Beiträge von kurzstueckmeister

    Das war das erste, was ich gefunden hatte ...

    Besonders schlecht sieht es auch mit der Diskographie von Alejandro García Caturla aus (müsste nachsehen, ob der Streichquartette geschrieben hat ...)

    Bei denen, zu denen ich gar keine Aufnahmen gefunden hatte, habe ich leider die Namen auch wieder vergessen. D.h. in meine Liste der Komponisten, die ich mir "vorgemerkt" habe, habe ich dann fast nur solche aufgenommen, zu denen ich zumindest eine Aufnahme gefunden habe.


    Zu Szabelski kann man sich offenbar mittels youtube doch ein bisschen eine Vorstellung machen. Berühmt ist er aber heute eher für sein avantgardistisches Spätwerk (Aphorismen 9 sehe ich 2x in amazon, dann muss man aber seinen Vornamen beim Suchen weglassen).

    Mein Eindruck ist, dass Musiker "Kleinmeisterausgrabungen" in der Regel nicht schätzen. Für Musik der Gegenwart sieht es da wahrscheinlich ganz anders aus, da die meisten wohl doch auch gerne aktuelle Musik spielen wollen, nur natürlich hat dann jeder andere stilistische Vorlieben.


    Bei Arditti gehört es offenbar zum Geschäft, möglichst viele Uraufführungen zu spielen. Eine Art Qualitätsurteil des Meisters schlägt erst zu, wenn es darum geht, ein Werk nochmal aufs Programm zu setzen (glaube ich mal so mitgekriegt zu haben ...)


    Zu Ryelandt finde ich auf Amazon mindestens 5 CDs, kein Grund zu klagen. Man findet in den großen renommierten Musiklexika Grove und MGG Komponisten, die dort durchaus freundlich behandelt werden, zu denen amazon aber gar nichts ausspuckt an Aufnahmen. Dazwischen liegt z.B. Bolesław Szabelski, von dem ich bislang nur ein einziges Werk auf CD gefunden habe. Das finde ich dann doch etwas wenig. Ich entnehme der polnischen Wikipedia, dass er auch für Streichquartett komponiert hat ...

    Das ist völlig richtig: Die Briten pflegen ihre "Kleinmeister" verglichen mit anderen Ländern recht ausführlich - zumindest in Aufnahmen und im Rundfunk. Der Unterschied liegt also nicht in der kompositorischen Produktion.


    Es gibt aber doch recht viele Aufnahmen von internationalen "Kleinmeistern", wenn man auch second-hand akzeptiert und nicht bestimmte Werke sucht, sicher mehr, als man "verdauen" kann. An sich ist der Markt wohl übersättigt, deshalb wundere ich mich nicht, dass es nicht noch 10x soviele Aufnahmen gibt. Es geht gar nicht um den Markt sondern um Dokumentation von Kulturgütern. Hier ist eben die Frage, wieviel Geld da ist und wer entscheidet, was man alles dokumentieren will. Und man kann ja fast alles schlecht und nicht aufnahmewürdig finden, wenn man will.

    Habe dort 40 Komponisten *1910 - *1934 ergänzt. Die sollten in einigen Wochen, wenn es ein Berechtigter freigeschaltet haben wird, sichtbar sein (sind sie jetzt schon, wenn man auf "Ungesichtete Änderungen" klickt. Ich habe sowas schonmal bei der Wikipedia-Zwölftonkomponistenliste gemacht.)


    Schaeffer

    Nancarrow

    Babbitt

    Yun

    Harrison

    von Einem

    Zimmermann

    Ustvolskaya

    Haubenstock-Ramati

    Maderna

    Serocki

    Foss

    Goeyvaerts

    Klaus Huber

    Kelemen

    Ballif

    Schuller

    Clementi

    Cerha

    Evangelisti

    Christou

    Brown

    Donatoni

    Henry

    Barraqué

    Baird

    Pousseur

    Crumb

    Ferrari

    Takemitsu

    Halffter

    Bussotti

    Lucier

    Oliveros

    Schtschedrin

    Norgard

    Birtwistle

    Globokar

    Tenney

    Wolff

    kurzstueckmeister Da sind leider viele Tippfehler drin "seine Structures für ..." Es wäre nett, wenn Du das korrigieren könntest. Leider schaffe ich es danach irgendwie nicht mehr

    Sonst nur ein überflüssiges Wort gefunden und gelöscht ("aus" oder so).

