Beiträge von Melot1967

    Eins A!






    Wer schon mal das seltene Glück hatte, in einem Liederabend eine gute Darbietung von Schostakowitschs Michelangelo-Suite op. 145 (1974) zu hören (auf Russisch, mit Bass/Bariton und Klavier) und seither eine Aufnahme sucht, obwohl es angeblich derzeit keine Aufnahme im Handel gibt: hier ist sie.



    überwältigend

    Ich finde auch, dass es eine persönliche Sache ist, jemand nicht zu mögen - obwohl ... bei Lawrence Foster hat es mir wirklich noch nie gefallen, wenn er dirigiert hat.


    Ich habe gegen diese drei eine große persönliche Abneigung, ich finde/fand sie unerträglich. Vielleicht bringt es dieser Beruf mit sich, dass man sich selbst überschätzt - aber gleich fällt mir ein Gegenbeispiel ein: man muss sich nur den Unterschied anschauen und anhören, wenn Abbado spricht und wenn Muti spricht: Abbado absolut überzeugend und authentisch, Muti vergleichsweise ungebildet und selbstverliebt.


    Bei Karajan bin ich sehr im Zwiespalt. Einerseits völlige Abneigung, andererseits gibt es manche Ergebnisse, für die ich ihn verehre (Meistersinger mit Kollo, Adam, Schreier). "Karajan" ist schon etwas lange her, aber ich vergesse nicht die lächerlichen Videoaufnahmen im Musikverein mit den Statisten statt echtem Publikum (z. B. bei Bruckner-Symphonien), aber es hat dann ganz gut zu den langweiligen musikalischen Ergebnissen gepasst. Vieles von Karajan finde ich einfach nur lähmend. Da bringt es mir auch nichts, wenn es "klangschön" ist. In manchen Phasen hätte ich über Karajan gesagt, "wer braucht den". Es gab musikalisch gesehen viele wichtigere und bessere Dirigenten.

    Ich besitze einige der genannten Aufnahmen. Die Böhm-Aufnahme mit Norman/Fassbaender/Domingo/Berry habe ich immer gerne gemocht. Eine Zeit lang hörte ich nur Bernstein (Wiener Staatsoper 1979 oder 1980 - mit Jones/Schwarz/Kollo/Moll), da ich sie spannender fand und ich auch diese Live-Atmosphäre gerne mochte, schätzte dann aber die Böhm-Aufnahme wieder mehr. Die ist was für die Ewigkeit, so wie manche andere solide Produktion von Böhm.


    Mittlerweile höre ich viele Aufführungen gerne, ich habe gar kaum Präferenzen mehr in irgendeine Geschmacksrichtung, solange es (für meine Ohren) gut musiziert ist. Ich finde Harnoncourt sehr interessant, auch Gardiner, Wand, die genannte legendäre Klemperer-Aufnahme mit Christa Ludwig (die CD habe ich aus einer "Klemperer-Edition"-Schachtel, die ich mal von einem Bekannten aus Virginia geschickt bekam), Giulini mit den Berliner Philharmonikern (1990), Abbado ebenfalls mit den Berliner Philharmonikern (die spätere). Am schönsten ist es natürlich live.


    Gibt es mit Abbado und dem Luzerner Festival Orchester eigentlich schon eine Neunte? Wie sind denn diese Aufnahmen von dort so?

    Diese Parsifal-Produktion ist zweimal im Radio übertragen worden. Einmal zur Premiere am 10. April 2004, mit Donald Runnicles, Johan Botha, Robert Holl, Thomas Quasthoff und Angela Denoke, und dann am 30. Juni 2005, wo die CD-Aufnahme geplant war eben mit Thielemann, Domingo etc. (bzw. zog man mehrere Vorstellungen heran - ich weiß nicht, wie oft zu Saison-Ende Parsifal spielte).


    Die erste Staffel habe ich dann auch live gesehen. Mit Thielemann kenne ich es nur vom Radio, und da war es mir zu laut, und es fehlten mir Holl, Botha, Quasthoff, und Denoke als Kundry! Ich war sicher, dass das ganze beim Abmischen dann noch so richtig aufgepeppt werden würde vom Klang her. Aber wenn es die Vorstellung nicht hundertprozentig bringt (immerhin ist das eine interessante Inszenierung, die seinerzeit ja auch präzise geprobt war - gemeint ist anlässlich der Premiere 2004), und ein dementsprechendes Publikum drinnensitzt, das zum Teil nur auf die Stichworte "Thielemann, Domingo und 30. Juni" seine Karten kaufte (oder sie sich schenken ließ) - ich glaube, diese Vorstellung hatte sogar eine eigene Bezeichnung bzw. besondere Preise, aber vielleicht fantasiere ich jetzt; dazu noch sommerliche Temperaturen, und schon kann man sich vorstellen, was das da drin für ein Gehuste war.


    Die Plattenindustrie freut sich trotzdem.
    (Freut die sich eigentlich, oder sind solche Klassik-Aufnahmen nur noch Alibi?)


    P. S.: Im Radio kam es das erste Mal am 10. April, die Premiere war aber am 8. April 2004, sorry.

    Schostakowitschs Michelangelo-Suite op. 145 für Bass und Klavierbegleitung (oder op. 145a mit Orchesterbegleitung), komponiert 1974, ein Jahr vor Schostakowitschs Tod, ist ein Liederzyklus, der einen Lebenszyklus schildert. Der Tod kommt ganz normal am Ende - jedoch wird der Tod schon früh immer wieder erwähnt.


    Nichts für Anfänger!


