Beiträge von kurzstueckmeister

    Es waren weniger die Tonhöhen, sondern das Rhythmusgefühl des Gitarristen. Ich meine Rockstücke zu kennen, die die rhythmisch sehr ähnlich sind (zumindest teilweise). Das ist aber schon, wie ich finde ganz am Anfang zu hören, wenn man die Interpretationen von Miki Skuta und Flavio Virzi vergleicht. Vielleicht ist es aber auch nur ein "Feeling" was der zweite Gitarrist hat und was nicht Gegenstand der Komposition an sich ist. Ich schaue mal, ob ich das mir vorschwebende Stück finde, was aber eher zufällig sein dürfte :(

    Beim ersten hört man den Rhythmus auf dem unteren Ton ja kaum - was auch an Saalakustik/Aufnahmetechnik liegen kann.

    Ich möchte noch ein wenig nachlegen. Wer je in einem französischen Supermarkt die 200m lange "Theke" mit Milch- und Käseprodukten gesehen hat, weiß, was in der Soziologie "Optionsstress" bedeutet. Umberto Eco schrieb einmal, dass er etwas über Julius Cäsar lesen wollte. Er fand statt dreier Werke 10.000. Da gab er es auf.

    Das kenne ich - wenn ich aber vor meiner Sammlung mich nicht entscheiden kann, heißt das, dass ich eigentlich gar keine Lust habe, Musik zu hören, und dann höre ich auch nichts. Wenn ich wirklich Musik hören will, fällt die Entscheidung schnell.

    einfach am Anblick gut gefüllter Regale zu erfreuen. Wie gesagt, alles ziemlich irrational, aber es macht Freude.

    Genau, darauf läuft's wohl hinaus ... und mich freut's auch (noch). Die Beihefte könnte ich mir freilich auch in der Bücherei ausleihen, die reichen nicht so ganz als Kaufnotwendigkeit. Aber als Wiener bin ich vom hiesigen Angebot natürlich verwöhnt. Jedenfalls werde ich die Populärmusik nicht mehr selbst sammeln, sondern dort meinen Horizont via Bücherei erweitern.

    Ich habe das ja extra unter Anführungszeichen geschrieben - ich meinte, dass den Instrumenten vorrangig Geräusche = Klänge ohne bestimmbare vorherrschende Frequenzen/Einzeltöne entlockt werden, am bekanntesten etwa Helmut Lachenmann. Und ich kann mich kaum erinnern, von Yaron Deutsch in einem Konzert jemals einen normalen E-Gitarrenton gehört zu haben ...


    Mir persönlich gefällt ja von den genannten Scheiben die mit Musik von Romitelli mit Abstand am besten, die gibt es offenbar bei jpc nicht mehr. Seine Version eines quasi von Geräuschmusik in Deinem Sinne - nämlich Populärmusik - "verschmutztem" Spektralismus finde ich sowohl konzeptuell nachvollziehbar als auch unmittelbar wirksam beim Anhören. (Der Prins ist mir auch noch eher fern ...)

    Zu meinem CD-Programm seit Sommer habe ich mal nachgezählt: Ein Regalboden ist den Jahrgängen *1682 (Rathgeber) bis *1695 (Locatelli) gewidmet, darin finden sich 94 CDs, davon 26 zu Bach, 20 zu Händel, 10 zu Rameau und 3 zu Scarlatti, alle anderen Komponisten müssen sich mit 1-2 Stück zufrieden geben. Nicht gezählt die Anthologien mit mehreren Komponisten, die in einem anderen Regal wohnen. Von den knapp 100 CDs also habe ich also in den vergangenen 4 Monaten etwas mehr als die Hälfte durchgehört. Im Jahr 2020 hatte ich das für zwei Etagen höher gemacht, also *1616 (Froberger) bis *1651 (Johann Krieger). Das waren 78 CDs, davon 10 zu Lully, 8 zu Biber, 7 zu Buxtehude, 4 zu Charpentier, je 3 zu Stradella und Conradi. Ich könnte jetzt 5-Jahres-Pläne aufstellen.

