Beiträge von Melot1967

    Ich habe in diesem Forum noch nichts zu Hildegard Behrens gelesen. Überhaupt habe ich schon länger nichts von dieser Sopranistin gehört. Dabei - so meine Erinnerung - stand sie in Wien "ständig" auf dem Theaterzettel.


    Als Brünnhilde, Elektra, Senta, Isolde oder als Marie in Wozzeck habe ich sie des öfteren erlebt, und ich muss gleich dazusagen: es hat mich nicht immer gefreut, und manchmal war ich einfach nur froh, dass nicht eine andere, ebenfalls berühmte, aber unangenehmere (obwohl - oder weil - lautere) Stimme angesagt war.



    Ich habe einige Aufnahmen im Regal stehen, in denen sie mir wirklich außerordentlich gut gefällt:


    als Agathe im Freischütz (Kubelik; mit einem fantastischen René Kollo, der übrigens gleich-alt ist wie Behrens)
    als Färberin in Die Frau ohne Schatten (Solti; leider mit Domingo)
    als Isolde in Tristan und Isolde (Bernstein; mit Peter Hofmann)


    Nach dem Anhören ihrer Aufnahmen dachte ich immer, dass ich sie live auch gerne mal so toll bei Stimme erleben möchte. Stellenweise war sie auf der Bühne unglaublich gut - darstellerisch sowieso immer äußerst interessant, spannend. Und dann fehlten wieder die Spitzentöne, oder sie klang in der Mittellage oder tieferen Lage als würde sie sprechen oder rufen. Ich war manchmal peinlich berührt, oder ich bekam beim Zuhören selber einen belegten Hals. Nach der Vorstellung gab es immer Bravo-Orkane und Blumenregen. Hatte keiner ein Problem bemerkt? Hatte ich mir nur etwas eingebildet? Oder waren solche stimmlichen Mängel (?) oder gar Ausfälle irrelevant, da es nur auf die faszinierende Bühnenpräsenz ankam (wofür ich ja Verständnis gehabt hätte)? Ich fühlte mich immer ziemlich ratlos und wollte sie auch genau so gerne mögen, aber es klappte nicht ganz, zumindest stellenweise nicht, wenn sie sang.


    Dabei ist sie mir äußerst sympathisch. Und ihre Interviews hörte ich auch immer sehr gerne. Ich fand hochinteressant, was sie (meist zu den Stücken) zu sagen hatte. Weiß jemand, ob sie noch singt?

    Mir haben die Ponnelle-Inszenierungen in der Staatsoper immer gut gefallen. Die haben nämlich auch noch funktioniert, als sie schon etliche Jahre auf dem Buckel hatten.


    Diesen Tristan liebe ich auch sehr. Leider hat das Videoband schon ziemlich bald Tonstörungen gehabt, entweder die Stereo-Spur fällt aus oder es rattert. Hoffentlich gibt es den Mitschnitt inzwischen schon auf DVD. Ich würde ihn mir gerne kaufen.


    Musikverein, 10. Juni 2006
    Radio-Symphonieorchester Wien
    Dirigent: Andrey Boreyko
    Herren des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
    Robert Holl, Bass; Alexei Lubimov, Klavier



    Ich war überwältigt - und das schon von Anfang an. Dabei habe ich "den Pärt" quasi mitgekauft, da ich wegen Schostakowitschs 13. Symphonie hingegangen bin. Arvo Pärt - der bei seinem Stück LamenTate, das 2003 in der Turbine Hall der Londoner Galerie Tate Modern uraufgeführt worden war, gestern anwesend war - gehört jetzt zu "meinen" Komponisten dazu, und ich will natürlich jetzt mehr von ihm hören; neben Schostakowitsch, Dutilleux, Mahler, Debussy und allen anderen, zu denen ich eher spät gefunden habe.


