Beiträge von John Doe

    Hallo Thomas Pape,


    meine volle Zustimmung: dieser Satz ist wirklich schwach, weswegen es auch bei dieser einen Aufnahme geblieben ist.

    Bei Schubert schaut es übrigens ein bisschen anders aus, da ist die h-moll viersätzig gar nicht so schlecht vertreten auf dem Plattenmarkt und die letzte Sinfonie in D liegt zumindest in der Bearbeitung Berios unter dem Titel "Rendering" ebenfalls in mindestens drei Einspielungen vor.


    John Doe :hello:

    Hallo 0perus,


    Dr. Coopers Rekonstruktion dieses Satzes wurde schon 1988 von Lyn Morris mit dem London Symphony Orchestra eingespielt und in diesem Jahr auch als Minidisc mit Adapter veröffentlicht. Jetzt bekommt man sie noch als Teil einer GA oder als mp3-Download.



    John Doe


    Einer der besten Mahler-Zyklen, die mir bis jetzt untergekommen ist: unsentimental und unromantisch, das Moderne betonend auf äußerst zupackende, heftige, ja fast schon brutale Art und Weise ohne dabei die wirklich idyllischen Idyllen zu vernachlässigen.
    Die 5. ist hier übrigens nicht gekürzt und der Klang ist trotz des Alters der Aufnahmen sehr gut.


    John Doe

    Hallo Uranus,


    Hogwood hat Urfassungen dieser Konzerte eingespielt. Dabei unterscheiden sich besonders die Konzerte 1 und 3 von ihren späteren Fassungen. Die Besetzung dieser Konzerte ist solistischer und von der Interpretation her wirken sie auf mich irgendwie spröde um nicht zu sagen hölzern.


    Pinnock spielt die normale, spätere Fassung in kammerorchestraler Besetzung. Seine Interpretation ist eine sehr schöne, schwungvoll ohne dabei die notwendige Virtuosität und den nötigen Biss missen zu lassen. Zu Ihrer Entstehungszeit war sie Referenz und ist es jetzt auch noch, auch wenn sich ihr jetzt ein paar weitere Aufnahmen zugesellt haben.


    Wenn Hogwood nun das gleiche eingespielt hätte, wie Pinnock, wäre letzterem eindeutig der Vorzug zu geben. Da das aber nicht der Fall ist und Hogwoods Einspielung ein Unikat ist, steht sie gleichwertig neben der von Pinnock.


    John Doe
    :)

    da müsste ich schon genauer wissen, welches Vorwissen die Musiker haben, welche Instrumente verwendet wurden, usw.

    Moderne Instrumente, HIP gespielt, die theoretischen Grundlagen stammen von Leibowitz und Zehetmair spielt eine Rekonstruktion des ursprünglichen Violinpartes und das mit entsprechender Virtuosität.


    John Doe

    außer in werkverfälschenden modernen Interpretationen

    Genau da wird's jetzt problematisch, denn was ist das Werk, was soll es, was will es, was bewirkt es?
    In den letzten 250 Jahren hat sich doch die Bewertung unserer Wahrnehmung deutlich verändert, Sachen die damals die Leute erschreckt haben, lassen uns heute bestenfalls noch müde lächeln, das religiöse Gefühl ist gänzlich relativiert und unser Verständnis von Humor und Witz ist auch nicht mehr völlig deckungsgleich mit dem von damals.
    Was wollen wir also? das Werk so wiedergeben wie damals, auf die Gefahr hin, dass es teilweise komisch wirkt, wo es einem doch schrecken soll - ich denke da an Telemanns Tag des Gerichts oder an die ein oder andere schmalbrüstige Messias-Interpretation - oder wollen das Wesen des Werkes betonen?
    Und wie verfahren wir, wenn Letzteres im Widerspruch zu Ersterem steht?


    Wenn man heute, im 21. Jahrhundert, "moderne" Bearbeitungen fordert, müsste es konsequenterweise eine Bearbeitung für heutige Instrumente sein, also eben sowas wie E-Gitarren, Synthesizer, elektronische Klänge etc.

    Das sind keine Orchesterinstrumente, nichtsdestotrotz gibt es die ein oder andere experimentelle Scheibe, wie z.B. Ragna Schirmers Einspielung der Händelschen Orgelkonzerte, von denen sie einen Teil auf einem Hammerflügel, einen anderen auf einem modernen Konzertflügel und einen leztzen auf einer Hammond-Orgel gespielt hat. Die Sache ist insofern von Händel abgesegnet, als dass er diese Werke unter dem Titel Konzerte für Tasteninstrument vertreiben lies.


