Beiträge von lohengrins

    Hier - nach Hinweis aus dem Forum - dies:



    Die kleinere Besetzung dient natürlich der Transparenz, dabei wird es für mich aber nicht kalt oder über-analytisch, sondern ist nur schlanker, deshalb aber keinesfalls weniger eindringlich. Auch die Sängerin gefällt mir sehr, sie "trifft" den Ton hier in mehrfachem Sinn. Eine schöne Aufnahme.

    Ja, Rodolfo, das kommt erschwerend hinzu. Viele Leute haben in der Corona-Zeit vermutlich auch festgestellt, dass ihnen der Konzert- oder Opernbesuch gar nicht so sehr abgeht wie gedacht. Wenn jetzt noch wirtschaftlicher Druck hinzukommt, wird dort eben zuerst gespart.

    Da die Serie an negativen Meldungen/Enthüllungen einfach nicht abreißt, wäre es letztlich schon schlau, dass gesamte System zu reformieren - wenn man den ÖRR denn irgendwie erhalten will.

    Da es einzelne - in den Führungsetagen - gab/gibt, die sich von ihrer Gier mitreißen ließen und sich an ihrer gefühlten Bedeutung berauschten und überhöhten, ist der gesamte Apparat in Verruf geraten. Gegenüber den "Indianern" (falls man das in diesem Zusammenhang so formulieren darf) ist es ungerecht, da diese ihre Jobs vielfach in bestmöglicher und honoriger Weise ausüben.

    Etwas anderes, das mich auch aus eigener Betroffenheit nervt, sind strukturelle Ungerechtigkeiten wie der Ausbau des Online-Auftritts der ÖRR, mit dem sie außerhalb ihres Auftrags/Kerngeschäfts in Konkurrenz zu frei wirtschaftenden Medienhäusern treten. Dank öffentlichen Geldes haben sie da einen wie ich finde unlauteren Vorteil, der letztlich einer vielfältigen Medienlandschaft zuwiderläuft.

    Hm, gerade den Bayreuther "Tannhäuser" als Beispiel für schlechte Regie zu nehmen ... naja. Das waren Inszenierungen, die ich sehr genossen habe - und wenn ich mich recht entsinne, ging es der übergroßen Mehrheit im Festspielhaus jeweils genau so wie mir.

    Aber was soll ich sagen, ich fand ja auch, dass Barry Koskies Meistersinger schlicht großartig waren.


    Putzig finde ich allerdings, dass hier wie in anderen Diskussionen im Lande dieses "Man wird ja wohl noch sagen dürfen" aufblitzt, heute auch in der Darreichungsform des "Man darf ja nichts mehr sagen - Woke-Diktatur". Dabei nimmt euch doch niemand eure Meinung. Ihr seid bloß nicht relevant genug, als dass es in den Opernhäusern zu dem von euch schon seit Jahren herbeigerauntem "Umsturz" kommt. Und nein, mit relevant meine ich nicht, dass die komplette Staatsmacht gegen euch ist, sondern bloß der Rechenschieber der Opern-Buchhaltungen. Gingen diese davon aus, dass man mit Aufführungen à la Schenk die Häuser füllen würde, dann liefen die dort auch - zumindest häufiger.


    Die aktuellen Probleme mit dem Kartenverkauf im Klassik-Sektor haben gewiss viele Gründe. Aber das Haupt-Übel ist schlicht die Überalterung des Publikums. Kriegt man das nicht in den Griff, muss man sich nicht mehr über Regietheater streiten, sondern darf froh sein, wenn überhaupt noch Opern aufgeführt werden. Insofern halte ich die Zielrichtung, auf "alte" oder auch "traditionelle" Inszenierungen zu setzen, begleitet von dem Festhalten an althergebrachten Formaten und Formen für falsch. Das Argument, dass auch junge Leute genau dies, samt Nimbus wollen, trifft meines Erachtens vor allem auf diejenigen zu, die Besuche von klassischen Konzerten oder Opern in möglichst traditioneller Weise (samt Abendgarderobe usf.) als Begleiterscheinung sozialen Aufstiegs und sozialer Selbstversicherung (Bildungsbürger!) schätzen.