    Schostakowitschs 13. Symphonie, deren Musik sich mir bis zum gestrigen Konzert noch nicht so ganz erschlossen hatte, war für mich eine erschütternde und überwältigende Erfahrung. Robert Holl mit seinem dramatischen Vortrag und der von Johannes Prinz einstudierte Männerchor wurden der Eindringlichkeit der Musik und der Wichtigkeit der Gedichte Jewtuschenkos mehr als gerecht. Das RSO Wien spielte dank Andrey Boreyko hervorragend, allerdings habe ich noch nicht viel Vergleichsmöglichkeit gehabt.


    Das Konzert wurde aufgezeichnet und kommt am Freitag, 16. Juni um 19:30 Uhr im Radio Ö1. Wer Ö1 nicht empfangen kann, könnte es sich via Web-Radio anhören, wenn die Voraussetzungen gegeben sind (schnelles Internet und guter Sound/Kopfhörer). Das Programm läuft nämlich ständig parallel über Internet:
    http://oe1.orf.at ("WEBRADIO STARTEN" klicken)




    v. l. n. r.: Pärt, Schostakowitsch, Boreyko, Lubimov, Holl

    Das Wohltemperierte Klavier finde ich von Bob van Asperen hervorragend gespielt. Die Aufnahme ist echt schön!



    Von Davitt Moroney habe ich neulich wieder die Aufnahme der "Kunst der Fuge" angehört und bin nach wie vor begeistert. Etwas seltsam finde ich (das ist aber kein Problem), dass man bei der Aussteuerung der Aufnahme die hohen Frequenzen so forciert hat - was aber nur bedeutet, dass man beim Abspielen die Höhen (Treble) sehr weit zurückdrehen kann.


    "http://www.altemusik.at/deutsch/oper.php


    Jacobs sagt, sie nehmen "den Innsbrucker Don Giovanni" auf.


    Ob sie da die Vorstellungen aufnehmen? Ich habe vor Monaten Karten für den 18. August ergattert. Leider kommt mir immer vor als wäre ich die einzige Person im Publikum, die nicht hustet, raschelt oder schwätzt. Ich wünsche mir einmal eine Vorstellung, in der das gesamte Publikum mucksmäuschenstill ist und erst klatscht, wenn die Musik verhallt ist, und ich wünsche mir mal eine Live-Aufnahme einer Oper, in der man keinen einzigen Huster hört.

    Zitat

    Original von Gino_Poosch


    Wegen der Schröter unbedingt habenswert!


    Danke für eure Empfehlung für diese Aufnahme. Es ist etwas seltsam, dass ich als Kollo-Fan, der ich früher mal war, als ich Wagners Musik kennenlernte, diese Aufnahme nicht schon längst hatte. Sie ist nämlich höchst erfreulich, und nicht nur wegen der Schröter! Dieser "Parsifal" ist spannend und interessant von Anfang bis Schluss, die durchwegs rasanten Tempi stören mich überhaupt nicht. Für mich, der ich es immer sehr genossen habe, den Parsifal langsam, breit und "weihevoll" musiziert zu hören, ist jetzt dieses andere Extrem ebenfalls hochinteressant. Ich habe den Parsifal in einem durch genossen und hätte ihn gleich noch einmal hören können, aber leider muss ich manchmal auch schlafen.


    Der Gurnemanz ist etwas gewöhnungsbedürftig mit seiner jungen (?) schlanken Stimme (gefällt mir dann aber recht gut), Adam als Amfortas mal sehr passend eingesetzt, Kundry überwältigend, ebenso der Parsifal (inwiefern ist Kollo hier noch mal besser als bei Solti?), die Chöre, und die Bläser (trotz der sehr herben Klänge des Blechs - geht aber gerade noch) herrlich!



    Bei diesem Parsifal ist mir auch ständig präsent, worum es geht, während ich bei anderen Aufnahmen oft vergesse, was eigentlich vorher war und nachher kommt.