    Orchester, die heute Wagner, morgen Händel und übermorgen Mozart spielen, und das auf den selben Instrumenten und ohne die jeweilige notwendige Ausbildung haben für mich den gleichen Reiz wie Puderzucker auf freiliegenden Zahnhälsen.


    Das Ensemble Modern ist ein Kammerorchester für zeitgenössische Musik, dass eine der besten Einspielungen von Beethovens Violinkozert hingelegt hat. Und dann die superben Einspielungen der Kammerkonzerte von Hindemith und die Referenzaufnahme von Ives 4. Sinfonie!
    Puderzucker auf freiliegenden Zahnhälsen kommt einem da nicht in den Sinn, eher Habanero auf nüchternem Magen.


    John Doe

    HIP kann auch eine Aufführung auf modernen Instrumenten sein - den Sinn dahinter zu finden ist mir bis heute nicht gelungen.

    Wenn Spielweise, Orchestergröße und Orchesteraufstellung der damaligen Aktualität des Werkes entsprechen, kann man bei großzügiger Betrachtung von HIP reden, wobei aber Blech, Pauken und Tasteninstrumente problematisch bleiben, weswegen da eben sehr oft alte oder Nachbauten alter Instrumente verwendet werden.
    Natürlich kann man ein altes Cembalo unter Wahrung oben genannter Kriterien durch ein neues ersetzen, ersetzt man es aber durch einen modernen Flügel, dann sollte es dem Hörer klar sein, dass es sich dabei um ein anderes Instrument handelt, für das das Werk nicht komponiert wurde.

    Was du offenbar meinst ist eher eine Rekonstruktion alter Konzerte, aber darum geht es HIP eigentlich nicht.

    Nein, ich meine wie oben schon gesagt die damalige Aktualität unter idealen Bedingungen.
    Ideale Bedingungen deswegen, weil beispielsweise die Orchestergröße auch bei Uraufführungen durch äußere Zwänge beschränkt war, derweil dem Komponisten eigentlich ganz anderes vorschwebte. Beispiel Beethoven, dem seine Klaviere immer zu klein waren und der die Sinfonien 7, 8 und 9 mit knapp 100köpfigem Orchester uraufführen lies.
    D.h. dass aktuelle HIP-Besetzung vielleicht den Gepflogenheiten der damaligen Zeit, nicht unbedingt aber den Vorstellungen des Komponisten entsprechen. Dass man bei ihnen von Mindestbesetzungen, nicht aber von Idealbesetzungen sprechen kann.


    kurzum, man sammelt alle möglichen Informationen, um das Werk an sich möglichst so aufzuführen, wie es gedacht ist.

    Wie stehst du dann zu Bruckner 9? Dreisätzig, viersätzig, Te Deum-Lösung?

    "Originalklang" ist ein Wort, das ich strikt ablehne, weil wir zwar durch Forschungen, Nachbauten alter Instrumente und verschiedene Quellen dem Werk sehr nahe kommen können, aber mangels Aufnahmen wissen wir nicht, wie es damals geklungen hat.


    Das gilt nur für die alten Sachen, aber HIP greift ja nun schon nach dem 20. Jhdt. Immerseels Bolero-Einspielung beispielsweise, die natürlich in Konkurrenz zu Ravels eigener Einspielung dieses Werkes steht, oder Strawinski, der fast sein gesamtes Ouvre persönlich eingespielt hat. Oder die diversen Uraufführungsaufnahmen, oder die unter den kritischen Augen des Komponisten entstandenen.


    Zum besseren Verständnis muss ich aber jetzt anmerken, dass mein musikalischer Schwerpunkt auf dem 20. Jhdt. liegt und mich dessen Sichtweisen auf die alten Sachen mehr interessieren, als die alten Sachen als solche, wobei die wenigen Aufnahmen von Barockmusik, die ich die letzten Jahre gekauft hab, alle in strengem HIP waren.


    John Doe

    wo bleibt dann HIP für Dich in der Praxis?

