
MAHLER Sinfonie no.1 [Rafael Kubelik, Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks]
Live-Aufnahme: Herkules-Saal in der Residenz, München (02.11.1979)
audite // 2000 // [A][D][D] // (Gesamtspielzeit 51:33)
Obwohl es sich um eine Liveaufnahme handelt, schlägt die Aufnahmetechnik jene, der vorangegangenen Studioaufnahmen Kubeliks bei der DGG; vorausgesetzt, die akustischen Verhältnisse sind, mit meiner zweiten Sinfonie aus der damaligen Mahler-Box als Grundlage, gleich bleibend, was ein spärlich dimensioniertes Klangvolumen bedeutete, das den Bläsern ein wenig die Luft abgeschnitten hat und mir ein wenig sauer aufgestoßen ist.
Erleichternd für die audite-Aufnahme kommt das diszipliniert mustergültige Verhalten des damaligen Publikums hinzu, welches entweder vor der Aufführung mit Kräuterbonbons zwangsweise versorgt wurde, oder der Gattung der Tuttihuster angehört. So oder so erfährt der Hörgenuss durch Huster nur äußerst selten einen Abbruch. Eigentlich war von mir geplant, die Huster durchgängig zu zählen, ähnlich wie die Kuckucksrufe im ersten Satz; mangels "Erfolg" glücklicherweise frühzeitig eingestellt.
Vorläufiges Ergebnis: Kuckuck 58 - Mensch 3
Insgesamt wirkt das Klangbild räumlich ordentlich gestaffelt und strotzt geradezu vor natürlicher Klarheit.
Nun zum musikalischen Teil. Generell sei hierbei zu erwähnen, dass ich noch wenig Vergleichsmöglichkeiten zu alternativen Interpretationen habe und mir Mahler erst langsam, nach anfänglichem Zögern allmählich zu Gemüte führe, mittlerweile aber im fortgeschrittenen Suchtstadium angelangt bin. 
Hier ein paar Eindrücke
1. Satz: [13:12] flüssiger Durchmarsch, wirkt wie aus einem Guss
2. Satz: [07:03] mit einem Hauch verschmitzter Ironie
3. Satz: [11:37]
4. Satz: [19:18] hier gefällt vornehmlich das Finale, welches, wie ich mir habe sagen lassen, von einigen Dirigenten überstürzt wird. Kubelik umschifft diese Klippe meisterhaft und vermeidet es, der Musik ihren Entfaltungsraum zu nehmen. (Lediglich der Hörer könnte nach langen Pausen hier wieder über minimale Huster stolpern….)
Insgesamt gesehen hat mich diese Einspielung in ihren frischen Natürlichkeit gefangen genommen und den Weg für fortschreitende Beschäftigung sowohl mit Mahlers Sinfonien als auch mit dem Label audite geebnet.
Falls es an der CD etwas zu bemängeln gäbe, wäre es wohl von meinem Standpunkt aus gesehen die geringfügige Unwucht des Datenträgers, die meinen Discman erbeben lässt; oder liegt es an der Musik?
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Grüße aus dem Ländle.
Milosz.