Wagners "Jugendsünden" - Von der HOCHZEIT zum LIEBESVERBOT

  • Nachdem bereits alle Wagner-Opern - inklusive "Rienzi" - einen eigenen Thread erhalten haben, denke ich, ist es an der Zeit, den beiden allerfrühesten, "Die Feen" (1834) und "Das Liebesverbot" (1836), nunmehr ebenfalls ein Thema zu widmen.


    Was die derzeitige Situation an Aufnahmen anbelangt, so ist trostlos vielleicht noch untertrieben: Es gibt in der Tat neben den beiden bereits an anderer Stelle hochgelobten Sawallisch-Aufnahmen aus den frühen 80ern kaum Alternativen:



    "Die Feen":



    Sawallisch 1983



    Ötvös 1998



    Downes 1976



    "Das Liebesverbot":



    Sawallisch 1983



    Heger 1962



    Downes 1976

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Nach einem eher unbefriedigendem Ersteindruck der Oper durch diese Aufnahme,



    die in der Ausführung (->) für über 50 (!) EUR verkauft wird ( :no:),


    bin ich auf der Suche nach einer besseren Alternative - und es bieten sich ja bekanntlich eh nur zwei an:


    Sawallisch



    oder Downes:



    Gibt's wen, der beide kennt?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Euer Exzellenz, mir gefällt bereits der Titel dieses Threads irgendwie nicht..... X( *wurde nach Zustimmung des Threaderstellers geändert JR II)


    Ob das als Argument ausreicht, die beiden Werke nicht zu kennen, weiss ich aber nicht. ?(


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Euer Exzellenz, mir gefällt bereits der Titel dieses Threads irgendwie nicht..... X(


    Ob das als Argument ausreicht, die beiden Werke nicht zu kennen, weiss ich aber nicht. ?(


    F.Q.


    Liebe Fairy Queen,


    nimm es als Gegensatzpaar :) Ansonsten: junger Wagner, noch ein paar Noten zuviel, auf dem Wege zu sich selbst. Leider sind die Einspielungen von Heger und Ötvos mE eher mittelmäßig und werben nicht für die Opern. (Vielen Dank, Edwin, für den Hinweis auf Downes!)


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Joseph,
    in allen Fällen rate ich zu Downes - es sei denn, es muß für Dich aufnahmetechnisch alles perfekt sein. Die Grundlagen bei Downes sind Radioaufzeichnungen, technisch nicht schlecht, aber sicherlich nicht top, also etwas eng und verhaltene Dynamik.


    Downes hat den großen Vorteil, daß er keine Kürzungen macht, d.h., man hört die Opern so wie sie Wagner erdachte, ohne dramaturgische Eingriffe. Für mich hat das den Vorteil, daß man auch die Fehler Wagners erkennt (im Vergleich mit anderen Aufnahmen aber auch manchen Fehler des Dirigenten beim Kürzen...) und begreift, welche Schwächen Wagner nach und nach in seinem Schaffen überwand.


    Unbedingt interessant sind diese drei frühen Opern (Feen, Liebesverbot, Rienzi) aber nicht nur für Wagnerianer - zumal sie nur am Rande wagnerisch klingen. Vielmehr sind sie ein Kompendium dessen, was sich damals an Stilen auf den Bühnen tummelte.


    Da haben wir die deutsche Romantik in den "Feen" - wobei hier, neben Weber und Marschner, vor allem Spohr Pate gestanden sein dürfte. Im "Liebesverbot" geht's rein französisch-italienisch weiter: Donizetti, Bellini und Auber sind die Vorbilder, die Wagner mit einer fast schon absurd grellen Instrumentierung weiter aufputscht (das hört man am besten bei Sawallisch; stilsicherer gesungen wird aber bei Downes). Und im "Rienzi" kommt dann die Grand Opéra zum Zug, ehe der "Holländer" dort anknüpft, wo die "Feen" hinzuführen schienen.