    Von all dem abgesehen, bin ich nicht gegen sogenannt traditionelle Inszenierungen. Mich ermüden sie häufig, aber Vielfalt ist ja immer eine gute Sache.

    Ich habe damals den Wechsel von der LP zur CD vollzogen, weil ich die Vorteile schlagend fand - durchweg guter Klang, weniger Knistern, kein Platten-Umdrehen, leichteres Verstauen. Aber klar ist auch, dass schon mit diesem Schritt das haptische (und visuelle) Erlebnis deutlich litt.

    Insofern verstehe ich Freunde, die sich (wieder) Plattenspieler besorgten, und das Hören der LPs regelrecht zelebrieren. Klangliche Begründungen dafür finde ich manchmal etwas abseitig (zumal, wenn über den analogen Sound einer schon vom Master her digitalen Aufnahme geschwärmt wird), aber Autosuggestion ist in Sachen Hifi ja vermutlich ohnehin der wichtigste Faktor. Das Musikhören zu etwas Besonderem, eben nicht Beiläufigem zu machen, ist aber ohne Frage eine gute Sache.

    Ich habe meine CDs noch, aber ich habe sie in den Keller verfrachtet. Ich streame. Manches habe ich gerippt, aber vor allem streame ich. Vor allem mit Apple Music, aber ich habe nun auch Tidal abonniert und versuche mal rauszuhören, ob es einen Unterscheid gibt, der mir wert ist, mehr Geld dafür auszugeben. Das Haptische ist damit bei mir Vergangenheit, das freundlichere Handling hat übernommen.

    Ich würde mich ja sehr über eine Rückkehr Thielemann nach Berlin freuen, aber ich bin ebenso skeptisch, inwieweit er hier gewollt wäre. Obwohl die ja schon nahezu über-euphorische Reaktion der Staatsoper selbst auf ihren Einspringer, die ich in den Sozialen Medien verfolgen konnte, vermuten ließe, dass man ihn dort schon wollen würde.

    Thielemann gilt ja als schwierig, aber das sollte bei dieser Nachfolge-Frage nicht im Wege stehen, denn Barenboim ist ja nun auch kein Schätzchen. Ich habe ihn mal bei einer Generalprobe für - ich glaube Walküre oder Siegfried - erlebt und fand sein Auftreten gegenüber den Musikern und sonstigen Mitwirkenden schon teilweise grenzwertig - so nach dem Motto "Das Genie darf alles und muss keinerlei Rücksichten auf andere nehmen".

    Aber Handlungsdruck in Sachen Nachfolge für Barenboim ist so oder so da. Auch wenn ich kein großer Barenboim-Fan bin, wäre es ohne Frage schade, wenn er die Zeit eines guten Abschieds verpassen würde.

    z.B bei den medimöpsen!

    Ok, jetzt hab ichs verstanden. Ich guckte auch gleich mal. Da fand ich dieses Album zwar nicht, aber das Vorgehen ist demnach, dass CDs, die sich nicht verkaufen, dort quasi verramscht werden, richtig? Wusste ich bislang nicht. Aber ich kaufe auch keine CDs (mehr), deshalb bin ich von dem Thema wohl auch ein wenig weg. Danke für die Info trotzdem!

    Ok. Also ich lass das schon als Gesang durchgehen. Wobei ich Anja Kampe lieber als Sieglinde denn als Brünnhilde höre. Wahrscheinlich geht es mir vor allem wieder ums Orchester, und das gefällt mir durchweg.

    Ich verstehe nur das mit dem Zweitverwerter nicht. Wo wurde das Album denn zunächst veröffentlicht?

    Es war die identische Besetzung - mit einer Ausnahme: Bei uns sang Camilla Nylund die Eva. Wenn ich es richtig erinnere, kam sie an diesem umjubelten Abend (2. Februar) seitens des Publikums (Abschlussapplaus) zwar auch gut, aber nicht glänzend weg. Ich habe auch irgendwie im Hinterkopf, dass sie in den Folgeaufführungen nicht mehr dabei war, aber das weiß ich nicht sicher.

