Beiträge von Melot1967

    Seinen eigenen Worten nach wollte Kollo "den Hörerinnen und Hörern einen neuen Zugang zu dem Liederzyklus von Schubert eröffnen". Nach dem Laufpass hastige Flucht und nicht Abschied und Schwermut. Am Ende ein Neuanfang statt Stillstand, "die Stimmung ist eher hell und hoffnungsvoll". - Netter Versuch, aber der Zugang, der sich (sowieso nicht) eröffnet, ist nicht neu. Vielleicht hat Kollo im vergangenen halben Jahrhundert nie seinen Kollegen bei ihren Winterreisen zugehört.



    Schon während der ersten Stücke habe ich mich gefragt: "Was soll denn das?" - so schnell und heruntergeleiert kommt diese "Winterreise" daher. Kollo singt in fast jedem Lied schlampig, lässt manche Noten einfach aus (da klingt er manchmal wie ein Laie, der sich die Noten, die er nicht singen kann, bloß im Geiste dazu vorstellt und hofft, dass es sowieso keiner merkt), und er "verliest" sich manchmal im Text, als hätte er keine Brille aufgehabt. Aber das hat er vor Jahrzehnten in seinen Opernaufnahmen auch schon gemacht.


    Ich hatte mir - obwohl die Hoffnung schon vor mehr als 15 Jahren aufgegeben - von einem altersweisen Kollo mehr erhofft. Man wird unfreiwillig an frühere Opernzeiten erinnert, als es mit der Höhe auch schon nicht mehr klappte und die Stimme nur in der Mittellage sicher klang.


    Wenigstens ist von meinen 15 Euro ein Teil der Deutschen Kinderhilfe zugute gekommen. Laut Begleitheft waren (anno 2003) Kollo, Pohl und RBB Sendesaal gratis, um die Einnahmen aus den Benefizkonzert-Karten und dem CD-Verkauf zu spenden.

    Die Filmmusik ist das, was mich seit 15 Jahren bei vielen (meist amerikanischen, aber in letzter Zeit leider auch deutschen) Filmen am meisten stört. Ich habe das Gefühl, dass sie immer schlechter wird. Besonders wenn sie symphonisch ist und "großartig" klingen will, finde ich sie unerträglich.

    Die Gurrelieder mit Ozawa hatte ich mal als LPs vor allem wegen Jessye Norman gekauft, allerdings gefällt mir McCracken nicht besonders. Jessye Norman sollte ja mit Abbado und den Wiener Philharmonikern im Musikverein auftreten (Eröffnung der Wiener Festwochen, Anfang der Neunziger), es sollte eine Aufnahme gemacht werden. Die gab es dann auch - aber mit Sharon Sweet (die übrigens toll war als Tove) . Jessye Norman sang noch die Generalprobe, aber bei den Aufführungen war sie schon weg ...


    Meine Lieblingsaufnahme ist die mit Sinopoli. Sie gefällt mir noch besser als die mit Rattle. Mit derselben fabelhaften Besetzung wie bei Sinopoli habe ich die Gurrelieder vor etlichen Jahren live erlebt, Pretre dirigierte (die Wiener Symphoniker, glaube ich), und Heinz Zednik sang den Klaus-Narr. Im Herbst gastiert das SWR-Orchester unter Gielen mit "Gurrelieder" im Konzerthaus.


    Sind Gurrelieder, Kindertotenlieder, etc denn überhaupt symphonische Liedzyklen? Die Gurrelieder sind ja gar keine Lieder, eher ein Oratorium (Kantate?)


    Zu meinen Favoriten gehören noch "Das Lied von der Erde", "Vier letzte Lieder", "Lieder aus des Knaben Wunderhorn", und Schostakowitschs "Michelangelo-Suite" op. 145a


    Hallo Sophia,
    das habe ich mir noch gar nicht überlegt, dass es eine Aufnahme geben könnte. Ich habe noch nichts davon gehört. Am 18. August 2006 schaue ich mir in Innsbruck Don Giovanni in fast derselben Besetzung an. Klick mal hier:
    http://www.altemusik.at/deutsch/oper.php