    Weitere Kandidaten wären z.B. Bruno Maderna, Joonas Kokkonen, Klaus Huber, Franco Donatoni, Pierre Henri, Einojuhani Rautavaara, Tadeusz Baird, Edison Denissow, George Crumb oder Luc Ferrari.

    Die Boulez-Integrale liegt bei mir auch rum ... ich habe aber schon in der Gymnasialzeit Sachen von ihm gerne gehört und recht bald eine Handvoll CDs gesammelt, insofern kenne ich schon lange seine Schaffensphasen, trotzdem wird's Zeit, mal ALLES chronologisch anzuhören.

    :)

    Bei Stockhausen bin ich immer noch eher auf die Frühphase fixiert. Nono habe ich auch schon in Schulzeiten durch den Canto sospeso schätzen gelernt, für mich immer noch vielleicht sogar das eindrucksvollste serielle Werk überhaupt.


    Damit das tamino-Forum meinen Musikgeschmack ändern würde, müsste ich jetzt zum glühenden Eschpai-Fan werden. Schaumermal, habe noch nichts von ihm angeschafft ...

    Naja, ich meinte nicht "im Forum schon gesagt" sondern "überhaupt schon gesagt".

    :)

    Mich würde jetzt mal interessieren, welche Komponisten geboren 1920-29 Du besonders schätzt. Als Heroes halte ich (chronologisch) Xenakis, Ligeti, Nono, Berio, Boulez, Kurtag, Feldman, Henze und Stockhausen für gesetzt, dann gibt es schon so etwas wie einen Prominenzknick, oder? Bei Barraqué und Evangelisti sind wir offenbar nahe beieinander, wen hältst Du noch hoch?

    Ich bin nur ein Freund der Diskussion. Ich finde es spannend über diese Musik zu diskutieren.

    Das ist ja auch der Sinn dieses Forums ...

    Mir fällt das leider etwas schwer, da ich mir der Fragwürdigkeit zu bewusst bin von dem, was ich da sagen würde und oft habe ich auch nichts Eigenes zu sagen. Und dann sehe ich keinen Sinn darin, etwas zu wiederholen, das andernorts schon zu lesen ist.

    Aber ich bin eben über meinen Schatten gesprungen, und habe im anderen Thread kurz Werbung für Matsudaira gemacht.

    :)

    Bezüglich vorbarocker Musik wäre eine mögliche Zäsur die "Einführung der Mehrstimmigkeit" oder die "Notre-Dame-Schule" und von dort die Musikgeschichte unserer "Kunstmusik" entlang (13. Jahrhundert ist noch etwas mager, aber es wird dann bis zum 16. schon ziemlich üppig was Überlieferung und verfügbare Aufnahmen angeht). Bezüglich mittelalterlicher Einstimmigkeit stehe ich auch noch ziemlich am Anfang, auch wenn ich schon ansatzweise verstanden habe, was so in etwa einen Modus ausmacht und wie man darin eine Melodie gestalten kann.

    4. Ich hatte mir von dem Forum viele Anregungen für zeitgenössische Musik gewünscht. Das ist nur zum Teil eingetreten. Es gibt einen Thread über neue Streichquartette, den ich gelesen habe und einen über Hitlisten neuer Musik, den ich auch gelesen habe. Aus denen habe ich mir ein paar Komponisten zusammengeklaubt, von denen ich aufgrund der Beschreibung etwas erwartet habe. Wir sprechen hier über Ferneyhough, Evangelisti und Sciarrino. Ich bin nicht enttäuscht worden, nur ist der Mehrwert des Forums an sich nicht klar. Hier würde ich mir einen regeren Austausch wünschen. Bei aller Liebe zu vergangener Musik (ich meine hier die Komponisten) und die kenne ich auch - ich komme bis Monteverdis Orfeo zurück - ist es doch Musik, die zu einer anderen Zeit komponiert wurde. Nicht wenige der gerade sehr kurios geführten Diskussionen hier im Forum basieren darauf, wie man solche Musik in der Jetztzeit vorführen sollte. (Ich kann mich an Beispiele einiger Einspielungen romantischer Klaviermusik hier eirinnern, wo der "Kitsch" meines Erachtens einfach daher rührt, dass das ursprüngliche Gefühl nicht nachempfunden wird und durch Attitüde ersetzt werden muss) Ich denke eigentlich, dass der Zugang zu zeitgenössischer Musik viel direkter sein könnte und würde mich freuen, wenn dazu mehr Diskussion entstehen kann. Damit meine ich ganz bewusst Diskussion und nicht Verbalinjurien.