    Bei mir noch ein wenig hiervon - in den kommenden Tagen sicherlich mehr:



    Natürlich ist das etwas völlig anderes als die Einspielung von Nézét-Seguin (die ich sehr schätze), aber ich mag auch diese bislang sehr. Der ohnehin des Thielemann-Beweihräucherns unverdächtige Kai Luehrs-Kaiser hat den beiden CDs beim Kulturradio gerade mal zwei von fünf Sternen zukommen lassen, siehe hier

    Aber für mich muss es nicht immer hochenergetisch und flirrend zugehen. Ich mag Thielemanns Schumann, wobei ich gern zugebe, dass ich mich insofern wenig auskenne und es sehr wohl sein kann, dass Thielemann wenig Neues zu sagen hat. Mir egal, ich höre ganz unbefangen und mit Gewinn zu.

    Bei mir Tannhäuser es seit gestern.


    In gewisser Weise der Höhepunkt war gestern dies:



    Das Deutsche Symphonie-Orchester unter Philippe Jordan gefiel mir. Es wird ausdrucksstark (nie schwülstig) musiziert und mit den Sängern harmoniert, da haben alle ihren Raum. Waltraud Meier als Venus war auch wegen ihrer schauspielerischen Möglichkeiten beeindruckend gut. Gambill als Tannhäuser gefiel mir vor allem im dritten Aufzug, war aber auch sonst gut. Roman Trekel gebührt laut einer Kritik, die bei jpc kurz abgebildet wird, „die Krone“ - hm, da bin ich nicht ganz dabei, mir presst er die Vokale doch häufig sehr, ist aber auch sehr in Ordnung. Landgraf (Stephen Milling) und Walther (Marcel Reijans) gefielen mir sehr.

    Bleibt die Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (der in der sehenswerten knapp einstündigen Dokumentation zur Aufnahme vermutlich wegen seiner überakzentuierten Ausdrucksweise ehrlich gesagt ein wenig wie eine Karikatur wirkt), die mich nicht restlos überzeugt hat. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er nicht weiß, was er mit den Chören auf der Bühne anfangen soll. Ich lege nicht unbedingt Wert darauf, dass am Ende ein blühender Bischofsstab zu sehen ist, oder ein Sarg mit Elisabeth herangetragen wird, da ist vieles denkbar. Dass am Ende nur der sterbende Heinrich und Wolfram auf der Bühne sind, war durchaus interessant, unterm Strich aber schade. Denn so blieb der Chor unsichtbar und damit unweigerlich gedämpft blieb. Ich hatte da das Gefühl, als ob der Regisseur ein bisschen Angst vor dem Überwältigungsmoment hat. Das war mir zuletzt bei Konwitschny in Dresden so gegangen, als er den Pilgerchor zu Beginn des dritten Aufzugs eher wie eine Groteske inszenierte. Schade, ich lass mich bei Wagner eigentlich ganz gern mal überwältigen.

    Insgesamt aber eine lohnende Einspielung.

    Natürlich könnte ich jetzt so tun, als ob es mich überraschen würde, dass in dem hier geäußerten Zusammenhang schnell so etwas wie „Lügenpresse“ im Raum steht. Hier in ihrer Erscheinungsform der (natürlich in Anführungszeichen gesetzten) „professionellen Presse“.


    Also auch hier: Willkommen in der Filterblase!

    Immer nach dem Leitmotiv: Was mir nicht in den Kram oder mein Weltbild passt, wird freundlichstenfalls ignoriert, zumindest verächtlich gemacht und sowieso abgelehnt.


    Das ist in einem Umfeld wie dem hiesigen, das ja der Diskussion, dem gegenseitigen Austausch dienen soll, befremdlich. Aber wie gesagt nicht überraschend. Leider.


    Ich erinnere mich noch gut an meinen wahrlich konservativen Vater, für den es selbstverständlich war, sich auch außerhalb der FAZ zu informieren, und Spiegel oder auch taz zur Hand zu nehmen. Das Überprüfen, quasi Abklopfen der eigenen Position sollte für jedermann mit leidlichem intellektuellem Selbstanspruch natürliche Übung sein. Aber sich permanent in seinem Weltbild bestätigt zu sehen, ist manchem eben doch der befriedigendere Weg. Das ist bedauerlich.


    Zu den Pressekarten: Begreift man die Presse als willfähriges Verlautbarungsorgan der eigenen Befindlichkeit, dann kann man darauf kommen, dass beispielsweise der freie Zutritt zu kostenpflichtigen Veranstaltungen so etwas wie eine Gunst ist, die gefälligst mit gewünschter Berichterstattung einher gehen sollte. Auch das empfinde ich als bedauerlich.