    Es gibt kaum Aufnahmen. Da Holl und Maisenberg damit getourt sind, hoffe ich, dass mal eine CD von ihnen kommt. Neulich hörte ich eine CD mit Fischer-Dieskau (auf Italienisch), das war nicht auszuhalten.


    Heute habe ich diese Aufnahme in einem Laden gefunden. Leider teuer, aber ich hatte Glück. Die Aufnahme von op. 145 ist hervorragend! Den Zyklus "Jewish Folk Poetry" habe ich noch nicht gehört.




    Die Titel der 11 Gedichte lauten


    Wahrheit
    Morgen
    Liebe
    Trennung
    Zorn
    Dante
    An den Verbannten
    Schaffen
    Nacht
    Tod
    Unsterblichkeit


    Das Klavier beginnt bei "Wahrheit" und "Tod" genau gleich mit nur einer Stimme. Die Singstimme ist bei allen Gedichten streng deklamatorisch. Bei "Unsterblichkeit" nimmt die Musik versöhnliche Töne an.



    Darf ich vielleicht die letzten beiden Gedichte zitieren, da viele das Werk nicht kennen werden:



    Tod


    Es kommt der Tod, doch fraglich ist die Stunde,
    Ich weiß nur: kurz bemessen ist die Zeit;
    Den Sinnen tut es um das Dasein leid,
    Die Seele fühlt sich mit dem Tod im Bunde.


    Blind ist die Welt: wen mag es denn schon sorgen,
    Wenn böses Beispiel bess'res Tun verdrängt?
    Wie hoffnungslos uns Dunkelheit umfängt:
    Die Lüge herrscht, die Wahrheit bleibt verborgen.


    Wann kommt, oh Herr, wofür wir es gewagt,
    Dir gläubig zu vertrau'n? Dies Darauf-Harren
    Verstärkt das Unheil, bringt der Seele Tod.


    Was hilft uns Licht, wenn, längst bevor es tagt,
    Der Tod herannaht, wenn wir jäh erstarren,
    Wie er uns trifft, in Schande und in Not?



    Unsterblichkeit


    Es sandte mir das Schicksal frühen Schlaf.
    Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume:
    Ich leb' in euch und geh' durch eure Träume,
    Da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.


    Ihr glaubt mich tot. Doch dass die Welt ich tröste,
    Leb' ich mit tausend Seelen weiter dort
    Im Herz der Freunde. Nein, ich ging nicht fort:
    Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.



    Michelangelo Buonarroti (1475-1564)
    Deutsche Nachdichtung: Jörg Morgener

    Ich finde auch Stücke wie Schumanns "Dichterliebe", von Hammerklavier begleitet, wunderbar. Die Aufnahme mit Staier und Prégardien ist doch herrlich frisch! Ich könnte jetzt auch nicht vergleichen, was mir besser gefällt. Es ist beides gleichwertig, vorausgesetzt es ist die Art Instrument, die der Musiker am besten beherrscht.


    Siegbert Rampe spielt alle Keyboard-Stücke von Mozart ein. Bisher gibt es 3 CDs. Er hat gesagt, es wird 12 geben. Er verwendet verschiedene alte bzw. nachgebaute Instrumente (Cembalo, Clavichord, Hammerklavier). Ich bevorzuge bei Mozart Staier, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich Staier schon öfter mit Mozart gehört habe (auf CD) und dass Staier kein Clavichord verwendet, das ich ja überhaupt nicht mag.


    Dafür finde ich Rampes Bach umwerfend, aber da wären wir bei einem anderen Thema.

    Ich muss bitte vorausschicken - vom Klavierspiel her ist sie eine meiner liebsten Schumann-CDs. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, wie man bei einer Studioaufnahme (zumal bei solchen Prestige-Marken wie Philips und Brendel) 1980 bis 1981 solche Störgeräusche mit aufnehmen konnte und die Aufnahme dann freigab. Ich meine, die sind doch absichtlich zu Aufnahmen zusammengekommen, oder? Ich würde darüber hinwegsehen, wenn es sich um "zufällig" bzw. routinemäßig mitgeschnittenes Material handelt, zum Beispiel von einem Konzert, das dann später mal freigegeben wird.



    Schon beim Einschalten der CD, also sobald sich der erste Track anlässt, gibt es ein Fade-in (wie von Schallplatte aufgenommen und erst mal den Aufnahmeregler weit aufgedreht), sodass man die Bässe zurückdrehen muss, obwohl noch gar keine Musik spielt. Das Rumpeln, das viele von uns von den Schallplatten kennen, sobald einmal die Nadel auf die Scheibe aufgesetzt hat, bleibt ziemlich konstant bis zum Ende des jeweiligen Zyklus - der unfreiwillige Vorteil dabei ist, dass man weiß, dass z. B. jetzt Kreisleriana zuende ist und bald der nächste Zyklus kommt.


    Das hochfrequente Grundrauschen bemängele ich nicht - die Aufnahme ist nicht digital. Allerdings ist dieses Rauschen - im Gegensatz zu vielen anderen nicht digitalen Aufnahmen nicht konstant.


    Manchmal gibt es hörbar einen Luftzug von einem Gebläse, man hört auch deutlich Ventilatoren, die anscheinend mittendrin eingeschaltet werden. Und um auf meinen Titel zurückzukommen, manchmal hört man einen Lastwagen vorbeifahren. Oder ist es die U-Bahn - wie neulich mal jemand geschrieben hat.