    :)

    Ich zweifle momentan an der Sinnhaftigkeit meiner Sammlung. Bei meinem Musik-Konsum brauche ich ca. ein Jahr um meine CDs der Komponistengenerationen von Monteverdi bis Corelli durchzuhören, ebensolange für die von Corelli bis Hasse usw. usf., der Schwerpunkt liegt ja bei Schönberg bis Schostakowitsch, gute Frage, wieviele Jahre ich für jenen Sammlungsbereich brauchen würde. Ich könnte also genausogut die CDs der Büchereien ausleihen, da die Zeit der intensiven Bindung an Einzelwerke und -aufnahmen vorbei ist und der lexikalische Gesamtüberblick an deren Stelle getreten ist. Da ich aber so viel gesammelt habe, bleibe ich natürlich dabei und ergänze hier und dort. Und ich höre eben systematisch Teilbereiche durch, seit dem Sommer fast ausschließlich eben Musik von Komponisten geboren um 1685 bis geboren um 1695, insbesondere die Dinge, die ich nicht im Ohr habe, auch mehrmals. Überflüssig erscheint mir nichts, selbst etwas schwächere Einspielungen von "Kleinmeistern" wie Tessarini kommen nicht in Betracht, "verstoßen" zu werden ...

    Da das Thema andernorts angedeutet wurde und insbesondere die Frage danach, wohin das Thema im Forum gehören könnte, eröffne ich hier einen Thread dazu.

    Die E-Gitarre ist heute bei "avantgardistischen" Komponisten ein gängiges Instrument, als auf entsprechende "Geräuschmusik" spezialisierter Musiker ist insbesondere Yaron Deutsch bekannt, der im vierköpfigen Ensemble Nikel neben Schlagzeug, E-Klavier und Saxophon werkt.

    Auf der CD-Edition der Donaueschinger Musiktage 2012 ist einiges Einschlägiges zu hören, insbesondere das von der Kritik hochgeschätzte "Generation Kill" von Stefan Prins.

    Historisch gesehen ist der Einsatz der E-Gitarre in Karlheinz Stockhausens Orchesterwerk "Gruppen" aus den seriellen 50ern jedermann im Ohr ... freilich ganz ohne Geräusch und so klassisch gespielt, wie das Saxophon bei Georges Bizet.

    Ist Liszt Trash? Es ist doch schon interessant, ich habe mir vor kurzem die Gesamtausgabe seiner Klavierwerke geholt (100 CDs !!) Da passt das Gesamtwerk von Webern mehr als 10 x hinein. Was sind also die Unterschiede der Komponisten? Das finde ich schon eine bedenkenswerte Frage.

    Das mit der Menge ist aber bei der "Wahrheit" zu Bach das Thema nicht bei Liszt.

    Ich glaube, man sollte dem Herrn doch nicht den Gefallen tun, wegen seines Selbstvermarktungsschmähs ernsthaft über den Unsinn zu diskutieren.

    Jedenfalls habe ich jetzt einen Erklärungsversuch: Er arbeitet als Influencer und macht Werbung für Produkte aus dem Bereich "klassische Musik" und es nervt ihn, dass die "Industrie" immer Lob haben will, Werbung eben, also wird ihm das auch irgendwie auf die Nerven gehen und so möchte er gerne auch ganz böse sein und ist das hiermit auch, wobei er aber in erster Linie Aufmerksamkeit erreichen will, sprich Werbung für sich selbst.

    IMO ist es hier jemandem gelungen, der nicht unbedingt eine Person ist, die auf den ersten Blick alles Interesse auf sich zieht, sich mit dem Nimbus der "Autorität" zu umgeben.An sich schon eine Glanzleistung. Dies durch eine Prise Humor gewürzt -und plötzlich ist ein Medienstar geboren

    Ich kenn mich bei Influencern nicht so aus und kannte Herrn Hurwitz auch nicht, im Forum wird sein Name aber über 300x genannt, davon nur 40x in diesem Thread, offenbar kennt "man" ihn hier. Es gibt einen englischen Wikipedia-Eintrag, der verrät, dass er Musikwissenschaft studiert hat, in Magazinen Kritiken veröffentlicht und auch wissenschaftliche Arbeiten verfasst hat. Das sieht man ihm auf seinen Videos jedenfalls nicht an und dem "lustigen" Text mit den "Wahrheiten" schon gar nicht.

