Beiträge von lohengrins

    Wie es einem beim Streamen so ergehen kann: Angefangen habe ich mit Brahms mit Nezet-Seguin, offenbar eine neue Box:



    Dann hab ich mich gefragt, wie Dausgaard das mit dem 4. Satz der 1. Brahms gemacht hat.



    Und da ich das dann doch schon einige Male hörte, hab ich mich dann gefragt, was die dänischen Nachbarn so treiben. Und bin beim Danish National Symphony Orchestra gelandet. Dann einen mir unbekannte Namen gewählt: Per Nørgård.



    Großartig. Jetzt gerade:



    So habe ich mir Nørgård entdeckt. Was für ein Gewinn!

    Hier immerhin Wagner es. Und es "parsifalt" derzeit ganz ordentlich. Nach der Einspielung unter Philippe Jordan aus Wien (Hoffman, Stemme, Zeppenfeld) nun eine Aufnahme aus dem vergangenen Jahr in Bayreuth unter Pablo Heras-Casado (Schager, Garanca, Zeppenfeld):



    Gerade erst begonnen, aber: Der Klang der Aufnahme gefällt mir, sehr räumlich, sehr klar.

    Und so komme ich dazu, nun auch die Musik zu hören. In Bayreuth hatte ich die AR-Brille auf der Nase, was aufgrund der Wärmeentwicklung der Brille angesichts der brüllenden Innenraum-Temperaturen an sich schon ein zweifelhaftes Vergnügen war - leider aber inhaltlich auch wenig beizufügen wusste und mich letztlich von der Musik eher ablenkte. Also besteht Nachholbedarf.

    Vielen Dank für die Schubert-Inspiration! Ich dachte, ich hätte es noch nie gehört, als ich es dann hörte, kam es mir dann irgendwie doch bekannt vor. Ich mochte es.

    Danke vor allem auch astewes für seinen Hinweis auf diese Aufnahme

    Denn der Widmann gefiel mir noch besser.

    Wenn Lohengrins dessen nicht gewahr war, ist er offensichtlich kein Fußballfan.

    Und ich hatte vergessen, von wem der Beitrag stammte. Mein Fehler. Und: Die Episode Faeser-Infantino kannte ich tatsächlich nicht. Nun ja.


    Man könnte im Übrigen auch darüber diskutieren, ob das Schwarz-Weiß der deutschen Trikots nicht auch schon "Zeichensetzeritis" war/ist. Aber was soll's, die neuen pink-blauen Auswärtstrikots sind jetzt schon die beliebtesten Trikots, insofern regeln sich solche Befindlichkeiten wohl erfreulicherweise von selbst.

    Chandler gilt ja als Meister des amerikanischen Krimis, sehr zu Unrecht.

    Weiß nicht. Sein Marlowe ist eben schon ein stilbildender Charakter. Dass die Handlungen teilweise wirr scheinen, liegt mE schlicht daran, dass er sie aus seinen Erzählungen zusammenzimmerte. Dennoch finden ich ihn in punkto Sprachwitz und Humanismus zumindest in diesem Zusammenhang unerreicht. Passagen wie die zu den Blondinen in "Der lange Abschied" (hier im Original) oder zum Gefängnis (hier neben anderen ebenfalls im Original) haben mir stets außerordentliches Vergnügen bereitet oder eben auch zum Nachdenken gebracht. Hammett zB hat die elaborierteren Geschichten, Chandler ist dafür in meinen Augen viel lebendiger.


    Ansonsten lese ich deutlich weniger Krimis als früher. Ich denke, dass mit Mankell etwas Einzug hielt, das mir nicht mehr so gefiel. Und ich meine nicht, dass der Ermittler/Held schwermütig bis zur Depression ist oder Opern hört, sondern die seltsam-sorgsam zelebrierte Brutalität. Wenn Sjöwall/Wahlöö über Verbrechen die Gesellschaft abbilden, wurden die Taten in der Folgezeit so monströs, gleichzeitig so kunstvoll, dass sie alles andere überlagern. Und da bin ich raus. Also lese ich Maigrets, Kayankayas, Selbs, Bäckströms und eben Marlowes. Vermutlich bin ich schon so alt.