    Ich kenne Störgeräusche auch auf vielen anderen Studioaufnahmen, allerdings älteren Datums. Ich glaube, bei einem Lohengrin war es, wo ich mitten im Höhepunkt der Gralserzählung immer einen LKW um die Ecke biegen hörte. Ich vermutete immer, dass das an den alten Originalbändern lag, deren Magnetschicht an genau der Stelle vielleicht gestört wurde, bis eben ein Taminoaner mal schrieb, es gäbe Studios, unter denen die U-Bahn durchfährt. Wir in Wien kennen das ja auch live - an der Volksoper fährt die Straßenbahn vorbei, egal ob man es während der Vorstellung hören will oder nicht. Es ist ein ganz tiefes Rumpeln.


    Ich finde, wenn irgendwelche legendäre Studios irgendwann von Autobahn und Eisenbahn umgeben sind und diese und irgendwelche veralteten technischen Anlagen im Hause sich auf feinen Klassikaufnahmen verewigen, dann wäre es doch an der Zeit, dass das Studio in ein anderes Haus umzieht.


    Sie ist trotzdem eine meiner Lieblings-CDs, aber ich würde das Phänomen gerne verstehen. Bin ich nur zu empfindlich? Ich sagte ja schon, ich nehme gern vieles in Kauf - nur halt nicht in jedem Fall.

    Es ist zwar schon die Saison 2005/06 - sie ist noch nicht vorüber, und dennoch kann ich mir vorstellen, dass mich bis zum Sommer nichts mehr auf solch eine eigene Weise beeindrucken wird wie der Liederabend von Jessye Norman am Donnerstag Abend.


    Im ersten Teil gab es die "Lieder eines fahrenden Gesellen", dann einige Strauss-Lieder: "Heimliche Aufforderung", "Ich trage meine Minne", "Befreit", "Allerseelen", und besonders beeindruckend "Im Abendrot".


    Im zweiten Teil gab es sechs "Brettl-Lieder" von Schönberg, erwartungsgemäß ein besonderes Vergnügen. Zuletzt Lieder von Ravel und Berlioz, von letzterem "Le spectre de la rose" und "Sur les lagunes", deren Vortrag ich überwältigend fand.


    Als Zugaben kam "Zueignung" (R. Strauss), die Habanera aus "Carmen", und - auf einem Stuhl sitzend - "Summertime" aus Gershwins "Porgy and Bess", zuvor noch so einen amerikanischen Klassiker (weiß leider nicht, was es war).


    Der Kritiker, der für die Tageszeitung "Die Presse" berichtet hat, spricht davon, dass die Stimmbänder den Zenith hörbar schon längst überschritten hätten. Ich finde es geschmacklos, wie sich dieser Schreiber zu Jessye Normans Stimme äußert. Von einer Besprechung dieses Abends würde ich mir einen etwas intelligenteren Text erwarten.
    http://www.diepresse.com/Artik…el=k&ressort=ke&id=550817
    Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, was er über die Klavierbegleitung von Mark Markham schreibt, die meiner Meinung nach ideal war, weil Mark Markham völlig im Dienste der Sängerin stand. Mit seiner Begleitung konnte Jessye Norman ihren magischen Vortrag entwickeln.


    Unübersehbar machten ihr die Rückenprobleme zu schaffen. Souverän überspielte sie Schmerzen, schiefe Haltung und hinkenden Gang. Im Bereich der Bühnentüre waren mehrere Paravants aneinander gereiht, damit sie zwischen den Programmen nicht zehnmal die Treppen hinauf und hinunter gehen musste sondern im Eingangsbereich auf der Bühne bleiben konnte und nur wenige Schritte hin- und hergehen musste. Ich habe den allergrößten Respekt vor dieser großen und ernsthaften Künstlerin, der einzigen wahren Diva unserer Zeit. Der Liederabend war traumhaft schön!


    Leider saßen im Publikum einige hartnäckige Huster. Ich denke, solche Ignoranten muss man einkalkulieren, wenn ein großer Name angesagt ist. Die kommen eben nicht wegen der Musik. Andere fotografierten ungeniert, obwohl Jessye Norman ausrichten ließ, dass sie das nicht wünscht. Es ist unglaublich, mit was für Idioten man sich so ein schönes Ereignis teilen muss.

    Ich habe dieses Konzert auch sehr genossen. Es war ein sehr schöner Moment, als beim Applaus nach dem Dutilleux-Stück der Dirigent de Billy in die Mitte des Parketts zeigte, ein Scheinwerfer dann dort hinfolgte, und da stand der Komponist, der dann nach vor geholt wurde.


    Ich muss gestehen, dass ich so ein Wiener Banause bin, der fast nie französische Orchestermusik hört. Der Konzertbesuch hat sich aber wirklich gelohnt, mich hat alles von dem Programm begeistert, und es wurde erstklassig musiziert, alle Achtung. Auch wenn ich jetzt banal bin, aber ich habe mich auch auf diese satten Orgelbässe gefreut, die im langsamen Teil der Orgelsymphonie kommen. Wo sonst, wenn nicht live in einem Konzertsaal, könnte man diesen Sound erleben - und spüren!

    Am 26. März war ich beim Liederabend von Robert Holl im Konzerthaus (Mozartsaal). Am Klavier begleitete Oleg Maisenberg.


    Im ersten Teil gab es Schumanns "Dichterliebe", im zweiten Teil Schostakowitschs "Michelangelo-Suite" op. 145 (in Russisch gesungen).