    Ja, lieber Kapellmeister, auch ich fand das Orchester generell gut - glaubte aber (namentlich zu Beginn) einige Wackler zu hören, zudem waren die Bläser auch nicht immer der Meinung, gemeinsam einsetzen zu sollen. Ich fand die Tempi ebenfalls straff, wiewohl ich mir das Vorspiel teilweise noch etwas dringlicher gewünscht hätte. Aber der große Bogen war fraglos da und somit ein erfreulicher Abend gewährleistet.

    Die Sänger hatten daran natürlich großen Anteil. Über Zeppenfeld muss man nichts weiter sagen, da kann man sich nur freuen, wenn er auf dem Besetzungszettel auftaucht. Auch Stephen Gould hat das sängerisch hervorragend gemacht. Dorothea Röschmann erschien mir zunächst atemlos, teils flach, zudem mit der unschönen Tendenz, Vokale zu verfärben; sie wurde jedoch immer sicherer, überzeugender und ausdrucksstärker. Ekaterina Gubanova blieb dagegen für mich blass. Markus Eiche als (zugegeben prominenter) Einspringer war ein Gewinn. Gut gefiel mir Tania Lorenzo als junger Hirt, auch wenn sie als Nicht-Muttersprachlerin manches Wort verfärbte.

    Erstaunlicherweise hatte ich die Inszenierung als solche positiver in Erinnerung. Ich mag Konwitschnys Arbeiten und namentlich der erste Aufzug entsprach dem auch. Aber der Auftritt des Pilgerchors im dritten Aufzug war mir zu sehr ins Groteske gedreht. Und dass sich Elisabeth entleibte, überzeugte mich auch nicht sonderlich (wobei ich mit dem Libretto-entsprechenden Davonwandern in die reine Heiligkeit auch nicht viel anfangen kann), und warum die zuvor derangiert-betrunkene Venus die tote Elisabeth dann in Armen hielt, wurde mir auch nicht klar.

    Aber alles in allem war es ein kurzweiliger und anregender Opernabend. Immer wieder schön, so ein Ausflug nach Dresden!

    ...

    Wenn Du sowieso nicht hingehen willst, wieso sind dann die Kartenpreise so interessant? - Es ist doch klar, dass man für derartige Events deutlich tiefer in die Tasche greifen muss, als für ein normales Abonnementskonzert. Und ebenfalls anders, als bei einem solchen ist beim Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker das Ziepublikum vermutlich ohnehin nicht unbedingt der von Dir angeführte Bildungsbürger und beispielsweise privatwirtschaftlich finanzierte Musials sind da durchaus nicht günstiger. Nicht zu vergessen, dass das "entsprechende System" durch seine steuerfinanzierten Subventionen unsere Theater- und Orchesterlandschaft mit zum allergrößten Teil sehr moderaten Preisen überhaupt erst möglich macht.

    ...

    p.s. Habe jetzt selber geschaut und es sind anscheinend noch (nicht wenige?) 34 Karten verfügbar ...

    Ich habe ja nur darüber geschrieben, dass es mich geärgert hat - dass es dich kalt lässt, ist doch prima.


    Warum es allerdings klar sein muss, dass ein derartiges Konzert in etwa dreimal so teuer ist, wie ein „normales“, leuchtet mir nicht ein. Immerhin werden auch die BPhil - ich glaube mit 20 Millionen Euro p.a. - staatlicherseits unterstützt.

    Es mag ein wenig statthafter Vergleich sein, aber: Wenn ich ein Fußballspiel sehe, live, dann bin ich unmittelbar beteiligt, kann mich im Stadion sitzend, dem Erlebnis als Ganzem kaum entziehen; schaue ich das Spiel zuhause, vielleicht noch als Aufzeichnung, dann sieht das anders aus. Natürlich kann ich im letzteren Fall auch mitgerissen werden - aber doch auf andere, irgendwie akademischere Weise. Und ebenso geht es mir eben auch im Konzertsaal im Vergleich zur häuslichen Abhöre.