    L. G. aus Wien
    Melot

    Zitat

    Original von Michael_Flaschberger
    Mir geht es ähnlich wie MatthiasR.
    Im Anzug o.ä. gehe ich eigentlich in der Regel nur in Konzerte wenn ich selbst auf der Bühne stehe.
    Mir ist es absolut egal wenn ältere Damen über meine Schuhe den Kopf schütteln o.ä.
    Ich wurde auch mal nicht in die Staatsoper gelassen weil meine Hose zu kurz war ( es war ein heisser Junitag und ich kam direkt von einer 4stündigen Probe ), über solch kindische Regelungen kann ich nur milde Lächeln, dann müsste man eigentlich auch Frauen den Rock verbieten :rolleyes: Naja, so wichtig war mir die Tosca dann doch nicht.


    Da bin ich voll dabei!


    Übrigens, auch wenn man auf der Bühne (bzw. dem Podium) steht, kann man Jeans tragen: Dennis Russel Davies trägt meist schwarze Levis 501 Jeans beim Dirigieren.


    Und wenn Blue Jeans in der Oper, im Konzert und im Theater verboten wären, hätte man den Karl Löbl auch schon oft rauswerfen müssen.


    Wie man an den vielen verschiedenen Meinungen sieht, ist man sowieso am besten beraten, wenn man es selbst so hält, wie man selber gerne möchte. Warum soll ich mich in etwas zwängen, das mir nicht behagt, nur weil die anderen eitel, konservativ und elitär sein wollen? Ja nicht mal meine beiden Guerlain-Parfums Vetiver und Habit Rouge soll ich verwenden, obwohl sie mir ein paar Posts zuvor vorgeschrieben wurden. Hoffentlich ist Eau Sauvage von Dior gestattet, das ich vorwiegend in der warmen Jahreszeit verwende.


    Wenn ich auf meine Weise (schlecht) gekleidet ins Konzert oder in die Oper gehe, bin ich noch lange nicht in Shorts, Schlappen und T-Shirt, gell! Und ich störe das Mit-Publikum sicher weniger als es viele Pfaue, Gockel und bunte Papageien tun, die ebenfalls im Parkett oder auf dem Balkon sitzen. Außerdem huste ich nicht, fotografiere nicht, habe mein Handy nicht dabei, und ich komme nicht mit Alkoholfahne oder Nikotingeruch von der Pause zurück. Das könnte man ja auch mal schätzen an einem Konzertbesucher.

    Im Schostakowitsch- und auch Schumann-Jahr tut sich jede Menge. [SIZE=7]Es fällt nur nicht so auf wie der Mozart-Boom.[/SIZE]
    Wer Schostakowitsch (und Schumann) mag, hat heuer viele tolle Konzerttermine in Wien zur Auswahl.


    www.konzerthaus.at


    www.musikverein.at


    Bei den Symphonien kann ich die Einspielungen mit Haitink (hauptsächlich Concertgebouw-Orchester) empfehlen. Die Quartette sind mit dem Borodin-Quartett hervorragend. Bei Naxos gibt es eine 2-CD-Box mit den Präludien und Fugen mit Scherbakov, sensationell! Und sehr angenehm überrascht bin ich auch von den neuen Soloklavier-Aufnahmen mit Ashkenazy (nicht nur Schostakowitsch, auch Rachmaninov).


    Dem kann ich mich nur anschließen.


    Was mich an Äußerlichkeiten stören würde, wären Kleider, die auffällig leuchten (grelle Farben) oder ständig rascheln (das gibt es!), Armreifen, die ständig klimpern, so viel Haarspray in der Turmfrisur oder Parfum auf dem Hals der Dame vor mir, dass mir nach einiger Zeit schlecht wird. Ich habe mal in der Oper während der Vorstellung eine Frau vor mir gehabt, die ständig in ihrer Handtasche herumkramte. Dann holte sie eine Parfumflasche heraus und sprühte sich rundherum ein (ganz schwungvoll, pf-pf-pf-pf), sodass auch meine Begleiterin und ich dann ebenfalls nach diesem "Duft" rochen.