    Anregungen - Ferneyhough und Sciarrino gehören zu den berühmtesten Komponisten der Gegenwart. Soweit ich mich erinnere, habe ich hier ja diese Kritikerumfrage verlinkt, da gibt es in Summe so viele Namen, das sich das Thema für das 21. Jahrhundert aus dem Blickwinkel der europäischen Avantgarde erstmal erübrigt, wenn Dir nichtmal Ferneyhough und Sciarrino geläufig waren, brauchst Du eventuell ein halbes Jahr, bis Du da "durch" bist.


    Evangelisti ist ja quasi aus einer anderen Epoche, 1980 gestorben und somit kaum "zeitgenössisch". Ich finde auch z.B. sein Klavierstück im Kontext der ähnlichen Werke besonders plastisch und seinen sparsamen Output sehr attraktiv und das Improvisationsensemble beeindruckend. Jede seiner Stationen kann man natürlich mit anderen Werken anderer Komponisten in Verbindung bringen, und so diverse weitere "Empfehlungen" aussprechen - den sparsamen Output und die Strenge teilt er mit Barraqué, unter den frühen Tonbandstücken seiner Kollegen würde ich besonders "Scambi" von Pousseur loben, recht prägnant als kurzes Klavierstück würde ich Bo Nilssons "Quantitäten" erwähnen, beim individuellen und europäischen Ausbrechen ins Aleatorische kommt Jani Christou ein besonderer Platz zu. (Stockhausen ist eh klar.)


    Allerdings glaube ich, dass Du eher Anregungen für Musik vor 1600 brauchst, kann das sein?

    ;)

    Irgendwo steht, dass der Komponist die Interpreten quält. Ist das nicht einfach nur Blödsinn?

    Der Komponist hat eine Vorstellung von seinem Werk. Er versucht, so gut er kann, diese Vorstellung auf Papier zu bringen und interessierte Interpreten versuchen diese Vision zu realisieren..

    Soweit ich weiß, ist die Überforderung des Interpreten Bestandteil des Konzeptes, und ich habe schon gehört, dass eine perfekte Ausführung dem Komponisten gar nicht gefällt.


    Das Arditti-Quartett spielt sehr frei und mit eigener Gestaltung - also sie lassen einiges weg, was da steht, und erzeugen Sachen, die nicht da stehen. Das ist sehr wirkungsvoll, wirkt extrem virtuos (virtuoser wohl, als wenn man genau spielen würde) und macht alle glücklich. Aber sie entgehen eigentlich der Überforderung, weil sie gar nicht so wirklich anzustreben scheinen, alles exakt so zu spielen.

    Hm, vielleicht ist es doch von Vorteil, intelligent zu sein, weil man dann lernfähig ist und auch die Freude an schwierigem Material "erzwingen" kann. Ob das aber insgesamt einen glücklicheren Menschen produziert - na, da bin ich auch skeptisch.

    Dass es so etwas wie klassische Musik gibt, die man als Kulturgut ansieht, wissen aber schon so ziemlich alle. Wenn einem das egal ist, dann störe ich ihn auch nicht weiter ... wenn man Zugang sucht, wird man auch Angebote finden z.B. im Internet. Wenn man trotz Angebots keinen Zugang findet und persönliche Hilfe sucht - gibt's das?

    :untertauch:

    Das ist ein musikalischer Zweig, der bei mir fast verkümmert ist. Ich kann das Phänomen rationalisieren, aber eigentlich verstehe ich es nicht. Da entgeht mir also wertvolle Musik. Ist das in Ordnung oder nicht?

    Wenn Du der Meinung bist, dass es wichtig ist, dass man Kulturgüter wertschätzt, wäre es natürlich konsequent, jetzt besonders viel Oper zu hören, da sie Dir noch nicht so nahe ist. (Ich habe das auch so gemacht, mit Erfolg.)