    Zu Beginn der "Dichterliebe" war ich etwas irritiert ob der extrem langsamen Tempi. Ich dachte, vielleicht hätte ich in letzter Zeit nicht so oft die herrlich frische Aufnahme mit Prégardien/Staier hören sollen.
    Aber mir wurde schnell klar, dass diese Langsamkeit viel Sinn machte. Der Vortrag geriet zum schaurig-schönen, manchmal sehr zärtlichen und manchmal erschütternden Seelendrama, und Pianist und Sänger waren ganz gleich stark daran beteiligt, Maisenberg mit seinem äußerst eindringlichen Spiel und Holl als feiner und sympathischer Darsteller mit seinem ganzen Körper und mit seiner riesigen Stimme, mit der er trotzdem auch im Pianissimo noch perfekt feine Bögen singen konnte. Wunderschön!


    Das Programm des zweiten Teiles war äußerst anspruchsvoll und aufwühlend, ich bin immer noch nachdenklich, wenn ich mich daran erinnere. Schostakowitsch schrieb die Suite op. 145, als er schon schwer krank und fast am Ende seines Lebens angelangt war. Er vertonte 11 Gedichte Michelangelos, die einen Lebenszyklus darstellen sollen, von Wahrheit und Geburt bis Tod und Unsterblichkeit. Die Inhalte sind zeitlos und aktuell, sie waren es vor 500 Jahren und sie sind es heute. Es wird angeklagt, aufgerüttelt, die Wahrheit ausgesprochen, ja herausgeschrieen - wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was tun die Menschen der Erde an, was tun sie einander an, warum verschließen sie sich, lassen sich knechten und werden Mitläufer in einem bösen Spiel anstatt aufzustehen und für Recht zu kämpfen ...
    Holl sagte am Ende: "Nach diesem gewaltigen Programm passt eigentlich nur eine einzige Zugabe, und das ist ein Lied von Schostakowitschs Lieblingskomponisten Mussorgsky ..." - Leider habe ich den Titel vergessen, aber es war ein sanfter Ausklang, wie ein Wiegenlied.


    Ich hätte zu gerne eine Aufnahme dieser beiden Werke. Die "Dichterliebe" habe ich mit Robert Holl, aber sie ist schon ca. 15 Jahre alt, und ich möchte sie unbedingt noch mal mit Maisenberg hören. Von der Michelangelo-Suite finde ich überhaupt kaum Aufnahmen. Es gibt einige Aufnahmen mit Orchesterbegleitung, und es gibt eine mit Fischer-Dieskau (in Italienisch gesungen) und Reimann am Klavier, aber ich werde mir nach diesem Erlebnis sicher keinen Fischer-Dieskau auf Italienisch anhören.

    Mein Avatar stellt Domenico Scarlatti dar. Ich liebe seine "Sonaten", die er erst spät im Leben geschrieben hat (da war er dann sehr dick, glaube ich), und ich finde es etwas unheimlich, dass er im selben Jahr geboren wurde wie J. S. Bach und G. F. Händel: 1685.


    Zitat

    Original von Carola


    Ich habe mal im Fernsehen einen Dirigenten sage hören (war es Barenboim, ich bin nicht sicher), dass er die Qualität des Publikums nach der Zeit abmesse, die zwischen letztem Ton und erstem Klatschen vergeht. Das kann ich gut nachvollziehen.



    Abbado sagt so etwas Ähnliches in der biographischen Dokumentation "Die Stille hören", die es auf DVD gibt. Ein Klasse Film! Seit ich diesen Film gesehen habe, denke ich bei jedem Konzert, in dem unmittelbar beim Ende eines Musikstückes applaudiert wird, es wäre halt ein Ausdruck von Respekt gegenüber den Künstlern und den anderen Konzertbesuchern, einige Sekunden verstreichen zu lassen. Sofort zu applaudieren finde ich genau so unnütz wie bei einer besonders lauten Stelle ein Foto zu machen. Besonders krass ist es bei italienischer Oper, wo mittendrein geklatscht wird. Besonders störend finde ich es bei intimeren Stücken - da kommt es mir wirklich vor wie wenn der Musiker geohrfeigt würde durch so ein "Braaaaavo!" gleich am Ende der Musik. Zwischen den Sätzen husten und sofort nach der letzten Note klatschen, warum eigentlich? Zeigt man damit, dass man das Stück "kennt"?
    :rolleyes:
    Zumindest sollte man warten, bis der Schall wirklich vollständig verhallt ist und die Musiker von den Instrumenten ablassen (ist meine Meinung).

    Die Meistersinger von Nürnberg habe ich auch sehr gerne. Im Februar bin ich extra nach Innsbruck gefahren, weil dort die Oper zum letzten Mal aufgeführt wurde. Und da immer irgendwas schief gehen muss, kam Frau Fassbaender (in schwarzen Lederhosen und im Aussehen ganz gleich wie vor 20 Jahren) vor den Vorhang und erklärte, dass der Stolzing keine Stimme hätte, sie aber einen Tenor auftreiben konnte, der gerade aus Oslo eingeflogen wurde und vor langer Zeit mal die Partie sang und daher nicht auf die Bühne könnte, sondern auf der Seite stehen würde mit den Noten, während der Stolzing auf der Bühne spielen und Mundbewegungen machen würde. Also ich habe sehr gelitten, dem stummen Mann mit den Mundbewegungen zuzuschauen und blieb ziemlich bald an dem Tenor auf der Seite hängen. Schade, dass ich mir den Namen nicht gemerkt habe, denn so einen Tenor hätte ich mir immer für diese Partie gewünscht. Anfangs dachte ich, es hätte mich nicht gestört, wenn er sich auf die Bühne gestellt hätte und nur herumgestanden wäre in dem hässlichen Bühnenbild. Später stellte sich heraus, dass das wirklich unklug gewesen wäre, denn es gab schließlich doch eine recht gute Regie, auch für die Partie des Stolzing. Trotzdem ein schöner Theaterabend, nettes Publikum, lockerere Atmosphäre als in der Wiener Staatsoper. Die Karten mitten im Parkett kosten grade mal 30 Euro (im Sommer beim Festival der Alten Musik dafür dann das Fünffache).