    Ich bin auch etwas enttäuscht darüber, wie intolerant manche hier sind, was die Kleidung der anderen betrifft. Ich dachte, solche Meinungen gab es nur bis vor 20 Jahren, und da auch nur von pensionierten AkademikerInnen. Es gibt Menschen wie mich, die sich in einem Anzug und mit Krawatte überhaupt nicht wohl fühlen. Ich komme eher unauffällig gekleidet, ziehe ein Sakko drüber, warum soll denn das ein Muss sein, dass man sich fein herausputzt, und wer es nicht tut, der wird nur abfällig betrachtet und dürfte nicht bei so einer Veranstaltung dabei sein? Klingt, als wäre von elitären Clubs die Rede und nicht von Musik.


    Ich denke, jede/r kann so kommen, wie er/sie will; natürlich wollen sich manche besonders schön machen, andere wollen für 6 Stunden Oper aber einfach nur bequem gekleidet sein, ich sehe da kein Problem. Wenn ich zu einer Musikveranstaltung gehe, fühle ich mich mit den anderen Besuchern im Geiste verbunden, da die meisten von uns aus Liebe zur Musik da sein werden und nicht aus Eitelkeit oder Snobismus.

    http://www.tiroler-festspiele.at/


    Im Passionsspielhaus: "Tristan und Isolde" und "Parsifal" (Francisco Araiza als Parsifal). Bruckners Erste, Zweite und Neunte, Beethovens 1., 5. und 9. Symphonie, 3. Klavierkonzert mit Jasminka Stancul, 4. Klavierkonzert mit Davide Cabassi, Mozart-Symphonien. Die letzten Saisonen war der Ring des Nibelungen!


    In der Pfarrkirche: Liederabende (z. B. Francisco Araiza mit Dichterliebe und Winterreise) und Klavierabende (z. B. am 18. Juli Davide Cabassi mit Brahms Händel-Variationen und Schumanns Carnaval)


    Und natürlich die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck:
    http://www.altemusik.at/deutsch/index.php


    Z. B. Don Giovanni mit René Jacobs, Mozart-Klavierabend im Spanischen Saal (Schloss Ambras) mit Andreas Staier am Hammerklavier, u. v. a. m.

    Michael, in deinem Beitrag hast du geschrieben:


    Aus seinen Kritiken sprach eine solch profunde Kenntnis bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.


    Daraus könnte man lesen, dass du meinst, dass dir die Fairness fehlt. Sorry, dass ich dir zu nahe getreten bin. Ich habe es nicht böse gemeint und finde es etwas übertrieben, wie du gleich persönlich wirst.

    Michael, in deinem Beitrag hast du geschrieben:


    Aus seinen Kritiken sprach eine solch profunde Kenntnis bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.


    Daraus könnte man lesen, dass du meinst, dass dir die Fairness fehlt. Sorry, dass ich dir zu nahe getreten bin. Ich habe es nicht böse gemeint und finde es etwas übertrieben, wie du gleich persönlich wirst.

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    die Dritte wurde am ersten Tag von einem völlig insdisponierten (durch eine Tournee übermüdeten) Orchester ruiniert, zwei Tage später war die Klangkultur wieder da, aber von Tiefe, von Interpretation spürte ich wenig


    Ich habe das Konzert im Konzerthaus sehr genossen, auch wenn de Billy sich manchmal sichtlich (aber mit Leidenschaft) abgestrampelt hat, um die Orchestergruppen zusammenzuhalten, aber ruiniert war da nichts. Wirklich indisponiert war nur das Posthorn. Alleine schon durch die bloße Anwesenheit und Ausstrahlung der Sängerin in ihrem riesigen kupferfarbenen Kleid lag auf dieser Dritten ein Zauber (ganz zu schweigen von ihrem wunderbaren Vortrag).

    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    ...bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.


    Michael, du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die dir so fehlt.
    :stumm:

    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    ...bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.


    Michael, du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die dir so fehlt.
    :stumm:

    Printmedien:
    Mein liebster Kritiker im deutschen Feuilleton ist Ulrich Weinzierl, allerdings bespricht er eher Theater/Literatur als Musik. Überhaupt mag ich die Kritiken in deutschen Zeitungen meist lieber als die in österreichischen.