    Interessanterweise ist eines meiner intensiveren Konzerterlebnisse eine Mahler II. mit Rattle und den BPhil in Berlin (so unterschiedlich also mögen die Geschmäcker sein). Und es ist ja auch völlig richtig, dass man im Konzerthaus auch mal von Teilen des Programms überrascht werden kann; das Paradies und die Peri hätte ich freiwillig nie gehört, dann habe ich es dank eines Abos doch getan - und nicht bereut - wobei ich anmerken muss, dass ich die Konserve unter Harnoncourt dem Konzert unter Rattle doch vorziehen kann. Gut also, wenn man beides genießen kann. Das intensivere Erlebnis gibt es bei mir allerdings generell im Konzertsaal.

    Ich habe soeben die Homepage der Berliner Philharmoniker besucht. Ich war einerseits erstaunt und andererseits verärgert.


    Erstaunen rief bei mir hervor, dass es immer noch (nicht wenige) Karten für das diesjährige Silvesterkonzert gibt. Das wäre in den Vorjahren meines Wissens undenkbar gewesen. Zu Rattles Zeiten waren diese Karten eine Art Goldstaub und stets umgehend vergriffen. Ich bin überzeugt, dass diese ganze Hängepartie um Petrenkos Start als Chefdirigent dem Orchester nich gut tut. Und ehrlich gesagt bin ich auch nicht davon überzeugt, dass den Berlinern unter Petrenko goldene Zeiten ins Haus stehen.


    Verärgert bin ich, weil ich die Preise für die Karten gesehen habe. Die günstigsten Karten liegen bei 100 Euro, die Preise reichen pro Karte bis 290 Euro. Nun treibt mich nicht viel am Silvesterabend mitten in die Stadt, und mir ist wohlbewusst, dass die Nachfrage den Preis bestimmt und wir in einem entsprechenden System leben - aber das hat mich schon erbost. Und zwar in der Weise, dass ich überlege, die Philharmoniker überhaupt noch zu besuchen, denn hier ist die Grenze zum Absurden deutlich überschritten. Als Melkkuh mag ich mich nicht einmal zu einem besonders festlichen Anlass fühlen.

    Habe die Anregung dieses Threads aufgegriffen, und ein wenig Karajan gehört. Sogar - was ich sonst eher nicht tue - auch mit Bach; weiterhin Strauss (Heldenleben), Berg, Webern, Wagner.


    Leider kann ich seinen Bach-Interpretationen weiterhin nur sehr wenig abgewinnen. Schade, ich hab's probiert. Auch der Strauss war mir zu "schön" (da bevorzuge ich beispielsweise Thielemanns Einspielung, die gerade im Hintergrund läuft). Manches mal scheint mir bei Karajan doch seine Art Filter zum Einsatz zu kommen, der mir zu viel nivelliert, was an Spannung und Dynamik vorhanden sein könnte (für mich: sollte).


    Wie viele andere schätze ich weiterhin sehr seine Musik der Neuen Wiener Schule, die ich immer wieder gern höre. Diese Einspielung ist in diesem Thread bestimmt vielfach genannt worden (ich war - Entschuldigung - zu faul zum scrollen).


    Auch auf diese beiden Wagners möchte ich nicht verzichten:



    Auch das ist nicht originell, ich weiß.


    Im Übrigen bin ich zu einer Zeit groß geworden (Jahrgang 66), als "Karajan" gleichbedeutend mit "Meisterdirigent" war. Das muss einem den Musiker nicht sympathischer machen, mir jedenfalls ging es so. Da war so viel Selbstdarstellung. Als Norddeutscher kommt man damit nicht so gut zurecht.


    Ich kann ihn mir deshalb auch nicht ohne "sein" Orchester, den Zirkus Karajani vorstellen. Das gehörte einfach zusammen - der Dirigent mit dem deutschen Orchester. Ein Dirigent wie ein Papst, unfehlbar und (nahezu) bis ans Lebensende im Amt (gut, Benedikt lassen wir hier mal besser außen vor).


    Und dennoch habe ich zuhause zwei Karajan-Biografien stehen. Warum? Weil er für mein Empfinden so typisch für die Nachkriegs-Bundesrepublik ist. Spannend, seinen Lebensweg mit all den Abkürzungen, Umwegen, Ausflüchten zu verfolgen.