    Beispiel Messias: da gibt es die diversen 1740er Fassungen, natürlich in HIP eingespielt, und dann die Mozart-Fassung aus dwen späten 1780er Jahren, die bezüglich des Messias als solchem nicht HIP ist, als Fassung, als Arrangement aber durch aus HIP interpretiert werden kann, wie es z.B. Spering mut dem kleinen Konzert gemacht hat.
    Und dann gibt es die Goosens-Fassung aus den späten 50ern des 20. Jhdt., die der Dirigent Beecham in Auftrag gegeben und natürlich mit den Instrumenten und im Stil ihrer Entstehungszeit interpretiert hat. Also in reinstem Originalklang, weil HIP doch nichts anderes besagt, als dass die Sachen so wie zu ihrer Entstehungszeit klingen und gespielt werden sollen.
    Beecham und Goosens wollten auch nie einen historisch korrekten Messias zur Aufführung bringen, sondern einen auf die damalige Gegenwart bezogenen unter Nutzung des damals aktuellen Instrumentariums.


    John Doe

    Ôbwohl ich seit ca. 30 Jahren überzeugter Verfechter der HIP bin, höre ich Barockmusik nur noch auf modernem Instrumentarium und wenn möglich in großer Besetzung. Dabei geht es mir nicht um die Barockmusik als solche, sondern um ihre Wahrnehmung, Darstellung, Interpretation zu einer bestimmtn Zeit.
    Diese Karajan-Aufnahme bereitet mir also keinerlei Probleme, ich bin mir aber jede Sekunde dieser Musik bewußt dass sie mit echter Barockmusik nur die Noten gemein hat, dass sie eigentlich ein zeitgenössisches Arrangement ist, bei dem der Arrangeur nicht genannt wird.
    Diese auf's 20. Jhdt. ausgerichtete Betrachtungsweise erlaubt mir, der HIP treu zu bleiben und trotzdem Richter, Beecham, Karajan etc. zu hören.


    John Doe :D

    Veniamin Efimovich Basner (1925 - 1996) war ein sowjetischer Komponist, Schostakowitsch-Schüler und Schostakowitsch-Freund. in der Sowjetunion war er so anerkannt und bekannt, dass 1971 sogar ein Asteroid nach ihm benannt wurde.
    Die Katherina Ismailowa-Sinfonie dürfte es sich um ein Arrangement Venjamin Basners unter Verwendung von Originalmusik Schostakowitschs handeln, wobei auf Grund der Professionalität Basners zu vermuten ist, dass es ähnlich wie Schtschedrin Carmen-Arrangement sehr hochwertig ist.


    Wie die Musik ist, kann ich nicht sagen, ich hab aberTeleton nahgeeifert und mir die Scheibe auf Grund ihres günstigen Preises sofort bestellt. Wenn sie da ist, werd ich ebenfalls meinen Kommentar dazu abgeben.


    Zum Namen des Komponisten sei noch anzumerken, dass das lateinische V bzw. W im kyrillischen Alphabet wie ein großes lateinisches B aussxhaut.


    John Doe :hello:


    Beim Durchschalten Richtung Nachrichtensender bin ich ebenfalls auf diese Übertragung gestoßen und tatsächlich hängen geblieben. Zum einen, weil es vom Musikalischen herhervorragend gespielt war - und das auch noch in HIP - zum anderen weil mich die Pferdenummer interessiert hat. Nach einer gewissen Irritation hab ich dieses Ballett dann ganz passend gefunden, gibt es doch genügend Darstellungen des Todes als Reiter.
    Die Skelette zu Pferd hätte es nicht unbedingt gebraucht, und wenn doch dann wenigstens etwas besser abgefedert, sind sie zum Teil doch recht wackelig daher gekommen. Was es definitiv nicht gebraucht hätte, waren Männer in knöchellangen Hosenröcken.


    John Doe


    John Adams
    Ensemble Modern Orchestra


    Die mit Abstand wildeste Interpretation von Ives 4. Sinfonie. Extrem direkt aufgenommen erlebt man bei bester Durcchhörbarkeit eine hoch spannende, das Moderne betonende Interpretation bar jedlicher Romantik.


    Die beste Ives 4, die mir bis jetzt untergekommen ist!


    :hail: :hail: :hail:


    John Doe

    Er kommt nicht an Shostakovich heran - und zwar in jeder Hinsicht.

    Bei den Sinfonien mag das ja zum Teil zutrefen, bei den Kammersinfonien und Streichquartetten aber definitiv nicht mehr, da spielen beide in der gleichen Liga.

    um diese mittelmäßigen Kompositionen von ebenso mittelmäßigen Künstlern einspielen zu lassen.

    Gidon Kremer mittelmäßig? Und das Quatuor Danel auch?


