Beiträge von lohengrins

    Es war die identische Besetzung - mit einer Ausnahme: Bei uns sang Camilla Nylund die Eva. Wenn ich es richtig erinnere, kam sie an diesem umjubelten Abend (2. Februar) seitens des Publikums (Abschlussapplaus) zwar auch gut, aber nicht glänzend weg. Ich habe auch irgendwie im Hinterkopf, dass sie in den Folgeaufführungen nicht mehr dabei war, aber das weiß ich nicht sicher.

    Bei mir noch ein wenig hiervon - in den kommenden Tagen sicherlich mehr:



    Natürlich ist das etwas völlig anderes als die Einspielung von Nézét-Seguin (die ich sehr schätze), aber ich mag auch diese bislang sehr. Der ohnehin des Thielemann-Beweihräucherns unverdächtige Kai Luehrs-Kaiser hat den beiden CDs beim Kulturradio gerade mal zwei von fünf Sternen zukommen lassen, siehe hier

    Aber für mich muss es nicht immer hochenergetisch und flirrend zugehen. Ich mag Thielemanns Schumann, wobei ich gern zugebe, dass ich mich insofern wenig auskenne und es sehr wohl sein kann, dass Thielemann wenig Neues zu sagen hat. Mir egal, ich höre ganz unbefangen und mit Gewinn zu.

    Bei mir Tannhäuser es seit gestern.


    In gewisser Weise der Höhepunkt war gestern dies:



    Das Deutsche Symphonie-Orchester unter Philippe Jordan gefiel mir. Es wird ausdrucksstark (nie schwülstig) musiziert und mit den Sängern harmoniert, da haben alle ihren Raum. Waltraud Meier als Venus war auch wegen ihrer schauspielerischen Möglichkeiten beeindruckend gut. Gambill als Tannhäuser gefiel mir vor allem im dritten Aufzug, war aber auch sonst gut. Roman Trekel gebührt laut einer Kritik, die bei jpc kurz abgebildet wird, „die Krone“ - hm, da bin ich nicht ganz dabei, mir presst er die Vokale doch häufig sehr, ist aber auch sehr in Ordnung. Landgraf (Stephen Milling) und Walther (Marcel Reijans) gefielen mir sehr.

    Bleibt die Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (der in der sehenswerten knapp einstündigen Dokumentation zur Aufnahme vermutlich wegen seiner überakzentuierten Ausdrucksweise ehrlich gesagt ein wenig wie eine Karikatur wirkt), die mich nicht restlos überzeugt hat. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er nicht weiß, was er mit den Chören auf der Bühne anfangen soll. Ich lege nicht unbedingt Wert darauf, dass am Ende ein blühender Bischofsstab zu sehen ist, oder ein Sarg mit Elisabeth herangetragen wird, da ist vieles denkbar. Dass am Ende nur der sterbende Heinrich und Wolfram auf der Bühne sind, war durchaus interessant, unterm Strich aber schade. Denn so blieb der Chor unsichtbar und damit unweigerlich gedämpft blieb. Ich hatte da das Gefühl, als ob der Regisseur ein bisschen Angst vor dem Überwältigungsmoment hat. Das war mir zuletzt bei Konwitschny in Dresden so gegangen, als er den Pilgerchor zu Beginn des dritten Aufzugs eher wie eine Groteske inszenierte. Schade, ich lass mich bei Wagner eigentlich ganz gern mal überwältigen.

    Insgesamt aber eine lohnende Einspielung.

    Natürlich könnte ich jetzt so tun, als ob es mich überraschen würde, dass in dem hier geäußerten Zusammenhang schnell so etwas wie „Lügenpresse“ im Raum steht. Hier in ihrer Erscheinungsform der (natürlich in Anführungszeichen gesetzten) „professionellen Presse“.


    Also auch hier: Willkommen in der Filterblase!

    Immer nach dem Leitmotiv: Was mir nicht in den Kram oder mein Weltbild passt, wird freundlichstenfalls ignoriert, zumindest verächtlich gemacht und sowieso abgelehnt.


    Das ist in einem Umfeld wie dem hiesigen, das ja der Diskussion, dem gegenseitigen Austausch dienen soll, befremdlich. Aber wie gesagt nicht überraschend. Leider.


