Beiträge von Alexander_Kinsky

    Stimme Sagitt vollinhaltlich zu. Die Fernsehregie vergaß auch nicht, inszenatorische Details herauszustreichen, wie etwa Marzellines gebrochene Verzweiflung am Schluß, bis sie sich eine Pistole nimmt und erschießen will, ihr Jaquino aber die Waffe abnimmt.
    Vor allem der zweite Aufzug erschien mir ungemein intensiv gelebt.

    Wenn man sich etwas in Joachim Kaisers Veröffentlichungen einliest, stellt man rasch einige Schwerpunkte fest: Klaviermusik, Richard Wagner, in der Literatur Zeitgenössisches von Menschen die er zumeist persönlich kennt (oder gekannt hat). Seine im Lauf der Jahrzehnte geschriebenen Kritiken zu "Ring"-Aufführungen in Bayreuth und München machen diese "mitgelebten" Vorstellungen lebendig, auch wenn man nicht selbst dabei war, wenn man allenfalls auf akustische Dokumente oder Bühnenbildentwürfe in Programmheften oder alten Zeitungen (Zeitschriften) angewiesen ist. Faszinierend ist für mich das Buch "Beethovens 32 Klaviersonaten und ihre Interpreten". Selten sind so viele Facetten dieses Klavier-Kosmos so lebendig eingefangen worden.

    Sonntag 16.1.2005 Radio Österreich 1 11:03 Uhr

    Matinee live
    Wiener Philharmoniker, Dirigent: Sir Simon Rattle; Barbara Bonney, Sopran. Joseph Haydn: Symphonie D-Dur, Hob. I/86
    Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4, G-Dur (Übertragung aus dem Großen Musikvereinssaal in Wien)


    (in der Pause) Im Künstlerzimmer


    Barbara Bonney singt in der Live-Übertragung der Konzertmatinee (Wiener Philharmoniker, Dirigent: Sir Simon Rattle) das Sopransolo in Gustav Mahlers 4. Symphonie. Sie spricht über dieses Werk und ihr bevorzugtes Repertoire, über die heilende Kraft der Musik, über ihr Studium in Salzburg und ihre Karriere, über ihr pädagogisches Anliegen, Musik möglichst vielen Menschen zu vermitteln, und ihr Bedauern, dass sich immer weniger Menschen (vor allem in den USA) für klassische Musik interessieren.


    Information aus der Homepage von Ö 1

    Martha Argerich spielte die Klaviersonate Nr. 7 B-Dur op.83 von Sergei Prokofieff (komponiert 1939 bis 1942) 1979 live in Amsterdam, zu finden u.a. auf der CD Nr. 3 der "SZ Klassik" Box ("Klavier Kaiser").
    Den ersten Satz beginnt sie wild entschlossen, als motorische Tigerin. Sie verliert sich dann lyrisch in ferne Traumwelten - und kehrt umso barbarisch virtuoser zurück. Prokofieffs beinhart marschierender Duktus hält aber erneut inne - sofort ist Martha Argerich wieder in der zweiten Welt voller Poesie. Unbarmherzig spritzig, fast boshaft verschmitzt, legt sie das Finale des Satzes hin. Die wunderschönen, getragenen Melodiebögen des zweiten Satzes entwickelt die Pianistin wie aus dem Augenblick heraus, als würde sie die Musik in einer genial inspirierten Zeitspanne improvisieren. Sperrige Höhepunkte bewältigt sie mühelos. Und dann meint man die Totenglocken aus Ravels "Le Gibet" ("Gaspard de la nuit") wieder zu hören. Martha Argerich baut eine eigene Welt auf mit diesem unheimlich souveränen Klavierspiel. Motorisch hämmernd, ein unbedingtes Muss: das Finale ist ein Kraft- und Klaviergewaltakt für sich. Jegliches fließende, entspannende Element ist eliminiert, es herrscht dreieinhalb Minuten lang eisenharte, brutale, erschütternde Motorik. Was für ein hartes, sperriges Werk der Klavierliteratur, was für eine kraftvolle, beklemmend virtuose Aufnahme!