    [JPC]6943770.[/JPC]


    Ich hatte diese Aufnahme früher schon oft in der Hand (wegen Kollo), dachte aber jedesmal "naja, muss ja nicht sein". Aber jetzt nach euren Beschreibungen und angesichts des Preises konnte ich nicht widerstehen und freue mich schon, sie anzuhören. Übrigens finde ich die schmale Aufmachung (3 CDs im Format einer 1-CD-Box) genial, und es hat sogar noch das ganze Libretto Platz gehabt.

    Nachdem ihr mich neugierig gemacht habt, habe ich mir heute die 10. Parsifal-Aufnahme besorgt, wenn ich richtig rechne.


    Was ich an der Aufmachung genial finde:
    Sie nimmt im Regal so wenig Platz weg wie eine einzelne CD, und es hat sogar noch ein dünnes Booklet darin Platz, in dem neben Dirk Stöves Aufsatz "Grenzen der Ideologiekritik" auch noch das vollständige Libretto enthalten ist. Das Ganze für 22 Euro.


    Wunderbare Aufnahme vom September 1973 (Amsterdam).


    2 CDs



    oder eine CD mit den Suiten 2, 4 und 6, und ich nehme an, es gibt eine andere CD mit den Suiten 1, 3 und 5. Ich verstehe nicht ganz, warum Sony die gesamten Suiten 1997 noch einmal schön auf 2 CDs herausbringt, und ein paar Jahre später (2005) dann noch einmal so seltsam verteilt auf zwei einzelnen CDs mit nur knappen Infos im Booklet (und zwar nur auf Französisch). Jedenfalls handelt es sich um dieselbe Aufnahme, beide Male tontechnisch einwandfrei.


    Bis voriges Jahr waren die Debussy-Platten von ABM meine Lieblingsaufnahmen von Debussy. Das hat sich voriges Jahr geändert, zumindest was die Préludes betrifft. Da ist jetzt Pascal Rogé mein absoluter Favorit. Seine Préludes (von der neuen CD - es sind auf nur einer CD sowohl Preludes I als auch II drauf!) haben etwas Magisches an sich, das mich stärker als je zuvor in diese Musik eintauchen lässt.


    Ich bin auch ganz begeistert. "Die Kunst der Fuge" finde ich atemberaubend, und bei diesem Werk ist es ja das Paradoxe, dass es desto spannender klingt, je weniger subjektiv es gespielt wird.
    Wer "Die Kunst der Fuge" mit Klavier hören möchte, ist mit Koroliov bestens beraten und bekommt für das teure Geld wenigstens auch noch erstklassigen Sound (im Vergleich zu den Sokolov-CDs).


    Wer Cembalo lieber mag, dem kann ich - um beim Digitalzeitalter zu bleiben - Davitt Moroney wärmstens empfehlen.


    Koroliovs CD mit der Chromatischen Fantasie und Fuge, Frz. Ouvertüre, Ital. Konzert etc. und die CD mit den Inventionen ist auch wunderbar, die Goldberg-Variationen haben da schon eher Konkurrenz.


    Habt ihr die Schubert-Sonate (D. 960) gehört? Auf Koroliovs Schubert und Haydn wäre ich jetzt ja auch neugierig.

    Zitat

    Original von Theophilus


    Wie waren die Hagens?


    Ich mag sie gerne. Das "Quartetto serioso" klang spannend, aber manchmal bei heiklen Stellen von den Violinen nicht ganz sauber intoniert. Stadler-Quintett war toll, Tod und das Mädchen werde ich erst Samstag Morgen anhören.

    Zitat

    Original von uhlmann


    für mich sind telemann, bach's buam (v.a. c.p.e.), oder purcell (obwohl das ein komischer vergleich ist) einfach spritziger, einfallsreicher und kreativer als j.s.


    Das kann ich verstehen. Mir geht es mit den Klaviersonaten von D. Scarlatti so, dass ich sie spritziger und einfallsreicher finde als Bachs Clavierstücke, aber die Scarlatti-Sonaten finde ich allesamt schön oder amüsant, während mich die Bach-Stücke wirklich bewegen, anrühren.