    John Doe


    Die Sinfonien Nr. 5 und 6 sind Roy Harris musikalischer Kommentar zum WK II. Die 1942 entstandene 5. ist "dem heldenhaften und freiheitsliebenden Volk des großen Alliierten, der Union der Sowjetrepubliken" gewidmet, die Gettyburg-Sinfonie den Streitkräften der USA.
    Trozt dieser Widmungen sind diese beiden Sinfonien überraschend unspektakulär, das durchaus vorhandene Pathos bleibt diskret. Vom Musikalischen her bilden sie eine gelungene Mischung aus amerikanischer Filmmusik und traditioneller europäischer Kompositionstechniken plus einer Prise Personalstil. Und wenn Marin Alsop dann auch noch die ganze Sache mit ein bißchen mehr Verve, mit ein bißchen mehr Biss angehen würde, dann wär das Glück perfekt.
    Aber egal, es handelt sich auf jeden Fall um zwei Werke, die es verdienen mit anderen bedeutenden "Kriegssinfonien" des 20. Jhdt. in einem Zug genannt zu werden.


    John Doe

    dein "kurzer Kommentar" zum gehörten Werk erscheint in deinem Beitrag sehr erhellend. Du schreibst nämlich nichts dazu ! Das heisst dann für mich: Dazu gibt's wenig zu sagen. :baeh01:

    Da hast du nicht ganz Unrecht, lieber Wolfgang!
    Strawinskis Werke für Klavier und Orchester gehören nun wirklich nicht zu seinen Hauptwerken, obwohl ich sie auch nicht als Leichtgewichte bezeichnen würde, eher als typische Beispiele der jeweiligen Stilphase Strawinskis. Speziell zu diesem Klavierkonzert kommt noch hinzu, dass es mit seiner Besetzung für sinfonisches Blasorchester einer Mode der 20er Jahre des 20. Jhdt. folgt und somit absolut auf der Höhe seiner Zeit war.


    Das wäre ein Beispiel, warum ich vom ansonsten sehr geschätzten Strawinsky diese Werke - GA (SONY) nicht brauche, von denen dann doch höchsten ein Drittel wirklich mit Interesse gehört wird

    Ich glaube, da irrst du dich. Diese Box ist nämlich ein richtig kleines Schatzkästchen, auf dass ich immer wieder gerne zurück komme. Zum einen wegen der in ihrer Gesamtheit durchaus hörenswerten Werke, zum anderen wegen des Dirigats Strawinskis, das keine Vergleiche zu scheuen braucht. :hail:


    John Doe :thumbup:


    Das Besondere dieser Aufnahme sind nicht die verwendeten Vorkriegsinstrumente - unterscheiden die sich doch viel zu wenig von den Nachkriegsinstrumenten - sondern das kleine Orchester mit seinen 28 Streichern, 23 Bläsern und dem 9fach besetzten Schlagwerk, zu dem auch 2 Klaviere gehören. Die daraus resultierende Aufwertung des Bläser- und Schlagwerkapparates ergibt einen völlig anderen Klang, aus dem man Kombinationen und Details heraushört, die man bei großen Orchestern nur erahnen oder gar nicht wahrnehmen kann.

    John Doe


    Ohne ins Akademische zu verfallen arbeitet Krivine Details und Strukturen messerscharf heraus und fügt sie in seinen hoch dramatischen, leidenschaftlichen, ja fast schon wilden Interpretationsansatz ein.
    Oder um es salopp zu formulieren, diese Aufnahme verhält sich zu älteren so, wie ein später Clint Eastwood Western zu einer frühen Bonanzafolge.


    John Doe


    Kremer, Kremerata Baltica 1998


    Eine energische, temperamentvolle, mit einer gewissen Leichttigkeit versehene hochvirtuose Interpretation der Vier Jahreszeiten, die durch die Kombination mit Piazollas Jahreszeiten-Zyklus alte Hörgewohnheiten bricht und somit jedes einzelne Werk umso besser zur Geltung bringt.


    Als Alternative dazu bietet sich noch das Arrangement des gleichen Programms für Violine und Akkordeon in der Interpretation von Sinn Yang, Violine und Harald Oeler, Akkordeon aus dem Jahr 2013 an, die Kremer in nichts nachsteht.



    John Doe


    Ragna Schirmer spielt Händels Orgelkonzerte auf Hammerklavier, modernem Konzertflügel und Hammondorgel.
    Das letzte Instrument einmal außer Acht lassend hört man bei dieser Aufnahme auf das Vorzüglichste den Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Klavier - von dem her also eine doppelte Referenz.


    John Doe