    Meine Lieblingsaufnahme ist nach wie vor die Studioaufnahme mit Karajan, Kollo, Donath, Schreier. Mich stört hier Theo Adam auch nicht. Im Gegenteil, ich habe mich mit der etwas anderen Stimme schnell angefreundet und finde diesen Sachs recht gelungen. Ein Traum sind der Stolzing von Kollo und der David von Schreier. Einzig die Stimme und die Aussprache von Beckmesser finde ich unschön (nach 20 Jahren merke ich mir immer noch nicht den Namen des Sängers). - Weiß jemand, ob es bei der Neuauflage dieser Aufnahme eine Veränderung beim Klang gibt?


    Ich war von beiden Solti-Aufnahmen etwas enttäuscht, da ich mir viel mehr erwartet hatte. Bei der späteren Aufnahme habe ich mich auch über den Klang des Orchesters gewundert.


    Sehr gut gefällt mir Kubelik mit Konya, Fassbaender und Sawallisch mit F-Dieskau (klingt etwas unpassend als Sachs!), Kollo, Moll, Varady, Schreier, live aus München, Ende der 70-er Jahre, allerdings ist das eine Kopie, die ich mal von jemand geschenkt bekommen habe, und ich frage mich, wie sie zustandegekommen ist, denn es gibt ein Hintergrundrauschen, das leider auch nicht immer konstant ist. So als hätte jemand von Radio auf Kassette aufgenommen. Hm, so wird es wohl gewesen sein.
    Weiß jemand von euch, ob es diese Aufnahme auch offiziell und in etwas besserer Tonqualität gibt?

    Elisabeth Leonskaja überzeugt mich immer wieder im Konzert. Zuletzt als Begleiterin bei Matthias Goernes Liederabend (Brahms: Die schöne Magelone). Ich liebe ihren Brahms, Chopin (erst in letzter Zeit), und Schostakowitsch.


    Was ich aus ihrer Biographie unbedingt erwähnen möchte:


    Bevor Elisabeth Leonskaja 1978 aus der Sowjetunion auswanderte und Wien als ihren ständigen Wohnsitz wählte, spielte sie mehrere Konzerte als Duo Partnerin von Svjatoslav Richter. Diese Begegnung hat ihre weitere künstlerische Entwicklung geprägt.
    (KS Schoerke)




    Zitat

    Sicher nicht jedermanns Sache, aber Reger hat auch für zwei Klaviere komponiert, z. B. eine Klavierfassung seiner Mozart Variationen op. 132 oder seine Beethoven Variationen:


    Ich mag die Mozart-Variationen von Max Reger sehr sehr gerne. Aber ich hätte da eine Frage: Kann man sagen, dass Reger für die Fuge seiner Mozart-Variationen bei Schuberts Fantasie f-Moll D. 940 ein Stück weit abgeschaut hat? Oder sind derlei Ähnlichkeiten eher Zufall und oftmals unvermeidlich in der Musik?

    Schöne Wintergrüße aus Wien,


    neulich hörte ich erstmals Schuberts Fantasie in f-Moll D. 940, und zwar im Konzerthaus, mit den Brüdern Kutrowatz. Weiters auf dem Programm standen Ungarische Tänze von Brahms, Liszts "Mazeppa", Gershwins Rhapsody in Blue, eine wunderbare Zugabe von Piazzola und eine von einem lebenden heimischen Komponisten, der diesem Duo das Stück widmete, er ist mir eh bekannt, doch jetzt ist mir der Name leider entfallen.


    "Mazeppa" war ebenfalls neu für mich, und es hat mir unerwartet gut gefallen. Bei Liszt ist das immer so eine Sache. Wenn es zu virtuos, zu kulinarisch wird, mag ich Liszt manchmal nicht mehr. Es kommt mir dann vor als wäre eine gewisse Eitelkeit in der Musik, und das geht mir dann auf die Nerven. Bei anderen bekannten Komponisten aus derselben Zeit geht es mir nicht so.


    Eigentlich wollte ich mir ja gleich vor Ort CDs von Kutrowatz kaufen, zumindest eine, auf der diese Schubert-Fantasie drauf ist. Aber ich ließ dann erst mal davon ab, da ich Angst hatte, dass bei der Aufnahme die eine Hälfte des Duos vielleicht auch so aufstampft bei manchen Stellen wie er es beim Konzert in allen Stücken getan hat. Und ich habe ja ohnehin ein Problem damit, wenn bei einer Aufnahme das Mikrofon irgend ein Rumpeln, das nicht zur Musik gehört, mit aufnimmt.


    So kaufte ich mal auf gut Glück eine preiswerte CD des Labels "Naxos".
    Und - mir scheint, es war ein Glücksgriff!




    Ich bin aber dennoch neugierig auf Aufnahmen des Duos Kutrowatz, denn das Konzert hat schon Spaß gemacht. Ich fand sie gut, oft fand ich das Spiel zu deftig, aber ich weiß jetzt nicht, ob das vielleicht an den Stücken liegt oder daran, dass ich fast in der ersten Reihe saß. Ganz vorne sitzen mag ich ja überhaupt nicht, da ich finde, dass dort die Akustik nicht gut ist, aber es gab keine anderen Plätze mehr im Verkauf.