    Wenn gestern noch nachwirkt:



    Eigentlich geht es um Beat Furrer, aber dieses Album ist mir in guter Erinnerung, und warum nicht auch noch Kabel und Widmann zu Ferrer dazu hören?

    Furrer deshalb, weil wir gestern in seiner Oper "Violetter Schnee" in der Staatsoper Unter den Linden waren. Uns hat es sehr gefallen. Leider war es schon die letzte Aufführung in dieser Spielzeit, wir wären gern noch mal hingegangen, um den Eindruck zu vertiefen.

    Wir waren auch da.

    Mit Regietheater habe ich keine Probleme, mit Bieito auch nicht. Es hat mich gleichwohl nicht überzeugt.

    Zum einen muss ich wohl einräumen, dass mir der "Lohengrin" die am wenigsten liebe Wagner-Oper ist. Ich hatte den "Lohengrin" lange nicht mehr live gesehen, aber der Eindruck hat sich - nicht mal bei der Inszenierung - geändert. Zunächst also das Problem mit dem Werk an sich. Und ich fand, dass Soddy gerade im ersten Aufzug viel Tschingderassabumm geliefert hat. Ich fragte mich, wo er denn noch hinsteigern will, wenn er so früh schon alles gibt/geben lässt. Überhaupt war mir das Orchester eher zu laut, vielleicht saß ich aber im ersten Rang links auch falsch, weil zu direkt über dem Orchester.

    Wir waren am 21. April in der Aufführung. Vogt konnten wir auch hören. Den mag ich ohnehin, ich finde auch, dass seine Stimme etwas nachgedunkelt ist und wärmer wird, was eine gute Sache ist. Dazu seine absolute Sicherheit in den Tönen, seine Textverständlichkeit - sehr, sehr gut. Darstellerisch berührte er mich hier eher nicht, aber das mag an Rolle und Inszenierung liegen. Camilla Nylund, die wir als Elsa hörten, hatte in etwa die Ausstrahlung einer Rauhfasertapete, ist aber auch vom Typ her schwerlich noch die Unschuld von Brabant. Sie konnte allerhöchstens auf der Bühne herumirren, wenn sie uns nicht frontal ansang. Letzteres gelang ihr namentlich in den leiseren Passagen gut, in der Spitze ist sie eben keine Lise Davidsen. Groissböck machte es gut, schien mir aber ein wenig mit der Regie zu fremdeln, seine Krankheit (Alkoholismus?) wirkte seltsam aufgesetzt. Koch war im ersten Aufzug gut, dann hatte ich das Gefühl, dass er abbaute. Prudenskaya war immerhin sehr lebendig, darstellerisch für mich am überzeugendsten, stimmlich in Ordnung. Kutnys Heerrufer ist tatsächlich eine wichtige Rolle zugekommen. Stimmlich überzeugte er mich weniger, darstellerisch schon, er sprühte Funken. Das Aufschminken des Clownsgesichts fand ich einerseits gelungen, andererseits assoziierte ich den "Joker" damit - solche Querverweise können gelingen, hier blieb ich außen vor.

    Ja, die Inszenierung. Die Personenführung empfand ich als hölzern. Das Bühnenbild ging mir als dauernde Probebühne (oder was auch immer) auf die Nerven, weil es mich nicht ins Spiel zog (aber auch nichts als V-Effekt durchging). Effekte wie ins Publikum gerichtete Scheinwerfer sind nun auch nicht neu. Kinderlosigkeit als Kern des Dramas zu sehen, finde ich interessant. Mir wird das aber nicht dadurch nähergebracht, dass man eine Babypuppe von links nach rechts wirft (Ortrud). Die Videos fand ich als Ergänzung zum Bühnengeschehen auch in diesem Zusammenhang noch am gelungensten. Der Käfig, stimmt, den fand ich zunächst durchaus stimmig, auch für Elsa in der Ehe. Warum dann Heinrich später ebenfalls dort rein musste ... nein, das weiß ich auch nicht.

