Beiträge von kurzstueckmeister

    Das Fazit des Autors, dass die Produktion von Aufnahmen klassischer Musik nach dem Zusammenbruch der großen Label zu Beginn des 21. Jahrhunderts tot sei, teile ich nicht. Durch die Fixierung auf die großen Player der Musikindustrie entgeht dem Autor, dass eine Vielzahl kleinerer Label weiterhin künstlerisch hochwertige Aufnahmen produzieren, die offenbar auch ihre Käufer finden.

    Dieser komische Markt mit 1.000x dasselbe Werk mit kleinen Abweichungen in der Ausführung kann natürlich nicht in der Art weiter wachsen, wer das bejammert, für den habe ich wenig Verständnis. Es gibt aber genug, wovon keine oder nur wenige Aufnahmen existieren, dafür gibt es zwar nicht viele Käufer, aber was Käufermaximierung betrifft, kann die Klassik sowieso nicht mit Populärmusik mithalten. Insofern ist der "Tod" von Lebrechts Lieblingssparte vielleicht sogar gut für die ernste Musik -> mehr "Diversität", weniger "Kommerz".

    Der Eröffnungsbeitrag ist ähnlich merkwürdig:


    "Als Originalwerk bezeichne ich eine Inszenierung, deren Handlung nach dem Libretto, auf das der Komponist die Musik geschrieben hat, abläuft und die zeitlich und örtlich dort angesiedelt ist, wo sie historisch hingehört."

    "Nach der einhelligen Meinung aller bedeutenden Werktheoretiker ist das Werk eben nicht mit dem Libretto oder der Partitur identisch."


    Die Antwort ist als Widerspruch gedacht. Dabei hat der Erstsprecher gesagt, dass er als "Originalwerk" eine "Inszenierung" bezeichnet, nicht das Libretto und auch nicht die Partitur.


    Ich frage mich aber immer noch, ob mein Huster zur Aufführung gehört.

    Nehmen wir an, ein Mikrophon fängt den Klang des Bratschers und des Husters ein. Das Schallereignis des Hustens gehört dann zur Aufnahme der Aufführung des Werks dazu. Gehört es auch zur Aufführung dazu? Eher nein (außer bei Cage).


    Sobald man versucht, die Dinge und Begriffe ganz scharf zu stellen, stolpert man von einem Nonsense zum anderen ...

    Interpretiert wird hingegen ständig. Also der Ausführende interpretiert die Oper im Moment der Aufführung, aber ich interpretiere sie auch als Zuseher und -hörer.

    Trotzdem kann ich, wenn ich als Zuhörer in der Oper sitze, nicht sagen: "Ich bin Interpret der heutigen Aufführung", obwohl es an sich stimmt, wenn ich mir ein paar Gedanken dazu mache. Es ist einfach nicht üblich und würde etwas anderes bedeuten.


    Was aber bedeutet, dass aus der Bezeichnung "Interpret" nicht so viel abzuleiten ist - diese Bezeichnung ist heute üblich, das ist alles. Entscheidender ist, dass ein Bratscher durch sein Instrument Schallwellen erzeugt, die zur Aufführung gehören, denn dadurch unterscheidet er sich fundamentaler vom hustenden Zuhörer, als dadurch, dass beide das Werk interpretieren.


    Was ist eigentlich das Thema hier?

    :untertauch:

    Libretto und Partitur sind quasi das Rezept oder die Bauanleitung um das virtuelle Werk in die momentane Realität umzusetzen

    Genau, das Werk ist genau genommen weder die Partitur, noch ist es eine Aufführung davon sondern etwas Abstraktes, "Virtuelles".


    Trotzdem kann man auf die Partitur zeigen und sagen: "Das ist Mozarts Idomeneo", oder zu einem Schallereignis sagen: "Das ist Mozarts Idomeneo".


    Was schwieriger wird, ist, wenn der Ausführende meint, er wäre der Schöpfer von Mozarts Idomeneo, das würde sprachlich nicht so hinhauen.


    Interpretiert wird hingegen ständig. Also der Ausführende interpretiert die Oper im Moment der Aufführung, aber ich interpretiere sie auch als Zuseher und -hörer.

    Du hast die Nummer gemeinsam mit einer Formatierung reinkopiert - dann geht's nicht.

    Also entweder die Nummer in einen Editor kopieren, der keine Formatierung speichert, und dann von dort hierherkopieren, oder gleich [jpc]...[/jpc] im Quellcode tippen (also ganz oben links auf Quellcode umschalten), denn dort werden auch Formatierungen beim Reinkopieren von selbst entfernt.