    Eine persönliche Anekdote zu Carlos Kleiber:
    Im Mai 1994 dirigierte er drei Vorstellungen von "Rosenkavalier" an der Wiener Staatsoper. (Es sollten seine letzten Auftritte dort sein. Danach kam nur mehr ein Japan-Gastspiel mit der Wiener Staatsoper.) Diese waren selbstverständlich sofort ausverkauft. Ich hatte aus beruflichen Gründen keine Zeit, mich für Sitz- oder Stehplätze anzustellen. (Abgesehen davon war die entsprechende "Mafia" fast undurchdringbar für "Normalsterbliche".) In der Mittagspause meiner damaligen Arbeit spazierte ich durch die Wollzeile in Wien und ging an einem Kartenbüro vorbei, das damals noch relativ neu war. Und da lag doch wirklich in der Auslage eine Karte für die (damals) heutige erste der drei Vorstellungen, erste Reihe Galerie, Originalpreis 400 Schilling, Verkaufspreis 2.400 Schilling. Es bedurfte eines Gesprächs mit der Dame im Geschäft, die Karte für zwei Stunden zurückzulegen, einiger Bemühungen, das Geld aufzutreiben - und dann hatte ich (Glückspilz) auf einmal eine Karte für den "Rosenkavalier". Als ich am Abend zur Oper kam, standen dort an den Eingängen Menschen (vorwiegend Japaner) mit Tausendschillingscheinen in der Hand. Einen Bruchteil einer Sekunde war ich versucht, Geld statt Kunstgenuß zu gewinnen - dann habe ich mich für die Oper entschieden. Dieses Liveerlebnis werde ich nie vergessen. Was Carlos Kleiber für Farben aus dem Orchester gezaubert hat - eine Sternstunde! (Es gibt ja auch eine DVD davon.)
    Mein zweites Kleiber-Liveerlebnis war ein Konzert im Wiener Musikverein mit Mozarts KV 425 und Brahms´ Zweiter Symphonie (Wiener Philharmoniker). Auch unvergeßlich!
    Ein Traum von mir ging leider nicht in Erfüllung: Irgendein Klavierkonzert (Mozart, Beethoven, egal) mit Friedrich Gulda, Carlos Kleiber und mit den Wiener Philharmonikern ...

    Joachim Kaiser hat im Vorwort zur letzten Ausgabe seines Standardwerks "Große Pianisten in unserer Zeit" betont, dass er sich nicht mehr singulär mit Klaviermusik auseinandersetzt und daher das neu hinzugefügte aktuellste Kapitel Klaus Bennert überläßt.
    Wer auch immer die Idee des (in meinen Augen sehr spannend zusammengestellten) "Klavier Kaiser" hatte, musste also auf den "alten" Kaiser zurückgreifen. Und wenn es Kaiser selber war ...
    Höre gerade diese Box durch, und da ist keine Minute langweilig ...

    Leonard Bernstein - einer meiner "Musikgötter".
    Ich habe in den 80ern so ziemlich das ganze gängige CBS (jetzt Sony)-Repertoire durchgehört, dann auch die Aufnahmen bei der DGG (sowie Philips, EMI, Hungaroton). In den letzten Jahren, wo nach und nach Raritäten und Frühaufnahmen ausgegraben werden, habe ich etwas den Überblick verloren.
    Grundsätzlich denke ich: Mit den New Yorker Philharmonikern hat Leonard Bernstein eine umfassende Klassik-Diskothek herausgebracht, die zumindest von der Vielfalt und vom einfühlsamen Engagement der Mitwirkenden her beeindruckend ist. Mahler speziell: Da tu´ ich mir schwer, zu werten. Ich lasse (den Videozyklus aus den 70ern aus Wien mitgerechnet, der immer wieder im Fernsehen wiederholt wird und mit der "Achten" sowie dem Adagio aus der "Zehnten" ja ansatzweise zum 80er-Zyklus hinzugefügt wurde) alle drei Zyklen gelten.
    Vom emotionalen Gehalt her sind vielleicht die Aufnahmen aus den 60ern spontaner, ursprünglicher, manchmal auch ungeschliffener. Dafür bieten die Einspielungen aus den 80ern (New York, Amsterdam, Wien) klanglichen und orchestertechnischen Luxus mit der gelegentlichen Tendenz zur epischen Breite.
    Mir fällt es sehr schwer, mich zu entscheiden. Müsste ich auf eine Insel gehen und hätte die Wahl (schreckliche Vorstellung!), nähme ich wohl schweren Herzens den DGG-Zyklus aus den 80ern mit.
    In Salzburg habe ich 1987 bei den Festspielen Mahlers "Fünfte" unter Bernstein gehört. Eine unvergeßliche Sternstunde! (Auf CD erschien dann der Frankfurter Mitschnitt.)