    Ich weiß, man soll über Tote nicht schlecht reden, aber was dieser Franz Endler seinerzeit aufgeführt hat im "Kurier", war wirklich arg. Ein ganz mieser Schreiberling von nichtssagenden Deutschaufsätzchen gespickt mit herablassenden Urteilen über schlechte und "annehmbare" Sänger und über "das dumme Publikum". Jeder Text strotzte von Halb-Bildung, Sprachfehlern und Wichtigtuerei, ständig hat er sich selbst eingebracht - unerträglich! Einmal hat er sogar eine Rezension geschrieben, ohne bei der Veranstaltung dabeigewesen zu sein (ich weiß nicht mehr, was das war). Das ist dann aufgeflogen, und er hat sich entschuldigt - und lange Jahre weitergeschrieben wie eh und je. Dass der so lange schreiben durfte! Naja, vielleicht gab es unter Opern- und Musikfreunden nicht so viele Kurierleser.


    Und der Ton in der Tageszeitung "Die Presse" war zu jener Zeit manchmal leider auch nicht sehr viel besser - hat sich aber sehr verbessert in den letzten 10 Jahren; heute lese ich z. B. die Besprechungen von Wilhelm Sinkovicz meist recht gerne.


    Kennt ihr englische und amerikanische Kulturkritik? Das ist eine ganz andere Welt, gegen die die unsere ziemlich verblasst.


    Euren Karl Löbl fand ich - mit Verlaub - auch nicht immer ganz fit, was seine Sprache und sein Schreiben betraf, und es hat Zeiten gegeben, da hat es mich sehr gestört, dass er sich anscheinend selber auch soo wichtig nahm (jedenfalls kam das für mich so rüber). Heute kommt er mir viel weiser vor (no naa), und das gefällt mir jetzt schon viel besser. Ich glaube, er ist ein großer Kenner des Theaters und der Musik. Übrigens finde ich ihn als Person äußerst sympathisch.

    Printmedien:
    Mein liebster Kritiker im deutschen Feuilleton ist Ulrich Weinzierl, allerdings bespricht er eher Theater/Literatur als Musik. Überhaupt mag ich die Kritiken in deutschen Zeitungen meist lieber als die in österreichischen.


    Ich weiß, man soll über Tote nicht schlecht reden, aber was dieser Franz Endler seinerzeit aufgeführt hat im "Kurier", war wirklich arg. Ein ganz mieser Schreiberling von nichtssagenden Deutschaufsätzchen gespickt mit herablassenden Urteilen über schlechte und "annehmbare" Sänger und über "das dumme Publikum". Jeder Text strotzte von Halb-Bildung, Sprachfehlern und Wichtigtuerei, ständig hat er sich selbst eingebracht - unerträglich! Einmal hat er sogar eine Rezension geschrieben, ohne bei der Veranstaltung dabeigewesen zu sein (ich weiß nicht mehr, was das war). Das ist dann aufgeflogen, und er hat sich entschuldigt - und lange Jahre weitergeschrieben wie eh und je. Dass der so lange schreiben durfte! Naja, vielleicht gab es unter Opern- und Musikfreunden nicht so viele Kurierleser.


    Und der Ton in der Tageszeitung "Die Presse" war zu jener Zeit manchmal leider auch nicht sehr viel besser - hat sich aber sehr verbessert in den letzten 10 Jahren; heute lese ich z. B. die Besprechungen von Wilhelm Sinkovicz meist recht gerne.


    Kennt ihr englische und amerikanische Kulturkritik? Das ist eine ganz andere Welt, gegen die die unsere ziemlich verblasst.


    Euren Karl Löbl fand ich - mit Verlaub - auch nicht immer ganz fit, was seine Sprache und sein Schreiben betraf, und es hat Zeiten gegeben, da hat es mich sehr gestört, dass er sich anscheinend selber auch soo wichtig nahm (jedenfalls kam das für mich so rüber). Heute kommt er mir viel weiser vor (no naa), und das gefällt mir jetzt schon viel besser. Ich glaube, er ist ein großer Kenner des Theaters und der Musik. Übrigens finde ich ihn als Person äußerst sympathisch.