    Ich erinnere mich noch gut an meinen wahrlich konservativen Vater, für den es selbstverständlich war, sich auch außerhalb der FAZ zu informieren, und Spiegel oder auch taz zur Hand zu nehmen. Das Überprüfen, quasi Abklopfen der eigenen Position sollte für jedermann mit leidlichem intellektuellem Selbstanspruch natürliche Übung sein. Aber sich permanent in seinem Weltbild bestätigt zu sehen, ist manchem eben doch der befriedigendere Weg. Das ist bedauerlich.


    Zu den Pressekarten: Begreift man die Presse als willfähriges Verlautbarungsorgan der eigenen Befindlichkeit, dann kann man darauf kommen, dass beispielsweise der freie Zutritt zu kostenpflichtigen Veranstaltungen so etwas wie eine Gunst ist, die gefälligst mit gewünschter Berichterstattung einher gehen sollte. Auch das empfinde ich als bedauerlich.

    Ja, lieber Kapellmeister, auch ich fand das Orchester generell gut - glaubte aber (namentlich zu Beginn) einige Wackler zu hören, zudem waren die Bläser auch nicht immer der Meinung, gemeinsam einsetzen zu sollen. Ich fand die Tempi ebenfalls straff, wiewohl ich mir das Vorspiel teilweise noch etwas dringlicher gewünscht hätte. Aber der große Bogen war fraglos da und somit ein erfreulicher Abend gewährleistet.

    Die Sänger hatten daran natürlich großen Anteil. Über Zeppenfeld muss man nichts weiter sagen, da kann man sich nur freuen, wenn er auf dem Besetzungszettel auftaucht. Auch Stephen Gould hat das sängerisch hervorragend gemacht. Dorothea Röschmann erschien mir zunächst atemlos, teils flach, zudem mit der unschönen Tendenz, Vokale zu verfärben; sie wurde jedoch immer sicherer, überzeugender und ausdrucksstärker. Ekaterina Gubanova blieb dagegen für mich blass. Markus Eiche als (zugegeben prominenter) Einspringer war ein Gewinn. Gut gefiel mir Tania Lorenzo als junger Hirt, auch wenn sie als Nicht-Muttersprachlerin manches Wort verfärbte.

    Erstaunlicherweise hatte ich die Inszenierung als solche positiver in Erinnerung. Ich mag Konwitschnys Arbeiten und namentlich der erste Aufzug entsprach dem auch. Aber der Auftritt des Pilgerchors im dritten Aufzug war mir zu sehr ins Groteske gedreht. Und dass sich Elisabeth entleibte, überzeugte mich auch nicht sonderlich (wobei ich mit dem Libretto-entsprechenden Davonwandern in die reine Heiligkeit auch nicht viel anfangen kann), und warum die zuvor derangiert-betrunkene Venus die tote Elisabeth dann in Armen hielt, wurde mir auch nicht klar.

    Aber alles in allem war es ein kurzweiliger und anregender Opernabend. Immer wieder schön, so ein Ausflug nach Dresden!

    ...

    Wenn Du sowieso nicht hingehen willst, wieso sind dann die Kartenpreise so interessant? - Es ist doch klar, dass man für derartige Events deutlich tiefer in die Tasche greifen muss, als für ein normales Abonnementskonzert. Und ebenfalls anders, als bei einem solchen ist beim Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker das Ziepublikum vermutlich ohnehin nicht unbedingt der von Dir angeführte Bildungsbürger und beispielsweise privatwirtschaftlich finanzierte Musials sind da durchaus nicht günstiger. Nicht zu vergessen, dass das "entsprechende System" durch seine steuerfinanzierten Subventionen unsere Theater- und Orchesterlandschaft mit zum allergrößten Teil sehr moderaten Preisen überhaupt erst möglich macht.

    ...

    p.s. Habe jetzt selber geschaut und es sind anscheinend noch (nicht wenige?) 34 Karten verfügbar ...

    Ich habe ja nur darüber geschrieben, dass es mich geärgert hat - dass es dich kalt lässt, ist doch prima.


    Warum es allerdings klar sein muss, dass ein derartiges Konzert in etwa dreimal so teuer ist, wie ein „normales“, leuchtet mir nicht ein. Immerhin werden auch die BPhil - ich glaube mit 20 Millionen Euro p.a. - staatlicherseits unterstützt.