    Insgesamt ein wenig erfreulicher Opernabend. Aber das mag zum Gutteil an mir liegen. Bis zum nächsten "Lohengrin" lasse ich besser wieder einiges an Zeit ins Land gehen.

    In Vorbereitung auf heute Abend (Staatsoper):



    Heute Abend dann Klaus Florian Vogt als Lohengrin, Camilla Nylund als Elsa, Günther Groissböck als König Heinrich, Marina Prudenskaya als Ortrud, Wolfgang Koch als Telramund. Am Pult Alexander Soddy.

    Zudem ist es - glaube ich - meine erste Calixto-Bieito-Inszenierung. Bin gespannt und vorfreudig!

    Bei Sibelius war doch noch was. Genau, Rattle hatte sich mit seinen (damals seinen) Berlinern an eine Gesamtaufnahme der Symphonien gewagt:



    Hier läuft gerade meine Lieblingssymphonie aus dem Hause Sibelius: die 4. Klingt klasse, lässt mich aber irgendwie unbeteiligt. Mal weiterhören.

    Naja, eins will ich den LP-Freunden schon zugute halten: Freude an der Unvernunft. Denn zweifelsohne ist es vernünftiger, weil bequemer und klanglich zumindest in den allermeisten Fällen (und bei geringerem finanziellem Aufwand) lohnender, modernere Abspielmöglichkeiten zu wählen.

    Es ist schon eine schöne Sache, nicht immer vernünftig zu sein, sich Unvernunft zu gönnen. Und es können kleine Dinge sein, die erfreuen: Ich gönnte mir letztens einen Anzug englischer Fabrikation, und zu meiner Freude gab es im Hosenschlitz statt eines praktischen Reißverschlusses - Knöpfe. Wunderbar, weniger praktisch zwar, aber wunderbar.

    Gerade in Zeiten, in denen (Selbst-)Optimierung ein Muss geworden ist, ergibt es Sinn, auszuscheren, auch zu entschleunigen.

    Dies gesagt, bin ich trotzdem überzeugter Streamer, der sich zuletzt lediglich einen CD-Transporter gönnte, um beispielsweise kleine Label wie Bastille Musique zu unterstützen und alte CDs zu hören, die noch nicht gerippt wurden. Aber eine LP, die käme mir nicht mehr ins Haus. Schon allein, weil meine Abhörkette nicht größer werden soll. Und: Weil LPs mir einfach zu unpraktisch sind;)

    Wenn man wie ich Lehrer ist

    Darauf wäre ich nicht gekommen.;)

    Skeptisch zu sein ohne dass ein Grund für die Skepsis vorliegt ist unvernünftig und sogar schädlich.

    Naja - der Grund wäre hier, dass man kein Messinstrument ist. Du sagst ja selbst, dass es eine "Tagesform" gibt. Oder wie Thomas schreibt:

    Es hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass wir nicht absolut Musik hören können und in das Hören immer etwas Anderes hineinspielt, Erinnerungen meinethalben.

    Finde ich auch.

    Ich habe mich nie von Verkäufern beeinflussen lassen sondern umgekehrt haben mich schon Verkäufer um Rat gefragt, weil ich in solchen Dingen unbestechlich bin.

    Vielleicht bist du doch ein Messinstrument.

    Du wirst nun sagen, dass dich das alles nicht berührt, weil du ja so erfahren bist. Und ab da drehen wir uns notwendig im Kreis.

    qed

    Hallo Norbert!

    Der Trick ist, auf der linken Seite auf der jpc-Homepage nach der Suche "Auch nicht erhältliche Artikel anzeigen" anzuklicken und dann findest Du die Aufnahme.

    Komisch, eben den Trick hatte ich ja angewendet. So hatte ich die Cover-Bilder überhaupt gefunden. Aber wie verlinke ich dann? Ich hatte mit "Bildadresse kopieren" gearbeitet.