    Damit will ich aber nicht gesagt haben, dass mir das eine jetzt besser gefällt als das andere, denn das hieße in meinem Fall, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ich kann aber verstehen, dass die Musik von J. S. Bach jemand "nicht viel gibt", andere Musik dafür umso mehr, warum denn nicht.

    Durch Glenn Gould bin ich zu Bach gekommen. Da kannte ich noch nicht viel "klassische" Musik und hörte vorwiegend Pop. In meiner Clique war es "in", die Goldbergvariationen mit Gould gehört zu haben - so bin ich neugierig geworden.


    Erst in den letzten Jahren höre ich wieder regelmäßig Bach, und ich muss gestehen, dass ich an seiner Musik für Tasteninstrumente hängengeblieben bin. Für recht viel mehr hat es noch nicht gereicht (außer mal die Cembalo-Konzerte, oder mal die Suiten für Solo-Cello :jubel: ). Dafür habe ich derzeit einen regelrechten Bach-Cembalo-, -Orgel- und -Klavier-Fimmel. WTK, Goldberg-Variationen, Inventionen und Sinfonien, Kunst der Fuge, Englische und Französische Suiten, etc etc. Eben erst Koroliov "entdeckt", höre ich jetzt "Die Kunst der Fuge" mit Moroney am Cembalo und bin ganz aus dem Häuschen, weil ich gerade finde, dass es die beste Cembalo-Aufnahme davon ist, die ich bisher kenne.


    Ich kann sicher sagen, dass ich die Musik von Bach liebe, nicht nur schätze. Ich vermute auch mal, dass sich die Liebe noch steigern wird, wenn ich allmählich mehr und andere Werke kennenlerne, von denen die Bach-Freunde immer so schwärmen. Die Musik von Bach berührt mich - was ich von anderen Barock- oder Frühklassik-Komponisten nicht sagen kann. Es ist auch etwas Erhabenes in der Musik, jedenfalls empfinde ich es als Laie so. Natürlich empfinde ich das auch bei manchen Werken anderer Komponisten, aber im Falle von Bach empfinde ich das auch (oder bis jetzt vor allem) bei Werken, in denen es außer den Noten, die einer strengen Form(el) folgen, gar nichts Anderes gibt. Keine anderen Vorgaben, keine zugrunde liegende Geschichte, kein ausdrucksvolles Zutun des Musizierenden ...


    Die extreme Ausprägung des oben Gemeinten ist für mich bisher "Die Kunst der Fuge". Ich liebe diese Musik und finde sie erhaben, meditativ und anregend-berauschend. Mich würde interessieren, ob sie auch dem ungeübten Ohr so gut gefällt - ich glaube nicht.

    Die Reihung ist nicht wertend.


    Nicolai Gedda
    Fritz Wunderlich
    Johan Botha
    René Kollo (bis zu den 1980-er Jahren)
    Thomas Moser
    Ben Heppner
    Peter Schreier
    Christoph Prégardien
    Francisco Araiza


    Robert Holl
    Bryn Terfel
    Matthias Goerne

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Als "Eau-Sauvage - Bekenner" möchte ich sagen - daß ich es in der warmen Jahreszeit nicht sonderlich als geeignet empfunden habe.


    Für die warme Jahreszeit kenne ich fast nichts Angenehmeres als "Eau Sauvage" (nicht zu verwechseln mit dem unangenehmen "Eau Sauvage Extreme" in der schwarzen Flasche). "Eau Sauvage" verflüchtigt sich nämlich rasch innerhalb einer Stunde, und was bleibt, ist nur eine ganz dezente Ahnung von erfrischender Bergamotte, Vetiver und Basilikum. Aber wirklich nur für jemand wahrnehmbar, der ganz nahe kommt (Sitznachbarin?). Im Vergleich dazu sind die meisten "Düfte", die es heute so auf dem Markt gibt, unangenehm und störend, und man sollte sie eher weglassen, wenn andere gezwungen sind, mehrere Stunden knapp neben einem zu sitzen.