    Ein Jammer ist, daß es keine Aufnahme eines ungeheuer wichtigen Fragments Wagners gibt, nämlich der "Hochzeit". Von dem Stück, das Erotik, Vergewaltigung und Tod im Rittermilieu zum Inhalt gehabt haben dürfte (und dessen Hauptpersonen, wie in den "Feen", und vom 19-jährigen Wagner selbst getextet wurde, liegen drei Nummern vor, die auf den "Holländer" hinweisen - und sogar über ihn hinaus. Wenn man dieses Fragment kennt, weiß man, daß Wagner einen Umweg machte, der nicht über "Liebesverbot" und "Rienzi" führte, sondern auch über die "Feen", obwohl diese der "Hochzeit" stilistisch noch näher sind, allerdings ohne diese Kühnheit zu erreichen.


    Daher: Sollte ein gnädiger Dirigent einmal im "Tamino"-Forum unterwegs sein und auch über Aufnahme-Möglichkeiten verfügen: Das "Hochzeit"-Fragment wartet. Und gibt musikhistorisch 1000 x mehr her als die 573. Neuaufnahme von Beethovens "Fünfter"....


    :hello:

    ...

  • Vorschlag für Thread-Titel:


    Als sich Wagner auf den Weg machte - "Feen", "Liebesverbot" und andere Jugendsünden.


    Die "Jugendsünden" betone ich extra für Fairy Queen, die sich mit einer Parallele zwischen Feen und Liebesverbot verständlicherweise nicht anfreunden kann.... :angel:


    :hello:

    ...

  • Hallo Fairy Queen,


    den Titel des Threads kann man gerne ändern, habe ich nichts einzuwenden. ;)


    -----------------------------------------------------------------------


    Hallo Edwin,


    vielen lieben Dank für die Ausführungen! :jubel:


    Vorteil Downes ggü. Sawallisch in beiden Fällen ist ja noch nebenbei: viel günstiger zu erwerben.


    Ich finde übrigens die Heger-Aufnahme vom "Liebesverbot" durchaus gelungen. Die ist zwar auch gekürzt, hat dafür aber für so ein Frühwerk ziemliche Sänger-Prominenz aufgeboten (Dermota, Zadek und Equiluz).


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Es gibt eine Aufnahme eines kurzen Fragments von dem Fragment:


    RICHARD WAGNER
    DIE HOCHZEIT
    Fragment aus dem 1. Akt (13:07)
    Karolt ..................... Paul Yoder
    Admund ..................... Hans-Jörg Weinschenk
    Arindal .................... Anton de Ridder
    Hadmar ..................... Mark Munkittrick
    Harald ..................... Pekin Kides
    Lora ....................... Elena Tzoneva


    Badischer Staatsopernchor
    Extrachor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe
    Badische Staatskapelle Karlsruhe
    Dirigent: FRIETJOF HAAS


    Mitschnitt eines Konzertes im
    Badischen Staatstheater Karlsruhe vom 15. April 1981


    LG


    :pfeif:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,


    was täten wir ohne Dich? :jubel:


    Da wird man ja direkt neugierig, wenn es gilt, ein noch unbekanntes Werk zu entdecken.


    Vielleicht schafft es irgendein Label bis zum Wagner-Jahr 2013, eine Aufnahme herauszubringen.


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • :D
    Lieber Edwin, sollte ich dann den gesamten Rest als Alterdemenz betrachten?


    Und Ihro Majestät brauchen den Threadtitel selbstverständlich nciht zu ändern, zumindest nciht bis zum Ende der Fastenzeit. :hello:




    Aber ganz im Ernst: eine Oper die "Die Feen" heisst und ausserdem eine Jugendsünde ist, müsste ich mir eigentlich mal anhören......Gibts davon vielleciht auch eine Bieto oder Syberberg-Inszenierung?
    So hab ich ja sogar den Parsifal überlebt! :]


    F.Q.