    Hallo thalion,


    ist dir dieses Rauschen auch während des Musikhörens aufgefallen?


    Bei mir gibt es nämlich auch ein ganz leichtes Rauschen - mir ist es mal aufgefallen, als ich direkt beim Lautsprecher stand. Aber ich bin draufgekommen, dass es nur rauscht, wenn "nichts eingeschaltet" ist. Sobald eine CD läuft, ist - überprüfbar während der Sekunden bis die Musik einsetzt - das Rauschen weg.


    L. G.

    Danke. Aber was mich interessieren würde: welche Lieder - außer den genannten und oft gehörten 12 bis 15 - gibt es denn noch?


    Folgende kenne ich noch:
    Ablösung im Sommer
    Aus! Aus!
    Nicht wiedersehen!
    Zu Straßburg auf der Schanz


    Aber ich habe das Wunschdenken, es könnte viele geben, die ich noch nicht kenne.


    Vielleicht gibt es ja eine 2-CD-Box voll mit Mahlers "Wunderhorn"-Liedern. Oder eine ganze CD mit weniger oft aufgeführten.


    Mir ist Hampson irgendwie nicht so sympathisch, aber seine Mahler-Lieder gefallen mir schon besonders gut. Ich würde gerne Matthias Goerne mit Mahler-Liedern hören. Ich weiß, dass es Aufnahmen gibt; werde demnächst mal dran denken beim Einkaufen.

    Mich wundert das sehr, dass im Parkett 12. Reihe die Akustik schlecht sein könnte. Könnte es auch sein - schon öfter erlebt bei diesem Dirigenten - dass bei Peter Schneider das Orchester an entscheidenden Stellen zu laut war?


    Manchmal ist mir zu Beginn der Vorstellung der Orchesterklang dumpf vorgekommen, wenn ich mitten im Parkett (oder etwas vor der Mitte) gesessen bin. Es könnte aber sein, dass noch nicht völlige Stille eingekehrt ist, denn nach ein paar Minuten fiel mir nichts Negatives mehr auf. Allerdings sitze ich lieber weiter hinten - früher nannten sich die Plätze "Parterre", also die fünf (?) Sitzreihen vor den Stehplätzen. Von dort habe ich den besten Überblick, und die Akustik ist besser als weiter vorne im Parkett. Da hinten ist es auch eine Spur billiger, wenngleich immer noch sauteuer. Die paar Male, die ich in die Oper gehe, gebe ich das Geld aus. Öfter könnte ich es mir nicht leisten. Plätze wie Galerie 2. Reihe und ähnliche sind für einen Normalbürger fast nie zu haben. Schon in der ersten Minute des Vorverkaufs sind diese ausverkauft (komisch, wenn fast niemand vor mir war in der Warteschlange).


    Bei der Galerie wäre ich vorsichtig. Wenn man nicht in der ersten (oder vielleicht noch 2. Reihe) sitzt, dann gibt es akustisch Einschränkungen. Weiter hinten bekommt man von der Atmosphäre nicht mehr so viel mit. Besonders störend ist es dann, wenn viele Leute drinsitzen, die es anscheinend nicht interessiert. Da hörst du dann ständig das Rascheln und Plaudern der Leute rundherum, das ja verstärkt wird dadurch, dass man in einem Rund sitzt und dadurch, dass das Ganze überdacht ist. Beim Applaus hört man nur das Klatschen der Leute, die mit in der Galerie sitzen, vom restlichen Publikum hört man dadurch gar nichts - es ist als ob außer der Galerie gar niemand dawäre, als ob man vom restlichen Haus getrennt wäre. Vielleicht gehen deshalb manche nach Aktschluss zur Brüstung vor. Galerie Mitte 1. Reihe sind aber tolle Plätze. Leider gehören diese Plätze jetzt zur nächst-teureren Preiskategorie als früher. Also jetzt schon 70 bzw. 85 Euro!

    Gustav Mahler: Wo die schönen Trompeten blasen (aus "Des Knaben Wunderhorn") - z. B. Szell, Schwarzkopf, Fischer-Dieskau


    Ich habe einige von Mahlers "Wunderhorn"-Liedern sehr gerne, sowohl mit Orchester- als auch mit Klavierbegleitung. Bei der Gelegenheit: könnt ihr mir sagen, wieviele "Wunderhorn"-Lieder es von Mahler gibt? Man hört immer nur das übliche gute Dutzend im Konzert oder auf CD. Bei Liederabenden hört man vielleicht einmal maximal eine Hand voll weniger bekannter.

    Ich habe mir vor gut einem Jahr diese Amsterdamer Recitals gekauft. Es sind 3 CDs (siehe unten). Ich finde ihr temperamentvolles Spiel interessant. Ich sag's gleich, ich bin kein Fan, was ihre Solo-Auftritte betrifft, vom Spiel her. Es ist ganz klar, dass sie eine weltklasse Pianistin ist. Es ist für mich, als könnte ich sie nie ganz "fassen", es ist immer Hektik mit im Spiel, und das kann ich nun mal nicht aushalten. Ich bleibe auch irgendwie draußen, fühle mich von ihr nicht berührt. Vielleicht ist sie mir zu unbequem, vielleicht ist das der richtige Ausdruck, auch wenn das für sie und gegen mich spricht. Trotzdem, ich finde, dass sie eine faszinierende Musikerin ist, ein wunderschöner Mensch (mit bezaubernden wunderschönen Töchtern), spannend, anscheinend immer in Bewegung, und für mich irgendwie eine andere Welt.