    Es mag ein wenig statthafter Vergleich sein, aber: Wenn ich ein Fußballspiel sehe, live, dann bin ich unmittelbar beteiligt, kann mich im Stadion sitzend, dem Erlebnis als Ganzem kaum entziehen; schaue ich das Spiel zuhause, vielleicht noch als Aufzeichnung, dann sieht das anders aus. Natürlich kann ich im letzteren Fall auch mitgerissen werden - aber doch auf andere, irgendwie akademischere Weise. Und ebenso geht es mir eben auch im Konzertsaal im Vergleich zur häuslichen Abhöre.


    Interessanterweise ist eines meiner intensiveren Konzerterlebnisse eine Mahler II. mit Rattle und den BPhil in Berlin (so unterschiedlich also mögen die Geschmäcker sein). Und es ist ja auch völlig richtig, dass man im Konzerthaus auch mal von Teilen des Programms überrascht werden kann; das Paradies und die Peri hätte ich freiwillig nie gehört, dann habe ich es dank eines Abos doch getan - und nicht bereut - wobei ich anmerken muss, dass ich die Konserve unter Harnoncourt dem Konzert unter Rattle doch vorziehen kann. Gut also, wenn man beides genießen kann. Das intensivere Erlebnis gibt es bei mir allerdings generell im Konzertsaal.

    Ich habe soeben die Homepage der Berliner Philharmoniker besucht. Ich war einerseits erstaunt und andererseits verärgert.


    Erstaunen rief bei mir hervor, dass es immer noch (nicht wenige) Karten für das diesjährige Silvesterkonzert gibt. Das wäre in den Vorjahren meines Wissens undenkbar gewesen. Zu Rattles Zeiten waren diese Karten eine Art Goldstaub und stets umgehend vergriffen. Ich bin überzeugt, dass diese ganze Hängepartie um Petrenkos Start als Chefdirigent dem Orchester nich gut tut. Und ehrlich gesagt bin ich auch nicht davon überzeugt, dass den Berlinern unter Petrenko goldene Zeiten ins Haus stehen.


    Verärgert bin ich, weil ich die Preise für die Karten gesehen habe. Die günstigsten Karten liegen bei 100 Euro, die Preise reichen pro Karte bis 290 Euro. Nun treibt mich nicht viel am Silvesterabend mitten in die Stadt, und mir ist wohlbewusst, dass die Nachfrage den Preis bestimmt und wir in einem entsprechenden System leben - aber das hat mich schon erbost. Und zwar in der Weise, dass ich überlege, die Philharmoniker überhaupt noch zu besuchen, denn hier ist die Grenze zum Absurden deutlich überschritten. Als Melkkuh mag ich mich nicht einmal zu einem besonders festlichen Anlass fühlen.

    Habe die Anregung dieses Threads aufgegriffen, und ein wenig Karajan gehört. Sogar - was ich sonst eher nicht tue - auch mit Bach; weiterhin Strauss (Heldenleben), Berg, Webern, Wagner.


    Leider kann ich seinen Bach-Interpretationen weiterhin nur sehr wenig abgewinnen. Schade, ich hab's probiert. Auch der Strauss war mir zu "schön" (da bevorzuge ich beispielsweise Thielemanns Einspielung, die gerade im Hintergrund läuft). Manches mal scheint mir bei Karajan doch seine Art Filter zum Einsatz zu kommen, der mir zu viel nivelliert, was an Spannung und Dynamik vorhanden sein könnte (für mich: sollte).


    Wie viele andere schätze ich weiterhin sehr seine Musik der Neuen Wiener Schule, die ich immer wieder gern höre. Diese Einspielung ist in diesem Thread bestimmt vielfach genannt worden (ich war - Entschuldigung - zu faul zum scrollen).


    Auch auf diese beiden Wagners möchte ich nicht verzichten:



    Auch das ist nicht originell, ich weiß.


    Im Übrigen bin ich zu einer Zeit groß geworden (Jahrgang 66), als "Karajan" gleichbedeutend mit "Meisterdirigent" war. Das muss einem den Musiker nicht sympathischer machen, mir jedenfalls ging es so. Da war so viel Selbstdarstellung. Als Norddeutscher kommt man damit nicht so gut zurecht.


    Ich kann ihn mir deshalb auch nicht ohne "sein" Orchester, den Zirkus Karajani vorstellen. Das gehörte einfach zusammen - der Dirigent mit dem deutschen Orchester. Ein Dirigent wie ein Papst, unfehlbar und (nahezu) bis ans Lebensende im Amt (gut, Benedikt lassen wir hier mal besser außen vor).