    Die Musik allein ist aber auch keine Erklärung, den es gibt einige andere Mozart opern, die nich so in der Publikumsgunst stehen - um es milde auszudrücken....

    Wer sagt denn, dass die Musik Mozarts in allen Werken dieselbe Popularität bewirken müsste? Die Zauberflöte (oder die kleine Nachtmusik) ist nun mal ohrwurmiger und unverwechselbarer als vieles andere, das deshalb nicht zwingend schlechter sein muss.

    Sowas wird es wahrscheinlich nicht geben. Ich hab recherchiert und da stand, daß kein einziges Instruement aus dieser Zeit erhalten ist, auch keine exakten Baupläne. Was man im Internet findet sind meistens Arrangements selbternannter "Mittelalter Spezialisten" aufbereitet für Touristten etc.

    Aber besser als gar nichts. Das meiste was man hört ist ais den 15, Jahrhundert oder eine Bearbitung, Viele Instrumente sind Nachbauten oder werden in "originellen" Kombinationen eingesetzt.

    Ich habe mich dann doch für eine Fidel entschieden, da man so zumindest Stücke aus der betreffenden Zeit verlinken kann:

    Einführung zur Musik des Mittelalters

    In Wien gehört leider für viele Touristen, die sonst keine Berührung mit klassischer Musik gehabt zu haben scheinen, ein Staatsopernbesuch dazu, wobei es eine Oper sein muss, kein Ballett. Dadurch ist es relativ egal, was wie geboten wird, fast alles ist voll, und ziemlich viele folgen weder der Handlung noch der Musik und wissen nicht, dass leise Gespräche stören (insbesondere, wenn z.B. Mimi stirbt :cursing:).

    Aber es ist noch tolerabel ... ich will nicht zu viel jammern.

    [...] scheint es mir persönlich so, als sei es immer mehr üblich, sich gerne auch während der Vorstellung vernehmbar über Sänger, Inszenierung oder häufiger über andere beliebige Themen auszutauschen. Und dabei handelt es, so mein Eindruck, im Regefall nicht um Opernneulinge oder jüngere Besucher, sondern eher um "Alteingesessene".

    Ich kenne das in der Wiener Staatsoper eher von den Touristen.

    Wie Recht Woka und auch ich mit Ihren Einwürfen haben, zeigt Dein eingeschnapptes Verhalten auf meine Ironie, wo ich einfach das, was Du und Kurzstückmeister für selbstverständlich haltet, auf Dich selbst anwende!

    Mir wäre neu, dass Du in Tamino nur positive Rezensionen verfasst. Aber ich nehme Deine Äußerungen in emotionalen Debatten nicht ernst, schreib, was Du willst, die Chance, dass ich es lese, ist relativ gering.

    Ist das für Dich tatsächlich normal? Wenn drei Menschen beisammen stehen und sich anerkennend über ein gemeinsames Erlebnis unterhalten, stellst Du Dich dazu und erklärst Ihnen ungefragt, dass Du davon überhaupt nichts hältst?

    Das ist jetzt eine andere Frage, nämlich die, ob man bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, gegen eine Mehrheit eine Meinung zu äußern (und nicht, etwas Negatives zu äußern).


    Diese Situation ist aber hier nicht gegeben, da beide Parteien ausreichend personenstark sind (und in diesem Thread war ja nur eine Person in der Inszenierung, um die es geht, oder?)

    Ungefragt zu äußern, dass einem etwas nicht gefällt, ist genauso normal, wie ungefragt zu äußern, dass einem etwas gefällt.


    (Sonst müsste man die Leute auf der Straße dauernd Lobeshymnen singen hören, stattdessen wird hauptsächlich geschimpft - auf Politiker, Nachbarn, Lehrer etc.)

    Der Regisseur Yves Lenoir siedelte die Handlung nicht im Jahr 1429 an, sondern verlegte sie in eine vollkommen unbestimmte Zeit. [...] Die alles überragende Leistung der Regie liegt darin, dass sie nicht aktualisiert indem sie auf zur Zeit heutige Themen und Personen Bezug nimmt, sondern dem Zuschauer Raum lässt, seinen eigenen Assoziationen zu aktuellen Ereignissen bachzugehen.

    Es steht ja so ähnlich im Eröffnungsbeitrag: Es geht um Aktualisierung, Verlegung aus dem 15. Jahrhundert in die Gegenwart, aber ohne bestimmte aktuelle Ereignisse zu zeigen, die aber der Zuseher dennoch assoziieren soll.