    Es singen viele Pianisten mit. Mich würde das auch mal interessieren, was es damit auf sich hat. Meist ist es ja störend. Bei Glenn Gould CDs bin ich es gewöhnt (er kam mir in seinen Vorträgen im Fernsehen eigentlich nicht besonders "autistisch" vor!), aber später war ich schon überrascht, bei wievielen sich das noch findet. Mein letztes live Erlebnis diesbezüglich war Sokolov: erst dachte ich, in meinem Umkreis wäre ein Zuhörer eingeschlafen, dann bin ich draufgekommen, dass der Pianist selber ständig schnauft und leise grunzt.
    Man höre z. B. auch das gelegentliche kurze Jammern in manchen Aufnahmen von Kissin, oder das ständige Winseln von Alfred Brendel!

    Ich mag ebenfalls diese Aufnahme mit Goerne und Brendel und greife immer wieder darauf zurück. Goerne möchte ich mal live mit der Winterreise erleben. Zuletzt habe ich ihn mit "Die schöne Magelone" (Brahms; Klavierbegleitung: Leonskaja) erlebt. Ich finde ihn spannend, auch wie er sich beim Singen windet, fand ich toll anzusehen.


    Von Fischer-Dieskau kenne ich zwei Aufnahmen (Brendel und Moore), die ich gerne mag. Prey mit Sawallisch mag ich gerne, aber ich finde die Winterreise auch mit Tenor interessant - wenn es jemand gut kann, wie Araiza, Prégardien, Schreier.


    Von Frauen gesungen gefällt es mir weniger, aber absolut überzeugend finde ich Brigitte Fassbaender mit der Winterreise - die Aufnahme mit Aribert Reimann ist doch fantastisch! Live habe ich die Winterreise erst einmal mit einem Mezzo gehört: Christa Ludwig (Pianist weiß ich nicht mehr), im Musikverein. Ich muss gestehen, dass ich nie so richtig ein Fan ihrer Stimme war (umso mehr aber ein Fan ihrer Darstellungskunst), aber ihr Leiermann hat mich noch lange verfolgt. Seit damals finde ich, dass es bei der Winterreise um jemand geht, der am Ende total resigniert. Allerdings finde ich nicht, dass er sich unbedingt umbringen will. Man weiß nicht wie es weitergehen wird. Man darf sich doch auch mal so gehen lassen, um sich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzurappeln und wieder einen helleren Horizont am Himmel sehen.


    Für mich geht es in der Winterreise hauptsächlich um Verlust und Alleinesein (mehr im Sinne von einzeln sein, draußen sein, nicht unbedingt als Leiden an der Einsamkeit, oder wenn, dann eher selbstmitleidig). Jedenfalls kann ich manche Stationen nachvollziehen, sehe aber nicht alles so tiefschwarz. Es zieht sich eine Trostlosigkeit durch das Werk, aber für mich hat es nicht so sehr mit dem Tod zu tun. Vielleicht eher mit dem Tod anderer (also mit Trauer), aber nicht mit dem eigenen bzw. dem des Herumwandelnden.

    Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen ich depressiv war und ich fast jede Musik unerträglich fand. Ich wollte Musikhören, musste aber alles nach ein paar Takten abbrechen. Debussy Klaviermusik war dann die einzige Musik, die ich gut leiden konnte.


    Später fand ich dann auch zu Bach, vor allem "Die Kunst der Fuge" (und ähnliches) bewirkte, dass ich mich besser fühlte. Bei dieser Musik gerate ich überhaupt immer in einen angenehmen, etwas tranceähnlichen Zustand.


    Wenn ich mal nicht weiß, was ich hören möchte, komme ich drauf, dass ich mich nach Stille sehne. Ich fahre bei Schönwetter in den Lainzer Tiergarten, steige auf die Hubertuswarte, überblicke die Wälder Wiens und genieße, dass man dort rein gar nichts von den Stadtgeräuschen hören kann.

    Ich nehme an, mit "erste Liga" sind die besser vermarkteten Namen gemeint. Mir fällt zu dem Thema sofort die neue Parsifal-Aufnahme ein, die mir weit weniger gut gefällt als das, was seinerzeit nach der Premiere erstmals im Radio kam: Mit Botha, Holl, Quasthoff, Denoke und Runnicles fand ich diesen "Parsifal" weitaus besser als "Domingo, Meier, Thielemann, etc." und dabei war das nicht nachträglich fein abgemischt sondern die pure Live-Situation, die da im Radio kam.