    Und dennoch habe ich zuhause zwei Karajan-Biografien stehen. Warum? Weil er für mein Empfinden so typisch für die Nachkriegs-Bundesrepublik ist. Spannend, seinen Lebensweg mit all den Abkürzungen, Umwegen, Ausflüchten zu verfolgen.

    Lieber Melot, sieh es mir nach, aber ich kann einfach nicht anders: :jubel: :jubel: :jubel:


    Nachdem ich in den vergangenen beiden Jahren vorerlebte, was du heute durchleidest, kann ich diesmal gleich zweimal Vollzug melden. Meistersinger und Parsifal! Ich bin gottfroh!
    Auf die Meistersinger freue ich mich sehr. Früher war das der mir unliebste Wagner, nun tummeln sich die Meistersinger (Kubelik sei Dank!) häufig in meinem CD-Player. Die Inszenierung kenne ich bislang von Youtube und bin gespannt auf das Live-Erlebnis.
    Bychkovs Parsifal-Einspielung ist mir eine der liebsten, sodass ich auch insofern zuversichtlicher kaum sein könnte.


    Dir, Melot, drücke ich nun die Daumen, dass sich alles auch noch zu deiner Zufriedenheit klärt.

    Mal von den üblichen, und ehrlich gesagt gelinde enervierenden Diskussionen zu den ach so entstellenden Inszenierungen abgesehen, steht hinter dem "Hinschmeißen" von Dohnanyi vielleicht doch etwas anderes. Laut "Tagesspiegel" (s. hier) geht es wohl darum, dass es kein Vertrauen mehr in den einspringenden Dirigenten gab; es sich mithin um ein "Hingeschmissen-werden" handelte.

    Heute bei einem Abstecher zu Dussmann entdeckt und glücklicherweise erworben:



    "Kopernikus" ist eine Kammeroper, laut Vivier ein "opéra-rituel de mort". Es geht um das Mädchen Agni, das sich im Zwischenreich von Leben und Tod befindet und verschiedenen Figuren begegnet. Eine handelsübliche Opernhandlung wird man nicht finden. Man sollte sie auch nicht suchen, es reicht völlig, sich der Musik zu überlassen, die zwangsläufig "modern" (Entstehungsjahr 1979) ist, aber niemanden verschrecken sollte - zumal niemanden, der Madrigale oder Messiaen schätzt. Aber schon bei den Hörschnipseln wird man vermutlich schnell herausfinden, ob ein Weiter-Tieferhören gewinnbringend ist.
    Mir gefällt die Aufnahme sehr.
    Die Aufmachung übrigens auch. Schlichte Papphülle, Booklet und CD in schwarzem Seidenpapier geschlagen. Offenbar das erste Produkt des neuen/jungen (?) Labels bastille musique. Alles in allem sehr gelungen. Schön, dass man derlei hören kann!

    Lieber Michael, an dieser Stelle nur ganz kurz: Vielen Dank für deine Einlassungen zu Christian Kracht.
    Ich habe das mit großem Interesse gelesen, da ich Kracht seit "Faserland" verfolge und jede neue Veröffentlichung mit Freude zu mir nehme (wie sonst vielleicht noch bei Norbert Scheuer, Hans-Joachim Schädlich, Christoph Hein, Peter Stamm - ja, eine bunt gemischte Reihe).


    Bei "Faserland" war es vermutlich das mir durchaus bekannte Umfeld, das mich mit Interesse zum Buch greifen ließ. Die Ironie war da schon wesentlich, und blieb es für mein Empfinden auch in allen weiteren Büchern. Wenn sie so wichtig daher kommt, kann sie schnell alles abwerten, da Ironie neben viel Distanz zum Gegenstand auch dessen Nichtigkeit begründen kann. Das empfinde ich bei Kracht aber nicht so, ich lese da eher ein Staunen über die Menschen und ihre Verhaltensweisen, das mir aber nicht abgewendet erscheint.


    Deine Betrachtung ist jedenfalls ein guter Grund, mal wieder einen Kracht zur Hand zu nehmen.


    :hello:

    Durchlebe offenbar eine Schostakowitsch-Phase. Zuletzt mit:




    Nun mit:




    Wunderbar.