    Wir hauen uns nur darum, ob es "die Gegenwart" oder "vollkommen unbestimmte Zeit" ist, ich habe eingeräumt, dass beide Sichtweisen möglich sind, für mich aber der "In-die-Gegenwart-Verlegungsaspekt" der vorrangige (und vorrangig störende) ist, da ich das grundsätzlich nicht mag. (Der Begriff Regietheater hat vor allem mit Handlungsverlegungen und -veränderungen zu tun, insofern ist das dann auch eine Diskussion darum, ob oder wie sehr das Regietheater ist.)


    Dass das Aggressionen auslöst, verstehe ich, da ich ja einen ganzen inzwischen sehr breiten Bereich der Bühnenkunstausübung ablehne. Das sollte aber nun doch auszuhalten sein. Wenn jemand sagt, er findet atonale Musik scheiße, dann kann ich das im Internetforum auch ohne Verärgerung lesen, da ich ohnehin weiß, dass das eher die Regel ist. Und so derb habe ich mich gar nicht ausgedrückt.

    Ich habe ja auch keine Lust, die eine Oper zu hören und eine andere dazu auf der Bühne zu sehen.


    Nur hat mich die Behauptung, dass die Inszenierung "zeitlich vollkommen unbestimmt" sei, neugierig gemacht, wie das dann ausschaut. Und dann habe ich mich dank der Bilder leicht veräppelt gefühlt.


    Dass der Text nicht zeitlich vollkommen unbestimmt ist in Hinblick auf die Handlung, habe ich schon erwartet bei dem Titel.

    8)

    Wenn dagegen Herren die Frisuren aus den 60igern tragen und die Frauen Miniröcke ebenfalls aus den 60igern, dann ist die genaue Datierung gegeben und klar, dass der Regisseur einen Zeitbezug zu den 60iger Jahren herstellen will, was dann wesentlich für das Verständnis der Handlung und der Motivation der Figuren in ihrem Handeln ist.

    Das Kostüm allein stellt keinen Zeitbezug her, sondern es muss ein ganze Milieu auf der Bühne evoziert werden.

    Ist ja alles schön und gut (wenn auch leicht widersprüchlich), aber meine Aussage war, dass ein Stück, das im 15. Jahrhundert spielt, wenn es mit Kostümen und Gegenständen, die klar nach 20./21. aussehen, dargeboten wird, dadurch in die Gegenwart versetzt erscheint, und nicht "zeitlich vollkommen unbestimmt" ist.


    Dabei bleibe ich, auch wenn ich natürlich in der Lage bin, zu sehen, dass man das auch anders sehen kann, und dass insbesondere Konzepte der Moderne und Postmoderne mehrdeutig sind, offen. Intention scheint einerseits zu sein, das Stück zu aktualisieren, in die Gegenwart zu holen, andererseits, durch Verwischung der Gegenwartsausstattung ins 19. Jahrhundert zurück, eine zeitliche Allgemeingültigkeit zu suggerieren.


    Es ist also sowohl möglich, zu sagen, dass diese Inszenierung die Oper modernisiert und in die Gegenwart holt, als auch, dass die Inszenierung die Handlung "zeitlich völlig unbestimmt" lässt, je nachdem, wie man argumentiert, denkt.


    Man kann aber natürlich auch mutmaßen, dass derjenige, der eine andere Meinung hat, furchtbar dumm sein muss und böse sowieso.

    :)

    Adam de la Halle: Aucun se sont loé d'amours/A Dieu commant amouretes/Super te (13. Jh.)

    Zentrale Gattung in der mehrstimmigen Musik des 13. Jahrhunderts ist die Motette, bei der verschiedene Texte auch in verschiedenen Sprachen überlagert werden können. Sie nehmen gerne aufeinander Bezug, so wird etwa einem geistlichen Text ein kritischer Kommentar zugesellt, der die Divergenz zwischen Botschaft und Leben der Vertreter der Kirche anprangert.

    Diese komplexen Schöpfungen waren für Gebildete gedacht, die Intellektuellen etablierten sich als neuer Stand, während das Volk die Feinheiten nicht verstanden hätte und wohl auch nicht besonders kritikfähig gewünscht wurde.

    Ich fürchte, dass es kaum möglich ist, zeitlose Kleidung und Ausstattung zu generieren, zudem wenn militärische Uniformen verwendet werden sollen.


    Dass der Regisseur so eine Unbestimmtheits-Assoziation intendiert, mag ja sein, das Ergebnis ist aber leider eine zeitliche Versetzung aus dem 15. Jahrhundert in Richtung Gegenwart. Tja, schief gelaufen ...