die Menschen denn nichts aus der Benny-Fredriksson-Tragödie gelernt? Solche Geschichten können einen Menschen wirklich ruinieren. Obwohl bei Fredriksson ja andere Anschuldigungen im Raum standen, aber die Wirkung ist die gleiche.

    Somit sollte man vorsichtig sein mit Vorverurteilungen.


    Interessant ist auch zu sehen wie unterschiedlich die Opernhäuser in Europa und den USA reagieren. Über dem großen Teich werden ja Domingo-Veranstaltungen abgesagt, nicht nur Philadelphia, sondern auch in San Francisco wurde die Feier zu seinem dortigen 50-jährigen-Jubiläum abgesagt. Die LA-Opera startet eine Untersuchung und die Dallas Opera sagt, man werde die weiteren Entwicklungen genau verfolgen. Auch die MET wartet ab.

    Trotzdem spricht die Frankfurter Rundschau in einem Artikel bereits von seinem Karriereende.


    Auch europäische Opernhäuser wie die Oper in Zürich und die Staatsoper in Wien sehen derzeit noch keinen Handlungsbedarf und kündigen Domingo nach wie vor in ihren Spielplänen an. Unterstützung erfährt Domingo bislang einzig und allein von den Salzburger Festspielen und deren Festspielpräsidentin Rabl-Stadler, die ein dementsprechendes Statement veröffentlicht hat, das sicher inzwischen alle kennen.


    Somit wird Domingo seinen ersten Auftritt seit diesen Schlagzeilen am 25. August in der konzertanten Luisa Miller in Salzburg haben.


    Gregor

  • Bei Domingo glaube ich angesichts der Vielzahl der Frauen, die sich dazu geäußert haben, nicht an seine Unschuld.

    Das ist zwar Dein gutes Recht, lieber Bertarido, aber trotzdem bleibt auch Herr Domingo unschuldig, ehe ihn nicht ein ordentliches Gericht rechtskräftig verurteilt hat (wovon ich nicht ausgehe). Diese Vorverurteilungen sind im Internet-Zeitalter leider zu einer echten Gefahr geworden. Irgendetwas bleibt immer hängen. Völlig verkehrt finde ich die vorschnellen Reaktionen einiger Opernhäuser. Angemessen dagegen, wie die Salzburger Festspiele damit umgehen. In einem Rechtsstaat darf nicht die Presse die Rolle der Gerichte übernehmen. Domingo könnte nun seinerseits in die Offensive gehen und wegen Verleumdung und Rufmord klagen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Irgendwie habe ich das Gefühl, daß sich eine Art "Industrie" entwickelt, aus mißlungenen Annäherungsversuchen Kapital zu schlagen. In dieser heutigen Welt wundert mich nichts mehr. Die "Besetzungscouch" ist tot, es lebe die "Besetzungscouch"!!!


    Herzlichst La Roche


    Übrigens konnte ich soeben nicht mehr über meine Speicherung in den Favoriten Tamino erreichen, ich mußte mich neu anmelden, mit den alten Daten. Ist fast eine Schikane.

    Jetzt, 3 Minuten später, da geht es wieder!!!

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Anschuldigungen, die im weitesten Sinne mit Sex und sexualisierter Gewalt zu tun haben, bleiben im Gedächtnis der Öffentlichkeit auf ewig haften, egal ob sie sich bewahrheiten oder die Betreffenden später einen Freispruch erster Klasse mit Sternchen erhalten. Das ist das Perfide und Rufzerstörende an diesem Thema. Irgendwas bleibt immer hängen.


    Wenn du -zig Millionen an Steuern hinterzogen oder sogar jemanden besoffen überfahren und zum Krüppel gemacht hast, das wird dir nach 10 oder 20 Jahren verziehen.


    Das Beste, was Domingo meiner Meinung nach machen kann, ist einfach aus seiner Erinnerung die volle Wahrheit zu sagen und nichts zu verheimlichen. Salamitaktik ist IMMER noch verheerender als gleich reinen Tisch zu machen, offensichtlich Verschwiegenes kommt sowieso meist irgendwie heraus und dann wird das Bein erst recht dicke. Und sich natürlich ehrlich bei den betroffenen Frauen entschuldigen, wenn etwas dran sein sollte. Was die Beweis- oder Zeugenlage betrifft ist Domingo nach so vielen Jahren von vorn herein in einer schwierigeren Position als die Anklage.


    Erklärungen vor dem Hintergrund des Zeitgeistes der 70er- und 80er Jahre samt der damals üblichen lockeren Moral, auch in Bezug auf Sex & Drugs im Opernmilieu dieser Zeit, mögen zur eigenen Entlastung zwar verführerisch erscheinen bzw. sogar teilweise zutreffen, bringen ihm aber letztendlich nichts.


    Wenn dagegen alles erstunken und erlogen und er reinen Gewissens ist, sollte er allerdings alles Menschenmögliche in Bewegung setzen, um seine Rechte und seinen Ruf zu verteidigen. Auch, um potentielle Nachahmer und TrittbrettfahrerInnen abzuschrecken.

    >>So it is written, and so it shall be done.<<