    Für Fans: die Recitals sind Klasse, die beiden Klavierkonzerte brilliant und ungestüm zugleich. Die Scarlatti-Sonate (K. 141) beginnt sie so schnell, ein neurophysiologisches Faszinosum, ok, aber mir geht so etwas auf die Nerven; aber man kann ja weiterskippen zur nächsten "Nummer". Die Soundqualität ist ok, so wie die meisten Radio-Mitschnitte aus der Zeit, es sind Live-Mitschnitte ohne nachträgliche Verschönerung, also ist die tolle Atmosphäre gut eingefangen, und darum sollte es ja gehen, denke ich.



    Es gibt sie aber, die Aufnahmen mit Argerich, die mich vom Hocker reißen, und ich hoffe, ich komme noch auf mehr drauf: Richtig glücklich werde ich mit der schon mal erwähnten "Cinderella"-CD (zweites Klavier: Pletnev), Klaviertrios (Schostakowitsch+Tschaikowsky, ihre Partner sind Kremer und Maisky), Beethoven Violinsonaten mit Kremer, und Brahms 1. Klavierquartett mit Kremer, Bashmet, Maisky - und die Brahms-CD für zwei Klaviere (Haydn-Variationen, "Sonate" op. 34b, Walzer op. 39) mit Rabinowitsch als Partner.

    Zitat

    die von dir aufgeführten 'klavier'-aufnahmen von d.scarlatti-sonaten mit pogo., horo. und plet. sind klassiker und wurden auf der ersten seite dieses threads gezielt gewürdigt !


    Ach ja richtig, danke. Allerdings kenne ich weder die auf der ersten Seite gezeigte Horowitz-CD noch die Pogorelich-CD (auf meiner sind nur 4 Scarlatti-Sonaten drauf), werde sie mir aber sicher bald mal zulegen.

    Für den PC ist mein billiger Sennheiser HD 433 gut genug (und praktisch). Meist liegt er sowieso nur da. Ich brauche Sound vom Computer eher selten. Zum Musik hören verwende ich den AKG 240, der natürlich nicht im PC steckt, sondern im Verstärker von meiner Stereoanlage.


    Ich kann gar nicht verstehen, wie man Musik genießen kann, wenn man unterwegs ist, wo es so viele störende Geräusche gibt. Mich würde das doppelt stören, einerseits höre ich die Musik nicht ordentlich, außerdem höre ich meine Umgebung nicht ordentlich, wenn ich unterwegs Kopfhörer mit Musik aufhabe.

    Ich habe mir vor ein paar Jahren den AKG 240 Monitor 600 Ohm (siehe Bild) zugelegt, ca. 100 Euro. Ich fand ihn damals am Computer dumpf, aber der Kauf neuer Geräte (Verstärker, CD-Player, etc) war sowieso geplant, und siehe da: am Verstärker angeschlossen war meine Musikwelt wieder in Ordnung und um eine bis dahin nicht gekannte akustische Dimension reicher.



    Ich hatte voriges Jahr für einige Wochen den AKG 501 eines Freundes da, der mir immer davon vorschwärmte. Ich weiß nicht, ob es die Gewohnheit und Bequemlichkeit meines Gehörs war, dass ich ihn nicht entsprechend besser fand, jedenfalls kaufte ich mir keinen AKG 501, sondern war froh, mit dem AKG 240 so einen tollen Kopfhörer zu haben.

    Zitat

    Allerdings meine ich dass er die Größe seines Vaters Alessandro Scarlatti nicht erreicht.


    Ich würde es eher so formulieren: Zu seines Vaters Lebzeiten erreichte er dessen Größe nicht. Erst nach seines Vaters Tod wurde er selber groß - durch eben seine vielen Sonaten. Denn wenn du jetzt beide vergleichen wolltest, müssten beide ja Vergleichbares geschrieben haben. Alessandro Scarlatti hat sicher nicht 555 hübsche Cembalosonaten geschrieben wie sein Sohn Domenico, den wir jetzt wegen seiner Sonaten schätzen.


    Ich habe hier einige Scarlatti-Aufnahmen, die ich empfehlen kann. Die Pogorelich-CD habe ich wegen der Englischen Suiten gekauft (bin überwältigt), erst so habe ich sein Scarlatti-Spiel kennengelernt.



    Mit Pletnev am Klavier geht es mir wie mit Andreas Staier am Cembalo: So macht Scarlatti Spaß!



    Kirkpatrick ist sehr gut, wie nicht anders zu erwarten. Die Aufnahme-Qualität ist auch überraschend gut (noch besser als seine ersten Bach-Stereo-Aufnahmen).



    Pinnock ist wie Kirkpatrick bei "ARCHIV Produktion", die Auswahl besteht nur aus späten Sonaten, sein Spiel ist recht kräftig, und hier hat sich wieder die Resonanz des Holzkastens zu sehr auf die Mikrophone übertragen, wie ich mich schon weiter oben bei einer anderen Aufnahme beschwert habe. Naja, Bassregler zurückdrehen, dann geht's.



    Ich muss gestehen, dass ich sonst nicht so ein Fan von den Aufnahmen von Horowitz bin, aber diese hier möchte ich nicht hergeben!


    Grigory Lipmanovich Sokolov, geboren am 18. April 1950 in Leningrad (Sankt Petersburg), ist einer meiner Lieblingspianisten, seit ich ihn erstmals live erlebte; zuletzt im Konzerthaus mit Schuberts Sonate A-Dur D. 959 und Schumanns Sonate Nr. 1 fis-Moll op. 11. Ich stand noch lange unter dem Eindruck der beiden Sonaten. Ich bin nach Sokolov immer lange Zeit wie verzaubert.