    Ich habe jetzt auch ein bisschen auf seiner Seite herumgesurft, um mir ein Bild zu machen. Er versucht ja, locker und sympathisch rüberzukommen, das funktioniert einigermaßen. Im Video über Aufnahmen von Nielsen 5. Sinfonie besteht die Besprechung der Aufnahmen nur darin, sie als gut zu bezeichnen, mit verschiedenen Synonymen, keine analytischen Ansätze. Das ist OK, aber wozu dann ein 30-Minuten-Video? Da zeigt ein Liebhaber seine liebsten CDs. Ein Video gibt es, in dem er Renaissance-Musik dem Klassikliebhaber näherbringen will, voraussetzend, dass dieser keine Ahnung davon habe. Er erklärt dann, dass das Wissen über Cantus Firmus am Beispiel von L'homme armé die Lösung ist und spielt als erstes die Machaut-Messe, die ja weder etwas mit Cantus Firmus zu tun hat, noch unbedingt zur Renaissance gehört. Offenbar muss man von den Videos weg zu den Texten auf "classicstoday" oder so. Da mich Interpretationsvergleiche wenger interessieren, bin ich zu Empfehlungen von Werken gegangen. Dort empfiehlt er Glières Harfenkonzert als "contemporary". Herrlich. Ist Hitler ein zeitgenössischer Staatschef? OK, "zeitgenössische Musik" wird auch als Synonym für "moderne Musik" verwendet, das ist Glières Harfenkonzert aber auch nicht. Für moderne Musik hat er offenbar kundigere Schreibkräfte, die sogar in der Lage sind, Stockhausen-Aufnahmen lobend zu rezensieren. Gut, mit Lachenmann wird es nichts mehr dort, die drei Kritiken sind ungefähr so ertragreich wie eine, die Glière als überalteten Kitschproduzenten verunglimpfen würde, wie es wahrscheinlich auch genug von deutschen Kritikern gibt. Also Fazit: Nichts für mich. Mag andere Leute motivieren, klassische Musik zu hören, das Positivste scheint der lockere Auftritt zu sein.

    Von den Hurwitz-Verteidigern wüsste ich mal gerne, wie die "Wahrheiten" denn sinnvoll genutzt werden könnten, außer sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen, und das ist ja offenbar nicht bezweckt, denn sie werden ja als etwas mit Mut Vorgebrachtes, quasi von der Industrie Unterdrücktes von Hurwitz verkauft. Das Framing müsste ja genau andersherum sein, um gewinnbringend diese Sätze zu beleuchten, widerlegen und auf ihren Wahrheitsgehalt umzubauen.

    Mir ist auch nicht klar, was der Unsinn soll. Dass Hurwitz nicht allein dabei ist, die Länge Wagnerscher Opern schwer rezipierbar zu finden, wird schon stimmen. Nun will er die "freche Wahrheit" durchsetzen, dass die Opern "besser" wären, wenn man sie kürzt. Man kann ja nur hoffen, dass der Herr möglichst wenig Einfluss hat. Wollen wir, dass künftig von langen Werken nur mehr gekürzte Versionen eingespielt werden, weil Hurwitz und seine Chart-Brüder überfordert sind? Und von der Fanstastique nur mehr die "best-of"-Sätze? Das ist doch ein Plädoyer für die Verstümmelung klassischer Musik, um sie "breitentauglicher" zu machen, und die so angesprochene "breite Hörerschaft" soll dann auch noch glauben, es besser zu wissen als die Komponisten, Interpreten und Musikwissenschaftler und die seriösen Kritiker, zu denen Hurwitz offenbar nicht zählt. Er soll einfach diesen sexy Geigen-Gott, dessen Name mir angenehmerweise nicht einfällt, anhören, der liefert auch verpoppte Versionen, in denen z.B. Beethovens 5. auf das Hauptthema reduziert wird, das Seitenthema ist sicher "nicht so gut" als tatatataaa und kann daher weggelassen werden.