    Mich würde also interessieren: Wie konsumiert Ihr und was gefällt Euch, beziehungsweise nicht und warum (die Reflektion :))?

    Ich stimme ja weitgehend mit dem überein, was Du in Deinem Eröffnungsbeitrag schreibst, nur dass ich die Wiedergabequalität bei Beethoven nicht für essenziell halte. Freilich ist es eine Einschränkung, wenn man in der Auto-Anlage die tieferen Frequenzbereiche kaum hört oder leise Stellen gar nicht, aber ich fahre nur im Urlaub Auto und genieße dann auch einen verstümmelten Musik-Konsum. Zu Hause habe ich eine gute Anlage, die aber natürlich auch nicht klingt wie ein Konzertsaal, und im Konzertsaal schnaufen und husten die Mitmenschen. Ob man offen und konzentriert ist, ist aber ohnehin unabhängig davon, und auch im Dämmerzustand zwischen Einschlafen und Aufwachen kann man tolle Musik-Erlebnisse haben. Oftmals bin ich aber gar nicht besonders aufmerksam, denke an etwas anderes, auch wenn ich gerade extra Musik höre - Hintergrundberieselung nutze ich sehr selten, Musik während der Arbeit am Computer mag ich nicht. Im Schnitt höre ich vielleicht eine Stunde Musik am Tag, für Klassikforumsverhältnisse also wenig. U-Musik ganz selten. Besonders viel höre ich etwa die Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, setze aber variable Schwerpunkte vom 12. bis zum 21. Jahrhundert. Die am wenigsten präferierte Gattung ist das Klavierlied, am meisten größer besetzte Werke. Ursache ist vielleicht, dass ich früher gesungene Musik gar nicht so mochte, vielleicht, weil die Identifikation mit der fremden Stimme nicht gelingen wollte, bei Opern habe ich das überwunden, andererseits habe ich deutsches Barocklied auch gern, vielleicht sollte ich einfach mehr Klavierlieder hören. Dass das Orchester mit seiner Farbigkeit besonders attraktiv ist, liegt wohl auf der Hand. In der Renaissance ziehe ich eher geistliche Musik vor, vielleicht, da mir dort das "Bedeutsame" die Musik näher bringt, außerdem ist bei einer Messe die "Handlung" ziemlich klar (wiewohl ich das Credo jetzt auch nicht auswendig in Latein aufsagen könnte).


    Mal sehen, vielleicht kannst Du meiner Reflexion noch auf die Sprünge helfen ...

    :)

    Ich akzeptiere natürlich, dass kundige Taminos hier ihren Wagner verteidigen, ich lasse auf "meinen" Janacek ja auch nichts kommen. Bei mir ist das mit Wagner allerdings so: "Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt."

    Vielleicht ist das Erhabene bei skeptischer Betrachtung immer lächerlich ...

    Die letzten Postings bekräftigen mich darin, den Schwulst-Begriff abzulehnen. Er wurde ja mit "nichts dahinter" definiert. Da Wagners Musikdramen konzeptionell und inhaltlich viel dahinter haben, geht es also nur darum, dass man die sprach-künstlerische Leistung nicht wertschätzt. Aber ich bleibe dabei: Ob mit aufwändigen Mitteln oder im Stil der Tageszeitungen, Kunst darf alle Mittel verwenden, und wenn sie besser oder schlechter ist, so ist sie besser oder schlechter, verliert aber nicht die Freiheit, beliebige Mittel einzusetzen. Wobei ich letztens den Ring komplett mit Text genossen habe und den Text als Bestandteil des Gesamtkunstwerks durchaus auch toll fand. Bin halt nicht so engstirnig und durch Barockliteratur und Dekadenz so einiges gewohnt. Mir ist auch nicht klar, wo das Problem sein soll, wir sind mitten im Historismus, die Handlung spielt in grauer Vorzeit, warum soll da nicht sprachgeschöpft werden? Und dass Götter sich nicht wie Proleten ausdrücken, sollte auch einleuchten.