  • Und hier noch eine Jugendsünde Wagners, das erste "Werk" von ihm, das öffentlich aufgeführt wurde: Die Zusatzkomposition zu Edgar Aubrys Arie "Wie ein schöner Frühlingsmorgen" in Heinrich Marschners Oper "Der Vampyr", von Wagner komponiert als er 1833 Chorleiter in Würzburg war. Diese Verison der Arie wurde nach 1833 nicht mehr aufgeführt, bis sie letztes Jahr - passenderweise an selbiger Ort und Stelle - wieder aus der Versenkung gehoben wurde.
    Hier kann man sich die Arie in voller Länge in der Würzburger Aufführung anhören/ansehen, es singt der Tenor Edward Randall. Der Wagner-Teil beginnt bei 5:00.


    Best, DiO :beatnik:

  • Hallo Diabolus,


    vielen Dank für diesen Hinweis!


    Gestern beim Stöbern durch das WWV fiel mir noch was auf:


    WWV 48 Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie 1838 (Musik verschollen)


    Ein leider verschollendes Singspiel, von dem ich bis dato noch nie etwas hörte.


    Im engl. Wikipedia steht dazu übrigens folgendes:


    Zitat

    Two numbers from Männerlist realised by James Francis Brown were given their UK premieres on 13 October 2007 at the Linbury Studio Theatre, London.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Diabolus in Opera
    sich die Arie in voller Länge in der Würzburger Aufführung anhören/ansehen,


    Mir ist gerade aufgefallen, dass ich hier versehentlich eine Unwahrheit verbreitet habe: Wie ich mich jetzt wieder entsinne, wurde die Arie nämlich nicht in voller - von Wagner geschriebenen - Länge gegeben, sondern letztlich doch etwas gekürzt. Nur der Vollständigkeit halber.


    Best, DiO :beatnik:


  • Ist diese Aufnahme noch irgendwoher zu beziehen?


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Es handelte sich hier um die Radio-Übertragung einer konzertanten Aufführung im Karlsruher Opernhaus (Gesamtdauer: ca. 2 Std.) mit anderen romantischen Opern-Fragmenten (habe ich an anderer Stelle schon mal beschrieben).


    Die Sendung kann man im Netz runterladen.


    LG


    :pfeif: :pfeif:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wagners letzte Jugendsünde fehlt komplett:


    Seine Bearbeitung von Glucks Iphigenie in Aulis aus dem Jahr 1847, die in einer vorzüglichen Einspielung vorliegt:



    Iphigenie......................................Anna Moffo
    Agamemnon.................................Dietrich Fischer-Dieskau
    Artemis........................................Arleen Auger
    Arkas...........................................Bernd Weikl


    Chor des Bayerischen Rundfunks
    Münchner Rundfunkorchester
    Kurt Eichhorn


    Wagners Bearbeitung besteht aus einer Übersetzung des Textes ins Deutsche, einer Neuorchestrierung und einer daraus resultierenden Dramatisierung. Inwieweit er gekürzt oder umgestellt hat, kann ich nicht sagen, da ich kein ausgewiesener Gluckkenner bin und beide Aufnahmen als solche nicht verglichen hab.


    Meines Wissens nach ist dies die einzige Aufnahme dieses Werkes und sie ist auch immer noch erhältlich.


    Viele Grüße
    John Doe

    Einmal editiert, zuletzt von John Doe ()

  • Zitat

    Original von Diabolus in Opera
    Und hier noch eine Jugendsünde Wagners, das erste "Werk" von ihm, das öffentlich aufgeführt wurde: Die Zusatzkomposition zu Edgar Aubrys Arie "Wie ein schöner Frühlingsmorgen" in Heinrich Marschners Oper "Der Vampyr", von Wagner komponiert als er 1833 Chorleiter in Würzburg war. Diese Verison der Arie wurde nach 1833 nicht mehr aufgeführt, bis sie letztes Jahr - passenderweise an selbiger Ort und Stelle - wieder aus der Versenkung gehoben wurde.
    Hier kann man sich die Arie in voller Länge in der Würzburger Aufführung anhören/ansehen, es singt der Tenor Edward Randall. Der Wagner-Teil beginnt bei 5:00.


    Best, DiO :beatnik:



    Die Arie ist in einer Gesatm-Aufnahme des "Vampyrs" aus den frühen 70er Jahren zu hören, es singt Donald Grobe

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