    Hier ging es um Hurwitz und seine zum Teil pauschal verurteilende Haltung, die natürlich oberflächlich sein muss. Man kann sehen, dass (und diese Diskussion zeigt das ja nur zu deutlich!) das eben Interesse an den Werken hervorruft. Hier wird ein Publikum für klassische Musik begeistert. Mich persönlich verblüfft es, wieviele Aversionen das hervorrufen kann in unseren Kreisen. Wir sollten uns freuen, dass Hurwitz erfolgreiche Vermittlung klassischer Musik praktiziert.

    Dass unsere Diskussion zeigen würde, dass wir jetzt mehr Liszt hören würden, weil Hurwitz gesagt hat "Liszt is trash", kommt mir jetzt doch etwas gewagt vor ...

    Die zehn "Wahrheiten" ärgern mich, weil es lauter Übertreibungen ohnehin allen bekannter Tendenzen sind, also z.B. Liszt wurde vor ein paar Jahrzehnten höher geschätzt als heute, Schumann instrumentierte nicht "glänzend", im 18. Jahrhundert wurde mehr Quantität erzeugt und hatte daher das Einzelwerk weniger individuelles Profil etc. - das wird aber alles so dümmlich wie möglich beschrieben mit dem Zweck, die Musik abzuwerten und die vermeintlich kritische Stimme des intelligenten Klassikliebhabers aufzuwerten, wenn sie eben die dümmlichsten Klischees wiederkäut. Der Komiker - äh Kritiker - kommt sich dabei pfiffig vor und sichert seine Marktanteile.

    Noch ein Schumann-Zeitgenosse: Wenn ich mich recht erinnere haben mir auf meiner Ferdinand-Hiller-CD die Sonaten tendenziell noch besser gefallen als die anderen Stücke:

    https://www.amazon.de/Klavierw…1637924541&s=music&sr=1-4

    Das kurze romantische Klavierstück hat die Sonate doch nicht ganz erschlagen ... selbst Theodor Kirchner hat zumindest Sonatinen geschrieben, die große Ausdehnung aber nur in der Kammermusik realisiert, glaube ich. Der wäre also quasi ein kleines Argument für Deine These.

    ;)

    Über die Zeit hat sie immer wieder mal geschwächelt (Romantik) und ist dann doch wieder in Glanz erschienen (Anfang und Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts)

    Das glaube ich nicht: Klaviersonaten von Weber - Schubert - Mendelssohn - Schumann - Liszt - Brahms - Tschaikowski - Dvorak - Grieg, kenne ich zwar einige nicht, "geschwächelt" stelle ich mir anders vor. Und die Klaviervirtuosen haben sich auch nicht lumpen lassen - sollte mal wieder die "grande" von Friedrich Kalkbrenner anhören:

    https://www.amazon.de/Friedric…1637924144&s=music&sr=1-2

    :)

    Das Form-Problem der Serenade im 18. Jahrhundert ist natürlich viel komplizierter als der Mozart-Hagiographie-Ansatz, der hier ausgeführt wurde. Serenade, Divertimento, Kassation, Partita, Notturno u.a. überlappen einander. Zum Divertimento habe ich gelesen, dass ab Wagenseils Zeit einerseits eine dreisätzige und andererseits - bei Haydn und dann Mozart - eine mehrsätzige Praxis nebeneinander existierte, ein rudimentärer Sonatensatz vor langsamen Sätzen/Menuetten war die Norm. Hauptproblem des Musikschrifttums bis weit ins 20. Jahrhundert ist die Fixierung auf Mozarts Beiträge bei ziemlicher Unkenntnis der übrigen Produktion.