    Man müsste freilich den Text von Schwind lesen, um Klarheit zu haben, wie er den Schwulst-Stil abgrenzt und was der Unterschied zur Barock-Definition ist. Dass diese beiden Begriffe eine Art Konkurrenz eingehen müssten, sehe ich erstmal gar nicht. Stile/Strömungen/Tendenzen lösen einander ja nicht sauber ab sondern überlappen einander und haben ohnehin extrem unscharfe Konturen. Je mehr Begriffe jetzt da herumschwirren, umso besser, da jeder einen Teilaspekt der Produktion hervorstreicht.


    Ich gehe ja nicht heran, und möchte einen Schwulst-Stil-Begriff für die Musik auf die Beine stellen. Ich würde den Begriff einfach meiden und ihn als historischen Kampfbegriff in der Mottenkiste lassen. Deshalb hat es mich ja irritiert, dass er hier plötzlich ganz ernst gemeint in der Diskussion auftaucht.


    Daher erst meine Frage, wie ich ihn nutzen könnte - nicht nur Referenz auf den historischen Kampfbegriff sondern als einen, der bestimmte Eigenschaften zum Ausdruck bringt. Dafür würde ich mich daran orientieren, wofür er verwendet wurde - also Barock und Spätromantik. Das Vollgepackte bei Bach und die (nicht nur) klangliche Üppigkeit bei Wagner-Scriabin - ich kann das nachvollziehen, dass man hier einen gemeinsamen Begriff verwendet hat. Freilich wären die vielstimmigen Renaissancemusik-Stücke etwa "spem in alium" von Tallis auch Kandidaten - dazu passt, dass Barock auch gerne mal schon ab Adrian Willaert gesetzt wird. "Schwulst" in dem Fall natürlich nicht als "Stil" sondern als Eigenschaftsbeschreibung wie "Üppigkeit", "Pracht", "Fülle".


    Wahrscheinlich ist es aber besser, den Begriff nicht zu verwenden, oder nur als Verweis auf ihn als historische Kritik-Begriffsprägung einerseits und andererseits als Stilbegriff in der Literaturwissenschaft.

    Ich habe inzwischen folgenden Eindruck: Der Begriff "Schwulst" ist ein historischer Begriff der Kritik. Die Abhandlung
    Schwulst-Stil: histor. Grundlagen von Produktion u. Rezeption manierist. Sprachformen in Deutschland 1624-1738
    von Peter Schwind (1977) gilt nach wie vor als Referenz und markiert wohl den Wandel zu einer neutralen Bedeutung. Rezent heißt es etwa:

    Zitat

    In evolutionärer Hinsicht werden mit der "Schwulst"-Kritik Absetzbewegungen gegen ältere, vor allem barocke Stilpräferenzen vollzogen, die Stil auf einer Programmebene temporalisieren.


    Ingo Stöckmann "Vor der Literatur", 2001, S. 143 FN

    Das ist gar kein Widerspruch. Jeder Stil hat seine Achillesverse. Der Klassizismus ist per se nicht schwulstanfällig, dafür aber neigt er in weniger gelungenen Beispielen zur Steifheit und langweiligen Imitation. Beim Barockstil, der als eine Ästhetik des Erhabenen auf "Wirkung" setzt und als "rhetorischer" Stil ganz bewusst übertreibt (auch das zielt auf Wirkung), kann das eben in nicht gelungenen Fällen zur bloß äußerlichen Fassade und zum bloßen Pomp und Schwulst werden. Wenn die Literaturwissenschaft vom Schwulststil spricht, finde ich auch das nicht besonders gelungen. Ein privativer Begriff bleibt privativ. Man sollte schon zeigen können, woher denn die positive Bedeutung herkommen soll, die über das Privative des Geschwollenen und Übertriebenen hinausgeht - und das auch in einen Begriff fassen können.

    Keineswegs. Ebenso wie "Barock" seinen abwertenden Charakter verloren hat, hat es der "Schwulst". Wenn man den Barock und seine positive Einstellung zur Fülle akzeptiert, so ist auch der Schwulst nicht mehr abwertend verwendbar. Letztlich hast Du es ja oben selbst argumentiert, dass es ein Fehler ist, mit den Bedürfnissen eines sich abgrenzenden Folgestils - sei es Klassizismus oder Neoklassizismus gegenüber dem Wagner-Scriabin-Schwulst - den Vorgängerstil zu bewerten.


    Damit Du mich nicht missverstehst: Wenn ich nun also "Schwulst" verwende, so nicht abwertend.