    Seine Konzerte sind überaus spannend; etwas seltsam finde ich, dass der Saal völlig abgedunkelt wird und nur ein leichter Lichtschimmer das Klavier streift (so finster war es nicht mal bei Sviatoslav Richter, wenn ich mich richtig erinnere). Begrüßung, Verbeugungen werden recht schnell absolviert, Sokolov kommt sehr schnell zur Sache, will sagen: zur Musik. Mir hat das sehr gefallen. Um Zugaben lässt er sich auch nicht lange bitten.





    Sein Klavierspiel ist atemberaubend, extrem präzise und die Musikstücke werden überaus plastisch und behalten eine überwältigende Klarheit.


    Ich kenne von Sokolov nicht sehr viel. An Aufnahmen scheint es nur etwa ein Dutzend CDs zu geben, meist Konzertmitschnitte, die voriges Jahr zu zwei 5-CD-Boxen (je 35 Euro, weiß nicht mehr genau) neu aufgelegt wurden. Es sind einige Offenbarungen dabei (Brahms Sonate op. 5, Schubert D. 960, Beethoven Rondos, Chopin Etüden, Chopin Sonate Nr. 2, Prokofjew Sonate Nr. 8, Die Kunst der Fuge).




    Außerdem gibt es einen Mitschnitt eines Pariser Konzertes, Klavierspiel vom Allerfeinsten in zwei Sternstunden auf DVD mit erstklassiger Bild- und Tonqualität.


    Zitat

    Ich kann mir schwer vorstellen, dass irgendein Tonmeister ein Mikrophon an einem Tasteninstrument montiert. Es wird eher irgendeine unvorhergesehene äußere Störquelle gegeben haben müssen.


    Jedenfalls klingt es so für mich.


    Übrigens gibt es viele Aufnahmen, in denen ein Brummen vorkommt (und zwar klingt das in jeder dieser Aufnahmen gleich), als würde vor dem Haus, in dem aufgenommen wird, ein Auto oder Lastwagen vorbeifahren. Ich glaube nicht, dass ich mir das nur einbilde - ich weiß nur nicht, wie dieses Geräusch wirklich zustande kommt; vielleicht hat es etwas mit den Tonbändern zu tun, die früher verwendet wurden.


    Bei den Aufnahmen der Haydn-Sonaten mit Schornsheim (ich habe mit dieser Gesamtaufnahme trotzdem sehr viel Freude, muss ich dazusagen!) gibt es ebenfalls Geräusche, vor allem jeweils unmittelbar vor und nach Beginn des Spiels. Es ist irgendwas, das "in der Luft" liegt, es ist eine Art Hall, der beim Abhören der CD mit tiefen Frequenzen herüberkommt. Bei manchen anderen Aufnahmen fällt mir das ebenfalls auf (vor allem bei Cembalo), bei den meisten kommt das aber nicht vor.

    Ich bin ganz deiner Meinung, Karsten.


    Das Spiel von Scott Ross ist auch wunderbar. Ich habe befürchtet, dass ich mich mal satthören würde, aber die Befürchtung hat sich nicht bestätigt. Wohl sind viele der Sonaten im gleichen Stil, vieles klingt wie Fandango (ist es ja auch oft, oder?), doch es ist wirklich kaum je eine Sonate wie die andere.


    In Bezug auf die Aufnahmetechnik habe ich einen Einwand:


    Es gibt bei dieser Aufnahme - wie übrigens bei vielen Aufnahmen älteren Datums vor allem mit Cembalo oder Hammerklavier - ein Rumpeln. Ich stelle mir vor, direkt am Holz des Instrumentes befestigte Mikrophone haben die Erschütterungen vom Anschlag (und bei vielen Aufnahmen gegebenenfalls Pedal) übertragen. Zum Glück nicht bei jeder der 34 CDs! Interessanterweise sind CDs dabei, wo das "Rumpeln" von Anfang bis Ende kaum vorhanden ist. Im Kopfhörer stört es noch etwas weniger, doch wenn man im Raum gute Basslautsprecher stehen hat, dann ist das Getöse schon unverhältnismäßig zu dieser Art von Musik. Jedenfalls, Bässe auf halb gestellt, und dieses Problem ist halbwegs beseitigt, aber ich liebe es normalerweise schon, bei solchen Musikaufnahmen die Bassregler eingeschaltet zu haben, auch wenn in der Musik selber solche tiefen Freuquenzen natürlich nicht vorkommen.


    Als positives Gegenbeispiel möchte ich die Scarlatti-Box (2 CD) von Andreas Staier erwähnen. Der Klang ist hervorragend und ohne störende Nebengeräusche. Und nicht nur die erstklassige Aufnahmetechnik möchte ich bei Staiers Scarlatti hervorheben, sondern natürlich sein außergewöhnlich brilliantes Spiel. Da macht das Zuhören nicht nur Freude sondern auch so richtig Spaß. Ich möchte sagen, dass Andreas Staier seinen Scarlatti manchmal richtig fetzig spielt, was natürlich Geschmackssache ist. Im Unterschied zu einer älteren Scarlatti-CD von ihm (Reihe "Das alte Werk") sind bei dieser Box hier mit den 2 CDs einige der interessantesten und beliebtesten Sonaten ausgewählt.


    Sony&BMG-Link zu Staiers Scarlatti