    Der Vergleich hinkt vielleicht jetzt deswegen etwas, da ja beide genannte Riegen erste Liga sind (oder??), aber aus der späteren Konstellation wurde hochtrabend eine Aufnahme herausgebracht.


    Live ist es doch ständig und überall auf der Welt so, dass kaum bekannte Musiker zusammenkommen, die ganz genau so gut musizieren wie die best bezahlten Dirigenten, Musikern und Sänger der Welt. Man denke nur an Kollo und Jones, die noch in den neunziger Jahren als Tristan und Isolde auf den Bühnen (zumindest Berlins) standen - schlimm! - während anderswo auf kleineren Bühnen abseits von Metropolen bessere Tristane und Isolden sangen, die jedoch sozusagen einer niedrigeren Kaste angehörten und einem Ensemble verbunden waren und sich nicht verheizen ließen.


    Als Sternstunden-Aufnahme fällt mir relativ aktuell dieses Sternstundenkonzert vom Konzerthaus ein, von dem es glücklicherweise eine CD gibt:



    Für mich steht Rogé ganz weit oben auf meiner "Liste von Top-Pianisten", noch weit über manchen recht glänzenden Namen. Und für mich ist das RSO ein Spitzenorchester, genau wie die Symphoniker, die NÖ-Tonkünstler, oder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, aber ich glaube, für viele ist das alles nur zweite Liga. Diese Schubladisierung gibt es eigentlich gar nicht wirklich. Aber viele Konsumenten brauchen das anscheinend, weil sie ihrem eigenen Geschmack nicht vertrauen.

    Zitat

    Original von tastenwolf



    kann ich bestätigen... wenn ein Thread mehrere Seiten hat, quäle ich mich nur selten durch den gesamten Inhalt, obwohl ich sehr schnell lese...


    Kann ich nicht bestätigen.
    Wenn mich ein Thema sehr interessiert, vor allem wenn es so viele aussagekräftige Beiträge dazu gibt, ist es alles andere als eine Qual für mich, mich durchzuschmökern, und ich suche mir sehr wohl den Anfang des Fadens und lese einen Beitrag nach dem anderen - und wenn ich es auf drei Etappen mache. Herrlich!

    Die habe ich einfach so mitgekauft, weil sie billig war (6 Euro), und jetzt habe ich große Freude damit, weil mir Schreier, den ich sonst nie so mochte (außer als David in den "Meistersingern") so gut gefällt. Und Shetler ist auch gut.




    Diese Doppel-CD finde ich etwas enttäuschend, da sie zwar als ihre neueste CD zur "Tournee" gehandelt wird, aber lauter alte Aufnahmen drauf sind, also nichts, was extra aufgenommen wurde. Trotzdem wollte ich sie haben, da auf der 2. CD ein Großteil des Programmes ihres Liederabends drauf ist - wenn auch z. T. die Orchesterfassungen, je nachdem, was halt schon von ihr auf dem Markt war. Außerdem sind ein paar Stücke drauf, die ich auf keiner anderen CD habe. Ihr müsst mal im Laden schauen, was auf dieser CD für ein Aufkleber klebt!
    :stumm:

    Misha:


    hier kannst du ein aktuelles Interview anschauen:
    [URL=http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/8/0,4070,3919720-6-wm_dsl,00.html]http://www.zdf.de/ZDFmediathek…,3919720-6-wm_dsl,00.html[/URL]


    Ist ihr Deutsch nicht entzückend?


    Die Aufmachung der Covers gefällt mir nicht, ist aber derzeit Mode, wie du weißt. Ich habe sie bei ihrem Liederabend neulich in Wien erlebt. Sie ist noch ganz normal, nur älter. Und schlank war sie ja auch schon öfter. Übrigens ist sie nicht schlank - aber eben *vergleichsweise* schlank.
    Worunter die Stimme am ehesten leidet, ist, wenn sie mit Rückenschmerzen singen muss, würde ich sagen. Wie sie auf die Bühne gekommen ist, war ich erst mal darüber schockiert, dass sie schief geht und humpelt. Aber der restliche Abend war, wie gewohnt, magisch.