    Was mich allerdings umtreibt: Ich bin auf der Suche einer Aufnahme beider Cello-Konzerte. Bislang habe ich die CD (die ich leider nicht darstellen lassen kann) mit dem Cello-Konzert Nr. 1 mit Yo-YO Ma als Solisten unter Ormandy. Und diese Aufnahme


    habe ich gestern geladen. Mit Yo-Yo Ma, den ich solange habe, bin ich zufrieden, es fehlt allerdings Konzert Nr. 2, mit Mork weniger.



    Gibt es Empfehlungen für Aufnahmen beider Konzerte (vorzugsweise auf einem Album). Vielen Dank im voraus!
    :hello:

    Bei mir dies hier:




    Vom Orchester her eine meine liebsten Einspielungen. Kwangchul Youn als König Heinrich bestimmt ein Highlight (Botha ist allerdings - leider - kein Voigt).
    Hatte zuletzt Bychkov auch "live" in der Philharmonie erlebt, via Digital Concert Hall, die ich jetzt doch sehr gern nutze. Unter anderem gab es das Heldenleben, das mit einer Art Überwältigungstaktik gut funktionierte.


    Schönen Sonntag allerseits!

    Hier ist wieder ein weiterer Versuch fehlgeschlagen, in Simon Rattle einen großen Beethoven-Interpreten zu entdecken:




    Immerhin ist die Ausgabe wirklich schön und wertig aufgemacht. Ein Handschmeichler, der außer dem Haptischen aber nicht allzu viel beizutragen hat - gut, das war polemisch und übertrieben. Allerdings: Das Besondere findet man in diesen Einspielungen nicht. Auch vom Klang bin ich enttäuscht, zu breiig, zu dumpf.


    Bleibt also dies meine Referenz:




    So viel lebendiger, drängender!

    Nun zu etwas völlig anderem.


    Schostakowitsch. Ich habe nach etwas gesucht, was ich hören kann, wenn mir Kondraschin zu heftig ist. Ja, da ist Jansons, aber ich freue mich, diese gefunden zu haben:






    Klangschön, satt, dabei nicht weichgespült, sondern ausdifferenziert. Für mich eine alltagstauglichere Alternative zu Kondraschin.

    Beim Hören mit Kopfhörer schließe ich alles andere, Nichtdazugehörige aus und tauche ganz tief in die Welt der Musik ein, fühle mich unmittelbar beim Musizieren anwesend und der Musik ganz nah. Beim Hören mit Lautsprechern werde ich von allen anderen Geräuschen im Raum, in den Nebenräumen oder von draußen abgelenkt und ganz weit von der Musik weg.


    Wenn ich von dem für mich intensivsten Musikerlebnis überhaupt ausgehe, dem Konzert- oder Opernbesuch, so befinde ich während diesem auch in der Welt. Bin umgeben von anderen, die zumindest atmen, mit großer Wahrscheinlichkeit irgendeinen Geruch verströmen, sich früher oder später bewegen, mich also permanent ablenken können. Das tun sie üblicherweise nicht.
    Mich stört jetzt auch nicht der Anblick der Bäume vor dem Fenster. Das ist die Welt und sie ereignet sich permanent um mich herum. Das mag ich. Die Alternative wäre ja (im Extremen), zum Musikhören die Kopfhörer überzustülpen und am besten noch eine Schlafmaske anzulegen. Das wäre nichts für mich. Natürlich mag ich es auch hin und wieder im dunklen Raum zu sitzen und nur Musik zu hören. Es ist aber kein Idealzustand, es ist eine Möglichkeit von vielen.
    Vielleicht ist meine Aufmerksamkeitsspanne auch nur begrenzt. Aber in einem Museum werde ich mir von geschätzt 100 Bildern vermutlich auch nur zehn wirklich genauer anschauen. Alles andere wäre zuviel und letztlich ohne Gewinn für mich. Die Momente also, in denen ich ausschließlich Musik höre, sind dementsprechend ähnlich verteilt (und auch da mag ich mich eben von der Welt nicht völlig abkapseln).


    Hüb'
    Die K+H oder eben Neumann hätte ich auch ganz gern gehört, ich hatte in Berlin nur keinen Laden dafür gefunden (oder nicht hinreichend danach gesucht ;)). Aber Max Schlundt hatte die Genelec im Laden und ich bin nach wie vor außerordentlich zufrieden.