    (Entschuldigung für den Exkurs.)

    Lustig, die gibt es auch schon nicht mehr regulär bei jpc:


    0028947798828.jpg


    Hier läuft sie dank Qobuz dennoch. Es "flasht" mich allerdings nicht. Es erinnert mich an "früher", was irgendwie wohlig ist, aber es bewegt mich kaum. Mag an der Aufnahme liegen. Mag an der Musik liegen. Leider überzeugt mich schon der Klang der Aufnahme nicht (es gibt ohnehin nur wenige Aufnahmen mit Thielemann, die in der Hinsicht zufriedenstellen), was es insgesamt nicht besser macht.


    Jetzt lieber weiter mit:



    Friedhelm Döhl. Auf eine merkwürdige Weise beruhigend, dass es dieses Album sehr wohl noch gibt bei jpc. Döhl, der sich selbst als Romantiker bezeichnete, hat als Professor, zuletzt in Lübeck, viel für die Neue Musik getan. Nicht zuletzt hat er eben selbst für mein Empfinden starke Werke geschaffen, in denen er sich auf die Suche nach einer Sprache für die Musik machte, eine neue Sprache, die es nach der Aufgabe der Tonalität zu finden galt. Interessant und weiterführend ist die Homepage Döhls.

    Problematisch wird es nur, wenn die Nixhörer meinen, sich eine höhere Autorität verschaffen zu müssen, indem sie die Tatsache, dass sie nix hören, damit begründen, dass sie "wissenschaftlich" hören und alle Anderen Suggestionisten und Verleugner wissenschaftlicher Erkenntnisse seien.

    Nein. Problematisch wird es auch dann, wenn ein (was ist das Gegenteil eines "Nixhörers"?), sagen wir mal, "Goldohr" (statt "Holzohr", um in den gebräuchlicheren Bezeichnungen zu bleiben) Dinge hört oder zu hören glaubt, die sich eben nur zwischen seinen Ohren manifestieren, und der dann diese höhere Subjektivität zur "höheren Autorität" (v)erklärt. So kann man dann schlichtweg alles begründen - und alles Anderslautende aus dem Weg räumen.

    Das Einzige, was ich wagte anzumerken, war doch, dass ich es vernünftig finde, sich selbst gegenüber skeptisch zu sein. Weil die eigene Wahrnehmung eben auch äußeren Einflüssen unterliegt. Man nehme nur die "Tagesform", die doch in fast allen Bereichen ihre Wirkung hat. Es gibt ja auch geschickte Verkäufer, die bestimmte Gedanken/Wahrnehmungen in dich einpflanzen. Es gibt Hörräume voller Lautsprecher, in denen all die Membranen ein Hörumfeld schaffen, das man in den eigenen vier Wänden nie erleben wird. Und dann haben wir noch die von der Industrie eingeimpfte Grundüberzeugung, dass das Teurere auch das Bessere sein muss.

    Du wirst nun sagen, dass dich das alles nicht berührt, weil du ja so erfahren bist. Und ab da drehen wir uns notwendig im Kreis.

    Es gibt genug andere Menschen, die meine Erfahrungen auch gemacht haben oder ganz ähnliche.

    Geht mir ebenso. Entschuldige, aber das sagt jetzt auch nicht allzu viel aus, nicht wahr? Und ehrlich gesagt geht es deinerseits immer so weiter. Ich habe nicht das Gefühl, dass du auf meine Sätze eingehst. Und im Übrigen übertreibst du, unterstellst mir Dinge, die ich so überhaupt nicht geschrieben habe. Das ist albern. So bringt das nix.

    Liebäugelte damit, im Mai ein Konzert des DSO zu besuchen. Lili Boulanger, Henri Dutilleux - viel Vorfreude. Und dann die Symphonie fantastique, die ich kaum kenne. Soeben angehört



    Nun werden wir wohl doch nicht hingehen. Mit dem Berlioz kann ich nicht viel anfangen.